Gruselkabinett (108) – Der Kapitän der Polestar

Titel: Gruselkabinett (108) – Der Kapitän der Polestar / Verlag: Titania Medien / Spielzeit: ca. 70 min / Sprecher: Louis Friedemann Thiele, Matthias Lühn, Claus Thull-Emden ua

gk108Inhalt: Im Eismeer 1884: Das Walfänger-Schiff Polestar liegt im Packeis fest. Zur Besatzung gehört auch der Medizinstudent John McAllister Ray, der auf der Polestar als Schiffsarzt angeheuert hat. Unheimliche nächtliche Ereignisse lassen die Mannschaft zunehmend nervöser werden. Hat der Kapitän womöglich seinen Verstand verloren?


Dann machen wir mal weiter mit dieser Reihe, die es mir irgendwie mit keiner Folge leicht macht. Auch bei dieser habe ich mehrere Anläufe gebraucht um sie einmal aufmerksam durchzuhören und dabei nicht abzudriften.
Denn dieser Gefahr besteht durchaus, und zwar nicht zu knapp. Action, echte Schreckmomente und große Dramatik darf man von dieser Geschichte nicht erwarten, sonst wird man enttäuscht.
Trotzdem hat sie mir nach dem aufmerksamen Hören ganz gut gefallen. Ich mag die Atmosphäre, die so kühl und düster daherkommt wie es die Szenerie ist, in der die Geschichte spielt. Wie das Eismeer halt. Abgesehen davon hasse ich Kälte und Eis, daher hatte das für mich schon irgendwo seinen ganz eigenen Grusel.
Der eigentliche Schrecken kündigt sich hier zurückhaltend an und so hat man zunächst gut Gelegenheit, die Figuren kennenzulernen. Vor allem den rauhen Kapitän Craigie und den Medizinstudenten McAllister. Dass der Kapitän ein dunkles Geheimnis hütet, erkennt man schnell und wird so neugierig, was es wohl sein könnte. Und dann dem rational eingestellten McAllister hat man immer auch einen Zweifler dabei, der einen unsicher macht, ob man an einen Spuk glauben soll.
Allerdings gab es einen Punkt, an dem ich mir recht sicher war, was dort auf und um die Polestar herum vor sich geht. Dafür muss man lediglich bereits die eine oder andere Schauergeschichte dieser Art kennen, dann kommt man der Sache fix auf die Spur.
Das Ende wurde mir dann zu schnell abgehandelt angesichts einer so stattlichen Spielzeit. Da hätte man zuvor hier und da gut sparen können, dann hätte man am Ende vielleicht noch ein wenig Dramatik einbringen können.

Matthias Lühn ist in der Rolle des Kapitäns zu hören. Mit seiner markanten Stimme lässt er ihn rätselhaft und mal mürrisch, mal aufbrausend und mal sehr menschlich klingen. Als Mediziner McAllister ist Louis Friedemann Thiele zu hören. Die Wandlung dieser Figur vom abgeklärten Medizinstudenten hin zu einer Person, die Übersinnliches akzeptieren muss, ist ihm prima anzuhören. Claus Thull-Emden kommt eine ebenfalls größere Rolle zu. Er übernimmet den Part des Steuermanns und hat für ihn genau die richtige rauhe Stimme eines Seemanns auf Lager.

Einmal mehr gibt es einiges an Musiken zu hören, allerdings durchweg sehr zurückhaltend. So wirkte die Folge auf mich nicht so sehr mit Musik überladen wie viele andere. Und es sorgt dabei auch noch für eine wirklich stimmige Atmosphäre. Besonders gut haben mir die Geräusche gefallen: das Knarren des Schiffs, der Wind, top!

Ich liebe das Blau-Lila des Covermotivs. Gemeinsam mit dem vereisten Schiff transportiert es so genau den richtigen, eisigen Eindruck von der Geschichte. Und man fragt sich sofort, wieso jemand an Deck eines solchen Schiffs steht.

Fazt: Von Action, Dramatik und echtem Grusel keine Spur. Dafür konnte die Geschichte bei mir aber mit seinem Schauplatz und der düsteren Atmosphäre punkten.

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