Boje Verlag

Tausend mal gedenk ich dein (Heike Eva Schmidt)

U1-Schmidt-Tausendmal.inddEigentlich läuft alles rund für Nelly. Mit Pina hat sie eine tolle beste Freundin an ihrer Seite, und als sie sich auch noch in Elias verliebt, den Jungen mit den dunklen Wuschelhaaren und den graublauen Augen, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch dann werden in ihrer Klasse immer wieder Mitschüler in merkwürdige Unfälle verwickelt – und der Verdacht fällt ausgerechnet auf Nelly. Schon bald verwischen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse. Und Nelly muss erkennen: Das Schlimmst ist manchmal gar nicht die Lüge – sondern die Wahrheit.

Von Heike Eva Schmidt habe ich schon zwei Jugendthriller gelesen und war überwiegend ganz angetan davon. Auch “Tausendmal gedenk ich dein” passte vom Klappentext her ganz in mein Beuteschema.
Trotzdem hat es mir die Geschichte alles andere als einfach gemacht.
In erster Linie, weil mir Nelly mit ihrer Verehrung für Pina tierisch auf den Keks ging. Eine beste Freundin zu haben, das ist normal. Meinetwegen bewundert man sie hier und da auch mal, auch okay. Aber diese Anhimmelei habe ich teilweise schon als unnormal empfunden. Vor allem, weil seits Pina längst nicht so viel Zuneigung und Freundschaft rüberkommt. Ganz im Gegenteil fand ich sie oft reichlich unverschämt, frech und launisch, selbst ihrer angeblich besten Freundin Nelly gegenüber.
Sonst mochte ich Nelly ganz gerne. Wenn sie nicht gerade mit Pina zusammen ist oder von etwas anderem erzählt, dann ist sie wirklich sympathisch. Ich mal solche ganz normalen Mädchen als Hauptfiguren gerne, denn mit ihnen kann man sich leicht identifizieren und sich in sie hineinversetzen. Entsprechend habe ich ihr Elias von Herzen gegönnt und fand die beiden zusammen wirklich goldig. Das einzige, was ich an Nelly nicht nachvollziehen konnte, war ihr Glaube, dass sie in der Klasse eher zu den Außenseitern gehört. Das kam für mich überhaupt nicht so rüber.
Die vierte wichtige Person in dieser Geschichte ist die schüchterne Jule, die neu in Nellys Klasse kommt und ein Geheimnis mit sich herumzutragen scheint. Leider fand ich sie im Zusammenhang mit den Unfällen überhaupt nicht verdächtig. Der Geschichte ist es nicht ein einziges Mal gelungen, mir Jule als Täter glaubhaft zu machen. Somit blieben mir als Verdächtige nur noch Pina und Elias, wovon ich Elias recht schnell ausgeschlossen habe. Auch er verhält sich nie übermäßig verdächtig. Nelly schied für mich sowieso aus. Entsprechend sorgte für mich lediglich die Frage für Spannung, ob Pina dahinterstecken könnte. Das fand ich recht dürftig für einen Thriller. Und hinzu kam noch, dass ich auch die Unfälle nicht als so dramatisch geschildert empfunden habe, dass von daher Spannung hätte aufkommen können.
Ich war also insgesamt schon nahe dran zu behaupten, dass meine Strähne mit den schwachen Büchern sich im Juni fortsetzen würde.
Aber dann!
An einer bestimmten Stelle schon nahe am Ende dachte ich plötzlich, ich lese nicht richtig. Aber solch einen Fehler traue ich keiner Autorin wie Heike Eva Schmidt zu. Also musste das so stimmen. Aber zum Kuckuck: wieso? Was hatte ich verpasst?
Und ab diesem Punkt habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Dieser Moment warf ein so neues Licht auf die Handlung, dass ich plötzlich unbedingt wissen wollte, was es damit auf sich hat.
Und was soll ich sagen? Die Auflösung war zu 100 Prozent nach meinem Geschmack. Wer schon ein paar Psychothrillerrezensionen von mir gelesen hat, der wird wissen, was ich darin als Idee immer ganz besonders cool finde. Allen anderen sei einfach gesagt, dass es ein genialer und erschreckender Dreh ist. So gehört sich das in diesem Genre! Endlich ergab es auch Sinn, wieso die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Das hatte ich bis dahin nämlich überhaupt nicht verstanden, was der Geschichte einen weiteren Minuspunkt einbrachte. Aber dann, bei diesem Ende, da ergibt das plötzlich Sinn!

