Birgit Schlieper

Angstspiel (Birgit Schlieper)

angstspielEs beginnt ganz harmlos: Linda lernt einen Typen im Schüler-Chatroom kennen – höflich, unaufdringlich, angenehm. Natürlich verrät Linda ihm nicht ihre privaten Daten, schließlich ist sie nicht blöd. Doch sie hat die Heimtücke des Unbekannten unterschätzt: Lästige Emails und kitschige Blumenbotschaften gipfeln in einer gehässigen Schmierkampagne. Linda fühlt sich beobachtet, verfolgt, wird fast verrückt vor Angst. Und der Stalker lässt nicht locker – im Gegenteil: Er befindet sich in tödlicher Nähe.

Nachdem mir “Böser Traum” so gut gefallen hatte, kam schnell der zweite Thriller von Birgit Schlieper an die Reihe.
“Angstspiel” hält sich mit langen Vorreden nicht auf. Man ist sofort mitten im blutigen Geschehen. Linda hat eine Scheibe eingeschlagen und sich dabei so sehr verletzt, dass der Krankenwagen gerufen werden muss. Es ist zwar schnell klar, dass sie die Scheibe eingeschlagen hat, weil jemand etwas darauf geschmiert hat, von dem sie sich bedroht fühlt, aber was genau dahinter steckt, das erfährt man erstmal noch nicht. Für sowas habe ich dann immer zu wenig Geduld. Deshalb musste ich einfach weiterlesen.
Man erfährt, dass Linda im Chat einen Typen kennengelernt und ihm leichtsinnigerweise ihre Namen und ihre Mailadresse verraten hat. Anfangs verstehen sie sich super, Linda ist sogar ein wenig verliebt. Dann verschwindet der Typ online plötzlich und verlegt sich stattdessen darauf, sie im richtigen Leben zu terrorisieren.
Als das klar wurde, hatte ich zunächst ganz schön Angst, dass die Geschichte nun ewig drauf herumreiten würde, wie böse doch das Internet und Chats sein können. Das stimmt sicher irgendwo, aber ich mag es nicht, wenn mir das ewig vorgehalten wird. Deshalb war ich erleichtert als sich herausstellte, dass es zwar der Aufhänger der Geschichte ist, darauf aber kaum tiefer eingegangen wird. Für einen Thriller wäre das meiner Meinung nach auch nicht nötig gewesen.
Mit Lindas Einstellung habe ich mich anfangs etwas schwer getan. Wenn ich mich so bedroht fühle und dermaßen verängstigt bin wie sie, dann suche ich mir doch Hilfe! Vor allem, weil sie sich ja sicher ist, ihren Vater würde es nur ein paar Klicks kosten und er hätte den Verrückten. Ehe man in solchem Terror weiterlebt, gibt man doch einen Fehler zu (das Herausgeben des Namens und der Mailadresse) und hat danach höchstwahrscheinlich seine Ruhe!
Aber Linda ist sechzehn Jahre alt, da denkt man vielleicht nicht so vernünftig. Vor allem, wenn man wie sie nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt, eher schüchtern ist und teilweise ganz schön im Schatten der schönen und energiegeladenen Zwillingsschwester steht. Von dieser Seite aus betrachtet, konnte ich es irgendwo nachvollziehen, dass sie versucht, sich der Sache selber zu stellen. Doch das ist gefährlich!
Mir hat es sehr gut gefallen, wie eindrucksvoll Lindas Angst beschrieben wird. Sehr bildhaft, mit vielen Vergleichen und Schilderungen, die einem im Nu eine Gänsehaut bereiten und denen man amerkt, dass Lindas Angst immer schlimmer wird. Ich konnte mich so sehr gut in sie einfühlen und habe ihre Panik teilweise selber gespürt. Neben ihren panischen Gedanken ereignen sich zudem immer mal bestimmte Vorfälle, die einfach grausig sind. Auf gewisse Weise habe ich Linda somit auch bewundert. Ich glaube, ich an ihrer Stelle hätte bereits früh kapituliert und entweder doch jemanden um Hilfe gebeten, oder mich nur noch in meinem Zimmer vergraben und darauf gehofft, dass ein Wunder geschehen wird. Zudem kann man prima verfolgen, wie allmählich Lindas Umfeld wegbricht bis sie schließlich ganz alleine dasteht. Es lässt einen schaudern, wie schnell so etwas gehen kann.
Die Wendung kurz vor dem Ende hat mich überrascht. Mir war zwar schon vorher mal eine Idee in die Richtung gekommen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, in welchem Zusammenhang das mit dem Terror stehen sollte, dem Linda ausgesetzt ist. Somit fand ich diese Überleitung zum tatsächlichen Ende ein bisschen holprig, auch wenn mir so ein Dreh bisher sonst in noch keinem Thriller begegnet ist.
Das Ende selbst hat mir dagegen wirklich ganz ausgezeichnet gefallen. Ich mag Geschichten um solche Vergehen an Menschen ausgesprochen gerne. Das war ganz nach meinem Geschmack. Außerdem belohnt einen dieses Ende, wenn man zuvor mitgeknobelt hat, wer aus Lindas Umfeld womöglich mit dem Geschehen zu tun haben könnte. Da muss man dann aber schon gut aufgepasst haben. Ich habe die Verbindungen zuvor nicht eine Minute lang als verdächtig angesehen.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen, weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Da Linda selbst erzählt, ist der Ton recht jugendlich. Sie findet aber auch die richtigen Worte um dem Leser die Ernsthaftigkeit ihrer Situation, Gefühle und Gedanken zu vermitteln. Das liest sich zum Teil -vor allem in Dialogen- sehr flott, zum wesentlichen größeren Teil aber auch ausgesprochen eindringlich. Davon kommt man so leicht nicht los. Mir ist es gar nicht gelungen.

