Andreas Winkelmann

Nummer 25 (Frank Kodiak)

Der Schriftsteller Andreas Zordan ist Dauergast auf den Bestsellerlisten. Die riesige Fangemeinde kann nicht genug kriegen von seinen Thrillern. Nichts bereitet Zordan mehr Freude als das detailgenaue Beschreiben ausgefallener Tötungsmethoden. Das gelingt dem Einzelgänger nur, weil er sich selbst für einen Psychopathen hält. Er ist kontaktscheu, meidet andere Menschen und lebt einsam in einem ehemaligen Forsthaus im Wald. Er weiß: Würde er nicht in seinen Büchern töten, müsste er auf die Realität ausweichen.
Als er eines Morgens im Garten die übel zugerichtete Leiche eines Mädchens im Teenageralter findet, meldet er es nicht der Polizei, sondern lässt sich auf ein Psychoduell mit einem Mörder ein, der ihn offenbar herausfordert. Und muss erkennen, dass er selbst weit entfernt ist von dessen kaltblütiger Grausamkeit.

In einer der vorigen Besprechungen hatte ich ja erwähnt, dass ich Andreas Winkelmanns Bücher meist direkt nach Veröffentlichung lese. Das schließt auch Bücher ein, die er unter Pseudonym schreibt. So wie “Nummer 25”. Ich verstehe zwar nie, was Pseudonyme eigentlich sollen / nutzen, aber das muss ich vielleicht auch gar nicht. Jedenfalls hatte ich auch dieses Buch sehr fix am Wickel.
Was ich an der Geschichte wirklich sehr interessant fand ist, dass sie sich um einen sehr eigenbrödlerischen Schriftsteller dreht, der abgeschieden in einem Haus am Waldrand wohnt, mit Menschen wenig am Hut hat und sich selbst als Psychopathen bezeichnet. Da darf man sich dann ja schon mal fragen, wieviel von Frank Kodiak bzw Andreas Winkelmann in dieser Figur steckt. Es ist nicht das schönste Bild, das er von dieser Figur malt. Und ich hoffe deshalb sehr, dass Frank Kodiak nicht so geartet ist wie sein Andreas Zordan. Nette Namensspielerei übrigens, oder? Die Figur mit dem realen Vornamen des Autoren hinter dem Pseudonym.
Anfangs fand ich Zordan selber auch noch ganz interessant. Ich habe nichts gegen einzelgängerisch veranlagte und etwas seltsame Figuren (und Menschen) und ich fand auch keineswegs, dass er wie ein Psychopath wirkt.
Das änderte sich dann aber schlagartig nach dem Fund der Leiche und dem ersten Treffen mit der Journalistin Greta. Es tut mir wirklich leid, aber so wie er sich danach und ihr gegenüber aufführt, das geht teilweise echt gar nicht. Und an Gretas Stelle hätte ich diesen Kerl -große Story hin oder her- binnen kürzester Zeit samt seinem Irrsinn einfach stehenlassen. Von da an geht der Typ sowas von überhaupt gar nicht, das kann man kaum beschreiben. Wenn das beabsichtigt war bei der Gestaltung dieser Figur, dann ist es auf ganzer Linie gelungen. Bei mir hat es allerdings dazu geführt, dass mich Zordan in erster Linie tierisch genervt hat.
Greta hat mir jedoch genauso wenig gefallen. Ja, sie hat Mut, ist hartnäckig, lässt sich nich unterkriegen, aber ich hatte trotzdem ständig das Bild von einem dummen, naiven Blondchen und Helene Fischer Double vor Augen. Und was sie später an Zordan gefressen hat, das habe ich auch nicht verstanden. Das sprach für mich ebenfalls dafür, dass sie beim besten Willen nicht die Hellste ist.
Das Rätsel um die Leiche und die weiteren Entführungen fand ich insgesamt ganz spannend, aber auch nicht unbedingt überragend. Irgendwie scheine ich ein Problem damit zu haben, wenn die Ermittler nicht wirklich Polizist oder Kommissar sind. Es ist zwar ganz interessant zu verfolgen, wie Zordan und Greta der Sache auf den Grund zu gehen versuchen, es hat auch seine düsteren und spannenden Momente, aber dieser professionelle Schliff fehlte mir einfach. Ohne den kann ich nicht so richtig mitfiebern. Daher habe ich mich immer gefreut, wenn Lewandowski einen Auftritt hatte. Sobald der Oberkommissar mitmischte, war ich sofort ganz bei der Sache. Und über weite Teile war mir die Story auch zu vorhersehbar.
Ein dickes Lob gibt es für die Szenen mit dem Täter. Herrlich grausam und schaurig, genauso wie ich es mag. Das ist tatsächlich nichts für zartbesaitete Leser und vielleicht bin ich da ein bisschen kaputt, aber ich mag sowas eben einfach total gerne.
Nachdem die Handlung größtenteils erfreulich geradlinig verlief, gibt es zum Ende hin nochmal einen Dreh. Der hat mich zwar nicht unbedingt überrascht, aber er bringt doch nochmal eine zusätzliche Würze ins Finale und sorgt für weitere Dramatik an einem Punkt, an dem man eigentlich schon damit rechnet, dass die Story nun zum Ende kommt.

