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Zoom – Alles entwickelt sich (Lena Hach)

Till hat die Kamera seines Vaters, eine alte Leica M4, überall dabei. Aber die Fotos will Till erst entwickeln, wenn sich sein verschwundener Vater bei ihm meldet. Als Paula, die Chefredakteurin der Schülerzeitung, Till bittet, auf der Klassenfahrt Bilder zu machen, gerät er in ein Dilemma: Er findet Paula toll. Ach was – er ist total in sie verknallt! Aber was ist mit seinem Vorsatz? Kann Till Paula die Wahrheit über seinen Vater sagen?

Da gibt man einen Schwung uA ungelesener Bücher zur Tauschticket und weil sie nicht prompt weggehen, liest man sie dann halt doch noch. Und findet solche Perlen wie “Zoom”. Ich bin so froh, es doch noch gelesen zu haben!
Den ruhigen, etwas schüchternen Till mochte ich auf Anhieb. Er war mir schon alleine wegen seiner Kamera sympathisch, die er ständig bei sich trägt. Manchmal bin ich ja auch mit einer unterwegs und kann die Begeisterung gut nachvollziehen. Leicht hat Till es nicht, weder in der Schule, noch zuhause. Sein Vater verließ seine Mutter vor langer Zeit und verschwand sang- und klanglos auf der anderen Seite der Welt. Till denkt, die Kamera hätte seinem Vater gehört und so ist sie eine Verbindung zwischen ihnen beiden. Ein schöner Gedanke, wie ich fand, denn Till tat mir ganz schön leid mit seinen Gedanken an seinen Vater und den Fragen, vor die dieser ihn gestellt hat.
Als die Schülerzeitung einen Fotografen braucht, spricht die Chefredakteurin der Zeitung -Paula- ausgerechnet Till an. Damit hat der gleich das nächste Problem: denn er findet Paula einfach toll. Ich war davon nicht sofort überzeugt. Paula wirkte mir zu sehr wie ein verwöhntes Mädchen, überheblich und arrogant.
Doch wie der Titel des Buchs schon verrät, die Dinge entwickeln sich. Nicht einfach, aber es geht voran und ich habe mit Vergnügen darüber gelesen, wie Till versucht, Paula zu gefallen, endlich richtig zu Fotografieren ( für die Schülerzeitung notwendig) und nebenbei noch die Sache mit seinem Vater und dem neuen Freund seiner Mutter auf die Reihe zu kriegen. Und auch Paula wurde mir nach und nach sympathischer. Schnell stellte sich heraus, dass auch sie mit ein paar Dingen zu kämpfen hat. Und mir gefiel auch ihr Mut, ihre direkte Art und ihr manchmal ganz schön bissiger Humor. Und, dass selbst sie, die ja bereits einen Freund hat, nicht so genau weiß, wie sie die Sache mit Till voranbringen soll. Es ist einfach schön zu verfolgen, wie die beiden sich trotz all dieser Irrungen und Wirrungen doch näher kommen.
Tills Fotos spielen natürlich auch immer eine Rolle. Er macht eine Entdeckung was seine Kamea angeht, die ein ziemlicher Schlag für ihn ist. Und gleich die nächste, was seinen Vater angeht.  Und zum Ende hin  startet Paula dann leider eine Aktion, die Till maßlos ärgert. Ich muss zugeben, dass ich das nicht ganz verstanden habe. Natürlich, sie macht das, ohne Till einzuweihen, aber sie hat es gut gemeint.  Und es stimmt, dass Fotos nicht perfekt sein müssen um eine Aussage zu haben. Das sehe ich genauso wie Paula und die anderen, die seine Fotos zu Gesicht bekommen.  Aber es ist wohl in erster Linie das Problem, dass Paula Till nicht gefragt hat und das wiederum konnte ich doch verstehen.
So steht die Sache mit ihnen plötzlich doch wieder auf wackeligen Beinen und es bleibt bis zum Ende hin spannend. Auch was die Sache mit Tills Vater angeht. Und die mit dem neuen Freund seiner Mutter. Und die mit der Fotografie, die er nach erwähnter Entdeckung an den Nagel gehängt hat.

