Boje

Wen küss’ ich und wenn ja, wie viele? – Lilias Tagebuch (Mara Andeck)

wenkuessich»Wissenschaftliche Erkenntnis des Tages: Von den Gladiatorfröschen kann man viel lernen. Auf der Suche nach dem Frosch fürs Leben hüpft die Fröschin von Männchen zu Männchen und haut jedem so richtig eine rein. Wer umfällt, ist raus aus dem Spiel. Am Schluss nimmt sie den, der übrig bleibt, denn der kann am besten wegstecken. Hmmm, gefällt mir irgendwie. Verstößt aber vermutlich gegen die Schulordnung …« Lilia hat es satt! Die Jungs in ihrer Klasse nehmen sie überhaupt nicht wahr. Das muss sich ändern, beschließt sie an ihrem 16. Geburtstag. »Das Balzverhalten im Tierreich« – so lautet das Thema ihres Bio-Referats. Und weil der Mensch auch nur ein haarloses Tier ist, wendet Lilia ihr neues Wissen einfach auf die Gattung Homo sapiens an. Was folgt, ist ein wahres Liebeschaos.

Es war die kleine Abhandlung über den Gladiatorfrosch. Wegen der war sofort klar, dass ich dieses Buch lesen würde. Die Vorstellung für sich ist schon so lustig…und erst recht wenn man sich das mal mit Menschen vorstellt. Eigentlich gar keine so schlechte Idee für die Auswahl des richtigen Menschen-Frosch 😉
Zu diesem Schluss kommt auch die 16jährige Lilia, die dringend mal ihrem Liebesleben auf die Sprünge helfen will. Mit sechzehn noch ungeküsst, das geht ja mal sowas von gar nicht!
Zum Glück steht ihr ein Bio-Referat über das Balzverhalten der Tiere bevor, und ihre dort erworbenen Kenntnisse wendet sie direkt bei den Jungs ihrer Klasse an.
Das ist vor allem eins: total lustig! Ich habe bei diesem Buch so oft gegrinst und hätte sogar laut darüber gelacht, wenn ich es nicht auf einer Bahnfahrt gelesen hätte. Die clevere Lilia hat mir sofort gefallen. Schon alleine ihr feiner Blick auf ihre männlichen Schulkollegen, deren Schwächen und oft sonderbares Verhalten, hat mich schmunzeln lassen. Da kann man sich nun fragen, ob eine Sechzehnjährige wirklich ein solch genaues Auge auf diese Details hat, aber Lilia habe ich es abgenommen. Einfach, weil sie in einem absolut glaubhaften Teenagerton davon erzählt.
Natürlich lassen sich solch wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Tierwelt nicht unbedingt zu hundert Prozent auf die Spezies Homo Sapiens umlegen, und so entwickelt sich bald ein ganz schönes Liebeschaos um Lilia herum. Da ist nicht nur der heiß umschwärmte Klassenstar, sondern auch das Versuchskaninchen und ein Typ, bei dem Lilia so gar nicht rafft, was er für sie empfindet. Und auch Lilias Freundinnen und ihr Bruder mischen mit schrägen Ideen und viel Liebesverwirrung ordentlich mit. Das ist rasant und lustig und -speziell was Lilias heimlichen Verehrer angeht- mitunter auch ein wenig traurig. Der arme Kerl tat mir häufig ganz schön leid.
Und ich habe mich gefragt, ob Lilia noch bemerken würde, dass er so viel für sie übrig hat. Das war für mich die spannendste Frage an der Geschichte. Natürlich war es auch spannend zu verfolgen, welche “Versuche” Lilia mit den Jungs durchführt, und zu sehen, was dabei herauskommt. Aber ob sie und ihr Verehrer zusammenkommen würde, das hat mich doch immer am  meisten interessiert.
Ich war mir auch ziemlich sicher, wie die Geschichte ausgehen würde bzw ob sie sich kriegen, oder eben nicht. In dieser Hinsicht hielt die Geschichte eine echte Überraschung für mich bereit! Das trifft man in solchen Teenie-Lovestorys nur selten an. Genau deshalb hat es mir hier auch so gut gefallen.

