Carlsen Verlag

Rockoholic (C. J. Skuse)

Kreisch! Jodys Lieblingsband ist in der Stadt. Klar, dass sie schon 14 Stunden vor Konzertbeginn da ist. Denn sie muss unbedingt ganz vorne stehen. Es geht schließlich um Jackson, den tollsten aller Leadsänger. Allerdings ist Jody nicht die Einzige und in dem ganzen Gedränge und Geschubse kippt sie einfach um, knallt auf den Boden und anstatt vor der Bühne zu stehen, wacht sie Backstage auf einer Liege auf. Schlimmer kann es nicht werden. Außer – man entführt einen Rockstar, versteckt ihn in der Garage und versucht so zu tun, als habe man alles im Griff.

Zugegeben, aus dem Alter, in dem man so sehr für einen Musikstar schwärmt wie Jody es tut, bin ich schon ein paar Jährchen lang heraus. Trotzdem klang der Klappentext irgendwie so herrlich schräg, verrückt und turbulent, dass ich der Geschichte gerne ihre Chance gegeben habe.
Sie beginnt sehr eindrucksvoll mit der Beerdigungsfeier von Jodys Opa, die Jodys Meinung nach überhaupt nicht so ist, wie ihr Großvater es sich gewünscht hätte. Also mischt sie die Gesellschaft ordentlich auf und als Leser bekommt man damit gleich den richtigen Eindruck von Jody vermittelt. Sie ist ein Chaot, neigt zu verrückten Aktionen und liebt neben ihrem Opa vor allem den Sänger (Jackson) ihrer Lieblingsband von ganzem Herzen.  Ich mochte Jody wirklich gerne und obwohl ich mehr als doppelt so alt bin wie sie, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen.  So konnte ich dann auch ein bisschen nachvollziehen, dass sie 14 Stunden vor dem Konzert bereits an der Halle steht und auf Einlass wartet. Sie hat einfach einen Hang zu extremen Situationen und Aktionen.
Von da an dreht die Geschichte auf. Bereits vor der Halle geht es ordentlich rund und leicht hat Jody es nicht. Beim Konzert geht es (leider) genauso weiter und als sie sich dann backstage auf der Krankenstation wiederfindet, tat sie mir schon leid. Doch dann taucht die Band dort auf, natürlich auch Jackson, und aus einer völlig absurden Situation heraus ist Jody plötzlich Entführer und Jackson ihr Opfer. Und damit ihr niemand auf die Schliche kommt, versteckt sie ihn kurzerhand in ihrer Garage. Wie realistisch das alles ist, darf man sich an diesem Punkt einfach nicht fragen.
Wer nun denkt, es kann nicht verrückter kommen, der irrt! Denn es ist wahrlich nicht leicht, einen Rockstar zu verstecken! Rockstars haben nämlich gewisse Angewohnheiten und Jody sieht Jackson binnen weniger Stunden ganz anders als noch vor dem Konzert. Ganz ehrlich, das halte ich nun wieder für eine Ecke glaubhafter und vielleicht ist es so auch eine Botschaft an die jugendliche Leserschaft: es ist längst nicht alles Gold, was auf den Bühnen glänzt! Ich muss sagen, ich habe Jody und ihren Freund Mac, der ihr während der Zeit mit Jackson immer wieder weiterhilft, sowas von bewundert. Was sie sich von Jackson bieten lassen und was sie für den Kerl alles auf sich nehmen, das geht auf keine Kuhhaut. Bei mir wäre der in der Garage versauert, aber echt! Oder ich hätte freiwillig die Polizei geholt und mich als vermeintlicher “Entführer” gestellt.
Irgendwann sind die drei über den berühmten Berg, doch einfacher wird es dadurch immer noch nicht. Denn Jackson hat eine ganz spezielle Vorstellung sein weiteres Leben betreffend und Jody und Mac sollen ihm dabei helfen. Auch hier sollte man besser nicht danach fragen, wie realistisch das Ganze ist. Unterhaltsam und verflixt spannend ist es aber auf jeden Fall! Man fragt sich ständig, wie lange das Trio mit der Sache noch durchkommen wird und hofft gleichzeitig, dass sie es schaffen. Auch wenn das für Jody ein eher trauriger Erfolg wäre.
Mein Liebling der Geschichte war Jodys Freund Mac. Ich mochte den an sich so vernünftigen Kerl in den verrückten Outfits und mit den witzigen Sprüchen so unglaublich gerne! Was hat er mir leid getan als sich bei Jody alles nur um Jackson dreht! Denn im Gegensatz zu Jody habe ich Mac nicht eine Minute lang für schwul gehalten…

