Arno Strobel

Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders (Arno Strobel)

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben in vergangenen Rezensionen: Arno Strobels Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab. Einer so richtig gut, der nächste eher weniger, der folgende wieder besser usw. Somit bin ich immer gespannt, was der neue Thriller bereithält.
Zu “Tiefe Narbe” muss ich vorausschicken, dass es wohl der Erstling einer Trilogie ist. Und ich habe in den letzten ein, zwei Jahren eine dicke Aversion gegenüber Reihen entwickelt. Einfach, weil es gefühlt keinen für sich alleine stehenden Roman mehr gibt. Entsprechend bin ich nicht sonderlich angetan von dem Gedanken, auch von Arno Strobel irgendwann eine Reihe im Regal stehen zu haben.
Nun zur Geschichte bzw zunächst zu den Figuren, mit denen man es ja dann wohl noch zwei weitere Bücher lang zu tun haben wird. Max Bischoff gefiel mir von Anfang an. Er hat für mich eine sympathische Art an sich, ist clever und denkt tatsächlich sehr modern bei seinen Ermittlungen. So etwas mag ich einfach, alles “Altmodische” ist nicht so mein Fall. Daher mochte ich ich Max wirklich schnell. Sein Kollege Horst Böhmer ist dagegen mehr vom alten Schlag. Das ist zwar ein heftiger Kontrast, der alleine schon für Zündstoff sorgt, allerdings hat er mich mit seiner muffigen Art, der Unfreundlichkeit Max gegenüber und seinen oft so überflüssigen, bissigen Bemerkungen relativ schnell auch tierisch genervt. Solche Figuren halte ich nur sehr schwer aus und ich habe es deshalb sehr begrüßt, dass der Fall schnell in den Mittelpunkt rückte. Endlich ging es vornehmlich darum, das Rätsel um den Mann, die totgeglaubte Frau und den Mörder aufzuklären, statt sich wie im Kingergarten zu bekriegen.
Den Fall selber fand ich ausgesprochen spannend und ich habe lange und gerne mit Max und seinen Kollegen gerätselt. Es gab einige Momente, in denen ich mir schon recht sicher war, wer der Täter ist, doch dann belehrte mich Arno Strobel wieder eines Besseren und das Rätselraten ging weiter.
Für mich sehr erfreulich war dabei, dass es durchaus schauerliche bis eklige Szenen gibt. Ich mag sowas, und solange es nicht übertrieben wird, bin ich davon stets angetan. Ich mag dieses Gefühl und die Gänsehaut dabei.
Es gibt neben den Kapiteln mit der Handlung um Max und Böhmer auch immer mal wieder eingeschobene “Zwischenkapitel”, in denen einem ein Blick in den Kopf des Täters gewährt wird. Ich bin von sowas absolut kein Fan und auch dieses Mal habe ich diese Kapitel sehr großzügig gelesen. Mir waren sie einfach zu…schwülstig. Mir fällt kein besserer Begriff dafür ein, aber “schwülstig” trifft es für mich gut. Und das, obwohl in diesen Kapiteln reihenweise Gewaltphantasien beschrieben werden.
Gegen Ende wird die Handlung dann nochmal eine Ecke spannender und dramatischer, weil plötzlich eine Person betroffen ist, die Max nahesteht. Keine Frage, das bringt nochmal zusätzlich Brisanz in die Sache und man bangt und hofft nochmal mehr mit Max. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ansonsten dankend auf diese Person hätte verzichten können. Max’ Wandlung durch diese Person gefiel mir nämlich gar nicht. Plötzlich hätte ich ihm liebend gerne mal ordentlich eine runtergehauen, öfters sogar.
Nachdem man schon während der Geschichte so manche Wendung erlebt hat und feststellen musste, dass man mit seinen Theorien doch wieder falsch lag, bekommt man auch am Ende nochmal einen feinen Dreh geboten. Das hat mir gefallen.
Mir hat übrigens auch gefallen, wie es mit oben erwähnter Person am Ende ausgeht. So jemanden braucht niemand, wenn er sowas aus jemandem wie Max macht. Punkt!

Wie immer bei Thrillern von Arno Strobel liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, da liest man vor dem Schlafen schnell mal eines mehr als geplant. Und auch wenn ich sie nicht mochte, so sorgen die Kapitel im Kopf des Täters doch für eine Auflockerung.

Wie gewöhntlich bei Arno Strobels Thrillern ist das Cover vornehmlich in Schwarz gehalten mit einem farblich kontrastreichen Schriftzug.
Das Versprechen, dass das Buch einen Blick in den Kopf des Mörders gewährt, macht genauso neugierig wie die Gestalt oben auf dem Cover.

