Alpenkrimi

Unterholz (Jörg Maurer)

unterholzAuf der Wolzmüller-Alm oberhalb des idyllischen alpenländischen Kurorts wird eine Frauenleiche gefunden. Jennerweins Bemühungen, etwas über die „Tote ohne Gesicht“ zu erfahren, laufen ins Leere. Niemand im Ort will etwas über geheime Treffen auf der Alm gewusst haben, und der Bürgermeister bangt nur um seine Bollywood-Kontakte. Endlich verrät das Bestatterehepaar a.D. Grasegger dem Kommissar, dass es sich bei der Toten um die „Äbtissin“ handeln soll, eine branchenberühmte Auftragskillerin. Wer hat es geschafft, sie umzubringen? Da geschieht ein weiterer Almenmord, ein mysteriöser Maler gerät ins Fadenkreuz, und Jennerwein pirscht mit seiner Truppe durchs Unterholz.

Nachdem mir Jennerweins letzter Fall nicht mehr so gut gefallen hatte, war ich diesem neuen Band gegenüber doch ein wenig skeptisch. Allerdings hat es zum Glück nicht lange gedauert, das hatte die Geschichte mich schon am Haken. Eine unzufriedene Ehefrau, die ihrem langweiligen Ehemann nach dem Leben trachtet und einen Killer anheuert…so etwas gefällt meinem bösen Ich ab und zu so richtig gut. So wie hier eben.
Diese Vorgeschichte ist dann später auch ganz wichtig. Als nämlich die eigentliche Fall seinen Lauf nimmt: die Tote auf der Alm, die dort an einem sehr dubiosen Treffen teilnahm. Das ruft natürlich Jennerwein und sein Team auf den Plan. Mir hat es hier wieder gefallen, dass ddie Geschichte schön geradlinig verläuft. Zwar mischt hier beispielsweise auch wieder das ehepaar Grasegger mit, ein gewisser Österreicher ebenfalls (darüber habe ich mich am meisten gefreut) und natürlich wechselt auch der Schauplatz immer mal wieder hin zu anderen Personen und Orten, aber der Rote Faden war für mich durchweg gut eerkennbar. Das macht es mir bei Krimis immer leicht, selber Überlegungen anzustellen. Dafür bietet “Unterholz” also einige Gelegenheit, und das macht halt einfach Spass. Ich wollte die ganze Zeit wissen, ob ich richtig liege, und das hat mich bei Laune gehalten und mir diese Lektüre spannend gemacht.
Erfreulicherweise beschränkt sich die Komik in diesem Band wieder auf Jörg Maurers feinen Blick und seine hintergründig-bissigen Anmerkungen über die Leute aus dem Tal, ihre gewissen Eigenarten und ihr auf Außerstehende vielleicht mekrwürdig wirkendes Verhalten. Ich lese das immer wieder gerne, denn es lässt sich jedes Mal wieder schmunzeln. Außerdem mag ich es, wie wohlformuliert diese witzige Erzählweise ist. Das beweist jedes Mal wieder, dass Komik nicht gleich Klamauk sein muss.
Was mich dazu bringt, dass es hier zwar auch wieder ein paar spaßige Szenen mit Jennerwein und Co. gibt, dass sie am Ende sogar zu einer ausgesprochen waghalsigen und schrägen Art der Verfolgung greifen, aber wenigstens stehen sie nicht mehr so sehr als Deppen da wie im Band zuvor. Da war mir das dann doch eine Spur zu platt. Zum Glück bleibt einem das mit “Unterholz” erspart.