Jody erzählt die Geschichte selber. Im  flapsigen Ton einer Sechzehnjährigen, auch mal mit Kraftausdrücken und Flüchen und ganz viel Witz. Das liest sich weg wie nichts und ich habe tatsächlich das ganze Buch mit seinen stattlichen 439 Seiten in einem Rutsch gelesen. Die Kapitel haben sehr verlockende Titel und da fällt es einfach schwer, eine Pause einzulegen.

Die Kopfhörer auf dem Cover passen einwandfrei zur Geschichte und ihrem Titel. Genauso die Herzchen an den Kabeln und der ganze rosafarbene Look , der mich lange Zeit abgeschreckt hat.

Fazit:  “Rockoholic” rockt! Wie realistisch das Geschehen ist, danach darf man hier teilweise einfach nicht fragen. Dann wird man mit einer herrlich schrägen, rasanten und spannenden Geschichte belohnt, die einfach riesigen Spass macht und dennoch Momente mit viel Tiefe hat. Wer Musik mag und schon mal so richtig für einen Star geschwärmt hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. Eine Lovestory ist “Rockoholic” aber auch. Etwas anders zwar, aber dennoch unglaublich  süß!

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Titel: Rockoholic
Autor: C. J. Skuse
Seiten: 439
Verlag: Chicken House by Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551520401
Preis: €  16,95 (HC)

Panic – Wer Angst hat, ist raus (Lauren Oliver)

PANIC verändert alle(s). Heather hatte nie vor, an dem verbotenen Spiel für Schulabgänger teilzunehmen. Denn der Gewinn ist zwar hoch, aber der Einsatz auch, und sie ist keine Kämpferin. Doch schnell wird ihr klar, dass es nur den richtigen Grund braucht, um dabei sein zu wollen. Und dass Mut auch eine Frage von Notwendigkeit ist. Dodge war sich immer sicher, dass er bei Panic mitmachen würde. Er hat keine Angst, denn es gibt ein Geheimnis, das ihn durchs Spiel pushen wird. Aber um zu gewinnen, muss man auch seine Gegner kennen.

