HB Jugendliche

Elanus (Ursula Poznanski / Jens Wawrczeck)

Titel: Elanus / Verlag: der Hörverlag / Spielzeit: ca. 11h 33 min, 1 mp3-CD / Buch: Ursula Poznanski / gelesen von: Jens Wawrczeck

Inhalt: Jona ist siebzehn und seinen Altersgenossen ein ganzes Stück voraus, was Intelligenz und Auffassungsgabe betrifft. Allerdings ist er auch sehr talentiert darin, sich bei anderen unbeliebt zu machen und anzuecken. Auf die hervorgerufene Ablehnung reagiert Jona auf ganz eigene Weise: Er lässt sein privates Forschungsobjekt auf seine Neider los: eine Drohne. Klein, leise, mit einer hervorragenden Kamera ausgestattet und imstande, jede Person aufzuspüren, über deren Handynummer Jona verfügt. Mit dem, was er auf diese Weise zu sehen bekommt, kann er sich zur Wehr setzen gegen Spott und Häme. Doch dann erfährt er etwas, das besser unentdeckt geblieben wäre, und plötzlich schwebt er in tödlicher Gefahr.


Was tut man, wenn der Vorrat an Hörspielen / Hörbüchern auf einer CD erschöpft ist, man knöpft sich einen wahren Hörbuch-Brocken vor. So habe ich die letzten Tage zu großen Teilen mit „Elanus“ verbracht. Ursula Poznanskis Jugendbücher waren noch nie wirklich mein Fall. Da ich aber ihre Erwachsenenthriller sehr gerne mag, hoffe ich immer, auch im Jugendbreich mal solch einen Knaller anzutreffen.
Bei „Elanus“ war das allerdings leider auch nicht der Fall, das nehme ich direkt mal vorweg. Zum Großteil liegt das ausgerechnet an Hauptperson Jona, der mir mit seiner Arroganz und Überheblichkeit tierisch auf den Keks ging. Junge, fang dich mal, du bist mal gerade siebzehn Jahre alt! Hochbegabung hin oder her! Das ging mir mehrfach durch den Kopf. Andererseits wiederum muss ich zugeben, dass ich sein Handeln schon an einer Ecke nachvollziehen konnte, denn ich weiß, wie es ist, wenn man überall unbeliebt ist und nirgends so richtig reinpasst. Da kommt man schon auf fiese Gedanken. Alleine deshalb habe ich der Story schon eine weitere Chance gegeben.
Die Idee mit der Drohne war dann auch wieder ganz nach meinem Geschmack. Und wenn es hundertmal fies ist, Mitschüler / Mitmenschen mit technischem Firlefanz auszuspionieren, irgendwo ist es ja doch auch wieder cool. Vor allem brachte das letztlich auch endlich etwas Spannung in die Handlung. An der mangelt es anfänglich doch arg. Und ja, ich konnte aus genannten Gründen auch verstehen, dass Jona sich rächen möchte.
Jonas Aktionen laufen dann aber bald aus dem Ruder, plötzlich ist sein eigenes Leben bedroht. Ein zweiter Funken (mehr war es aber auch hier nicht) Spannung kam somit auf. Es gibt durchaus schreckliche, teilweise auch schon fast schaurige Szenen und ich habe mich hin und wieder gefragt, wie Jonas seinen Hals aus der Schlinge bekommen will. Andererseits ist er ja ein ach so helles Köpfchen, daher gab es für mich nicht so viele Zweifel daran, dass es ihm irgendwie gelingen würde. Und schon war das Fünkchen Spannung auch wieder verpufft.
Bestand hatte die Spannung für mich hier also nie so richtig.

Ein toller Sprecher kann mir ruhig auch mal eine mittelmäßige Geschichte vorlesen, meist kann ich ihr alleine deshalb schon etwas mehr abgewinnen. Daher war ich über Jens Wawrczeck als Sprecher mehr als froh. Ich mag seine Stimme, sie passt gut zu Jona, zu der Story und er liest wunderbar lebendig. Das ist bei elfeinhalb Stunden Hörbuch für mich auch ganz, ganz wichtig. Natürlich habe ich in Häppchen gehört, aber trotzdem!

Das Cover gefiel mir von Anfang an sehr gut. Ich mag das kräftige Grün, das seltsame Muster und das Kamerauage ist einfach ein Hingucker. Damit ist im Hörbuchregal im Laden auch schon sehr viel gewonnen.

