Blut

Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders (Arno Strobel)

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben in vergangenen Rezensionen: Arno Strobels Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab. Einer so richtig gut, der nächste eher weniger, der folgende wieder besser usw. Somit bin ich immer gespannt, was der neue Thriller bereithält.
Zu “Tiefe Narbe” muss ich vorausschicken, dass es wohl der Erstling einer Trilogie ist. Und ich habe in den letzten ein, zwei Jahren eine dicke Aversion gegenüber Reihen entwickelt. Einfach, weil es gefühlt keinen für sich alleine stehenden Roman mehr gibt. Entsprechend bin ich nicht sonderlich angetan von dem Gedanken, auch von Arno Strobel irgendwann eine Reihe im Regal stehen zu haben.
Nun zur Geschichte bzw zunächst zu den Figuren, mit denen man es ja dann wohl noch zwei weitere Bücher lang zu tun haben wird. Max Bischoff gefiel mir von Anfang an. Er hat für mich eine sympathische Art an sich, ist clever und denkt tatsächlich sehr modern bei seinen Ermittlungen. So etwas mag ich einfach, alles “Altmodische” ist nicht so mein Fall. Daher mochte ich ich Max wirklich schnell. Sein Kollege Horst Böhmer ist dagegen mehr vom alten Schlag. Das ist zwar ein heftiger Kontrast, der alleine schon für Zündstoff sorgt, allerdings hat er mich mit seiner muffigen Art, der Unfreundlichkeit Max gegenüber und seinen oft so überflüssigen, bissigen Bemerkungen relativ schnell auch tierisch genervt. Solche Figuren halte ich nur sehr schwer aus und ich habe es deshalb sehr begrüßt, dass der Fall schnell in den Mittelpunkt rückte. Endlich ging es vornehmlich darum, das Rätsel um den Mann, die totgeglaubte Frau und den Mörder aufzuklären, statt sich wie im Kingergarten zu bekriegen.
Den Fall selber fand ich ausgesprochen spannend und ich habe lange und gerne mit Max und seinen Kollegen gerätselt. Es gab einige Momente, in denen ich mir schon recht sicher war, wer der Täter ist, doch dann belehrte mich Arno Strobel wieder eines Besseren und das Rätselraten ging weiter.
Für mich sehr erfreulich war dabei, dass es durchaus schauerliche bis eklige Szenen gibt. Ich mag sowas, und solange es nicht übertrieben wird, bin ich davon stets angetan. Ich mag dieses Gefühl und die Gänsehaut dabei.
Es gibt neben den Kapiteln mit der Handlung um Max und Böhmer auch immer mal wieder eingeschobene “Zwischenkapitel”, in denen einem ein Blick in den Kopf des Täters gewährt wird. Ich bin von sowas absolut kein Fan und auch dieses Mal habe ich diese Kapitel sehr großzügig gelesen. Mir waren sie einfach zu…schwülstig. Mir fällt kein besserer Begriff dafür ein, aber “schwülstig” trifft es für mich gut. Und das, obwohl in diesen Kapiteln reihenweise Gewaltphantasien beschrieben werden.
Gegen Ende wird die Handlung dann nochmal eine Ecke spannender und dramatischer, weil plötzlich eine Person betroffen ist, die Max nahesteht. Keine Frage, das bringt nochmal zusätzlich Brisanz in die Sache und man bangt und hofft nochmal mehr mit Max. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ansonsten dankend auf diese Person hätte verzichten können. Max’ Wandlung durch diese Person gefiel mir nämlich gar nicht. Plötzlich hätte ich ihm liebend gerne mal ordentlich eine runtergehauen, öfters sogar.
Nachdem man schon während der Geschichte so manche Wendung erlebt hat und feststellen musste, dass man mit seinen Theorien doch wieder falsch lag, bekommt man auch am Ende nochmal einen feinen Dreh geboten. Das hat mir gefallen.
Mir hat übrigens auch gefallen, wie es mit oben erwähnter Person am Ende ausgeht. So jemanden braucht niemand, wenn er sowas aus jemandem wie Max macht. Punkt!

Wie immer bei Thrillern von Arno Strobel liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, da liest man vor dem Schlafen schnell mal eines mehr als geplant. Und auch wenn ich sie nicht mochte, so sorgen die Kapitel im Kopf des Täters doch für eine Auflockerung.

