Allgäu

Rosskus (Jürgen Seibold)

rosskurEin mysteriöser Selbstmord, ein lukrativer Deckhengst und Tumult am Burggener Roßtag – Kommissar Hansen ermittelt im Allgäu. Die Kripo Kempten ist in hellem Aufruhr. Nach spektakulär gescheiterten Mordermittlungen soll ein neuer Hauptkommissar übernehmen – ein Niedersachse. Ein Skandal im traditionsbewussten Allgäu und denkbar schlechte Voraussetzungen für Eike Hansen. Sein erster Fall: Ein Mann soll von der Lechbrücke gestürzt sein. Doch als die Beamten am vermeintlichen Tatort eintreffen, fehlt von der Leiche jede Spur.

Einmal mehr bin ich durch ein schönes Cover auf eine weitere Reihe Regiokrimis aufmerksam geworden.
“Rosskur” nimmt viel Zeit ehe der Kriminalfall beginnt und so richtig interessant und spannend wird. Bis dahin hat man zunächst Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem niedersächsischen Kommissar Eike Hansen in dem kleinen Ort im Allgäu und der Polizeiinspektion einzufinden. Auch wenn ich mir ab und zu gewünscht habe, der Fall könne endlich so richtig losgehen, so habe ich diesen Vorlauf doch auch genossen. Es ist schön, sich den Ort und die Gegen beschreiben zu lassen. Auch wenn ich bei en vielen Ortsnamen immer nur inständig gehofft habe, dass sie und die Richtungen daziwschen später bitte nicht von Belang sein würden. Denn dann wäre ich verloren gewesen.
Es hat außerdem Spass gemacht, Eike Hansen kennenzulernen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er es als Nordlicht im Allgäu nicht leicht haben würde und war gespannt, was dort auf ihn wartet und wie er es handhabt. Dabei habe ich einen ruhigen Kommissar kennengelernt, der in seinem Job ein echter Könner ist. Und einen Vorgesetzten, der sich nicht herausfordern lässt, sondern seinen neuen Kollegen mit Ruhe, Ehrlichkeit und Fairness begegnet. Das fand ich sympathisch. Nicht wäre für mich schlimmer gewesen als wenn er dort als der tolle Hecht aus der Großstadt aufgetreten wäre, der den Dorfdeppen mal zeigen will, wie es bei der Kripo so zu laufen hat. Ein paar kleine Szenen laden auch immer mal zum Schmunzeln ein, wie ich es an Regiokrimis gerne mag. Vor allem Hansens Scharmützel mit dem Kater seiner Vermieterin haben es mir dabei angetan.
Der eigentliche Fall startet recht unaufgeregt mit dem Mann, der von der Brücke gestürzt sein soll und von dem dann jede Spur fehlt. Klar war ich neugierig, was da wirklich geschehen ist, aber so richtig kribbelig spannend war es zunächst noch nicht. Zum Glück mag ich es aber auch, wenn ich den Ermittlungen der Polizei folgen kann, und das geht hier wirklich gut. Die Geschichte nimmt sich die Zeit, die Nachforschungen von Hansen und seinen Kollegen zu beschreiben. Ihre Erkundigungen, Theorien und Befragungen. Das zieht sich ab und zu, aber das sollte man sich gefallen lassen. Denn wenn der Moment kommt, an dem man das Gefühl hat, plötzlich erste Zusammenhänge zu erkennen und Vermutungen anzustellen, dann sind diese Ermittlungen wichtig und hilfreich. Damit funktioniert es prima, selber mitzuknobeln, wer in dem Fall mit drin steckt und warum. Aber wie gesagt: vorher bei der Sache bleiben! Auch weil man es mit wirklich vielen Personen zu tun bekommt. Da sollte man den Überblick behalten!
So hat es mir schließlich Spass gemacht zu verfolgen, wie die ganzen Erkenntnisse und Ermittlungen zusammenlaufen und eine schlüssige Auflösung ergeben. Im Verhältnis zu der Zeit, die sich die Geschichte bis dahin für jedes Detail nimmt, kam mir das Ende dann aber etwas zu abrupt. Da wäre es auf ein paar Seiten mehr auch nicht mehr angekommen.