Auf dem Cover mit seinen Punkten guckt man sich schwindelig. Der schwarze Hintergrund passt gut zu einem Thriller. Was allerdings die Clownsfigur mit der Geschichten zu tun hat, kann ich nicht erkennen. Aber ich gehöre zu den Menschen, die Angst vor Clowns haben. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Also wird er sicher dem einen oder anderen einen kleinen Schauer über den Rücken jagen. Das widerum sollte einem bei einem Thriller ja auch so gehen.

Fazit:  Auch wenn ich Lindas Entscheidung anfangs nicht wirklich nachvollziehen konnte, hat mir der Thriller doch so richtig Spass gemacht. Er ist super spannend und vermittelt einem Lindas Angst so eindringlich, dass man sie selber spüren kann. Das hat mich über die für mich etwas holprige Überleitung zum Ende hinwegsehen lassen. So konnte ich das Buch nicht eher aus der Hand legen bis ich es ausgelesen hatte. Ein klare Thriller-Empfehlung von mir!


Titel: Angstspiel
Autor: Birgit Schlieper
Seiten: 336
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570160848
Preis: € 9,99 (broschiert)

Böser Traum (Birgit Schlieper)

boesertraumDie Entführung ist nur fingiert – doch das, was von den zwei Freundinnen als Denkzettel für Charlottes Eltern geplant war, nimmt eine dramatische Wendung: Emilia landet nach einem Unfall schwerverletzt auf der Intensivstation. Und als sie aus dem Koma erwacht, erinnert sie sich nur unscharf an die in einer alten Fabrik eingesperrte Charlotte. Der junge Pfleger, den sie in ihrer Verzweiflung ins Vertrauen zieht, behauptet, Charlotte in ihrem Gefängnis nicht vorgefunden zu haben. Aber warum ist sein Blick plötzlich so eisig? Und warum geht es Emilia, die doch eigentlich über den Berg sein sollte, von Tag zu Tag schlechter? Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn nicht nur Charlotte schwebt in akuter Lebensgefahr.