Fazit: Genau wie Ursula Poznanskis vorige Jugendbücher hat mir auch „Elanus“ nicht wirklich gefallen. Die Idee mit der Drohne und dem Ausspionieren der Leute fand ich cool. Ich konnte auch Jonas Beweggründe nachvollziehen, ansonsten aber fand ich den arroganten Kerl aber meist einfach nur nervig. Und jedes Mal, wenn Spannung aufkeimte, wurde sie recht schnell wieder zunichte gemacht. Schade.

Die 5. Welle (Rick Yancey / Merete Brettschneider, Achim Buch, Philipp Baltus)

Titel: Die 5. Welle / Verlag: derHörverlag / Spielzeit: 874 min, 2 mp3-CDs / Buch: Rick Yancey / gelesen von: Merete Brettschneider, Achim Buch, Philipp Baltus

Inhalt: Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. Nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Das hat auch Cassie lernen müssen, denn seit der Ankunft der Anderen hat sie fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Und dann begegnet sie Evan Walker. Eigentlich weiß sie, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Doch sie geht das Risiko ein und wird schon bald mit der Grausamkeit der fünften Welle konfrontiert.


Da niemand mit den Film zur Geschichte wollte und ich aktuell wenig zum Lesen komme, habe ich diese Reihe nun als Hörbuch begonnen. Da es sich um eine ungekürzte Lesung handelt, geht von der Story aus dem Buch wenigstens nicht verloren. An sich habe ich es gar nicht mehr bzw nur in sehr engen Grenzen mit Dystopien und Apokalypsen. Diese allerdings kommt dermaßen düster und unheilvoll daher, dass es für mich in Ordnung geht. Außerdem hat die Menschheit es hier mit Aliens zu tun, was ebenfalls ganz nach meinem Geschmack ist. Wobei man jedoch nie genau weiß, wer oder was da mit dem Raumschiff gelandet ist, denn „die Anderen“ (wie sie genannt werden) treten niemals in Erscheinung. Sie bringen „nur“ die Wellen an Unheil über die Menschen, die für zahllose Tote sorgen. Die Wellen steigern sich von Mal zu Mal, werden immer grausamen und das sorgt natürlich immens für Spannung.
Cassie ist in dieser Welt auf sich alleine gestellt und kämpft ständig ums nackte Überleben. Ich habe sie sehr für ihren Mut bewunert, fand es aber andererseits auch gut, dass man immer auch ihre Einsamkeit und Traurigkeit heraushört. In Monologen erzählt sie von der Zeit vor der Invasion, wodurch ich ihre Situation noch einmal tragischer fand.
Es gibt aber noch zwei weitere Perspektiven aus denen ab einem bestimmten Punkt erzählt wird. Speziell die von Cassies fünfjährigen Bruder nimmt einen beim hören sehr mit. Wenn so ein kleiner Mensch von einer solch grausamen Welt erzählt, ist das schon erschreckend. Bens Perspektive dagegen hat bei mir wenig Eindruck hinterlassen.
Da gefiel mir Evan dann doch deutlich besser, zumal er sich trotz allem seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er und Cassie ergänzen sich prima und ich habe gespannt verfolgt, wie sie sich durchschlagen.
Die Geschichte bringt alles mit, was man sich von ihr nur wünschen kann. Sie hat Tempo, ist spannend und dramatisch und teilweise geht es ganz ordentlich zur Sache. Solche Action muss man vertragen können, sonst hat es mit „Die 5. Welle“ keinen Zweck.

Merete Brettschneider gefällt mir als Stimme von Cassie sehr gut. Sie bringt deren Gefühlslagen und Stimmungen absolut glaubhaft rüber, wodurch man nochmal mehr mit ihr mitfiebert und für sie hofft. Auch Achim Buch und Philipp Baltus kann man problemlos über längere Zeit hinweg lauschen ohne dass es je anstrengend wird. Zudem sorgen die drei Sprecher auch für eine gewisse Abwechslung. Obwohl die Geschichte schon rein inhaltlich nie langweilig ist, sorgt das doch nochmal für eine gewisse Auflockerung und Abwechslung.

