Bunker

Das Rachespiel (Arno Strobel)

rachespielFrank Geissler glaubt an einen Scherz, als er die Website aufruft: Ein Mann, nackt, am Boden festgekettet, in Todesangst. Daneben ein Käfig voller Ratten, unruhig, ausgehungert.
Frank kann den Mann retten, heißt es. Aber nur wenn er Teil des »Spiels« wird und seine erste Aufgabe erfüllt. Angewidert schließt er die Website, doch kurz darauf ist der Mann tot. Und Frank beginnt zu zweifeln. Hätte er dem Unbekannten helfen können? Hätte er nicht sofort die Polizei informieren müssen? Aber es ist zu spät. Und nicht nur für den Toten. Auch Frank ist schon mittendrin. Mittendrin in einem Spiel, in dem er einer der Vier ist, einer der vier Kandidaten, für die es um alles geht. Um ihr eigenes Leben. Aber auch um das Leben aller, die ihnen etwas bedeuten.

Mit “Das Rachespiel” begab ich mich auf eine neue Runde in der Berg- und Talfahrt, die Arno Strobels Thriller für mich bislang waren. Mit “Der Sarg” war diese Fahrt ja wieder aufwärts gegangen. Mit “Das Rachespiel” verläuft die Fahrt nun genau zwischen Berg und Tal.
Ich fange mal mit dem an, was mir an “Das Rachespiel” gefallen hat. Das ist ganz einfach: ich mag Geschichten um Killer, die kranke Spiele mit ihren Opfern spielen. Das ist zwar spätestens seit “Saw” nichts Neues mehr, aber wenn es gut gemacht ist, kann ich mich für dieses Schema immer wieder begeistern. Entsprechend angetan war ich von “Das Rachespiel”, wo ebenfalls ein ziemlich kranker Killer seine Spielchen mit den vier Hauptcharakteren treibt. Dass es bei diesen Spielchen ganz gut zur Sache geht, ist noch ein feiner Pluspunkt obendrein.
Genauso gut hat mir der Schauplatz gefallen, an dem die vier durch ihre persönliche Hölle gehen. Solch einen verlassenen Bunker stelle ich mir schon schaurig vor, und dieser hier wird so anschaulich, düster und beängstigend beschrieben, dass es einem beim Lesen das Gruseln lehrt.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich übersichtliche Stories mag. Eine Handvoll Charaktere reicht mir meist voll und ganz. Da habe ich schnell den Überblick und kann mich ganz auf das Geschehen konzentrieren, statt mir erst Massen von Namen merken zu müssen. Schauplatzwechsel muss ich ebenfalls nicht haben. Beide Vorlieben hat mir “Das Rachespiel” bestens erfüllt. Das hat es mir gleichzeitig leicht gemacht, selbst zu knobeln, wer womöglich hinter dem Grauen steckt, das die Freunde in dem Bunker erleben. Außer ihnen kommt lediglich eine weitere Person dafür infrage. Da kann man leicht Für und Wider der einzelnen Figuren gegen einander abwiegen, und das macht Spass. Hier vor allem, weil man regelmäßig Einblick in die Jugend der vier Freunde erhält. Aus den Ereignissen damals und dem Verhalten der Kinder kann man gut Vermutungen für die Handlung im Jetzt ableiten.
Soweit bin ich mit “Das Rachespiel” also wirklich zufrieden. Inhaltlich habe ich daran nichts weiter auszusetzen.
Doch so gut ich damit leben kann, einer alten Idee im soundsovielten Aufguss zu bgegnen, es bleibt dabei: diese Idee ist nicht neu und mittlerweile im Thriller- und Horrorgenre mindestens an jeder dritten Ecke anzutreffen. Da bin ich von Arno Strobels Thrillern innovativere Ideen gewöhnt, und das hat mich doch gewundert. Und schade finde ich es -so gesehen- auch. Da wird mancher Strobel-Fan enttäuscht aus der Wäsche gucken, da bin ich sicher.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, wieso ich plötzlich einen Strobel-Thriller mit einer Idee von der Stange lese. Ich würde vermuten, dass die Pause seit “Der Sarg” einfach zu lang geworden wäre, wenn nun erst das Jugendbuch im März erschienen wäre. “Der Sarg” erschien im Januar 2013. Bis zum “Rachespiel” hat es also schon ein komplettes Jahr gedauert. Wäre nun erst das Jugendbuch gekommen, wäre diese Pause noch länger geworden. Und ob das akzeptabel gewesen wäre? Für die Leser ebenso wie für den Fischer Verlag? Denn das Jugendbuch erscheint obendrein in einem anderen Verlag, obwohl Fischer ebenfalls eine Jugendbuchabteilung hat.
Wie gesagt: das ist meine ganz persönliche Vermutung und sie ist womöglich völlig falsch. Aber für mich klingt sie ganz sinnig.

