Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt (02) – Warten auf Wunder (Finn-Ole Heinrich / Sandra Hüller)

Titel: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt (02) – Warten auf Wunder / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 168 min auf 2 CDs / Buch: Finn-Ole Heinrich / gelesen von: Sandra Hüller

maulina02Inhalt: In diesem Sommer soll Maulina Schmitt lernen, die Krankheit ihrer Mutter zu verstehen. Das neue Rollstuhl-Leben in Plastikhausen ist jeden Tag eine logistische Meisterleistung. Maulina muss akzeptieren, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt und auch ihr Vater ein neues Leben begonnen hat. Sie entführt ein Zebra, um ihn zur Raison zu bringen, und packt ihre Mutter, Paul und ihren Opa für eine letzte gemeinsame Reise ein. Und sie behält ihr geliebtes altes Zuhause so genau im Blick, dass ihr ganz anders wird, als sie merkt, was sich dort anbahnt.


Bis zu diesem Hörbuch hatte ich von Maulina Schmitt noch nichts gehört. Der seltsame Name machte mich aber neugierig auf dieses Mädchen. Wie mir relativ schnell klar wurde, ist dies der zweite Teil einer Reihe um Maulina, ihre Familie und Freunde. Man muss Teil 1 nicht kennen um sich einzufinden. Recht schnell war mir klar, dass man Fräulein Maulina aus einer heilen Familie samt luxuriösem Heim herausgerissen und mit ihrer kranken Mutter zusammen in eine einfache kleine Wohnung verpflanzt hat. Das findet sie natürlich überhaupt nicht toll. Verständlich, aber für mich kam ihr Missmut darüber viel zu deutlich rüber. Bald habe ich mich gefragt, was die Eltern da für ein Prinzesschen großgezogen haben. Das Haus stand im Königreich Mauldawien, sie spielten Maul-Maul usw. Hat sich da echt ständig alles um Maulina (die eigentlich Paulina heißt) gedreht?!
Davon abgesehen ist Maulina zum Glück ziemlich robust und resolut. Sie muss neben dem Umzug noch einiges mehr wegstecken. Ihre Mutter ist beispielsweise sterbenskrank. So wenig -ja es ist leider so- ich Maulina mochte, es ist doch rührend, wie sie sich um ihre Mutter kümmert und dafür sorgt, dass es ihr so gut wie nur möglich geht.
Schon daraus habe ich Rückschlüsse auf Maulina Alter gezogen, das nie genau angegeben wird. Doch aus ihrer Vernunft heraus, wenn es um ihre Mutter geht, ihrer Ausdrucksweise und zwei versteckten Hinweisen würde ich schätzen, dass sie zwischen dreizehn und fünfzehn Jahren alt ist.
Genau deshalb habe ich immer wieder den Kopf über sie geschüttelt. Es ist ihr wirklich gelungen, mich alle naselang auf die Palme zu bringen. Womit? Vor allem mit ihrem Verhältnis zu und ihrem Umgang mit ihrem Vater. Seit der Trennung nennt sie ihn nur noch „der Mann“. Gedanklich, denn sie spricht kein Wort mehr mit ihm. Sie schickt ihm Drohbriefe, wenn etwas nicht läuft, wie es das in ihren Augen sollte. Sie setzt Freunde darauf an, das Haus des Vaters zu beobachten und ihr zu berichten, was dort vor sich geht. Meist natürlich Unmögliches, klar! Und der Vater? Der strampelt sich ab, schickt ihr „liebes Kind, bitte sei wieder gut!“-Briefe, macht alles, was sie ihm schreibt und heult vor Glück als Madame einmal nur seinen Vornamen sagt. Hallo?! Ja, eine Trennung ist nicht schön. Erst recht nicht, wenn ein Elternteil so krank ist. Aber manchmal ist es eben so, und das Leben geht weiter! Die Mutter verurteilt den Vater nie, woraus ich schließe, dass die Trennung aus guten Gründen passiert ist. Und die im Umgang mit ihrer Mutter so vernünftige Maulina, bockt herum, spioniert, schimpft und verurteilt, dass einem Hören und Sehen vergeht.
Die einzelnen Geschichten auf diesen beiden CDs sind nicht übel, abwechslungsreich und ganz unterhaltsam. Aber Maulinas unmögliches Denken und Verhalten was den Vater anbetrifft, hat sie mir ziemlich verleidet. Wahnsinnig lustig fand ich sie ganz sicher nicht. Ob das so ein gutes Vorbild für hörende Kinds in ähnlichen Situationen ist, sei mal dahingestellt.

Sandra Hüller trifft genau den richtigen Ton für Maulina. Frech, vorlaut, energisch, aber zu entsprechenden Szenen auch nachdenklich und gefühlvoll. Wenn es dabei um Maulinas Mutter geht, können einem schon mal die Tränen kommen. Mich beeindruckt auch, dass Sandra Hüller so gut mit dem Text zurechtkommt. Ich persönlich finde Finn-Ole Heinrichs Stil nämlich nicht so hinreißend, poetisch und wunderbar, wie er vieler Orts beschrieben wird. Es sei denn, es ist wunderbar, wenn zB den Sätzen das erste Wort fehlt. Womöglich bin ich ein Kulturbanause, kann sein. Jedenfalls stelle ich es mir nicht so leicht vor, solche Texte vorzulesen. Doch Sandra Hüller macht das wirklich toll!

Auf dem Cover sieht man das Zebra (das arme Plüschtier macht einiges mit in der Geschichte) und natürlich Maulina. Mit ihrem Markenzeichen, dem Schal. Eine lustige Illustration, die neugierig auf das Hörbuch macht. Im Booklet wird Maulina samt Freunden und Familie vorgstellt, ebenfalls gezeichnet natürlich.

Fazit:  So leid es mir tut, mich hat „Maulina Schmitt“ nicht begeistern können. Zwar ist sie oft ein resolutes Mädchen, das die schwere Zeit mit ihrer kranken Mutter bewundernswert gut meistert, aber ihre Haltung ihrem Vater gegenüber konnte ich einfach nicht akzeptieren. Die fand ich schlichtweg unmöglich. Und da das fast in jeder der kurzen Geschichten rüberkommt, war ich oft einfach nur stinksauer.

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