Auswanderer

Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien (Urs Wälterlin)

weitwegoutbackUrs Wälterlin hat den Traum vieler Großstädter wahr gemacht: Er lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen mitten im australischen Busch. Umgeben von Eukalyptusbäumen kämpft der Hobby-Alphornspieler im beschaulichen Greentown mit seiner Familie gegen Überflutungen und Waldbrände an, sie scheren Schafe und suchen nach immer neuen Mitteln, um die Kängurus davon abzuhalten, den Salat im Garten zu fressen. Das Aussie-Provinzkaff ihrer Wahl ist wie ein Mikrokosmos von Australien: übersichtlich, liebenswert, freundlich – und gelegentlich furchtbar nervig.

Dieses Buch war eine Zufallsentdeckung, bei der mich nicht nur das Cover ansprach, sondern auch der Titel. Beides versprach ein amüsantes Buch über eine Auswandererfamilie. Da Australien zu meinen Traumzielen gehört und ich jeden verstehen kann, der den Schritt dorthin wagt, kam ich an diesem Buch nicht vorbei.
Im Nachhinein jetzt muss ich leider sagen, dass Cover, Titel und selbst der Klappentext ziemliche falsche Erwartungen schüren. Dem Klappentext entsprechend hatte ich mich über interessante und amüsante Episoden aus dem Leben der Auswandererfamilie gefreut. Eben ein heiterer Blick hinüber auf den fünften Kontinent.
Das stimmt allerdings nur bedingt so. Natürlich geht es um Familie Wälterlin. Darum, wie es dazu kam, dass sie ausgewandert sind. Darum, wie sie sich nach und nach ihr eigenes kleines Reich in dem Nest im Outback geschaffen haben, und wie sie dort leben. Da Urs Wälterlin als Journalist viel in Australien umher reist, bekommt man dabei auch einen Blick auf andere Gegenden dieses Kontinets gewährt, was für Abwechslung sorgt. Das fand ich ganz interessant und oft auch ziemlich spannend. Genauso wie die kleinen Abenteuer, die die Familie beim Bau ihrer Häuser erlebt. Oder wenn sie sich im Alltag mit den Australiern auseinandersetzen müssen, die sich von der Mentalität her doch sehr von der schweizer Familie unterscheiden. Das hätte für meinen Geschmack gerne das ganze Buch hindurch so weitergehen können, denn genau so etwas hatte ich erwartet.
Was ich klar nicht erwartet hatte, sind Moralpredigten darüber wie es in der Politik in Australien zugeht oder wie man auf diesem Kontinent mit der Landschaft und dem Klima umgeht. Und ich war auch nicht darauf vorbereitet, mich durch Wälterlins Kampf mit der Lokalpolitik lesen zu müssen. Das darf jetzt bitte niemand falsch verstehen. Ich finde nicht, dass all das uninteressant ist. Ganz im Gegenteil: sicher geht in Australien politisch einiges schief, selbstverständlich sollte man dort mit Land und Klima pfleglicher umgehen, keine Frage!
Aber mich erinnerte all das mehr an ein informatives Sachbuch, und das hatte ich mir nach dem Klappentext so nicht vorgestellt. Ich hätte gerne mehr über die Familie gelesen. Zum Beispiel mehr über die Bauarbeiten an den Häusern, mehr darüber, wie es den Kindern in der Schule ergeht, oder über den stetigem Kampf mit der Tierwelt wie salatfressenden Kängurus oder gefährlichen Schlangen. Urs Wälterlin spricht alle diese Themen zwar an, schlägt aber immer direkt einen Bogen hin zu allgemeinen Problemen, die Australien betreffen und damit zusammenhängen. Und das hat für mich auch nicht viel mit “Unser Leben in Australien” zu tun, denn um die Familie geht es dabei häufig nur im Ansatz.
Dabei bleibt auch etwas auf der Strecke, worauf ich mich bei diesem Buch besonders gefreut hatte. Der Humor nämlich! Der Klappentext klingt nach einem Buch, bei dem man gerne mal schmunzeln oder lachen kann und das Covermotiv sieht ebenfalls ganz lustig aus. Ich weiß es nicht genau, aber wenn es hochkommt, dann habe ich während des gesamten Buchs höchstens fünfmal gelächelt oder gegrinst. Ziemlich dürftig für meinen Geschmack.

Für mich ließ sich das buch ganz unterschiedlich lesen. Die Kapitel zuhause bei der Familie, ihrem Haus, den Nachbarn usw flogen nur so dahin. Dagegen fielen mir Urs Wälterlins Ausführungen über Politik, Umwelt usw oft ganz schön schwer. Die entsprechenden Kapitel zogen sich so ganz ordentlich. Dabei sind sie keineswegs länger.