Interessent fand ich die Erzählperspektive der Geschichte. Man erfährt nie, wer sie erzählt. Es ist ein Ich-Erzähler, das merkt man an gewissen Stellen, aber wer? Keine Ahnung! Ich tippe ja auf jemanden aus der Schülerzeitungsredaktion, denn anfangs erwähnt er, er habe die Ereignisse, die er im Folgenden schildern wird, recherchiert.  Der jugendlich lockere Erzählstil und die witzigen Sprüche würden auch für jemanden aus dem Team sprecher. Ich habe wirklich oft lachen müssen.

Inzwischen gibt es das Buch mit einem neuen Cover. Mir gefällt das oben gezeigte aber besser. Das Pärchen sieht so hübsch und glücklich aus. Das fehlt dem neuen Cover komplett. Und die grünen Schlieren passen prima zum Titel. Fotos mit Zoomeffekt sehen recht ähnlich aus.

Fazit:  Eine wunderschöne Geschichte, spannend, witzig und mit Figuren, die sich als längst nicht so oberflächlich entpuppen, wie sie anfangs wirken. Es macht Spass, Till und Paula zu begleiten, zu verfolgen, wie sie sich entwickeln, einander langsam näher kommen und sich ihren Problemen stellen.  Probleme, die Jugendliche durchaus auch kennen dürften. Da bleibt das Geschehen nahe am Leben seiner Leserschaft. Und  auch die Lovestory einfach nur schön. Authentisch und ohne jeglichen Kitsch.

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Titel: Zoom – Alles entwickelt sich
Autor: Lena Hach
Seiten: 247
Verlag: Chicken House by Carlsen Verlag
ISBN: 978-3407811851
Preis: €  7,95 (Broschiert)

Rockoholic (C. J. Skuse)

Kreisch! Jodys Lieblingsband ist in der Stadt. Klar, dass sie schon 14 Stunden vor Konzertbeginn da ist. Denn sie muss unbedingt ganz vorne stehen. Es geht schließlich um Jackson, den tollsten aller Leadsänger. Allerdings ist Jody nicht die Einzige und in dem ganzen Gedränge und Geschubse kippt sie einfach um, knallt auf den Boden und anstatt vor der Bühne zu stehen, wacht sie Backstage auf einer Liege auf. Schlimmer kann es nicht werden. Außer – man entführt einen Rockstar, versteckt ihn in der Garage und versucht so zu tun, als habe man alles im Griff.

Zugegeben, aus dem Alter, in dem man so sehr für einen Musikstar schwärmt wie Jody es tut, bin ich schon ein paar Jährchen lang heraus. Trotzdem klang der Klappentext irgendwie so herrlich schräg, verrückt und turbulent, dass ich der Geschichte gerne ihre Chance gegeben habe.
Sie beginnt sehr eindrucksvoll mit der Beerdigungsfeier von Jodys Opa, die Jodys Meinung nach überhaupt nicht so ist, wie ihr Großvater es sich gewünscht hätte. Also mischt sie die Gesellschaft ordentlich auf und als Leser bekommt man damit gleich den richtigen Eindruck von Jody vermittelt. Sie ist ein Chaot, neigt zu verrückten Aktionen und liebt neben ihrem Opa vor allem den Sänger (Jackson) ihrer Lieblingsband von ganzem Herzen.  Ich mochte Jody wirklich gerne und obwohl ich mehr als doppelt so alt bin wie sie, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen.  So konnte ich dann auch ein bisschen nachvollziehen, dass sie 14 Stunden vor dem Konzert bereits an der Halle steht und auf Einlass wartet. Sie hat einfach einen Hang zu extremen Situationen und Aktionen.
Von da an dreht die Geschichte auf. Bereits vor der Halle geht es ordentlich rund und leicht hat Jody es nicht. Beim Konzert geht es (leider) genauso weiter und als sie sich dann backstage auf der Krankenstation wiederfindet, tat sie mir schon leid. Doch dann taucht die Band dort auf, natürlich auch Jackson, und aus einer völlig absurden Situation heraus ist Jody plötzlich Entführer und Jackson ihr Opfer. Und damit ihr niemand auf die Schliche kommt, versteckt sie ihn kurzerhand in ihrer Garage. Wie realistisch das alles ist, darf man sich an diesem Punkt einfach nicht fragen.
Wer nun denkt, es kann nicht verrückter kommen, der irrt! Denn es ist wahrlich nicht leicht, einen Rockstar zu verstecken! Rockstars haben nämlich gewisse Angewohnheiten und Jody sieht Jackson binnen weniger Stunden ganz anders als noch vor dem Konzert. Ganz ehrlich, das halte ich nun wieder für eine Ecke glaubhafter und vielleicht ist es so auch eine Botschaft an die jugendliche Leserschaft: es ist längst nicht alles Gold, was auf den Bühnen glänzt! Ich muss sagen, ich habe Jody und ihren Freund Mac, der ihr während der Zeit mit Jackson immer wieder weiterhilft, sowas von bewundert. Was sie sich von Jackson bieten lassen und was sie für den Kerl alles auf sich nehmen, das geht auf keine Kuhhaut. Bei mir wäre der in der Garage versauert, aber echt! Oder ich hätte freiwillig die Polizei geholt und mich als vermeintlicher “Entführer” gestellt.
Irgendwann sind die drei über den berühmten Berg, doch einfacher wird es dadurch immer noch nicht. Denn Jackson hat eine ganz spezielle Vorstellung sein weiteres Leben betreffend und Jody und Mac sollen ihm dabei helfen. Auch hier sollte man besser nicht danach fragen, wie realistisch das Ganze ist. Unterhaltsam und verflixt spannend ist es aber auf jeden Fall! Man fragt sich ständig, wie lange das Trio mit der Sache noch durchkommen wird und hofft gleichzeitig, dass sie es schaffen. Auch wenn das für Jody ein eher trauriger Erfolg wäre.
Mein Liebling der Geschichte war Jodys Freund Mac. Ich mochte den an sich so vernünftigen Kerl in den verrückten Outfits und mit den witzigen Sprüchen so unglaublich gerne! Was hat er mir leid getan als sich bei Jody alles nur um Jackson dreht! Denn im Gegensatz zu Jody habe ich Mac nicht eine Minute lang für schwul gehalten…

