Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf (Ivar Leon Menger, John Beckmann)

Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf (John Beckmann)Horror-Regisseur James Kushing erwacht eines Morgens mit einer mysteriösen Tätowierung auf dem Arm: ein dreiäugiger Totenkopf! Was hat das Tattoo mit dem Film zu tun, den Kushing niemals fertiggestellt hat? Und welches Geheimnis steckt hinter dem gestohlenen Smaragd, der vor Jahren spurlos vom Filmset verschwand? Justus, Peter und Bob stürzen sich in den Fall und entdecken nach und nach die Wahrheit hinter dem Rätsel.

Früher habe ich einige Geschichten um die “Drei ???” als Buch gelesen. Heute höre ich sie ausschließlich als Hörspiel. Doch warum sollte man nicht mal etwas Neues ausprobieren? Da ich den Hype um die Reihe absolut nicht teilen kann, dachte ich, dass mir ein Fall der drei Detektive vielleicht als Comic so richtig gut gefallen würde. Man soll ja nichts unversucht lassen.
Ich muss allerdings sagen, dass diese “Mission” auf ganzer Linie gescheitert ist. Schuld daran ist ausgerechnet das Comicformat. Also das, von dem ich so gehofft hatte, dass mir die “Drei ???” in dieser Art mal so richtig gefallen würden. Schiefer kann es eigentlich gar nicht gehen.
Dabei ist der Fall an sich nicht so schlecht. Ich kann mir vorstellen, dass ich ihn als Hörspiel ganz brauchbar finden würde. Woher kommt die Tätowierung, mit der der Regisseur Kushing eines morgens aufwacht? Welche Verbindung besteht zu seinem unvollendeten Film? Und spielt der Smaragd, der damals am Set verschwand vielleicht heute noch eine größere Rolle als allgemein gedacht? An sich ganz interessante Fragen für einen Jugendkrimi mit Justus, Peter und Bob. Und mit den Gruselfiguren gibt es an sich auch ein paar Schreckmomente.
Allerdings kam nichts davon so bei mir an. Durch die einzelnen Bilder, die einen Comic ausmachen, wollte bei mir kein Fluss in der Handlung aufkommen. Die drei Freunde springen quasi von einer Szene zu nächsten. Das habe ich einfach nicht als flüssigen Verlauf empfunden. Dadurch wollte bei mir auch keine Spannung aufkommen. Und da es keine Beschreibungen des Geschehens gibt wie in einem Buch, sondern nur Bilder, die man anschaut, und auch keine Musik und Geräusche wie in einem Hörspiel, gab es nichts, was irgendwie für ein wenig Spannung und / oder Athmosphäre hätte sorgen können.
So habe ich den Comic schlichtweg runtergelesen und war wenig neugierig auf die Entdeckungen der drei Detektive und die Auflösung am Ende.
Ein weiterer Knackpunkt war für mich die Darstellung der drei Freunde. Weder in den Büchern, an die ich mich noch erinnern kann, noch in den Hörspielen bekommt man ja ein genaues Bild der drei Jungs geboten. Man erfährt hier und da etwas über sie, beispielsweise dass Justus nicht der Schlankste ist und Peter sehr sportlich, doch mit solchen Fakten hat es sich dann auch. Somit bildet man sich über die Zeit ein eigenes Bild von den drei Detektiven. Und mein Bild von ihnen deckt sich beim besten Willen nicht mit dem, das einem der Comic vermittelt. Vor allem diese -Verzeihung!- bescheuerte Weste an Justus ist mir aufgestoßen. Eine Weste? 2015? Bei einem Jugendlichen? Und Bob ist in meiner Vorstellung auch nicht blond. Mag sein, dass mir da in einem Buch etwas entgangen ist, aber das ist einfach nicht meine Vorstellung von ihm. Und an diese Bilder der drei Freunde konnte ich mich nicht gewöhnen.
Und zuletzt sei noch ein Fehler erwähnt. Das Museum heißt nämlich auf Seite 32 “Museum of Movie Monsters”, auf Seite 93 dann aber wahlweise “The Horror Film Museum” oder “The Horror Museum”. Ja, was denn nun, bitte? Ich bin ehrlich niemand, dem solche Dinge auffallen. Vieles, was andere Leser in Büchern als unlogisch oder falsch bewerten, entgeht mir schlichtweg. Dass mir das hier aufgefallen ist, heißt also schon etwas.

Ich bin kein Comicleser. Comicleser dürfen mir mit vollen Recht vorhalten, dass ich irgendwo bei “Asterix” und “Donals Duck” in Sachen Comics stehengeblieben bin. Kurz und gut: ich mag farbige Comics. Ich kann auch mit Comics in Schwarz-Weiß nichts anfangen. Dieses “Blau-Schwarz-Weiß” hier hat jedoch noch weniger meinen Geschmack getroffen. Dann doch lieber Schwarz-Weiß. Das hätte ich mir einen ???-Fall gefallen lassen, aber Blau ist einfach keine Farbe, die für mich nach Krimi aussieht.
Bei nicht gerade wenigen Bildern musste ich schon sehr genau hinschauen um zu erkennen, was gezeigt wird. Das hält das Lesetempo und die Begeisterung nicht gerade auf Trab. Und die Anordnung der Sprechblasen hat mir einige Male keine eindeutige Richtung vorgegeben, in der sie zu lesen sind. Und ja, ich weiß, dass man von links nach rechts und von oben nach unten liest, auch bei Sprechblasen. Das nutzt nur wenig, wenn Bilder nicht klar von der Reihe darunter abgegrenzt sind, wo es ebenfalls Sprechblasen gibt.

Das Cover ist mit dem leuchtenden Rot und dem großen Totenkopf sehr auffällig. Dagegen geht das Logo der “Drei ???” geradezu unter. Das Buch wird im Laden also sicher im Regal auffallen. Aber der Unterschied zu den Büchern und Hörspielen ist wirklich massiv.
Und zuletzt: wieso “Graphic Novel”? Klang “Comic” zu sehr nach Bahnhofskiosk?

Fazit: Ich hatte nicht erwartet, dass mit “Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf” so sehr enttäuschen würde. Vermutlich bin ich von den Hörspielen verwöhnt, und das will schon etwas heißen bei mir! Beim Comic hatte ich nie den Eindruck eines Handlungsflusses, das ganze Geschehen wirkte durch die einzelnen Bilder abgehackt auf mich. Und auch Spannung wollte nicht aufkommen. Dafür fehlte es mir an diesem gewissen “Drumherum”, das bei einem Hörspiel / Buch dabei ist. Beschreibungen, Musik usw Ich weiß, beides lässt sich in einem Comic nicht unterbringen, aber ich kann nicht dagegen an, dass die Geschichte ohne das vor allem kalt und nackt auf mich wirkte.
Und auch das Bild der drei Detektive deckte sich in keiner Hinsicht mit dem, welches ich von ihnen hatte. Wenigstens hier und da eine Kleinigkeit hätte es mir schon leichter gemacht, mich mit ihnen anzufreunden.


Titel: Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf
Autor: Ivar Leon Menger, John Beckmann
Seiten: 128
Verlag: Kosmos Verlag
ISBN: 978-3440141236
Preis: 14,99 (Broschiert)

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