Gespenster-Krimi (01) – Mörderbäume

Titel: Gespenster-Krimi (01) – Mörderbäume / Verlag: Contendo Media & Audionarchie / Spielzeit: ca. 87 min / Sprecher: Christine Pappert, Peter Weis, Uve Teschner, Jürgen Thormann ua

gespkrimi01Inhalt: In den schottischen Grampian-Mountains reißen die Vermisstenfälle nicht ab. Seit Jahren verschwinden dort Touristen und Reisende auf rätselhafte Weise so auch der Bruder der Journalistin Vera Lorrimer. Die junge Frau macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens.Die Bewohner der kleinen Ortschaft Killamy hüten offenbar ein schreckliches Geheimnis. Als die Bäume des Geisterwalds zu mörderischem Leben erwachen, muss sich Vera dunklen Mächten stellen!


Ich muss dieser Besprechung vorausschicken, dass ich Lübbes Gespensterkrimi-Hörspiele nicht kenne. Aber so bin ich wenigstens unvoreingenommen an die Reihe herangegangen.
Insgesamt muss man sagen, dass Contendo Media und die Audionarchie nichts für die Romanvorlage können. Die ist nun mal so, wie sie ist.
Das heißt, so ein kleines Faible für trashigen Grusel sollte man haben um die Mörderbäume cool zu finden. Glücklicherweise habe ich dieses Faible. Mir gefällt die Vorstellung solcher Bäume, auch wenn ich es mir eher witzig vorstelle, wie Bäume auf ihren Wurzeln laufen. Aber sie sind mörderisch unterwegs, das ist dann widerum gar nicht mehr witzig, sondern blutig. Und es dauert auch gar nicht lange bis man die belaubten Killer in Action erlebt. Das macht neugierig darauf, was weiterhin geschehen wird.
Danach allerdings tritt die Story tempomäßig derbe auf die Bremse. Es mag ja stimmen, dass sich die Romanvorlage ebenfalls so viel Zeit lässt ehe mal wieder etwas passiert, aber beim Hörspiel hätte man das für mich gerne eine Ecke kürzer fassen dürfen. Dass Vera in dem schottischen Kaff unerwünscht ist und man dort ein böses Geheimnis hütet, das ist einem so schnell klar wie nur was, das hätte man nicht so breit auswalzen müssen. Später geht es dann glücklicherweise wieder zügiger und temporeicher zu, aber bis dahin habe ich es durchaus als Durststrecke empfunden. Da bllieb die Spannung auf der Strecke, leider. Und es erklärt die 87 Minuten Spielzeit, die mich vor dem Hören bereits schlucken ließen.
Mein größter Trost dabei war Vera! Das will etwas heißen, denn ich bin wahrlich kein Fan davon, wenn eine Frau -obendrein so heldenhaft wie hier- im Mittelpunkt einer Geschichte steht. Erstens finde ich, Helden sollten männlich sein und zweitens habe ich stets Angst, dass die Heldin doch noch weibisch wird. Und mit Geplärre und Gekreische kann man mich jagen bis sonstwohin. Daher war Vera ganz nach meinem Geschmack. Mutig, selbstbewusst und energisch. So gehört sich das, dann mag selbst ich Heldinnen! Da sehe ich ihr sogar den kleinen Ausbruch beim Finale nach. Hart an der Grenze, aber okay. Es ist ja nur kurz.
Am Ende wartet dann ein Dreh, der mich zwar nicht überraschen konnte (irgendwie hatte ich das erwartet), aber er entwickelt sich noch weiter, und diese Entwicklung habe ich dann widerum nicht kommen sehen. Da wurde es also nochmal kribbelig.

Natürlich ist es Christine Pappert zu verdanken, dass ich Vera Lorrimar so gerne mochte. Ich mag ihre Stimme wirklich gerne, einfach weil sie nicht so hoch ist wie viele andere Frauenstimmen. Der selbstbewusste Ton, den sie Vera mit auf den Weg gibt, steht der Figur prima  und vermittelt einem ein klares Bild von ihr. Allerdings konnte auch sie nichts rausreißen als Vera in der Ruine selbst beschreibt, was sie sieht. Ich glaube, da kann ein Sprecher noch so ein Profi sein, das wirkt einfach nicht glaubhaft. Da hätte man besser den Erzähler vorgeschickt. Uve Teschner gelingt es, Edward Mackintosh etwas Geheimnisvolles und sehr Männliches 😉 zu verleihen. Kein Wunder, dass Vera darauf anspringt. In kleineren Rollen trifft man übrigens das halbe Team Undercover an. Sowas aber auch!

Das Hörspiel beginnt mit schottischen Dudelsackklängen. Ich mag das ja, deshalb hätte ich gerne mehr davon gehört. Leider musste ich darauf verzichten. Trotzdem muss sich der Soundtrack nicht verstecken. Es sind düstere und unheimliche Stücke zu hören, die bei Bedarf aber auch mal lauter werden. Das ist so gut auf die Handlung abgestimmt.

Die Totenkopffratze auf dem Cover hatte ich auf Anhieb als solche erkannt, aber dass das Wurzeln sein sollen (?), das musste ich mir erst sagen lassen. Ich finde die Fratze total wuschelig und struppig und musste spontan an ein unordentliches Vogelnest denken. Naja, die finden sich ja auch oft in Bäumen…

Fazit:  Der Start in die neue „Gespensterkrimi“-Reihe kann mit einer coolen Hauptfigur und einer herrlich trashigen Story punkten. Allerdings zieht sie sich speziell zu Anfang -direkt nach dem „Prolog“ bei den Pfadfindern- hin wie Kaugummi. Da muss man einfach durch, später wird es wieder spannender und temporeicher.

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