Jody erzählt die Geschichte selber. Im  flapsigen Ton einer Sechzehnjährigen, auch mal mit Kraftausdrücken und Flüchen und ganz viel Witz. Das liest sich weg wie nichts und ich habe tatsächlich das ganze Buch mit seinen stattlichen 439 Seiten in einem Rutsch gelesen. Die Kapitel haben sehr verlockende Titel und da fällt es einfach schwer, eine Pause einzulegen.

Die Kopfhörer auf dem Cover passen einwandfrei zur Geschichte und ihrem Titel. Genauso die Herzchen an den Kabeln und der ganze rosafarbene Look , der mich lange Zeit abgeschreckt hat.

Fazit:  “Rockoholic” rockt! Wie realistisch das Geschehen ist, danach darf man hier teilweise einfach nicht fragen. Dann wird man mit einer herrlich schrägen, rasanten und spannenden Geschichte belohnt, die einfach riesigen Spass macht und dennoch Momente mit viel Tiefe hat. Wer Musik mag und schon mal so richtig für einen Star geschwärmt hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. Eine Lovestory ist “Rockoholic” aber auch. Etwas anders zwar, aber dennoch unglaublich  süß!

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Titel: Rockoholic
Autor: C. J. Skuse
Seiten: 439
Verlag: Chicken House by Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551520401
Preis: €  16,95 (HC)

Schweigend steht der Wald (Wolfram Fleischhauer)

Es ist kein Zufall, dass es die Forststudentin Anja Grimm zu einem Praktikum in den tiefsten Wald Deutschlands verschlägt: Dort hat sie als Kind Urlaub gemacht, und dort verschwand vor zwanzig Jahren ihr Vater auf einer Wanderung. Bei den Dorfbewohnern läuten die Alarmglocken: Was hat die junge Frau hier zu suchen, nach so langer Zeit? Und was, wenn sie etwas findet – etwas Dunkleres, als jeder Fremde ahnen kann?

