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Panic – Wer Angst hat, ist raus (Lauren Oliver)

PANIC verändert alle(s). Heather hatte nie vor, an dem verbotenen Spiel für Schulabgänger teilzunehmen. Denn der Gewinn ist zwar hoch, aber der Einsatz auch, und sie ist keine Kämpferin. Doch schnell wird ihr klar, dass es nur den richtigen Grund braucht, um dabei sein zu wollen. Und dass Mut auch eine Frage von Notwendigkeit ist. Dodge war sich immer sicher, dass er bei Panic mitmachen würde. Er hat keine Angst, denn es gibt ein Geheimnis, das ihn durchs Spiel pushen wird. Aber um zu gewinnen, muss man auch seine Gegner kennen.

Vor längerer Zeit hatte mir Lauren Olivers „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ so gut gefallen, dass ich „Panic“ einfach lesen musste. Natürlich in der Erwartung, noch einmal so begeistert zu sein.
Gelungen ist das „Panic“ nur so semigut. Zunächst fand (und finde ) ich  die Idee, dieses Spiels wirklich genial. Natürlich, das Spiel ist lebensgefährlich und über jede einzelne Aufgabe für die Spieler kann ein vernünftig denkender Mensch nur entsetz den Kopf schütteln. Doch genau solche Extreme machen für mich oft das Besondere an einer Geschichte aus. Im Jugendbuchgenre ist das dann noch mal eine andere Liga und gewagt, aber im Vergleich zu „WDSZDGLADVSS“ finde ich es nicht heikler. Darin geht es immerhin um ein sehr junges Mädchen, das stirbt. Das ist auch nicht ohne.
Spannung zieht „Panic“ also einmal aus dem Spiel und den Aufgaben,  Da fiebert man schnell mit und ein bisschen Sensationsgier (wenn man es so nennen möchte) spielte bei mir da auch immer mit rein. Ich hatte immer die gespannte Frage im Hinterkopf, ob die nächste Aufgabe noch eine Schippe drauflegen würde.
Spannend ist aber auch das Leben der einzelnen Figuren und wie PANIC es beeinflusst. Keiner der Jugendlichen, die am Spiel teilnehmen, hat es leicht. Keiner von ihnen lebt im Luxus, ganz im Gegenteil. Viele haben alles andere als ein gutes Elternhaus. Jeder hat seine persönlichen Geheimnisse und Probleme. Und bei jedem einzelnen kann man nur allzu gut nachvollziehen, dass sie sich erträumen, mit dem Geldgewinn aus PANIC ein besseres Leben führen zu können. Doch der Weg dorthin ist mehr als steinig, denn je weiter es zum Ende hin geht, umso gefährlicher wird die Sache. Irgendeiner der Mitspieler scheint obendrein falsch zu spielen und bringt die anderen damit umso mehr in Gefahr.
Soweit war die Geschichte durchaus nach meinem Geschmack. Es gab dann aber doch zwei Knackpunkte, die dafür gesorgt haben, dass ich von „Panic“ nicht allzu angetan bin. Diese Punkte sind sicher ein Stück weit Geschmackssache, aber das ändert die Sache an sich ja nicht.
Erstens bin ich mit keiner der Figuren richtig warm geworden. Dafür waren es zu viele und die Wechsel zwischen ihnen zu häufig. In der recht kurzen Zeit, die man für jede quasi bekommt, konnte ich mich mit keiner anfreunden. Natürlich, das Hauptaugenmerk liegt auf Heather, doch ich mochte sie deshalb nicht mehr als die anderen. Auch mit ihr bin ich nicht besonders gut Freund geworden. Und ich brauche bei einer Geschichte einfach mindestens eine Figur, die für mich etwas Besonderes ist.
Zweitens gefiel mir einfach das Umfeld der Kids nicht. Es ist mir klar, dass „Panic“ in einer normalen oder gar guten Gegend und mit Jugendlichen, die keine echten Probleme im Leben haben, nicht funktionieren würde. Aber ab einem gewissen Maß Elend ist bei mir Schluss. Wenn alles nur noch traurig, trostlos, hoffnungslos istund die Figuren alle in Armut, Elend und zerrütteten Familien leben, dann ist das nicht mein Fall. Ich brauche wenigstens ab und zu einen Lichtblick oder wenigstens eine Figur, deren Leben nicht meilenweit von meinem eigenen entfernt ist.  Das macht es mir leichter, mich mit ihr zu identifizieren.
Ein kleiner Punkt noch zum Schluss: es gibt ein Element, das ich für absolut unglaubwürdig halte. In den USA ist sicher vieles möglich, aber das sich jemand diese speziellen Tiere dort auf einem Hof hält / halten kann, das bezweifele ich doch sehr