“Rosskur” liest sich prima! Jedes Kapitel beschreibt einen Tag. Ich finde diese Kapiteleinteilung immer prima. Sie vermittelt mir das Gefühl, mit jedem Kapitel ein gutes Stück vorangekommen zu sein. Manche Kapitel sind dabei schon mal recht lang, doch durch die interessanten Ermittlungen und viele Dialoge fühlt sich das gar nicht so an.

Das Cover gefällt mir sehr! Es gibt ja mehrere Regiokrimis mit Türen auf dem Cover, durch deren Fenster man das eigentliche Motiv sieht. Das finde ich immer wieder schön. Hier mit der Landschaft und dem Pferdekopf, der so gut zum Titel passt. Und auf dem Buchrücken geht das Motiv weiter, sodass man neben dem Titel und dem Namen des Autoren einen Strohbesen sehen kann. Witzig!

Fazit: Ein schöner Regiokrimi für Krimifans, die es nicht unbedingt blutig brauchen, sondern Spass an Ermittlungen und eigenen Knobeleien haben. Genau darauf basiert die Spannung von “Rosskur”. Ein sehr sympathischer Kommissar, liebenswerte Allgäuer mit gewissen Ecken und Kanten und eine kleine Prise Humor haben mir den Aufenthalt in Kempten ausgesprochen angenehm gemacht. Ich werde sicher auch Hansens zweiten Fall lesen!

Teufelshorn (Fredrika Gers)

teufelshornAuf Berg- und Talfahrt mit Hauptwachtmeister Holzhammer! Bei einer Bergtour am Teufelshorn verunglückt ein Funktionär des örtlichen Ski-Verbands tödlich. Abgründe tun sich auf, denn die Teilnehmer, allesamt Lokalgrößen, wollten auf der Wanderung einen Streit beilegen: Der Verband plant, von seinem Trainingsgebiet am Götschen zum Jenner zu wechseln – eine Entscheidung von kommunalpolitischer Sprengkraft, die manch einen die Karriere kosten dürfte. Und so kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich um Mord handeln könnte. Zeit für Hauptwachtmeister Franz Holzhammer, die Ermittlungen aufzunehmen!

Nachdem mir der erste Band bereits gefallen hatte, war ich auf die Fortsetzung sehr neugierig. Ich hatte aber auch noch die kleinen Schächen von “Die Holzhammer-Methode” im Kopf und war gespannt, ob “Teufelshorn” in dieser Hinsicht Boden gutmachen würde.
Ja, das hat es tatsächlich! Dieser zweite Band hat mir durchweg richtig gut gefallen.
Das liegt zum Einen an dem Fall, den Holzhammer aufzuklären hat. Das Unglück ereignet sich auf einer Bergtour. Einer aus der Truppe, die dazu aufgebrochen ist, stürzt dabei zu Tode. Das Brisante, es handelt sich um eine lokale Berühmtheit, deren Tod anderen sicher nicht allzu ungelegen kommt. Da stellt sich dann schnell die Frage, ob es wirklich nur ein Unglück war. Mit einer Bergtour ist für diesen Krimi ein prima Aufhänger gewählt. Das passt bestens in die Gegend, in der er spielt. Und die Frage, ob Mord oder Unfall bleibt bis zum Ende hin spannend. Da kann man gut mitknobeln, verdächtigen und kombinieren.
Als sehr spannend habe ich außerdem die Passagen mit Christine im Gebirge empfunden. Da haben mich gewisse Szenen und Schilderungen ehrlich das Schaudern gelehrt. Speziell, weil ich ein wenig Höhenangst habe. So sehr ich Christines Begeisterung für diesen Sport nachvollziehen kann, dieses Buch war mir eine gute Warnung. Sollte ich mal in Holzhammers oder eine ähnliche Gegend kommen, ich werde es in Sachen Bergwandern sehr ruhig angehen lassen…
Im ersten Band empfand ich die Charaktere meistensteils noch etwas blass. Allen voran ausgerechnet Holzhammer selbst. Das hat sich mit “Teufelshorn” deutlich gebessert und inzwischen mag ich ihn wirklich gerne. Er ist angenehm kauzig und hat seine Schrullen, aber es ist auch ein heller Kopf. Besonders gefällt mir seine Begeisterung für alles Technische und Moderne wie den PC, den ferngesteuerten Rasenmäher und Heizpilze für die heimische “Saufhütte”. Das traut man einem sonst so kauzig  und ein wenig altmodisch gezeichneten Charakter nicht zu. Deshalb macht es Spass!
Was den Spass anbetrifft, legt “Teufelshorn” auch generell ein Schippchen drauf. Es gab einige Szenen und Dialoge, bei denen ich geschmunzelt und ab und zu sogar gelacht habe. Da ich gerade das Humorige an solchen Regionalkrimis mag, kam mir das so sehr entgegen.

