Bayern

Rezension – Keine Sau hat mich lieb (Franziska Weidinger)

keinesauHimmi­herrgottsakrament! Burgi Schweinsteiger, Metzgerin aus Untermarktlbrunn, kann es nicht glauben. Da verläuft sich einmal ein interessanter Mann ins Dorf, prompt hat ihr Vater, der Hallodri, einen »kleinen Unfall«, der sich als ausgewachsene Katastrophe entpuppt. Statt mit dem Filetstück von Mann über das Leben, die Liebe und die Literatur zu plaudern, muss Burgi tricksen, was das Zeug hält. Schließlich steht nicht nur der Familienbesitz, die Metzgerei, auf dem Spiel, sondern auch der erste bayerische Poetry Slam der Geschichte, die Ehre ihrer besten Freundin und Burgis Traum von einem Leben mit etwas mehr Poesie.

Bei diesem Buch war ich sofort in das Cover verliebt. Andererseits hatte ich aber auch Angst, dass es zu sehr in Richtung Chick-Lit gehen könnte.
Auf den ersten Seiten sah ich diese Angst noch bestätigt, denn da schildert Burgi Schweinsteiger ihre Ansichten zur Männerwelt. Dabei teilt sie die Herren der Schöpfung ein in Filetstücke und Leberkäse (nichts Besonderes, überall zu finden). Okay, Burgi ist Metzgerin, da kann man das noch nachvollziehen. Trotzdem ist es nicht mein Fall. Ich mag es nicht, wenn man Frauen ein Verhalten durchgehen lässt, für das sie -im umgekehrten Falle- jeden Mann quasi an’s Kreuz nageln würden.
Zum Glück habe ich mich davon nicht abhalten lassen. Burgi mochte ich nämlich sonst eigentlich sofort, so burschikos, humorvoll und einfach nett wie sie ist.
Trotzdem sie selber so typische bayerisches Dorf ist (was ich keinefalls abwertend meine), hat sie zudem doch einen feinen Blick auf die übrigen Dörfler und ihre mitunter schrägen bis unagenehmen Eigenschaften. Es ist ungemein vergnüglich, davon zu lesen.
Gelacht habe ich auch über Burgis Leben, das durch einen Unfall in’s schiere Chaos gestürzt wird. Niemand darf davon erfahren, die Beweise müssen vernichtet werden, notfalls mit dem Fleischwolf, und alle Konsequenzen müssen möglichst unauffällig bewältigt werden. Und dieser Unfall zieht unerwartet weite Kreise! Da sind  Kreativität, Durchhaltevermögen und einiges an Coolness gefragt. Wer hat von alldem schon stets im Übermaß? Burgi jedenfalls nicht. Ja, für sie wäre es eine Katastrophe, wenn alle herauskäme, aber für den Leser ist es oft zum Tränenlachen komisch ohne je albern zu werden. Und natürlich hofft man automatisch, dass sich für Burgi alles zum Guten wenden wird.
Um Burgi, ihr Liebesleben und verschiedene Männer geht es neben alldem mitunter auch. Für mein Empfinden steht das jedoch nicht im Mittelpunkt, worüber ich ein wenig froh war. Bayerischen Liebeskitsch hätte ich nicht gebraucht. Doch dies hier ist eine eher dezente Liebesgeschichte, die einem außerdem noch die Augen dafür öffnet, dass auch ein guter Leberkäse so fein wie ein Filetstück sein kann. Das Ende hat es dann sogar geschafft, mich zu Tränen zu rühren, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Burgi erzählt locker, fröhlich und frisch. Ganz wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Ab und zu spricht sie den Leser direkt an, was Nähe schafft. Mit etwas Dialekt und einer Reihe bayerischer Vokabeln muss man dabei klarkommen. Notfalls kann man in der Vokabelsammlung am Ende des Buchs nachschlagen. So liest sich „Keine Sau hat mich lieb“ im Nu und mit größtem Vergnügen weg.

Keine Ahnung, was das Cover mit der Geschichte zu tun hat. Für mich gar nichts. Lustig, niedlich und ein echter Blickfang ist es trotzdem.