Jörg Maurers Krimis brauchen ihre Zeit. Trotzdem sie so amüsant und unterhaltsam sind, lassen sie sich nicht so leicht lesen wie man vermuten konnte. Ich habe ja schon die feinen und intelligenten Formulierungen erwähnt. Genau diese kann man nicht herunterhaspeln, sonst kommt man ins Stolpern. Ich finde, dass sie das auch gar nicht verdienen. Humor ohne Albernheiten ist selten geworden, deshalb genieße ich es hier immer wieder gerne. Den Kapiteln sind stets kurze Texte vorangestellt, in denen das Wort “Unterholz” eine Rolle spielt. Sie machen Spass und sind mit solcher Ernsthaftigkeit -trotz des Augenzwinkerns darin- formuliert, dass man bei einigen doch mal überlegt, ob da nicht tatsächlich etwas dran sein könnte.

Nach dem Eichhörnchen auf dem Cover der vorigen Bandes, ziert dieses Mal ein Murmeltier den Umschlag des Buches. Sehr goldig und für mich ein echter Blickfang im Buchladen. Die saftig grünen Wiesen und die schneebedeckten Berge im Hintergrund lassen keinen Zweifel daran, wo dieser Krimi spielt. Das einzige, was ich schlicht nicht verstehe und auch nicht wirklich einsehe ist, dass der Krimi als Hardcover erscheint. Bisher bekam man Jörg Maurers Krimis als praktische und günstige Taschenbücher. Was war daran falsch, außer dass sie nicht so viel Geld in die Kassen spülen wie Hardcover?

Fazit:  Mit “Unterholz” geht es wieder aufwärts mit Jörg Maurers Krimis! Eine spannende, geradlinige und clever durchdachte Geschichte, die dem Leser schnell einen Verdacht “einpflanzt”, der einen dann nicht mehr loslässt, den man unbedingt bestätigt bekommen will. Und so habe ich mich gerne mit Jennerwein und Co. auf die Suche nach der Wahrheit gemacht. Nach dem Klamauk im vorigen Band gibt es hier zudem wieder den feinsinnigen Humor geboten, den ich an dieser Reihe so gerne mag. So kann es weitergehen!


Titel: Unterholz
Autor: Jörg Maurer
Seiten: 432
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3651000421
Preis: 16,99 (TB)

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Rezension – Mordsviecher (Nicole Förg)

Diesmal hat es die Mordkommission in Garmisch mit einem besonders delikaten Fall zu tun. Auf einem abgelegenen Hof wird ein Toter aufgefunden, umgeben von potenziellen Mördern: Klapperschlangen, Cobras, Spinnen und Skorpionen. Bald steht fest: Der Tote, der durch das Gift einer Mamba starb, war der erfolgreiche Unternehmer Kilian Stowasser, der hochwertige Daunenprodukte herstellte und dabei nur Material von artgerecht gehaltenen Gänsen verwendete. Doch hinter der politisch korrekten Fassade lauern Abgründe. Kommissarin Irmi Mangold stößt auf jede Menge Mordverdächtiger, darunter eine engagierte Journalistin, unliebsame Konkurrenten und militante Tierschützer. Kam Stowassers Frau seinerzeit wirklich durch einen Unfall ums Leben? Und kann man eine Schwarze Mamba eigentlich des Mordes anklagen?