Mal liest man von Zordan, dann von Greta, dann wieder ist man bei Lewandowski, es geht abwechslunsgreich zu und das liest sich dementprechend gut und flott weg. Ich habe nur zwei Abende für das Buch gebraucht. Betitelte Kapitel gibt es nicht, aber immer wieder größere Absätze, an dem man eine Pause einlegen kann.

Ich bin einfach kein Fan von solch hellen Covermotiven bei Thrillern und Krimis wie hier. Die Sicherheitsnadeln und die blutroten Fäden passen widerum ganz gut dazu und stimmen neugierig, aber insgesamt ist mir das Motiv zu hell für einen Thriller. Da fehlt mir das Düstere und Unheimliche.

Fazit:  Mich hat “Nummer 25” trotz seines Killers mit seinen abstoßenden Ideen nicht vom Hocker gerissen. Die Hauptfiguren haben mich schnell vor allem genervt und von solchen Figuren lese ich schlicht nicht gerne. So habe ich ihre Nachforschungen in diesem an sich wirklich interessanten Fall (mit einem herrlich abartigen Killer) nur mäßig gespannt verfolgt. Vieles war mir auch zu leicht zu durchschauen, was ebenfalls zu Lasten der Spannung ging.


Titel:  Nummer 25
Autor: Frank Kodiak
Seiten:  384
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426520093
Preis:  € 9,99 (TB)

Housesitter (Andreas Winkelmann)

Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter.

Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
Dann spürst du einen jähen Schmerz – und es wird Nacht um dich.
Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
Deine Freundin ist verschwunden – entführt.
Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen.