Das Cover zeigt wohl eine Filmszene, wie es aussieht. Ich weiß es nicht, denn den Film habe ich, wie schon geschrieben, noch nicht gesehen. Aber zumindest vom Stil her ist es sicher an den Film angelehnt. Im Hintergrund ist die zerstörte Stadt zu sehen, vorne Cassie und Evan mit ihren Waffen. Beides vermittelt einen guten Eindruck und zwei der wichtigsten Fakten über die Geschichte.

Fazit:  Mir hat „Die 5. Welle“ vom Anfang bis zum Ende gut gefallen, Spannend, rasant, düster, actionreich und erfreulich schonungslos dem Hörer gegenüber. Und vor allem mit einer erfrischend neuartigen Bedrohung. Endlich mal etwas, das aus dem Einheistbrei herausragt. Den Film sehe ich mir sicher auch noch an und an der Hörbuchreihe bleibe ich ebenfalls dran.

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance (Estelle Laure / Julia Meier)

Titel: Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance / Verlag: Goya Libre / Spielzeit: ca. 245 min, 3 CDs / Buch: Estelle Laure / gelesen von: Julia Meier

Inhalt: Die 17-jährige Lucille sollte sich eigentlich auf ihr letztes Highschool-Jahr freuen: Sie versteht sich gut mit ihrer kleinen Schwester Wren, ihre beste Freundin Eden steht immer an ihrer Seite und sie ist heimlich in Edens Zwillingsbruder Digby verliebt. Er vielleicht auch in sie? Doch am ersten Schultag nach den Sommerferien kommt Lucilles Mutter nicht wie versprochen aus dem Urlaub zurück und die beiden Schwestern sind auf sich allein gestellt. Wie soll Lucille sich und Wren versorgen, ohne dass das Jugendamt etwas merkt? Zum Glück stehen Eden und Digby ihr zur Seite, doch dann ereignet sich ein schrecklicher Unfall und Lucille muss endgültig lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.


Ich bin ja ein Fan von Jugendbüchern und es ist auch das einzige Genre, in dem es für mich mal eine Geschichte von einem amerikanischen Autor sein darf. In keinem anderen Genre sonst bin ich dafür noch zu haben. Und kurz gesagt, ist es auch genau dieser Aspekt, wegen dem mich diese Geschichte letztlich doch nicht überzeugen konnte.
Aber ich werde mit dem Positiven anfangen, denn auch davon bringt sie einiges mit. So mochte ich zB Lucille sehr schnell wirklich gerne. Genauso ihre Freunde und Geschwister. Das ist immer schon viel wert, denn mit solch einer Einstellung zu den Figuren folgt man einer Geschichte doch gleich umso lieber. Es hätte hier und da zar etwas mehr Tiefe sein dürfen, ein paar Informationen usw mehr über die Figuren, aber mir hat es so gereicht, da ich kein Freund von allzu ausufernden Beschreibungen bin.
Mir taten Lucille und ihre Geschwister zunächst auch wirklich leid als sie sich urplötzlich in einer Situation wiederfinden, die sicher für jeden Jugendlichen (und ein Stück weit sicher auch für Erwachsene) absolut neu und die totale Herausforderung ist. Ich habe mich gefragt, wie sie die Sache meistern werden und es hat mir Spass gemacht, zu verfolgen, wie speziell Lucille an der Situation wächst und sich weiterentwickelt. Mir ist es wichtig, dass ich bei Figuren eine solche Entwicklung bemerke. Das finde ich immer spannend.
Nun zu den Knackpunkten. Mir ist es bei Geschichten amerikanischer Autoren einfach zu öft untergekommen, dass sie in irgendeiner Hinsicht unnötig übertreiben. Genauso habe ich auch hier empfunden, denn was nach dem ersten Schicksalsschlag alles an Katastrophen auf Lucille einprasselt war mir einfach zu viel. So viel, dass es ins Unglaubwürdige rutschte.
Und ob man angesichts all dessen noch an dieses Ende glauben mag, lasse ich mal dahingestellt. Natürlich, es entspricht dem Titel, aber so richtig authentisch kam es mir nicht mehr vor.

Julia Meier hat mir als Sprecherin sehr gut gefallen. Sie hat eine angenehme Stimme und bringt die Gefühle der Figuren glaubhaft und intensiv an den Hörer. Das verleiht der Geschichte ihre Atmosphäre und bringt den Hörer dazu, mit den Charakteren zu fühlen.