Fazit: Ich habe lange bei keinem Buch mehr so sehr Tränen gelacht wie bei „Keine Sau hat mich lieb“. Eine herrlich chaotische Geschichte mit ganz viel Lokalkolorit und unerwarteten Weisheiten. Burgis Liebesleben ist dabei beinahe Nebensache. Aber eben nur beinahe, sodass mich das Ende doch noch richtig gerührt hat.

Vielen Dank an Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Keine Sau hat mich lieb
Autor: Franziska Weidinger
Seiten: 448
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426513620
Preis: 8,99 (TB)

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Weißbier im Blut (Jörg Graser)

weissbierimblutEine männliche Leiche liegt unter dem Mähdrescher. Auf dem hoffnungslos verschuldeten Bauernhof der Familie Holzner nimmt Kommissar Kreuzeder vom Morddezernat Passau die Ermittlungen nur äußerst widerwillig auf. Lieber hätte er in Ruhe seinen Schweinsbraten und sein Weißbier genossen. Doch sein Vorgesetzter drangsaliert ihn mit der Androhung von Disziplinarmaßnahmen und stellt ihm eine Psychologin an die Seite, die seine Dienstfähigkeit überprüfen soll. Der sichtlich verwahrloste Kreuzeder hat schon viele Tote gesehen und deshalb die Ruhe weg. Erst als der Wirt seines Stammlokals Opfer eines Verbrechens wird, wird er aktiv und steigert die Aufklärungsquote im bayerischen Grenzland.

Ich bin bekanntermaßen ein großer Fan von Regionalkrimis, wobei mir speziell die gefallen, die in Bayern spielen. Da ich es nicht verwunderlich, dass ich bei diesem Buch sofort zugegriffen habe als ich es ertauschen konnte. Alleine vom Cover her sah es bereits vielversprechend aus und der Klappentext klang auch nicht übel.
Zunächst fand ich die Geschichte nicht schlecht. Der Leichenfund, die Hintergründe um den verschuldeten Hof, das klang durchaus nach einem brauchbaren Plot. Außerdem habe ich keine Probleme damit, wenn eine Hauptperson -hier der Kommissar- so seine Ecken und Kanten und Marotten hat. Gerade in diesem Krimigenre verleiht es den Geschichten oft etwas Uriges.
Doch von urig kann in diesem Falle nicht die Rede sein. Es sei denn, man erkennt die Niederbayern allesamt als Säufer an. Dafür wäre Kommissar Kreuzeder das ideale Aushängeschild. Nichts gegen einen Kommissaren, der gerne ein Weißbier trinkt, aber einer, der sich nahezu täglich wahlweise zuhause oder im Wirtshaus volllaufen lässt, das geht für mich (und sicher nicht nur für mich) gar nicht. Das hat weder mit urig, noch mit Ecken und Kanten etwas zu tun. Das hat mich sehr schnell einfach nur genervt. Nur zu gut konnte ich seinen Chef verstehen, der seinetwegen täglich auf 180 ist.
Leider ruiniert dieser sogenannte Kommissar so auch den Fall. Ich hatte nie den Eindruck, dass er mal ernsthaft Ermittlungen betreibt. Wie denn in dem Zustand? Und kaum hat das blinde Huhn durch Zufall mal ein Korn entdeckt, hat es auf der nächste Seite bereits schon wieder das alkoholische Äquivalent angesetzt. Dann versackt er um am nächsten Tag mit nicht wenig Restalkohol dem nächsten Korn nachzuspüren.

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Taschenbuch-Ausgabe ab 02.2014

Das hat bei mir hinsichtlich des Falls einen sehr zerrissenen Eindruck hinterlassen. Da kam weder Spannung auf, noch empfand ich es als eine flüssig erzählte und logische Handlung. Und sowas ärgert mich einfach! Anti-Held hin oder her! Die weiteren Charaktere sind ebenfalls nicht gerade solche, über die man gerne liest. Der cholerische Wirtshausbesitzer, der die Geschäftsbelange seiner Angestellten vorzugsweise auf der horizontalen Ebene „diskutiert“, die heruntergekommende Kellnerin, die sich für kaum etwas zu schade ist, und auch die Psychologin, die man Kreuzeder zur Seite stellt, hat selber einen ordentlichen Hau. Rückblickend fällt mir keine Figur ein über die ich gerne gelesen habe. Dass am Ende noch eine Bande aus Tschechen, Albanern und Russen mitmischt, die scheinbar mit dem Geschehen im Dorf zu tun hat, das hätte ich ebenfalls so gar nicht gebraucht. Irgendwie wirkt das absolut unglaubwürdig angesichts des Bildes, das hier vom Ort Rechenbrunn gezeichnet wird. Als hätte die Mafia es auf solche Kuhkaffs abgesehen! Man kann es auch übertreiben.