Dies ist mein erster Alpen-Krimi von Nicola Förg. Da ich großer Fan von Regionalkrimis bin, war ich darauf ausgesprochen neugierig. Allerdings fällt es mir nun doch schwer, etwas dazu zu schreiben. Warum? Weil ich hin- und hergerissen bin.
Der Fall für Irmi Mangold und ihre Kolleginnen gefällt mir an sich sehr gut. Diese Art Mord ist eben mal etwas ganz Außergewöhnliches und deshalb auch ganz reizvoll. Es macht Spass und es ist spannend zu verfolgen, wie dieser Fall nach und nach immer weitere Kreise zieht. Dennoch bleibt die Anzahl der Personen überschaubar, so dass man sich nicht in zig Namen verfranst, sondern gut mit den Ermittlerinnen mitknobeln kann. Zudem hält die Geschichte speziell zum Ende hin einige Szenen mit unbestreitbarem Gänsehaut-Faktor bereit. Schlangen- und Spinnenphobikern kann ich dieses Buch also nicht unbeding empfehlen. Ich mag dieses gewisse Kribbeln beim Lesen aber ganz gerne. Auch wenn dieses Mal gewisse Schleich- und Krabbeltiere dafür verantwortlich sind 😉
Nun kommt das große “ABER”, das aber eigentlich auch wieder keines ist. Und genau darin besteht mein Problem mit diesem Buch, das mich deshalb nicht ganz als Krimi überzeugen konnte. Denn die Geschichte gewährt wirklich ausführlich Einblick in das leidvolle Leben vieler Tiere. Sie zeigt auf, was diese armen Geschöpfe durchleben. Sie stößt einen darauf, wie engagiert Tierschützer arbeiten und wie sinn- und hoffnungslos ihre Arbeit oft wirkt. Sie nennt beim Namen, wie manche Menschen Tiere behandeln, sie lediglich als gewinnbringende Ware betrachten. Es ist tatsächlich der erste Krimi gewesen, der mir mit diesem eingehenden Einblick die Tränen in die Augen getrieben hat. Wer für Tiere nur etwas übrig hat bzw nicht völlig gefühllos ist, dem wird es ebenso gehen. Und ich finde es richtig und wichtig, dass solche Themen auf den Tisch kommen. Das müsste noch viel intensiver und unfassender geschehen. Ich stimme mit Nicola Förg darin überein, dass ein Unterhaltungsroman ein guter Weg ist, auch solche Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht mit solch ernsten Themen befassen.
Genau weil ich das alles so richtig und wichtig finde, fällt es mir schwer zu sagen, dass es mir für einen Krimi doch zu viel war. So zweifellos ernst und wichtig dieses Thema ist, es hat für mich den Krimi oft überdeckt, und das darf nicht sein. Vieles war sehr interessant und erschreckend zu lesen, aber es hat halt mir auch einiges an Spannung aus der Geschichte genommen.
Das ist heikel zu erklären, aber womöglich versteht ja doch jemand meinen Zwiespalt gegenüber diesem Buch.
Hinzu kommt noch -wobei das womöglich daran liegt, dass es mein erster Förg-Krimi ist-, dass ich mich mit Irmi Mangold und ihren Kolleginnen Kathi und Andrea nicht recht anfreunden konnte. Ich habe generell nicht viel für weibliche Ermittler übrig, aber diese Drei blieben mir einfach ziemlich fremd. Ich denke, ich werde sicher noch mindestens einen weiteren Krimi von Nicola Förg lesen und vielleicht finde ich dann nach und nach Zugang zu den Dreien. Auch mit Charakteren in einem Buch freundet man sich mitunter erst allmählich richtig an. Unsympathisch waren sie mir nicht, aber eben zu kühl, zu wenig vorstell- und greifbar und charakterlich nicht gerade markant. Das kann aber wie gesagt noch werden.

Was den Schreibstil anbetrifft, habe ich nichts weiter auszusetzen. Die Geschichte liest sich recht leicht, verlangt aber speziell bei den Passagen um das Thema Tierschutz durchaus Aufmerksamkeit. Diese Abschnitte sollte man doch in Ruhe und gewissenhaft lesen um das Grauen darin gut zu erfassen. Ansonsten lesen sich die “Mordsviecher” ganz unterhaltsam, so dass ich sie an zwei Abenden ausgelesen hatte.

Wie könnte es bei mir mit meiner Tiervernarrtheit anders sein: ein Blick auf das Cover und es war klar, dass dieses Buch in mein Regal ziehen würde. Gänse sind ja so schön und goldig! Ich schmelze bei dem Anblick jedes Mal wieder dahin. Das Federvieh passt außerdem ganz hervorragend zur Geschichte. Und vor einer Kulisse mit saftig grünen Wiesen flattern beim Aufklappen der Broschur die weichen Daunen umher.

