Gruselkabinett (84 / 85) – Die Katze und der Kanarienvogel

Titel: Gruselkabinett (84 / 85) – Die Katze und der Kanarienvogel / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 127 min / Sprecher:

gk84-85Inhalt: Am Hudson River 1921: In einem einsam gelegenen alten Haus findet zwanzig Jahre nach dem Tod des Besitzers auf dessen ausdrückliche Verfügung hin die Testamentseröffnung vor seinen sechs verbliebenen Erben statt. Die Klausel, dass der Erbe oder die Erbin die Nacht in der unheimlichen Bibliothek dem Todeszimmer des Erblassers verbringen muss und zudem das Erbe nur antreten darf, wenn er oder sie nach dieser Nacht noch bei Verstand ist, verwundert die angereiste bunte Schar potentieller Erben.


Warum wohl war ich hinter dieser Folge so sehr her? Wer mich ein bisschen kennt, dem dürfte Antwort wie von selber kommen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich die Geschichte bisher nicht kannte. Da darf man die CDs wohl mit tierisch falschen Erwartungen in den Player schieben 😉
Das Schema der Geschichte ist nicht gerade das Neueste. Ich bin mir sicher, hier und da (und da und da) bereits schon mal eine Story angetroffen zu haben, die sich um eine verhängnisvolle Testamentseröffnung drehen. Schlecht fand ich sie in diesem Falle trotzdem nicht. Ich habe es der Geschichte schon hoch angerechnet, dass sie einem genügend Zeit lässt, sich im Kreis der potenziellen Erben zurechtzufinden. Ansonsten wäre man später auch verloren. Gleichzeitig wird schon zu Beginn deutlich, dass es gewisse Spannungen zwischen den Personen gibt. Das lässt auf eine interessante Handlung hoffen.
Nach einer Weile sorgt das Gerücht um einen entflohenden Irren für zusätzliche Unruhe, der sich womöglich im Hause eingenistet hat. Mit sowas packt man mich immer, sowas mag ich ganz einfach. Alleine die  Vorstellung eines Verrückten, wie er hier beschrieben wird, bereitet mir schnell eine feine Gänsehaut.
Damit war es das in Sachen Grusel allerdings auch schon. Es gibt zwar ein paar nette Schreckmomente, aber durchgängig gruselig ist es nicht. Das muss man klar so sagen. Stattdessen entwickelte sich die Geschichte für mich eher in Richtung eines Krimis. Denn an irgendwelche Geister glaubt man ja allgemein nicht. Also bleibt nur noch die Möglichkeit, denjenigen, der hinter den Vorkommnissen steckt, im Kreis der Erben zu suchen. Dabei habe ich mich mit meinem Verdacht öfter umentschieden und lag am Ende immer noch falsch. Das machte allerdings nichts, die Rätselei hatte Spass gemacht, und darauf kommt es für mich an. Zugegeben, hier und da hätte man die Sache kürzer fassen können, aber echte Längen kommen nicht auf. Und mit der von dieser Reihe ungewohnt lockeren Redeweise fährt diese Folge einen weiteren Pluspunkt ein.

Mit dem kleinen Kreis der potenziellen Erben, einer Haushälterin und einem Anwalt zeigt die Sprecherliste sich vergleichsweise übersichtlich, was mir immer entgegenkommt.  Dagmar von Kurmin als Haushälterin Mammy Pleasant ist mir am eindrucksvollsten im Gedächtnis geblieben. Dabei schwingt sie keinesfalls große Reden. Doch bei ihren wenigen Sätzen schwingt so viel Geheimnisvolles mit, dass man schon mal schaudern kann. Nana Spier hat es mir nicht leicht gemacht, Annabell West zu mögen und über den Weg zu trauen. Mal klingt sie geradezu klebrig süß und liebenswert, dann wieder schlägt sie einen Ton an, bei dem man sich auf Anhieb fragt, was tatsächlich hinter dieser süßen Fassade steckt. Das lässt einen durchweg uneins darüber, welche Rolle sie im Geschehen spielt.

An Musik und Geräuschen gibt es einmal mehr nichts auszusetzen. Es sind stimmungsvolle Stücke zu hören, denen das Hörspiel seine geheimnisvolle und -zumindest im ersten Teil – auch ein wenig schaurige Atmosphäre verdankt. Für mich war es wieder mal etwas zu viel des Guten, ich brauche keine ständige Untermalung, aber sei’s drum. Das Problem habe ich ja mit mehreren Folgen der Reihe. Vielleicht stehe ich mit dieser einschätzung auch alleine da.

Zu meiner Enttäuschung sind Katze und Kanarienvogel lediglich Bilder, die die Situation in der Geschichte widerspiegeln. Aber auf dem Cover macht die Katze sich trotzdem gut. Und die umher schwebenden gelben Federn im Käfig lassen nicht gerade auf ein glückliches Ende für den Kanarienvogel schließen. Das macht neugierig auf das Hörspiel.

Fazit:  Etwas kürzer hätte das Hörspiel für mich ruhig sein können, aber langweilig wurde es mir trotzdem nicht dabei. Im ersten Teil gibt es die eine oder andere unheimliche Szene und einige nette Schreckmomente, später wandelt die Geschichte sich eher in Richtung Krimi, bei dem man gut mitknobeln kann. Das hat mir Spass gemacht.

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