Lange wusste ich nicht, was ich von diesem Buch halten sollte und genauso lange bin ich drumherum geschlichen ehe es dann doch ins Regal einzog. Was mich unsicher gemacht hatte, war das “Roman” auf dem Cover. Der Inhalt klang für mich eher nach einem Krimi, vielleicht sogar mit einem übersinnlichen bis gruseligen Einschlag. Einfach nur ein Roman? Was kann man davon ableiten?
Nachdem ich es gelesen habe, habe ich es für mich unter “Krimi” einsortiert. Mit einem dezenten Einschlag in Richtung Regionalkrimi, denn die Geschichte spielt in einem bestimmten Landstrich in und nahe eines kleinen Dorfes. Die Menschen dort wirken teilweise seltsam, verschroben, eigenbrötlerisch und man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass sie unter diesem “Filz” etwas verbergen wollen. Mit allen Mitteln.
Diese Erkenntnis trifft auch die Hauptfigur Anja, eine junge Fortstudentin, die in den Wäldern der Gegend ein Praktikum absolviert. Dass sie ausgerechnet dort eingesetzt ist, hängt damit zusammen, dass in eben diesen Wäldern vor zwanzig Jahren ihr Vater verschwand. Damit hat man direkt eines der Rätsel bei der Hand, die es in der Geschichte zu lösen gilt. Anja macht einige interessante Entdeckungen, die Dorfbewohner machen Bemerkungen und / oder verhalten sich seltsam, sodass man knobeln kann, was damals passiert sein könnte. Mir hat dabei besonders gefallen, wie geheimnisvoll so ein ganz normaler Wald sein kann, wenn er entsprechend gut beschrieben wird. Und wie unheimlich das Dorf und seine Bewohner wirken.
Nach und nach tauchen weitere Hinweise darauf auf, was damals geschah. Viele davon sind einfach nur erschreckend, weil es eben grausame Vorfälle waren. Andere wiederum weisen auf ganz bestimmte Zusammenhänge, Themen und Zeiten hin. Und da war es bei mir kurz vor knapp und nahe dran, das Buch aufzugeben. Es gibt einfach Themen, die habe ich in der Schulzeit bis zum Umfallen immer wieder aufs Brot geschmiert bekommen, über ganze Schuljahre hinweg. Mit diesen Themen kann man mich deshalb bis heute jagen.
Dass ich trotzdem weitergelesen habe, lag vor allem daran, weil ich es unglaublich spannend fand, wie Anja den Sachen auf den Grund geht und kommt. Manches Mal habe ich sie für ihren Mut bewundert und auch dafür, was sie aus der Natur im Wald ableiten kann. Und sie ist hartnäckig und nimmt es mit den verbohrten Dörflern auf. Das fand ich bemerkenswert. Mehr aber auch nicht, das muss ich dazu sagen. Richtig Freund bin ich mit Anja nicht geworden. Schon lange nicht ab dem Punkt, an dem sie jagen geht und Freude daran hat. Tut mir leid, aber solche Menschen sind bei mir unten durch.
Zweitens hat mich die ganze Atmosphäre bei Laune gehalten. So geheimnisvoll, so rätselhaft und oft auch richtig schön finster. Gruselig war es zwar nicht, zumindest nicht im übersinnlichen Sinne, aber ab und zu schaudert man doch.
Ein wenig Interesse an den Themen Wald, Natur, Pflanzen, Forstwirtschaft und dem Kartieren sollte man für das Buch mitbringen. Vor allem für das Kartieren! Das ist scheinbar das Lieblingswort des Autors, so oft wie er es verwendet. Bei mir ist das Interesse nicht allzu ausgeprägt gewesen, vieles kannte ich nicht mal, aber das Buch hat mir diese Themen doch schnell schmackhaft gemacht.

Die Geschichte hat viele Passagen ohne jeden Dialog. Das ist regulär nicht mein Fall, denn das wirkt schon optisch so massiv, dass mir jede Lust darauf vergeht. Hier ging es damit aber zum Glück ganz gut, denn die Erzählweise ist angenehm locker. Locker im Sinne von leicht zu lesen. Und wenn wieder ein längerer Abschnitt mit Dialogen kam, habe ich mich gefreut, denn dann ging es noch fixer mit dem Lesen. Die Kapitel sind nicht kurz, aber auch nicht zu lang. Eben eine gute Mitte, mit der man je Kapitel ein gutes Stück in der Geschichte voran kommt.

Irgendwie mag ich das Cover. Es hat mich sofort auf das Buch aufmerksam gemacht. Ich habe übrigens tatsächlich die oben gezeigte Version, das Hardcover. Das Taschenbuch hat ein sehr ähnliches Cover, wirkt aber in Schwarzweiß nicht so gut, wie ich finde. Das Türkis lenkt sofort den Blick auf sich und auch wenn man es im oberen Teil nicht erkennt, im unteren wird doch deutlich, dass ein Wald gezeigt wird.