Seit einer ganzen Weile schon gehört Andreas Winkelmann zu den Autoren, deren Bücher ich so bald wie möglich nach Veröffentlichung kaufe und lese. Entsprechend hatte ich mich schon lange auf den “Housesitter” gefreut. Der Klappentext klang schon mal sehr vielversprechend.
Es ist ja auch eine schaurige Vorstellung: man kommt aus dem Urlaub zurück und irgendetwas im Haus hat sich verändert. Die Möbel stehen anders und an einigen Stellen sieht es tatsächlich so aus als habe in der Zwischenzeit jemand hier gewohnt. Das ist nichts, was man selber erleben möchte und es bereitet einem eine Gänsehaut. Thomas und Saskia erleben genau das. Und dann wird Thomas niedergschlagen, wird im Krankenhaus wach und erfährt, dass Saskia verschwunden ist, entführt wurde.
Ja, in der Tat, das klang soweit alles ganz nach meinem Geschmack.
Leider muss ich aber sagen, dass “Housesitter” mich dennoch nicht begeistern konnte.
Ja, die Idee des Housesitters ist cool, interessant und vielversprechend, doch die Story, der Krimi um ihn zieht sich zu großen Teilen schier unglaublich. Das fängt bei zahlreichen, für mein Empfinden unnötig langatmigen (Rück)blicken in die Gedanken und Erinnerungen des Täters an, geht weiter mit den Nachforschungen von Thomas, die sehr lange Zeit alles andere als zielführend wirken und mit Ermittlungen an zwei Stellen, die anfänglich überhaupt keinen Zusammenhang zu haben scheinen. Für mich hätte man das alles ruhig etwas kürzer fassen können, dann wäre sicher auch mehr Spannung aufgekommen. Ich habe mich durch diese Passagen aber immer wieder aus der Story, aus dem Spannungsbogen herausgerissen und davon abgelenkt gefühlt. Manches Mal musste ich mich wirklich zusammenreißen, nicht einfach mal ein paar Seiten nur quer zu lesen. Ich bin überzeugt davon, dabei wäre mir nichts Wichtiges entgangen.
Erst zum Ende hin mauserte die Geschichte dann. Plötzlich spürt man, dass die Ermittlungen auf der richtigen Fährte sind, man dem Täter ganz nahe ist und es zunehmend gefährlicher wird. Plötzlich zog dann auch das Tempo an, weshalb ich zumindest das Finale ganz gelungen fand. Solch ein Tempo, solch eine Dramatik hätte ich mir auch vorher an verschiedenen Stellen gewünscht.
Zweiter Knackpunkt waren für mich hier speziell zwei Figuren. Zunächst hätten wir da Thomas. Ich kann es nicht anders sagen, aber für mich ist er schlichtweg eine Flasche. Und das nicht nur wegen des Vorfalls am Flughafen zu Beginn der Geschichte. Da habe ich zwar auch schon den Kopf geschüttelt, aber ich dachte, er würde sich im Laufe des Geschehens schon entwickeln. Davon kann aber lange, sehr lange gar keine Rede sein. Sicher, die Story braucht vielleicht solch eine Hauptfigur um zu funktionieren, abe rman sollte doch meinen, so ein Erlebnis wie das von Saskia und ihm müsste einen Menschen verändern, wütend machen, ihn über sich hinauswachsen lassen. Doch bei Thomas? Bis fast zum Ende keine Spur davon.
Zweitens ist da Kommissar Scheurich. Ich brauche wahrlich keinen gelackten Kommissar mit vorbildlichen Manieren. Ich habe nichts gegen Ecken und Kanten bei einer Figur. Aber solch einen Widerling brauche ich beileibe auch nicht. Er hat mich im Nullkommanichts und danach durchweg vor allem total genervt mit seiner patzigen und ruppigen Art. Und wenn mich eine Figur nervt, dann lese ich ihre Kapitel auch nicht sonderlich gerne.
Mit Priska musste ich zwar auch erstmal warm werden, aber das ging wesentlich besser. Und auch die hat so ihre Macken und Eigenarten. Aber eben auf eine weitaus sympathischere Art. Außerdem hat sich spürbar Köpfchen,was ich bei Scheurich schon sehr vermisste habe. Dafür, dass er es zum Kommissar gebracht hat.

An sich ist die Geschichte nicht schwierig zu lesen. Mir fiel es trotzdem aufgrund erwähnter Längen sehr schwer, jeden Abend nach dem Buch zu greifen und ein Stück weiter zu lesen. Daran haben auch die Schauplatzwechsel und Zeitsrprünge nichts geändert. Normalerweise steigert sowas mein Lesetempo, doch inhaltlich kommt das alles hier einfach viel zu zäh daher. Richtige Kapitel gibt es nicht, mehr größere Absätze. An diesen Stellen kann man genauso leicht eine Pause einlegen wie am Ende eines Kapitels.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut mit seinen leuchtenden Farben in Kombination mit dem düsteren Grau und Schwarz. Der leuchtende rote Titelschriftzug ist ein Hingucker im Thrillerregal.

