Das Meer (Wolfram Fleischhauer)

Teresa verschwindet spurlos im Einsatz auf einem modernen Fischfangschiff auf hoher See. Entsetzt ist nicht nur ihr Geliebter und Ausbilder John Render von der zuständigen EU-Behörde in Brüssel. Genauso am Boden zerstört sind Ragna di Melo und ihre Truppe von radikalen Umweltaktivisten, die eine mörderische Methode entwickelt haben, die skrupellose Ausbeutung der Meere zu beenden.
Als Ragnas Vater, ein schillernder Schweizer Lobbyist, Wind von den Aktivitäten seiner Tochter bekommt, die auch seine eigenen Geschäftsinteressen berühren, muss er handeln. Noch bevor das ganze Ausmaß der Bedrohung bekannt wird, reist er nach Südostasien, wo Ragna sich versteckt halten soll. Er weiß, dass seine Tochter niemals mit ihm sprechen wird. Daher heuert er den jungen Dolmetscher Adrian an, der zu Schulzeiten eine leidenschaftliche Affäre mit Ragna hatte – ohne ihn jedoch in die wahren Gründe einzuweihen.



Bisher kannte ich von Wolfram Fleischhauer nur “Schweigend steht der Wald”. Das hat mir nach kleineren Startschwierigkeiten sehr gut gefallen. Deshalb stand fest, dass ich auch “Das Meer” lesen würde. Außerdem klang die Inhaltsangabe vielversprechend.
Es begann ganz ähnlich wie mit “Schweigend steht der Wald”. So richtig warmgeworden bin ich mit “Das Meer” auf Anhieb nicht. Dafür bekommt man direkt zu viele Figuren vorgesetzt, zu viele Schauplätze und auch gleich Einblicke in ein aktuelles und brisantes Thema mit allen politischen und gesellschaftlichen Ränkespielen, die sich darum drehen. Außerdem tue ich mich immer etwas schwer mit ausländischen Namen und dann holpert der Lesefluss leicht mal.
Trotzdem, das Thema an sich interessierte mich sehr und da ich mich damit bislang nicht so ausführlich befasst hatte, wollte ich dieses Buch als Chance dafür nutzen. Denn eines merkt man schnell: Wolfram Fleischhauer hat sich intensiv damit befasst und bis in kleinste Details recherchiert. Je weiter ich in der Geschichte vorankam, umso mehr erschreckte mich, was hinter dem Thema Überfischung und allem rundum steckt. Und es brachte mich zum Grübeln. Ich lebe vegetarsich, Fisch gibt es nur in allergrößten Ausnahmefällen. doch ich schätze, selbst diese werde ich nach dem Buch noch einmal gründlich überdenken.
Rund um ein also ganz aktuelles und ohnehin schon schockierendes Thema rankt sich der (Umwelt)krimi und ein bisschen auch eine Lovestory. Die Story ist durchaus komplex, man muss bei der Sache sein, wenn man  versuchen möchte, mitzuknobeln und Zusammenhänge herzustellen. Es ist kein Krimi zum einfach nebenbei mal Runterlesen, aber es lohnt sich defintiv, sich damit wirklich zu befassen. Dann wird man mit einer spannenden Geschichte belohnt, die mit immer neuen Erkenntnissen und Wendungen zu punkten versteht.
Mit den Figuren habe ich mich letztlich dann doch noch angefreundet (mit den meisten, den Guten jedenfalls) und so konnte ich ihre Sorgen, Ängste und Nöte doch nachfühlen. Das ist für mich immer ganz wichtig. Wenn ich das nicht kann, hat kaum eine Geschichte keine Chance bei mir. Hier klappte es trotz Startschwierigkeiten doch noch, obwohl ich damit fast nicht mehr gerechnet hatte. Aber auch in dieser Hinsicht hat Wolfram Fleischhauer alles richtig gemacht.

Wie schon geschrieben, der Roman liest sich nicht unbedingt wie geschnitten Brot. Es gibt mitunter lange erzählende Passagen und zumindest bei mir bremst das das Lesetempo ganz schön aus. Doch die Zeit sollte man sich nehmen, auch wenn es ab und zu anstrengend ist. Ich habe recht lange für das Buch gebraucht, weil ich manchmal schon nach zwei oder drei Kapiteln Pause machen musste.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Schön düster für einen Krimi. Das bildet einen feinen Kontrast zum blutroten Meer und gerade das hat mich so neugierig auf die Story gemacht. Somit ist auch in dieser Hinsicht alles so wie es sein soll.

Fazit: Der Start mit “Das Meer” war ähnlich mühsam wie der von “Schweigend steht der Wald”. Aber genau wie da hat es sich gelohnt, an der Geschichte dranzubleiben. Dann wird man nämlich mit einem sehr spannenden und interessanten Krimi belohnt, der einem schnell die Augen für ein aktuelles Thema öffnet und zum Nachdenken anregt.

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Titel: Das Meer
Autor: Wolfram Fleischhauer
Seiten: 448
Verlag: Droemer Verlag

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