Mit fast jedem Kapitel springt man zwischen den Figuren hin und her. Das sorgt für Abwechslung und bringt Schwung ins Lesetempo. Sonderlich lang sich die Kapitel meistens auch nicht. So hat sich „Panic“ trotz meiner Schwierigkeiten mit der Story und ihren Figuren doch ganz gut und fix lesen lassen.

Das Cover gefällt mir nachwievor richtig gut. Ich mag das kräftige Rot-Orange und dass man den Schemen des Mädchengesichts erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt. Es gibt also auch Möglichkeiten, ein Cover nicht mit einem Mädchengesicht quasi zu erschlagen. Das Schattenrissbild der Klippenspringer verrät bereits, weshalb die Spieler von PANIC sehr viel Mut brauchen.

Fazit: Die Idee des Spiels finde ich  genial und so (lebens)gefährlich die Aufgaben auch sind, cool fand ich sie doch. Weil Lauren Oliver damit im Jugendbuchgenre einiges wagt. Spannend sind die Aufgaben natürlich auch. Genauso wie die Frage, ob die Kids mit PANIC ihr Leben in neue, bessere Bahnen lenken werden. Mir war es aber in Summe zu viel Elend, zu viel Hoffnungslosigkeit. Ab einem gewissen Maß habe ich darauf irgendwann keinen Nerv mehr. So war es auch hier. Und durch die vielen Figuren und die schnellen Wechsel zwischen ihnen, konnte ich mich leider auch mit keinem wirklich anfreunden.

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Titel: PANIC – Wer Angst hat, ist raus
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 268
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551583291
Preis: €  8,99 (Broschiert) / € 17,99 (HC)

Bekenntnisse eines Nachtsportlers (Wigald Boning)

Auf seine unverwechselbare Art erzählt Wigald Boning von seinen skurrilen Trainingserlebnissen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden, berichtet von heroischen Kämpfen mit dem inneren Schweinehund, versieht das Ganze mit Tipps für Sportler und Möchtegern-Sportler und bietet vor allem eins: Amüsement.

Nachdem mir vor einiger Zeit Wigald Bonings „Im Zelt“ so gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt noch mindestens ein weiteres seiner Bücher lesen. Die Wahl fiel aufgrund des vielversprechenden Titels auf den „Nachtsportler“.
In diesem Buch erzählt Wigald Boning von seinen sportlichen Unternehmungen, die natürlich -wie könnte es bei ihm auch anders sein- schon mal ein Stück neben der Spur sind bzw wirken. Da radelt er, völlig ungeübt darin, mit dickem Gepäck einmal durch Deutschland, läuft einen Marathon mit Krawatte, tritt eine Profiwanderung in den Alpen an und fährt 24 Stunden mit einem Tretboot auf dem See herum.
Wenn man für die eine oder andere Sportart eine gewisse Begeisterung aufbringt, dann sind das schon interessante und spannende Themen. Zum Glück lässt Wigald Boning geraume Zeit keineswegs die große Sportskanone heraushängen. Anfangs ist er unsportlich und untrainiert, aber zumindest wild entschlossen. Man erfährt daher auch von Rückschlägen, Muskelkater, Krankheiten infolge des ungewohnten / ungewöhnlichen Trainings und Zweifeln. Das lässt ihn sympathisch und wunderbar normal wirken. Denn mal ehrlich, wer von uns könnte all diese Unternehmungen vollbringen, ohne an Grenzen zu kommen? Eben!
Somit habe ich über all das wirklich gerne gelesen. Über einiges habe ich gestaunt und mich gewundert, aber genau deshalb hat es mir gefallen. Weil es nicht so normal ist. Für vieles habe ich Wigald Boning ehrlich bewundert, denn ich an seiner Stelle würde all das niemals auf die Reihe bekommen und seine Disziplin ließe bei so etwas wohl auch schnell zu wünschen übrig. Zum Glück verfolge ich ja keine Pläne dieser Art. Mir reichen mein Fitnessstudio, im Sommer die eine oder andere Wanderung und meine Inliner. Aber ich mag es eben total, wenn jemand etwas Neues und das dann gerne auch etwas ungewöhnlich ausprobiert.
Nichtsdetotrotz war es mir in Summe etwas zu viel Lauferei und Fahrradfahrerei. In den meisten Kapiteln geht es darum. Das fand ich etwas schade. Da hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht. Ich bin mir sicher, dass Wigald Boning noch zahlreiche andere Sportarten ausprobiert hat. Neben dem Laufen und dem Radfahren.
Der größte Knackpunkt war für mich allerdings die Tatsache, dass längst nicht alle sportlichen Aktivitäten in der Nacht unternommen werden. Es kommt vor, natürlich: wenn man eine Aktion 24 Stunden durchziehen möchte, dann geht es nicht anders. Und das Training findet auch oft nachts statt, keine Frage. Aber Marathons und Wanderungen oder Radtouren über die Berge finden eben doch mehrheitlich bei Tag statt. Das wirkt so alles nicht so sonderbar, wie es der Titel einem zunächst verspricht.