Fazit:  Die Idee des Housesitters hat mir super gut gefallen und ich war mir sicher, dass die Geschichte spannend und düster sein würde. So wie ich Thriller eben mag. Doch leider zieht sich die Story teilweise wirklich unglaublich. Dadurch blieb bei mir immer wieder die Spannung auf der Strecke. Ich wurde abgelenkt durch unnötig viele Nebensächlichkeiten und fühlte mich aus dem Fall heraugerissen. Vielleicht hätte ich doch die eine oder andere Seite quer lesen sollen..? Und dann diese Flasche von Hauptfigur und dieses Ekelpaket vom Kommissar. Nichts gegen Figuren mit Ecken und Kanten, aber in diesem Maße nervte es doch sehr schnell. Schade um die gute Idee.


Titel: Housesitter
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 496
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805251020
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Killgame (Andreas Winkelmann)

Killgame (Andreas Winkelmann)Das Mädchen hat Angst. Seit Tagen ist sie in einem Verschlag unter der Erde gefangen.
Jemand öffnet die Klappe und wirft Laufkleidung herunter. Sie klettert aus ihrem Gefängnis und beginnt zu rennen. In die Freiheit. In den Wald.
Da zischt der erste Pfeil haarscharf an ihrem Kopf vorbei…
Dries Torwellen hat geschworen, seine Nichte Nia zu finden, die von zu Hause ausgerissen ist. Die Spur führt ihn zu einer Lodge in den tiefen Wäldern Kanadas. Ihre Betreiber werben mit einem einzigartigen Urlaubserlebnis. Einem Erlebnis, das alle Grenzen sprengt.

Andreas Winkelmanns Bücher sind für mich bislang immer ein Wechselspiel gewesen. Das eine gut, das andere weniger, das nächste wieder toll, da danach folgende widerum schwach. Somit bin ich auf ein neues Buch von ihm immer doppelt gespannt.
“Killgame” war für mich ein Pflichtkauf. Schon alleine wegen Kanada als Hauptschauplatz (wie ich es im Klappentext verstanden hatt). Für mich mit meinem ständigen Fernweh konnte es kaum besser kommen.
Bedauerlicherweise hatte ich mich im Klappentext bzw meiner Ableitung ganz schön geirrt. Es dauerte gar nicht lange bis mir diese Erkenntnis dämmerte. Denn die Handlung spielt keineswegs hauptsächlich in Kandas Wäldern. Ganz im Gegenteil spielt sie sich lange Zeit in Deutschland ab. Der Teil in Kanada erschien mir dagegen erheblich knapper gehalten. Das fand ich schon mal mehr als schade.
Hinzu kam noch, dass mich das Geschehen in Deutschland kaum fesseln konnte. Das lag vor allem daran, dass man kapitelweise fast jedes Mal anderswo dabei war. Wäre die Handlung bei Nia und Dries geblieben, wäre das für mich in Ordnung gewesen. Aber diese ganzen anderen Figuren, Schauplätze und Ereignisse und Erkenntnisse, da habe ich mich irgendwann wirklich gefragt, ob die Story all dies überhaupt gebraucht hätte. Mir fallen einige Punkte ein, die für das Geschehen in Kanada nur mäßig bis gar nicht interessant waren. Wozu also vorab bereits schon solch ein Verwirrspiel und solch ein Hin und Her.
Mir fällt es immer schwer, gespannt bei der Sache zu bleiben, wenn ich ständig aus einem Handlungsstrang wieder herausgerissen werde. Und genau das ist hier dann auch geschehen. Immer, wenn ich dachte, dass es nun endlich spannend würde, wechselten Schauplatz oder Figuren und das bisschen eben aufgekommende Spannung verpuffte augenblicklich.
Dann ging es endlich nach Kanada, was war ich froh und erleichtert! Allerdings hat dieser Part bei mir einzig dafür gesorgt, dass ich dieses Land und seine Landschaften noch dringender erleben möchte als ohnehin schon. Denn das ist Andreas Winkelmann bestens gesorgt: dieses Land einfach als wunderschön und herrlich urwüchsig zu beschreiben. Ich will dahin! Jetzt noch mehr als zuvor bereits!
Dabei ist es aber leider auch geblieben, denn auch in Kanada angekommen wechseln die Handlungsstränge sehr oft. Und so trat genau das bei mir ein wie bei dem Part in Deutschland. Dabei hätte es sicher für so viel mehr Spannung und Grauen gesorgt, mal länger bei den Spielern zu bleiben und sich eingehender mit dem Spiel zu befassen. Denn das ist grausig! Es wäre schön gewesen, das wäre noch mehr rübergekommen.
Und zuletzt: ich brauche keine Geistergeschichte in einem Thriller! Übersinnliches hat für mich in einem ganz normalen Thriller nichts zu suchern. Ganz erhlich, diese Passagen habe ich maximal quergelesen, mehr nicht. Obendrein ist die afrikanische Kultur und ihr Glauben und ihre Mythen einfach nicht eines meiner Interessengebiete. Aber das war nicht der Knackpunkt. Der war -wie gesagt- einfach dieser Gespensterstory in einem Thriller.