Wenigstens liest sich dieses Buch leicht und zügig. Tiefschürfendere Passagen hätte ich kaum ertragen. Und bei einigen Dialogen musste ich sogar auch mal lachen. Das erleichtert die Lektüre ebenfalls, einfach weil ich immer hoffe, bald wieder Gelegenheit zum Lachen zu haben. Die gelegentlichen Sätze im Dialekt verdeutlichen, wo die Geschichte spielt. Und die Kapitel sind mehr als appetitlich kurz. Selten braucht man dafür mehr als zweimal umblättern. Da ist man schnell durch.

Wie gesagt gefiel mir das Cover. Mit dem karierten Tuch, dem Schild und der Flinte wird sofort klar, wo dieser Krimi spielt. Wenn das so gut gemacht ist wie hier, dann mag ich es, wenn man dem Cover sein Genre sofort ansieht. Im Februar 2014 erscheint übrigens die Taschenbuch-Ausgabe. Die hat erstens ebenfalls ein schönes Cover und zweitens einen angemesseneren Preis.  € 14,99 finde ich für die 200 Seiten der Hardcover-Ausgabe sehr happig.

Fazit:   Der versoffene und abgewrackte Kommissar Kreuzeder hat mir diesen Krimi gänzlich verleidet. Dabei hätte man aus dem Fall durchaus etwas machen können, da bin ich sicher. Aber durch seine ständigen Abstürze zwischendrin kam mir die Krimihandlung total zerrissen vor. Zudem gab es nicht einen einzigen Charakter, mit dem ich mich anfreunden konnte. Ich war froh als ich das Buch durch hatte.


Titel: Weißbier im Blut
Autor: Jörg Graser
Seiten:  200
Verlag: Langen Müller
ISBN: 978-3440130582
Preis: 14,99 (HC)

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Rezension – Alpenglühen für Anfänger (Sissi Flegel)

alpengluehen1Öd, öder, Einödsbach. Wie kann man hier freiwillig Urlaub machen? Doch Bonnie hat einen Grund, Hamburg zu verlassen, um in Tante Friedls steinzeitlicher Berghütte auszuharren. Was der Alpenkatastrophe jedoch den Gipfel aufsetzt, ist, dass eben jener Grund – der süße Valerio – plötzlich aufkreuzt. Eisern ignorieren!, heißt Bonnies Devise. Doch als Oberkuh Walburga mit den mordsknappen Lederhosen auftaucht, brennen nicht nur bei Bonnie die Sicherungen durch.

Dieses Buch stand zwar auf dem Wunschzettel, allerdings nicht ganz vorne. Dann brauchte ich im Urlaub eine leichte Lektüre für zwischendurch und habe es mir gekauft.
Bereut habe ich das nicht eine Sekunde lang. Anfangs hatte ich zwar so meine Schwierigkeiten mit Nordlicht Bonnie, die kein gutes Haar an ihrem bayerischen Feriendomizil lässt (ich mag halt muffelige Charaktere nicht so besondern gern), aber ab diesem Wortgefecht zwischen Heidi und ihr, wurde sie mir gleich sympathischer:

„Nur dass du es weißt, Heidi: ich habe eine Bank ausgeraubt, zwei Morde begangen, drei Kinder entführt, vier Häuser in Brand gesetzt und bin aus dem Gefängnis ausgebrochen. Meine Knarre steckt in der hinteren Jeanstasche, und wenn du mal nicht aufpasst, schieße ich dich über den Haufen! Also sieht dich vor! Und vor allem – stell mir keine neugierigen Frage! Reicht dir die Auskunft?“