Auf Bonings Erzählstil, seine Sprache und seine Formulierungen muss man sich einlassen können. Da muss man sich erst einmal einfinden, doch das ging bei mir recht schnell. Ich mag seinen Humor sowieso sehr gerne und so humorig lasse ich mir gerne etwas erzählen. Da kann man nämlich oft mal schmunzeln und so macht mir Lesen am meisten Spass. So fliegen auch Kapitel mit um die 20 Seiten oder mehr quasi dahin. Einzig an den diversen Erwähnungen seines Status habe ich mich hier und da gestört. Ich gehe davon aus (und hoffe es), dass man es bei ihm nicht allzu ernst nehmen kann, wenn er beispielsweise von sich behauptet, ein Fernsehstar zu sein. Trotzdem liest es sich auf den ersten Blick schon etwas arrogant.

Das Cover verspricht so einiges, obwohl es nicht allzu spektakulär ist. Aber man fragt sich schon, welchen verrückten Sportarten Boning in der Nacht wohl so nachgeht. Nächte haben ja nun mal irgendwie etwas Geheimnisvolles an sich, dem man mit einer Taschenlampe auf den Grund zu gehen versuchen kann. Und wieso ist Boning überhaupt zumindest oben herum nackt? Das lässt auf viel Verrücktes hoffen.

Fazit: Nach „Im Zelt“ hat mich der „Nachtsportler“ leider eher enttäuscht. Natürlich sind Bonings sportliche Ideen und Aktivitäten interessant und schön schräg. Und es hat mir sehr gefallen, dass er so ehrlich von den oft schmerzhaften Anfängen seiner Karriere als (Nacht)sportler erzählt.. Aber mir fehlte ein wenig Abwechslung zum Laufen / Wandern und Radfahren. Meistens geht es um diese Sportarten, was irgendwann an Reiz verliert. Dazu kommt noch, dass längst nicht alle Unternehmungen des Nachts stattfinden, was ich angesichts des Titels schade fand. Glücklicherweise mag ich Bonings Humor und seine Art zu erzählen, das hat mir das Weiterlesen trotzdem leicht gemacht. Und das war in diesem Falle wirklich gut, sonst hätte ich das Buch nach dem dritten Laufabenteuer womöglich abgebrochen.


Titel: Bekenntnisse eines Nachtsportlers
Autor: Wigald Boning
Seiten: 304
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499621925
Preis: € 9,99 (TB)

Die Kinder (Wulf Dorn)

Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.

