Arena Verlag

Seven Souls – Sieben Gründe Mary Shaye zu hassen (Barnabas Miller, Jordan Orlando)

sevesoulsMary war nicht nur das beliebteste und hübscheste Mädchen der Schu­le, sondern auch das am meisten gehasste und deshalb musste sie sterben. Aber ihr Tod ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Ein Fluch sorgt dafür, dass sie den Tag, an dem sie starb, immer wieder erleben muss. Aus der Perspektive ihrer sieben Freunde lernt sie eine ganz andere Mary Shayne kennen. Und bekommt sieben Mal vor Augen geführt, dass jeder gute Gründe hatte, sie zu hassen.

Ich bin -auch wenn nicht alle gleich gut sind- ein großer Fan der Arena Thriller. Über “Mary Shaye” hatte ich viel Gutes gehört und so habe ich mich sehr gefreut als ich es ertauschen konnte. Leider kann ich es nun nur als Tiefpunkt der Thriller-Reihe bezeichnen.
In der ersten Hälfte der Geschichte lernt man Mary, ihre Freunde und ihr Leben kennen. Das ist in erster Linie von Partys, Klamotten und teuren Accessoires geprägt. Gut, sowas war nach dem Klappentext zu erwarten, dennoch wurde mir in vielen Belangen unnötig übertrieben bzw gewisse Elemente und Luxusgüter wurden immer und immer wieder erwähnt. Das muss in dieser Häufung nicht sein. Da wäre in vielerlei Hinsicht weniger mehr gewesen.
Weiterhin hatte ich nach Titel und Klappentext eine wirklich unsympathische und vielleicht sogar boshafte oder hinterhältige Mary erwartet. Eben eine Mary, bei der ich gute Gründe sehe, weshalb man sie hasst. Doch das war in meinen Augen nicht der Fall. Mary ist hier und da mal eingebildet und arrogant und vor allem ziemlich oberflächlich, aber längst nicht in dem Maß, dass ich einen Hass ihr gegenüber nachvollziehen konnte. Ab und zu macht sie sich sogar Gedanken darüber, dass dieses Leben eigentlich nicht zu ihr passt und ihr ein paar Dinge auch nicht so richtig gefallen, und das finde ich bemerkenswert einsichtig. Während mit der Schilderung des ganzen Luxus usw übertrieben wird, wird bei Marys Charakter absolut untertrieben, auch weil auf viele Punkte ihres Wesen nicht genug eingegangen wird um sie dem Leser ein Stückweit unsympathisch zu machen. Für mich blieb sie sogar ziemlich blass und ich konnte kaum nachvollziehen, wie sie zur High School Queen werden konnte.
In der Mitte kam dann kurz etwas Spannung auf, nämlich als Mary Shaye stirbt. Im Verhältnis zum Rest der Geschichte ist dies aber der kleinste Teil, deshalb hat das für mich insgesamt nichts rausreißen können.
Mit dem Titel des ersten Kapitel vom zweiten Teil der Geschichte war mir sofort klar, worauf es hinauslaufen würde. Jedenfalls vom Ablauf her. Die Idee ist nicht neu. Inhaltlich wurde mir hier dann wieder viel zu sehr übertrieben. Was man hier über Marys Freunde erfährt, das ist ein Hammer nach dem anderen. Und das stand für mich in keinem Verhältnis dazu, was ich anfangs über Mary erfahren habe und wie ihre Freunde dort wirkten. Somit konnte ich das dem zweiten Teil der Story nicht abnehmen.
Ganz vorbei war es dann als ich herausstellte, dass ein Fluch an den seltsamen Vorkommnissen Schuld ist. Mit sowas kann man mich meilenweit jagen: Flüche, magische Sprüche, seltsame Schriftzeichen, nein danke! Da hätte es gut eine andere Auflösung geben können. Eine modernere, die besser in Marys Welt gepasst hätte, da bin ich sicher! Außerdem war mir im Nullkommanichts klar, wer dahinterstecken musste. Dafür muss man kein Genie sein. Ein absolut nichtssagender, leichtgläubiger und angesichts von Marys Tods geradezu entspannt wirkender Polizeiermittler hat mir dann endgültig die Schuhe ausgezogen.

