Ben Aaronovitch

Fingerhut-Sommer (Ben Aaronovitch / Dietmar Wunder)

Titel: Fingerhut-Sommer / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: 266 min / Buch: Ben Aaronovitch / gelesen von: Dietmar Wunder

fingerhutsommerTitel: Peter wird in die tiefste Provinz geschickt, wo sich Fuchs, Hase und der Dorfpolizist gute Nacht sagen und wo – oh unaussprechliches Schicksal – die Läden um vier Uhr nachmittags schließen. Aber es werden zwei Kinder vermisst, und ihr Verschwinden erfolgte unter möglicherweise magischen Umständen. Also muss Peter notgedrungen sein angestammtes Biotop verlassen. Im ländlichen England sind die örtlichen Gottheiten und Kollegen zu zähmen und angesichts lebender Kühe die Nerven zu behalten. Erschwerend kommt hinzu, dass Herefordshire direkt an das schon immer für seine magische Geschichte berüchtigte Wales angrenzt. Da ist das Gesetzeshüterdasein kein Zuckerschlecken.


Während ich krank war, habe ich mir einige der längeren Hörbücher vorgeknöpft, die schon länger hier stehen. Darunter auch den „Fingerhut-Sommer“. Für mich hat diese Reihe nach und nach etwas abgebaut, daher war ich unsicher, ob ich überhaupt dranbleibe. Ich habe mich dafür entschieden, denn irgendwie mag ich Peter wirklich gerne.
Entsprechend konnte ich nur zu gut nachvollziehen, wie es ihm mit seiner Versetzung in die Provinz ging. Ich bin selber Stadtkind und hätte mit einer längeren Zeit auf dem Land sicher so meine Probleme. Peter tat mir da ganz schön leid. Allerdings sorgt seine Begegnung mit dem Landleben und seinen zahlreichen Facetten auch für so manche Situation zum Schmunzeln, manchmal sogar zum Lachen.
Peters Fall dort auf dem Dorf klingt zunächst gar nicht so unspannend. Und ja, ich war durchaus neugierig, wie und wohin die beiden Mädchen verschwunden sind. Doch irgendwie zog sich die Geschichte für mich auch oft. An vielen Ecken fehlt der Schwung, der den Storys der Reihe sonst zu eigen ist. Ob man das nun auf den Schauplatz schieben kann, keine Ahnung. Das möchte ich nicht einfach behaupten. Aber es mischen auch nicht so viele (vertraute) Figuren im gewohnten Maße mit. Das könnte eher ein Grund sein. Und auch in Sachen Magie geht es dieses Mal nicht so hoch her wie sonst.
So ein bisschen wirkte dieser Teil auf mich wie ein Zwischenband, ein Lückenfüller. Wieso auch immer ein solcher notwendig sein sollte. Man hätte auch auf dem Land den bislang so wichtigen Handlungsstrang um den zur dunklen Seite übergelaufenen Magier weiterführen können. Von dem ist hier jedoch nichts zu hören.

Dietmar Wunder macht es mir trotz der schwächer werdenden Geschichten zum Glück trotzdem leicht, der Handlung zu folgen. Ich mag seine verschiedenen Stimmen für die Figuren. Und auch die Leichtigkeit mit der er zwischen einem geheimnisvollen Ton und dem mal lockeren, dann energischen Ton des Polizisten wechselt. Je nachdem, was die Handlung gerade erfordert.

Mit dem Wegweiser nach London weist das Covermotiv bereits darauf hin, dass die Geschichte dieses Mal nicht dort spielt. Stattdessen ist eine Karte der ländlichen Gegend zu sehen. Witzig finde ich dabei die kopfstehende Kuh. Der Blutklecks in der Mitte verrät, dass aber auch hier auf dem Land etwas Böses unterwegs ist.

Fazit:  Ich konnte Peter gut verstehen, dass er mit dem Leben auf Land so seine größeren und kleinere Probleme hat. Dabei gibt es viele witzige Szenen. Spass macht dieser Teil also durchaus. Der Krimi kommt allerdings relativ dünn daher. Die Spannung bleibt öfter mal auf der Strecke und das gewohnte Tempo sucht man ebenfalls vergebens.