Wie gewöhntlich bei Arno Strobels Thrillern ist das Cover vornehmlich in Schwarz gehalten mit einem farblich kontrastreichen Schriftzug.
Das Versprechen, dass das Buch einen Blick in den Kopf des Mörders gewährt, macht genauso neugierig wie die Gestalt oben auf dem Cover.

Fazit:  Ein spannender Fall mit vielen Wendungen, die einen immer wieder zu überraschen wissen. Hier und da geht es ein wenig schauerlich zu und manche Beschreibung kann man vielleicht auch schon eklig nennen, aber ich mag sowas. Max gefiel mir auf Anhieb und ich bin froh, ihn so wohl auch in Band 2 der Trilogie wieder anzutreffen. Wobei ich nachwievor enttäuscht bin, dass auch Arno Strobel nun mit auf diesen nervigen Reihen-Trend aufspringt.


Titel: Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596296163
Preis: 9,99 (TB)

So rot wie Blut (Salla Simukka / Nina Petri)

Titel: So rot wie Blut / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 323 min / Buch: Salla Simukka / gelesen von: Nina Petri

Inhalt: Lumikki Andersson ist ein 17-jähriges Mädchen, das gelernt hat, sich selbst zu verteidigen und niemandem zu vertrauen. Früher wurde sie gemobbt, nun ist sie ein einsamer Wolf – scharfsinnig, sarkastisch und wirklich tough. Als sie in der Dunkelkammer ihrer Schule auf einen Fall von Geldwäsche stößt, findet sie sich plötzlich in einem Strudel unvorhersehbarer Ereignisse wieder. Es ist der kälteste Winter des Jahrhunderts; die Straßen von Tampere sind gefroren und weiß wie Schnee. Und nichts färbt weißen Schnee so rot wie Blut.


Auf diese Geschichte hatte ich mich sehr gefreut, umso größer ist die Schande, dass das Hörbuch so lange ungehört im Regal stand. Zwar sind Themen wie Geldwäsche und Drogen nicht mein Fall, aber Lumikki klang im Klappentext nach meinem Geschmack. So als könne ich mich gut in sie hineinversetzen, sie gut verstehen.
Grundsätzlich stimmt das auch. Lumikkis Entwicklung hin zu ihrer jetzigen Art konnte ich gut nachvollziehen. Dank einiger Einblicke in ihre Vergangenheit ahnt man, was ihr früher passiert ist. Und da hat es mich nicht erstaunt, dass sie nun so zurückhaltend ist, gut beobachten kann, clever ist und auch irgendwo ziemlich abgebrüht. Das sind halt die Folgen solcher Vorfälle. Soweit konnte ich mit Lumikki also durchaus etwas anfangen.
Mein Problem mit ihr widerum war aber, dass ich ihre Entscheidungen und Handlungen oft nicht verstehen konnte. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen ich mich ehrlich gefragt habe, wie man in dieser Situation nur auf solche Ideen kommt. Und da sich das nach und nach häuft, überschattete dieses Verhalten den anfangs noch so guten Eindruck von Lumikki.
Andererseits sind es gerade diese Momente, die zu spannenden Szenen führen. Wer es alleine darauf abgesehen hat und über Schwächen der Figur hinwegsehen kann, der dürfte mit der Story seinen Spass haben. Lumikki stürzt sich in eine wirklich gefährliche Hetzjagd, der es weder an Tempo, noch an Dramatik fehlt.
Das Ende ist sinnig und hat einige Überaschungen auf Lager. Zum Rätsel um das Geld, aber auch zu den offenen Fragen, die man im Laufe der Handlung hinsichtlich der Hauptfigur sammelt.

Nina Petri schlägt sich wacker mit dieser nicht ganz so leicht erzählten Geschichte. Ihre Stimme passt gut dazu und sie versteht es, Lumikkis Charakter und die oft ganz verschiedenen Stimmungen der einzelnen Kapitel rüberzubringen. Ich habe ihr gerne gelauscht und es ist ihr zu verdanken, dass ich so gut mitgekommen bin. Als Buch gelesen, hätte ich wohl ein paar Schwierigkeiten mit der Geschichte gehabt.

Das dunkle Cover passt gut zu einem Thriller. Die roten Blutstropfen bilden dazu einen starken Kontrast und lassen beim Anblick des Covers wenig Gutes für das Mädchen vermuten. Das Mädchen selber wirklich geheimnisvoll und in sich gekehrt, was absolut Lumikkis Wesen entspricht.

Fazit:  Eine durchaus spannende und temporeiche Geschichte, die für mich aber ausgerechnet durch die Hauptfigur Minuspunkte absahnte. Denn so sehr ich Lumikkis Charakter verstehen konnte, so wenig konnte ich ihre Handlungen und Entscheidungen nachvollziehen.