„Ja mei… Nur dass du es weißt, Bonnie: meine Knarre steckt in der rechten Schürzentasche, das Fläschchen mit Gift in der linken. Heute habe ich einen Hirsch gewildert, zwei blöde Wanderer in eisernen Fußfesseln gefangen, drei Gäste auf der Hütten vergiftet und vier Alpenvereinsmitglieder in den Abgrund gestoßen. Also sieht dich vor! Reicht dir die Auskunft?“

Fronten geklärt, könnte man sagen. Und so bin ich gerne mit ihr hinauf zur Rabennesthütte hinaufgestiegen. Solange es nicht um die Jungs vom Bolzplatz geht, bin ich halt doch ein kleiner Bayernfan 😉
Die bösen Überraschungen für Bonnie reißen jedoch nicht ab. Auf der Alm landet sie in der Küche, Heidi wird eifersüchtig, weil sie meint, ihre Freund Basti sei an Bonnie interessiert. Und dann taucht auch noch die Obertussi Walburga in den knappen Lederhosen auf. Es geht also mächtig turbulent zu und ich habe manches Mal lachen müssen. Bonnie hat einen tollen Sinn für Humor, und die bayerischen Ureinwohner werden so liebenswert kauzig und witzig beschrieben, dass man sie einfach vom Fleck weg mögen muss.
Zunächst will Bonnie allerdings nur weg, was aber gar nicht so einfach ist. Und ehe sie es sich versieht, gefällt es ihr doch ganz gut. Das hat mir am besten gefallen: zu verfolgen, wie Bonnie sich auf der Alm einlebt, Freundschaften schließt, sich in der Küche mausert, täglich einen witzigen und geistreichen Kalenderspruch dichtet, der zu ihrer Situation passt und sich nach und nach für den ganzen traditionellen bayerischen Kram begeistern kann.
Natürlich spielt auch die Liebe eine ganz wichtige Rolle. Heidi, Basti, Valerio, Walburga, Käsebauernsohn Wolfi…auch in Eindödsbach und auf der Rabennesthütte spielen die Hormone gern einmal verrückt. Da muss man erstmal den Überblick behalten!
Mir hätte es gerade was Bonnie und Valerio anbetrifft gerne noch etwas deutlicher sein dürfen. Ich hatte nie den Eindruck, dass Bonnie total verknallt in ihn ist. Ich brauche echt keinen Kitsch, aber die ständige Beteuerung „Er ist mir ja total egal!“ ist für mich kein sonderlich klarer Hinweis auf große Gefühle. Deshalb war ich mir bis zum Schluss auch nicht sicher, ob aus den beiden tatsächlich etwas werden würde. Andererseits ergibt sich so eine gewisse Spannung. So kann man das natürlich auch sehen.
Jedenfalls führt das Liebeschaos auch noch zu einigen wirklich gefährlichen Situationen. Und zudem haben die Freunde obendrein noch so eine Art kleinen „Fall“ um einen Unbekannten zu lösen, der Wegweiser für Wanderer verdreht und sie so entweder in Gefahr bringt, oder Touristengruppen von der Hütte fernhält.
So ist die Geschichte nicht nur hinsichtlich „Wer mit wem“ und „kriegen sie sich, oder nicht“ spannend. Es darf auch mal um die liebgewonnenen Charaktere gebangt werden und ein wenig krimimäßiges Knobeln über den Schilder-Missetäter ist ebenfalls drin.

Das Buch liest sich wie geschnitten Brot. Es ist so locker flockig erzählt, dass ich nur mal kurz reinlesen wollte und im Nu schon halb durch war. Und mich nur ganz schwer überwinden konnte, es nicht in einem Rutsch zu lesen. Gestört habe ich mich einzig an ein paar Fehlern. So heißt Valerio einmal plötzlich Valentino. Und der Freund von ihrer Tante wechselt ebenfalls innerhalb von zwei Sätzen seinen Namen. Das fällt auf und zumindest ich dachte, ich hätte etwas verpasst und musste deshalb noch mal zurücklesen.

Ich finde das Cover ja einfach nur super klasse! Vor allem das Schaf mit dem gelben Regenhut 😉 Und mit der grünen Berglandschaft und der Herzchen in der Tür, durch das man dorthin schaut, wird auf den ersten Blick klar, wo diese Geschichte spielt. Witzig und schön, und wie ich finde ein echter Blickfang.