Was habe ich auf dieses Buch gewartet! Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Jahre es schon her ist, dass ich auf einer Buchmesse beim Verlag gefragt habe, wann es erscheinen würde. Es war so ewig lange angekündigt. Und dann gab es endlich einen Termin und schon hatte ich es vorbestellt und darauf hin gefiebert.
Vielleicht hätte mich der Titel skeptisch werden lassen sollen. Denn ich gehöre -das gebe ich ehrlich zu- nicht zu den Menschen, die sich für Kinder allzu sehr begeistern können. Andererseits habe ich schon einige Krimis und Thriller gelesen, in denen Kinder eine wichtige Rolle gespielt haben. Und die haben mir trotzdem gefallen. Genauso wie ich Horrofilme mit Kindern immer besonders schaurig finde. Daher denke ich nicht, dass ich dem Buch mit Vorsicht hätte begegnen sollen.
Es begann dann auch zu 100 % nach meinem Geschmack mit dem nächtlichen Unfall auf der regennassen Bergstraße und dem grausigen Fund im Kofferraum des verunfallten Wagens. So hätte es gerne weitergehen dürfen.
Leider tut es das aber keineswegs. Grundsätzlich gefiel mir die Idee der Story ganz gut. Die Kinder, die sich so seltsam verhalten, die verschwundenen Menschen, die teilweise apokalyptisch anmutende Szenerie, doch das hat schon etwas. Das würde schon fast für einen Horrofilm reichen. Ausreichend blutig geht es dafür ebenfalls zu, was mir auch ganz gut gefallen hat.
Mein Problem mit „Die Kinder“ ist ganz einfach, dass es auf mich wirkt, als habe Wulf Dorn nicht recht gewusst, welches Genre er damit bedienen möchte, was er damit beim Leser bewirken möchte. Will er nun darauf aufmerksam machen, wie schlecht es vielen Kindern auf der Welt geht? Und dass man, wenn man auf der sonnigeren Seite des Lebens aufgewachsen ist, vielleicht etwas dazu beitragen sollte, dass es ihnen ebenfalls besser geht? Soll das Buch also mit diesen erschreckenden Kapiteln gesellschaftskritisch sein und aufrütteln?
Oder soll es doch ein Thriller sein, wie es die Szene am Anfang mit dem Unfall verheißt? Das wäre mir ja am liebsten gewesen, jedoch bleibt davon im wieteren Verlauf am wenigsten übrig.
Oder soll es Richtung Horror, Mystery und Fantasy gehen? Auch das ist absolut denkbar! Es gibt zahlreiche Passagen, die dazu passen würden. Und ich hätte da auch gar nichts dagegen, wenn nicht auf dem Cover ausdrücklich „Thriller“ stehen würde. In einem Thriller hat für mich Übersinnliches nichts verloren. So cool ich das sonst auch immer finde.
Diese Frage danach, was die Story mir sagen soll, was sie sein will, hat mich also schon beschäftigt. Aber dieses „Unetnschlossene“ hat auch dazu geführt, dass ich sie mich nicht wirklich gefesselt hat. Die einzelnen Kapitel zum Teil schon, das Große und Ganze jedoch leider nicht. Auf die Auflösung war ich allerdings sehr gespannt und ich hoffte, dass alles spätestens dann schlüssiger werden würde.
Und dann kam die Auflösung und ich konnte einfach nur den Kopf schütteln. Jetzt also auch noch ein mahnender Zeigefinger zum Thema Umwelt(bewusstsein)? Die nächste Theroie darüber, was „Die Kinder“ eigentlich sein möchte? Und davon mal abgesehen: solch eine Erklärung für die Vorkommnisse wie in dieser Geschichte, welcher Leser, der alle Sinne beieinander hat, soll dem Autoren das bitte abkaufen? Selten so etwas Hanebüchenes gelesen…

Durch die Schauplatzwechsel liest sich „Die Kinder“ erfreulich leicht und flüssig weg. Mit allzu vielen Charakteren hat man es auch nicht zu tun. So bleibt alles schön übersichtlich, was meinem Lesefluss ebenfalls immer gut tut. Mit jedem Kapitel kommt man ein gutes Stück voran, sodass ich mir irgendwann gesagt habe: ach, es sind nur noch drei Kapitel, die schaffe ich nun auch noch. Und schon war ich an nur einem Abend fertig mit dem Buch.

Optisch gefällt mir das Buch ausnehmend gut. Wunderbar finster mit blutroter Schrift, das alleine macht es schon zum Hingucker. Die gesichtslose Reihe Kinder darunter macht neugierig und wirkt auch ein bisschen unheimlich. Rundum stimmig also und genau mein Geschmack.

