Zwischen zwei Fenstern (Dianne Touchell / Jens Wawrczeck & Svenja Pages)

Titel: Zwischen zwei Fenstern / Verlag: Audiolino / Spielzeit: ca. 239 min, 3 CDs / Buch: Dianne Touchell / gelesen von: Jens Wawrczeck & Svenja Pages

zwischenfensternInhalt: Er liebt das Nachbarmädchen mit dem tizianroten Haar und dem Leberfleck am Bein. Er sieht hinüber in ihr Zimmer, wo sie sitzt und zeichnet. Sie hat die verstörende Gewohnheit, sich die Haare auszureißen. Sie beobachtet den Nachbarjungen, der sich beim Lesen unaufhörlich Notizen macht. Hinter dem Glas seines Fensters scheint er sich am sichersten zu fühlen. Genau wie sie. Wie zwei Gefangene hängen sie für den anderen Botschaften ins Fenster. Am liebsten in fünf Silben, weil das schön klingt. Als sie irgendwann lächelt, ist das für ihn, als würde in einem heruntergekommenen Haus das Licht wieder angehen. Und beide wissen: Sie werden es besser machen.


Ich finde es immer bedauerlich, wenn eine Geschichte, die mich vom Klappentext her wirklich anspricht, mich inhaltlich  nicht von sich überzeugen kann. Das trifft leider auch auf „Zwischen zwei Fenstern“ zu. Kurz gefasst ist mein Problem einfach, dass ich nicht weiß, was mir die Story eigentlich erzählen möchte. Was sie mir mit auf den Weg geben möchte. Was für eine Geschichte sie eigentlich generell sein möchte.
Ich hatte eine Liebesgeschichte erwartet, doch so oft Creepy auch behauptet, er liebe Maud vom gegenüberliegenden Fenster, das entsprechende Gefühl wollte sich bei mir nicht einstellen. Da ist kein Kribbeln und nicht einmal ein Hauch von Romantik, und leider wird beides auch nicht von Mauds Seite aus beigesteuert. Von ihrer Seite aus kam bei mir noch viel weniger Gefühl an. Ohne dieses Gefühl aber, funktioniert bei mir keine Liebesgeschichte.
Womöglich liegt dieses Manko an Romantik und Kribbeln daran, dass Maud und Creepy schon sehr seltsame Charaktere sind. Creepy, der Eigenbrötler, der am liebsten liest und alles und jeden auf Schärfste beobachtet. Maud zB beobachtet er mit einem Fernglas. Ganz ehrlich, kein Wunder, dass er als unheimlich gilt. Ab und zu flackerte für mich da durchaus der bedrohliche Stalker durch.
Maud hingegen hat schwere psychische Probleme. Als Kompensation reißt sie sich die Haare aus. Das ist sicher schrecklich, doch ich hätte auch gerne etwas darüber erfahren, warum sie das tut. Der Schrecken der Tatsache, dass sie es tut, flaut schnell ab. Ihren Gedankengängen kann man oft nur schwer folgen und ich fand sie ziemlich untypisch für einen Teenager. Abgesehen davon, habe ich mich über Maud manches Mal schwer geärgert. Ja, sie ist krank, ohne Frage. Aber sie weiß sehr genau, was sie wann besser sein lassen sollte oder -anders herum- wann sie was unbedingt tun solte. Und trotz dieses Wissens genau entgegegengesetzt zu handeln und sich dann über die Konsequenzen zu grämen, das finde ich schlicht ärgerlich und dumm.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass Creepys und Mauds Umfeld nicht mein Fall war. Ich mag keine Familien, in denen ständig nur Ärger und Unglück sind. Ich mag keine heimlich saufenden Frauen. Ich mag keine Menschen, die Tiere treten. Ich mag es nicht, wenn Väter sich auf der Straße prügeln. Sicher, in jeder Familie gibt es Schwachstellen, nirgends ist immer alles nur rosarot, aber in dieser Häufung muss ich das nicht haben.

Der Großteil der Geschichte wird aus Creepys Sicht von Jens Wawrczeck gelesen, der mir für diesen Part sehr gut gefallen hat. Seine Stimme passt gut zu einem Jugendlichen und ich fand, dass es oft so klang als lese er gar nicht, sondern als erzähle er frei. Es fällt leicht, ihm zuzuhören. Svenja Pages findet für Maud einen recht dunklen, meist niedergeschlagenen Ton. Das entspricht Mauds Wesen, daher steht es ihr gut.

Gelegentlich sind kleine Musikstücke zu hören. Hauptsächlich zwischen zwei Szenen. Allzu fröhlich klingen sie nicht, eher so als wollten sie einem mitteilen, man solle über das eben Gehörte noch ein wenig nachdenken.

Das Hörbuch ist äußerlich im gleichen Stil gehalten wie die Buchvorlage. Schlicht weiß mit einer schwarzen Haarlocke als Kontrast. Die Locke stellt einen Bezug zur Geschichte dar, ist aber in Summe doch etwas wenig an Motiv. Leider kann ich auch in der Story keinen Kontrast wie schwarz – weiß finden, daher kann ich mir auf diesen Stil keinen Reim machen.

Fazit:  Das Hörbuch hat mich ratlos und enttäuscht zurück gelassen. Dass es keine solche Lovestory ist wie ich hoffte, okay, das kommt vor. Aber auch sonst war die Geschichte für mich nichts Eindeutiges. Weder Fisch, noch Fleisch. Und so plätscherte sie unspannend und selten wirklich dramatisch oder erfreulich vor sich hin.

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