Das Cover ist mit den knalligen, bunten Farben ein echter Hingucker. Allerdings finde ich, dass man schon gut hinsehen muss um darin den Titel lesen zu können. Die CDs sind ebenfalls in bunten Farben gehalten und man findet im Booklet einige Informationen über Autorin und Sprecherin.

Fazit:  Dass ich dieses Hörbuch nicht an einem gewissen Punkt abgebrochen habe bzw mich davon habe ablenken lassen, liegt vor allem an den durchweg sympathischen Figuren, in die ich mich gut einfühlen und mit denen ich leicht mitfühlen konnte. Allerdings war es mir dann doch entschieden zu viel Dramatik / Schicksal, als dass ich es noch glaubhaft finden konnte. Und so konnte mich die Story trotz der liebenswerten Figuren nicht überzeugen konnte.

Nicht Chicago, nicht hier (Kirsten Boie / Philipp Baltus & Bernd Stephan)

Titel: Nicht Chicago, nicht hier / Verlag: Goya Libre / Spielzeit: ca. 105 min, 2 CDs / Buch: Kirsten Boie / gelesen von: Philipp Baltus, Bernd Stephan

Inhalt: Eine Stadt wie viele andere, irgendwo hier und heute. Niklas, dreizehn, wird von einem Mitschüler terrorisiert. Ein Motiv ist nicht erkennbar. Zeugen gibt es nicht. Niklas ist verzweifelt. Er weiß nicht, wie er sich zur Wehr setzen soll. ‚Wir sind doch nicht in Chicago!‘, sagt sein Vater und geht zur Polizei. Er droht mit Klage. Das seien doch alles nur Bagatellen, sagt die Polizei. Und eine Klage hätte sowieso keine Aussicht auf Erfolg. Niklas’ Vater reicht es. Er erstattet Anzeige.


Diese Besprechung fällt mir schwer. Die Geschichte fasst ein sehr ernstes Thema an: Mobbing an Schulen / unter Jugendlichen. Wie ich finde, müsste es von dieser Sorte mehr geben. In genau dieser Art: dass sich Jugendliche darin wiederfinden und wenigstens ab und zu überlegen, welche Folgen gewisse Handlungen haben können. Und auch dass sich Eltern Gedanken dazu machen und auf Anzeichen achten. Sie können hier dann auch gleich lernen, dass Sprüche wie „Das klären wir mit den Eltern, so machen zivilisierte Menschen das!“ alles nur noch schlimmer machen können. Ich habe jedes Mal bei diesem Spruch gehofft, Niklas Eltern würden das letztlich doch lassen, weil sie damit für ihn gleich die nächste, noch schlimmere Schikane heraufbeschwören. Wie gerne hätte ich sie mal so richtig durchgeschüttelt!
Niklas selber tat mir natürlich leid, viel mehr aber noch konnte ich mit ihm fühlen. Denn ich weiß, wie man sich in seiner Situation fühlt. Und das hat mich an der Geschichte so beeindruckt, betroffen gemacht und mitgenommen: dass Niklas Situation so absolut authentisch geschildert wird. Diese Hilflosigkeit, diese Hoffnungslosigkeit, diese unbändige Wut und die Angst. Ich glaube Kirsten Boies Anmerkung im Booklet, dass nichts an der Geschichte ausgedacht ist. Denn Niklas Gefühle sind eins zu eins die eines Jugendlichen in seiner Situation in der Realität.
Das Ende fand ich dann leider doch etwas schwach. Es gibt Andeutungen in der Geschichte, von denen her ich gedacht hatte, dass Niklas sich am Ende doch wehrt, und zwar auf dramatische Weise. Aber irgendwie endet die Story dann nicht viel anders als mehrere Szenen in der Geschichte auch.

Philipp Baltus liest aus Niklas Perspektive und klingt angemessen jung. Er bringt Niklas‘ Gefühle sehr gut zum Ausdruck. Als Erzähler ist Bernd Stephan zu hören, dessen tiefe Stimme dazu einen ordentlichen Kontrast bildet. Natürlich klingt er älter und  auch abgeklärter.

Auf dem Cover soll wohl Niklas zu sehen sein. Alles andere wäre unlogisch. Der junge Mann schaut auch passig traurig und müde aus. Eben so traurig und müde, wie Niklas in der Geschichte (wird).