Fazit:  Ich muss zugeben, ich bin von „Die Kinder“ ziemlich enttäuscht. Es ist kein Thriller, keine Horrorgeschichte, keine Fantasyerzählung, kein Umweltkrimi, sondern einfach nur ein unausgegorenes Gemisch aus allem. Es hat seine schaurigen und erschreckenden Momente, ohne Zweifel, reicht in dieser Hinsicht aber absolut nicht an andere Thriller von Wulf Dorn heran. Abgesehen davon , hat für mich hat Übersinnliches in einem Thriller nichts verloren. Ich habe bis zum Schluss auf eine Auflösung gehofft, die alles ohne übersinnlichen Einschlag erklärt. Stattdessen kam eine Auflösung, bei der ich mich schon fast für dumm verkauft gefühlt habe. Selten so etwas Unglaubwürdiges gelesen. Und so einfach gestrickt nach dem ganzen Hin und Her zuvor. Schade, so schade! Ich hatte mich so auf das Buch gefreut…


Titel: Die Kinder
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 320
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453270947
Preis: € 16,99

Nummer 25 (Frank Kodiak)

Der Schriftsteller Andreas Zordan ist Dauergast auf den Bestsellerlisten. Die riesige Fangemeinde kann nicht genug kriegen von seinen Thrillern. Nichts bereitet Zordan mehr Freude als das detailgenaue Beschreiben ausgefallener Tötungsmethoden. Das gelingt dem Einzelgänger nur, weil er sich selbst für einen Psychopathen hält. Er ist kontaktscheu, meidet andere Menschen und lebt einsam in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Er weiß: Würde er nicht in seinen Büchern töten, müsste er auf die Realität ausweichen.
Als er eines Morgens im Garten die übel zugerichtete Leiche eines Mädchens im Teenageralter findet, meldet er es nicht der Polizei, sondern lässt sich auf ein Psychoduell mit einem Mörder ein, der ihn offenbar herausfordert. Und muss erkennen, dass er selbst weit entfernt ist von dessen kaltblütiger Grausamkeit.

In einer der vorigen Besprechungen hatte ich ja erwähnt, dass ich Andreas Winkelmanns Bücher meist direkt nach Veröffentlichung lese. Das schließt auch Bücher ein, die er unter Pseudonym schreibt. So wie „Nummer 25“. Ich verstehe zwar nie, was Pseudonyme eigentlich sollen / nutzen, aber das muss ich vielleicht auch gar nicht. Jedenfalls hatte ich auch dieses Buch sehr fix am Wickel.
Was ich an der Geschichte wirklich sehr interessant fand ist, dass sie sich um einen sehr eigenbrödlerischen Schriftsteller dreht, der abgeschieden in einem Haus am Waldrand wohnt, mit Menschen wenig am Hut hat und sich selbst als Psychopathen bezeichnet. Da darf man sich dann ja schon mal fragen, wieviel von Frank Kodiak bzw Andreas Winkelmann in dieser Figur steckt. Es ist nicht das schönste Bild, das er von dieser Figur malt. Und ich hoffe deshalb sehr, dass Frank Kodiak nicht so geartet ist wie sein Andreas Zordan. Nette Namensspielerei übrigens, oder? Die Figur mit dem realen Vornamen des Autoren hinter dem Pseudonym.
Anfangs fand ich Zordan selber auch noch ganz interessant. Ich habe nichts gegen einzelgängerisch veranlagte und etwas seltsame Figuren (und Menschen) und ich fand auch keineswegs, dass er wie ein Psychopath wirkt.
Das änderte sich dann aber schlagartig nach dem Fund der Leiche und dem ersten Treffen mit der Journalistin Greta. Es tut mir wirklich leid, aber so wie er sich danach und ihr gegenüber aufführt, das geht teilweise echt gar nicht. Und an Gretas Stelle hätte ich diesen Kerl -große Story hin oder her- binnen kürzester Zeit samt seinem Irrsinn einfach stehenlassen. Von da an geht der Typ sowas von überhaupt gar nicht, das kann man kaum beschreiben. Wenn das beabsichtigt war bei der Gestaltung dieser Figur, dann ist es auf ganzer Linie gelungen. Bei mir hat es allerdings dazu geführt, dass mich Zordan in erster Linie tierisch genervt hat.
Greta hat mir jedoch genauso wenig gefallen. Ja, sie hat Mut, ist hartnäckig, lässt sich nich unterkriegen, aber ich hatte trotzdem ständig das Bild von einem dummen, naiven Blondchen und Helene Fischer Double vor Augen. Und was sie später an Zordan gefressen hat, das habe ich auch nicht verstanden. Das sprach für mich ebenfalls dafür, dass sie beim besten Willen nicht die Hellste ist.
Das Rätsel um die Leiche und die weiteren Entführungen fand ich insgesamt ganz spannend, aber auch nicht unbedingt überragend. Irgendwie scheine ich ein Problem damit zu haben, wenn die Ermittler nicht wirklich Polizist oder Kommissar sind. Es ist zwar ganz interessant zu verfolgen, wie Zordan und Greta der Sache auf den Grund zu gehen versuchen, es hat auch seine düsteren und spannenden Momente, aber dieser professionelle Schliff fehlte mir einfach. Ohne den kann ich nicht so richtig mitfiebern. Daher habe ich mich immer gefreut, wenn Lewandowski einen Auftritt hatte. Sobald der Oberkommissar mitmischte, war ich sofort ganz bei der Sache. Und über weite Teile war mir die Story auch zu vorhersehbar.
Ein dickes Lob gibt es für die Szenen mit dem Täter. Herrlich grausam und schaurig, genauso wie ich es mag. Das ist tatsächlich nichts für zartbesaitete Leser und vielleicht bin ich da ein bisschen kaputt, aber ich mag sowas eben einfach total gerne.
Nachdem die Handlung größtenteils erfreulich geradlinig verlief, gibt es zum Ende hin nochmal einen Dreh. Der hat mich zwar nicht unbedingt überrascht, aber er bringt doch nochmal eine zusätzliche Würze ins Finale und sorgt für weitere Dramatik an einem Punkt, an dem man eigentlich schon damit rechnet, dass die Story nun zum Ende kommt.