Fazit:  Ja, dem Krimi liegt ein sehr, sehr wichtiges Thema zugrunde. Daran besteht für mich als Tierfreund nicht der geringste Zweifel. Und es ist eine großartige Idee, dieses Thema in einem Krimi zu verarbeiten, so dass noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden. Es bleibt aber dabei, dass der Krimi oft quasi im Hintergrund auf- und abhüpft um auf sich aufmerksam zu machen, weil diese geballten Fakten und Informationen ihn dorthin zurückdrängen und überdecken. Und das darf in meinen Augen trotz aller Wichtigkeit nicht passieren. Entsprechend hat mich “Mordsviecher” also Krimi nicht ganz überzeugen können.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Mordsviecher – Ein Alpenkrimi
Autor: Nicola Förg
Seiten: 320
Verlag: Pendo by Piper Verlag
ISBN: 978-3866123106
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Oberwasser – Alpenkrimi (Jörg Maurer)

Titel: Oberwasser / Verlag: Argon Verlag / Spielzeit: ca. 392 min (5 CDs) / Buch: Jörg Maurer / gelesen von: Jörg Maurer

Inhalt: Wer drunten schwimmt, ist länger tot: Kommissar Jennerweins wildester Fall
Nachts in einem idyllischen alpenländischen Kurort: Dunkle Gestalten schleppen eine leblose Person zur Höllentalklamm. Kurz darauf erhält Kommissar Jennerwein einen heiklen Auftrag. Er muss einen verschwundenen BKA-Ermittler finden, doch niemand darf von der Suche wissen. Während er mit seinem bewährten Team offiziell einem Wilderer nachstellt, forscht er in Gumpen und Schluchten nach dem Vermissten. Derweil erzählen die Einheimischen düstere Legenden von Flößern, die einst das Wildwasser in eine Höhle sog, während ein neugieriger Numismatiker kryptische Zeichen auf einer alten Goldmünze entdeckt und ein Scharfschütze am Bergbach lauert. Schon droht auch Kommissar Jennerwein ins Strudeln zu geraten


Ich bin seit Jennerweins erstem Fall Fan der Reihe und ihrer Charaktere. Auch dieser vierte Fall hat mir an sich wieder gut gefallen. Auch wenn es mich jedes Mal auf’s Neue erstaunt, dass ausgerechnet Jennerweins kleiner Kurort immer wieder Anlaufstelle für das organisierte und internationale Verbrechen ist. Dieses Mal streckt es die verbrecherischen Finger sogar bis in die Reihen des BKA aus. Einer der BKA-Beamten ist verschwunden und Jennerwein und Co. sollen sein Verschwinden aufklären und ihn natürlich auch zurückbringen. Das alleine wäre mir für eine neue Geschichte von Jörg Maurer schon genug, zumal auch alle inzwischen vertrauten und liebgewonnenen Charaktere auf ihre unnachahmliche und spaßige Art mitmischen. Allerdings beschließt man einhellig, dass die Öffentlichkeit keinen Wind von dem Unternehmen bekommen darf. So wird ein Pseudo-Fall um einen Wilderer erdacht und gespielt. Genau der hat mir jedoch ein wenig Bauchschmerzen bereitet. Ja, die Passagen sind amüsant. Allerdings kamen sie mir teilweise doch zu abgedreht vor, selbst für Jennerweinkrimi-Verhältnisse. Damit nicht genug machen sich einige der Beamten dabei auch ziemlich zum Deppen. Das hat mein Vergnügen an diesem Krimi doch leicht getrübt.

Jörg Maurer liest die Jennerwein-Krimis seit je her selber. Ich habe ihn hier zum ersten Mal gehört. Ich finde, er steht der Geschichte gut. Vor allem dadurch, dass er mit dem passenden Dialekt liest, was der Geschichte noch mal zusätzlich bayerisches Flair verleiht. Zudem kennt er natürlich seine Erzählung selbst am besten und das hört man. Er liest flüssig und locker weg.