Vor längerer Zeit hatte mir Lauren Olivers “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” so gut gefallen, dass ich “Panic” einfach lesen musste. Natürlich in der Erwartung, noch einmal so begeistert zu sein.
Gelungen ist das “Panic” nur so semigut. Zunächst fand (und finde ) ich  die Idee, dieses Spiels wirklich genial. Natürlich, das Spiel ist lebensgefährlich und über jede einzelne Aufgabe für die Spieler kann ein vernünftig denkender Mensch nur entsetz den Kopf schütteln. Doch genau solche Extreme machen für mich oft das Besondere an einer Geschichte aus. Im Jugendbuchgenre ist das dann noch mal eine andere Liga und gewagt, aber im Vergleich zu “WDSZDGLADVSS” finde ich es nicht heikler. Darin geht es immerhin um ein sehr junges Mädchen, das stirbt. Das ist auch nicht ohne.
Spannung zieht “Panic” also einmal aus dem Spiel und den Aufgaben,  Da fiebert man schnell mit und ein bisschen Sensationsgier (wenn man es so nennen möchte) spielte bei mir da auch immer mit rein. Ich hatte immer die gespannte Frage im Hinterkopf, ob die nächste Aufgabe noch eine Schippe drauflegen würde.
Spannend ist aber auch das Leben der einzelnen Figuren und wie PANIC es beeinflusst. Keiner der Jugendlichen, die am Spiel teilnehmen, hat es leicht. Keiner von ihnen lebt im Luxus, ganz im Gegenteil. Viele haben alles andere als ein gutes Elternhaus. Jeder hat seine persönlichen Geheimnisse und Probleme. Und bei jedem einzelnen kann man nur allzu gut nachvollziehen, dass sie sich erträumen, mit dem Geldgewinn aus PANIC ein besseres Leben führen zu können. Doch der Weg dorthin ist mehr als steinig, denn je weiter es zum Ende hin geht, umso gefährlicher wird die Sache. Irgendeiner der Mitspieler scheint obendrein falsch zu spielen und bringt die anderen damit umso mehr in Gefahr.
Soweit war die Geschichte durchaus nach meinem Geschmack. Es gab dann aber doch zwei Knackpunkte, die dafür gesorgt haben, dass ich von “Panic” nicht allzu angetan bin. Diese Punkte sind sicher ein Stück weit Geschmackssache, aber das ändert die Sache an sich ja nicht.
Erstens bin ich mit keiner der Figuren richtig warm geworden. Dafür waren es zu viele und die Wechsel zwischen ihnen zu häufig. In der recht kurzen Zeit, die man für jede quasi bekommt, konnte ich mich mit keiner anfreunden. Natürlich, das Hauptaugenmerk liegt auf Heather, doch ich mochte sie deshalb nicht mehr als die anderen. Auch mit ihr bin ich nicht besonders gut Freund geworden. Und ich brauche bei einer Geschichte einfach mindestens eine Figur, die für mich etwas Besonderes ist.
Zweitens gefiel mir einfach das Umfeld der Kids nicht. Es ist mir klar, dass “Panic” in einer normalen oder gar guten Gegend und mit Jugendlichen, die keine echten Probleme im Leben haben, nicht funktionieren würde. Aber ab einem gewissen Maß Elend ist bei mir Schluss. Wenn alles nur noch traurig, trostlos, hoffnungslos istund die Figuren alle in Armut, Elend und zerrütteten Familien leben, dann ist das nicht mein Fall. Ich brauche wenigstens ab und zu einen Lichtblick oder wenigstens eine Figur, deren Leben nicht meilenweit von meinem eigenen entfernt ist.  Das macht es mir leichter, mich mit ihr zu identifizieren.
Ein kleiner Punkt noch zum Schluss: es gibt ein Element, das ich für absolut unglaubwürdig halte. In den USA ist sicher vieles möglich, aber das sich jemand diese speziellen Tiere dort auf einem Hof hält / halten kann, das bezweifele ich doch sehr

Mit fast jedem Kapitel springt man zwischen den Figuren hin und her. Das sorgt für Abwechslung und bringt Schwung ins Lesetempo. Sonderlich lang sich die Kapitel meistens auch nicht. So hat sich “Panic” trotz meiner Schwierigkeiten mit der Story und ihren Figuren doch ganz gut und fix lesen lassen.

Das Cover gefällt mir nachwievor richtig gut. Ich mag das kräftige Rot-Orange und dass man den Schemen des Mädchengesichts erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennt. Es gibt also auch Möglichkeiten, ein Cover nicht mit einem Mädchengesicht quasi zu erschlagen. Das Schattenrissbild der Klippenspringer verrät bereits, weshalb die Spieler von PANIC sehr viel Mut brauchen.

Fazit: Die Idee des Spiels finde ich  genial und so (lebens)gefährlich die Aufgaben auch sind, cool fand ich sie doch. Weil Lauren Oliver damit im Jugendbuchgenre einiges wagt. Spannend sind die Aufgaben natürlich auch. Genauso wie die Frage, ob die Kids mit PANIC ihr Leben in neue, bessere Bahnen lenken werden. Mir war es aber in Summe zu viel Elend, zu viel Hoffnungslosigkeit. Ab einem gewissen Maß habe ich darauf irgendwann keinen Nerv mehr. So war es auch hier. Und durch die vielen Figuren und die schnellen Wechsel zwischen ihnen, konnte ich mich leider auch mit keinem wirklich anfreunden.

