Bücher

Woman in the window (A.J. Finn)

Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre vier Wände nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert.

Nun ist der Trend mit den Frauengesichtern auf den Covern einigermaßen vorbei, nun sind die Frauen / Mädchen im Titel irgendwo drin. In Kabine 10, im Zug und hier nun im Fenster. An sich bin ich kein Fan mehr von amerikanischen Krimis / Thrillern, aber hier klang der Klappentext so interessant und nach meinem Geschmack, dass ich eine Ausnahme gemacht habe.
Im Zentrum der Geschichte steht die ehemalige Kinderpsychologin Anna Fox, die sich nach einem traumatischen Erlebnis nicht mehr traut, ihr Haus zu verlassen. Das alleine ist schon eine interessante Vorstellung und ich habe mich eingangs gefragt, wie wohl der Alltag einer solchen Person aussieht. Wie handhabt man Alltägliches wie zB den Einkauf, wenn man nicht rausgeht? Ich habe teilweise sehr gestaunt, wie Anna all das organisiert bekommt, welche Möglichkeiten es gibt. Ihre Zeit verbringt sie damit, alte Filme zu schauen, im Internet zu chatten und leider viel zu viel Alkohol zu trinken. Insbesondere der letzte Punkt hat dafür gesorgt, dass ich mit Anna bis zum Schluss nicht richtig warm geworden bin. Ich mag einfach keine Figuren, die (zu viel) trinken. Traumatisches Erlebnis hin oder her. Anna klingt so oft so intelligent, sie weiß sich auszudrücken und kann durchaus strategisch vorgehen. Wie kann eine solch intelligente Frau sich flaschenweise Wein hinter die Binde kippen?
Dennoch tat sie mir natürlich leid als sie die grausige Entdeckung im nachbarlichen Fenster gemacht hatte und niemand ihr glauben wollte. Einerseits wusste ich zwar, auch dieser Vorfall kann auf das Konto des Alkohols gehen, andererseits habe ich Anna einfach geglaubt. Und ich habe mich darüber geärgert, wie andere Personen ihr begegnen. Beispielsweise ein Polizist, eine Freundin, ihr Mann, der seit dem Ereignis mit der Tochter von Anna getrennt lebt etc. Niemand glaubt ihr und hält ihr stattdessen noch ihr einigermaßen verwahrlostes Leben vor.  Dass Anna sich darüber aufregt, konnte ich gut nachvollziehen.
Entsprechend gespannt und neugierig war ich, ob und wie sie all diesen Leuten beweisen würde, dass sie die Warhheit sagt. Es ist spannend zu verfolgen, was ihr dafür alles einfällt, wie schlau sie aus ihrer isolierten Position heraus versucht, Schlüsse zu ziehen. Und wie sie stellenweise über sich und über ihre Angst davor, das Haus zu verlassen,  hinauswächst.  Mit diesem Ehrgeiz gefiel sie mir gleich noch eine Spur besser und ich habe ihr ehrlich die Daumen gedrückt.
Gleichzeitig habe ich versucht, eigene Schlüsse zu ziehen. Kann man sich so etwas in einer solchen, an sich gepflegten Nachbarschaft vorstellen? Wie geben sich die Personen um Anna herum? Wer könnte mit in der Sache drinstecken? Und wieso eigentlich? Sowas macht mit beim Lesen immer viel Spass.
Das Finale kann man guten Gewissens dramatisch nennen und gleich in zweierlei Hinsicht als echte Überraschung bezeichnen.  Die eine Überraschung fand ich schlichtweg cool. Da schlägt die Story einen Haken vom Thriller zum Psychthriller. Mit der anderen Überraschung hatte ich einfach überhaupt nicht gerechnet.

Mit 541 Seiten ist das Buch ganz schön dick. Doch die Kapitel sind recht kurz, sodass man schnell einen ganzen Schwung davon einfach so wegliest.  Außerdem erzählt Anna ihre Geschichte selber, teilweise sehr locker, dann wieder in Bildern und mit Formulierungen, bei denen man schon mal kurz nachdenken muss und an denen man klar erkennt, welch intelligente Person sie ist. Das ist abwechslungsreich und einfach angenehm zu lesen.