Mal liest man von Zordan, dann von Greta, dann wieder ist man bei Lewandowski, es geht abwechslunsgreich zu und das liest sich dementprechend gut und flott weg. Ich habe nur zwei Abende für das Buch gebraucht. Betitelte Kapitel gibt es nicht, aber immer wieder größere Absätze, an dem man eine Pause einlegen kann.

Ich bin einfach kein Fan von solch hellen Covermotiven bei Thrillern und Krimis wie hier. Die Sicherheitsnadeln und die blutroten Fäden passen widerum ganz gut dazu und stimmen neugierig, aber insgesamt ist mir das Motiv zu hell für einen Thriller. Da fehlt mir das Düstere und Unheimliche.

Fazit:  Mich hat „Nummer 25“ trotz seines Killers mit seinen abstoßenden Ideen nicht vom Hocker gerissen. Die Hauptfiguren haben mich schnell vor allem genervt und von solchen Figuren lese ich schlicht nicht gerne. So habe ich ihre Nachforschungen in diesem an sich wirklich interessanten Fall (mit einem herrlich abartigen Killer) nur mäßig gespannt verfolgt. Vieles war mir auch zu leicht zu durchschauen, was ebenfalls zu Lasten der Spannung ging.


Titel:  Nummer 25
Autor: Frank Kodiak
Seiten:  384
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426520093
Preis:  € 9,99 (TB)

Die Moortochter (Karen Dionne)

Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen.