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Titel: PANIC – Wer Angst hat, ist raus
Autor: Lauren Oliver
Seiten: 268
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551583291
Preis: €  8,99 (Broschiert) / € 17,99 (HC)

Conni, 15 (03) – Meine beste Freundin, der Catwalk und ich (Dagmar Hoßfeld)

Conni - Meine beste Freundin, der Catwalk und ich (Dagmar Hoßfeld) Erst Anfang Januar wird Phillip zurückkommen. Bis dahin wird er dort bleiben, wo er seit den Sommerferien ist: in Berkeley, Kalifornien, USA. Conni weiß nicht, wie sie es so lange ohne ihn aushalten soll. Dass ihre beste Freundin Lena plötzlich Post von ihrem unbekannten Vater bekommt, ist eine willkommene Abwechslung. Lena will nach Hamburg fahren, um ihn kennen zu lernen. Und Conni soll sie begleiten. In der Stadt an der Elbe erhält Lena ein unglaubliches Angebot.

Auf neue Geschichten um die fünfzehnjährige Conni freue ich mich immer riesig. Ich bin totaler Conni-Fan, speziell von Conni als Teenager.  Bei diesem Band hatte ich jedoch im Vorfeld schon ein paar Bedenken. Der Titel deutet ja bereits an, um was es dieses Mal geht. Und es ist klar, welche Art von Angebot im Klappentext erwähnt wird. Connis Freundin Lena wird als Model entdeckt!
Ich habe mit diesem Thema allerdings so gar nichts am Hut. Mit “Germanys Next Topmodel” kann man mich meilenweit jagen und Models, Modezeitschriften etc interessieren mich nicht die Bohne. Aber auf mich kommt es letztlich ja auch nicht an, das ist mir klar. Die Bücher richten sich an junge Mädchen so ab 12 Jahren, und in dieser Altersgruppe sind diese Themen sicher aktuell und beliebt. Somit passt das insgesamt schon. Ich habe mich zunächst vor allem damit getröstet, dass noch keine “Conni”-Geschichte irgendein Thema voll in den Sand gesetzt hat. So konnte ich mir das hier auch nicht vorstellen.
Dass ausgerechnet Lena entdeckt wird, hat mich schon mal sehr getröstet. Sie ist neben Conni meine Lieblingsfigur. Ich mag dieses seltbstbewusste Mädchen mit der großen Klappe, dem frechen Humor und der leicht alternativen Art super gerne. Und für dieses Thema hätte man keine bessere Figur auswählen können. Denn Lena stürzt sich nicht bedenkenlos in ihre angehende Karriere, sondern bewahrt sich eine kritische Einstellung dazu. So wird den jungen Leserinnen vermittelt, dass dieser Job eben nicht nicht Glanz und Glamour ist, dass man genau hinter die Kulissen schauen sollte, wenn man ein Angebot bekommt, dass er womöglich nicht der Traumjob ist. Und wer das -von Lena so recht subtil vermittelt- immer noch nicht gerafft hat, der hat später bei einer Leichtsinnigkeit von Anna nochmal eine Chance, es zu begreifen. Es soll ja Kdis geben, die so einen moralischen Zeigefinger brauchen. Sicher ist schließlich sicher. Deshalb finde ich das ausnahmsweise mal völlig okay so.
Natürlich spielt Connis und Phillips Lovestory auch in diesem Band wieder eine große Rolle. Wenn ich ehrlich bin, ist sie der wesentliche Grund dafür, dass ich jedem neuen Band entgegenfiebere wie wild. Ich finde die beiden einfach sowas von süß als Pärchen, dass ich regelmäßig dahinschmelze. Almählich naht Phillips Rückkehr, aber ein paar Monate sind es halt doch noch. Entsprechend hat man mehrfach die Gelegenheit, sich mit Conni nach ihm zu sehen. Bei ihren Skype-Chats oder Telefonaten. Ehrlich, ich bewundere Conni dafür, wie gut sie die Trennung in Summe doch aushält. Ich weiß nicht, ob ich das so gut hinbekommen würde.
Da ich nicht spoilern möchte, sage ich in diesem Zusammenhang einfach nur, dass man sich beim Lesen ein Päckchen Taschentücher bereitlegen sollte. Ich hatte es geahnt und war somit vorbereitet. Die beiden schaffen es immer wieder, mich zum Heulen zu bringen.

