Bettina Brömme

Engelmord (Bettina Brömme)

engelmordMelina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin – eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ich habe noch einige Rezensionen nachzuholen zu Büchern, die ich bereits 2016 gelesen habe. Also fangen wir direkt mit einem davon an. Im Urlaub letztes Jahr haben mich vor allem die Arena Thriller begleitet, von denen ich noch manchen Band ungelesen stehen habe.
“Engelmord” -das kann ich gleich vorab schon sagen- gehört für mich zu den stärkeren Geschichten aus der Reihe, auch wenn ich auch hier mit gewissen Dingen ein paar Schwierigkeiten hatte. Dazu später.
Alleine dass die Story sich hauptsächlich in der Gemeinschaft einer Sekte abspielt, hat mir auf Anhieb gut gefallen. Das ist einfach mal etwas anderes und einem ganz schön fremd. Und das sorgt dann irgendwie auch dafür, dass die Umstände zB eines Mords anders wirken (können).
Zunächst hat man erstmal genug Gelegenheit, sich mit Melina in der Gemeinschaft ein- und zurechtzufinden. Und schon das Leben und die Lebensweise und Lebensumstände der Gemeinschaft wirken  eher befremdlich. Natürlich, vieles klingt einladend und irgendwie konnte ich ein kleines Stück weit nachvollziehen, was die Menschen dort daran begeistert, doch in erster Linie fand ich es einfach nur schrecklich. Ich habe Melina ehrlich dafür bewundert, wie sie die Sache meistert und damit umgeht. Denn schnell stellt sich heraus, dass diese vemeintlich so ehrenhafte Gemeinschaft allgegenwärtig ist, dass man ihr nicht entkommen kann und dass sie zur Verwirklichung ihres Lebenstraums über Leichen gehen. Zunächst im übetragenen Sinne, später dann auch im buchstäblichen Sinne.
Natürlich eckt Melina häufig an in der Gruppe, was Strafen nach sich zieht. Das sorgt ebenso für Spannung wie auch die Suche nach ihrem Bruder selber und dem Schrecken als sie ihn dann findet. Und natürlich die Frage, ob der Mord tatsächlich auf sein Konto geht.
Die Lage für Meline in der Sekte spitzt sich schnell zu und man hat häufig Gelegenheit, Angst um sie zu haben und an den Fingernägeln zu knabbern, wenn sie eine neuerliche Aktion startet um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, das die Gemeinschaft umgibt. Außerdem habe ich die ganze Zeit gehofft, dass die Mitglieder sie nicht doch auf ihre Seite ziehen.
Das Finale präsentiert sich erstmal höchst dramatisch mit einem Feuer und wartet anschließend mit so mancher Überraschung auf. Einige davon haben mich ehrlich schockiert, weil ich das im Vorfeld nicht habe kommen sehen. Einige waren weniger überraschend, haben mich aber trotzdem wirklich ärgerlich gemacht. So eine heuchlerische Bande aber auch!
Bis hierher klingt das alles ja wirklich prima. Aber eingangs habe ich ja bereits gechrieben, dass ich auch gewisse Probleme mit der Geschichte hatte. Ich konnte nämlich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig in die Fänge einer Sekte begeben kann. Allgemein nicht, was vermutlich daran liegt, dass mir dieser Grad an Verzweiflung völlig fremd ist (zum Glück!), den es dafür braucht.
Im Falle von Melina aber auch deshalb nicht, weil ihr doch schon nach kurzer Zeit dort klar sein muss, wie man sie dort behandelt, wie man Menschen allgemein dort behandelt. Und dass ihr Bruder sich längst so weit von ihr entfernt hat wie es nur geht! Alleine um ihr eigenes Wohl, hätte ich ihr manches Mal gerne zugerufen, sie solle Bruder Bruder sein lassen und sich dort vom Acker machen. Schließlich ist sie mutig und clever und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie kann so jemand widerum gleichzeitig so dumm sein? Nein, das habe ich nicht verstanden. Und so habe ich mir innerlich alle naselang an die Stirn getippt und mich irgendwie auch geärgert.

Lesen ließ sich “Engelmord” jedenfalls wie nichts. Melina erzählt sehr lebendig, locker und mit einem Funken bösen, teilweise ein wenig bitteren Humor. Die Kapitel sind teilweise etwas länger, was aber gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Kapitel auch ein gutes Stück in der Geschichte vorankommt.

Für mich passen weiße Cover ja nicht so wirklich zu einem Thriller. Aber dieses Motiv an sich mag ich schon mit dem Flügelanhänger und dem Hintergrund, der einen gefiederten Engelsflügel zeigt. Trotzdem, etwas düsterer hätte es für mich gern sein dürfen.