Dieses Buch ist ein tolles Beispiel dafür, dass man oft doch lieber auf sein Bauchgefühl hören sollte. Das hatte mir nämlich klar davon abgeraten. Aber dann veführte mich das Cover doch, das ich einfach super schön fand und immer noch finde. Damit nahmen die langweiligen Leseabende ihre Lauf.
Dabei finde ich die Grundidee der Geschichte gar nicht so schlecht. So eine verlassene Gegend ist ein toller Schauplatz für einen Thriller und wird sehr anschaulich beschrieben. So kann man sich alles gut vorstellen. Und auch eine Jagd zwischen einer Tochter und einem psychopathischen, aus dem Hochsicherheitsgefängnis entflohenen Vater, hätte ich mir an diesem Ort wirklich spannend und schaurig vorstellen können. Ich mochte auch Helena ganz gerne eigentlich. Sie ist zwar ein bisschen anders, doch das bleibt bei ihrer Geschichte wohl kaum aus. Sie ist clever, mutig und es ist beeindruckend, wie sie sich in der Natur zurechtfindet und Spuren deuten kann.
Leider ist die Geschichte jedoch gewissermaßen zweigeteilt. Einmal ist da der Part im Hier und Heute. Mit der Bedrohung, die plötzlich über Helena (und ihre Familie) hereinbricht und mit Helenas mutiger Jagd auf ihren Vater, bei der man gemeinsam mit ihr nur hoffen kann, dass sie ihm zuvorkommt und ihn unschädlich machen kann. Dieser Teil der Handlung hat einige wenige Schreckmomente und ist auch sonst nur leidlich spannend, einfach weil er vom zweiten, erheblich umfangreicheren zweiten Teil der Story total in den Hintergrund gedrängt wird.
Dieser große zweite Teil besteht aus vielen Rückblicken vor allem in Helenas Kindheit, die sie mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einer Blockhütte im Moor verbracht hat. Man liest vom harten Leben dort, von Helenas Anfängen als Jägerin und Fährtenleserin und natürlich von der Tyrannei des Vaters, unter der sie aufgewachsen ist und unter der auch ihre Mutter zu leiden hatte. Ja, das ist alles auch wirklich schrecklich und es gibt durchaus Momente, in denen ich geschaudert habe, aber insgesamt verlieren sie sich in den sonstigen Schilderungen um diese Zeit in Helenas Leben. Um die Schilderungen, was die Familie damals gegessen hat, was für ein Erlebnis das erste selbst erlegte Tier war, wie oft Helena in alten Zeitschriften geblättert hat, wie sich die eisigen Nächte angefühlt haben und so weiter und so weiter. Später dreht sich in diesem Teil alles um die Zeit nach der Befreiung von Helena und ihrer Mutter und der Festnahme des Vaters. Und dann gibt es auch noch Rückblenden in die Anfänge von Helenas Familienleben und ihren Problemen, sich in der normalen Gesellschaft einzufinden.
Das alles ist dermaßen ausführlich ausgefallen, dass ich denke, würde man der Geschichte all ihre Rückblicke nehmen, hielte man maximal ein Romanheftchen in Händen. So kann man das Verhältnis dieser beiden Parts vielleicht ganz anschaulich beschreiben.
Bei mir ist es nun einmal so, dass mich solch umfangreiche Einschübe aus der eigentlichen Handlung herausreißen und mich davon ablenken. Damit bleiben dann immer auch die eventuell aufgebaute Spannung und Atmosphäre auf der Strecke. Und da es der „Moortochter“ ohnehin kaum gelungen ist, beides aufzubauen, blieb durch die Rückblenden bei mir gar nichts mehr davon übrig.

Helena erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive und eigentlich empfinde ich diese Ich-Perspektive meist als sehr leicht zu lesen. Helena erzählt auch gut und anschaulich, aber einfach viel zu ausschweifend und detailreich. Ich bin mir sicher, hätte ich mal zwei oder drei Seiten ausgelassen, es wäre für die eigentliche Handlung kaum bis gar nicht von Bedeutung gewesen. Und so habe ich mich Abend für Abend durch die Geschichte gekämpft.

Das Cover, das mich so sehr verführt hat, mag ich allerdings immer noch. Mir gefallen die kräftigen, leuchtenden Grüntöne einfach super. Auch der düstere Rahmen aus Schilfhalmen und die einsame Hütte passen für mich zu einem spannenden Thriller.

Fazit: Was für ein langweiliger und unspannender Thriller! Anders kann ich es einfach nicht sagen, so leid es mir auch tut. Die Aufteilung in die Handlung heute und die Rückblenden hat längenmäßig ein völlig falsches Verhältnis. Die Erzählung verliert sich völlig im Damals und verdrängt so das Heute gänzlich in den Hintergrund. Dadurch hat weder die Spannung, noch die Atmosphäre eine Chance sich zu entfalten. Ich habe mich ehrlich durch das Buch hindurch gequält.


Titel: Die Moortochter
Autor: Karen Dionne
Seiten: 381
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442205356
Preis: € 12,99 (TB)

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