Oben auf dem Bild sieht man sofort, dass der Titelschriftzug quasi durch ein Lamellenrollo schaut, was gut zum Titel passt. Hat man das Buch vor sich liegen, muss man schon genau hinsehen um das zu erkennen. So blau sind die Lamellen da nicht. Das finde ich schade. Aber düster sieht das Cover aus, wie es sich für einen Thriller gehört. Und der leuchtend rote Schriftzug bildet einen tollen Kontrast.

Fazit:  Anna war leider nicht ganz mein Fall, aber es hat immerhin dafür gereicht, dass ich ihre Empörung darüber, dass man ihr nicht glauben will, sehr gut nachvollziehen konnte. Ich habe ihr die Daumen gedrückt, dass sie die Zweifler überzeugen würde und es hat mich beeindruckt, wie Anna sich dabei mausert. Das Finale ist dramatisch und wartet gleich mit zwei echten Überraschungen auf. Und mit eine kleinen Hoffnungsschimmer auch.

——————————————————————-

Titel: Woman in the window
Autor: A.J. Finn
Seiten: 541
Verlag: Blanvalet
ISBN:  978-3764506414
Preis: € 15,00 (Broschiert)

Kaiserschmarrndrama (Rita Falk)

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen ›Mona‹ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

Auf einen neuen Eberhofer freue ich mich immer schon Monate im Voraus. Ich habe die ganze Reihe verschlungen und natürlich musste da auch dieser neue Band her.
Es fällt mir wirklich schwer und ich sage es auch sehr, sehr ungern, aber zum ersten Mal hat mich eine Geschichte mit Eberhofer, seiner Familie und seinen Freunden mehr enttäuscht als begeistert.
Fangen wir bei dem neuen Fall für Eberhofer an. Der ist an sich gar nicht schlecht. In Niederkaltenkirchen scheint ein Serienmörder umzugehen. Innerhalb kürzester Zeit finden sich gleich mehrere gewaltsam getötete junge Frauen. Eine Spur führt geradewegs ins Internet, wo eine von ihnen einen mit höchst pikanten Videos ihr Geld verdient hat. Und obendrein stehen ausgerechnet der Simmerl und der Flötzinger ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Eberhofers besten Freunde lso. Brisanter geht es an sich nicht.
Mein Problem dabei besteht darin, dass ich rückblickend den Eindruck habe, dass Eberhofer zu den Ermittlungen am wenigsten beiträgt. Entweder scheucht er die armen Socken vom LKA durch die Gegend oder sein Kumpel Rudi wird eingespannt. Eberhofer selber habe ich gefühlt am seltensten bei irgendwelchen Nachforschungen erlebt. Das finde ich erstens schade und zweitens von der Figur einfach nur unverschämt. Ständig tönt er herum, welch hohen Posten er bekleidet, aber gerecht wird er dieser Position kaum. Er nutzt sie viel mehr aus.
So kam es dann auch, dass ich gar nicht mal Eberhofers Arbeit spannend fand, sonder mehr die, die zB der Rudi leistet. Auch wenn er sich bei Eberhofer & Co. anbiedert, wehleidig ist und auch mal nervt, aber er versteht seinen (ehemaligen) Job und kriegt darin etwas auf die Reihe.
Zum anderen kam es mir dieses Mal auch so vor als stehe der Fall fast kompeltt hintenan zum Geschehen in Eberhofers Privatleben. Natürlich war ich geschockt und traurig über die Sache mit dem Ludwig, gar keine Frage. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen ich Eberhofer absolut verstehen konnte.
Aber was den Hausbau auf dem Grundstück angeht, da konnte ich über ihn immer nur den Kopf schütteln. Dass er seine Macken hat, das weiß man, wenn man die Reihe kennt. Dass er an gewissen Gewohnheiten und Dingen unglaublich hängt, das ist auch bekannt und geht klar. Aber hier ist er dermaßen verbohrt, stur, boshaftund rücksichtslos, das hält man kaum aus. Das war das erste Mal, dass ich ihn überhaupt nicht mehr mochte. Ähnlich ging es mir auch mit der Oma. Zum ersten Mal fand ich sie absolut unmöglich mit ihren Faible für Sonerangebote, Coupons und Rabatte. Und die komplette Familie steht hinterher und applaudiert (bildlich gesprochen). Da für mich die größte Komik immer von Eberhofers Privatleben ausging, gab es dieses Mal auch nicht besonders viel zu lachen.
Ähnliches gilt für Erberhofers Umgang mit einigen Dingen, die seine Arbeit betreffen. Wenn man sich sonst alles andere als übernimmt und sich gerne mal durchschnorrt um zum Erfolg zu kommen und dann stolz die Lorbeeren einheimst, dann ist es sicher nicht angenehm zu sehen, wie Polizeiarbeit eigentlich aussieht. Aber dass er sich gebärdert wie ein bockiges kleines Kind und sich nicht anders zu helfen weiß als mit Rumschnauzerei, das ist schon wirklich sehr arm.