Der böse Ort (Ben Aaronovitch / Dietmar Wunder)

Titel: Der böse Ort / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 267 min / Buch: Ben Aaronovitch / gelesen von: Dietmar Wunder

aaronovitch_der_boese_ort_booklet_3221_8.inddInhalt: Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Skygarden Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Sängern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, der Peter noch in schlechtester Erinnerung ist, ein so eingehendes Interesse an dem Gebäude an den Tag legt.


Dies ist nun bereits Peter Grants viertes Abenteuer als Polizist und angehender Magier. Inzwischen ist es unbedingt erforderlich, dass man die vorigen Teile kennt, sonst ist man binnen kürzester Zeit aufgeschmissen. Für Quereinsteiger ist diese Reihe damit nicht (mehr) empfehlenswert.
Leider muss ich gestehen, dass mich „Der böse Ort“ nicht so recht von sich überzeugen konnte. Das liegt zum einen an den Figuren. Natürlich habe ich Grant und seine Truppe wirklich liebgewonnen, keine Frage, aber so ein bisschen Vorankommen in der Entwicklung wäre schon nicht schlecht. Speziell auch bei Peter selber, der mit seiner Magierausbilung ziemlich auf der Stelle tritt.
Der neue Fall für Grant dagegen lässt sich ganz interessant an und ich freute mich schon auf weitere spannende Ermittlungen. Diese Ermittlungen trifft man aber eher selten an bzw nur wenn man zwischendurch mal gut aufpasst. Vor und nach diesen Szenen bin ich gedanklich gerne mal abgedriftet, wenn Ben Aaronovitch in den Schilderungen Londons ergeht. Es ist unverkennbar, dass er diese Stadt kennt und liebt und sie dem Hörer schmackhaft machen will, allerdings geht dieses Ansinnen hier zur Lasten des Krimis und seiner Spannung. So plätschert die Story oft vor sich hin und hat tatsächlich einige wirklich langweilige Momente, die nicht mal vom tpyischen Humor gerettet werden konnten. Das war ich von den Vorgängern so gar nicht gewöhnt.  Womöglich ist es mir deshalb hier so deutlich aufgefallen. Vielleicht aber auch, weil die Geschichte zum Ende hin plötzlich richtig aufdreht und in Sachen Spannung und Tempo absolut keine Wünsche offen lässt. Da schreckt man dann plötzlich auf und glaubt es kaum. Das Ende hält dann außerdem noch eine ganz ordentliche Überraschung bereit, weshalb ich die Reihe nach diesem vierten Teil doch noch nicht aufgebe und sicher auch noch Teil 5 hören werde. Vielleicht kommt die Reihe da wieder auf Touren. Ich wünsche es mir wirklich sehr!

Dietmar Wunder hat keine Schuld daran, dass mich dieser Band nicht wirklich fesseln konnte. Ich höre ihn immer noch gerne als Peter Grant. Und weil ich seine Stimme und den Ton für diese Geschichten so gerne mag, habe ich die drei CDs auch durchgehört. Bei einem anderen Sprecher, der mir nicht so liegt, hätte ich das Hörbuch womöglich abgebrochen. Aber der stetige Wechsel zwischen dem geheimnisvollen Ton, wenn es um die magische Welt geht, und dem sympathischen, aber doch energischeren Ton sobald es sich um die reale Welt und seine Polizeiarbeit dreht, haben mich bei Laune gehalten.

Auf dem Cover ist einmal mehr ein Ausschnitt aus dem Stadtplan von London zu sehen. Ein Markenzeichen der Reihe. Mit der Schattengestalt und den Spinnen und Totenköpfen wirkt es außerdem eine Spur gruselig und lässt auf eine spannende Geschichte hoffen.

Fazit:  Ben Aaronovitchs Liebe zu London in allen Ehren, aber seine Schilderungen gehen hier häufig zu Lasten des Krimis und der Spannung. So hat die Geschichte bei mir einen recht unspektakulären Eindruck hinterlassen. Am Ende geht es dann zwar nochmal rund und man bekommt eine echte Überraschung geboten, doch vorher plätscherte alles eher so vor sich hin. Das kann Peter Grant besser. Deshalb hoffe ich auf Band 5.