Wie üblich erzählt Conni selbst von ihren Erlebnissen. Fröhlich, locker und teeniemäßig, wie es sein sollte, wenn eine Fünfzehnjährige erzählt. Dann und wann -speziell wenn es um Phillip geht- schlägt sie aber auch mal ernsthaftere Töne an. Trotzdem liest sich alles weg wie nichts und bei dieser Reihe fliegen die Seiten bei mir nur so dahin. Was sich so erfrischend liest, das kann sich gar nicht ziehen. Und als Krönung tragen die Kapitel noch Titel, die sofort neugierig auf den weiteren Verlauf machen. So mag ich das!

Das Cover gefällt mir dieses Mal besonders gut. Denn mit einer Katze hat der “Catwalk” ja eigentlich nichts zu tun. Daher finde ich es witzig, auf dem Cover diese Beziehung herzustellen. Kater Mau kann sich eindeutig sehen lassen! Ein paar Beauty-Accessoires sind ebenfalls zu sehen und etwas rot-weiß Gehäkeltes ebenfalls. Was das ist? Um das zu erfahren, muss man schon Connis neues Abenteuer lesen.

Fazit:  Auch wenn “Laufsteg”, “Models” und “Germanys Next Topmodel” absolut gar nicht meine Themen sind, hat mir dieser dritte Band insgesamt doch wieder prima gefallen. Gut, dass es um Lena geht, die mit gesunder Skepsis auf ihre eventuell angehende, neue Karriere blickt. So haben Kitsch und Glamour per se null Chance und die jungen Leserinnen lernen nebenbei, dass in der Branche oft nicht alle Gold ist, was glänzt. Dazu kommt noch der weiter sehr goldige, manchmal traurige, oft romantische Verlauf von Connis und Phillips Lovestory, der widerum total nach meinem Geschmack war. Doch, ich hatte Schlimmeres von diesem Band erwartet und bin somit einmal mehr zufrieden mit der großen Conni!


Titel: Conni, 15 (03) – Meine beste Freundin, der Catwalk und ich
Autor: Dagmar Hoßfeld
Seiten: 288
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551260031
Preis: € 12,99 (Broschiert)

Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen (Sara Ohlsson)

leidertotJohn hat Schluss gemacht, einfach so! Doch wie soll Olivia ohne ihn überleben? Wer ist sie ohne John, ohne ihre perfekte Beziehung? So einfach gibt sie sich nicht geschlagen. Und so gründet sie die “Operation Vogelkacke”: John zurückzuerobern, das ist das Ziel. Doch so leicht ist das alles nicht, wenn man ständig von anderen abgelenkt wird, wie zum Beispiel von Danijel, bei dem man gar nicht anders kann als zu denken: Sexy, toll! Nicht so wie John, überhaupt nicht so perfekt. Aber o Mann, so sexy! … Kann das Leben wirklich so einfach sein, wie Danijel sagt? Dass man lachen soll, wenn man glücklich ist, schreien, wenn man wütend ist und mit jemandem schlafen, wenn man es gerade will?