Fazit: Für mich ist “Schweigend steht der Wald” ein Krimi mit leichtem Einschlag Richtung Regionalkrimi. Ich fand die Geschichte spannend mit einem wunderbar düsteren Touch, der einen schon mal schaudern lässt.  Vor allem dieses Verschworene im Dorf, diese “Filz”. Sowas ist mir immer unheimlich. Die Hintergründe des Geschehens waren -von der Zeit her, in der sie sich abspielen- allerdings nicht mein Fall und mit Anja bin ich nicht sonderlich gut Freund geworden. Es reichte aber um sie gerne bei ihren Nachforschungen zu begleiten. Ein wenig Interesse am Wald, der Natur usw kann für das Buch nicht schaden.

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Titel:  Schweigend steht der Wald
Autor: Wolfram Fleischhauer
Seiten:  384
Verlag: Droemer-Knaur
ISBN: 978-3-426-19854-4 (HC) / 978-3426304105 (TB)
Preis:  € 9,99 (TB)

 

Panic – Wer Angst hat, ist raus (Lauren Oliver)

PANIC verändert alle(s). Heather hatte nie vor, an dem verbotenen Spiel für Schulabgänger teilzunehmen. Denn der Gewinn ist zwar hoch, aber der Einsatz auch, und sie ist keine Kämpferin. Doch schnell wird ihr klar, dass es nur den richtigen Grund braucht, um dabei sein zu wollen. Und dass Mut auch eine Frage von Notwendigkeit ist. Dodge war sich immer sicher, dass er bei Panic mitmachen würde. Er hat keine Angst, denn es gibt ein Geheimnis, das ihn durchs Spiel pushen wird. Aber um zu gewinnen, muss man auch seine Gegner kennen.

Vor längerer Zeit hatte mir Lauren Olivers “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” so gut gefallen, dass ich “Panic” einfach lesen musste. Natürlich in der Erwartung, noch einmal so begeistert zu sein.
Gelungen ist das “Panic” nur so semigut. Zunächst fand (und finde ) ich  die Idee, dieses Spiels wirklich genial. Natürlich, das Spiel ist lebensgefährlich und über jede einzelne Aufgabe für die Spieler kann ein vernünftig denkender Mensch nur entsetz den Kopf schütteln. Doch genau solche Extreme machen für mich oft das Besondere an einer Geschichte aus. Im Jugendbuchgenre ist das dann noch mal eine andere Liga und gewagt, aber im Vergleich zu “WDSZDGLADVSS” finde ich es nicht heikler. Darin geht es immerhin um ein sehr junges Mädchen, das stirbt. Das ist auch nicht ohne.
Spannung zieht “Panic” also einmal aus dem Spiel und den Aufgaben,  Da fiebert man schnell mit und ein bisschen Sensationsgier (wenn man es so nennen möchte) spielte bei mir da auch immer mit rein. Ich hatte immer die gespannte Frage im Hinterkopf, ob die nächste Aufgabe noch eine Schippe drauflegen würde.
Spannend ist aber auch das Leben der einzelnen Figuren und wie PANIC es beeinflusst. Keiner der Jugendlichen, die am Spiel teilnehmen, hat es leicht. Keiner von ihnen lebt im Luxus, ganz im Gegenteil. Viele haben alles andere als ein gutes Elternhaus. Jeder hat seine persönlichen Geheimnisse und Probleme. Und bei jedem einzelnen kann man nur allzu gut nachvollziehen, dass sie sich erträumen, mit dem Geldgewinn aus PANIC ein besseres Leben führen zu können. Doch der Weg dorthin ist mehr als steinig, denn je weiter es zum Ende hin geht, umso gefährlicher wird die Sache. Irgendeiner der Mitspieler scheint obendrein falsch zu spielen und bringt die anderen damit umso mehr in Gefahr.
Soweit war die Geschichte durchaus nach meinem Geschmack. Es gab dann aber doch zwei Knackpunkte, die dafür gesorgt haben, dass ich von “Panic” nicht allzu angetan bin. Diese Punkte sind sicher ein Stück weit Geschmackssache, aber das ändert die Sache an sich ja nicht.
Erstens bin ich mit keiner der Figuren richtig warm geworden. Dafür waren es zu viele und die Wechsel zwischen ihnen zu häufig. In der recht kurzen Zeit, die man für jede quasi bekommt, konnte ich mich mit keiner anfreunden. Natürlich, das Hauptaugenmerk liegt auf Heather, doch ich mochte sie deshalb nicht mehr als die anderen. Auch mit ihr bin ich nicht besonders gut Freund geworden. Und ich brauche bei einer Geschichte einfach mindestens eine Figur, die für mich etwas Besonderes ist.
Zweitens gefiel mir einfach das Umfeld der Kids nicht. Es ist mir klar, dass “Panic” in einer normalen oder gar guten Gegend und mit Jugendlichen, die keine echten Probleme im Leben haben, nicht funktionieren würde. Aber ab einem gewissen Maß Elend ist bei mir Schluss. Wenn alles nur noch traurig, trostlos, hoffnungslos istund die Figuren alle in Armut, Elend und zerrütteten Familien leben, dann ist das nicht mein Fall. Ich brauche wenigstens ab und zu einen Lichtblick oder wenigstens eine Figur, deren Leben nicht meilenweit von meinem eigenen entfernt ist.  Das macht es mir leichter, mich mit ihr zu identifizieren.
Ein kleiner Punkt noch zum Schluss: es gibt ein Element, das ich für absolut unglaubwürdig halte. In den USA ist sicher vieles möglich, aber das sich jemand diese speziellen Tiere dort auf einem Hof hält / halten kann, das bezweifele ich doch sehr