Rezension – Blut und Rüben (Uwe Voehl)

Der Engländer Oliver Dylan Dickens erbt eine Waldschänke im Teutoburger Wald, samt britischem Butler und lippischer Haushälterin – von seinem Großonkel, den er nicht gekannt hat. Der Onkel starb keines natürlichen Todes. Seine Leiche wurde am See ohne Kopf aufgefunden. Der Mord gibt allen Rätsel auf. Kurz darauf taucht die nächste enthauptete Leiche auf … Dickens stürzt sich in die Ermittlungen und stellt nach und nach fest, dass er einer bizarren Verschwörung auf der Spur ist.

Auf dieses Buch hatte ich mich schon lange gefreut. Der Titel klang vielversprechend und vor allem auch amüsant, und auch der Schauplatz weckte sofort mein Interesse. Denn “Blut und Rüben” spielt im Lipperland bzw in der Gegend des Teutoburger Waldes, was quasi in meiner “Nachbarschaft” liegt.  Warum also nicht mal einen Regionalkrimi aus der eigenen Gegend lesen?
Allerdings waren all diese meine Erwartungen bzw Ansprüche wohl zu hoch gesteckt gewesen, oder schlicht falsch.
Einzig dem Kriminalfall kann man keine Vorwürfe machen, denn der geht in Ordnung. Die seltsamen Morde, der Anschlag auf Moritz, seine Nachforschungen, seltsame Firmen, die Interesse an ortsansässigen Hören bekunden um dort genmanipulierte Rüben zu ziehen…das ergibt in Summe eine absolut krimitaugliche Mischung, die an sich sicher spannend ist.
Woran es “Blut und Rüben” für mich jedch fehlt, das ist Unterhaltsamkeit. Eines der wichtigsten Merkmale, die Regionalkrimis für auszeichnen. Dabei sind die Voraussetzungen gegeben. Uwe Voehl schickt durchaus ungewöhnliche, leicht schräge Charaktere auf die lippische “Bühne”, doch dabei bleibt es auch. Bei ausgefallenen Namen, einer Beschreibung, aber ohne große Ausarbeitung ihresWesens und ihrer Eigenarten. So sind die Personen allenfalls bei der ersten Namensnennung amüsant.  In diesem Zusammenhang ist eines der größten Mankos für mich Hauptperson Moritz. Über ihn wird lange nicht verraten, wieso er sich erlauben kann, nicht zu arbeiten, aber trotzdem Miete berappen kann. So war er für mich geraume Zeit eher ein fauler, rumgammelnder Taugenichts mit unbekannter Geldquelle. Und mit solchen Personen werde ich nicht warm.
Es sind ebenfalls genug Möglichkeiten gegeben, das generelle Wesen der Lipper deutlich zu machen, sogar auf humorvolle Weise, aber…nichts! Und wenn, dann in Ein-Satz-Feststellungen, aber eben nichts, was Charme entwickelnd könnte. Da nützen auch die diversen Rüben-Rezepte nichts. Das wirkt eher gezwungen als charmant.

Ich habe freudig und optimistisch mit dem Buch begonnen, doch der Elan wurde bald durch genannte Kritikpunkte ausgebremst. Entsprechend habe ich ungewöhnlich lange für “Blut und Rüben” gebraucht. Dabei ist es keineswegs schwierig zu lesen, weil umständlich geschrieben oder wegen unheimlich komplexer Handlung.

Cover mit Schneidewerkzeugen sind aktuell scheinbar schwer angesagt. Für mich war “Kraut und Rüben” das erste Buch mit solch einem Motiv. Mir hat das sofort gefallen. Es wirkt einerseits bedrohlich, dass das Messer ohne Weiteres auch als Waffe eingesetzt werden könnte, andererseits aber auch harmlos, da es wohl nur zum Zerteilen der Rüben daneben gedacht ist. Diese Gegensätzlichkeit hat was. Auch die Karte mit den eingezeichneten Ortschaften und Schauplätzen ist eine schöne Idee. Ich verstehe nur nicht, wieso man sie gleich zweimal abdrucken musste: im vorderen UND hinteren Buchdeckel.

Fazit:  Ein Buch muss mich auf irgendeine Art unterhalten, damit ich es gerne und mit Vergnügen lese. Das ist “Blut und Rüben” leider nicht gelungen. Da hat auch der recht interessante Kriminalfall nichts retten können. Für einen Regionalkrimi fehlt es hier an Charme und Humor. Aber wir hier sind ja als stur und humorlos verschrien…womöglich hängt das damit zusammen.