Dieses Buch hat mich durch den witzigen Titel auf sich aufmerksam gemacht. Der Klappentext las sich zwar weniger heiter, aber dennoch vielversprechend. Ob an Danijels Behauptung etwas dran ist? Irgendwie fand ich die Vorstellung schön, dass man immer tun sollte, wonach einem ist. Ganz egal, was andere darüber denken. Ich habe bei diesem Buch aber gemerkt, dass es selbst dabei Grenzen geben sollte und sogar muss.
Dass John mit Olivia Schluss gemacht hat, erfährt man gleich auf der ersten Seite. Fortan durchlebt Olivia den Schmerz, der zu solch einer Erfahrung dazu gehört. Mir tat sie zunächst sehr leid, zumal Johns Begründung wirklich ziemlich haltlos und schwammig ist. Man merkt nicht erst nach drei Jahren, dass man ebensoviele Jahre altersmäßig auseinander ist. Davon abgesehen, was sind schon drei Jahre Altersunterschied?  Ich konnte Olivia deshalb gut verstehen und ihren Kummer nachvollziehen.
Auch die “Operation Vogelkacke” fand ich noch ganz sinnig. So nennen Olivia und ihre beste Freundin Emma das Unternehmen, John für Olivia zurüchzugewinnen. Das ist sicher eine Maßnahme, die viele Sitzengelassene ergreifen, und warum auch nicht? Man soll ja nichts unversucht lassen. So weit, so gut.
Doch dann begann es, bergab zu gehen. Zunächst im Kleinen, zB mit Danijels erstem Auftritt, bei dem Olivia ihn als ziemlich schmuddelig und ungepflegt beschreibt. So jemand ist beim besten Willen keine Figur, mit der ich mir auch nur einen Hauch von Romantik vorstellen kann.
Wenig später schöpfte die Story wahrlich aus dem Vollen um sich mir madig zu machen. Denn Olivia dreht im Laufe der “Operation Vogelkacke” so richtig auf in ihrem Frust. Dazu gehören in erster Linie Partys, damit verbundene Besäufnisse mit zum Blackout und wildes durch die Gegend poppen. So drückt Olivia das aus, deshalb übernehme ich das einfach mal. Ja, an Danijels Devise aus dem Klappentext ist sicher etwas dran, aber erstens finde ich das schlichtweg armselig und billig und zweitens kann ich mir so etwas bei einer Siebzehnjährigen nicht vorstellen. Allerdings kann es sein, dass ich da irre, denn ich kenne keine Siebzehnjährigen. Vor allem keine schwedischen Siebzehnjährigen. Möglich, dass es in Schweden unter den Teenies so zugeht wie hier beschrieben. Von meinem Teenieleben ist es gottlob meilenweit entfernt. Auch deshalb konnte ich mich nie mit Olivia identifizieren.
Die ganze Zeit über all diese Partyexzesse hinweg habe ich gehofft, dass sich noch eine Wendung ergeben würde. Mir war inzwischen sogar egal, welche. Ob Olivia ihren John zurück bekommt, Danijel eine gewisse Romantik abringt oder von mir aus auch akzeptiert, dass Kalle sie im besoffenen Zustand wüst beschimpft, sonst aber ganz okay ist. Alles egal, nur hätte ich halt gerne ein Ziel vor Augen gehabt. Ich wäre sogar zufrieden gewesen, wenn es mit keinem der Kerle etwas geworden, dafür aber absehbar gewesen wäre, dass Olivia dieses Schlampen-Image ablegt (das nennt sie selber so, das ist kein Urteil meinerseits!) Doch nichts davon trat ein und ich fragte mich ernsthaft, wie und wo die Geschichte und Olivia enden würden. In der Suchtklinik? Entsprechend war ich höchtens neugierig, aber nie wirklich gespannt.
Ich bin niemand, der darauf besteht, dass Figuren immer ein Vorbild für die junge / jugendliche Leserschaft sind. Und ich leugne vehement, dass Geschichten (und Spiele und Filme usw) ihre Kosumenten zu falschen Verhalten verleiten können. Aber diese Selbstverständlichkeit hinsichtlich Saufen und Herumpoppen hier, hat mir dennoch zu denken gegeben. Wenn es etwas Seltenes, Außergewöhnliches wäre, das ab und zu mal passiert und nicht als normal eingestuft wird, halb so wild. Aber hier wirkt das alles so, als gehörte das mit siebzehn und Liebeskummer halt dazu. Und als wäre die Einstellung “ich führe mich auf wie eine Schlampe, aber egal” völlig okay. Hilfe, nein! Da lasse ich mich auch gerne als spießig bezeichnen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch an einem langen Abend gelesen, denn eines muss man ihm zugestehen: es liest sich weg wie nichts. Es gibt zwar keine betitelten Kapitel, aber Absätze markieren  Anfang und Ende von Teilen der Handlung. Zudem sind viele Seiten gerade mal zur Hälfte bedruckt. Oft genug noch nicht mal zur Hälfte. Diese Abgrenzung gewisser Abschnitte konnte ich verstehen, solange sie einen in eine glückliche Olivia-John-Vergangenheit blicken ließen. Doch das bleibt nicht so, und von da an habe ich es nicht mehr verstanden. Aber natürlich bringen einen solche kurzen Abschnitte flott durch ein Buch. Olivias jugendlich lockerer Erzählstil steuert ein Übriges dazu bei.