Mit fast jedem Kapitel springt man zwischen den Figuren hin und her. Das sorgt für Abwechslung und bringt Schwung ins Lesetempo. Sonderlich lang sich die Kapitel meistens auch nicht. So hat sich “Panic” trotz meiner Schwierigkeiten mit der Story und ihren Figuren doch ganz gut und fix lesen lassen.

Das Cover gefällt mir nachwievor richtig gut. Ich mag das kräftige Rot-Orange und dass man den Schemen des Mädchengesichts erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt. Es gibt also auch Möglichkeiten, ein Cover nicht mit einem Mädchengesicht quasi zu erschlagen. Das Schattenrissbild der Klippenspringer verrät bereits, weshalb die Spieler von PANIC sehr viel Mut brauchen.

Fazit: Die Idee des Spiels finde ich  genial und so (lebens)gefährlich die Aufgaben auch sind, cool fand ich sie doch. Weil Lauren Oliver damit im Jugendbuchgenre einiges wagt. Spannend sind die Aufgaben natürlich auch. Genauso wie die Frage, ob die Kids mit PANIC ihr Leben in neue, bessere Bahnen lenken werden. Mir war es aber in Summe zu viel Elend, zu viel Hoffnungslosigkeit. Ab einem gewissen Maß habe ich darauf irgendwann keinen Nerv mehr. So war es auch hier. Und durch die vielen Figuren und die schnellen Wechsel zwischen ihnen, konnte ich mich leider auch mit keinem wirklich anfreunden.

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Titel: PANIC – Wer Angst hat, ist raus
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 268
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551583291
Preis: €  8,99 (Broschiert) / € 17,99 (HC)

Bekenntnisse eines Nachtsportlers (Wigald Boning)

Auf seine unverwechselbare Art erzählt Wigald Boning von seinen skurrilen Trainingserlebnissen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden, berichtet von heroischen Kämpfen mit dem inneren Schweinehund, versieht das Ganze mit Tipps für Sportler und Möchtegern-Sportler und bietet vor allem eins: Amüsement.