Ich habe insgesamt relativ lange für das Buch gebraucht. Dabei liest es sich an sich wirklich gut. Es gibt aber halt auch serh viele erzählenden / beschreibende Passagen. Die lesen sich für mich einfach immer etwas schwerfälliger als zB Dialoge. Eine Kapiteleinteilung gibt es nicht, aber durch die Schauplatzwechsel viele Schnitte. Die kann man gut wie Kapitel nutzen: zum Einteilen der abendlichen Lesehäppchen.

Das Cover hat mir auf Anhieb gefallen als ich von dem Buch hörte. Die blutrote Schrift ist ein Blickfang und lässt auf eine angenehm grausig-blutige Geschichte hoffen. Die Waldszenerie dahinter, eingefangen im Tempo des fliegenden Pfeils, ist thrillermäßig düster.

Fazit: Leider hat mich “Killgame” eher enttäuscht zurückgelassen. Kaum eine Passage war mal ausreichend lang um Spannung aufkommen zu lassen, der Vorlauf vor der Handlung in Kanda deutlich zu lang und das Geschehen in Kanda hatte ich mir grausiger und intensiver vorgestellt. Doch auch das wurde durch die vielen Handlungs- und Schauplatzwechsel sabotiert. Und eine Geisterstory hat in einem Thriller für mich einfach nichts zu suchen. Eines ist der Buch jedoch bestens gelungen: ich möchte nun noch dringender nach Kanada als vor der Lektüre 😉


Titel: Killgame
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 426
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250849
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Hänschen klein (Andreas Winkelmann)

haenschenDer junge Anwalt Sebastian Schneider bekommt eines Tages einen seltsamen Brief: die erste Strophe des Liedes »Hänschen klein« und das innige Versprechen einer Frau, dass sie und ihr Hans bald wieder vereint sein werden. Sebastian glaubt an einen Irrtum. Er ahnt nicht, dass er einen Liebesbrief in den Händen hält, der sein Leben zerstören wird: den Brief einer Mutter, die – totgeschwiegen, totgeglaubt, dem Wahnsinn verfallen – auf der Jagd nach ihrem Sohn ist. Und bereit, für ihr Hänschen klein über mehr als eine Leiche zu gehen.