Es wäre kein Problem gewesen, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Es ist leicht und locker geschrieben, das liest sich weg wie nichts. Langweilig wird es auch nicht wirklich und der Wechsel zwischen der Handlung im Jetzt und dem Geschehen damals in der Kindheit der vier Freunde bringt noch Abwechslung rein. Knackig kurze Kapitel helfen dem Tempo ordentlich auf die Sprünge.

Vom Cover her reiht sich “Das Rachespiel” nahtlos in die Serie der Strobel-Thriller ein. Einmal mehr wird das Cover vom auffälligen und erhaben geprägten Titelschriftzug beherrscht. Der gebeugt sitzende Mann fällt da erst auf den zweiten Blick auf, macht dann aber doch neugierig.

Fazit:  Ich mag kranke Killer, die ebenso kranke Spielchen mit ihren Opfern treiben. Ich mag solch gruselige Schauplätze und eine überschaubere Anzahl Figuren, bei denen man gut mitknobeln kann. Trotzdem, die Idee der Geschichte ist alles andere als neu. Die liegt auf dem Grabbeltisch mit Thriller-Ideen seit “Saw” und Co. ganz oben. Und da bin ich von Arno Strobel einfach einfallsreichere Thriller gewöhnt. Deshalb wirkt “Das Rachespiel” auf mich wie mit der heißen Nadel gestrickt. Als hätte dringend ein Erwachsenenthriller hergemusst, damit die Zeit seit “Der Sarg” nicht zu lang wird. Und das hat mich erstaunt und auch etwas enttäuscht.


Titel: Das Rachespiel
Autor: Arno Strobel
Seiten: 352
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596196944
Preis: 9,99 (TB)

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Tote essen kein Fastfood (Karin Baron)

totefastfoodSylt. Ausgerechnet! Gegen eine Insel weiter südlich hätte die 16-jährige Fanny nichts einzuwenden gehabt. Aber Sylt, dieser sandige Haken in der Nordsee – garantiert ständig unter einer fetten Regenwolke und garantiert völlig öde. Doch dann werden Ferien auf der Insel alles andere als langweilig: Fanny macht unfreiwillig Bekanntschaft mit der Sylter Bunkerwelt und mit Jan, dem Jungen vom Strand. Gemeinsam machen sie sich auf die Spur nach einem verschwundenen Mädchen.