Wie gewohnt ist die Geschichte im dicksten Dialekt geschrieben, was mir nachwievor gefällt. Einige Redewendungen habe ich schon übernommen, weil ich sie so gerne mag. Außerdem liest es sich  wunderbar flüssig und locker, sodass man nur so durch das Buch fliegt. Viele Dialoge tragen ebenfalls dazu bei. Die Kapitel haben genau die richtige Länge. Nicht zu kurz, nicht zu lang. In dieser Hinsicht ist auch dieses Mal wieder alles top in Ordnung.

Das Covermotiv gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vor allem wegen dem Ludwig natürlich. Aber der Blick durch das Fenster verrät auch, dass der Hausbau voranschreitet. Und natürlich ist auch eine Pfanne mit Kaiserschmarrn zu sehen. Auf einem typisch bayerisch gemusterten Tischtuch, versteht sich.

Fazit:  „Kaiserschmarrndrama“ war für mich die erste Enttäuschung in der Reihe. Der Fall hat so gute Ansätze, steht aber hinter dem Geschehen in Eberhofers Privatleben sehr zurück. Und es sollte auch nicht so sein, dass ich die Arbeit anderer an dem Fall spannender und interessanter finde als Eberhofers Beitrag. Absoluter Knackpunkt ist aber er selber. Ich habe ihn trotz seiner Macken immer gemocht, aber hier ist er in vielerlei Hinsicht einfach nur unterträglich. Kauzig zu sein, ist eine Sache. Ein A**** zu sein, eine ganz andere. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, dann steige ich aus der Reihe aus. Ich hätte nie, nie, niemals gedacht, dass ich das mal sagen würde.

——————————————————————-

Titel: Kaiserschmarrndrama
Autor: Rita Falk
Seiten: 301
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261920
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Zoom – Alles entwickelt sich (Lena Hach)

Till hat die Kamera seines Vaters, eine alte Leica M4, überall dabei. Aber die Fotos will Till erst entwickeln, wenn sich sein verschwundener Vater bei ihm meldet. Als Paula, die Chefredakteurin der Schülerzeitung, Till bittet, auf der Klassenfahrt Bilder zu machen, gerät er in ein Dilemma: Er findet Paula toll. Ach was – er ist total in sie verknallt! Aber was ist mit seinem Vorsatz? Kann Till Paula die Wahrheit über seinen Vater sagen?