Dieses Buch stand schon sehr lange im Regal und wäre fast meiner Ausräumaktion zum Opfer gefallen. Aber die Thriller von Andreas Winkelmann hatten mir bisher meist ganz gut gefallen, deshalb durfte es bleiben und wurde sogar zügig gelesen. Nach den letzten Pleiten war mir mal wieder nach einem guten Buch.
Leider muss ich aber sagen, dass mir “Hänschen klein” dann doch nicht besonders gefallen hat.
Fangen wir mit aber mal mit dem Positiven an, so gehört sich das schließlich. Finde ich wenigstens.
Mir hat der Bösewicht hier sehr gut gefallen. So richtig schön brutal und so richtig schön krank im Kopf. Das mag ich. Ich lese und staune immer wieder gerne darüber, wie verkorkst der menschliche Verstand sein kann bzw welche erschreckenden Veränderungen im menschlichen Gehirn vor sich gehen können.
Irgendwie fasziniert mich das immer. Je schlimmer, desto begeisterter bin ich.
Für den ersten Negativpunkt kann die Geschichte selber eigentlich gar nichts, denn das Buch ist nunmal bereits knappe sechs Jahre alt. Mir kam es dadurch allerdings irgendwie ein wenig verstaubt und veraltet vor. Ich kann noch nicht mal präzise irgendwelche Punkte benennen. Vielleicht die Ausdrucksweise der Figuren hier und da, die Beschreibungen gewisser Umstände und Dinge…eben Dinge, die man heute anders sagen würde bzw die es heute bereits in stark modernisierter Form gibt. Wie auch immer, ich habe einfach immer so meine Probleme mit Geschichten, die nicht absolut im Heute spielen. Daher hat es mir “Hänschen klein” nicht leicht gemacht.
Dazu kommt noch, dass ich die Story nicht sonderlich spannend fand. Ich finde Krimis und Thriller immer spannender, wenn es einen Ermittler als Hauptfigur gibt. Das ist hier nicht der Fall. Natürlich mischt die Polizei mit, doch die Hauptpersonen sind Anwalt Sebastian Schneider und seine Freundin Saskia, und die ermitteln kaum bis gar nicht, sondern sind die Opfer in der Geschichte.
Außerdem ahnt man schnell, wer hinter den grausigen Vorfällen und den sonderbaren Briefen steckt. Kein Wunder, denn kapitelweise ist man als Leser beim Täter zu Gast. So kann man natürlich auch nahezu jeden Vorfall bei Sebastian und Saskia jemandem zuordnen. Und selbst das Motiv ist -so krank es ist- nicht schwer zu erraten. Das hat für mich schon ziemlich viel an Spannung rausgenommen. Und weil ich Ermittlungen -wie schon geschrieben- immer spannender finde als bei den Opfern zu sein, habe ich auch manche Szenen als Längen empfunden, die mich beim Lesen ausgebremst haben.
Der größte Knackpunkt ohne den ich überall sonst großzügig hätte hinwegsehen können, war aber der okkulte / übersinnliche Einschlag in der Geschichte. Erstens glaube ich an so etwas schlicht nicht und zweitens (und viel wichtiger) hat es für mich in einem Thriller nichts zu suchen. Ich glaube gerne an jeden Irrweg des menschlichen Verstands und begrüße ihn in einem Thriller absolut. Aber wenn man mir weismachen möchte, dass so etwas wie Beschwörungen und Telepathie funktionieren, dann ist es bei mir vorbei. Dass Telepathie generell funktionieren kann, stelle ich nicht infrage, aber auf diese Weise hier…nein, das kaufe ich niemandem ab. Auch nicht Andreas Winkelmann.
Und somit hat “Hänschen klein” bei mir einen sehr, sehr durchwachsenen Eindruck hinterlassen.

Der Schreibstil geht in Ordnung, das liest sich gut und schnell. Das nützt aber eben auch nur wenig, wenn einen der Inhalt nicht packt und vorantreibt. Hinzu kommen noch oft lange erzählende / erklärende Abschnitte, was mich immer ausbremst. Ich mag einfach Dialoge lieber, weil darin mehr Tempo steckt.

Das Cover gefällt mir noch immer gut. Das Blutrot ist einfach ein Blickfang. Und man fragt sich automatisch, was sich hinter der hölzernen Tür verbergen mag. Das macht natürlich neugierig. Erst recht bei der Kombination aus einen Kinderlied-Titel und dem Thriller-Genre.