Lilia schreibt Tagebuch. Entsprechend ist die Geschichte aus ihrer Sicht geschrieben. Der Ton ist dabei teeniemäßig frech und locker. Das liest sich im Nu weg. Da Lilia auch zu verschiedenen Zeiten am Tag in ihr Tagebuch schreibt, gibt es immer mal wieder getrennte Absätze. Da hilft dem Lesetempo ebenfalls auf die Sprünge.

Zugegeben, das Buch sieht schon etwas kitschig aus mit den Rot- und Rosatönen, in denen das Cover gehalten ist. Und auch mit den vielen Kussmündern. Andererseits passt das aber erstens prima zum Titel und zweitens dürfte es die weibliche, Teenie-Leserschaft so durchaus auf sich aufmerksam machen. Ich war speziell von den Bildchen angetan, die die Seitenränder des Buchs schmücken. Lilia zeichnet nämlich auch mal Elemente aus ihren Einträgen an den Rand.

Fazit:  Ich habe so gelacht bei diesem Buch! Einfach eine urkomische, aber auch spannende Liebesgeschichte mit einem angenehm überraschenden Ende! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Lilia ist noch so einiges zuzutrauen!

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Wen küss’ ich und wenn ja, wie viele?
Autor: Mara Andeck
Seiten: 240
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823502
Preis: € 12,99 (HC)

Magnolia Steel – Hexendämmerung (Sabine Städing)

Was tun, wenn man mit dreizehn Jahren urplötzlich erfährt, dass man eine Hexe ist? Magnolia fällt aus allen Wolken, als ihre Tante Linette sie in dieses Familiengeheimnis einweiht. Bisher hatte sie sich immer für ein durchschnittliches Mädchen gehalten. Doch nun gerät ihre Welt plötzlich ins Wanken. Der unheimliche Graf Raptus, ein dunkler Magier, bedroht Rauschwald und trachtet ihr nach dem Leben. Höchste Zeit also, dass Magnolia in das Hexenhandwerk eingeführt wird, denn um den Grafen zu besiegen, wird jede Hexe gebraucht.