Da mich die Geschichte nicht fesseln konnte, fiel es mir sehr schwer, das Buch zu lesen. Ich habe ungewöhnlich lange dafür gebraucht. Dabei ist es gar nicht mal so umständlich geschrieben. Mary erzählt durchaus jugendlich und locker. Allerdings habe ich mich bald über die ständigen Satzergänzungen in Klammern geärgert. In dieser Masse muss das bestimmt nicht sein.

Das Cover sieht mit der schattenhaften Gestalt und den Wirbeln am unteren Rand geheimnisvoll aus. Es hatte mich damals sofort begeistert und neugierig auf das Buch gemacht. Ich mag es immer noch, auch wenn die Geschichte ihm nicht ansatzweise gerecht wird.

Fazit:  Für mich war “Was geschah mit Mary Shaye” ein Schuss in den Ofen. Dem ersten Teil der Geschichte ist es nicht gelungen, mir Mary so unsympathisch zu machen, dass ich den Hass ihr gegenüber im zweiten Teil hätte nachvollziehen können. In vielerlei Hinsicht wurde mir zu sehr übertrieben und die Sache mit dem Fluch hätte ich nicht haben müssen. Das passt nicht zu Mary sonst so modernem Leben.


Titel: Seven Souls – Sieben Gründe, Mary Shaye zu hassen
Autor: Barnabas Miller, Jordan Orlando
Seiten: 416
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401064482
Preis: 16,99 (HC)

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Leipziger Buchmesse 2014 – Vierter Tag

Der Sonntagmorgen brachte zwei Erkenntnisse:

1. Die Schmerzen in den Füßen konnten eigentlich nicht mehr schlimmer werden, also auf, auf, Marsch, Marsch zur Messe!

2. Am letzten Tag wollten wir gar nicht mehr am Eingang von Halle 3 parken, wir hatten uns an jwd bei Halle 5 gewöhnt und parkten freiwillig dort!

Da es der gleiche Weg wie am Vortag war, konnten wir uns als erstes den Stand von dotbooks ohne Belagerung anschauen. Schön! Und ein paar ihrer eBooks habe ich mir bereits vorgemerkt!

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Matthias Jösch im Interview bei dotbooks!

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Am Vortag hatten wir Plakate mit dem Hinweis auf eine Lesung mit Udo Schenk entdeckt. Sicher kennen die meisten ihn als Schauspieler, ich kannte ihn bisher nur aus verschiedenen Hörspielen und Hörbüchern, wo er einen wunderbaren Bösewicht abgibt. Auf der Messe las er aus “Die Frau des schönen Mannes” von Mario Schneider. Zugegeben, von dem Buch hatten wir noch gar nichts gehört. Aber wieso nicht mal reinschnuppern? In erster Linie waren wir aber wegen Udo Schenk dort, wie viele andere Leute auch 😉

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Nach der Lesung wurde noch signiert und sogar für ein Foto war Zeit. Dafür musste man allerdings etwas warten.
Für die Fans hat sich das bestimmt gelohnt.
Ich war ja etwas enttäuscht. Da trifft man den Vorzeigebösewicht mit der fiesen Stimme schlechthin…und dann kommt der so nett und locker daher 😉

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Nach dieser Veranstaltung haben wir uns einfach treiben lassen. Hier seht ihr ein paar Eindrücke davon.

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Kai Meyers Bücher waren bislang nicht so mein Fall, aber “Phantasmen” klang so interessant, dass ich es gerade auf dem Kindle lese. Ich hoffe, es enttäuscht mich nicht.

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Von Thomas Thiemeyer kenne ich bisher nur “Eden” Band 1″, der nicht mein Ding war. “Valhalla” reizt mich nun aber doch.

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“Dead Eyes – Der Fluch der Maske” von  Chris Priestley aus dem bloomoon Verlag. So ein schönes Cover! Die Geschichte werde ich bald als Hörbuch genießen. Aber vielleicht lese ich sie trotzdem noch, wenn sie mir gefällt. Das Buch ist einfach ein Hingucker.

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Manuela Martini gerade noch so am Stand des Arena Verlags “erwischt”. Auf ihr neues Buch “Die Insel” bin ich ja scharf wie sonstwas 😉
Obwohl es keine Veranstaltung war, gab es trotzdem ein Autogramm.