Da gibt man einen Schwung uA ungelesener Bücher zur Tauschticket und weil sie nicht prompt weggehen, liest man sie dann halt doch noch. Und findet solche Perlen wie „Zoom“. Ich bin so froh, es doch noch gelesen zu haben!
Den ruhigen, etwas schüchternen Till mochte ich auf Anhieb. Er war mir schon alleine wegen seiner Kamera sympathisch, die er ständig bei sich trägt. Manchmal bin ich ja auch mit einer unterwegs und kann die Begeisterung gut nachvollziehen. Leicht hat Till es nicht, weder in der Schule, noch zuhause. Sein Vater verließ seine Mutter vor langer Zeit und verschwand sang- und klanglos auf der anderen Seite der Welt. Till denkt, die Kamera hätte seinem Vater gehört und so ist sie eine Verbindung zwischen ihnen beiden. Ein schöner Gedanke, wie ich fand, denn Till tat mir ganz schön leid mit seinen Gedanken an seinen Vater und den Fragen, vor die dieser ihn gestellt hat.
Als die Schülerzeitung einen Fotografen braucht, spricht die Chefredakteurin der Zeitung -Paula- ausgerechnet Till an. Damit hat der gleich das nächste Problem: denn er findet Paula einfach toll. Ich war davon nicht sofort überzeugt. Paula wirkte mir zu sehr wie ein verwöhntes Mädchen, überheblich und arrogant.
Doch wie der Titel des Buchs schon verrät, die Dinge entwickeln sich. Nicht einfach, aber es geht voran und ich habe mit Vergnügen darüber gelesen, wie Till versucht, Paula zu gefallen, endlich richtig zu Fotografieren ( für die Schülerzeitung notwendig) und nebenbei noch die Sache mit seinem Vater und dem neuen Freund seiner Mutter auf die Reihe zu kriegen. Und auch Paula wurde mir nach und nach sympathischer. Schnell stellte sich heraus, dass auch sie mit ein paar Dingen zu kämpfen hat. Und mir gefiel auch ihr Mut, ihre direkte Art und ihr manchmal ganz schön bissiger Humor. Und, dass selbst sie, die ja bereits einen Freund hat, nicht so genau weiß, wie sie die Sache mit Till voranbringen soll. Es ist einfach schön zu verfolgen, wie die beiden sich trotz all dieser Irrungen und Wirrungen doch näher kommen.
Tills Fotos spielen natürlich auch immer eine Rolle. Er macht eine Entdeckung was seine Kamea angeht, die ein ziemlicher Schlag für ihn ist. Und gleich die nächste, was seinen Vater angeht.  Und zum Ende hin  startet Paula dann leider eine Aktion, die Till maßlos ärgert. Ich muss zugeben, dass ich das nicht ganz verstanden habe. Natürlich, sie macht das, ohne Till einzuweihen, aber sie hat es gut gemeint.  Und es stimmt, dass Fotos nicht perfekt sein müssen um eine Aussage zu haben. Das sehe ich genauso wie Paula und die anderen, die seine Fotos zu Gesicht bekommen.  Aber es ist wohl in erster Linie das Problem, dass Paula Till nicht gefragt hat und das wiederum konnte ich doch verstehen.
So steht die Sache mit ihnen plötzlich doch wieder auf wackeligen Beinen und es bleibt bis zum Ende hin spannend. Auch was die Sache mit Tills Vater angeht. Und die mit dem neuen Freund seiner Mutter. Und die mit der Fotografie, die er nach erwähnter Entdeckung an den Nagel gehängt hat.

Interessent fand ich die Erzählperspektive der Geschichte. Man erfährt nie, wer sie erzählt. Es ist ein Ich-Erzähler, das merkt man an gewissen Stellen, aber wer? Keine Ahnung! Ich tippe ja auf jemanden aus der Schülerzeitungsredaktion, denn anfangs erwähnt er, er habe die Ereignisse, die er im Folgenden schildern wird, recherchiert.  Der jugendlich lockere Erzählstil und die witzigen Sprüche würden auch für jemanden aus dem Team sprecher. Ich habe wirklich oft lachen müssen.

Inzwischen gibt es das Buch mit einem neuen Cover. Mir gefällt das oben gezeigte aber besser. Das Pärchen sieht so hübsch und glücklich aus. Das fehlt dem neuen Cover komplett. Und die grünen Schlieren passen prima zum Titel. Fotos mit Zoomeffekt sehen recht ähnlich aus.

Fazit:  Eine wunderschöne Geschichte, spannend, witzig und mit Figuren, die sich als längst nicht so oberflächlich entpuppen, wie sie anfangs wirken. Es macht Spass, Till und Paula zu begleiten, zu verfolgen, wie sie sich entwickeln, einander langsam näher kommen und sich ihren Problemen stellen.  Probleme, die Jugendliche durchaus auch kennen dürften. Da bleibt das Geschehen nahe am Leben seiner Leserschaft. Und  auch die Lovestory einfach nur schön. Authentisch und ohne jeglichen Kitsch.