Es ist selten, dass ich es wirklich bereue ein Buch nicht gleich nach der “Liebe auf den ersten Blick” zum Cover gelesen zu haben. Bei “Magnolia Steel” bereue ich es aus ganzem Herzen, denn die Geschichte hat mir super gut gefallen. Auch wenn der Klappentext sicher nicht so klingt, als fände man zwischen den Buchdeckeln etwas Neuartiges in Sachen Fantasy vor.
Das stimmt irgendwie sogar, denn ein Teenager, der plötzlich magische Fähigkeiten an sich entdeckt, ist kein Novum. Ebenso wenig, dass es natürlich einen finsteren Widersacher gibt.
Es sind mehr die Details, die “Magnolia Steel” zu einer besonderen und liebenswerten Geschichte machen. Beispielsweise die vielen phantasievoll erdachten Charaktere und magische Gestalten. Mir hat es sehr gefallen, dass Magnolias Tante Linette genau so beschrieben wird wie man sich eine freundliche, aber eben echte Hexe vorstellt. Mit wildem Haar, einem Zahn, der über die Oberlippe ragt und einem Talent für magische und heilende Tränke. Für mich sah sie immer aus wie “Madam Mim” aus “Die Hexe und der Zauberer”. Zudem lebt sie im “Regenfass”, einem krummen und verwinkelten Häuschen mitten im Wald, in das ich am liebsten sofort mit Magnolia eingezogen wäre. Es wird so gemütlich und behaglich beschrieben, dass man sich direkt heimisch fühlt.
Magnolia selber hat mir ebenfalls gefallen. Denn auch wenn sie -blond und zierlich- wie ein typisches Teenagermädchen beschrieben wird, so hat sie doch eine bemerkenswert große Klappe, ist clever und mutig. Das muss sie auch sein, denn Hexe wird man eben nicht von einem Tag auf den anderen. Und man muss sich mit viel Ungewöhnlichem abfinden und mitunter auch anfreunden. Mit Zwergen und Gnomen zum Beispiel, aber auch mit Elfen und anderen Naturgeistern wie dem Geist im Holunderbaum in Tante Linettes Garten.
Das sind zum Teil natürlich Gestalten, die einem in zahlreichen Fantasy-Geschichte begegnen, doch Sabine Städing ist es mit pfiffigen Ideen gelungen ihre magischen Gestalten zu etwas ganz Besonderem und Liebenswertem zu machen. Ihr Ideenreichtum ist wirklich unglaublich, und er lädt auch immer wieder mindestens zum Schmunzeln ein. Ich habe manchmal sogar richtig lachen müssen über die illustre Gesellschaft, in der Magnolia sich unversehens wiederfindet.
So ist es nicht nur spannend, sondern auch äußerst unterhaltsam sie bei ihrer Ausbildung zur Hexe zu begleiten. Und die zeigt sich ebenfalls ausgesprochen “altmodisch”, denn da müssen erstmal die Hexsprüche aus “Das kleine Hexen-Einmaleins” gelernt werden ehe es zur Hexenweihe geht, bei der die junge Hexe Besen und Zauberstab erhält. Die findet natürlich auf dem Blocksberg statt. Wo auch sonst?
Dieses Hineinwürfeln klassischer, altmodisch amutender Ideen in eine Geschichte, die im Heute spielt, hat einen ganz besonderen Reiz.
Aber trotzdem -und auch das gehört für mich zu einer Geschichte um Hexen und Co.- hat diese Geschichte auch ihre unheimlichen und leicht gruseligen Passagen. Meist bleibt es allerdings kindgerecht schauerlich, so dass sich die anvisierte Leserschaft ab 10 Jahren sich auf angenehme Art gruseln kann. Nur Bösewicht Graf Raptus hat es ganz schön in sich. Auch wenn nicht deutlich gesagt wird welche Art Kreatur er ist, so ist es Dank seiner Ernährungsgewohnheiten leicht zu erraten. Bei seinen Szenen ist es vielleicht nicht verkehrt, wenn Eltern zumindest in Rufweite sind 😉

Da die Geschichte voller phantasievoller Ideen steckt und immer wieder auch ausgesprochen witzig ist, liest sie sich leicht und locker weg. Die Kapitel sind weder zu lang, noch zu kurz und eignen sich so sicher auch zum Vorlesen. Mir haben ganz besonders auch die kleinen Zeichnungen bei den Kapitelüberschriften gefallen. Ein Schmetterling, eine Fledermaus, ein niedlicher Rabe oder die super goldige Spinne.

Wie bereits erwähnt: optisch war es bei diesem Buch bei mir Liebe auf den ersten Blick. Das Cover in den verschiedenen Blau- und Violettönen ist einfach wunderschön anzusehen. Am meisten gefällt mir aber, dass ich bei jedem neuen Ansehen wieder ein besonderes Detail entdeckt habe. Beispielsweise die Schuhe der Spinne oder die Laterne, die der Käfer hält. So detailreich wie die Geschichte ist auch das Cover.

Fazit: Mir hat “Magnolia Steel – Hexendämmerung” sehr gut gefallen. Eine wunderschöne und spannende Geschichte, die vor allem durch ihre liebenswerten und oft leicht schrägen Charaktere, sowie zahlreicher phantasievoller Ideen bei mir punkten konnte. Einfach niedlich und witzig. Ich könnte noch ewig weiter schwärmen, doch Magnolias Welt sollte man lieber selber kennenlernen. Soweit ich weiß, ist eine Fortsetzung geplant, worüber ich mich mächtig freue.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Magnolia Steel – Hexendämmerung
Autor: Sabine Städing
Seiten: 336
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3414823267
Preis: 12,99 (HC)

Wo die verlorenen Seelen wohnen (Dermot Bolger)

Joey ist neu an seiner Schule – doch in dem allseits beliebten Shane findet er schnell einen besten Freund. Seine Mitschülerin Geraldine aber warnt Joey: Shane hätte sich mit dem Bösen eingelassen und Joey solle sich besser von ihm fernhalten. Und tatsächlich geschehen immer merkwürdigere Dinge, wenn die beiden Freunde zusammen sind. Joey möchte herausfinden, was für ein Geheimnis Shane verbirgt – und macht im Keller eines heruntergekommenen Hauses eine furchtbare Entdeckung.