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Dieses Buch schlich sich am Stand des Oetinger Verlags klammheimlich auf meinen Wunschzettel.Auf eine Abenteuergeschichte für Kinder hätte ich mal wieder richtig Lust. Und  dann geht es auch noch um Kängurus!

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Im Forum Hörbuch & Literatur las an diesem Tag Kornelia Boje aus “Petronella Glückschuh” aus dem Glückschuh Verlag. Diesen Verlag möchte ich euch dringend ans Herz legen. Dort erscheinen Bücher und Hörbücher, die nicht nur wunderschön und liebevoll gemacht sind, sondern nebenbei auch noch lehrreich sind. Auf erfreulich dezente und lustige Art.

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Gruppenfoto mit Autorin Dorothea Flechsig, Sprecherin Kornelia Boje und meiner Wenigkeit 🙂

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Ganz in der Nähe befand sich auch die Hörspiel Arena, der wir über die Tage immer mal wieder einen Besuch abgestattet haben.
Klein ist sie geworden über die letzten Jahre hinweg.

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Abschließend sind wir noch durch einen der Shops gestromert, wo Autor Markus Heitz gerade im Gespräch war.

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Und bei der Fantasy Leseinsel signierte gerade Autorin Bettina Belitz ihr “Vor uns die Nacht”. Fotos und Autogramme gab es ebenfalls.

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Insgesamt war die Leipziger Buchmesse mit den Veranstaltungen von “Leipzig liest” wieder eine rundum gelungene Messe, bei der es viel Neues zu entdecken gab.
Dafür nimmt man schmerzende Füße und einen krummen Rücken gerne in Kauf.

Leipziger Buchmesse 2015 kann kommen!
😉

Die Einzige – In deinen Augen die Unendlichkeit (Jessica Khoury)

dieeinzigeAls Pia ihm begegnet, weiß sie nicht, wohin sie blicken soll. Diese unglaublich blauen Augen. Die wilden Zeichen, die seinen Körper bedecken. Seine Lippen, die ihren Namen so aussprechen wie niemand zuvor. Pia weiß, dass Eio sterblich ist. Im Gegensatz zu ihr, der ersten und einzigen Unsterblichen. Sie weiß, dass sie zusammen keine Zukunft haben. Doch obwohl alles gegen sie spricht, ist ihre Liebe das Einzige, wofür Pia kämpfen wird.

