Gruselkabinett (91) – Mary Rose

Titel: Gruselkabinett (91) – Mary Rose / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 65 min / Sprecher: Luisa Wietzorek, Timmo Niesner, Kerstin Sanders-Dornseif ua

gk91Inhalt: Das elfjährige Mädchen Mary Rose verschwindet auf einem kleinen Eiland, das inmitten eines schottischen Sees gelegen ist, spurlos und taucht erst drei Wochen später wieder auf. Allerdings weiß sie nicht, dass sie drei Wochen verschwunden war, geschweige denn, dass sie sich erinnert, wo sie in dieser Zeit gewesen ist.


Bei dieser „Gruselkabinett“-Folge sollte man gut bei der Sache sein, da sie mehrmals in der Zeit springt. Sie beginnt zunächst in einem alten, unheimlichen Haus, wohin ein junger Mann nach langer Abwesenheit zurückkehrt. Die Dame, die das Haus bislang gehütet hat, verhält sich seltsam, macht Andeutungen und schon sehr bald steht der Mann tatsächlich einer jungen Geisterfrau gegenüber. Im Gespräch offenbaren sich erste Zusammenhänge und dann springt die Geschichte um viele Jahre zurück. Die Geisterfrau war damals noch ein 18jähriges Mädchen, Mary Rose, die gerade von ihrem Freund Simon einen Heiratsantrag bekommen hat. Die Freude ist groß und als Hörer freut man sich unweigerlich mit, wenn Mary Rose übermütig jubelnd durch das Haus wirbelt.
Doch wie nicht anders zu erwarten -irgendwoher muss die Geschichte ja auch fortan ihren Grusel ziehen- umgibt Mary Rose ein Geheimnis, in das ihre Eltern den angehenden Ehemann einweihen. Ich habe sofort bezweifelt, dass man Mary Rose von irgendetwas abhalten kann. Entsprechend war der weitere Verlauf für mich keine sonderliche Überraschung. Seltsam sind die folgenden Vorkommnisse aber dennoch und ich war neugierig, welche Erklärung man am Ende geboten bekommen würde. Um es kurz zu sagen: gar keine! Es wird nie aufgeklärt, was es mit der Insel Sonderbares auf sich hat, und das fand ich -vorsichtig gesagt- enttäuschend. Erst rund 65 Minuten dem Hörer die Nase langmachen und dann nicht mal im Ansatz eine Antwort auf die zentrale Frage bieten.
So etwas lasse ich ja noch durchgehen, wenn das Seltsame übendrein noch schaurig ist, doch das ist es hier nicht. Es ist einfach nur sonderbar. Auf Gruseliges brauche ich keine Antwort, aber auf etwas, das mich wundert und neugierig macht, hätte ich halt schon gerne eine.

Luisa Wietzorek spielt hier sämtliche andere Sprecher mit Leichtigkeit an die Wand. Ihre helle Stimme, der fröhliche Ton, das alles zaubert einem im Nu ein Bild der munteren Achtzehnjährigen vor Augen. Nie würde man ihr etwas Schlechtes wünschen. Doch auch zu ruhigeren und teilweise traurigeren Momenten findet sie den passenden Ton. Als Harry ist Timmo Niesner zu hören. Harrys wenig glücklicher Vergangenheit entsprechen lässt er ihn ruhig und nachdenklich klingen, oft sogar traurig, obwohl er gerade eine an sich glückliche Erinnerung schildert. Eine tolle Leistung!

Dies ist wieder so eine „Gruselkabinett“-Folge, bei der ich mich an keine Szene ohne musikalische Begleitung erinnern kann. Einmal mehr war es mir auch hier eine Spur zu viel davon. An vielen Stellen hätte alleine das Geschehen schon für die nötige Atmosphäre gesorgt. Ganz ohne Untermalung.

Die kleine Insel im See und darüber schwebend das Gesicht von Mary Rose. Das ist ein ganz passiges Motiv zu dieser Folge. Durch die düsteren Farben wirkt es obendrein unhemlich und geheimnisvoll.

Fazit: Ich fand es schade, dass das Rätsel um die Insel und Mary Rose‘ Verschwinden am Ende nicht aufgeklärt wird. Immerhin bezieht die Geschichte von dort den Großteil der Spannung. Als sonderlich gruselig habe ich sie ebenfalls nicht empfunden. Immerhin konnte ich mich an Luisa Wietzorek erfreuen und sie ist durchaus ein geeigneter Trost über die enttäuschende Geschichte.

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