Dieses Buch ist eines von der Sorte, die hauptsächlich wegen des Covers den Weg in mein Regal gefunden haben. Das Cover hatte es mir angetan seit ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt. Titel und Klappentext weckten dagegen -ebenfalls seit diesem ersten Mal- gewisse Zweifel. Ich habe mir aber gut zugeredet, dass es ein Buch für Jugendliche ist und dass ich deshalb nicht DEN Grusel schlechthin erwarten kann / darf. Somit war ich doch ganz neugierig auf diesen Mystery-Thriller.
Doch das gute Zureden hat letztlich nicht viel gerettet.
Es stimmt natürlich: es ist ein Buch für junge Leser, entsprechend sind auch die Hauptcharaktere Jugendliche und die Handlung spielt in ihrer “Welt”. Den meisten Erwachsenen fallen eher kleinere Rollen zu. Das stört mich nicht, das mag ich im Gegenteil sogar sehr gerne. Die Kids sind durchweg ganz sympathisch und ich bin mit ihnen schnell warm geworden und konnte mir ein gutes Bild von ihnen machen.
Aber “Buch für Jugendliche” hin oder her, das heißt doch nicht, dass man nicht auch auf die eine oder andere neuartige Idee hoffen darf, oder? Der Klappentext klang für mich nicht sonderlich innovativ, daher hoffte ich, die Geschichte würde mich trotzdem mit der einen oder anderen Idee überraschen. Das war leider nicht der Fall. Ein unheimliches Haus, ein seltsamer Junge, bei dem man nicht sicher sein kann, ob er gut oder böse ist und dem eine geheimnisvolle Vergangenheit nachgesagt wird, düstere Gerüchte und Warnungen, der Tausch bzw die Weitergabe von Seelen und allerlei typische Requisiten… So etwas dürfte jedem schon mal begegnet sein, der seine Nase gelegentlich in schaurige Bücher steckt oder sich ab und zu einen Gruselfilm anschaut.
Zudem habe ich die Geschichte als ausgesprochen vorhersehbar empfunden. Es brauchte gar nicht viele Kapitel bis ich ahnte, in welche Richtung die Handlung läuft. Natürlich noch nicht in jedem Detail, aber doch im Groben. Und auf jeden Fall genug, dass ich die Geschichte nicht mehr sonderlich spannend fand. Daran konnten auch die zahlreichen Wendungen nichts ändern, die Dermot Bolger eingebaut hat. Sie kommen vor allem dadurch zustande, dass die Geschichte mit jedem Kapitel die Perspektive wechselt. Nicht immer begleitet man Joey durch dieses Abenteuer, ebenso häufig begleitet man Shane, Geraldine und andere Personen, sowohl in der Gegenwart als auch in ihrer Vergangenheit. So puzzelt sich nach und nach das genauere Bild der Handlung bzw des Geschehens zusammen. Da wäre grundsätzlich gar nicht verkehrt, aber wenn man bereits ahnt, worauf das alles hinauslaufen wird, kann man halt nicht mehr großartig überrascht werden.
Und ich denke, das gilt für mich nicht nur, weil ich schon älter bin als die angepeilte Leserschaft. Dies ist ein Buch, das vor allem Jugendliche interessieren wird, die ohnehin ein Faible für solche Geschichten haben. Für die Wenigsten wird es das erste dieser Art sein. Somit wird die Handlung von “Wo die verlorenen Seelen wohnen” auch dem jugendliche Leser irgendwie ziemlich vertraut vorkommen.
Ich rate allerdings trotzdem dazu, speziell die letzten Kapitel sehr aufmerksam zu lesen. Denn da prallen die Charaktere und Handlungsstränge aus Gegenwart und Vergangenheit zusammen, da weiß man oft gar nicht, welcher Charakter gerade er selbst ist oder welcher von einer fremden Seele gelenkt wird, und es werden Erklärungen und Zusammenhänge am Fließband geliefert. Wer bis dahin noch nicht geahnt hat, wohin der Hase läuft, der sollte sich hier gut konzentrieren, sonst ist man verloren. Für ein Buch für junge Leser fand ich diese Kapitel ganz schön heftig.

