Angst

Woman in the window (A.J. Finn)

Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre vier Wände nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert.

Nun ist der Trend mit den Frauengesichtern auf den Covern einigermaßen vorbei, nun sind die Frauen / Mädchen im Titel irgendwo drin. In Kabine 10, im Zug und hier nun im Fenster. An sich bin ich kein Fan mehr von amerikanischen Krimis / Thrillern, aber hier klang der Klappentext so interessant und nach meinem Geschmack, dass ich eine Ausnahme gemacht habe.
Im Zentrum der Geschichte steht die ehemalige Kinderpsychologin Anna Fox, die sich nach einem traumatischen Erlebnis nicht mehr traut, ihr Haus zu verlassen. Das alleine ist schon eine interessante Vorstellung und ich habe mich eingangs gefragt, wie wohl der Alltag einer solchen Person aussieht. Wie handhabt man Alltägliches wie zB den Einkauf, wenn man nicht rausgeht? Ich habe teilweise sehr gestaunt, wie Anna all das organisiert bekommt, welche Möglichkeiten es gibt. Ihre Zeit verbringt sie damit, alte Filme zu schauen, im Internet zu chatten und leider viel zu viel Alkohol zu trinken. Insbesondere der letzte Punkt hat dafür gesorgt, dass ich mit Anna bis zum Schluss nicht richtig warm geworden bin. Ich mag einfach keine Figuren, die (zu viel) trinken. Traumatisches Erlebnis hin oder her. Anna klingt so oft so intelligent, sie weiß sich auszudrücken und kann durchaus strategisch vorgehen. Wie kann eine solch intelligente Frau sich flaschenweise Wein hinter die Binde kippen?
Dennoch tat sie mir natürlich leid als sie die grausige Entdeckung im nachbarlichen Fenster gemacht hatte und niemand ihr glauben wollte. Einerseits wusste ich zwar, auch dieser Vorfall kann auf das Konto des Alkohols gehen, andererseits habe ich Anna einfach geglaubt. Und ich habe mich darüber geärgert, wie andere Personen ihr begegnen. Beispielsweise ein Polizist, eine Freundin, ihr Mann, der seit dem Ereignis mit der Tochter von Anna getrennt lebt etc. Niemand glaubt ihr und hält ihr stattdessen noch ihr einigermaßen verwahrlostes Leben vor.  Dass Anna sich darüber aufregt, konnte ich gut nachvollziehen.
Entsprechend gespannt und neugierig war ich, ob und wie sie all diesen Leuten beweisen würde, dass sie die Warhheit sagt. Es ist spannend zu verfolgen, was ihr dafür alles einfällt, wie schlau sie aus ihrer isolierten Position heraus versucht, Schlüsse zu ziehen. Und wie sie stellenweise über sich und über ihre Angst davor, das Haus zu verlassen,  hinauswächst.  Mit diesem Ehrgeiz gefiel sie mir gleich noch eine Spur besser und ich habe ihr ehrlich die Daumen gedrückt.
Gleichzeitig habe ich versucht, eigene Schlüsse zu ziehen. Kann man sich so etwas in einer solchen, an sich gepflegten Nachbarschaft vorstellen? Wie geben sich die Personen um Anna herum? Wer könnte mit in der Sache drinstecken? Und wieso eigentlich? Sowas macht mit beim Lesen immer viel Spass.
Das Finale kann man guten Gewissens dramatisch nennen und gleich in zweierlei Hinsicht als echte Überraschung bezeichnen.  Die eine Überraschung fand ich schlichtweg cool. Da schlägt die Story einen Haken vom Thriller zum Psychthriller. Mit der anderen Überraschung hatte ich einfach überhaupt nicht gerechnet.

Mit 541 Seiten ist das Buch ganz schön dick. Doch die Kapitel sind recht kurz, sodass man schnell einen ganzen Schwung davon einfach so wegliest.  Außerdem erzählt Anna ihre Geschichte selber, teilweise sehr locker, dann wieder in Bildern und mit Formulierungen, bei denen man schon mal kurz nachdenken muss und an denen man klar erkennt, welch intelligente Person sie ist. Das ist abwechslungsreich und einfach angenehm zu lesen.

Oben auf dem Bild sieht man sofort, dass der Titelschriftzug quasi durch ein Lamellenrollo schaut, was gut zum Titel passt. Hat man das Buch vor sich liegen, muss man schon genau hinsehen um das zu erkennen. So blau sind die Lamellen da nicht. Das finde ich schade. Aber düster sieht das Cover aus, wie es sich für einen Thriller gehört. Und der leuchtend rote Schriftzug bildet einen tollen Kontrast.

Fazit:  Anna war leider nicht ganz mein Fall, aber es hat immerhin dafür gereicht, dass ich ihre Empörung darüber, dass man ihr nicht glauben will, sehr gut nachvollziehen konnte. Ich habe ihr die Daumen gedrückt, dass sie die Zweifler überzeugen würde und es hat mich beeindruckt, wie Anna sich dabei mausert. Das Finale ist dramatisch und wartet gleich mit zwei echten Überraschungen auf. Und mit eine kleinen Hoffnungsschimmer auch.

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Titel: Woman in the window
Autor: A.J. Finn
Seiten: 541
Verlag: Blanvalet
ISBN:  978-3764506414
Preis: € 15,00 (Broschiert)

Engelmord (Bettina Brömme)

engelmordMelina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin – eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ich habe noch einige Rezensionen nachzuholen zu Büchern, die ich bereits 2016 gelesen habe. Also fangen wir direkt mit einem davon an. Im Urlaub letztes Jahr haben mich vor allem die Arena Thriller begleitet, von denen ich noch manchen Band ungelesen stehen habe.
“Engelmord” -das kann ich gleich vorab schon sagen- gehört für mich zu den stärkeren Geschichten aus der Reihe, auch wenn ich auch hier mit gewissen Dingen ein paar Schwierigkeiten hatte. Dazu später.
Alleine dass die Story sich hauptsächlich in der Gemeinschaft einer Sekte abspielt, hat mir auf Anhieb gut gefallen. Das ist einfach mal etwas anderes und einem ganz schön fremd. Und das sorgt dann irgendwie auch dafür, dass die Umstände zB eines Mords anders wirken (können).
Zunächst hat man erstmal genug Gelegenheit, sich mit Melina in der Gemeinschaft ein- und zurechtzufinden. Und schon das Leben und die Lebensweise und Lebensumstände der Gemeinschaft wirken  eher befremdlich. Natürlich, vieles klingt einladend und irgendwie konnte ich ein kleines Stück weit nachvollziehen, was die Menschen dort daran begeistert, doch in erster Linie fand ich es einfach nur schrecklich. Ich habe Melina ehrlich dafür bewundert, wie sie die Sache meistert und damit umgeht. Denn schnell stellt sich heraus, dass diese vemeintlich so ehrenhafte Gemeinschaft allgegenwärtig ist, dass man ihr nicht entkommen kann und dass sie zur Verwirklichung ihres Lebenstraums über Leichen gehen. Zunächst im übetragenen Sinne, später dann auch im buchstäblichen Sinne.
Natürlich eckt Melina häufig an in der Gruppe, was Strafen nach sich zieht. Das sorgt ebenso für Spannung wie auch die Suche nach ihrem Bruder selber und dem Schrecken als sie ihn dann findet. Und natürlich die Frage, ob der Mord tatsächlich auf sein Konto geht.
Die Lage für Meline in der Sekte spitzt sich schnell zu und man hat häufig Gelegenheit, Angst um sie zu haben und an den Fingernägeln zu knabbern, wenn sie eine neuerliche Aktion startet um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, das die Gemeinschaft umgibt. Außerdem habe ich die ganze Zeit gehofft, dass die Mitglieder sie nicht doch auf ihre Seite ziehen.
Das Finale präsentiert sich erstmal höchst dramatisch mit einem Feuer und wartet anschließend mit so mancher Überraschung auf. Einige davon haben mich ehrlich schockiert, weil ich das im Vorfeld nicht habe kommen sehen. Einige waren weniger überraschend, haben mich aber trotzdem wirklich ärgerlich gemacht. So eine heuchlerische Bande aber auch!
Bis hierher klingt das alles ja wirklich prima. Aber eingangs habe ich ja bereits gechrieben, dass ich auch gewisse Probleme mit der Geschichte hatte. Ich konnte nämlich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig in die Fänge einer Sekte begeben kann. Allgemein nicht, was vermutlich daran liegt, dass mir dieser Grad an Verzweiflung völlig fremd ist (zum Glück!), den es dafür braucht.
Im Falle von Melina aber auch deshalb nicht, weil ihr doch schon nach kurzer Zeit dort klar sein muss, wie man sie dort behandelt, wie man Menschen allgemein dort behandelt. Und dass ihr Bruder sich längst so weit von ihr entfernt hat wie es nur geht! Alleine um ihr eigenes Wohl, hätte ich ihr manches Mal gerne zugerufen, sie solle Bruder Bruder sein lassen und sich dort vom Acker machen. Schließlich ist sie mutig und clever und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie kann so jemand widerum gleichzeitig so dumm sein? Nein, das habe ich nicht verstanden. Und so habe ich mir innerlich alle naselang an die Stirn getippt und mich irgendwie auch geärgert.

Lesen ließ sich “Engelmord” jedenfalls wie nichts. Melina erzählt sehr lebendig, locker und mit einem Funken bösen, teilweise ein wenig bitteren Humor. Die Kapitel sind teilweise etwas länger, was aber gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Kapitel auch ein gutes Stück in der Geschichte vorankommt.

Für mich passen weiße Cover ja nicht so wirklich zu einem Thriller. Aber dieses Motiv an sich mag ich schon mit dem Flügelanhänger und dem Hintergrund, der einen gefiederten Engelsflügel zeigt. Trotzdem, etwas düsterer hätte es für mich gern sein dürfen.

Fazit:  Ich konnte die ganze Zeit nicht nachvollziehen, wie man sich freiwillig in eine Sekte begibt. Und wie man all das auf sich nimmt für jemanden, der an einem gar kein Interesse mehr zeigt. Da habe ich mich schon manches Mal geärgert. Allerdings fand ich die Geschichte auch sehr spannend und teilweise wirklich schockierend. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, sich solch ein Leben anzutun und sich davon obendrein noch eine Verbesserung seiner Situation zu versprechen? Schlimm, wenn man sich vorstellt, dass es so etwas tatsächlich gibt. Somit kann ich “Engelmord” trotz meines durchgängig leichten Ärgers wirklich empfehlen.


Titel: Engelmord
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 280
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401069180
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Mein Freund Max (16) – Max macht Ferien / Max hat keine Angst im Dunkeln

Titel: Mein Freund Max (16) – Max macht Ferien / Max hat keine Angst im Dunkeln / Verlag: Karussell / Spielzeit: ca. 32 min / Sprecher: Manuel Elias, Daniel Kirchberger, Wolf Frass ua

mxInhalt: Hurra. Max fährt in den Ferien mit Mama und Papa, seiner Freundin Pauline und ihrer Mutter auf einen Bauernhof. Bald ist das Auto voll beladen und die Reise beginnt. Sie fahren Kanu, machen eine Radtour, übernachten im Zelt und viel zu schnell sind die Ferien auch schon wieder vorbei. Und dann erfahren wir, wie Max seine Taschenlampe bekam. Als Max nämlich einmal ganz dringend nachts Pipi muss, ist das Flurlicht, das nachts sonst immer an ist, aus. Es ist stockfinster im Flur. Und der Lichtschalter ist so weit weg. Max hat Angst. Aber zum Glück ist ja noch sein großer Bruder Felix da. Und Papa hat auch eine tolle Idee: Er schenkt Max eine kleine Taschenlampe. Die hat Max ab jetzt immer dabei – und braucht nie mehr Angst zu haben.


Neulich gab es noch neue Geschichten von Conni, nun sind die Jungs mit ihrem Freund Max dran. In der ersten der beiden Geschichten geht es mit Max in die Ferien auf den Bauernhof. Dabei erfährt man, was alles so nötig ist auf solch einer Reise und wie es auf einem Bauernhof so zugeht. Was es da nicht alles gibt! Da lernt man doch tatsächlich eine ganze Menge. Und dann wird es mit Papas neuer großer Liebe auch noch ganz witzig und turbulent.
Die Angst im Dunkeln, um die es in der zweiten Geschichte geht, die dürften sicher einige Kinder kennen. So leidet man anfangs mit Max mit. Doch als er dann seine Taschenlampe bekommt, da geht es auf manch spannende Entdeckungsreise. Und wie einfach es doch war, das Problem mit der Angst vor der Dunkelheit so lösen! Das düfte auch für die jungen Hörer (und auch deren Eltern!) eine Hilfe sein.
Somit hat man wieder zwei sehr lebensnahe Geschichten auf einer CD beisammen, bei denen man etwas lernt und auch eine Menge Spass hat.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mir Daniel Kirchberger als Max besser gefallen hat als Manuel Elias, der hier zu hören ist. Er klingt mir über weite Strecken hinweg einfach nicht locker genug, wodurch das Pfiffige, das ich an Max bisher so mochte, ziemlich auf der Strecke bleibt. Seine junge Stimme wiederum passt aber ganz gut. Pia Stepat klingt als Freundin Pauline wesentlich lockerer.

Neben dem ohrwurmverdächtigen Titellied sind auch während der Geschichten ab und zu kurze Melodien zu hören, die für Auflockerung sorgen. Die Geräuschkulisse hält sich dezent im Hintergrund, lässt aber dennoch nichts vermissen. Für ein Kinderhörspiel ist das genau richtig so. Aus meiner Sichet.

Das Cover kommt in kräftigen, fröhlichen Farben daher und zeigt mitten im Herbst / Winter ein eher sommerliches Bild, das zur ersten Geschichte passt.

Fazit:  Zwei weitere schöne Geschichten, nahe am Leben der sehr jungen Hörerschaft. Hier werden zwei für diese Altersgruppe interessante Themen behandelt, die Spass machen, aber auch etwas zum Lernen bieten. Sehr fein!

All die verdammt perfekten Tage (Jennifer Niven)

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden.

Das mit diesem Buch und mir war eine Zufallsbegegnung. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört und soweit ich weiß, auch noch nie etwas aus dem Limes Verlag gelesen. Aber irgendwie sprach mich das Klappentext an und das Cover ist in meiner Lieblingsfarbe gehalten. Zwei Gründe also, es mit einem Buch einfach mal zu versuchen. Die erste positive Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, denn ich hatte mit einem Roman für Erwachsene gerechnet, mit erwachsenen Hauptfiguren. Doch tatsächlich dreht sich die Geschichte um zwei Jugendliche, und für Jugendbücher habe ich einfach ein größeres Faible als für Erwachsenenbücher.
Ich muss allerdings leider sagen, dass dies die einzige positive Überraschung an “All die verdammt perfekten Tage” war. Kurz und knapp gesagt: mich konnte die Geschichte nicht von sich überzeugen.
Das begann bereits bei den beiden Hauptfiguren. Finch mochte ich schnell wirklich gerne. Seine Verrücktheit, seine ausgefallenen Ideen und seine oft wirklich schlauen Gedanken, das alles hat ihn mir fix sympathisch gemacht. Allerdings habe ich “seine” Kapitelüberschriften mit diesem “Wach” überhaupt nicht verstanden. Also habe ich es einfach außer Acht gelassen, dann ging es. Dagegen blieb mir Violet irgendwie ziemlich fern. Bei allem Verständnis für ihre Situation, ihre zurückhaltende Art, ihr “ich bin gar nicht da”-Gehabe und ihre oft so patzigen Reaktionen auf Finchs Bemühungen gefielen mir gar nicht. Gerade dieses Patzigsein hat mich außerdem auch geärgert.
Dass die beiden so schnell zu einander finden, erschien mir trotz des Vorfalls auf dem Glockturm auch nicht so ganz nachvollziehbar. Schon kurz nach diesem Vorfall arbeiten beide an einem Projekt und verstehen sich -wenn Violet nicht gerade zickt- mehr als gut. Aha, bei manchen Menschen geht sowas ja echt schnell. Ich hätte mir dabei einen Schuss mehr Romantik gewünscht, etwas mehr Gefühl, doch das fehlt hier fast gänzlich.
Das ist allerdings auch sonst der Fall, wenn es um Emotionen geht. Will heißen, nach dem Vorfall auf dem Glockturm verlor sich das Thema “Selbstmord” für mich nahezu ganz. Ich hätte nicht gedacht, dass die Geschichte nochmal ernsthaft darauf zurückkommen würde. Die Gefahr, dass sich so etwas ereignen würde, war für mich nach dem Glockenturm nie spürbar. Das hätte für mich -berücksichtigt man das Ende- zuvor wirklich deutlicher hervorgehoben werden können. Dann hätte ich die Geschichte sicher aus als spannender empfunden. So jedoch konnte für mich vom Spannung kaum eine Rede sein. Die Story war für mich über den größten Teil hinweg einfach eine nette Erzählung über zwei Jugendliche, die sich nach schlimmen Erlebnissen ins Leben zurückkämpfen und sich dabei näherkommen.
Ich hätte nie, wirklich nie mit solch einem Ende gerechnet. Dass es außerdem einen arg dünnen Aufhänger hat, sei dabei nur am Rande erwähnt Ich war also vor allem verblüfft, aber kein Stück schockiert oder traurig, wie es vermutlich hätte sein sollen.
Und wenn ich jetzt schreiben würde, dass mich dieses Buch berührt und / oder für das Thema “Selbstmord” sensibilisiert hätte, würde ich lügen. Aber ich denke halt, genau das wäre die Aufgabe der Geschichte gewesen. Und die hat sie bei mir zumindest nicht gemeistert.

Die Geschichte wird abwechselnd von Finch und Violet erzählt. Das sorgt schon mal für Abwechslung beim Lesen. Der Schriebstil ist dadurch auch ganz jugendlich locker. Sogar, wenn einer der beiden sich mal tiefgründigere Gedanken machen. Das liest sich so sehr leicht und ehe man es sich versieht, ist man ein gutes Stück im Buch vorangekommen. Gestört haben mich die Zeilen in Schreibschrift, denn die waren für mich schwer lesbar. Und normalerweise habe ich mit sowas gar keine Probleme. Hier leider schon.

Blau ist meine Lieblingsfarbe, daher sprach mich das Cover auf Anhieb an. Aber mir gefällt auch das eigentliche Motiv. Der Gedanke, auf den Mond klettern zu können. Jemandem den Mond vom Himmel holen, das hat einfach etwas und passt zu einer Lovestory. Und das ist “All die perfekten Tage” irgendwo ja schließlich auch. Richtig toll finde ich die Gestaltung der Deckeninnenseite, doch die soll mal jeder selbst entdecken.

Fazit:  Leider hat mir die Geschichte nicht so gut gefallen wie gedacht. Allgemein gesagt, liegt das daran, dass mir Gefühle einfach nicht eindringlich genug rübergebracht wurden. Weder Finchs Angst, noch Violets zunehmender Mut, die Romanze der beiden oder auch die Gefahr eines Selbstmords. Da hätte alles intensiver ausfallen müssen um mich zu packen.Umso perplexer war ich angesichts des Endes. Das hätte ich niemals kommen sehen. Und das hätte ich wohl müssen nach der Vorgeschichte. Doch die gab diese Ahnung einfach überhaupt nicht her. Und damit hat die Story in meinen Augen schlicht ihr Ziel verfehlt.


Titel: All die verdammt perfekten Tage
Autor: Jennifer Niven
Seiten: 400
Verlag: Limes Verlag
ISBN: 978-3809026570
Preis: € 14,99

Franziska und die Wölfe (Pija Lindenbaum / Laura Maire)

Titel: Franziska und die Wölfe / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 28 min / Buch: Pija Lindenbaum / gelesen von: Laura Maire

franziskaInhalt: Schüchtern? Jetzt nicht mehr! Nach einer unverhofften Begegnung mit den Wölfen wird aus dem zurückhaltenden Kindergartenkind Franziska ein selbstbewusstes Mädchen. Und nach deren Pfeife tanzen sogar die Wölfe. Dagegen sind die Schafe, die Franziska im Urlaub trifft, ein wenig dusselig. Zum Glück weiß Franziska auch hier Rat. Außerdem nimmt sie Elche bei sich zuhause auf – als Geschwisterersatz sozusagen. Aber irgendwie ist das nicht das gleiche.


Bei dem Titel und dem goldigen Wolf auf dem Cover war es klar, dass ich mir Franziskas Geschichten anhören muss. Insgesamt gibt es drei sehr kurze Erzählungen zu hören, in denen Franziska Wölfe, Schafe und Elche kennenlernt.
Ich muss gestehen, dass Franziska in meinen Ohren ein etwas seltsames Kind war. Es steht außer Frage, dass Kinder vor gewissen Dingen Angst haben, doch bei Franziska ist das gleich haufenweise der Fall. Sie hat Angst vor nassen Hosen, davor beim Klettern einen Schuh zu verlieren, davor ins Wasser zu gehen, einen Hund zu streicheln und und und. Aber vielleicht hat Franziska so viele Ängste mitbekommen, damit jedes Kind, das sich diese CD anhört, höchstwahrscheinlich auch die eigene Angst antrifft. Das kann sein.
Nachdem ich Franziska mit all ihren Ängsten nun kannte, ging ich davon aus, auf dieser CD drei Geschichten zum Mutmachen hören würde. So dass ebenfalls ängstliche Kinder wissen, dass das gar nicht so schlimm ist und dass sie damit nicht alleine sind. Womöglich sogar mit kleinen Tipps, wie man die Angst bewältigen kann.
Doch weit gefehlt! Und das hat mich ganz schön enttäuscht. In der ersten Geschichte trifft Franziska auf die Wölfe und vor denen hat sie überhaupt keine Angst! Ein Kind, das nicht mal einen Hund streicheln möchte! Stattdessen spielt sie mit den Wölfen, kocht ihnen “Suppe” und erzählt ihnen Gute Nacht – Geschichten. Und nach diesem kleinen Abenteuer ist Franziskas Angst wie weggeblasen. Nun lädt sie Elche zu sich nach Hause ein und melkt Schafe. Da frage ich mich schon, wieso sie plötzlich so mutig ist. Oder umgekehrt, warum diese Figur anfangs als so ängstlich beschrieben wird.
Von dieser Unlogik abgesehen sind die Geschichten ganz niedlich und auch ein bisschen lustig geraten. Kinder werden sie sicher mit Vergnügen anhören. Nur -wie gessagt- Mut werden sie ihnen sicher nicht zureden. Falls das also der Gedanken dahinter war, und davon gehe ich aus, dann hat man dieses Ziel verfehlt. Dafür hätte die Geschiche um die Wölfe anders ausfallen müssen.

Ich habe Laura Maire kaum wiedererkannt bei diesem Hörbuch. Sie liest in Ton, in dem Erwachsene oft mit kleinen Kindern sprechen. Das dürften die jungen Hörer also wiedererkennen.  Für erwachsene (Mit)hörer könnte das Hörbuch so aber zu einer der CDs werden, die man nicht x-mal am Tag anhören möchte.

Sehr viele fröhliche Musikstücke sind in diesem Hörbuch zu hören. Das gefällt mir für Kindergeschichten immer sehr gut. Das lockert auf, macht Spass und ab und zu musste sogar ich mal mitwippen 😉 Eine ganze Reihe Geräusche sind ebenfalls zu hören. So hört man in der Schafe-Geschichte Möwengeschrei und Meeresrauschen, denn Franziska macht gerade Urlaub am Meer. Und bei der Wolf-Geschichte zwitschen die Vögel im Wald. Das macht das Gehörte anschaulich. Dafür fand ich das Knurren und den Hall für ein Kinderhörbuch überraschend schaurig. Damit wird Laura Maires Stimme in der ersten Erzählung unterlegt. Ob Vierjährige das so toll finden…?

Das Cover hatte es mir gleich angetan. Vor allem wegen dem schielenden Wolf mit den stockdürren Beinen. Das sieht lustig aus. Und die kleine Franziska macht einen neugierigen Eindruck.

Fazit: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Franziskas Geschichten ängstlichen Kindern Mut machen sollen. Doch wie soll das gelingen, wenn Franziska selber gar nicht mutig wird, sondern es urplötzlich einfach ist? Ziel verfehlt. Übrig bleiben drei Geschichten, die ganz nett und auch ein wenig lustig anzuhören sind, aber mehr leider auch nicht.

 

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