Dieses Buch hat lange im Regal gestanden ehe ich es gelesen habe. Einerseits reizte es mich schon, andererseits klang es mir doch nach zu viel Fantasy. Nachdem ich es nun gelesen habe, tut es mir leid, dass es solange im Regal gestanden hat. Mir hat die Geschichte wirklich gut gefallen.
Und das, obwohl ich anfangs mit Pia wirklich meine Schwierigkeiten hatte. Natürlich ist sie die einzige ihrer Art, unverletzbar, unsterblich und mit unglaublichen Fähigkeiten ausgestattet. Und natürlich wird ihr das seit Kindesbeinen an immer wieder gesagt. Dass man dann eine gewisse Überheblichkeit entwickelt, das ist vermutlich normal. Trotzdem, ich mag Überheblichkeit und Arroganz nicht. Deshalb dauerte es eine Weile bis ich mich mit Pia wirklich angefreundet hatte.
Über diese Startschwierigkeiten hat mich die Idee eines perfekten Menschen aber gut hinweggetröstet. Sicher hätte es seine Schattenseiten, wenn es der Wissenschaft wirklich mal gelingen würde, einen solchen perfekten Menschen zu erschaffen, aber die Vorstellung finde ich doch ganz cool. Mit so etwas kann man mich leicht begeistern.
Zu Beginn gewährt die Geschichte zunächst einen Einblick in Pias Leben in dem Camp im Dschungel, in dem sie erschaffen wurde und wo fleißig weitergeforscht wird. Nun bin ich kein Fan davon, wenn mir ein Ort wie ein Dschungel Blatt für Blatt, Palme für Palme und Blume für Blume beschrieben wird, doch da hat diese Geschichte genau das richtige Maß getroffen. Der Dschungel wird anschaulich beschrieben, sodass ich mir ein gutes Bild davon machen konnte. Ich habe ihn mir wunderschön vorgestellt. Wissenschaft und Forschung spielen aber natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle, und darauf wird ebenso intensiv eingegangen.  Das wog für mich die eine oder andere zu ausführliche Schilderung des Dschungels schnell auf.
Eines Nachts hat Pia unerwartet die Chance, das Camp zu verlassen. Dieser gefährliche und vor allem verbotene Ausflug hat natürlich prompt Folgen, denn Pia trifft auf den Eingeborenen Eio, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Das stürzt Pia in ungeahnte Schwierigkeiten. Denn natürlich wird das Loch im Zaun geflickt, durch das sie entkommen ist. Eio scheint unerreichbar, und schon beginnt es in Pia zu brodeln. Davon dürfen die anderen Menschen im Camp natürlich nichts mitbekommen. Plözlich hinterfragt sie ihr bisher so friedliches Leben im Camp, die angeblichen Vorteile ihre Perfektion und das Verhalten der übrigen Wissenschaftler zueinader. Aber sie sieht natürlich auch noch die Vorzüge ihres Lebens und hofft darauf, ebenfalls eine talentierte Forscherin zu werden. Ich finde, diese Widerspruch in Pia wird schön deutlich gemacht.
Weiteren Zündstoff erhält die Geschichte durch eine neue Wissenschaftlerin im Camp. Denn Tante Harriet kommt geradewegs aus der Stadt, ist völlig normal und kann nicht glauben, was der jungen Pia im Camp angetan wird. Ich mochte Harriet sofort. Sie brachte vom ersten Moment an Schwung in die Handlung. Und sie setzt Pia prompt neue Flausen in den Kopf.
Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass in dem Camp irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Pia entdeckt einen verfallenen Flügel des Komplexes und stößt auf das Geheimnis um ihre Unsterblichkeit. Doch was ist in diesen Flügel geschehen? Und was steckt hinter ihrer Unsterblichkeit? Was verbergen die Wissenschaftler? Und wie hängt das alles mit Eio und seinem Dorf zusammen?
Die Entdeckung, die Pia letztlich macht, kann man einfach nur als grausam bezeichnen. Da reißt es selbst bei mir nichts mehr raus, dass das alles im Sinne der Forschung geschieht. So etwas hätte ich hinter Pias Unsterblichkeit niemals vermutet.
Pia selber natürlich auch nicht und so kommt es zu einem dramatischen Ende als sie sich dagegenstellt. Von den vernünftigen Wissenschaftlern bleibt da kaum noch etwas übrig, und man hat gut Gelegenheit, sich um Pia und Eio zu sorgen.
Die Liebesgeschichte kommt in dieser Geschichte eher dezent daher. Große Gefühle, Kitsch und Romantik trifft man kaum an. Und doch ist sie so süß, dass ich Pia und Eio ihr Glück sofort gegönnt habe.

Obwohl das Buch mit 435 Seiten ein ganz schöner Wälzer ist, hatte ich es nach drei Abenden ausgelesen. Pia erzählt ihre Geschichte schön lebendig und anschaulich. Und obwohl sie ja perfekt ist, klingt sie dabei meist typisch jugendlich, und Humor hat sie ebenfalls. Da kann man hier und da sogar mal schmunzeln. Die Kapitel sind nicht gerade kurz, aber auch nicht zu lang. Ich fand sie genau richtig, denn mit jedem kommt man ein gutes Stück im Buch voran.

Beim Cover bin ich hin- und hergerissen. Ich mag die kräftig grüne Dschungelkulisse wirklich schön. Das sieht richtig exotisch aus, und ich wäre gerne mal dort. Mir gefällt nur diese Lichtgestalt nicht. Warum durfte es keine richtige Mädchengestalt sein? Weil man Perfektion nicht in ein Bild fassen kann? Mir hätte die Gestalt eines hübschen Mädchens jedenfalls sehr viel besser gefallen. So wirkt es wie ein Loch im Motiv.

Fazit:  Mir hat “Die Einzige” wirklich gut gefallen. Die Idee eines perfekten Mädchens war genau nach meinem Geschmack und zudem mal eine nette Abwechslung in diesem Genre. Es war spannend zu verfolgen, in welche Schwierigkeiten Pia sich durch ihre Gefühle für Eio bringt, und welch unglaubliche Geheimnisse hinter dem Zaun um das Camp dadurch ans Tageslicht kommen. ein gleichermaßen dramatisches, wie auch hoffnungsvolles Ende rundete das positive Bild dann letztlich ab.


Titel: Die Einzige – In deinen Augen die Unendlichkeit
Autor: Jessica Khoury
Seiten: 435
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401068695
Preis: 17,99 (HC)

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Frostherz (Bettina Brömme)

Frostherz (Bettina Brömme)Anne ist nicht wie andere Mädchen. Sie lebt zurückgezogen, ihr Vater überwacht jeden ihrer Schritte. Doch dann lernt sie Cornelius kennen, und mit ihm gemeinsam wagt sie es endlich, sich aufzulehnen. Was sie nicht ahnt: Den Vater quält ein schreckliches Familiengeheimnis, und es gibt jemanden, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um dieses Geheimnis für immer zu wahren.

Auch wenn mich nicht jeder Arena Thriller umgehauen hat, so bin ich dieser Bücherreihe doch total verfallen. Ich weiß, es sind Perlen darunter, und die möchte ich alle entdecken. Deshalb führte auch an “Frostherz” kein Weg vorbei. Und weil Blau meine Lieblingsfarbe ist 😉
Die Geschiche beginnt mit einem traurigen Ereignis, nämlich dem Tod von Annes Oma, mit dem sie und ihr Vater nun zurechtkommen müssen. Dieser Anfang hat mir deshalb gut gefallen, weil man Menschen in solchen Extremsituationen oft am besten kennenlernt. So hatte ich bald ein gutes Bild von Anna und ihre Vater und ihrem Verhätnis zueinander vor Augen, an dem jedoch etwas nicht stimmte. Ich konnte das zunächst nicht richtig greifen. Es gab zwar immer mal Momente, in denen ich dachte “das kann doch nicht wahr sein” oder “was soll denn das?”, aber es war nichts Handfestes.
Es dauerte bis zu Cornelius erstem Auftritt bis ich es endlich hatte: Anne wird trotz ihrer siebzehn Jahre von ihrem Vater überwacht wie ein Kleinkind. Wenn nicht sogar noch schlimmer. Und bei alles Sympathie Anne gegenüber, so habe ich nicht verstanden, wieso sie sich das in ihrem Alter gefallen lässt. Ich hätte sie dafür mehrfach gerne geschüttelt. Wie kann sie das so einfach akzeptieren, ja sogar normal finden?
Gut, dass Cornelius in Anne Leben tritt. Ich mochte diesen lockeren Paradiesvogel mit den verrückten Ideen und dem unkonventionellen Verhalten sofort. Kam mir Annes Welt bis dahin grau vor, so kam nun endlich Farbe hinein. Wortwörtlich. Und endlich, endlich begann Anne daran zu zweifeln, ob es richtig ist, wie sie mit ihrem Vater lebt.
Doch mit Annes Freundschaft zu Cornelius kommt noch etwas anderes in Gang, worüber ich lange gegrübelt habe. Was geht da vor sich? Plötzlich muss man sich die Frage stellen, wieso Annes Oma sterben musste. Und kann man Annes Vater trauen? Was verbergen Cornelius und sein Vater? Und wie hängt das eigentlich alles zusammen? Ich habe wirklich gegrübelt und geknobelt, was mir bei einem Thriller oder Krimi immer viel Spass macht. Und ich habe so gehofft, dass Cornelius keine krummen Touren fährt. Weiteren Stoff zum Rätseln steuern kurze “Zwischenkapitel” bei, die aus Sicht einer Person erzählt sind, die einem in der Geschichte sonst nicht begegnet. Wer ist es? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Einschüben und der Handlung um Anne?
Ebenso spannend fand ich es zu verfolgen, wie Anne sich dank Cornelius zusehends mausert, ihren eigenen Kopf entwickelt und sich -wenn auch zunächst heimlich- gegen ihren Vater auflehnt. Dass das über kurz oder lang in kleineren Katastrophen enden würde, ist dabei zwar klar, aber das gehört bei einem Teenager auch dazu! Und durch diesen neu gewonnenen Mut geht es Anne mit Cornelius zusammen an, den Rätseln auf den Grund zu gehen, die sich immer mehr um sie herum verdichten.
Dabei kommt man der Sache auch als Leser nach und nach auf die Spur. Und auch wenn ich nicht jedes Detail der späteren Auflösung “ermitteln” konnte, so stand für mich irgendwann zumindest fest, welche Ungeheuerlichkeit hinter den ganzen seltsamen Vorfällen steckt. Nun ist das zwar ein heikles und schreckliches Thema, daran kann kein Zweifel bestehen, aber leider auch eines, das einem schon in so vielen Thriller, Krimis -sei es als Buch oder im TV- begegnet ist, dass ich fast automatisch mit einem “Nicht schon wieder…” abwinke. Doch das ist natürlich mein ganz persönliches Empfinden. Und wie gesagt: selbstverständlich ist es absolut grausam, das ändert sich dadurch nicht. Hier könnte es obendrein gut dafür sein, dass die jugendlichen Leser die Augen offen halten. Das wäre toll!

Anfangs ist mir das Lesen schwer gefallen. Einfach weil mir Annes Leben so trostlos erschien. Als mit Cornelius dann Leben reinkam, fiel es mir gleich viel leichter. Die Kapitel sind nicht unbedingt kurz, aber dafür kommt man mit jedem Kapitel ein gutes Stück in der Geschichte voran. Das hat sein Gutes. Und die eingeschobenen Kapitel mit dem unbekannten Erzähler lockern zwischendrin auf.

Wie gesagt ist Blau meine Lieblingsfarbe. Außerdem finde ich, dass die Farbe zu einem so frostigen Titel prima passt. Genau wie die einfallsreiche Darstellung von einem Frostherz. Wirklich eine schöne Idee!

Fazit:  Der Anfang der Geschichte fiel mir schwer, weil ich Annes Duldsamkeit absolut nicht nachvollziehen konnte. Das hat mich regelrecht genervt. Aber natürlich braucht es so eine Ausgangssituation, damit das nachfolgende Geschehen sich überhaupt entwickeln kann. Mit Cornelius kam zum Glück schnell Leben in die Geschichte. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie sich aus seltsamen Kleinigkeiten allmählich das Bild einer wahren Ungeheuerlichkeit zusammenfügt. Es bleibt abr auch dabei, dass man des Rätsels Lösung hier nicht zum ersten Mal begegnet. Viele Thriller befassen sich mit diesem Thema.


Titel: Frostherz
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 284
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401068411
Preis: € 9,99 (Broschiert)

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Stille Nacht – Mörderisch schöne Weihnachtsthriller

stillenachtVon wegen Stille Nacht! Für Sally, Alina, Holly, Giulia und Nele sind die Weihnachtstage alles andere als besinnlich.
Ausgerechnet am Weihnachtsmorgen stirbt Hollys Lieblingsschauspielerin unter mysteriösen Umständen. Vor Sallys Haustür steht pünktlich zur Bescherung ein böser Weihnachtsmann. Und Nele erhält einen Adventskalender hinter dessen Türen nicht nur angenehme Überraschungen lauern.

Ich bin Fan der Arena Thriller, deshalb war dieses Weihnachtsthriller-Sammlung ganz fest für die Adventszeit eingeplant.
Die Sammlung enthält fünf knackig kurze Thriller von Beatrix Gurian, Manuela Martini, Bettina Brömme, Ulrike Bliefert und Nora Miedler. Wer sich etwas bei den Arena Thrillern auskennt, dem werden diese Namen sofort etwas sagen.

“Nur noch einmal wird es dunkel, nur noch einmal wird es Nacht” (Beatrix Gurian)

Dieser Thriller hat mir ganz gut gefallen. Nele erhält von einen wunderschönen Adventskalender. Die ersten Geschenke sind noch schön und süß, doch bald werden sie von arg ungewöhnlichen Geschenken abgelöst, die etwas Bedrohliches an sich haben. Ich fand es spannend wie Nele herauszufinden versucht, wer hinter dem Kalender steckt. Da kann man auch als Leser ein wenig mitknobeln. Außerdem bringt sich Nele auch in die eine oder andere gefährliche Situation, was für zusätzlichen Nervenkitzel sorgt. Durch den Adventskalender kommt außerdem noch ein Schuss (vor)weihnachtlicher Stimmung in die Geschichte. Also rundum ein waschechter Weihnachtsthriller.