Fazit:  Ein spannender Fall mit vielen Wendungen, die einen immer wieder zu überraschen wissen. Hier und da geht es ein wenig schauerlich zu und manche Beschreibung kann man vielleicht auch schon eklig nennen, aber ich mag sowas. Max gefiel mir auf Anhieb und ich bin froh, ihn so wohl auch in Band 2 der Trilogie wieder anzutreffen. Wobei ich nachwievor enttäuscht bin, dass auch Arno Strobel nun mit auf diesen nervigen Reihen-Trend aufspringt.


Titel: Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596296163
Preis: 9,99 (TB)

Die Flut (Arno Strobel / Sascha Rotermund)

Titel: Die Flut / Verlag: Argon / Spielzeit: ca. 511 min / Buch: Arno Strobel / gelesen von: Sascha Rotermund

flutInhalt: Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Wahnsinniger ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die “perfekte Mordserie” zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Poller in der Nähe fest, so dass er dabei sein muss, wenn seine Frau bei ansteigender Flut langsam ertrinkt. Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg.


Es gibt nicht wenige Geschichten  bzw Autoren, die ich mir im Buch-, und auch im Hörbuchformat zu Gemüte führe. Einfach, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Geschichten so recht verschieden wirken können. Arno Strobels Thriller gehören jedenfalls dazu.  Und ich muss sagen, dass das Hörbuch auf mich düsterer, bedrohlicher gewirkt hat als das Buch.
An der Geschichte selber ändert sich ja nichts. Erst recht nicht, weil das Hörbuch ungekürzt ist. Da ist nichts verloren gegangen. Und genau wie bei Buch hat mir die Story prima gefallen. Die verschiedenen Charaktere unter den Pärchen, diverse verdächtige Einheimische auf der Insel, da ist für Zündstoff, Spannung und Mitknobeln bestens gesorgt. Ich mag es immer, wenn ich bei einem Krimi / Thriller miträtseln kann, und so war “Die Flut” ganz nach meinem Geschmack. Auf die Auflösung wäre ich allerdings so schnell nicht gekommen. Die war eine echte Überraschung für mich.
Auch der Killer und seine Methoden entsprachen genau meinen Vorlieben. Ja, was er da mit den Menschen anstellt, das ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Aber genauso mag ich es. In einem Thriller darf (und muss!) es für mich genauso heftig zugehen.
Somit habe ich der Geschichte nichts vorzuwerfen und kann sie jedem Krimi- und / oder Thrillerfan wärmstens ans Herz legen. Den Fans von Arno Strobel sowieso! Seine Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab, doch “Die Flut” ist ganz klar auf “Auf”.

Beim Buch habe ich bemängelt, dass “Die Flut” auf mich mehr wie ein guter Krimi wirkte. Vor allem das Ende erschien mir zu geradlinig. Und sonderlich düster hatte die ganze Story auf mich da nicht gewirkt. Das war beim Hörbuch anders und das ist ganz klar Sascha Rotermund zu verdanken. Je nach Passage -und vor allem in denen des Täters- liest er mit so düsterer, unheilvoller Stimme, dass man eine Gänsehaut bekommt. Aber auch für die übrigen Figuren hält er passende Stimmen und Tonlagen bereit.

Fazit:  Ein sehr spannender neuer Thriller von Arno Strobel mit einem wunderbar grausamen Killer. Miträtseln kann man hier von Anfang bis zum Ende. Und dank Sascha Rotermund wirkt die Story hier genauso düster wie es sich für einen Thriller gehört. Diese Stimmung hatte mir ja beim Selberlesen leider gefehlt.

Die Flut (Arno Strobel)

Die Flut (Arno Strobel)Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Superintelligenter ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die „perfekte Mordserie“ zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Pfahl in der Nähe fest, so dass er dabei zusehen muss, wenn seine Frau bei Flut langsam ertrinkt.
Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist.