Auch in diesem zweiten Band sind die Kapitel ganz schön lang. Wer nur nach einem beendeten Kapitel schlafen kann, sollte also zeitig zu Bett gehen. Davon abgesehen liest sich das Buch schön leicht und vergnüglich. Hier und da kommt der ortsansässige Dialekt durch, was einen gewissen Charme ausmacht. Aber keine Sorge, es bleibt verständlich.

Ist das Covermotiv nicht einfach nur süß und wunderschön farbenprächtig? Ich war sofort verliebt. Natürlich besonders in den Steinbock, der da so gewitzt zum Fenster hereinschaut. Und auch die bunten Blumen und die saftig grüne Landschaft mit dem blauen Himmel gefällt mir sehr! Klar, etwas kitschig, aber mit Flair.

Fazit:  “Teufelshorn” hat alles gutgemacht, was mir an seinem Vorgänger noch nicht so recht gefallen hat. Ein sehr spannender Fall, der lange unaufgeklärt bleibt, sodass man prima mitknobeln kann. Mindestens ebenso spannende Passagen im Gebirge, die einem zumindest gut Respekt einflößen. Und Holzhammer selber ist zu einer Figur geworden, die ich nun wirklich mag. Ich freue mich auf seinen nächsten Fall…mit dem nächsten goldigen Cover 😉


Titel: Teufelshorn
Autor: Fredrika Gers
Seiten: 288
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499266874
Preis: 8,99  (TB)

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Blutwahn – Der Schrecken am See (André Wegmann)

blutwahnEin junges Pärchen macht Urlaub im idyllischen Allgäu. Dort, wo die Kühe auf grünen Almen grasen und sich die Natur mit prächtigen Gipfeln und kristallklaren Gewässern von ihrer schönsten Seite zeigt, mieten sie ein Ferienhaus am Alatsee. Doch der malerische Gebirgssee hat eine Schattenseite. Das Gewässer wird auch “blutender See” genannt, denn an manchen Tagen schimmert die Wasseroberfläche rötlich, aufgrund einer seltenen Purpur-Schwefelbakterienschicht in 15 Metern Tiefe. Bei den Einheimischen gilt der See als verrufener Ort. Immer wieder verschwanden Menschen in der Nähe, Ungeheuer sollen in seinen Tiefen hausen, angeblich ertönen nachts oft Hilfeschreie von den Ufern, und auf dem Grund soll sich ein Goldschatz aus der Nazizeit befinden. Die Odyssee des Grauens, der sich das junge Paar schnell ausgesetzt sieht, lässt die Mythen und Sagen allerdings wie harmlose Kindermärchen erscheinen.