Fazit: Die ideale Urlaubslektüre. Vor allem, wenn man in Bayern urlaubt und vielleicht -genau wie Bonnie- zunächst gar nicht so begeistert darüber ist. Turbulent, witzig und urbayerisch. Das macht einfach Spass. Ich war direkt ein wenig enttäuscht als ich das Buch durch hatte. Ich wäre gerne noch länger auf der Rabennesthütte bei Bonnie und ihren Freunden geblieben.


Titel: Alpenglühen für Anfänger
Autor: Sissi Flegel
Seiten: 320
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401828
Preis: € 7,99

Griessnockerlaffäre (Rita Falk / Christian Tramitz)

Titel: Griessnockerlaffäre / Verlag: Der Audioverlag / Spielzeit: ca. 388 min / Buch: Rita Falk / gelesen von: Christian Tramitz

Inhalt: Da werden doch die Kühe auf der Alm verrückt Franz Eberhofer soll einen Mord begangen haben! Als im Polizeihof Landshut ein toter Polizist gefunden wird, ist Franz der Hauptverdächtige. Schließlich handelt es sich um seinen erklärten Erzfeind Barschl, mit dem er am Abend vorher einen Riesenkrach hatte. Dann wird auch noch die Mordwaffe gefunden: Franz Eberhofers Hirschfänger. Zum Glück ist der Birkenberger Rudi zur Stelle, um den delikaten Fall aufzuklären, und natürlich gibt auch der Moratschek seinen Senf dazu.


Eberhofers vierter Fall hat es speziell in sich. Denn er selbst steht plötzlich unter Mordverdacht! Er soll seinen ungeliebten Chef umgebracht haben! Leider kann er das wegen überhöhtem Alkoholkonsum am Tatabend nicht einmal sicher bestreiten. Da geht es natürlich sofort an die Ermittlungen. Vielleicht liegt es daran, dass Eberhofer selber unter Tatverdacht steht, aber ich hatte bei diesem Fall zum ersten Mal das Gefühl, dass er tatsächlich richtig ermittelt. Und dass der Fall im Mittelpunkt steht und nicht von seinem turbulenten Familienleben ein Stück weit in der Hintergrund gerückt wird. Und mit Franz persönlich als erster Verdächtiger legt Fall 4 auch in Sachen Spannung ein schönes Schippchen zu. Das heißt nun aber nicht, dass es weniger zum Lachen gibt. Franz hat einfach seine ganz eigene Art von seiner Arbeit zu erzählen und da gibt es wieder massig Anlässe um mindestens zu schmunzeln. Ich lache mich bei den Eberhofer-Krimis ja regelmäßig kaputt. Oma-Fans werden hier besonders auf ihre Kosten kommen, denn die steht im Eberhofer’schen Familienleben dieses Mal besonders im Mittelpunkt. Dabei schlägt die Geschichte auch mal ernstere Töne an.

Wenn Christian Tramitz liest, kann ich Eberhofer direkt vor mir sehen. Einen besseren Sprecher für seine Fälle kann ich mir nicht vorstellen. Er liest wunderbar locker und mit Franz‘ typischer Flapsigkeit. Dass er außerdem mit hörbarem Dialekt liest, kommt dieser Geschichte aus der tiefsten bayerischen Provinz natürlich doppelt zugute.

Das Cover präsentiert sich erneut sehr bayerisch-urtümlich. Halt so, wie man sich das gängigerweise und leicht klischeehaft vorstellt. Damit reiht es sich prima ins Regal ein. Die Heckenschere lässt aber auch durchblicken, dass auf diesen CDs nicht alles heile Welt ist und sich ein Krimi im Player dreht.

Fazit: Eberhofers vierter Fall hat mir wieder ausgezeichnet gefallen. Er fühlt sich tatsächlich nach einem waschechten Krimi an und ist schön spannend. Natürlich geht es in Franz‘ Familie wiedr oft hoch her und es gibt viel zum Lachen, doch klingen hier stellenweise auch überraschend ernste Töne durch.