Es war bei mir schon immer so, dass Arno Strobels Psychothriller ein stetiges Auf und Ab waren. Einer richtig gut, dann einer nicht so dolle, dann wieder ein echter Hammer, dann wieder ein Schwächerer.
Entsprechend war ich natürlich neugierig auf “Die Flut”, denn trotz allem ist Arno Strobel ein Autor, von dem ich jedes Buch lesen möchte. Der Klappentext klang ja schon mal ganz nach meinem Geschmack.
Und damit hat er mir nicht zu viel versprochen!
Ich liebe solche super intelligenten Killer. Und je kranker ihre Mordmethoden, desto begeisterter bin ich. Da ich außerdem ein ziemlicher Wasserangsthase bin, habe ich die Idee dieses Mörders hier als besonders grausig empfunden. Und auch wenn es mich dabei so richtig schaudert und gruselt, ich liebe das! Das ist genau das, was ein (Psycho)thriller bei mir schaffen muss, damit er mir so richtig gut gefällt. Somit hatte “Die Flut” bei mir schon mal direkt einen Stein im Brett.
Ferner gefiel mir die recht überschaubare Anzahl an wichtigen Figuren. Das hält mir eine Geschichte so manches Mal schön übersichtlich. Ich mag es gar nicht, wenn ich mich immer wieder fragen muss, wer das denn nochmal ist, über den ich gerade lese. Das Problem hatte ich hier gar nicht. Die beiden Pärchen bestehen aus vier sehr verschiedenen Charakteren, wodurch man sie nochmal alle gut unterscheiden kann. Und wodurch sich mancher auch verdächtig macht.
Zunächst hatte ich aber so ziemlich jede andere Person im Verdacht, die auf der Bildfläche erschien. Arno Strobel schickt eine Figur nach der anderen ins Rennen, und jede einzelne ist gleich nochmal verdächtiger als die anderen. So kann man wirklich sehr gut mitknobeln, wer der Täter sein könnte. Das hat “Die Flut” für mich wirklich sehr spannend gemacht. Später scheint es dann auch noch möglich, dass jemand bei den beiden Pärchen falsch spielt…ich habe bis zuletzt hin- und her überlegt.
Und wäre sicher niemals auf die Idee gekommen, die die Auflösung dann präsentiert. Mir stand da wirklich vor Staunen der Mund offen. Auch das macht für mich einen guten (Psycho)thriller aus: wenn ich am Ende eine echte Überraschung geboten bekomme. Das hat “Die Flut” absolut hinbekommen.
Lobenswert ist ebenfalls, dass hier das Inselflair und eine gewisse Urlaubsstimmung sehr gut rüberkommen. Ich habe mich manches Mal an den Strand von Amrum versetzt gefühlt und nun auch Lust darauf, wieder einmal ans Meer zu fahren. Es muss keine Insel sein, aber eben an die See. Und weil ich weiß, wie schön es dort ist, fand ich es umso schlimmer, was in der Geschichte dort vor sich geht. Ich empfinde es immer als besonders schrecklich, wenn so etwas Grausiges an einem so schönen Ort geschieht, wohin die Menschen fahren um dort eine gute Zeit zu verbringen.
Falls sich nun jemand fragt, wieso ich das “Psycho” bis hierher immer in Klammern gesetzt habe, das hat natürlich einen guten Grund. Nämlich, dass ich die Geschichte mehr als einen richtig guten Krimi -meinetwegen auch Thriller- empfunden habe, aber das gewisse Etwas, das für mich einen Psychothriller ausmacht, hat mir doch gefehlt. Die Auflösung war zwar eine echte Überraschung, aber doch zu geradlinig. Für einen Psychothriller hätte sie nicht so leicht nachvollziehbar sein dürfen. Das ist schwer zu erklären. Ich hoffe, irgendwer versteht es.

Ich hatte “Die Flut” innerhalb von drei Abenden ausgelesen. So lange habe ich auch nur gebraucht, weil ich am nächsten Morgen zeitig raus musste und deshalb das Buch früh beiseite gelegt habe. Es liest sich nämlich eigentlich so gut, dass man es auch in einem Rutsch auslesen kann. Die Kapitel sind angenehm kurz, es gibt viele Dialoge und der Wechsel zwischen den Sichtweisen sorgt obendrein für Abwechslung.

Das Cover reiht sich nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger ein. Thrillermäßig düster, mit einem großen Titelschriftzug in einer kontrastreichen Farbe, und darunter ein Bildausschnitt, der zur Handlung passt. Hier der Kopf der Frau, der tatsächlich so aussieht, als sein sie bis zum Hals eingegraben.

Fazit:  “Die Flut” ist für mich ein rundum gelungener und durchweg sehr spannender Krimi, meinetwegen auch ein Thriller. Ein intelligenter Killer mit grausamen Mordmethoden, reichlich verdächtige Figuren und somit massig Gelegenheit, immer mal jemand anderen zu verdächtigen. Das hält die Spannung problemlos hoch. Die Auflösung hat mich außerdem wirklich überrascht. Aber ein Psychothriller war “Die Flut” für mich nicht. Dafür fiel die Auflösung, so überraschend sie war, zu geradlinig aus.