Fazit:  Eine Geschichte über Mobbing, die die Gefühlwelt eines betroffenen Kindes / Jugendlichen absolut authentisch rüberbringt. Das verfehlt seine Wirkung nicht, macht betroffen und beeindruckt auf unangenehme Weise. Hier können sich sowohl Kinder / Jugendliche, als auch Erwachsene / Eltern einiges mitnehmen. Das Ende allerdings fand ich doch sehr schwach.

Ich hätte es wissen müssen (Tom Leveen / Leonie Landa)

Titel: Ich hätte es wissen müssen / Verlag: GoyaLibre / Spielzeit: ca. 269 min, 3 CDs / Buch: Tom Leveen / gelesen von: Leonie Landa

Inhalt: Seit drei Monaten ist die 16-jährige Victoria von der Außenwelt abgeschnitten: Ihre Eltern haben den Laptop und das iPhone konfisziert, der Kontakt zu ihren Freunden ist untersagt und ihr Bruder ignoriert sie konsequent. Victoria ist verzweifelt. Sie trägt doch keine Schuld daran, dass ihr ehemaliger Freund Kevin Selbstmord begangen hat! Die ganze Welt sieht das aber anders. Noch eine Nacht bis sie sich wegen ihrer
Mobbing-Attacken auf facebook vor Gericht verantworten muss. Und es kommt noch schlimmer: Ein unbekannter Anrufer droht Victoria damit, sich umzubringen, wenn er keine Hilfe von ihr bekommt.


Eine Geschichte über Cybermobbing und seine Folgen. Das klang interessant, auch wenn ich bei Storys zu solchen Themen immer skeptisch bin, weil ich nichts mehr hasse, als wenn mich Geschichten belehren wollen oder die ganze Zeit mit dem moralischen Zeigefinger winken.
Anfangs erfährt man noch nicht sofort, was vorgefallen ist, wieso in der Familie solch eine gereizte Stimmung herrscht und wieso Reporter das Haus belagern. Damit hat mich die Geschichte schon mal auf Anhieb gepackt. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, was vorgefallen ist. Und es ist ehrlich erschreckend.
So richtig hatte mich „Ich hätte es wissen müssen“ aber erst am Haken als Victoria den Anruf von Andy bekommt, der sie um einen Grund bittet, weshalb er keinen Selbstmord begehen soll. Ich fand das Gespräch -auch wenn es sich hier und da etwas zieht- einfach super spannend. Wer ist Andy? Heißt er wirklich so? Meint er es ernst? Wie wird sich Victoria entscheiden? Und wie kam es eigentlich zu den Vorfällen in ihrer eigenen Vergangenheit?
Geichzeitig habe ich diesen Teil als sehr eindringlich empfunden. Er regt schnell dazu an, sich Gedanken über das eigene Verhalten im Internet zu machen. Sich klar darüber zu werden, welch weitreichende Folgen vermeintlich flapsige Sprüche oder auch so ein scheinbar harmloses ‚Gefällt mir‘ haben können. Was man mit Fotos eigentlich gestattet und anrichten kann. Und wie einfach all das im Internet fatalerweise ist.
Die Geschichte regt allerdings wirklich in erster Linie zum Nachdenken an. Der von mir so gefürchtete moralische Zeigefinger kommt hier kaum bis gar nicht zum Einsatz. Alles an Botschaften ist sorgfältig in die Geschichte verpackt und erreicht auch so problemlos den Hörer.

Leonie Landa habe ich hier zum ersten Mal gehört und sie hat mir für diese Geschichte wirklich gut gefallen. Ihre klare, helle und junge Stimme passt prima zu der sechzehnjährigen Victoria und bringt deren Gefühlslagen gut rüber. Die Chatverläufe, die immer mal wieder eingefügt sind, liest sie mit eher neutraler Stimme. Für die übrigen Figuren hält sie ebenfalls den passenden Ton bereit.

Das Covermotiv zeigt sich in gedeckten Farben, was stimmig ist. Fröhliche Farbtöne wären hier fehl am Platze gewesen. Das Mädchen wirkt traurig und in Gedanken versunken, so wie man Victoria auch meistens antrifft. Ich bin an sich kein Fan von Frauen- und Mädchengesichtern auf einem Cover, aber dieser Story steht das gut.

Fazit:  Eine spannende und dramatische Geschichte um ein sehr aktuelles Thema, die den Hörer zum Nachdenken über eigenes Onlineverhalten anregt und mit Victoria und Andy mitfiebern lässt.

reziratte.de © 2014 Frontier Theme
%d Bloggern gefällt das: