Merle (1 / 3) – Die fliessende Königin

Titel: Merle (1 / 3) – Die fliessende Königin  / Verlag: Holysoft Studios / Spielzeit: ca. 132 min, 2 CDs / Sprecher: Luisa Wietzorek, Bert Franzke, Friedhelm Ptok, Anna Thalbach ua

Inhalt: Merles Welt ist voller Magie. In einem Venedig, in dem die Zauberei nie gestorben ist, flüstert jedermann von der Fließenden Königin doch nur Merle gewinnt ihre Freundschaft. Als die Mächte des Bösen das phantastische Wesen jagen, entbrennt im Labyrinth der dunklen Gassen und Kanäle ein abenteuerlicher Kampf. Meerjungfrauen und geflügelte Löwen, Meisterdiebe und Zauberspiegelmacher, sie alle haben ihr eigenes Interesse an der Fließenden Königin. Dach dann bricht der Boden auf, Flammen schlagen himmelhoch, und etwas Unbeschreibliches steigt aus der Erde empor.


Da haben wir also das erste Hörspiel auf mehreren CDs, auf zwei CDs nämlich um genau zu sein. Nun ist es so, dass ich mit Fantasy kaum noch etwas anfangen kann. Außerdem ist Venedig kein Schauplatz, der mein Interesse ausreichend weckt. Die manchmal altertümliche Redeweise ist ebenfalls nicht mein Ding. Somit standen die Zeichen nicht sonderlich gut für Merle und mich.
Umso überraschter bin ich nun nach dem Hören, dass mir das Hörspiel h richtig viel Spass gemacht hat. Denn zum Glück ist Merles Welt zwar von phantastischen Wesen bevölkert und auch sonst voller Magie, aber es wird einem dennoch auch ein recht normales Venedig beschrieben. Etwas düster vielleicht, doch das schadet ja keineswegs. Somit ist das Verhältnis zwischen Phantastik und vorstellbarer Realität relativ ausgeglichen. Und dann geht das für mich auch in Ordnung. Einige Kreaturen haben mir sogar richtig gefallen, zumal sie mitunter etwas Schauriges an sich haben. Meerjungfrauen sehen hier beispielsweise keineswegs aus wie zB Arielle.
Der wesentliche Punkt aber, weshalb ich Merles Abenteuer gerne gelauscht habe, ist Merle selber. So ein sympathisches Mädchen, so clever, dickköpfig, vorlaut und mutig. Die Kleine muss man einfach mögen. Sie vermittelt einem auf Anhieb den Eindruck, dieses Abenteuer -auf ihre eigene Art- angehen und bestehen zu können.
Dieses Abenteuer beginnt langsam und bedächtig, man hat Zeit, sich mit Merle anzufreunden und ihre Situation kennenzulernen. Doch nach und nach kommen weitere Figuren dazu und jede trägt neue Elemente zur Handlung bei und zeigt neue Verzweigungen auf. Das hat ein sehr angenehmes Tempo an sich, ich hatte nie den Eindruck irgendwann den Überblick zu verlieren. Das finde ich super gelungen, denn regulär bin ich bei Geschichten mit so vielen Figuren und Verzweigungen und Wendungen schnell raus. Hier war das nicht einmal der Fall. Gleichzeitig wird aber klar dabei, dass die Story noch einiges mehr in petto hat als man bisher vermutlich annimmt. Wenn das allerdings mit genauso viel Bedacht erzählt wird, mache ich mir auch dahingehend keine Sorgen.
Ich bin sehr gespannt, wie Merles Abenteuer weitergeht, denn bereits in diesem ersten Teil gibt es zahlreiche Momente, in denen man um sie bangt. Und es wird wahrlich kein rosiges Bild der weiteren Ereignisse gezeichnet.  Gleichzeitig würde ich brennend gerne wissen, was nun genau hinter der fließenden Königin und Merles Spiegel steckt. Beides ist geheimnisvoll und Antworten auf solche Fragen findet man hier nur in Ansätzen. Ich hoffe wirklich sehr, dass Merle ihr Abenteuer besteht und freue mich schon drauf, wie sie sich mit ihrer gewitzten Art durch das Geschehen kämpfen wird. Ab und zu darf man nämlich auch mal schmunzeln, wenn man ihr zuhört.

Friedhelm Ptok ist als Erzähler am Werke und ihn höre ich sehr gerne. Ich mag seine ruhige Art zu erzählen und seine angenehme Stimme, der man spielend auch länger lauschen kann. Zwischendurch wechselt die Erzählperspektive und dann übernimmt Merle selber, gesprochen von Luisa Wietzorek, die für Merle genau die richtige Stimme und genau den richtigen Ton hat. Jung und vorwitzig und burschikos, wenn es die Situationen erfordern aber auch mal leise, ängstlich und traurig. Später kommt noch ein dritter Blickwinkel hinzu, nämlich der von Serafin. Hier ist Timmo Niessner zu hören und auch wenn er mir einen ganz sympathischen Eindruck von Serafin vermittelt hat, es ist ihm auch gelungen, dass ich dem Jungen nicht so ganz traue. Auch Bert Franzke alias Arcimboldo hat mir mit seiner markanten und tiefen Stimme und dem ruhigen Ton sehr gut gefallen.

Was die Musik angeht, so hält sie sich über weite Teile sehr im Hintergrund. Es sind aufwändige Stücke zu hören, die viel Flair und Stimmung transportieren und spannenden Szenen noch ordentlich kribbeliger machen. Gelegentlich geht es etwas lauter zu, was Akzente setzt und für Dramatik sorgt. Eine bis ins Kleinste ausgefeilte Geräuschkulisse lässt auch in dieser Hinsicht keinerlei Wünsche offen.

Das Covermotiv ist leider nicht so ganz mein Fall. Mir gefällt der mangamäßige Stil nicht für Merle und ihre Geschichte. Da haben mir die Cover der Bücher und der Hörbücher mehr zugesagt. Dem Motiv fehlt der Charme der Erzählung und das finde ich schade.

Fazit:  Für mich ist dieser erste Teil der Trilogie eine Überraschung gewesen. Obwohl ich es weder mit Fantasy, noch mit Venedig habe, habe ich Merles erstes Abenteuer mit Neugier, Spannung und Spass verfolgt. Sie hat bereits hier manche Gefahr durchzustehen und muss schon einige Erkenntnisse treffen, die es in sich haben und ihr keine ganz einfache Zukunft in Aussicht stellen. Trotzdem ist sie ein ganz normales Mädchen, das mal Angst hat oder traurig ist. Dank dieser Ausgewogenheit zwischen Phantastik und Realität ging dieser erste Teil selbst für mich mit meiner Fantssy-Abneigung mehr als in Ordnung und ich freue mich schon auf Teil 2.

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