Rezension – Die Holzhammer-Methode (Fredrika Gers)

Gestatten: Franz Holzhammer, Hauptwachtmeister in Berchtesgaden. Mitten in der sommerlichen Alpenidylle stürzt ein Gleitschirmflieger vom Himmel. Der junge Mann ist auf der Stelle tot. Hauptwachtmeister Franz Holzhammer hat ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache. Sein Vorgesetzter will die Angelegenheit als Unfall abtun, doch Holzhammer ist es egal, wer unter ihm Chef ist – er beginnt zu ermitteln. Kurz darauf kommt eine Patientin der örtlichen Reha-Klinik ums Leben. Christine, ihre Ärztin, will nicht an einen natürlichen Tod glauben. Und so wird die Zugereiste unvermutet Holzhammers wichtigste Verbündete.

Auf meiner Suche nach neuen Regionalkrimis bin ich dank des niedlichen Covers auf „Die Holzhammer-Methode“ aufmerksam geworden.
Mit einem abgestürzten und dabei um’s Leben gekommenen Segelflieger steht hier zunächst kein allzu ausgefallener Todesfall im Mittelpunkt. Und auch den Tod der älteren Dame, die später scheinbar einfach so stirbt, habe ich als nicht besonders ungewöhnlich empfunden. Da gibt es in der Krimiwelt kreativere Morde ;). Als es noch später eine kleine Familie erwischt, ist das schon deutlich dramatischer. Allerdings weiß man da auch schon, woran sie gestorben sind.
Dafür kommt diese Methode zu morden recht ungewöhnlich daher, was mich ganz gut versöhnt hat. Ich habe mich außerdem interessiert gefragt, ob das so tatsächlich möglich ist. Ich gehe davon aus, denn Fredrika Gers wird für ihr Buch sicher recherchiert haben.
Die Frage, wer der Mörder ist, wird zwar relativ lange offen gehalten, ab einem bestimmten Punkt -recht lange vor dem Ende- wird es dann aber aufgelöst. Damit ist ein Teil der Spannung dahin. Glücklicherweise bleibt es aber noch in anderer Hinsicht spannend. Denn man fragt sich schon, ob und wie der Mörder gefasst wird, und ob das letzte Opfer mit dem Leben davon kommen wird.
Wie es sich für einen Regionalkrimi nach meinem Geschmack gehört, schwingt auch bei der „Holzhammer-Methode“ ein gewisser Humor mit. Davon hätte es für meinen Geschmack gerne noch etwas mehr sein dürfen. Beispielsweise in der Beschreibung der Charaktere, denn die blieben für mich doch etwas blass. Dabei ständen dem einen oder anderen ein, zwei weitere Schrullen ganz gut.
Dafür wird die Gegend, in der die Geschichte spielt, schön anschaulich beschrieben. Vor allem, wenn man bereits an einem oder mehreren Orten war, kommen einem dabei sofort die passenden realen Bilder in den Kopf. Das hat mir prima gefallen. Wer noch nicht dort war, bekommt dadurch eventuell Lust auf eine Reise dorthin.

Die Kapitel sind ziemlich lang. Da es aber nur 12 gibt, heißt das andererseits, dass man mit einem gelesenen Kapitel in der Geschichte ein gutes Stück vorankommt. Ansonsten ist das Buch schön leicht geschrieben und in manchen Dialogen trifft man sogar den ortsansässigen Dialekt an.

Das niedliche Murmeltier hatte es mir sofort angetan. Auch in der Geschichte mischen die Murmler mit, wenn auch meist auf schauderhafte Weise. Es hat seinen Grund, wieso das Exemplar auf dem Cover auf einem Teller sitzt! Mit der Holzwand und der karierten Tischdecke ergibt sich ein uriges Cover, das gut zu dieser Art Krimi passt.

Fazit:  Es gibt sicher spektakulärere Kriminalfälle als „Die Holzhammer-Methode“, aber ein paar unterhaltsame Stunden kann man mit diesem Krimi durchaus verbringen. Da dies der erste Band einer Reihe um Hauptwachtmeister Holzhammer ist, gehe ich außerdem davon aus, dass die Charaktere mit der Zeit noch mehr Tiefe erhalten werden. Hier zeigen sie sich noch ziemlich dünn. Trotzdem eine schöne Urlaubslektüre. Speziell, wenn man womöglich genau in diese Ecke Deutschlands reist 😉

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Die Holzhammer-Methode
Autor: Fredrika Gers
Seiten: 272
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499258763
Preis: 8,99  (TB)

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