Nachdem mir vor einiger Zeit Wigald Bonings “Im Zelt” so gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt noch mindestens ein weiteres seiner Bücher lesen. Die Wahl fiel aufgrund des vielversprechenden Titels auf den “Nachtsportler”.
In diesem Buch erzählt Wigald Boning von seinen sportlichen Unternehmungen, die natürlich -wie könnte es bei ihm auch anders sein- schon mal ein Stück neben der Spur sind bzw wirken. Da radelt er, völlig ungeübt darin, mit dickem Gepäck einmal durch Deutschland, läuft einen Marathon mit Krawatte, tritt eine Profiwanderung in den Alpen an und fährt 24 Stunden mit einem Tretboot auf dem See herum.
Wenn man für die eine oder andere Sportart eine gewisse Begeisterung aufbringt, dann sind das schon interessante und spannende Themen. Zum Glück lässt Wigald Boning geraume Zeit keineswegs die große Sportskanone heraushängen. Anfangs ist er unsportlich und untrainiert, aber zumindest wild entschlossen. Man erfährt daher auch von Rückschlägen, Muskelkater, Krankheiten infolge des ungewohnten / ungewöhnlichen Trainings und Zweifeln. Das lässt ihn sympathisch und wunderbar normal wirken. Denn mal ehrlich, wer von uns könnte all diese Unternehmungen vollbringen, ohne an Grenzen zu kommen? Eben!
Somit habe ich über all das wirklich gerne gelesen. Über einiges habe ich gestaunt und mich gewundert, aber genau deshalb hat es mir gefallen. Weil es nicht so normal ist. Für vieles habe ich Wigald Boning ehrlich bewundert, denn ich an seiner Stelle würde all das niemals auf die Reihe bekommen und seine Disziplin ließe bei so etwas wohl auch schnell zu wünschen übrig. Zum Glück verfolge ich ja keine Pläne dieser Art. Mir reichen mein Fitnessstudio, im Sommer die eine oder andere Wanderung und meine Inliner. Aber ich mag es eben total, wenn jemand etwas Neues und das dann gerne auch etwas ungewöhnlich ausprobiert.
Nichtsdetotrotz war es mir in Summe etwas zu viel Lauferei und Fahrradfahrerei. In den meisten Kapiteln geht es darum. Das fand ich etwas schade. Da hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht. Ich bin mir sicher, dass Wigald Boning noch zahlreiche andere Sportarten ausprobiert hat. Neben dem Laufen und dem Radfahren.
Der größte Knackpunkt war für mich allerdings die Tatsache, dass längst nicht alle sportlichen Aktivitäten in der Nacht unternommen werden. Es kommt vor, natürlich: wenn man eine Aktion 24 Stunden durchziehen möchte, dann geht es nicht anders. Und das Training findet auch oft nachts statt, keine Frage. Aber Marathons und Wanderungen oder Radtouren über die Berge finden eben doch mehrheitlich bei Tag statt. Das wirkt so alles nicht so sonderbar, wie es der Titel einem zunächst verspricht.

Auf Bonings Erzählstil, seine Sprache und seine Formulierungen muss man sich einlassen können. Da muss man sich erst einmal einfinden, doch das ging bei mir recht schnell. Ich mag seinen Humor sowieso sehr gerne und so humorig lasse ich mir gerne etwas erzählen. Da kann man nämlich oft mal schmunzeln und so macht mir Lesen am meisten Spass. So fliegen auch Kapitel mit um die 20 Seiten oder mehr quasi dahin. Einzig an den diversen Erwähnungen seines Status habe ich mich hier und da gestört. Ich gehe davon aus (und hoffe es), dass man es bei ihm nicht allzu ernst nehmen kann, wenn er beispielsweise von sich behauptet, ein Fernsehstar zu sein. Trotzdem liest es sich auf den ersten Blick schon etwas arrogant.

Das Cover verspricht so einiges, obwohl es nicht allzu spektakulär ist. Aber man fragt sich schon, welchen verrückten Sportarten Boning in der Nacht wohl so nachgeht. Nächte haben ja nun mal irgendwie etwas Geheimnisvolles an sich, dem man mit einer Taschenlampe auf den Grund zu gehen versuchen kann. Und wieso ist Boning überhaupt zumindest oben herum nackt? Das lässt auf viel Verrücktes hoffen.

Fazit: Nach “Im Zelt” hat mich der “Nachtsportler” leider eher enttäuscht. Natürlich sind Bonings sportliche Ideen und Aktivitäten interessant und schön schräg. Und es hat mir sehr gefallen, dass er so ehrlich von den oft schmerzhaften Anfängen seiner Karriere als (Nacht)sportler erzählt.. Aber mir fehlte ein wenig Abwechslung zum Laufen / Wandern und Radfahren. Meistens geht es um diese Sportarten, was irgendwann an Reiz verliert. Dazu kommt noch, dass längst nicht alle Unternehmungen des Nachts stattfinden, was ich angesichts des Titels schade fand. Glücklicherweise mag ich Bonings Humor und seine Art zu erzählen, das hat mir das Weiterlesen trotzdem leicht gemacht. Und das war in diesem Falle wirklich gut, sonst hätte ich das Buch nach dem dritten Laufabenteuer womöglich abgebrochen.


Titel: Bekenntnisse eines Nachtsportlers
Autor: Wigald Boning
Seiten: 304
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499621925
Preis: € 9,99 (TB)

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