Dieses eBook zählt bisher zu meinen Favoriten. Erstens mag ich es immer, wenn gruselige Geschichten in Deutschland spielen, zweitens mag ich den Schauplatz, der auf morbide Art ein wenig an “Seegrund” (Kommissar Kluftinger) erinnerte und drittens mag ich Zombies! Die Geschichte wirkt zunächst sehr klassisch, eben wie man solche Schauergeschichten kennt. Ein Pärchen, ein einsames Haus an einem See und plötzlich hält das Grauen Einzug. Und zwar so richtig!
Die Empfehlung “für Leser ab 18 Jahren” ist schon gerechtfertigt. Ich fand die Geschichte richtig schön spannend und blutig. Die Entwicklung der jungen Frau von frisch verliebten Mädel hin zur kettensägend schwingenden, Rentner verfütternden und Männer mit den Zähnen kastrierenden Kämpfernatur hätte ich im Leben nicht erwartet. Deshalb fand ich sie auch etwas unglaubwürdig. Andererseits hat es schon Spass gemacht! Der Hintergrund des Geschehens führt dann zurück in die Nazizeit, was ja mal so gar nicht Meins ist. Aber das fiel nach dem Splattervergnügen nicht mehr so ins Gewicht.

Fazit:   Brutal, blutig, ein echter Zombiespass, wenn man auf solche Geschichten steht. Heißer Tipp meinerseits!


Titel: Blutwahn – Der Schrecken am See
Autor: André Wegmann
Verlag: –
Seiten: 117 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Preis: € 2,69

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Schussfahrt – Ein Allgäu-Krimi (Nicola Förg)

Der kleine Ort Gunzesried im Allgäu ist ein Idyll. Das soll allerdings nicht so bleiben, denn der schwäbische Baulöwe Rümmele will einen gigantischen Freizeitkomplex errichten, um den Tourismus anzukurbeln. Die riesige Anlage verheißt aber nicht nur satte Einkünfte, sondern zerstört auch die Schönheit der Landschaft, und so ist die Bevölkerung in zwei Lager gespalten. Doch dann macht die einheimische Jo eines Morgens bei einem Ausritt eine schockierende Entdeckung – sie stößt auf Rümmeles Leiche im Schnee. Während die örtliche Polizei noch im Dunklen tappt, beginnt Jo auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei unterläuft ihr jedoch ein fataler Fehler, denn sie hätte niemals an die Mordstelle zurückkehren dürfen.

