Blutige Fährten

Titel: Blutige Fährten / Verlag: Ohrenkneifer / Spielzeit: ca. 110 min / Sprecher: Marc Schülert, Detlef Bierstedt, Christiane Marx, Santiago Ziesmer ua

blutigefaehrtenInhalt: Der Westen. Irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Um den Schatten seiner Vergangenheit zu entkommen, verlässt der trinksüchtige Ex-Marshall Nathan Holt seine alte Heimatstadt White Falls, um in dem Goldgräberkaff Bollock ein neues Leben anzufangen. Doch nicht nur, dass ihm der hiesige Marshall Wallace mit offenem Argwohn begegnet, so treibt auch noch ein bestialischer Killer sein Unwesen in der Gegend. Gemeinsam mit Wallace´ Tochter Amber nimmt Holt die blutige Spur des Mörders auf, ohne zu merken, dass er selbst ein Teil des bösen Spiels ist.


„Blutige Fährten“ ist ein Western-Thriller. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn wo in der Hörspielwelt findet man sonst ein Western-Hörspiel? Mir fällt spontan keines ein. Schon alleine deshalb ist „Blutige Fährten“ etwas Besonderes. Thriller mag ich sowieso und für Western habe ich durchaus auch ein Faible, sofern man es damit nicht übertreibt. Aber Cowboys, Sherriffs und Saloons gehen für mich völlig in Ordnung.
Zu meiner Freude hielt diese Geschichte genau meinen Rahmen in Sachen Western ein. Obwohl Nate ein Säufer ist, mochte ich ihn auf Anhieb und fand es ziemlich unverschämt, wie man ihm in Bollock begegnet. Gleichzeitig sorgt das natürlich dafür, dass man schon mal ein paar Charaktere auf dem Kieker hat als es wenig später mit den Morden so richtig rund geht. Ich habe gut gegrübelt, wer Nate da womöglich etwas in die Schuhe schieben will. Und nein, ich habe nicht mal dem geistig etwas minderbemittelten Bengel so wirklich getraut. Als sich dann herausstellte, dass Nate auch noch eine eher finstere Vergangenheit hat, da war ich plötzlich nicht mal mehr von seiner Unschuld überzeugt.  Das hat für mich einen Teil der Spannung ausgemacht.
Den zweiten Teil haben die Morde selber beigesteuert, denn die haben es ganz schön in sich. Bei Nates „Nachforschungen“ an den Leichen kommt man um ein gewisses Ekelgefühl kaum herum. So etwas mag ich gerne! Wenn man seine Geschichte „Thriller“ nennen will, dann muss man einfach etwas bieten, was eine Gänsehaut bereitet.
Auf die Auflösung kann man -zumindest zur Hälfte- durchaus kommen, aber es geschieht halt zwischendurch so Vieles, dass man gewisse Details ausblendet. Die andere Hälfte ist clever erdacht und eine Überraschung.

Marc Schülert hat mir ein zwar ziemlich heruntergekommenes, versoffenes Bild von Nate vermittelt, es ist ihm dabei aber nicht geglückt, ihn mir unsympathisch zu machen. Ganz im Gegenteil mochte ich Nate richtig gerne und das ist bei solch leicht abgewrackten Charakteren echt selten bei mir. Gratwanderung auf ganzer Linie geglückt! Detlef Bierstedt präsentiert den Marshall Wallace ganz ähnlich, nur zusätzlich noch eine Spur herrischer. Christiane Marx klang mir ab und zu etwas zu ruhig, fast gelangweilt. Oder Amber hat echt die totale Ruhe weg als junge Frau in einer Männerdomäne, kann auch sein. Ich hätte sie mir hier und da lauter und energischer gewünscht. Das hätte Amber gut gestanden.

Was man alles aus Gitarrenmusik herausholen kann, ist erstaunlich. Einmal ist es in meinen Ohren das typische Instrument um einen Western zu begleiten. Daher gehört es hierher und sorgt im Nu für das nötige Flair. Später wird aber außerdem deutlich, dass der Klang zudem für eine gefühlvolle Stimmung sorgen kann. Das ist beeindruckend. Und das Titellied hat mir mal so richtig gut gefallen. Die Geräuschkulisse muss sich ebenfalls nicht verstecken. Da sitzt alles genau da, wohin es gehört. Und die Gänsehaut bei Nates Nachforschungen an den Leichen verdanke ich auch in erster Linie dem Klang von dem, was er da tut.

Das Cover gibt nicht gerade viel über die Story her, aber immerhin: ja, Nate ist häufig zu Pferd unterwegs. Und wenn man genau hinguckt, kann man sogar einen Cowboyhut erahnen. Diesen sandigen Farbton mag ich nicht, auch wenn er hundertmal zum Schauplatz passt. So ein Westerdorf stellt man sich ja auch irgendwie sandig vor. Dummerweise habe ich so eine Assoziation: Sand -> Staub -> staubig -> langweilig.  Ich hoffe für das Hörspiel, dass ich damit alleine bin, denn langweilig ist „Blutige Fährte“ wirklich nicht.

Fazit:  Mir hat „Blutige Fährte“ sehr gut gefallen! Der Lonesome Cowboy unter den Westernhörspiele, die es in diesem Stil für mich gerne häufiger geben dürfte. Glücklicherweise übertreibt man es mit der Westernthematik aber nicht. So dürften auch Thrillerfans ohne ein Faible für Cowboys und Sherriffs ihren Spass daran haben. Die Sprecher sind top und die Untermalung bemerkenswert wandlungsfähig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: