Arena Thriller

Engelmord (Bettina Brömme)

engelmordMelina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin – eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ich habe noch einige Rezensionen nachzuholen zu Büchern, die ich bereits 2016 gelesen habe. Also fangen wir direkt mit einem davon an. Im Urlaub letztes Jahr haben mich vor allem die Arena Thriller begleitet, von denen ich noch manchen Band ungelesen stehen habe.
“Engelmord” -das kann ich gleich vorab schon sagen- gehört für mich zu den stärkeren Geschichten aus der Reihe, auch wenn ich auch hier mit gewissen Dingen ein paar Schwierigkeiten hatte. Dazu später.
Alleine dass die Story sich hauptsächlich in der Gemeinschaft einer Sekte abspielt, hat mir auf Anhieb gut gefallen. Das ist einfach mal etwas anderes und einem ganz schön fremd. Und das sorgt dann irgendwie auch dafür, dass die Umstände zB eines Mords anders wirken (können).
Zunächst hat man erstmal genug Gelegenheit, sich mit Melina in der Gemeinschaft ein- und zurechtzufinden. Und schon das Leben und die Lebensweise und Lebensumstände der Gemeinschaft wirken  eher befremdlich. Natürlich, vieles klingt einladend und irgendwie konnte ich ein kleines Stück weit nachvollziehen, was die Menschen dort daran begeistert, doch in erster Linie fand ich es einfach nur schrecklich. Ich habe Melina ehrlich dafür bewundert, wie sie die Sache meistert und damit umgeht. Denn schnell stellt sich heraus, dass diese vemeintlich so ehrenhafte Gemeinschaft allgegenwärtig ist, dass man ihr nicht entkommen kann und dass sie zur Verwirklichung ihres Lebenstraums über Leichen gehen. Zunächst im übetragenen Sinne, später dann auch im buchstäblichen Sinne.
Natürlich eckt Melina häufig an in der Gruppe, was Strafen nach sich zieht. Das sorgt ebenso für Spannung wie auch die Suche nach ihrem Bruder selber und dem Schrecken als sie ihn dann findet. Und natürlich die Frage, ob der Mord tatsächlich auf sein Konto geht.
Die Lage für Meline in der Sekte spitzt sich schnell zu und man hat häufig Gelegenheit, Angst um sie zu haben und an den Fingernägeln zu knabbern, wenn sie eine neuerliche Aktion startet um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, das die Gemeinschaft umgibt. Außerdem habe ich die ganze Zeit gehofft, dass die Mitglieder sie nicht doch auf ihre Seite ziehen.
Das Finale präsentiert sich erstmal höchst dramatisch mit einem Feuer und wartet anschließend mit so mancher Überraschung auf. Einige davon haben mich ehrlich schockiert, weil ich das im Vorfeld nicht habe kommen sehen. Einige waren weniger überraschend, haben mich aber trotzdem wirklich ärgerlich gemacht. So eine heuchlerische Bande aber auch!
Bis hierher klingt das alles ja wirklich prima. Aber eingangs habe ich ja bereits gechrieben, dass ich auch gewisse Probleme mit der Geschichte hatte. Ich konnte nämlich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig in die Fänge einer Sekte begeben kann. Allgemein nicht, was vermutlich daran liegt, dass mir dieser Grad an Verzweiflung völlig fremd ist (zum Glück!), den es dafür braucht.
Im Falle von Melina aber auch deshalb nicht, weil ihr doch schon nach kurzer Zeit dort klar sein muss, wie man sie dort behandelt, wie man Menschen allgemein dort behandelt. Und dass ihr Bruder sich längst so weit von ihr entfernt hat wie es nur geht! Alleine um ihr eigenes Wohl, hätte ich ihr manches Mal gerne zugerufen, sie solle Bruder Bruder sein lassen und sich dort vom Acker machen. Schließlich ist sie mutig und clever und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie kann so jemand widerum gleichzeitig so dumm sein? Nein, das habe ich nicht verstanden. Und so habe ich mir innerlich alle naselang an die Stirn getippt und mich irgendwie auch geärgert.

Lesen ließ sich “Engelmord” jedenfalls wie nichts. Melina erzählt sehr lebendig, locker und mit einem Funken bösen, teilweise ein wenig bitteren Humor. Die Kapitel sind teilweise etwas länger, was aber gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Kapitel auch ein gutes Stück in der Geschichte vorankommt.

Für mich passen weiße Cover ja nicht so wirklich zu einem Thriller. Aber dieses Motiv an sich mag ich schon mit dem Flügelanhänger und dem Hintergrund, der einen gefiederten Engelsflügel zeigt. Trotzdem, etwas düsterer hätte es für mich gern sein dürfen.

Fazit:  Ich konnte die ganze Zeit nicht nachvollziehen, wie man sich freiwillig in eine Sekte begibt. Und wie man all das auf sich nimmt für jemanden, der an einem gar kein Interesse mehr zeigt. Da habe ich mich schon manches Mal geärgert. Allerdings fand ich die Geschichte auch sehr spannend und teilweise wirklich schockierend. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, sich solch ein Leben anzutun und sich davon obendrein noch eine Verbesserung seiner Situation zu versprechen? Schlimm, wenn man sich vorstellt, dass es so etwas tatsächlich gibt. Somit kann ich “Engelmord” trotz meines durchgängig leichten Ärgers wirklich empfehlen.


Titel: Engelmord
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 280
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401069180
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Dein Blick so kalt (Inge Löhnig)

blickkaltDas Praktikum in München war Lous großer Traum. Dann der Albtraum: Lous Mitpraktikantin ist eine Oberzicke, ihr Chef ein Grabscher. Dennoch gibt Lou nicht auf. Auch nicht, als sie eine unheimliche Email erhält: Ich bin immer bei dir. Mehr und mehr hat Lou das Gefühl, beobachtet zu werden, doch die Polizei nimmt ihre Angst nicht ernst. Bis Lou eines Tages verschwindet.

Es war mal wieder an der Zeit für einen Arena Thriller. Da es mir ganz besonders die X-Thriller angetan haben, fiel die Wahl auf “Dein Blick so kalt”. Diese Entscheidung habe ich zu keinem Moment bereut.
Lou gefiel mir mit ihrer selbstbewussten, direkten und mutigen Art auf Anhieb. Ich fand es toll, wie sie sich gegen ihre Eltern durchsetzt und mit Hilfe von ein paar Freunden zum Parktikum in München aufbricht.
Da nun mal nicht allem im Leben auch Gold ist, was glänzt, warten ausgerechnet beim heiß ersehnten Praktikum die ersten Probleme, und die sind von ganz besonders brisanter Art. Anfangs versucht Lou noch, damit klarzukommen, doch das entspricht nun einmal gar nicht ihrem Wesen. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn dieses Mädel sich nicht zur Wehr gesetzt hätte. Da muss man sie für ihre Traute wirklich bewundern.
Doch noch etwas anderes wirft einen Schatten auf Lous als so toll geplante Zeit in München.
In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Mädchen entführt und viel später ermordet aufgefunden. Wo Lou auch geht und steht, immer mal wieder wird sie durch Zeitungen etc darauf gestoßen.
Als Leser ahnt man da schnell, dass höchstwahrscheinlich auch Lou auf der Liste des Täters steht.
Tatsächlich bekommt sie bald unheimliche eMails und sie fühlt sich zunehmend beobachtet. Ich finde diese Vorstellung an sich schon schaurig. Wenn ich mir vorstelle, wie man sich fühlt, wenn man solche Nachrichten bekommt und sich in der eigenen Wohnung nicht mehr wohl und sicher fühlen kann, dann bekomme ich eine Gänsehaut. Entsprechend habe ich Lou zwar bewundert, wie sie zunächst nach logischen Erklärungen sucht, hätte sie aber immer gerne auch gewarnt, dass sie sich das alles keineswegs nur einbildet.
Für einen weiteren gehörigen Schuss Spannung sorgt natürlich die Frage, wer dahinter steckt. Es gibt einige Verdächtige Personen, zum Glück aber nicht zu viele. So behält man gut einen Überblick und kann leicht knobeln, wer der Täter sein könnte. Ich habe meinen Verdacht mehrmals geändert. Mal war ich mir total sicher, dass es nur der und der sein könne, weil es so offensichtlich ist. Dann dachte ich wieder, dass das ein Trick sein könnte. So ein Vorzeige-Täter lenkt schließlich leicht von anderen Charakteren ab, sodass es eine echte Überraschung wäre, wenn es einer der anderen wäre. Andererseits: vielleicht soll man auch wieder genau das denken, sich auf die übrigen Personen stürzen und nachher quasi gesagt zu bekommen: wärst du mal bei deinem ersten Verdacht geblieben! So ging es lange hin und her. Ich musste einfach weiterlesen um zu erfahren, ob ich richtig liege. Ich lag falsch, soviel kann ich verraten.
Was mir an diesem Thriller außerdem richtig gut gefallen hat ist, wie Lous Zeit in München rund um das Verbrechen beschrieben wird. München gehört eigentlich zu den Städten, die ich nicht unbedingt besuchen möchte. Aber hier wird die Stadt so schön anschaulich und vor allem sommerlich schön beschrieben, dass sie mich womöglich doch irgendwann mal reizen könnte. Und diese sommerlich-fröhliche und lockere Atmosphäre kommt wunderbar beim Leser an.
Zweimal habe ich mich allerdings gewundert. Lou ist doch Vegetarierin. Wieso kauft sie sich dann einmal ein Salami-Sandwich? Ein anderes Mal isst sie Scampi mit Risotto. Dem Chef zum Gefallen hin oder her, aber Risotto alleine hätte auch nicht unhöflich ausgesehen.

Obwohl das Buch mit seinen 367 Seiten durchaus stattlich ist, habe ich es an einem langen Abend ausgelesen. Einerseits ist es super spannend, andererseits aber auch so schön flüssig und lebendig geschrieben, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Knackig kurze Kapitel trugen ihren Teil dazu bei, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ach eins noch, na gut, noch eins...ihr kennt das sicher.

Hinter den Sinn der meist so blumigen Cover der Arena Thriller werde ich wohl nicht mehr kommen. Aber durch die kräftigen Farben sind sie auf jeden Fall auffällig im Regal. Hier spielt aber auch ein herrlich blutiges Rot eine Rolle dabei. Das passt schon viel besser zu einem Thriller.

Fazit:  Ich fand “Dein Blick so kalt” super spannend und habe die ganze Zeit geknobelt, wer hinter den Entführungen stecken könnte. Das macht Spass. Außerdem fand ich Lou von Anfang an total sympathisch und habe sie sehr oft für ihren Mut und ihre direkte Art bewundert. Selbst in der brenzligsten Situation lässt sie sich nicht einfach unterkriegen. Toll! Entsprechend habe ich auch um dieses mutige Mädchen gebangt.


Titel: Dein Blick so kalt
Autor: Inge Löhnig
Seiten: 367
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401067629
Preis: € 12,99 (Broschiert)

Schmetterlingsschatten (Veronika Bicker)

schmetterlingsschattenIm Wald hat man die Leiche eines Mädchens gefunden. Elena würde am liebsten davonrennen. Wieder kommt alles hoch, was sie krampfhaft zu vergessen versucht: Der Tod ihrer Schwester Laura vor einem Jahr. Ganz in der Nähe des Ortes, an dem man das tote Mädchen gefunden hat. Gibt es da einen Zusammenhang? Und war Lauras Tod wirklich ein Unfall?

Es war mal wieder an der Zeit für einen Arena Thriller. Meine Wahl fiel auf “Schmetterlingsschatten”, da sich der Klappentext vielversprechend anhörte.
Leider wurde dieses Versprechen für mein Empfinden nicht eingehalten. Dabei bringt die Geschichte eigentlich alles mit, was ich an einem Thriller mag. Es wird eine Leiche gefunden und ehe es Elena sich versieht, werden Zusammenhänge und Ähnlichkeiten mit dem Unfalltod ihrer Schwester Laura deutlich. Was geschah mit dem ermordten Mädchen im Wald? Führte tatsächlich ein Unfall zum Tod ihrer Schwester, oder steckte mehr dahinter? Und wieso zeigt ausgerechnet jetzt eine Clique und ein Junge Interesse an Elena, der sie bisher kaum beachtet hat? Spannende Fragen eigentlich und ich habe durchaus eine Weile geknobelt, was vorgefallen sein könnte. Außerdem konnte ich Elenas Neugierde auf die Wahrheit gut verstehen.
Allerdings konnte ich den Rest von Elenas Wesen und Verhalten kaum bis gar nicht verstehen, und genau das hat mir “Schmetterlingsschatten” letztlich verleidet. Ja, Elena ist mit ihrer egoistischen Mutter gestraft und auch Lauras Tod belastet sie noch sehr. Das ist verständlich. Daher hatte ich ihr ein wenig Aufheiterung  wirklich gegönnt. Entsprechend habe ich mich zunächst noch darüber gefreut, dass Tristan auf der Bildfläche erschien. Vielleicht würde er ein wenig Spass in Elenas Leben bringen. Gewissermaßen tut er das auch, jedoch machen er und seine Clique binnen kürzester Zeit eine solche Rebellin aus Elena, dass ich es als schlichtweg unglaubwürdig empfunden habe. Obendrein hatte ich Elena als ausgesprochen klug eingeschätzt. Jedenfalls solange bis sie sich für Tristan und seine Freunde mehrere Male in Gefahr begibt. In Lebensgefahr sogar! Wo bitte ist da plötzlich Elenas Verstand geblieben? Andererseits, irgend wie habe ich doch die ganze Zeit gehofft, dass Elenas Irrsinn sich letztlich auszahlen würde.
Es war also ein einziges Hin und Her für mich beim Lesen. Mal mochte ich Elena und konnte sie verstehen, dann wieder hätte ich sie am liebsten geschüttelt. Und insgesamt habe ich ihr diese Wandlung einfach nicht abgenommen, was mich geärgert hat.
Wenn ich mich über eine Hauptfigur ärgere, dann hilft auch der beste Krimi oder Thriller nichts mehr. Die Geschichte hat zwar einzelne spannende Momente, doch das Geschehen, wenn Elena mit Tristan zusammen ist, lenkt immer wieder davon ab. So wurden schnell andere Fragen spannend. Beispielsweise, was Elenas Mutter zu ihrer neuesten Eskapade sagen würde. Oder zu welcher Irrsinnstat sich Elena als nächstes würde hinreißen lassen. Das sind nur leider nicht die zentralen Fragen in diesem Thriller, und wenn man die so leicht aus den Augen verliert, dann spricht es nicht eben für eine wirklich interessante Geschichte.
Als wenig glaubwürdig habe ich auch den Showdown am See empfunden. Es gab einfach Figuren in dieser Geschichte, die ich mir nicht als rächender Messerschwinger vorstellen konnte. Entsprechend habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt als eine dieser Figur genau das tut.
Das Ende selber hielt dann keine weiteren Überraschungen parat. Irgendwie hatte ich mir das trotz allen Hoffens für Elena und ihre Schwester schon gedacht gehabt. Und zwar nicht, weil ich so talentiert im Knobeln und Kombinieren bin, sondern weil es erstens gar nicht anders sein konnte und zweitens von Anfang an mit dem sprichwörtlichen Handschuh zu fühlen war.

Mit seinen 206 Seiten ist “Schmetterlingsschatten” kein Wälzer. Umso ungewöhnlicher ist es, dass ich dafür mehrere Abende gebraucht habe. Aber es hat mich inhaltlich einfach nicht gefesselt. Vom Schreibstil her gibt es nichts daran auszusetzen. Außer vielleicht, dass es für einen Jugendroman eine Spur zu dröge geschrieben ist. Trotzdem liest es sich an sich ganz gut und zügig. Die Kapitel sind nicht zu lang und die den Kapiteln vorangestellten Texte lockern zusätzlich auf.

Bei diesem Titel ist es nur logisch, dass auf dem Cover ein Schmetterling zu sehen ist. Allerdings muss man genau hinschauen. Auf den ersten Blick könnte er einem entgehen. Für mich ist Pink aber nicht gerade eine Farbe für einen Thriller, und sonderlich geheimnisvoll wirkt diese Gestaltung ebenfalls nicht. Stände nicht “Thriller” drauf, könnte man das Buch auf Anhieb leicht in ein ganz anderes Genre einordenen.

Fazit: Grundsätzlich ist das Rätsel um das ermordete Mädchen und Lauras Tod durchaus spannend. Daraus hätte man etwas machen können. Leider durchläuft die anfangs kluge und vernünftige Elena im Laufe der Geschichte eine Wandlung, die ich ihr nicht abkaufen konnte. Ich habe mich oft wirklich sehr über sie geärgert. Und wenn ich mich über eine Hauptfigur ärgere, übertüncht das problemlos selbst die spannendste Handlung. Da ist es nicht verwunderlich, dass es bei dieser eher leidlich spannenden Story erst recht passiert ist.


Titel: Schmetterlingsschatten
Autor: Veronika Bicker
Seiten: 206
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401061771
Preis: € 8,99 (Broschiert)

Waldesruh (Susanne Mischke)

waldesruhAnderswo – so heißt das Häuschen, in dem Marie mit ihrer Großmutter wohnt. Doch als die Großmutter stirbt, fürchtet Marie, ins Heim zu müssen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Emily schmiedet sie einen verzweifelten Plan: Was, wenn keiner vom Tod der alten Frau erfährt? Was als verrückte Idee begonnen hat, nimmt eine schreckliche und unerwartete Entwicklung.

Manchmal muss es einfach ein Arena Thriller sein. Die von Susanne Mischke gehen sowieso immer, weil ich stets auf der Suche nach einem bin, der mit meinem Favoriten “Röslein stach” mithalten kann.
Was soll ich sagen? Im Großen und Ganzen habe ich ihn mit “Waldesruh” gefunden!
Marie, ihre große Schwester Janna und ihr kleiner Bruder Moritz leben bei ihrer Großmutter in einem kleinen Häuschen weit vom Schuss. Als die Großmutter eines Tages stirbt, befürchten Marie und Janna, dass sie ins Heim müssen. Heime kennen sie nur zu gut und dementsprechend haben sie absolut keine Lust darauf. Gemeinsam mit Maries Freundin Emily schmieden sie einen Plan. Was, wenn niemand vom Tod der Großmutter erfahren würde?
Sicher wird mancher völlig zu Recht behaupten, dass die Story total unglaubwürdig ist. Ein paar Kinder, die die tote Oma im Wald verbuddeln, sich überall durchmogeln und lange Zeit recht unbehelligt zusammenleben. Es ist schon sehr unwahrscheinlich, dass das klappt und dass solche Kids das abgebrüht durchziehen. Trotzdem hat mir genau das an dieser Geschichte gefallen. Das ist krass, das ist ganz schön schräg und oft bleibt einem dem Mund vor Staunen offen stehen. Wer außerdem mit einer Prise schwarzen Humors gesegnet ist, der hat hier auch manches Mal etwas zum Lachen. Bei “Röslein stach” war es genauso. Deshalb war “Waldesruh” ganz nach meinem Geschmack.
An Spannung mangelt es ebenfalls nicht. Immerhin fragt man sich ständig, ob und wie lange die Freunde mit ihrem Spielchen durchkommen. Es gibt so manche brenzlige Situation. Aus einigen winden sie sich nur mit viel Glück heraus, andere meistern sie, indem sie ungeahnte Talente an den Tag legen. Kreativ sind sie also auf jeden Fall. Ich habe außerdem immer darauf gewartet, irgendwann den Moment  zu erleben, an dem sie an den Rand ihres Einfallsreichtums geraten.
Der tritt ein als sich ein Landstreicher bei ihnen einnistet, der mit allen Tricks nicht dazu zu bewegen ist, wieder zu gehen. Mit ihm nimmt dann das eigentliche Drama der Geschichte seinen Lauf. Ehe Marie, Janna, Emily und Moritz es sich versehen, haben sie es mit echten Verbrechern zu tun. Doch um was geht es denen? Auch das sorgt nochmal für einen Schuss Spannung. Vorhersehbar ist die Handlung zu keinem Zeitpunkt.
Für mich erhielt “Waldesruh” mit der Erkenntnis, um was es den Verbrechern geht, dann leider einen Dämpfer. Nach der bislang so schrägen Story mischt plötzlich ein ganz hundgewöhnliches Verbrechen mit. Das habe ich als zu schlicht empfunden. Für mich nahm es der Geschichte das Besondere.  Mir hätte da ein etwas schauriger Einschlag weit besser gefallen, beispielsweise.