——————————————————————-

Titel: Zoom – Alles entwickelt sich
Autor: Lena Hach
Seiten: 247
Verlag: Chicken House by Carlsen Verlag
ISBN: 978-3407811851
Preis: €  7,95 (Broschiert)

Rockoholic (C. J. Skuse)

Kreisch! Jodys Lieblingsband ist in der Stadt. Klar, dass sie schon 14 Stunden vor Konzertbeginn da ist. Denn sie muss unbedingt ganz vorne stehen. Es geht schließlich um Jackson, den tollsten aller Leadsänger. Allerdings ist Jody nicht die Einzige und in dem ganzen Gedränge und Geschubse kippt sie einfach um, knallt auf den Boden und anstatt vor der Bühne zu stehen, wacht sie Backstage auf einer Liege auf. Schlimmer kann es nicht werden. Außer – man entführt einen Rockstar, versteckt ihn in der Garage und versucht so zu tun, als habe man alles im Griff.

Zugegeben, aus dem Alter, in dem man so sehr für einen Musikstar schwärmt wie Jody es tut, bin ich schon ein paar Jährchen lang heraus. Trotzdem klang der Klappentext irgendwie so herrlich schräg, verrückt und turbulent, dass ich der Geschichte gerne ihre Chance gegeben habe.
Sie beginnt sehr eindrucksvoll mit der Beerdigungsfeier von Jodys Opa, die Jodys Meinung nach überhaupt nicht so ist, wie ihr Großvater es sich gewünscht hätte. Also mischt sie die Gesellschaft ordentlich auf und als Leser bekommt man damit gleich den richtigen Eindruck von Jody vermittelt. Sie ist ein Chaot, neigt zu verrückten Aktionen und liebt neben ihrem Opa vor allem den Sänger (Jackson) ihrer Lieblingsband von ganzem Herzen.  Ich mochte Jody wirklich gerne und obwohl ich mehr als doppelt so alt bin wie sie, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen.  So konnte ich dann auch ein bisschen nachvollziehen, dass sie 14 Stunden vor dem Konzert bereits an der Halle steht und auf Einlass wartet. Sie hat einfach einen Hang zu extremen Situationen und Aktionen.
Von da an dreht die Geschichte auf. Bereits vor der Halle geht es ordentlich rund und leicht hat Jody es nicht. Beim Konzert geht es (leider) genauso weiter und als sie sich dann backstage auf der Krankenstation wiederfindet, tat sie mir schon leid. Doch dann taucht die Band dort auf, natürlich auch Jackson, und aus einer völlig absurden Situation heraus ist Jody plötzlich Entführer und Jackson ihr Opfer. Und damit ihr niemand auf die Schliche kommt, versteckt sie ihn kurzerhand in ihrer Garage. Wie realistisch das alles ist, darf man sich an diesem Punkt einfach nicht fragen.
Wer nun denkt, es kann nicht verrückter kommen, der irrt! Denn es ist wahrlich nicht leicht, einen Rockstar zu verstecken! Rockstars haben nämlich gewisse Angewohnheiten und Jody sieht Jackson binnen weniger Stunden ganz anders als noch vor dem Konzert. Ganz ehrlich, das halte ich nun wieder für eine Ecke glaubhafter und vielleicht ist es so auch eine Botschaft an die jugendliche Leserschaft: es ist längst nicht alles Gold, was auf den Bühnen glänzt! Ich muss sagen, ich habe Jody und ihren Freund Mac, der ihr während der Zeit mit Jackson immer wieder weiterhilft, sowas von bewundert. Was sie sich von Jackson bieten lassen und was sie für den Kerl alles auf sich nehmen, das geht auf keine Kuhhaut. Bei mir wäre der in der Garage versauert, aber echt! Oder ich hätte freiwillig die Polizei geholt und mich als vermeintlicher „Entführer“ gestellt.
Irgendwann sind die drei über den berühmten Berg, doch einfacher wird es dadurch immer noch nicht. Denn Jackson hat eine ganz spezielle Vorstellung sein weiteres Leben betreffend und Jody und Mac sollen ihm dabei helfen. Auch hier sollte man besser nicht danach fragen, wie realistisch das Ganze ist. Unterhaltsam und verflixt spannend ist es aber auf jeden Fall! Man fragt sich ständig, wie lange das Trio mit der Sache noch durchkommen wird und hofft gleichzeitig, dass sie es schaffen. Auch wenn das für Jody ein eher trauriger Erfolg wäre.
Mein Liebling der Geschichte war Jodys Freund Mac. Ich mochte den an sich so vernünftigen Kerl in den verrückten Outfits und mit den witzigen Sprüchen so unglaublich gerne! Was hat er mir leid getan als sich bei Jody alles nur um Jackson dreht! Denn im Gegensatz zu Jody habe ich Mac nicht eine Minute lang für schwul gehalten…