Gerade wegen dieser Wechsel in der Erzählperspektive hat sich das Buch für mich sehr leicht lesen lassen. Die Kapitel haben auch eine schöne Länge, da wird man schnell verleitet, doch noch eines mehr zu lesen als geplant. Nelly erzählt jugendlich locker und es gibt viele Dialoge, die einen flugs voranbringen.

Ich mag das kräftige Grün des Covers sehr gerne! Eine wirklich schöne und auch auffällige Farbe. Was es im Zusammenhang mit der Geschichte mit der Blume auf sich hat, verstehe ich auch nach dem Lesen noch nicht. Trotzdem, insgesamt gefällt mir der Look gut.

Fazit: Wie sehr Nelly ihre Freundin Pina anhimmelt, das ging mir lange Zeit ganz schön auf die Nerven. Außerdem wollte durch die Unfälle und arg wenig wirklich Verdächtige auch keine rechte Spannung aufkommen. Das änderte sich erst sehr weit zum Ende hin als ein Satz plötzlich alles umkrempelte, woran ich bis dahin geglaubt hatte. Ab da wurde es richtig spannend und die Auflösung fiel ganz nach meinem Geschmack aus.


Titel: Tausend mal gedenk ich dein
Autor: Heike Eva Schmidt
Seiten: 256
Verlag: Bastei Lübbe / Boje
ISBN: 978-3414824059
Preis: 12,99 (HC)

Zeitsplitter – Die Jägerin (Cristin Terrill)

zeitsplitterMarina steht am Anfang: Sie ist reich, beliebt und verliebt in einen hinreißend attraktiven Jungen. Em ist am Ende: Sie ist seit Jahren auf der Flucht, seit Monaten in einer winzigen Zelle eingesperrt, wird beinahe täglich verhört. Die beiden Mädchen haben nichts gemeinsam, außer der einen Sache: Sie sind ein und dieselbe Person. Vier Jahre trennen sie. Vier Jahre, in denen die Welt an den Rand des Abgrunds gerät. Doch Em bekommt die Möglichkeit, durch eine Zeitreise die Vergangenheit zu ändern. Nur ist der Preis, den sie dafür zahlen muss, schrecklich.