“Wo die verlorenen Seelen wohnen” liest sich nicht so leicht wie ich es von einem Jugendbuch erwarte. Das liegt vor allem daran, dass es -für mein Empfinden- im Verhältnis wenige Dialogszenen gibt. Dagegen wirken die erzählenden und schildernden Passage ziemlich wuchtig, und lesen sich anstrengender und schwerfälliger. Glücklicherweise ist durch den Wechsel der Sichtweisen und den Sprüngen in der Zeit eine gewisse Abwechslung gegeben, die auch ein wenig auflockert. Ein zäher Eindruck ist bei mir dennoch geblieben.

Auch wenn mich die Geschichte nicht überzeugen konnte, von dem Covermotiv bin ich noch immer schwer begeistert. Schön düster mit den Bäumen, dem Weg und der dunklen Gestalt, im Hintergrund ein altes Haus und davor heller Nebel und Lichtflecken, die man mit etwas Phantasie für Geister halten kann. Diese Lichtspielerein lassen das Cover unheimlich und mysteriös wirken.

Fazit: Mir hat “Wo die verlorenen Seelen wohnen” nicht besonders gefallen. Zu viele Elemente, die einem schon mal anderswo in Büchern oder Filmen begegnet sind, und eine ziemlich vorhersehbare Geschichte. Ich denke, dieses Buch wird auch für jugendliche Fans dieses Genres wenig Neues und Überraschendes bereithalten.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Wo die verlorenen Seelen wohnen
Autor: Dermot Bolger
Seiten: 288
Verlag: Boje by Lübbe
ISBN: 978-3414823359
Preis: 12,99 (HC)

Rezension – Virtuosity – Liebe um jeden Preis (Jessica Martinez)

Die siebzehnjährige Carmen ist ein Star. Sie tourt mir ihrer Geige durch die Welt und spielt überall vor ausverkauften Konzertsälen. Doch die Konkurrenz ist hart. Beim Guarneri-Wettbewerb treten Jungstars aus den verschiedensten Ländern gegeneinander an – und nur der Sieg zählt. Carmen steht unter Druck, den sie nur noch mit Tabletten in den Griff bekommt. Doch dann lernt sie Jeremy kennen, ihren ärgsten Konkurrenten um den Sieg. Und obwohl Carmen weiß, dass sie sich vor ihm in Acht nehmen sollte, fühlt sie sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Für Carmen ist die Zeit gekommen, sich zu entscheiden: Setzt sie auf Sieg oder auf die Liebe …