Titel:  Blut und Rüben
Autor:  Uwe Voehl
Seiten:  352
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3404160631
Preis:  € 8,99 (TB)

Die Elfen (02) – Firnstayns Kinder

Titel: Die Elfen (02) – Firnstayns Kinder / Verlag: Folgenreich / Spielzeit: ca. 80 min / Sprecher: Bern Rumpf, Cathlen Gawlich, Annette Gunkel, Luise Lunow, Eckart Dux u.a.

InhaltDas Fjordland mit seinen menschlichen Bewohnern ist vom neu entbrannten Krieg der Trolle gegen die Elfen bisher unberührt geblieben. Das »Nichts«, eine abgrundtiefe, gefährliche Schwärze, trennt beide Welten. Dem Elfen-Schwertmeister Ollowain gelang es jedoch, das Nichts zu überwinden und die verwundete Königin Emerelle in der kleinen Siedlung Firnstayn zu verstecken.
Schon bald verbreitet sich die Kunde von der Ankunft der Fremden – und König Horsa Starkschild lässt ein Heer zusammenstellen, um den Elfen im Kampf beizustehen …


Weiter geht es mit den Abenteuern in Bernhard Hennens Fantasy-Welt. Nachwievor steht Emmerels Flucht im Mittelpunkt, doch bringt man in diesem zweiten Teil ein weitere Volk ein, die Menschen nämlich. Trolle, Elfen, Menschen, schon jetzt deutet sich klar an, dass Hennens Saga komplexer und vielseitiger ist als man es nach dem ersten Part vielleicht noch vermutet hatte.
Mir jedenfalls ist es sehr entgegen gekommen, dass hier nun auch Menschen mitmischen, da Trolle und Elfen meinen Geschmack einfach nicht zu treffen vermögen. Zudem hat es mir gefallen, dass es in dieser Folge eher ruhig zugeht. Es braucht nicht immer Kämpfe und waffengeführte Kriege, auch im Ruhigen können Komplotte geschmiedet und Intrigen gesponnen werden. Was mir allerdings noch immer sauer aufstößt, das ist dieser niveaulose Witz der Geschichten, der in Sprüchen daher kommt, die so platt sind, dass sie unter der geschlossenen Tür durchgeschoben werden könnten. Da frage ich mich wirklich, was das soll.

Wie schon in der ersten Folge kann man den Sprechern nichts ankreiden. Dafür bürgt eine durchweg prominete Besetzung, die das Geschehen glaubhaft zu Gehör bringt. Mit dabei sind u.a. Peter Weis, Bernd Rumpf, Luise Lunow, Martin Keßler und Sascha Rotermund. Erzähler Helmut Zierl hat als Alvias auch einen Part in der Handlung, was gut funktioniert.

Die Handlung präsentiert sich ruhiger, entsprechend hat man auch in Sachen Soundtrack einen Gang zurückgeschaltet, was der Geschichte aber gut steht. So fallen die seltenen wuchtigeren Stücke auch mehr auf und verdeutlichen umso mehr die Dramatik der jeweiligen Szenen.

Im Booklet findet man eine kurze Erzählung von Bernhard Hennen, die davon berichtet, wie es zu der kleinen Kadlin und dem Hund “Blut” kam, die einen Part in der Geschichte innehaben. Schön und amüsant zu lesen. Das Covermotiv gefällt mir. Es strahlt gleichermaßen Ruhe wie Kampfwillen aus, was mit der Folge gut harmoniert.

Fazit:  Ich werde nie ein Fan der Serie werden, aber mir hat diese zweite Folge doch eine Spur besser gefallen als Teil 1. Die Hörspiele dürften aber gerne etwas kürzer ausfallen, schlappe 80 Minuten sind schon hart.