Fazit:  Der Täter hier ist genau nach meinem Geschmack krank im Kopf. So etwas ist absolut mein Ding bei einem Thriller. Und dafür, dass manches etwas veraltet wirkt, kann die Geschichte nichts. Ich mag aber nun mal lieber Geschichten ganz im Hier und Heute. So richtig übel habe ich “Hänschen klein” seinen okkulten / übersinnlichen Einschlag genommen. An so etwas wie hier glaube ich nicht, Punkt. Und es hat für mich in einem Thriller auch nichts verloren. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß.


Titel: Hänschen klein
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten:411
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442471256
Preis: € 8,95 (TB)

Die Zucht (Andreas Winkelmann)

Die Zucht (Andreas Winkelmann)Nur fünf Minuten hat Helga Schwabe ihren Sohn aus den Augen gelassen. Einen unaufmerksamen Moment lang. Und in diesem Moment ist er verschwunden. Als fielen Hauptkommissar Henry Conroy die Ermittlungen in diesem Fall mutmaßlicher Kindesentführung nicht schon schwer genug, muss er sich auch noch mit einer neuen Kollegin herumschlagen. Vorlaut, frech, selbstbestimmt – das ist Manuela Sperling. Aber sie hat einen guten Riecher. Und bald stoßen die beiden auf eine Spur, die zu einem einsamen, verfallenen Gehöft im Niemandsland an der Grenze zu Tschechien führt, auf dem illegal Hunde gezüchtet.

Ein neuer Thriller von Andreas Winkelmann? Muss ich haben! Wobei ich dieses Mal aus einem bestimmten Grund gezögert habe, doch dazu später mehr, denn mit der Geschichte hatte das nichts zu tun.
Die beginnt -im Verhältnis zum späteren Geschehen- vergleichsweise harmlos. Ein Kind ist aus dem elterlichen Garten verschwunden. Doch bald schon steht der Verdacht im Raum, dass es nicht einfach nur  ausgebüxt ist, sondern womöglich entführt wurde!
Das ruft Hauptkommissar Henry Conroy auf den Plan. Ich mochte ihn zunächst überhaupt nicht, wie ich zugeben muss. Genau wie schon der Kommissar im “Wassermann” fand ich ihn schlichtweg unsympathisch  und war tierisch genervt von seiner grundlos brummigen und ruppigen Art.
Manuela Sperling ist genau das Gegenteil, und ich war heilfroh als sie auf der Bildfläche erschien. Ihre Art lockert einfach auf und schnell war klar, dass sie auch den miesepetrigen Hauptkommissar aus der Reserve locken würde. Ich kenne sie vom besagten Wassermann-Thriller, doch eigentlich ist kein Vorwissen nötig um in “Die Zucht” mit Manuela zurechtzukommen. Mit ihr freundet man sich schnell an.
Der Fall zieht schnell größere und weitere Kreise: in die kleine Ortschaft mit ihren verschlossenen Bewohner bis hin zur tschechischen Grenze. Das hatte ich bei dem recht einfach gehaltenen Beginn so gar nicht erwartet. Und auch wenn ich mich mit mehreren Schauplätzen manchmal schwer tue, so fiel es mir hier sehr leicht den Überblick zu behalten. Besonderen Eindruck haben bei mir die Teile hinterlassen, die auf einem gewissen Hof spielen. Grausig, was dort vor sich geht! Und verwirrend! Denn es gab etwas, das ich mir einfach nicht vorstellen konnte. Immerhin ist “Die Zucht” ein Thriller, da hat Phantastisches nichts verloren. Und doch klingt es manchmal so und sorgt für Grusel.
Spannend ist nahezu jeder Teil der Geschichte. Sei es die Polizeiarbeit, die Suche zweier junger Leute nach einer verschwundenen Freundin oder eben das Geschehen auf dem Hof. Lediglich die gelegentlichen Blicke in die winterliche Vergangenheit waren nicht nach meinem Geschmack. Ich habe es mit Vergangenem schlichtweg nicht. Das werden Leser, die sich dafür interessieren sicher anders sehen. Also kann man das der Story nicht ankreiden.
Es hat Spass gemacht zu verfolgen, wie nach und nach alle Handlungsstränge zusammenlaufen. Man kann gut mtiknobeln und hier und da erahnt man auch mal einen Zusammenhang, der sich erfreulicherweise bei mir meist als richtig herausstellte. So macht die “Polizeiarbeit” mit dem Buch in der Hand richtig Laune. Und so kam es, dass ich das Buch an einem Abend ausgelesen habe. So spannend und so interessant und abwechslungsreich, ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht.
Drei Fragen habe ich mir allerdings gestellt. Dazu sei gesagt, dass ich kein mäkeliger Leser bin. Fehler fallen mir meist gar nicht auf. Es heißt also was, wenn doch! Einmal heißt Ralf plötzlich Frank. Ein anderes Mal wird ein West Highland Terrier gefunden und später taucht ein weiterer Hund dieser Rasse auf, ist dann jedoch ein Yorkshire Terrier. Und zuletzt: wie sieht man einer Speicherkarte denn bitte an, dass sie zu einer Kamera gehört? Auf meinen steht das nirgends explizit drauf. Aber Lea erkennt das natürlich sofort! Vermutlich am ehesten, weil in diesem Moment ein bisschen Glück in Sachen Nachforschungen nicht schaden kann um voranzukommen.

