In einem Boot (Charlotte Rogan / Marie Bierstedt)

Titel: In einem Boot / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 274 min auf 4 CDs / Buch: Charlotte Rogan / gelesen von: Marie Bierstedt

3261_4_Rogan_In_einem_Boot_Booket.inddInhalt: Grace Winter, zweiundzwanzig Jahre alt und Witwe, muss sich im Herbst des Jahres 1914 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Sie ist Überlebende eines Schiffsunglücks, nach dem sie drei Wochen lang in einem überfüllten Rettungsboot auf dem Atlantik trieb. Im Rückblick erzählt sie, welche Strategien die Insassen des Bootes entwickelten, mit der Katastrophe umzugehen. Doch als Tag um Tag vergeht und immer noch keine Rettung in Sicht ist, wird die Stimmung an Bord aggressiver. Sollen die Schwächsten geopfert werden, damit die Stärksten überleben? Oder umgekehrt? Es spinnt sich ein unentwirrbares Netz aus Macht, Manipulation und Abhängigkeit, das nur einem Zweck dient, den nächsten Tag zu überleben.


Bei diesem Hörbuch hatte mich vor allem das schöne Cover gelockt. Es hat die Tatsache, dass die Geschichte 1914 spielt, in den Hintergrund gerückt, und das will schon etwas heißen. Denn normalerweise wäre diese Zeit ein KO-Kriterium für mich.
Die Geschichte beginnt mit dem anstehenden Gerichtsprozess, in dem die 22jährige Grace -eine der Überlebenden der Schiffskatastrophe- sich wegen Mordes verantworten muss. Ich muss gestehen, ich hätte mir einen Anfang auf der Zarin Alexandra zu Zeiten des Untergangs gewünscht, denn dieser Prolog nimmt der Handlung bereits einiges vorweg. So weiß man beispielsweise, dass Grace überleben wird und dass es im Rettungsboot zu dramatischen Vorfällen kommen wird. Das mindert später die Spannung. Außerdem hätte ich generell gerne gewusst, wie es zum Untergang des Schiffs kam. Das wird nämlich während der folgenden Geschichte nicht genau erklärt.
Stattdessen sitzt man quasi mit Grace und knapp 40 anderen Überlebenden im Rettungsboot. Das ist zwar ein sehr begrenzter Raum (ein Umstand der für mich stets für Spannung bürgt), aber es sind doch sehr viele Figuren. Ich konnte mir unmöglich alle merken. Wirklich hängengeblieben ist bei mir gerade mal ein kleines Grüppchen.
Womöglich hängt es damit zusammen, dass mir ein Großteil der Dramatik gar nicht bewusst wurde. Wenn ich mir eine Person nicht zu eigen machen bzw eine Beziehung zu ihr aufbauen kann, kann ich auch nicht richtig mit ihr fühlen, fiebern oder mich ängstigen. Natürlich ereignen sich im Boot schlimme Dinge. Die Gruppe erlebt einen furchtbaren Sturm, es gibt Tote und nach eine Weile brodelt es stetig unter ihnen, aber gefühlsmäßig kam das bei mir kaum an. Ich habe auch nie darauf gewartet, wann die Situation endgültig eskaliert, sondern einfach alles auf mich zukommen lassen. Spannung kann man das leider nicht nennen, allenfalls Neugierde. Selbst Grace war mir nie wichtiger als die übrigen Schiffbrüchigen, und wenn ich das über eine Hauptfigur sage, dann ist einfach etwas schief gegangen. Zwar regt sie sich oft und gerne über die Arroganz und Ignoranz ihrer Mitschiffbrüchigen auf, aber immer wieder klingt auch unüberhörbar durch, dass sie selbst ebenfalls sehr von sich eingenommen ist. Eine Eigenschaft, die ich nicht mag.
Wirklich gespannt war ich lediglich darauf, wie die Rettung aussehen würde. Bis dahin waren die vier CDs leider oft ein ziemlicher Kampf, der sich zog und zog und zog.

Marie Bierstedt junge Stimme passt gut zu Grace. Sie hat mir schnell ein gutes Bild von ihr vermittelt. Außerdem fängt sie gut die sorgenvolle bis angsterfüllte Stimmung ein, die auf dem Boot herrscht. Ich habe es zudem wie immer bewundert, mit welcher Leichtigkeit sie eine Geschichte in solch altmodischer Sprache liest. Es liegt also eindeutig an der Geschichte selber, dass ich mich so schwer damit getan habe.

Wie schon gesagt, hatte mich das Cover sofort erwischt. Ich mag die Blautöne und das Lichtspiel darin. Das Boot sieht wunderbar einsam und verloren aus, was mir bereits beim Anschauen Spannung versprach.

Fazit:  Das Cover hat mir leider zu viel versprochen. Ich fand weder die Geschichte spannend, noch ihren Verlauf sonderlich dramatisch. Und das, obwohl sich zweifelsfrei Dramatisches auf dem Rettungsboot ereignet. Aber es kam gefühlsmäßig bei mir nie an. Obendrein erschien mir Grace oft scheinheilig, weshalb ich mit ihr nie richtig warm wurde.

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