Jody erzählt die Geschichte selber. Im  flapsigen Ton einer Sechzehnjährigen, auch mal mit Kraftausdrücken und Flüchen und ganz viel Witz. Das liest sich weg wie nichts und ich habe tatsächlich das ganze Buch mit seinen stattlichen 439 Seiten in einem Rutsch gelesen. Die Kapitel haben sehr verlockende Titel und da fällt es einfach schwer, eine Pause einzulegen.

Die Kopfhörer auf dem Cover passen einwandfrei zur Geschichte und ihrem Titel. Genauso die Herzchen an den Kabeln und der ganze rosafarbene Look , der mich lange Zeit abgeschreckt hat.

Fazit:  „Rockoholic“ rockt! Wie realistisch das Geschehen ist, danach darf man hier teilweise einfach nicht fragen. Dann wird man mit einer herrlich schrägen, rasanten und spannenden Geschichte belohnt, die einfach riesigen Spass macht und dennoch Momente mit viel Tiefe hat. Wer Musik mag und schon mal so richtig für einen Star geschwärmt hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. Eine Lovestory ist „Rockoholic“ aber auch. Etwas anders zwar, aber dennoch unglaublich  süß!

——————————————————————-

Titel: Rockoholic
Autor: C. J. Skuse
Seiten: 439
Verlag: Chicken House by Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551520401
Preis: €  16,95 (HC)

Schweigend steht der Wald (Wolfram Fleischhauer)

Es ist kein Zufall, dass es die Forststudentin Anja Grimm zu einem Praktikum in den tiefsten Wald Deutschlands verschlägt: Dort hat sie als Kind Urlaub gemacht, und dort verschwand vor zwanzig Jahren ihr Vater auf einer Wanderung. Bei den Dorfbewohnern läuten die Alarmglocken: Was hat die junge Frau hier zu suchen, nach so langer Zeit? Und was, wenn sie etwas findet – etwas Dunkleres, als jeder Fremde ahnen kann?