Rezension – Invisible Fiends (01) – Mr. Mumbles kehrt zurück (Barry Hutchinson)

Kennst du sie noch, deine unsichtbaren Freunde aus Kindertagen? Oder hast du sie verstoßen? Sieh dich vor. Denn sie werden dich finden. Und dann lauf um dein Leben! Ein Winterabend, Kyle ist allein zu Hause. Es klopft an der Haustür. Überraschung! Draußen steht Mr Mumbles , Kyles Fantasiefreund von früher. Mr Mumbles sieht allerdings erschreckend real aus. Und Mr Mumbles will auch nicht mehr spielen er trägt jetzt eine Axt! Kyle flieht in Todesangst und macht eine schreckliche Entdeckung: Es gibt eine Parallelwelt der vergessenen Freunde. Dort sind sie alle versammelt, die einst netten unsichtbaren Spielkameraden. Sie wollen zurück in die Welt der Menschen, sie wollen Vergeltung. Doch dazu brauchen sie Kyle. Mr Mumbles Besuch ist erst der Anfang…

Ich bin über einen Irrtum zu diesem Buch gekommen. Mir sagte der Inhalt zu und ich erwartete eine Geschichte so im Stil der “Mystery”-Romane aus dem Cora Verlag. Eben für die jüngere Leserschaft und nur mäßig gruselig.
Das hat sich dann allerdings sehr schnell als völlig falsch herausgestellt. Die Reihe “Invisible Fiends” richtet sich zwar ohne jeden Zweifel an jüngere Leser, ist aber nicht auf dem larifari-gruseligen und wenig blutigen Niveau der “Mystery”-Romane. Ganz im Gegenteil, ich würde “Invisible Fiends” erst Kindern so ab 12 Jahren zum Lesen geben. und ich bin bei solcher Aufteilung ansonsten nicht zimperlich. Denn Barry Hutchinson schont seine Leserschaft beileibe nicht.
Anfänglich hat es mich schon gestört, dass er sich so wenig damit aufhält, seine Charaktere ordentlich vorzustellen und zu beschreiben, wenigstens bei Hauptperson Kyle und später bei Ameena hätte ich mir das schon gewünscht. Doch statt damit Seiten zu verschwenden, lässt Barry Hutchinson sehr schnell die Show beginnen. Und in diesem Tempo geht es auch weiter, die Story ist von vorne bis hinten mit atemloser Action vollgestopft, kaum mal ein paar Zeilen um mal durchzuatmen. Mr. Mumbles wird dagegen sehr gut beschrieben, was alleine schon mal für Grusel sorgt. Es fließt aber auch reichlich Blut, Schilde und Äxte sind im Einsatz, Knochen und Zähne brechen, Kyle und Ameena drohen zu ertrinken, treffen auf wahrlich schauerliche Kreaturen und handeln oft bemerkenswert kaltblütig, und der Dreh am Ende der Geschichte kommt nicht nur mächtig unerwartet, sondern hat es ebenfalls noch mal in sich. Ich war dem Irrtum aufgesessen, bei einer Kinder-Geschichte müsse es ein Happy End geben…weit gefehlt. Dafür spinnt sich aber offenbar eine sehr interessante Reihe mit diesem ersten Teil an.
Einen erwachsenen Horror-Fan wird diese Story sicher nicht unter die Bettdecke kriechen lassen, aber -wie gesagt- für eine Geschichte für jüngere Leser wird hier schon ordentlich etwas geboten, Langeweile hat keine Chance.
Als bei mir während des Lesens unerwartet die Jalousie runterkrachte, habe ich jedenfalls auch ganz gut gezuckt.

Das Buch hat nur 201 Seiten, ich hatte es an einem Nachmittag ausgelesen. Mir ist aufgefallen, dass es im Verhältnis zu den erzählenden Passagen nur wenige Dialoge gibt. Dadurch wirkt der Text optisch sehr wuchtig und massiv. Glücklicherweise erzählt Kyle die Geschichte in der Ich-Form und “spricht” dabei auch jugendlich locker und mit viel schwarzem Humor, so dass diese mächtigen Parts sich aber doch recht gut und leicht lesen lassen. Also nicht vom Anblick abschrecken lassen, das hat die Geschichte nicht verdient.

Wie ich finde, lässt eigentlich schon das Cover erahnen, dass zwischen diesen Deckeln keine zahme Kindergeschichte steckt. Die Schrift “Invisible Fiends” scheint durch den orangefarbenen Schatten förmlcih zu glühen. Außerdem glänzt sie, genau wie auch die Darstellung von Mr. Mumbles, dessen Hand nach dem Leser zu greifen scheint.

Fazit:   Ältere Kinder, die vielleicht schon Erfahrung mit R.L. Stine gemacht haben und nun in Sachen Grusel und Action um eine Liga nach oben steigen möchten, werden sicher ihren Spaß an “Invisible Fiends” haben. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung und ob man dort diese Klasse halten kann.


Titel:  Invisible Fiends
Autor: Barry Hutchison
Seiten:  201
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-74197-4
Preis:  € 7,95

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