Andreas Winkelmann hat einen Schreibstil, der einen sofort packt und dann nicht mehr loslässt. Dabei ist er einerseits total locker, schafft es andererseits aber auch im Nu für Spannung (und bei Bedarf auch Grusel) zu sorgen. Wow! Das liest sich weg wie nichts und die Seiten fliegen nur so dahin. Und obendrein haben die Kapitel noch diese verhängnisvolle Länge, der ich immer wieder zum Opfer falle. “Ach, eins noch!”
Ja, ja, schon klar…

Für gebundene Bücher zahle ich gerne mal etwas mehr. Aber warum ich für ein broschiertes Buch annähernd genauso viel zahlen muss, das werde ich nie verstehen. Darum blieb “Die Zucht” auch erstmal im Laden stehen. Siebzehn Euro für ein etwas besseres Taschenbuch, darüber darf man gar nicht groß nachdenken! Noch dazu finde ich das Cover “in echt” längst nicht so toll wie im Internet. Mich stört der Glanz, auf dem man jeden Fingertapsen sieht. Und erst recht jede Leserille, die bei den tollen broschierten Büchern kaum ausbleiben. Da konnte auch der geprägte Stacheldraht nichts retten. Optisch das schwächste Cover unter den Büchern von Andreas Winkelmann.

Fazit: Die Story lässt sich recht harmlos an, legt dann aber schnell an Tempo und Komplexität zu. Dennoch fällt es leicht, den Überblick zu behalten. Und so konnte ich das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen. Super spannend, hier und da sogar ein wenig gruselig und ideal zum Mitknobeln. Nachdem mir der miesepetrige Kommissar Conroy den Anfang noch schwer gemacht hatte, war die Geschichte dann doch voll und ganz nach meinem Geschmack. Der Preis ist allerdings -in meinen Augen- einfach unverschämt. Da kann ich jeden verstehen, der auf das normale Taschenbuch wartet. Für schlappe € 17,00 bekomme ich andernorts gebundene Bücher! Würde ich Andreas Winkelmanns Bücher nicht sammeln, hätte ich auch gewartet.


Titel: Die Zucht
Autor: Andreas Winkelmann
Seiten: 512
Verlag: Wunderlich Verlag by Rowohlt
ISBN: 978-3805250382
Preis: € 16,95 (Broschiert)

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