Ein Wispern unter Baker Street (Ben Aaronovitch / Dietmar Wunder)

Titel: Ein Wispern unter Baker Street / Verlag: Jumbo, Goya Lit / Spielzeit: ca. 262 min / Buch: Ben Aaronovitch / gelesen von: Dietmar Wunder

wispernbakerstreetInhalt: Eine unbekannte Person wird im U-Bahn-Tunnel nahe der Station Baker Street tot aufgefunden – erstochen, und es deuten unübersehbare Anzeichen auf die Anwesenheit von Magie hin. Ein Fall für Peter, keine Frage. Der unbekannte Tote stellt sich als amerikanischer Kunststudent und Sohn eines US-Senators heraus, und ehe man noch „internationale Verwicklungen“ sagen kann, hat Peter bereits die FBI-Agentin Kimberley Reynolds mitsamt ihren felsenfesten religiösen Überzeugungen am Hals. Dabei gestalten sich seine Ermittlungen auch so schon gruselig genug, denn tief in Londons Untergrund, in vergessenen Flüssen und viktorianischen Abwasserkanälen, hört er ein Wispern von alten Künsten und gequälten Geistern.


Peter Grants neuer Fall lässt sich wenig magisch an. Ein unbekannter Toter wird in einem Tunnel nahe der U-Bahnstation Baker Street gefunden und man ruft ihn zum Tatort. Doch dort vermischt sich die normale Polizeiarbeit sofort wieder mit Nachforschungen in magischer Hinsicht. Mir gefällt diese Mischung jedes Mal wieder sehr gut, weil die Geschichten somit nicht total ins Phantastische abrutschen und zu einer Art Harry Potter für Erwachsene werden.
Schon bald zieht der Leichenfund weite Kreise und Peter hat alle Hände voll damit zu tun, dass in der normalen Welt niemand Wind von den magischen Vorgängen bekommt. Das wird durch eine FBI-Agentin mit eigenwilligen religiösen Ansichten, die man ihm zur Seite stellt, nicht gerade erleichtert. Da ist auch für so manche chaotische Situation gesorgt, bei denen ich schmunzeln musste. Schön, dass der Spass bei dieser Reihe nicht zu kurz kommt.
Mir hat vor allem der Schauplatz mit der Kanalisation gefallen. Das riecht doch schon förmlich nach Spannung und leicht schauerlichen Szenen. Ben Aaronovitch schildert die Kanalisation dann auch so detailverliebt und eindringlich, dass man sich sofort dorthin versetzt fühlt und sich alles wunderbar vorstellen kann. Da wäre ich gerne noch viel länger mit Peter und Co. herumgestrichen.  Aaronovitch kennt sich scheinbar so gut in London aus, dass er mir die Stadt eh mit jeder Geschichte mmer schmackhafter macht.
Ich habe bei diesem mittlerweile dritten Teil der Reihe allerdings das Gefühl, dass die übergreifende Story zunehmend komplexer wird. Man trifft hier auch Elemente und Figuren aus den beiden vorigen Folgen an, die weiter ausgearbeitet werden. Da sollte man das Vorangegangene auf dem Schirm haben. Quereinsteiger werden es eher schwer haben. Auch schon alleine was die Personen anbetrifft, bei denen man einen Überblick braucht. Dafür sind es inzwischen ganz schön viele geworden.
Sollten Sherlock Holmes-Fans auf dieses Hörbuch oder das Buch dazu aufmerksam werden, dann möchte ich kurz anmerken, dass Holmes in der Geschichte keinen Platz einnimmt. Ob der Titel Aufmerksamkeit heischend gedacht ist, weiß ich nicht. So ganz glaube ich es aber nicht. Die Baker Street spielt eine Rolle, der Meisterdetektiv jedoch nicht.

Dietmar Wunder höre ich immer wieder gerne in der Rolle von Peter Grant. Ich mag seine Stimme ohnehin sehr gerne, hier gefällt es mir aber immer besonders, dass er im Nu zwischen einem leicht geheimnisvollen Ton und dem Ton eines Polizisten hin- und herwechseln kann. Das passt gut zur Geschichte, die ja eine Kombination aus Magie und Krimi ist. Außerdem mag ich den oft bissigen Humor, der immer wieder mal durchklingt. Alleine Dank dieser Erzählweise und der List darin, kann ich bei den Hörbüchern leicht mal grinsen. Da macht das Hören Spass.