Nach “Mordsviecher” hatte ich eigentlich vor, Nicola Förgs Krimis vorläufig den Rücken zu kehren. Bis ich dank einer amazon-Empfehlung herausfand, dass sie neben den Krimis um die Kommissarin Mangold noch eine Reihe um den Kommissar Weinzirl schreibt / geschrieben hat. Und da ich mich speziell mit der immensen Weiblichkeit in “Mordsviecher” schwer getan hatte, sollte Weinzirl noch seine Chance bekommen.
Ich muss sagen, er hat sie gut genutzt. Was aber natürlich nicht alleine daran liegt, dass er ein Mann ist! Mir hat der Fall selber gut gefallen. Er ist zwar mit einem erschossenen Firmenmogul recht bodenständige Krimikost, aber auch solche Geschichten können spannend sein. Einige skurrile Details rundherum geben dieser hier außerdem zusätzlich eine gewisse Würze.
Außerdem entwickelt sich der Fall um den toten Baulöwen ganz interessant weiter und weitet sich unerwartet aus ohne dabei unübersichtlich zu werden. Ganz im Gegenteil ergeben sich neue Erkenntnisse und Blickwinkel schön nach und nach, so dass man beim Lesen unweigerlich selber Vermutungen anstellt, und das macht mir bei Krimis immer den meisten Spass. Leider geht es nicht bei allen. Hier aber schon und so habe ich mich gespannt durch Weinzirls ersten Fall gelesen.
Den er allerdings nicht alleine löst. Inoffiziell steht ihm nämlich Jo Kennerknecht, die Direktorin des Tourismusverbands, zur Seite, die ebenfalls Ermittlungen anstellt. Für mein Empfinden sogar ein paar zuviel. Im Vergleich zu Jos Unternehmungen, kommen die des Kommissars spürbar zu kurz. Man ist deutlich häufiger mit ihr unterwegs als mit ihm oder beiden gemeinsam. Das hat mir nicht ganz so gut gefallen, schließlich ist Weinzirl bei der Polizei und deshalb sollten seine Ermittlungen im Mittelpunkt stehen. Und er ist gut in seinem Job! Auch wenn er oft ruhig und etwas kauzig wirkt, so kann er im entscheidenden Moment seinen cleveren Verstand und die Autoriät eines Kommissars herauskehren.
Ich habe mich mit Jo auch noch aus einem anderen Grund schwer getan. Ich mag zwar ihre chaotische Lebens- und Vorgehensweise und ihre Tierliebe teile ich uneingeschränkt, aber manche ihre Denkweisen konnte ich doch nicht nachvollziehen. Schließlich ist sie bereits über 30. Da sollte in gewissen, beispielsweise gefährlichen Momenten, doch eine erwachsene Art zu Denken zu erwarten sein. Bei Jo ist genau das Gegenteil der Fall, was ich unglaubwürdig blauäugig finde.
Gemeinsam haben mir Jo und Weinzirl bei der Arbeit aber Spaß gemacht. Wie von einem Krimi dieses Genres zu erwarten, geht es häufig auch humorvoll und mit einem bissig-scharfen  Blick auf die Allgäuer zu. So darf hier gerne mal geschmunzelt werden.
Und man bekommt einen schönen “Blick” auf die Gegend gewährt. Das Allgäu wird hier schön beschrieben, so dass man die Zweifel der Gunzesrieder Einwohner wegen des Freizeitkomplexes leicht nachvollziehen kann und sich sofort auf ihre Seite schlägt.

Im Anhang findet sich ein Glossar mit den urallgäuerischen Ausdrücken und Aussprüchen, die man im Krimi antrifft. So nötig ist das zwar nicht, man kann schon alles soweit aus dem Zusammenhang heraus verstehen, aber wer spezielle Begriffe genau übersetzen will, der kann hier nachschlagen. Es ist allerdings schon so, dass sich diese Dialekt-Passagen -vornehmliche Teile von Dialogen- recht schwer lesen lassen. Aber auch nur die, denn ansonsten liest sich “Schussfahrt” leicht und war für mich so eine prima Urlaubslektüre.

Ja, klar, ein Tier auf dem Cover, das ist was für mich. Es war auch der erste Hingucker, ich gebe es ja zu. Ich gebe aber auch zu, dass Bambis Papa mit der Geschichte sonst nichts an den Hörnern hat. Außer dass man ihn im Allgäu durchaus antreffen kann. Es ist aber eben halt ein Motiv, das ideal für einen Regionalkrimi ist. Dem Titel dagegen wohnt eine gewisse Doppeldeutigkeit inne, wenn man ihn auf die Geschichte bezieht 😉

Fazit:  An Jo werde ich mich erst noch gewöhnen müssen, aber vielleicht wird sie ja im Laufe der weiteren sieben Weinzirl-Krimis noch etwas erwachsener. Davon abgesehen habe ich mit “Schussfahrt” einen ganz spannenden Krimi mit zugegeben solidem Fall gelesen, bei dem ich gut mitknobeln konnte. Und das mag ich. Deshalb wird es nicht mein letzter Weinzirl gewesen sein.