Ehrlich zugegeben, alleine anhand des Covers und des Klappentextes hätte mich dieses Buch nicht gleich angesprungen und neugierig gemacht. Allerdings hatte ich im Vorfeld so viele Lobeshymnen darauf gelesen, dass ich dann doch neugierig darauf war. Zeitreisen sind zum Glück ein Thema, mit dem man mich durchaus noch begeistern kann, wenn es gut gemacht ist.
Leider erwischte mich schon der Anfang auf dem falschen Fuß. Ein Mädchen in einer Zelle. Das reichte für den ängstlichen Gedanken: bitte nicht schon wieder eine zerrüttete Welt, bitte nicht schon wieder eingekerkerte oder sonstwie unterdrückte Jugendliche, die für diese Welt letztlich die Kohlen aus dem Feuer holen müssen! Bedauerlicherweise musste ich mit dieser Sorge eine ganze Weile leben, denn Erklärungen, weshalb Em zB eingesperrt ist oder was sie da im Abfluss findet, bekommt man lange Zeit nicht. Das kann man zunächst nur hinnehmen, wie es ist.
Erst bei der Befreiungsaktion wurde die Geschichte für mich interessanter. Zwar ließen Erklärungen noch immer auf sich warten, aber wenigstens kam endlich Schwung in die Sache, und spannend fand ich die Aktion durchaus auch. Außerdem kommt in dieser Zeit erstmals das Thema der Zeitreisen auf den Tisch und -wie schon gesagt- das hat für mich immer seinen Reiz.
Em fand ich zwar ganz okay, aber so richtig ans Herz gewachsen ist sie mir das ganze Buch hindurch nicht. Da mochte ich Finn bedeutend lieber. Und am liebsten war mir eigentlich Marina. Ja, anfangs ist sie schon ein wenig naiv, total verliebt und vielleicht auch etwas oberflächlich in mancher Hinsicht, aber wenigstens führt sie ein relativ normales Teenagerleben. Damit komme ich immer besser zurecht als mit einer Geschichte, die nur vom Elend und irgendwelchen Problemen erzählt.
Somit wurde die Geschichte für mich nochmal interessanter als es mit den Perspektivwechseln losging. Ziemlich regelmäßig wechselt man zwischen Ems und Marinas Erlebnissen. Das bringt nach und nach obendrein noch Licht in die Rätsel, die einem die Story anfangs aufgegeben hat. Ich fand sogar, dass man sich gut zusammenreimen kannt, was in der Vergangenheit vorgefallen sein muss, dass Em und Finn nun in solcher Gefahr schweben. Und ein Stückweit kann man auch in die Zukunft sehen und knobeln, was bei Marina, James und Nate geschehen wird.
Die Kapitel in der Gegenwart geben Hinweise auf das, was vor vier Jahren vorfiel. Die Kapitel in der Vergangenheit enthalten Hinweise darauf, wie es zu Ems und Finns Situation in der Gegenwart kam.  Besonders spannend fand ich die Momente, in denen sich die Zeiten quasi berühren. Wobei so etwas grundsätzlich nichts allzu Neues ist! Spätestens seit “Zurück in die Zukunft” wissen wir ja, dass Veränderungen in der Vergangenheit zu ernsthaften Problemen in der Zukunft führen können. Nach diesem Prinzip läuft es auch in dieser Geschichte.
So gut mir dieser Teil der Geschichte gefiel, geärgert habe ich mich dabei auch einige Male. Em weiß schließlich, was auf dem Spiel steht, was sie zu tun hat, und dann vermasselt sich gleich mehrere wirklich günstige Gelegenheiten. Das Buch könnte wesentlich dünner sein, wenn sie ihr Ding gleich durchziehen würde. Da muss man mir auch nicht argumentieren, dass doch noch Gefühle im Spiel sind. In solch einer Situation und so abgebrüht wie Em sonst wirkt, passt das für mich nicht.
Das Ende der Geschichte sollte man sich in aller Ruhe vornehmen und voll und ganz bei der Sache sein, sonst steigt man nicht durch. Ich musste mich sehr konzentrieren und trotzdem habe ich manches doppelt lesen und mir nochmal selber erklären müssen um es zu durchblicken. Ich frage mich, ob die Leser der anvisierten Altersgruppe ab 14 Jahren damit gut zurechtkommen. Da habe ich so meine Zweifel. Eine feine Idee, gut durchdacht, ohne Zweifel, aber schon sehr komplex und teilweise verwirrend.

Ich habe ein paar Abende für “Zeitsplitter” gebraucht, was bei einem Buch mit 330 Seiten eher ungewöhnlich ist, aber es ist eben auch keine leichte Kost, wie man sie von einem Jugendbuch erwartet. Es liest sich flüssig und gut, aber die erklärenden und beschreibenden Passagen fordern Zeit für sich ein. Glücklicherweise gibt es auch viele Dialoge. Das lockert auf.

Das Cover mochte ich von Anfang an. Nachdem ich nun die Geschichte kenne, finde ich es auch sehr passend mit dem quasi gespiegelten Mädchen. Der zersplitternde Kreis wird dem Titel gerecht und die Farben ließen für mich auf Anhieb ahnen, dass sich zwischen den Deckeln eine Fatasystory verbirgt.

Fazit: Der Anfang fiel mir schwer, weil ich überhaupt nicht schlau aus dem wurde, was ich las. Die Befreiung und das Geschehen danach fand ich dagegen interessant und spannend. Vor allem, wie sich die beiden Zeitebenen allmählich aufeinander zu bewegen und gelegentlich berühren. Deshalb konnte ich darüber hinwegsehen, dass Em sich einige Male einfach nur gefühlsduselig und deppert anstellte. Beim Ende ist unbedingte Aufmerksamkeit erforderlich, sonst steigt man nicht durch. Die große Begeisterung teile ich also nur in Maßen, aber die Fortsetzung werde ich dennoch auf jeden Fall lesen.

Vielen Dank an den Boje Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Zeitsplitter (01) – Die Jägerin
Autor: Cristin Terrill
Seiten: 330
Verlag: Bastei Lübbe / Boje
ISBN: 978-3-414-82390-8
Preis: 14,99 (HC)

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