Das leuchtend rote Cover ist schön auffällig und auch bei diesem Teil ist wieder ein Ausschnitt aus dem Londoner Stadtplan zu sehen. Mir gefällt vor allem die Skeletthand, die auf den Blutfleck neben der Baker Street zeigt. Das sieht schön gruselig aus.

Fazit:  Einmal mehr genau die richtigen Mischung aus Magie und normaler Polizeiarbeit. Die Geschichte ist spannend und führt einen hinab in die Londoner Unterwelt, was schön stimmungsvoll und anschaulich geschildert wird. Die Abenteuer des Peter Grant werden zunehmend komplexer und ich bin neugierig, was die Reihe noch in petto hat.

Schwarzer Mond über Soho (Ben Aaronovitch / Dietmar Wunder)

Titel: Schwarzer Mond über Soho / Verlag: Jumbo Verlag, GoyaLit / Spielzeit: ca. 265 min / Buch: Ben Aaronovitch / gelesen von: Dietmar Wunder

mondsohoInhalt: Sein Spezialgebiet ist die Magie, sein Vorgesetzter der letzte Magier Englands und er selbst immer noch in der Ausbildung. Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu.


„Schwarzer Mond über Soho“ ist nun das zweite Hörbuch um den magisch begabten Polizisten Peter Grant. Der hat hier im Grunde sogar gleich mit zwei Fällen zu tun. Erstens sterben in London auffällig viele Jazzmusiker. Das wäre so noch kein Fall für Grant, doch die Leichen spielen auf gewisse Art noch immer auf ihren Instrumenten, und so ist bald klar, dass irgendwie doch Magie im Spiel ist. Zweitens geht scheinbar eine sehr blutdurstige Frau um, die solch scharfe Zähne hat, dass sie damit so manchen Herren kastriert.
Jede Menge zu tun als für Grant, der dieses Mal ziemlich auf sich alleine gestellt ist. Sein Lehrmeister steht ihm nicht mehr in solchem Maße zur Seite wie im ersten Band, da er noch die Folgen dieses Abenteuers auskuriert.
Mir hat „Schwarzer Mond über Soho“ wieder sehr gut gefallen! Ich finde es einfach klasse, wie hier Magie und Krimi miteinander vermischt werden. Natürlich spielt die Magie eine große Rolle, damit hängen die Verbrechen schließlich zusammen. Doch bei Grants Ermittlungen hat man trotzdem immer den Eindruck, ganz normale Nachforschungen zu begleiten. So vermittelt auch dieser zweite Teil der Reihe nie den Eindruck, einer rein phantastischen Geschchte zu lauschen. Grant ist letztlich in der Hauptsache bei der Polizei, sodass es trotz aller Magie wie ein echter Krimi klingt.
Ich hoffe, das bleibt auch so, wenn Grant in Sachen Zauberei mal begabter ist als jetzt noch.
Mir hat der Fall um das bissige Weib ein Stück besser gefallen als der um die verstorbenen Jazzer. Ich finde, bei dieser Dame und allem um sie herum hat Aaronovitch in Sachen Ideenreichtum und Blut ordentlich aus dem Vollen geschöpft. Sowas mag ich! Genau wie den Humor, der auch dieser Geschichte wieder zueigen ist und mich immer mal wieder grinsen ließ.

Dietmar Wunder ist auch hier wieder zu hören und erneut hatte ich viel Spass dabei, ihm zu lauschen. Er verleiht den oft schrägen Charakteren und Wesen schöne passende Stimmen. Außerdem klingt er bei Grants Ermittlungen genauso wie ich mir einen Polizisten vorstelle: energisch und befehlsgewohnt. Gleichzeitig klingt immer auch der Humor der Geschichte durch.

Dem Covermotiv ist der Zusammenhang mit „Die Flüsse“ von London klar anzusehen. Mir gefällt dieses hier aber besser wegen dem schönen, dunklen Blau. Und den Bühnenscheinwerfer finde ich eine schöne Idee, die zur Geschichte passt.

Fazit:  Mir hat dieser zweite Teil noch einen Tacken besser gefallen als der erste Teil. Spannend, magisch, aber eben auch ein waschechter Krimi um äußerst seltsame Morde, und gewürzt mit einem Schuss bösen Humor.

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