Fazit:  Ich konnte die ganze Zeit nicht nachvollziehen, wie man sich freiwillig in eine Sekte begibt. Und wie man all das auf sich nimmt für jemanden, der an einem gar kein Interesse mehr zeigt. Da habe ich mich schon manches Mal geärgert. Allerdings fand ich die Geschichte auch sehr spannend und teilweise wirklich schockierend. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, sich solch ein Leben anzutun und sich davon obendrein noch eine Verbesserung seiner Situation zu versprechen? Schlimm, wenn man sich vorstellt, dass es so etwas tatsächlich gibt. Somit kann ich “Engelmord” trotz meines durchgängig leichten Ärgers wirklich empfehlen.


Titel: Engelmord
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 280
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401069180
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Frostherz (Bettina Brömme)

Frostherz (Bettina Brömme)Anne ist nicht wie andere Mädchen. Sie lebt zurückgezogen, ihr Vater überwacht jeden ihrer Schritte. Doch dann lernt sie Cornelius kennen, und mit ihm gemeinsam wagt sie es endlich, sich aufzulehnen. Was sie nicht ahnt: Den Vater quält ein schreckliches Familiengeheimnis, und es gibt jemanden, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, um dieses Geheimnis für immer zu wahren.

Auch wenn mich nicht jeder Arena Thriller umgehauen hat, so bin ich dieser Bücherreihe doch total verfallen. Ich weiß, es sind Perlen darunter, und die möchte ich alle entdecken. Deshalb führte auch an “Frostherz” kein Weg vorbei. Und weil Blau meine Lieblingsfarbe ist 😉
Die Geschiche beginnt mit einem traurigen Ereignis, nämlich dem Tod von Annes Oma, mit dem sie und ihr Vater nun zurechtkommen müssen. Dieser Anfang hat mir deshalb gut gefallen, weil man Menschen in solchen Extremsituationen oft am besten kennenlernt. So hatte ich bald ein gutes Bild von Anna und ihre Vater und ihrem Verhätnis zueinander vor Augen, an dem jedoch etwas nicht stimmte. Ich konnte das zunächst nicht richtig greifen. Es gab zwar immer mal Momente, in denen ich dachte “das kann doch nicht wahr sein” oder “was soll denn das?”, aber es war nichts Handfestes.
Es dauerte bis zu Cornelius erstem Auftritt bis ich es endlich hatte: Anne wird trotz ihrer siebzehn Jahre von ihrem Vater überwacht wie ein Kleinkind. Wenn nicht sogar noch schlimmer. Und bei alles Sympathie Anne gegenüber, so habe ich nicht verstanden, wieso sie sich das in ihrem Alter gefallen lässt. Ich hätte sie dafür mehrfach gerne geschüttelt. Wie kann sie das so einfach akzeptieren, ja sogar normal finden?
Gut, dass Cornelius in Anne Leben tritt. Ich mochte diesen lockeren Paradiesvogel mit den verrückten Ideen und dem unkonventionellen Verhalten sofort. Kam mir Annes Welt bis dahin grau vor, so kam nun endlich Farbe hinein. Wortwörtlich. Und endlich, endlich begann Anne daran zu zweifeln, ob es richtig ist, wie sie mit ihrem Vater lebt.
Doch mit Annes Freundschaft zu Cornelius kommt noch etwas anderes in Gang, worüber ich lange gegrübelt habe. Was geht da vor sich? Plötzlich muss man sich die Frage stellen, wieso Annes Oma sterben musste. Und kann man Annes Vater trauen? Was verbergen Cornelius und sein Vater? Und wie hängt das eigentlich alles zusammen? Ich habe wirklich gegrübelt und geknobelt, was mir bei einem Thriller oder Krimi immer viel Spass macht. Und ich habe so gehofft, dass Cornelius keine krummen Touren fährt. Weiteren Stoff zum Rätseln steuern kurze “Zwischenkapitel” bei, die aus Sicht einer Person erzählt sind, die einem in der Geschichte sonst nicht begegnet. Wer ist es? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Einschüben und der Handlung um Anne?
Ebenso spannend fand ich es zu verfolgen, wie Anne sich dank Cornelius zusehends mausert, ihren eigenen Kopf entwickelt und sich -wenn auch zunächst heimlich- gegen ihren Vater auflehnt. Dass das über kurz oder lang in kleineren Katastrophen enden würde, ist dabei zwar klar, aber das gehört bei einem Teenager auch dazu! Und durch diesen neu gewonnenen Mut geht es Anne mit Cornelius zusammen an, den Rätseln auf den Grund zu gehen, die sich immer mehr um sie herum verdichten.
Dabei kommt man der Sache auch als Leser nach und nach auf die Spur. Und auch wenn ich nicht jedes Detail der späteren Auflösung “ermitteln” konnte, so stand für mich irgendwann zumindest fest, welche Ungeheuerlichkeit hinter den ganzen seltsamen Vorfällen steckt. Nun ist das zwar ein heikles und schreckliches Thema, daran kann kein Zweifel bestehen, aber leider auch eines, das einem schon in so vielen Thriller, Krimis -sei es als Buch oder im TV- begegnet ist, dass ich fast automatisch mit einem “Nicht schon wieder…” abwinke. Doch das ist natürlich mein ganz persönliches Empfinden. Und wie gesagt: selbstverständlich ist es absolut grausam, das ändert sich dadurch nicht. Hier könnte es obendrein gut dafür sein, dass die jugendlichen Leser die Augen offen halten. Das wäre toll!