“Bloody Christmas to you” (Manuela Martini)

Dieser Thriller ist vor alles eines: ungewöhnlich! Anfangs war ich total verwirrt und wusste gar nicht, mit wem ich es zu tun habe. Außerdem waren es mir zuviele Namen auf einen Schlag um mich sofort zurechtzufinden. Erst als mir ein Licht aufging, von wem hier eigentlich erzählt wird, bekam ich Ordnung in die Namen. Und musste sehr schmunzeln. Das ist wirklich mal eine neu Perspektive, mit der man nicht rechnet. Was die kleine Truppe ausgeheckt hat, das habe ich bald geahnt. Dafür fand ich die Geschichte in der Geschichte um den Weihnachtsmann ganz spannend, die letztlich erklärt, wie es zu dem Zwischenfall im Haus kam.

“Es kommt ein Schiff geladen” (Ulrike Bliefert)

Man sollte denken, wenn eine Geschichte mit der Bescherung beginnt, dann kann sie nur weihnachtlich sein. Das trifft auf diese Geschichte allerdings nicht zu. So sehr ich die witzige Erzählweise mochte, so leid tat es mir um das Weihnachtsflair, das dabei gar nicht aufkommen wollte. Dabei blieb es dann auch, weihnachtlich wird es hier gar nicht. Dafür ereignen sich um Alina seltsame und erschreckende Dinge. Ich hatte bald eine Ahnung, was da vor sich geht, und die hat sich dann auch prompt bestätigt. Schade, denn so kam leider kaum Spannung auf. Für mich war “Es kommt ein Schiff geladen” auch mehr ein Krimi als ein Thriller.

“Morgen, Kinder, wird’s was geben” (Bettina Brömme)

Hier ging es weiter mit den wenig weihnachtlichen Weihnachtsthrillern. An Weihnachten eine Südsee-Party, na dann. Vielleicht bin ich über das Altern, in dem man Weihnachten spießig findet, einfach raus? Kann sein. Glücklicherweise -zumindest für den Leser- taucht bald ein äußerst böser und gewaltbereiter Weihnachtsmann auf, der für Angst auf der Südsee-Party sorgt. Mir hat es gefallen, dass er sich bei seinem Terror wahrlich nicht lumpen lässt. Außerdem fand ich die Frage spannend, wer in dem Kostüm und hinter der Maske steckt. Ich habe wild verdächtigt. Die Hintergründe der Tat sind sicher ein ernstes Thema, das Jugendliche heute schnell betreffen kann, aber irgendwo hat es für mich auch etwas Belehrendes, und das brauche ich nicht.

“O Santissima” (Nora Miedler)

Kommen wir zu meinem Favoriten in dieser Thrillersammlung, auch wenn ich mit dieser Meinung wohl etwas alleine dastehe. Aber für mich hat ein rappelvolles Einkaufszentrum halt durchaus etwas Weihnachtliches an sich. Und nachdem ich das bei den vorigen Geschichten vermisst hatte, habe ich mich darüber hier sofort gefreut. Ich konnte Giulias Schrecken gut nachempfinden als ihr kleiner Bruder in dem Center verschwindet. Und ich war hin- und hergerissen, wen ich verdächtigen sollte. Wer könnte damit zu tun haben? Und warum? Es machen sich ja gleich mehrere Personen verdächtig. Das ist einfach spannend.

Vom Cover war ich sofort begeistert. Das kräftige Rot der Kerzen und der Schrift vor dem dunkeln Hintergrund mit den goldenen Ornamenten, das sieht weihnachtlich aus, lässt aber auch durchblicken, dass es auf diesen Seiten recht finster zur Sache geht.

Fazit:  Insgesamt muss ich sagen, dass ich mir mehr von dieser Sammlung versprochen hatte. Wenigstens, dass sich eine weihnachtliche Stimmung durch alle Geschichten zieht. Leider ist das nicht der Fall. Bei einer fehlte es mir zudem an Spannung, bei einer anderen waren die Hintergründe nicht so mein Fall. Trotzdem waren es zwei unterhaltsame Abende mit dem Buch, denn “schlecht” ist auch wieder anders. Vor allem sind die Thriller sehr verschieden, was ja auch etwas wert ist. Ein kurzweiliges Buch für einen gemütlichen Abend in der Vorweihnachtszeit.


Titel: Stille Nacht – Mörderisch schöne Weihnachtsthriller
Autor: Beatrix Gurian, Manuela Martini, Ulrike Bliefert, Bettine Brömme, Nora Miedler
Seiten: 212
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401068930
Preis: 7,99 (Broschiert)

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