Ich hatte wohl so eine Phase mit Büchern, die an Urlaub erinnern. Nach den Bergen in “Alpenglühen für Anfänger” nun also Sylt. Erst eine Liebesgeschichte,, nun ein Krimi für Jugendliche. Allerdings konnte er mir Sylt nicht ganz so schmackhaft machen, wie das “Alpenglühen” die Berge. Die Insel wird zwar schön beschrieben was die Landschaft, das Meer, den Strand anbetrifft, doch spielen auch die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg eine Rolle, die die Insel unterkellern. Das war mir zwar neu, aber diese Zeit ist keine, von der ich in Büchern gerne lese. Zum Glück für mich wurde dieses Thema aber nicht großartig weiter vertieft.
Hauptthema ist vielmehr ein verschwundenes Mädchen, seltsame Vorkommnisse auf der Insel und natürlich Fanny, die wortwörtlich in das sonderbare Geschehen hineinstolpert. Durch Radio- und Zeitungsmeldungen sowie Briefe des verschwundenen Mädchens ist man als Leser Fanny zwar immer einen Schritt voraus, aber ich fand es doch ganz spannend was sie, Ferienfreund Jan und angehende Stiefschwester Frida alles entdecken und herausfinden.
Bei ihren Nachforschungen geraten sie mehrmals in gefährliche Situationen. Einmal sogar in echte Lebensgefahr. Da kann es dann passieren, dass man sich tatsächlich dabei erwischt, wie man Fingernägel knabbert.
Und auch wenn man den Freunden etwas voraus ist, hat man noch lange nicht die Lösung in der Hand. Die Puzzlestücke ergeben erst nach und nach ein Bild. Und die letzten verbleibenden Stücke werden dann auch noch mal kräftig durchgemischt. So erlebt man hier noch die eine oder andere Überraschung.
Die Charaktere haben mir durch die Bank prima gefallen. Fanny mit ihrem lockeren Mundwerk, der nette Jan, der ihr darin in nichts nachsteht, und natürlich Fannys angehende Stiefschwester, die 10jährige Frida. Genau wie Fanny hatte ich zunächst Sorge, mir würde da nun eine kleine Prinzessin mit unschlagbarem Nervfaktor geboten. Was war ich froh als ich Frida dann als äußerst aufgewecktes und mutiges bis leichtsinniges Kind kennenlernte, das nur allzu gut weiß, was sie will. Die Erwachsenen spielen hier eher eine nebensächliche Rolle, doch auch Fannys Vater und Fridas Mutter konnten mich mit ihrer recht lockeren Art Eltern zu sein schnell begeistern.Wie es sich für ein Jugendbuch schon fast gehört, gibt es dazu noch eine kleine Lovestory, die mir dank der beiden humorvollen Charaktere wirklich gut gefallen hat und die nie kitschig, sondern immer glaubhaft wirkt.

Fanny erzählt die Geschichte selber und sie hat einen tollen Sinn für Humor: oft sarkastisch und schwarzhumorig. Außerdem trifft sie genau einen authentischen jugendlichen Ton. Das liest sich leicht, da darf häufig gelacht werden…solche Bücher habe ich meist sehr schnell ausgelesen. So auch hier Für mich ist diese Erzählperspektive seit je her die, die ich am liebsten lese.

Ich mag keine Füße! Davon abgesehen gefällt mir das Cover, und immerhin sind diese Füße mit den grünen Zehennägeln und in den Flipflops ein Hingucker. Mir gefällt dieses Motiv vor allem wegen der ausgefallenen Perspektive. Man sieht, wie wohl Fanny nur einen Schritt davon entfernt ist in ein Erdloch zu fallen, aber man kann eben auch sehen, wie es in diesem Loch aussieht. Und dieses finstere Loch mit der alten Mauer und der rostigen Leiter sind schon ein feines Element für ein Krimicover.

Fazit:   Der Exkurs in die Nazizeit hätte für mich nicht sein müssen. Aber ich weiß schon, dass es zu den Bunkern eine Erklärung braucht. Deshalb geht das in Ordnung, zumal es nicht mehr als nötig vertieft wird. Davon abgesehen ist “Tote essen kein Fastfood” ein spannender Jugendkrimi vor Ferienkulisse, der jugendlich frech und witzig erzählt wird. Urlaub auf Sylt geplant und -genau wie Fanny- vielleicht wenig begeistert darüber? Dann gehört dieser Roman in’s Gepäck!

Danke an den Kosmos Verlag für die Bereitstellung eine Rezensionsexemplares!