Das Covermotiv wird in erster Linie dem “Fall” um den Wilderer gerecht und ist ausgesprochen goldig anzuschauen. Auf den hauptsächlichen Fall deutet lediglich der schäumende Fluss hin, und das auch nur, wenn man die Geschichte kennt.

Fazit:  Der Fall um den verschwundenen BKAler ist spannend und auf die typische Jennerwein-Art ausgesprochen unterhaltsam. Leider erschien mir der “Fall” um den Wilderer ab und zu etwas zu albern.

Rezension – Oberwasser (Jörg Maurer)

Wer drunten schwimmt, ist länger tot: Kommissar Jennerweins vierter Fall
Nachts in einem idyllischen alpenländischen Kurort: Dunkle Gestalten schleppen eine leblose Person zur Höllentalklamm. Kommissar Jennerwein erhält einen heiklen Auftrag. Er muss einen verschwundenen BKA-Ermittler finden, aber niemand darf wissen, dass er nach ihm sucht. Während er mit seinem bewährten Team offiziell einem Wilderer nachstellt, forscht er in Gumpen und Schluchten nach dem Vermissten. Derweil erzählen die Einheimischen düstere Legenden von Flößern, die einst das Wildwasser in eine Höhle sog, ein neugieriger Numismatiker entdeckt kryptische Zeichen auf einer alten Goldmünze, und ein Scharfschütze lauert am Bergbach. Kommissar Jennerwein gerät beinahe ins Strudeln.

Als ich las, dass ein neuer “Kommissar Jennerwein”-Krimi erscheinen würde, war ich sofort Feuer und Flamme. Denn bislang haben mir diese Krimis sehr gut gefallen. Deshalb war das Buch in dem Moment gekauft als ich es bei Thalia entdeckte. Wenige Tage später hatte ich auch schon die Nase drin.

Grundsätzlich hat mir “Oberwasser” wieder prima gefallen. Die Charaktere sind mir mittlerweile vertraut geworden und diese Mischung aus cleveren Kommissaren, einer sehr bodenständigen Psychologin und den sehr folkloristisch erdachten Polizisten am Ort ist jedes Mal wieder reizvoll und ausgesprochen spaßig.
Auch der Fall ist nicht verkehrt. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass in diesem bayerischen Nest offenbar alles haust und Geschäfte betreibt, was das internationale Schwerverbrechen auffahren kann. Dieses Mal streckt es seine Klauen sogar  in die Reihen des BKA aus. Ein BKAler ist verschwunden, und Jennerwein und seine Kollegen bekommen den Auftrag, ihn wiederzufinden und den Grund für das Verschwinden aufzuklären. Davon dürfen die Einwohner des Ortes natürlich nichts mitbekommen, ansonsten könnte es zu Unruhe kommen und vor allem auch dazu, dass die Verbrecherbande Wind davon bekommt, dass man ihr auf der Spur ist.
Die Lösung: man konstruiere einen öffentlichkeitstauglichen weiteren Fall. Hier den um einen Wilderer. Man schicke einen “Schauspieler” dafür ins Rennen und beauftrage die Ermittler damit, vordergründig nach dem Wilderer zu jagen.
Das klingt unterhaltsam und das ist es zweifelsfrei auch. Mir haben diese Episoden oft mehr Spaß bereitet als der tatsächliche Fall. Allerdings ist das Geschehen und das Gewese um diesen Wilderer selbst für die humorigen “Jennerwein”-Krimis etwas  weit hergeholt. Ich will gerne glauben, dass die Polizei bei Bedarf solche Vordergrund-Fälle einsetzt um von den richtigen Ermittlungen abzulenken, doch in diesem Falle wird für meinen Geschmack etwas übertrieben. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, die cleveren Ermittler machen sich gut zum Deppen.
Der Fall um den verschwundenen BKAler bleibt glücklicherweise immer im Mittelpunkt und der ist wirklich spannend und intelligent angelegt. So wechselt die Geschichte immer mal wieder den Blickwinkel. Meistens ist man mit Jennerwein und seinen Kollegen “unterwegs”, dann begleitet man einen jungen Abiturienten, der im Urlaub einen besonderen Fund gemacht hat, ihm auf den Grund gehen möchte und sich damit ins Schussfeld der Verbrecher manövriert. Dann widerum erhält man  Einblicke hinter die Fassade so unschuldig wirkender Dorfbewohner, von denen aus auch eine Verbindung zu Jennerweins Falls besteht. Mitermitteln ist bei diesem Krimi -genau wie bei den Vorgängern- eher schwierig bzw man muss schon ein geübter Krimileser sein. Es bleibt aber übersichtlich, so dass man den Ermittlungen gut folgen und den Zusammenfluss der Handlungsstränge nachvollziehen kann.
Wie man es von Jörg Maurers Krimis gewöhnt ist, ist “Oberwasser” mit sehr viel Lokalkolorit und der damit  einhergehenden Komik gewürzt. Mit den Bergnamen und den Bergstandorten tue ich mich zwar selbst beim vierten Buch noch schwer, aber diese Schilderungen der Gegend und Nennung der Berge und Ortschaften vermittelt einem den Eindruck, man stehe ebenfalls mitten im Werdenfelser Land. Das bringt Alpen-Atmosphäre rein, und regionaler als die “Jennerwein”-Krimis geht es kaum. Der Witz der Geschichte rührt im Wesentlichen von Jörg Maurers feinem Blick auf die Einheimischen und ihre Eigenarten her, die er amüsant in Worte fasst. Ich kann darüber jedes Mal mindestens schmunzeln, oft auch lachen. Und obwohl mir solche Eigenarten in der Realität eher weniger sympathisch sein würden, erscheinen mir die Leute in der Geschichte genau deshalb als liebenswert. Diese Kauzigkeit ist eben auch ein Merkmal dieses Genres.

