Bram Stoker

Department 19 – Die Mission (Will Hill)

department19Jamies Leben wird nie wieder dasselbe sein. Sein Vater tot, seine Mutter vermisst und er selbst von einem Hünen namens Frankenstein entführt – an einen Ort wie aus einem Science-Fiction-Film. Hier residiert die geheimste Organisation der britischen Regierung: das Department 19. Verantwortlich für die Bekämpfung des Übernatürlichen. Gegründet vor über einem Jahrhundert von niemand Geringerem als Abraham van Helsing, dem Erzfeind des Grafen Dracula.  Mit der Hilfe von Frankensteins Monster, einem schaurig-schönen Vampirmädchen mit ganz eigenen Absichten und den Mitgliedern der Organisation muss Jamie nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch seine Mutter vor einem grauenvollen, übermächtigen Vampir retten – während etwas viel Älteres sich regt, das selbst das Department 19 nicht bezwingen kann.

Bei diesem Buch war es ganz klar die Optik, die mich sofort aufmerksam werden ließ. Die Passage “vor über einem Jahrhundert” habe ich da geflissentlich verdrängt, denn eigentlich hätte sie das Buch gleich wieder disqualifiziert.
Ich bin inzwischen aber froh, dass die Verdrängung in dem Moment so gut funktionert hat. Mir hat das Buch zwar nicht so richtig gefallen, aber daran ist ganz klar nicht die Geschichte an sich Schuld!
Die steckt durchaus voller sehr reizvoller, interessanter und heutzutage erfrischend anmutender Ideen. In erster Linie war das für mich diese Mischung der Charaktere. Hier sind mit zB Jamie und seiner Mutter ganz normale Menschen mit von der Partie, es mischen aber ebenso viele erdachte Gestalten mit wie Frankenstein und Abraham van Helsing, und man stößt auch auf reale historische Personen wie Bram Stoker, und natürlich auf Vampire! Erfreulicherweise Vampire vom alten Schlag, die auf’s Morden und Bluttrinken aus sind, und die ein Pflock im Herz ganz gut kleidet.
Durch diese Kombination aus so vielen verschiedenen Charakteren und Wesen ergibt sich recht zwangsläufig auch eine Mischung der Zeiten. Sicher, die Story spielt zum größten Teil im Hier und Heute, aber Gestalten aus solch alten Geschichten bringen eben auch das Flair ihrer Zeit mit ein. Das ist leicht exotisch, passt aber erstaunlich gut. Und hat es mir leichter gemacht, mich mit dieser Spur Altertümlichkeit abzufinden.
Gefallen hat mir auch, dass man hier trotz jugendlicher Hauptperson einen Roman vor der Nase hat, der sich ganz klar an ältere bzw erwachsene Leser richtet. Jedenfalls mal Gewalt und Brutalität angeht. Hier wird mit modernsten Waffen gekämpft, hier werden Vampire gepfählt, hier spritzt alle paar Seiten literweise das Blut und gerade Hauptperson Jamie wird ganz, ganz übel mitgespielt. Das führt zudem unweigerlich zu einer düsteren und bedrohlich Atmosphäre, die über der gesamten Handlung liegt.
Soweit, so gut! Sollte jemand mal auf die Idee kommen, dieses Buch zu verfilmen, dann stehe ich ganz sicher in der Schlange an der Kinokassen. Denn auf der Leinwand gibt es den größten Haken, den das Buch für mich hatte, ganz klar nicht. Denn da sehe ich sofort alles: wer wie aussieht, wo es wie aussieht, wie die Waffen funktionieren und wirken…eben alles, was ich mir im Buch erstmal schildern und erklären lassen muss. Durch diese beschreibenden und erklärenden Passagen habe ich mich immer wieder ganz schön gequält und hätte sie eigentlich liebend gern übersprungen. Ab einem gewissen Maß langweilt und nervt mich das einfach, und nimmt oft auch das Tempo aus der jeweiligen Passage.
Und vielleicht wäre mir sogar Jamie im Film einen Zacken sympathischer. Im Buch konnte ich mit ihm nicht viel anfangen. Da kehrte er mir zu oft den gerade mal Verzehnjährigen Großkotz raus, während er ein paar Seiten später wieder typisch teeniebockig und kindisch ist.

Ich habe vergleichsweise lange für das Buch gebraucht, weil mich gewisse Teile ganz ordentlich gequält haben. Das ist schade, denn sonst steckt die Geschichte wirklich voller Tempo und Action. Dafür lockern die “Kapitel” ein wenig auf, die vor über einhundert Jahren spielen. Und dadurch, dass die Kapitel nicht gerade kurz sind, hat man mit einem Kapitel schon einen guten Schritt voran in der Geschichte geschafft.

Wie erwähnt war ich vom Look der Buchs sofort angetan. Obwohl solch altmodische Darstellung sonst ganz und gar nicht mein Ding sind. Aber daurch, dass man die Gestalten auf dem vorderen und hinteren Deckel nur von hinten sieht, wirkt es schon geheimnisvoll. Die Kapitel, die im vorigen Jahrhundert spielen, fallen durch einen besonderen Druck auf. Sie sehen aus wie auf altem Pergamnt gedruckt.