Dies ist mein erster Thriller von Birgit Schlieper. Als erstes fiel mir das schöne Cover auf und die Inhaltsangabe klang zudem ganz vielversprechend. Deshalb wurde es kurz nach dem Einzug sofort gelesen.
Mit langen Vorreden hält die Geschichte sich nicht auf. Man ist sofort mittendrin und erfährt, was Charlottes Eltern für ihre Tochter geplant haben. Sie soll in ein Internat. Aber das geht gar nicht! Wie soll es für Charlotte und ihre beste Freundin Emilia weitergehen, wenn sie getrennt sind? Wo sie seit Kindesbeinen keinen Tag ohne die andere verbracht haben und alles miteinander teilen? So innig diese Freundschaft hier hier beschrieben wird -man kann es sich auch als Leser vom ersten Moment an nicht vorstellen, dass die beiden getrennt werden sollen-, so schwer habe ich mich anfangs trotzdem mit Emilia getan. Sie war mir eine Spur zu energisch, zu bestimmend um sie wirklich nett zu finden. Da kam mir Charlottes ruhiges und freundliches Wesen mehr entgegen.
Über den Plan der beiden Freundinnen, Charlottes Entführung zu fingieren um deren Eltern wachzurütteln, habe ich Bauklötze gestaunt. Auf solch eine Idee muss man erstmal kommen! Und beim Besuch des Verstecks, in dem Charlotte bleiben soll, habe ich wirklich geschaudert. Was für eine gruselige Vorstellung, dort auch  nur einen Tag zu verbringen, geschweige denn eine Nacht!
Dann kommt es aber noch viel schlimmer! Kaum ist Charlotte versteckt, hat Emilia einen Unfall und landet im Krankenhaus, wo sie im Koma liegt. So sitzt Charlotte natürlich in ihrem Versteck fest, und selbst als Emilia aufwacht, kann sie sich nicht ausreichend bemerkbar machen und erzählen, was passiert ist.
Mich haben die Szenen mit Charlotte in ihrem Versteck am meisten beeindruckt und zum Schaudern gebracht. Ob man in solch einer Situation wirklich so eine Entwicklung durchmacht, wie Birgit Schlieper sie so eindrucksvoll und detailgenau beschreibt? Furchtbar!
Ebenso furchtbar fand ich die Situation von Charlottes Eltern, ihrem Freund Mats und auch Emilias Eltern, die von Charlottes Eltern bald informiert werden. Diese Sorge um ihre Tochter, die genauso genau und authentisch geschildert wird! Das muss auch schrecklich sein. Ich konnte ihre Angst sehr gut nachvollziehen und mit ihnen bangen.
Als dann ein Pfleger aus Emilias Gestammel erste Schlüsse zieht, schöpft man zunächst Hoffnung. Da ist jemand, der Charlotte helfen können. Doch bald wird klar, dass auch der Pfleger nichts Gutes im Sinne hat. Auch wenn er das ganz anders sieht. Mit dieser Wendung wird auf der dritten Seite Sorge und Angst geschürt. Nun bangt man als Leser auch noch um Emilias Leben. Und doppelt so sehr um Charlottes.
Das Geschehen ist wirklich wie eine Spirale aus Angst aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Kaum hat man einen Funken Hoffnung, geschieht etwas, das ihn wieder zunichte macht. So bleibt die Geschichte bis zum Schluss sehr spannend und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie diese Situation noch jemals ein gutes Ende finden soll. Das ist oft wirklich schwer vorstellbar.

Kein Kapitel hat mehr als vier Seiten und die Titel machen außerdem neugierig auf den weiteren Verlauf. Mit so kurzen und knackigen Kapiteln liest das Buch sich im Nu dahin. Getreu dem “verhängnisvollen” 😉 Motto ‘ach, ein Kapitel noch’ war ich plötzlich schon über die Mitte hinaus. Das wird auch jungen Lesern  entgegenkommen.

Sind Gläser mit darin gefangenen Schmetterlingen die neue Mode bei Covern? Mit etwas Phantasie kann man die eingesperrten Schmetterlinge hier zumindest noch mit Emilia und Charlotte gleichsetzen, die beiden auf verschiedene Art gefangen sind. Mir hat das Cover sofort gefallen, trotzdem es ähnliche bereits gibt. Es ist zwar recht schlicht, fällt mit dem kräftigen Blau aber dennoch auf! Und ich mag Blau!

Fazit:  Ich habe “Böser Traum” in einem Rutsch gelesen. Kaum ist  Charlottes “Entführung” inszeniert, nimmt das Geschehen eine schreckliche Wendung nach der anderen, sodass man bis zum Schluss um das Leben der Freundinnen bangen muss. Jeder Funke Hoffnung zwischendurch ist im Nu dahin! Birgit Schlieper schildert die Situationen der einzelnen Parteien sehr authentisch und eindringlich, was noch nach dem Ende des Buches nachwirkt. Das war sicher nicht mein letzter Thriller von ihr!


Titel: Böser Traum
Autor: Birgit Schlieper
Seiten:  352
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570162583
Preis:  € 9,99 (TB)

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