Titel: Schussfahrt – Ein Allgäu-Krimi
Autor: Nicola Förg
Seiten:  288
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442469130
Preis: 7,95 (TB)

Karwoche (Andreas Föhr)

Als Polizeiobermeister Kreuthner von seinem Spezl Kilian Raubert zu einer Wettfahrt herausgefordert wird, lässt er sich nicht lumpen. Mit 150 km/h rauschen sie den Achenpass runter Richtung Tegernsee. Bei einem halsbrecherischen Überholmanöver fegt Kreuthner fast ein entgegenkommendes Auto von der Straße – am Steuer ausgerechnet sein Chef, Kommissar Wallner. Kreuthner versucht, das Autorennen als dienstliche Aktion zu tarnen, und führt spontan eine Straßenkontrolle durch. Dabei bietet sich den Polizisten ein schockierendes Bild: Im Laderaum von Rauberts Lkw kniet eine Tote, das Gesicht zu einer grotesken Fratze verzerrt …

Als Fan von Wallner und Kreuthner habe ich mich sehr über den neuen Krimi gefreut.  Und er hat mir auch wieder ausgesprochen gut gefallen.
Der Fall beginnt mit einer relativ skurrilen Situation, wie man es von den beiden ja bereits kennt. Doch sehr bald tun sich immer neue Verbindungen und Zusammenhänge auf, die teilweise zurück in die Vergangenheit führen.
Diese Kapitel in der Vergangenheit sind schon deshalb interessant, da sie vorwiegend an Weihnachten spielen, während die Handlung in der Gegenwart um Ostern herum spielt. Aber aus diesen Kapiteln bezieht die Geschichte auch den Großteil ihrer Spannung. Denn durch diese Blicke ins Früher ist man Wallner und Kreuthner oft einen oder auch mal ein paar Schritte weit voraus und kann so prima selber seine Vermutungen anstellen und Zusammenhänge suchen. Aber keine Sorge, die Auflösung des Falles bleibt bis zum Ende hin spannend, trotz dieser Wechsel in der Zeit und eventueller Erkenntnisse.
Besonders gefallen hat mir die Darstellung der Familie, zu der Wallners und Kreuthners Ermittlungen über kurz oder lang immer wieder führen. Sie wirkt in sich sehr geschlossen, geradezu ablehnend anderen Menschen und deren Lebensweise gegenüber. Das ist einerseits faszinierend, dem hängt aber auch immer etwas Bedrohliches an. So manche Szene mit diesen Personen hat mir eine Gänsehaut bereitet. So müssen Krimis wirken.
Doch bei aller Spannung und bei allem Schaudern, natürlich gibt es auch bei “Karwoche” einiges zum Schmunzeln, wenn nicht gar zum Lachen. Ich jedenfalls habe mich über Kreuthners unorthodoxe Methoden und sein loses Mundwerk ebenso amüsiert wie über Wallners Großvater Manfred. Die beiden sorgen erneut für Heiterkeit.

Man sollte seine Gedanken beim Lesen schon zusammenhalten. Erstens wegen der Sprünge in der Zeit. Zweitens aber auch, weil besagte Familie aus einer größeren Anzahl an Personen besteht, bei denen man dringend den Überblick haben sollte. Ansonsten kann man da leicht ins Schleudern kommen und steigt irgendwann nicht mehr durch. Davon abgesehen liest sich “Karwoche” ganz flüssig und unterhaltsam. Mit Kreuthners Dialekt muss man aber schon klarkommen. Ich habe mir das Buch bewusst eingeteilt und so insgesamt nicht ganz eine Woche dafür gebraucht.

Das Covermotiv fällt wieder recht religiös aus, wie man es von den vorigen Büchern kennt. Ein Kreuz ist auf dem Cover jeden Bandes anzutreffen. Das lässt auf eine gewisse Zusammengehörigkeit, auf sowas wie Serien-Charakter schließen, passt aber auch gut zum Schauplatz der Wallner-und-Kreuthner-Krimis. Im Allgäu ist der Glaube sicher wichtiger als in manch anderer Region.

Fazit: Mir hat “Karwoche” wieder sehr gut gefallen. Ein spannender und clever konstruierter Fall für die beiden gegensätzlichen, aber sympathischen Ermittler. Gewürzt mit der vertrauten Prise Humor ein echtes Krimi-Vergnügen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms.


Titel: Karwoche
Autor: Andreas Föhr
Seiten: 400
Verlag: Droemer Knaur Verlag
ISBN: 978-3426652527

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