Titel: Tote essen kein Fastfood
Autor: Karin Baron
Seiten:  220
Verlag: Kosmos Verlag
ISBN: 978-3440130582
Preis: 9,99 (TB)

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Pollution Police (01) – Das Gold im Bunker

Titel: Pollution Police (01) – Das Gold im Bunker / Spielzeit: ca. 50 min / Sprecher: Daniel Käser, Julia Fölster, Patrick Bartsch, Sascha Rotermund, Robert Missler, Kerstin Draeger ua

Inhalt: Die drei Freunde Niklas, Linus und Melissa – Mitglieder der Pfadfindergruppe “Pollution Police” – kommen einer Bande von Schatzräubern auf die Spur, die im Fürstenwald unterirdische Sprengungen durchführen. Die Gauner haben es offenbar auf ein verschollenes Golddepot aus dem Zweiten Weltkrieg abgesehen und lassen sich durch nichts von ihrem Vorhaben abbringen. Ein Fall für die “Pollution Police”!


Pfadfinder. Kleine Weltverbesserer. Und dann “Pollution Police”…ich war ja sehr skeptisch. Ein Fähnlein Fieselschweif für Umweltschutz? Das wäre nicht mein Fall gewesen. Nach dem Hören muss ich nun sagen, dass die Geschichte um die Sprengungen im Wald und ihre Hintergründe wirklich gut und unterhaltsam ist. Es ist für kindgerechte Spannung gesorgt und die drei Kids von der “Pollution Police” sind durch die Bank sympathisch und haben Dank manch frechem Spruch schnell Boden bei mir gutgemacht. Ich muss aber auch sagen, dass mir hier -speziell anfangs- zu sehr der moralische Zeigefinger geschwungen wird. Da frage ich mich dann jedes Mal, ob den Kindern von heute solche Botschaften wirklich so direkt vermittelt werden müssen, damit sie ankommen? Aber das war man vermutlich dem Thema “Pfadfinder” schuldig. Womöglich wird da in Folge 2 ja etwas kürzer getreten. Das fände ich gut.

“Die kleinen Pfadfinder” heißt es im Titellied. Doch kaum hatten die drei Hauptsprecher Daniel Käser, Julia Fölster und Patrick Bartsch die ersten Sätze gesprochen, da war klar: so klein sind Niklas, Melissa und Linus gar nicht mehr. Rein von den Stimmen her gehen sie gut als Jugendliche durch. Mir gefällt das und die drei Sprecher liefern eine überzeugende Leistung ab. In den Nebenrollen sind ua Sascha Rotermund, Kerstin Draeger und Bert Stevens zu hören. Dass hier nichts zu befürchten ist, dürfte klar sein. Konrad Halver als Erzähler dürfte für meinen Geschmack manchmal einen Zahn zulegen. Er spricht mir oft zu langsam.

Das Titellied kann sich hören lassen. Es ist frisch und munter und hat Ohrwurmqualität. Die übrige Untermalung geht ebenfalls völlig in Ordnung. Die Melodien unterstreichen die Stimmung der jeweiligen Szenen gut und sorgen so für Spannung und Atmosphäre.

Wer nach diesem Hörspiel ebenfalls gerne Pfadfinder werden möchte, der kann sich im Booklet darüber informieren, wie das funktioniert. Zudem findet man hier allgemeine Informationen rund um das Pfadfindertum.
Mit dem Skelett auf dem Cover wird an sich schon auf den ersten Blick deutlich gemacht, dass das Hörspiel nichts für die ganz Kleinen ist. Ein schönes Motiv, das berechtigt Hoffnung auf eine spannende Geschichte macht.

Fazit: Speziell anfangs war es mir hier zu viel Moral, doch die Geschichte an sich macht schon Laune. Schön spannend und mit einer erfrischend neu wirkenden Detektiv-Truppe. Ich bin auch Folge 2 gespannt.

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