Titel: Die Flut
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596198351
Preis: 9,99 (TB)

Ich diss’ dich! (Arno Strobel)

dissdichLisa ist zutiefst erschüttert, als ihre beste Freundin Vanessa Selbstmord begeht. Sie ist sich sicher, dass die Fotos auf Facebook der Auslöser waren! Doch wer hat sie hochgeladen, etwa Vanessas Exfreund Phillip? Lisa versucht die Hintergründe für den Tod ihrer Freundin aufzudecken und tritt dabei eine Lawine los, die sie selbst zu überrollen droht.

Wenn auf einem Buch der Name “Arno Strobel” steht, dann wird es gelesen. So habe ich es immer gehalten und so wird es auch bleiben. Das gilt natürlich auch für eBooks und eShorts.
“Ich diss’ dich!” konnte mich leider nicht ganz von sich überzeugen. Die Thematik ist sicher aktuell, vor allem bei Jugendlichen. Aber auch älteren Lesern hält sie Geschichte einen Spiegel vor was das virtuelle Leben anbetrifft. Vor allem, welche Gefahren es bergen kann. Ich bin an sich kein Fan von Geschichten, die ein solches Thema ins Zentrum stellen, weil dabei schnell mit dem moralischen Zeigefinger gewunken wird, doch hier ist das zum Glück nicht der Fall. Soweit war ich mit “Ich diss’ dich!” also ganz zufrieden.
Ich konnte auch gut nachvollziehen, dass Lisa die Wahrheit über Vanessas Tod herausfinden möchte. Und ich fand es ganz spannend zu verfolgen, was sie herausfindet. Dabei habe ich gerne mitgerätselt.
Leider konnte die Auflösung mich dann nicht überraschen. In diese Richtung hatte ich schon eine ganze Weile gedacht. Deshalb war ich am Ende zwar zufrieden, dass ich recht hatte, aber mir hätte ein überraschendes Ende doch besser gefallen.
“Ich diss’ dich!” ist so eine Art Appetithäppchen für Arno Strobels neuen Jugendthriller, der wohl im März 2016 erscheinen soll. Er trägt den Titel “Die Wahrheit trügt” und greift die Geschichte von “Ich diss’ dich!” wieder auf, allerdings vier Jahre nach dem Geschehen darin.
Ich werde “Die Wahrheit trügt” sicher lesen, zumal mir “Ich diss’ dich!” viel zu schnell abgehandelt war und entsprechend kaum echte  Spannung aufkam.

Fazit:  “Ich diss’ dich!” befasst sich mit einer aktuellen Thematik, mit der sich vor allem Jugendliche einmal gründlich auseinandersetzen sollten. Doch auch älteren Lesern gibt es damit Stoff zum Nachdenken über bestimmte Handlungen. Allerdings wurde mir das Geschehen zu fix abgehandelt um richtig Spannung aufkommen zu lassen. Und die Auflösung kam leider überhaupt nicht überraschend. Somit ein duchwachsenes eShort für mich. “Die Warhheit trügt” werde ich mir deshalb aber sicher nicht entgehen lassen!


Titel: Ich diss’ dich
Autor: Arno Strobel
Seiten: 38 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Preis: € 1,99

Fremd (Ursula Poznanski, Arno Strobel)

Fremd (Arno Strobel, Ursula Poznanski)Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen.