Das Cover mag ich. Ich mag das Helle daran, das Herz anstelle des O und das hübsche Mädchengesicht, das kopfrum steht. Gerade damit zieht es die Aufmerksamkeit auf sich. Leider ist das beim besten Willen nicht die Vorstellung, die ich von Olivia hatte. Sie und John werden zwar an einer Stelle als das Traumpaar, als Prinz und Prinzessin beschrieben, aber von einer Prinzessin war Olivia für mich weit, weil entfernt. Genau wie von der Darstellung auf dem Cover.

Fazit:  Anfangs tat mir Olivia leid und ich konnte sowohl ihre Verzweiflung, als auch die “Operation Vogelkacke” verstehen. Doch im Laufe dieser Operation habe ich jegliches Verständnis verloren und war einfach nur entsetzt, dass Olivia sich mit Suff und Sex über ihren Verlust hinweg zu trösten bzw ihn zu verdrängen versucht. Mit siebzehn! Identifizieren konnte ich mich beim besten Willen nicht mit ihr und mich entsprechend nicht in sie hineinversetzen bzw hineinfühlen. Ein Ende für die Geschichte konnte ich mir absolut nicht vorstellen, da passte es, dass es -genau genommen- auch keines gibt. Hier kommt nichts zu einem Abschluss. Schade, von diesem witzigen Titel hatte ich mir defintiv mehr und etwas anderes versprochen.


Titel: Ich bin leider tot und kann heute nicht in die Schule kommen
Autor: Sara Ohlsson
Seiten: 320
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551312907
Preis: € 11,99 (Broschiert)

Conni, 15 (02) – Mein Sommer fast ohne Jungs (Dagmar Hoßfeld)

Conni, 15 - Mein Sommer fast ohne Jungs (Dagmar Hoßfeld)Wie überlebt man einen heißen Sommer, wenn der Freund ganz weit weg ist? 1. Eiswürfel lutschen 2. Mit den allerbesten Freundinnen abhängen 3. Schwimmen gehen 4. Sich einen coolen Job besorgen 5. Attraktiven Jungs aus dem Weg gehen 6. Nicht verlieben!!! Punkt eins bis vier ist kein Problem, findet Conni. Aber was ist mit den Punkten fünf und sechs?