Fazit: Eine spannende Geschichte voller Ideen, die eine innovative Mischung ergeben. Daran gibt es keinen Zweifel. Die Mischung aus Moderne, Historischem und Fiktionalem geht hier völlig auf. Im Kino wäre das genau mein Ding! Mich haben die zahlreichen schildernden Passagen aber ganz schön genervt und gelangweilt, so dass das Buch trotzdem nicht den besten Eindruck hinterlassen hat. Ich werde Teil 2 aber sicher lesen. Alleine in der Hoffnung, Vieles ja nun schon zu kennen und mir nicht mehr alles lang und breit erklären lassen zu müssen. Mal schauen!

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Department 19 – Die Mission
Autor: Will Hill
Seiten: 490
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3785760802
Preis: € 14,99 (HC)

Abenteuer! Maja Nielsen erzähtl – Vampire – Die wahre Geschichte von Graf Dracula

Titel: Abenteuer! Maja Nielsen erzähtl – Vampire – Die wahre Geschichte von Graf Dracula / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 77 min / Sprecher: Bernd Rumpf, Martin Stelzle, Stefan Kaminski, Jürgen Uter u.a.

Inhalt: Vlad III. (1431-1476) gilt als das historische Vorbild für den berühmten Graf Dracula, der bis heute Millionen fasziniert. Was verbirgt sich hinter dem Mythos des berüchtigten transsilvanischen Herrschers? Worauf beruht Vlads zweifelhafter Ruf? Und wie lässt sich die Popularität der Figur Dracula erklären? In ihrem Abenteuerfeature begibt sich Maja Nielsen auf eine spannende Spurensuche zwischen Dichtung und Wahrheit und bringt mit Hilfe eines echten Vampirologen die wahre Geschichte über den Fürst der Finsternis ans Licht.


Nach “Faust” und “Rätsel der Erde” habe ich mit dieser Folge die dritte Wissens-Hörbuchreihe kennengelernt. Eingestiegen bin ich mit dieser Folge, da mich das Thema noch am ehesten interessiert. Bislang habe ich mit solchen Wissens-Features durchweg gute Erfahrungen gesammelt, was mich jedes Mal überrascht hat. Und auch über dieses Feature lässt sich grundsätzlich nichts Schlechtes sagen. Es beleuchtet den Werdegang von Vlad III. , einer wahren historischen Person, hin zu dem Dracula, den Bram Stoker erdachte und der heute noch Pate für Vampire in Film, Literatur, Hörspiel usw. steht. Neben erklärenden Passagen wird diese Geschichte auch immer wieder in gespielten Szenen veranschaulicht, so dass der Eindruck eines Hörspiels entsteht. In meinen Augen die beste Art Wissen zu vermitteln, denn so wirkt es nicht wie Schulunterricht. Aber es gibt wie gesagt auch erklärende Passagen, in denen Historisches berichtet wird, inklusive Jahreszahlen. Bei “Dracula” hat mich das jetzt nicht besonders gestört, da mich das Thema halt interessiert. Ich ahne allerdings, dass bei anderen Folgen, für deren Themen ich mich vielleicht nicht so sehr begeistern kann, genau das die Momente sein werden, wo ich wohl schnell abschalten werde. Denn bei aller Lebendingskeit in der Erzählweise bleibt es direkte Fakten-Vermittlung. Ich bin mir nicht sicher, ob das bei jungen Hörern ankommt. Wünschenswert wäre es natürlich.

Mit Bernd Stephan, Sonja Szylowicki und Dietmar Wunder sind gleich drei Erzähler am Start, die abwechselnd durch die Geschichte des berühmtesten Vampirs führen. Durch diesen Wechsel wirkt das Feature sehr lebendig und die Eintönigkeit, die mit Wissensvermittlungs oft einhergeht, hat hier keine Chance. Die Rollen in den Hörspielpassagen sind ebenfalls größteinteils mit bekannten Stimmen besetzt. So sind beispielsweise Stefan Kaminski, Martin Sabel, Jürgen Uter und Robert Missler zu hören. Entsprechend können sie die Hörspiel-Szenen auch hören lassen. Lediglich für Vlad III. hätte ich mir eine eindrucksvollere Stimme gewünscht.

Eine vielfältige Musik- und Geräuschkulisse begleitet die Erzählungen. Dabei kommen sowohl düstere und spannungsfördernde Stücke zum Einsatz, wie auch muntere Stücke und Melodien, die dem Schauplatz der jeweiligen Szenen gerecht werden. So sind beispielsweise auch orientalisch klingende Musiken zu hören. Ausgefeilte Geräusche ergänzen den wirklich sehr guten Eindruck, den das Feature in diesem Bereich bei mir hinterlassen hat.

Das Cover lässt mit dem Porträt einerseits durchblicken, dass den Hörer auf dieser CD Historisches erwartet, mit der nebligen Burgszene bürgt es aber auch dafür, dass dieses historische Wissen spannend und schaulich vermittelt wird. Im Inneren des Digipaks finden sich Fakten über Maja Nielsen, sowie über Hand Meurer, den Dracula-Experten, der als Interviewpartner im Hörspiel ebenfalls auftaucht. Das Booklet hält dann noch mal einen ganzen Schwung an Informationen rund um die Geschichte von Vlad III. bis hin zu Graf Dracula bereit. Zudem findet man hier eine Chronik dieses Werdegangs.