Anfangs ist mir das Lesen schwer gefallen. Einfach weil mir Annes Leben so trostlos erschien. Als mit Cornelius dann Leben reinkam, fiel es mir gleich viel leichter. Die Kapitel sind nicht unbedingt kurz, aber dafür kommt man mit jedem Kapitel ein gutes Stück in der Geschichte voran. Das hat sein Gutes. Und die eingeschobenen Kapitel mit dem unbekannten Erzähler lockern zwischendrin auf.

Wie gesagt ist Blau meine Lieblingsfarbe. Außerdem finde ich, dass die Farbe zu einem so frostigen Titel prima passt. Genau wie die einfallsreiche Darstellung von einem Frostherz. Wirklich eine schöne Idee!

Fazit:  Der Anfang der Geschichte fiel mir schwer, weil ich Annes Duldsamkeit absolut nicht nachvollziehen konnte. Das hat mich regelrecht genervt. Aber natürlich braucht es so eine Ausgangssituation, damit das nachfolgende Geschehen sich überhaupt entwickeln kann. Mit Cornelius kam zum Glück schnell Leben in die Geschichte. Ich fand es spannend zu verfolgen, wie sich aus seltsamen Kleinigkeiten allmählich das Bild einer wahren Ungeheuerlichkeit zusammenfügt. Es bleibt abr auch dabei, dass man des Rätsels Lösung hier nicht zum ersten Mal begegnet. Viele Thriller befassen sich mit diesem Thema.


Titel: Frostherz
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 284
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401068411
Preis: € 9,99 (Broschiert)

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Die dunkle Seite des Spiels (Bettina Brömme)

dunkleseitespielWas für ein Abenteuer! Zwei Wochen lang wollen Elena und ihre Klasse auf einer einsamen Berghütte verbringen und dort leben wie im Mittelalter – ganz echt, ohne Strom, Heizung und fließendes Wasser. Doch was als Rollenspiel rund um einen Hexenprozess geplant ist, wird zum Kampf auf Leben und Tod.

Ich bin diesen Thriller-Zwergen vom Arena Verlag im Moment ziemlich verfallen. Deshalb musste natürlich auch dieser Band ziemlich schnell her.
Und ich war noch bei keinem Minithriller so unentschlossen bzw fand es noch bei keinem so schwierig, mein Problem damit zu schildern. Denn eigentlich ist es ja kein Problem!
Weil ich die Idee der Geschichte nämlich wirklich richtig klasse finde! Eine Gruppe junger Leute in einer einsamen Berghütte, durch schlechtes Wetter dort quasi festgesetzt und vom Leben im Tal abgeschnitten, ein Spiel mit einer Handlung aus dem finsteren Mittelalter, das die anfangs gute Stimmung zu kippen droht, eine Reihe Unglücke, die geschehen, eine Art Lagerkoller und plötzlich zwei völlig Fremde, die auftauchen und von denen man nicht weiß, ob man ihnen trauen kann. Sowas mag ich immer wieder super gerne und für mich ist es stets auf neue ein ziemlich sicherer Garant für einen tollen Thriller!
Ich finde, mit dieser Situation, einem solchen Szenario, lässt sich unglaublich viel Atmosphäre erzeugen, die einen beim Lesen schaudern lässt.
Doch dafür braucht es dann halt doch auch eine gewisse Ausführlichkeit, und die kann ein Minithriller mit seinen 90 Seiten nun mal leider nicht bieten. So erschien mir die Geschichte doch etwas zu oberflächlich um Wirkung zu entfalten.
Und auch wenn ich es schon spannend fand, wie es mit den Kids weitergeht und was es mit den Fremden auf sich hat, hat mir eben diese Wirkung leider gefehlt.

Ratz-fatz und man hat auch dieses Minithriller ausgelesen. Jugendlich locker, unterhaltsam und mit zahlreichen Dialogen ist er erneut ein idealer Lese-Snack. Und da es keine Kapitel gibt, kommt man auch gar nicht auf die Idee, mal eine Pause einzulegen.

Mein Lieblingscover der Minithriller! Ich bin kein Blumenfan, aber ich mag stachelige Gewächse, vor allem wenn sie so schön grün sind 😉

Fazit:  Die Idee dieser Geschichte hätte einen richtigen “großen” Arena Thriller verdient, denn sie hat alles an nötigem Rüstzeug, was es für einen super spannenden und atmosphärischen Thriller braucht! Die 90 Seiten hier halten das alles viel zu sehr unter Verschluss. Ich würde die Geschichte als “großen” Thriller sofort nochmal kaufen!


Titel: Die dunkle Seite des Spiels
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 90
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401503936
Preis: € 2,99 (Broschiert)

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