Jörg Maurers Krimis sind nicht so leicht zu lesen, wie man es angesichts des Humors und der interessanten Handlung vielleicht denkt. Er schreibt sprachlich sehr gewitzt und intelligent, und da sollte man ganz bei der Sache sein um stets durchzublicken und es genießen zu können. Es lohnt sich in jedem Fall und so nehme ich mir für diese Krimis immer gerne etwas mehr Zeit. Man muss sie einfach in Gänze auskosten.

Wer mich ein wenig kennt, der ahnt schon: ich bin schrecklich verliebt in dieses Cover. Das Eichhörnchen ist einfach  goldig, wie es in “Seenot” auf dem durchlöcherten Wildererhut im Wasser treibt. Niedlich und witzig. Das seetüchtige Kerlchen mit dem buschigen Schwanz begegnet einem außerdem an jedem Kapitelanfang unten auf der Seite. Mit etwas Überlegung kann man sogar eine Verbindung zwischen Motiv und Geschichte herstellen. Eichhörnchen und Hut für die “Wilderer-Show” und die Berge und das Wasser für den Fall um den verschwundenen BKAler.

Im Buch lag übrigens dieses goldige Lesezeichen, das ich gerne benutzt habe und sicher behalten werde 😀

Fazit: Für meinen Geschmack wurde bei dieser Geschichte ein wenig übertrieben in Sachen Skurrilität. Dies betrifft  glücklicherweise den vorgeschobenen Fall um den Wilderer und dem sehe ich das nach. Immerhin ist er nur eine Farce. Der Fall um den verschwundenen BKAler ist dagegen clever aufgezogen und spannend. Und das Ende reicht manchem Krimi mit Actioneinschlag zur Ehre. In Summe also ein klein wenig schwächer als die drei Bände zuvor, aber immer noch ein feines Lesevergnügen.


Titel: Oberwasser
Autor: Jörg Maurer
Seiten: 400
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596188956
Preis: 9,99 (TB)

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