Fazit:   Ich habe etwas Bedenken, dass sich die jungen Hörer für die Jahreszahlen- und Erläuterungspassagen erwärmen können. Da sie aber den kleinsten Teil des sonst wirklich rundum gelungenen Features ausmachen, sollten sie nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Ansprechend gestaltete und mit tollen Sprechern besetzte Wissensvermittlung, die Spass macht.

Gruselkabinett (48) – Die Squaw

Titel:   Gruselkabinett (48) – Die Squaw/ Verlag Titania Medien / Laufzeit:   ca. 51 min / Sprecher:  Reinhilt Schneider, Viktor Neumann, Axel Lutter, Bettina Weiß, Boris Tessmann, Frank Gustavus

InhaltFrankfurt am Main um 1883: Amelia und George Price, ein junges Paar in den Flitterwochen, macht während seiner Reise durch das romantische DEutschland die Bekanntschaft von Elias P. Hutcheson, einem verwegenen Abenteurer aus Nebraska. Die Drei planen eine gemeinsame Besichtigung der Burg zu Nürnberg, in der die berühmte “Eiserne Jungfrau”, eines der grauenvollsten Folterwerkzeuge, dass die Menschheit je ersonnen hat, ausgestellt wird…


Der erste Eindruck von dieser Folge war bei mir sehr zwiegespalten. Bram Stoker, das klang gut. Man kennt ja seinen “Dracula”. Allerdings: “Die Squaw”…ich mag Indianergeschichten einfach nicht. Es war dann aber schon bald klar, dass ich eine solche auch nicht zu erwarten hatte. Diese Geschichte ist zweifellos sehr stimmungsvoll und atmosphärisch, da läuft es einem bei mancher Szene kalt den Rücken hinunter. Ich fand sie aber andererseits auch sehr vorausschaubar und in die Länge gezogen. Es ist ja gut und schön, wenn besondere Szenen voll ausgekostet werden um dem Hörer eine Gänsehaut zu verursachen, aber man kann es dabei auch leicht mal übertreiben, was bei “Die Squaw” vor allem vor der Besichtigung der Burg der Fall ist. So rechtes Mitgefühl am Ende wollte in mir dann auch nicht aufkommen…wer wirft schon Kieselsteine um Katzen zu bespaßen?! Eine angemessene Vergeltung also. Dem Hörpiel kann man aus alldem allerdings keinen Vorwurf machen. Die Vorlage gibt diese Handlung halt vor und so müsste man eher sagen, dass Bram Stoker hier nicht gerade sein Meisterstück abgefasst hat.

Sechs Sprecher bringen “Die Squaw” zu Gehör, von denen allerdings zwei direkt im -wenn man so will- Prolog ihren Einsatz haben und einer von ihnen in erster Linie schreiend zum Hörspiel beiträgt. Viktor Neumann als Erzähler und frisch gebackener Ehemann George hat mir sehr gut gefallen. Er hat eine ruhige, eindringliche Stimme, der ich gerne zugehört habe. Mit Reinhilt Schneider dagegen hatte ich zum ersten Mal überhaupt so meine Probleme. Ich mag ihre markante Stimme eigentlich sehr gerne, weil damit so viele Kindheitshörspiele verknüpft sind. Jetzt weiß ich aber, dass sie auch ziemlich nerven kann. Gut, sicher waren die Damen von 1883 deutlich zarter besaitet als sie es heute sind, aber dieses ständige Gejammere, Geheule und Klagen, da zerrt auch die tollste Stimme an den Nerven.
Ein großes Kompliment geht dafür an Axel Lutter, der den Museumsbesitzer so irre und unheimlich spricht. Mit dem wäre ich niemals auf eine Führung durch eine Folterkammer gegangen.

Die Untermaung fällt ruhig und dezent aus und wirkt so wirklich erstklassig. Es braucht eben nicht immer bombastische Stücke um ein Hörspiel wirkungsvoll zu machen, dafür liefert “Die Squaw” den besten Beweis.

Die Eiserne Jungfrau, die in der Geschichte eine zentrale Rolle spielt, findet sich auf dem Cover ebenso wieder wie die schwarze Katze, die ja ebenfalls eine geradezu schicksalhafte Rolle einnimmt. Ein Museum in einem Burgkeller hätte ich allerdings in diesem Motiv nicht erkannt, dafür hätte es gerne etwas düsterer ausfallen dürfen.

Fazit:   Die Geschichte war mir -wie gesagt- teilweise zu sehr in die Länge gezogen und zu voraussehbar, was an der Erzählung von Stoker liegt. Titania hat hier mit den Sprechern und der düsteren Atmosphäre aber wieder Boden gutgemacht. Nicht die beste Folge, die mir im “Gruselkabinett” bislang untergekommen ist, aber immerhin unterhaltsame  51 Minuten Hörspiel.

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