Lange wusste ich nicht, was ich von diesem Buch halten sollte und genauso lange bin ich drumherum geschlichen ehe es dann doch ins Regal einzog. Was mich unsicher gemacht hatte, war das „Roman“ auf dem Cover. Der Inhalt klang für mich eher nach einem Krimi, vielleicht sogar mit einem übersinnlichen bis gruseligen Einschlag. Einfach nur ein Roman? Was kann man davon ableiten?
Nachdem ich es gelesen habe, habe ich es für mich unter „Krimi“ einsortiert. Mit einem dezenten Einschlag in Richtung Regionalkrimi, denn die Geschichte spielt in einem bestimmten Landstrich in und nahe eines kleinen Dorfes. Die Menschen dort wirken teilweise seltsam, verschroben, eigenbrötlerisch und man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass sie unter diesem „Filz“ etwas verbergen wollen. Mit allen Mitteln.
Diese Erkenntnis trifft auch die Hauptfigur Anja, eine junge Fortstudentin, die in den Wäldern der Gegend ein Praktikum absolviert. Dass sie ausgerechnet dort eingesetzt ist, hängt damit zusammen, dass in eben diesen Wäldern vor zwanzig Jahren ihr Vater verschwand. Damit hat man direkt eines der Rätsel bei der Hand, die es in der Geschichte zu lösen gilt. Anja macht einige interessante Entdeckungen, die Dorfbewohner machen Bemerkungen und / oder verhalten sich seltsam, sodass man knobeln kann, was damals passiert sein könnte. Mir hat dabei besonders gefallen, wie geheimnisvoll so ein ganz normaler Wald sein kann, wenn er entsprechend gut beschrieben wird. Und wie unheimlich das Dorf und seine Bewohner wirken.
Nach und nach tauchen weitere Hinweise darauf auf, was damals geschah. Viele davon sind einfach nur erschreckend, weil es eben grausame Vorfälle waren. Andere wiederum weisen auf ganz bestimmte Zusammenhänge, Themen und Zeiten hin. Und da war es bei mir kurz vor knapp und nahe dran, das Buch aufzugeben. Es gibt einfach Themen, die habe ich in der Schulzeit bis zum Umfallen immer wieder aufs Brot geschmiert bekommen, über ganze Schuljahre hinweg. Mit diesen Themen kann man mich deshalb bis heute jagen.
Dass ich trotzdem weitergelesen habe, lag vor allem daran, weil ich es unglaublich spannend fand, wie Anja den Sachen auf den Grund geht und kommt. Manches Mal habe ich sie für ihren Mut bewundert und auch dafür, was sie aus der Natur im Wald ableiten kann. Und sie ist hartnäckig und nimmt es mit den verbohrten Dörflern auf. Das fand ich bemerkenswert. Mehr aber auch nicht, das muss ich dazu sagen. Richtig Freund bin ich mit Anja nicht geworden. Schon lange nicht ab dem Punkt, an dem sie jagen geht und Freude daran hat. Tut mir leid, aber solche Menschen sind bei mir unten durch.
Zweitens hat mich die ganze Atmosphäre bei Laune gehalten. So geheimnisvoll, so rätselhaft und oft auch richtig schön finster. Gruselig war es zwar nicht, zumindest nicht im übersinnlichen Sinne, aber ab und zu schaudert man doch.
Ein wenig Interesse an den Themen Wald, Natur, Pflanzen, Forstwirtschaft und dem Kartieren sollte man für das Buch mitbringen. Vor allem für das Kartieren! Das ist scheinbar das Lieblingswort des Autors, so oft wie er es verwendet. Bei mir ist das Interesse nicht allzu ausgeprägt gewesen, vieles kannte ich nicht mal, aber das Buch hat mir diese Themen doch schnell schmackhaft gemacht.

Die Geschichte hat viele Passagen ohne jeden Dialog. Das ist regulär nicht mein Fall, denn das wirkt schon optisch so massiv, dass mir jede Lust darauf vergeht. Hier ging es damit aber zum Glück ganz gut, denn die Erzählweise ist angenehm locker. Locker im Sinne von leicht zu lesen. Und wenn wieder ein längerer Abschnitt mit Dialogen kam, habe ich mich gefreut, denn dann ging es noch fixer mit dem Lesen. Die Kapitel sind nicht kurz, aber auch nicht zu lang. Eben eine gute Mitte, mit der man je Kapitel ein gutes Stück in der Geschichte voran kommt.

Irgendwie mag ich das Cover. Es hat mich sofort auf das Buch aufmerksam gemacht. Ich habe übrigens tatsächlich die oben gezeigte Version, das Hardcover. Das Taschenbuch hat ein sehr ähnliches Cover, wirkt aber in Schwarzweiß nicht so gut, wie ich finde. Das Türkis lenkt sofort den Blick auf sich und auch wenn man es im oberen Teil nicht erkennt, im unteren wird doch deutlich, dass ein Wald gezeigt wird.

Fazit: Für mich ist „Schweigend steht der Wald“ ein Krimi mit leichtem Einschlag Richtung Regionalkrimi. Ich fand die Geschichte spannend mit einem wunderbar düsteren Touch, der einen schon mal schaudern lässt.  Vor allem dieses Verschworene im Dorf, diese „Filz“. Sowas ist mir immer unheimlich. Die Hintergründe des Geschehens waren -von der Zeit her, in der sie sich abspielen- allerdings nicht mein Fall und mit Anja bin ich nicht sonderlich gut Freund geworden. Es reichte aber um sie gerne bei ihren Nachforschungen zu begleiten. Ein wenig Interesse am Wald, der Natur usw kann für das Buch nicht schaden.

——————————————————————-

Titel:  Schweigend steht der Wald
Autor: Wolfram Fleischhauer
Seiten:  384
Verlag: Droemer-Knaur
ISBN: 978-3-426-19854-4 (HC) / 978-3426304105 (TB)
Preis:  € 9,99 (TB)

 

© 2019 Frontier Theme