Das Cover gefällt mir immer noch sehr gut. Es sieht lustig aus und das Känguru mit seinem Kleinen sind ausgesprochen niedlich geraten. Das macht so wirklich Lust auf dieses Buch.

Fazit:  Ich bin wohl mit falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Schuld daran sind der Klappentext und das Cover, die beide eine heitere Lektüre über eine Auswandererfamilie versprechen. Da erwarte ich halt keinen kritischen Blick auf Land, Leute und Politik, sondern mehr Episoden aus dem Familienleben, bei denen man auch mal lachen kann. Sicher sind das wichtige Themen, aber darauf ist man nach einem ersten Blick auf das Buch halt nicht vorbereitet.


Titel:  Weit weg im Outback – Unser Leben in Australien
Autor: Urs Wälterlin
Seiten:  368
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548285351
Preis:  € 9,99

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Konny Reimann erzählt – Aber das ist eine andere Geschichte…

Titel: Konny Reimann erzählt – Aber das ist eine andere Geschichte… / Verlag: Moewig / Spielzeit: ca.  144 min / Buch: Konny Reimann / gelesen von: Konny Reimann

reimannInhalt: Ein 5-Tages-Trip nach Texas reichen ihm und seiner Frau Manu, um den Entschluss zu fassen, mit der ganzen Familie dorthin auszuwandern. Das Unglaubliche passiert: Im ersten Anlauf erhalten sie eine Green Card und treten damit eine Lawine an Ereignissen und Abenteuern los: Auf seinem Weg in seine Wahlheimat Texas begegnet Konny Reimann dem schnellsten Scharfschützen Amerikas, einem Soßenhersteller und anderen “positiv Verrückten”, wie er selbst einer ist. Und irgendwie wird er nebenbei plötzlich auch noch zum Fernsehstar.


Ich sitze selten vor dem Fernseher, aber die Doku um die Reimanns habe ich immer ganz gerne mal geschaut. So USAverliebt wie ich eben bin. Da war es naheliegend, dass ich mir das Hörbuch anhören würde. Ich muss gestehen, dass ich es mir schon etwas anders vorgestellt habe. Strukturierter und informativer vor allem. Man erfährt zwar etwas über Konnys Kindheit und darüber, wie seine Frau und er sich kennenlernten, wie die Idee entstand, nach Amerika auszuwandern…aber ich hätte es mir noch eine ganze Spur genauer gewünscht. Ich hatte immer das Gefühl, dass alle Themen lediglich umrissen werden. Das Wichtigste ist vorhanden bzw das, was Konny für das Wichtigste hält, aber es fehlte mir am Drumherum. So ergab sich für mich nicht der Eindruck, einem Verlauf zu lauschen, sondern lediglich Stationen kennenzulernen. Vielleicht fehlte mir das aber auch nur deshalb, weil mich um die USA so ziemlich alles interessiert. Und “alles” passt halt schlecht ins Hörbuchformat. Irgendwann hatte ich mich mit diesen “Stationen” abgefunden und wie gesagt, uninteressant oder langweilig wird es nie. Und wer die Sendung kennt, der weiß ohnehin schon eine ganze Menge. Da sich wohl in erster Linie auch diese Leute das Hörbuch zulegen werden, dürften sie wohl nichts großartig vermissen. Es sei denn, sie wollen nochmal hören, was sie eh schon gesehen haben.

Da oben steht “gelesen von”, was in diesem Falle aber nicht zutrifft. Konny Reimann erzählt frei von einer Reihe von Ereignissen, die ihm und seiner Familie aus Auswanderer widerfahren sind. Und das in seiner bekannten schnodderigen Art mit dem unverkennbaren Hamburger Dialekt. Konnys Frau Manu kommt ebenfalls zu Worte und sie klingt schon eine gute Schippe souveräner. Im Sinne von weniger dialektlastig und weniger schnodderig. Dafür kommt sie aber auch weniger spontan rüber.

Familie Reimann samt Papagei und Hund vor dem Wohnmobil und mit der Flagge. Das ideale Covermotiv, denn genau um diese Familie dreht sich hier alles.  So kennt man sie aus dem TV, so möchte man sie als Fan sehen.

Fazit:  Wer hier eine etwas arg frühzeitige und steife Biografie erwartet hat, dem werden nach wenigen Minuten die Haare zu Berge stehen. Wer aber Konny so hören möchte, wie man ihn aus dem TV kennt und mag, der dürfte auf seine Kosten kommen. Etwas ausführlicher hätte ich mir die Schilderungen der einzelnen Stationen des Reimann’schen Lebens schon gewünscht, aber langweilig wurde es nie.

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