Wie man mir ganz leicht Angst machen kann? Indem man zum Beispiel im Klappentext eines Conni-Buchs andeutet, dass sich ein anderer Junge zwischen Conni und Philip drängt. Ich finde Conni und Philip so süß, die beiden sind eins meiner persönlichen Traumpaare. Da geht sowas natürlich absolut gar nicht!
Conni tat mir schon im vorigen Band sehr leid als sich abzeichnete, dass Philip für ein halbes Jahr in die USA geht. Und erst recht als er dann wirklich abflog. Entsprechend habe ich auch am Anfang dieses zweiten Bandes ganz schön mit ihr gelitten. Sommer, Sonne, Ferien und der Freund ewig weit weg. Das ist schon schlimm.
Doch Conni wäre nicht Conni, wenn sie sich davon komplett unterkriegen lassen würde. Sie hat zwar ihre Durchhänger und Sehnsuchsmomente, aber da sind schließlich auch noch ihre Freundinnen und Freunde, die für Abwechslung sorgen. Partys, Treffen am See, baden, gelegentlich eine kleine Shoppingtour…über Langeweile kann Conni -und damit auch der Leser- wirklich nicht klagen. Es ist immer etwas los. Dabei geht es so sommerlich-fröhlich zu, dass die Sonne quasi zwischen den Seiten herausscheint. Da bekommt man gleich Lust, genauso einen Sommer zu erleben. Schaut man allerdings aktuell aus dem Fenster…nun ja. Aber dann ist es schön, sich den Sommer mit einem Buch so leicht ins Haus  und sogar auf die Couch oder ins Bett zu holen.Doch so richtig Schwung kommt erst mit Connis Ferienjob in einem Eiskiosk in die Geschichte. Denn dort taucht fast täglich ein netter Junge auf, der obendrein noch gut aussieht. Er scheint an Conni interessiert zu sein. Und ja, Conni ist irgendwie auch ein wenig angetan von ihm. Was mich dabei am meisten schockiert hat: sogar mir hat Finn ganz gut gefallen! Dabei hätte ich ihn doch total doof finden müssen! Schon wegen Philip! Das ist geschickt gemacht, dass man Finn trotzdem ganz in Ordnung findet.
Mir hat es prima gefallen, wie Conni die Situation meistert. Sie macht sich viele Gedanken über Philip, Finn und auch sich selber. Sie spricht mit ihren Freundinnen und auch, wenn sie manchmal denkt, absolut nicht mehr durchzusteigen in Sachen Liebe, findet sich schließlich doch den für sie richtigen Weg. Und sollte das Buch jungen Leserinnen in die Hände geraten, die in einer ähnlichen Situation stecken, können sie die gerne für sich übernehmen. Wie leicht hat man sich in diesem Alter mal verguckt. Da hilft Conni womöglich besser als Eltern, die hauptsächlich Moralpredigten auf Lager haben. Ich mag einfach diese Realitätsnähe der Conni-Geschichten. Dazu gehört in diesem Buch aber auch mal der Gedanke “jetzt erst recht!” als sich Philip eine Weile einfach nicht mehr meldet 😉
Ich habe wieder sehr viel gelacht bei diesem Buch. Conni hat eine so herzige, herzliche und fröhliche Art zu erzählen, da kommt man um ein Lachen oft gar nicht herum. Ein Gespräch mit Philip gegen Ende hat mich aber widerum auch so gerührt, dass ich ein Taschentuch brauchte.

Und weil Conni so mitreißend erzählt, habe ich mich auf der Hälfte vom Buch bewusst gebremst, sonst wäre aus “kurz mal reinlesen” glatt “in einem Rutsch gelesen”geworden. Dafür sind mir Conni-Bücher aber einfach zu schade.

Das Cover zeigt sich genauso sommerlich wie die Geschichte. Ganz gleich, ob Flipflops, Eis oder das Badetuch, alle diese Elemente spielen in der Geschichte eine Rolle. Schön bunt ist das Motiv außerdem.

Fazit: “Mein Sommer fast ohne Jungs” ist meist fröhlich, lustig und sommerlich, hat aber ab und zu auch ruhige, nachdenkliche und traurige Momente. Langweilig wird es nie. Mir hat diese Geschichte wieder sehr viel Spass gemacht. Hier strahlt die Sonne zwischen den Seiten hervor! Einmal mehr rundum gelungen. Und ich hoffe sehr, Conni hört auf den Ratschlag der Ente am Ende 😉


Titel: Mein Sommer fast ohne Jungs
Autor: Dagmar Hoßfeld
Seiten: 288
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551260024
Preis: € 12,90 (Broschiert)

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