Ursula Poznanski und Arno Strobel schreiben zusammen einen Thriller? Als ich davon zum ersten Mal hörte, wanderte das Buch sofort auf meinen Wunschzettel. Auch wenn mich die Bücher von beiden icht durchweg von sich überzeugen konnten, gehören sie doch zu den Autoren, von denen ich mir kein Buch entgehen lasse. Weil es eben doch einige Bücher von ihnen gibt, die absolut meinen Geschmack getroffen haben.
Kaum zog “Fremd” ein, wurde es auch schon gelesen. Ich hatte wirklich große Erwartungen und konnte es einfach nicht auf den SUB legen.
Leider muss ich sagen, dass die Ernüchterung nicht lange auf sich warten ließ. Der Klappentext klang so gut und dann das! Natürlich ist die Situation unheimlich, die Erik und Joanna am Anfang erleben. Erik kommt nach Hause und seine Lebengefährtin Joanna (er)kennt ihn nicht und versucht umgehend, sich vor ihm zu schützen und in Sicherheit zu bringen. Was geht plötzlich vor sich in Eriks einst so glücklichen und geregelten Leben? Erst war ich noch neugierig, doch das verlor sich ebenso schnell wie die anfängliche Spannung.
Ich habe lange überlegt, wieso das so war. Es war gar nicht so einfach, dieser Sache auf den Grund zu geben. Inzwischen bin ich mir sicher, woran es lag. Mir fehlte lange Zeit jeglicher Zugang zu Erik und Joanna. Man bekommt zwar einige Fakten und Informationen über sie an die Hand, aber was für ein Mensch sind sind, welchen Charakter sie haben, das bleibt lange im Dunklen. Das führte bei mir dazu, dass ich mich in keinen von beiden richtig hineinfühlen / hineinversetzen konnte. Wahrscheinlich ist das bewusst so gehalten. Damit man als Leser genauso ahnungslos dasteht wie Joanna und Erik und mit ihnen rätseln kann, aber ich brauche diesen Zugang zu Figuren um mitfiebern zu können. Um eine liebgewonnene / sympathische Figur bange ich viel leichter,mit ihr fiebere ich viel schneller mit als mit einer, über die ich ausser ein paar Fakten nichts weiß.
Und auch das Drumherum konnte die mangelnde Spannung bei den beiden Hauptfiguren nicht ausgleichen. Ja, irgendetwas geht da in Eriks Firma vor. Aber es wurde mir einfach zu sehr nebenbei darauf eingegangen, als dass ich so richtig dran hätte glauben können. Entsprechend hat mich auch dieser Teil nicht gepackt.
Etwa auf der Hälfte der Geschichte wendete sich das Blatt dann zum Glück. Die zweite Hälfte habe ich an einem Abend in einem Rutsch gelesen. Das lag einerseits daran, dass endlich wirklich etwas richtig Dramatisches geschieht, aber vor allen auch daran, dass Joanna und Erik von nun an -so gut es geht- gemeinsam nachforschen, was plötzlich in ihrem Leben vor sich geht. Trotz gewisser Bedenken hier und da, kommen sie zunehmend besser miteinander aus. Dadurch bekam ich endlich eine solch klare Vorstellung von ihrem Wesen, dass ich mit ihnen hoffen und bangen konnte. Endlich kam richtig Schwung und Tempo ins Geschehen und so hatte Langeweile keine Chance mhr bei mir. Ich wollte nun wirklich wissen, was da vor sich geht.So gehört sich das für mich für einen Thriller.
Das wiegt es auch auf, dass mir die Auflösung doch etwas weit hergeholt vorkam. Jedenfalls in der Hinsicht, wieso Joanna plötzlich nichts mehr von Erik weiß. Mag sein, dass so etwas möglich ist, das weiß ich nicht, aber mir kommt es eben ziemlich an den Haaren herbeigezogen vor. Da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Für die erste Hälfte des Buchs habe ich geschlagene fünf Abende gebraucht, an denen ich mich immer zwingen musste, wenigstens fünf Kapitel weiter zu lesen. Dabei ist die Geschichte an sich unterhaltsam geschrieben und entsprechend gut zu lesen. Mir war sie einfach inhaltlich zu unspannend. In der zweiten Hälfte spornte der unterhaltsame und leichte Schreibstil dann mein Lesemtempo ordentlich an. Dazu das rasante Geschehen und die abwechselnden Sichtweisen auf das Geschehen, da flogen die Seiten plötzlich nur so dahin.

Das Covermotiv sprach mich sofort an. Es ist schön düster wie ich es für einen Thriller mag. Die Frau blickt misstrauisch drein, was gut zu der Figur der Joanna passt. Auf dem rückwärtigen Deckel ist ein Männergesicht zu sehen, das wohl Erik darstellen soll. Auch er schaut skeptisch und -wie ich finde- auch ein bisschen traurig. Das passt gut zu Erik.

Fazit:  Die erste Hälfte von “Fremd” hat es mir wirklich schwer gemacht. Da man ausser ein paar Informationen nichts über Erik und Joanna erfährt, habe ich keinen Zugang zu ihnen gefunden. Ich habe ihnen quasi aus der Distanz zugesehen, mehr war es nicht. Ich brauche einfach diesen Zugang zu Figuren um mit ihnen fühlen zu können. Das fehlte mir hier, weswegen ich “Fremd” lange absolut unspannend fand. Zum Glück wendete sich das Blatt etwas auf der Hälfte. Von da an ging es so spannend und rasant zu, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. So hat “Fremd” gerade noch die Kurve bekommen.


Titel: Fremd
Autor: Ursula Poznanski, Arno Strobel
Seiten: 400
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250849
Preis: € 16,99 (Broschiert)

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