Ich habe “Waldesruh” an einem Abend ausgelesen. Eine Geschichte, die zu drei Vierteln solchen Spass macht, die liest sich einfach weg wie nichts. Zahlreiche Dialoge lockern zusätzlich auf und der jugendliche Ton tut ein Übriges dazu. Außerdem gibt es keine Kapitel, also ist nichts da, was einen zu einer Lesepause verleiten könnte.

So rot ist das Buch ein echter Hingucker im Regal und zieht schon alleine damit die Aufmerksamkeit auf sich. Ich mag aber dieses kleine Häsuchen mit dem engen Zaun drumherum ebenfalls sehr gerne. Es sieht aus wie ein Spielzeughaus und hat einen leichten 3D-Effekt.

Fazit:  Ich hatte mit “Waldesruh” einen sehr vergnüglichen und spannenden Abend. Die Geschichte ist herrlich schräg, krass und schwarzhumorig, ohne dabei aber je wirklich unglaubwürdig oder platt zu wirken. Diese Geratwanderung muss man erstmal schaffen. Im Vergleich dazu war mir das Verbrechen eine Spur zu gewöhnlich, aber immerhin blieb es spannend. Deshalb sehe ich das nicht so eng.


Titel: Waldesruh
Autor: Susanne Mischke
Seiten: 206
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401063362
Preis: € 8,99 (Broschiert)

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Prinzentod (Beatrix Gurian)

prinzentodVerbotene Liebe führt selten zu etwas Gutem. Das weiß Lissie, als sie Kai das erste Mal begegnet und doch schafft sie es nicht, ihm zu widerstehen. Bis ein entsetzlicher Unfall geschieht, der alles, was verborgen war, ans Licht bringt. Aber Lissie ahnt noch nicht, dass dies alles nur der Anfang ist.

Nachdem ich vom zuvor gelesenen Arena Thriller “Sommernachtsschrei” wenig angetan war, habe ich “Prinzentod” mit verhaltenen Erwartungen zur Hand genommen. Allerdings ist es ihm schnell gelungen, mich zu beeindrucken. Denn hier nimmt das Unheil durch eine Liebe ihren Anfang, die ich in einem Jugendthriller so gar nicht erwartet hätte. Ob sie nun “verboten” ist wie der Klappentext sagt, das sei dahingestellt. Passieren kann so etwas immer und seit wann kann man Gefühle bitte verhindern bzw verbieten? Aber für ein Jugendbuch ist sie recht ungewöhnlich, das stimmt. Ich fand die Idee gerade deshalb wirklich gut.
Doch dann ereignet sich ein Unfall und Lissies geliebter Kai kommt dabei um’s Leben. Und als sich herausstellt, dass es gar kein Unfall war, droht Lissies Geheimnis ans Licht zu kommen. Das alleine wäre bereits eine Katastrophe. Noch schlimmer daran ist aber, dass sie gerade bei Kais Familie wohnt! Die darf davon auf keinen Fall erfahren. Mir tat Lissie ganz schön leid, denn irgendwie ist von vorneherein klar, dass irgendwann alles rauskommen würde bzw dass sie irgendwann würde Farbe bekennen müssen. Genau wie sie war ich hin- und hergerissen, ob ich mit ihr fühlen durfte, oder ob ich es wichtiger finden sollte, dass die Familie davon erfährt. Allerdings ist auch in der Familie längst nicht jeder ein Fan von Kai, und einige Personen benehmen sich nach seinem Tod plötzlich höchst sonderbar und verdächtig. So weiß Lissie schnell nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.
Ich muss allerdings zugeben, so sehr ich mich in Lissie hineinversetzen konnte, hin und wieder war es mir doch zuviel mit dem Geheule. Immerhin weiß sie, was sie getan hat und dass es nicht richtig war. Und sie ist alt genug um einzusehen, dass ständiger Katzenjammer es weder rückgängig, noch besser macht.
Zum Glück wurden diese Szenen weniger als ihre Aufmerksamkeit von “ich muss das unbedingt geheim halten, egal wie” hin zu “hier stimmt doch etwas nicht und ich muss rauskriegen, was es ist” wechselte. Und ihre Nachforschungen fand ich dann wirklich sehr spannend. Man hat gleich mehrere Verdächtige über die man nach und nach ein paar Dinge erfährt, die einen knobeln lassen, wer Kai zu seinem “Unfall” verholfen haben könnte. Dabei gibt es Szenen, die tatsächlich ganz schön schauerlich sind, und das mag ich bei Thrillern einfach gerne.
Die Auflösung war dann zwar keine allzu große Überraschung -auf die Person kann man schon kommen-, aber erstens haben mich die Hintergründe der Tat überrascht und zweitens hat es das Finale ordentlich in sich mit einer richtigen Hetzjagd auf Lissie. Und in’s Zweifeln über meinen bisher gehegten Verdacht hat es mich auch noch mal kurz gebracht. Auch das gefällt mir immer gut. Wenn man sich so sicher ist und plötzlich sieht es gar nicht mehr danach aus.

Genau wie “Sommernachtsschrei” ist “Prinzentod” in der Ich-Perspektive und in Gegenwartsform geschrieben. Das sind zwei Elemente, die sich für mich unheimlich leicht lesen lassen und sofort Tempo in eine Geschichte bringen. Trotzdem habe ich mir für das Buch zwei Abende Zeit genommen, statt es wie viele andere Arena Thriller an einem Abend auszulesen. Ich finde, es verdient das, weil Lissies und Kais Liebe eine gewisse Ernsthaftigkeit an sich hat, die keine einfache Teenie-Romanze hat.

Das Covermotiv passt gut zum Titel. Auch wenn ich nicht auf Anhieb erkannt habe, was es darstellen soll. Auf den zweiten Blick habe ich dann einen Ausschnitt aus so einem Prinzenmantel darin erkannt. Und das kräftige Rot fällt außerdem sofort auf.

Fazit:   Ein sehr spannender Arena Thriller um die tödlichen Folgen einer Liebe, die man im Jugendbuch-Genre höchst selten antrifft. Das hat “Prinzentod” für mich zu einer besonderen Geschichte gemacht, die aus der Reihe heraussticht. Man kann hier gut mitknobeln und das Finale hat es dann nochmal so richtig in sich.


Titel: Prinzentod
Autor: Beatrix Gurian
Seiten: 240
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401062150
Preis: € 8,99 (Broschiert)

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