Hinter diesem Cover und Titel vermutete ich eine schlichte Teenie-Lovestory. Dieses Mal mit zwei Musikern im Mittelpunkt und gewürzt mit ein wenig Konkurrenzkampf über den die Liebe natürlich siegen würde. Welch ein Irrtum, wie ich schnell feststellte!
Natürlich, die Liebe zwischen Carmen und Jeremy spielt eine wichtige Rolle, sonst würde sie nicht im Titel erwähnt werden. Allerdings nicht im kitschigen Sinne. Es gibt zwar einige romantische Szenen, doch ist die Liebe hier eher Auslöser für einschneidende Ereignisse.
Beispielsweise hinsichtlich Carmens Entwicklung. Anfangs ist sie kaum mehr als ein 17jähriges Wunderkind mit einer teuren Geige, das sich unglaublich vor einem bedeutenden Wettberwerb fürchtet, von dem seine Karriere abhängt. Gescheucht durch unerbittlichen Geigenunterricht, gemanaged (statt geliebt) von der karrierefixierten Mutter.  Mir hat gefallen, wie deutlich der Stress gemacht wird, unter dem Carmen steht und dass sie in den Augen aller kaum mehr als ihre Geige ist. Das ist schon erschreckend und an sich unvorstellbar für einen Teenager.
Ebenso erschreckend ist es, wie nahe die Geschichte der Realität ist. Da merkt man, dass Jessica Martinez selbst Geige spielt(e?) und dabei Einblicke in diese Welt und hinter deren Kulisse gewann. Diese gibt sie in “Virtuosity” an die Leser weiter und schont sie dabei nicht. So kommt Abhängigkeit von Medikamenten zur Stressbewältigung zur Sprache, ebenso Themen wie der unerbittliche Konkurrenzkampf und Bestechung.
Die Konkurrenz ist Carmens größtes Problem, denn sie weiß genau, dass Jeremy ihr in der Endausscheidung für den besagten Wettbewerb streitig machen kann.
Umso überraschter und verunsicherter ist sie als sie feststellt, dass es Jeremy auch ohne seine Geige und abseits der Bühne gibt. Und dass er dort sehr nett ist.
Dass sich die beiden in einander verlieben bringt dann die spezielle Brisanz in die Geschichte. Denn auf rosa Wolken wandeln hin oder her: der Wettberwerb und ihre Konkurrenzsituation bleiben weiterhin Thema und beinahe ständig spürbar. Natürlich ist auch Carmens “Coachingteam” alles andere als begeistert und setzt sie unter Druck, den Kontakt zu Jeremy einzustellen.
Unterdessen macht Carmen gewisse Entdeckungen und Beobachtungen, die sie allmählich an gewissen Personen ihres “Teams” zweifeln lassen.  Schließlich kommt sie dieser Person auf die Schliche und sieht sich zu einer weitreichenden Entscheidung gedrängt.
Es ist schön, Carmens Entwicklung zu verfolgen. Wie sie langsam ein normaler Teenager wird, wie sie sich aus den Zwängen und dem Stress herausarbeitet. Da kann man gut mitfühlen und man gönnt es Carmen von Herzen.
Das Ende hat mich dann noch mal überrascht. Denn auch wenn Carmen sich gut mausert, so ist ihre letzte Entscheidung ein schon sehr großer und mutiger Schritt. Aber er ist nachvollziehbar und hat mir zusätzlich Achtung vor der “neuen” Carmen abgerungen.

Die Geschichte ist in der Ich-Form aus Carmens Sicht geschrieben. Das gewährt sehr guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Außerdem ist so eine gewisse jugendlich-lockere Erzählweise gewährt. So kommt es, dass “Virtuosity” sich sehr flüssig liest.Mit 249 Seiten ist es auch nicht besonders dick, und so hatte ich es an zwei Abenden ausgelesen.

Die Geige auf dem Cover hatte ich erst gar nicht erkannt, aber an meinem ersten Eindruck hätte sie auch nichts geändert. Jetzt gefällt mir die Gestaltung aber sehr gut, da die Konturen der Elemente so schön in einander übergehen. Zusammen mit den Lichtspielereien ergibt das ein Motiv, bei dem es sich lohnt, es genauer anzuschauen.

Fazit: Mir hat “Virtuosity – Liebe um jeden Preis” sehr gut gefallen und ebenso sehr überrascht. Eine spannende Geschichte, die interessante und erschreckende Blicke hinter die Kulissen des Musikgeschäftes bietet. Außerdem eine schöne Liebesgeschichte. Viel Romantik oder Kitsch darf man aber nicht erwarten. Ganz im Gegenteil unterstreicht Carmens und Jeremys Verliebtheit noch die ohnehin vorhanden Dramatik der Geschichte. Auch wenn es ein Jugendbuch ist, ganz leichte Kost ist es nicht. Speziell Carmens Leben vor Jeremy hat mir doch eine Weile im Kopf herumgespukt.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms!


Titel: Virtuosity – Liebe um jeden Preis
Autor: Jessica Martinez
Seiten: 249
Verlag: Boje by Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414823229

© 2019 Frontier Theme