Carlsen Verlag

Phantasmen (Kai Meyer)

phantasmenEines Tages tauchten sie aus dem Nichts auf – die Geister der Toten. Millionen auf der ganzen Welt, und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Frauen auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Rain hofft, die Begegnung wird ihrer jüngeren Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger, ist auf seinem Motorrad nach Spanien gekommen, um ein letztes Mal seine große Liebe Flavie zu sehen. Dann erscheinen die Geister. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln.

Als ich “Phantasmen” auf der Buchmesse zum ersten Mal in Händen hielt, sprach mich der Klappentext sofort an. Da es mir mit noch einem von Kai Meyers Büchern je so gegangen ist, war das etwas Besonderes. Daher war es klar, dass ich das Buch lesen würde.
Fangen wir mit dem Lobenswerten an: die Idee der Geschichte mit den Geistern und ihrem Lächeln hat mir sehr gut gefallen. Mal keine Vampire, Werwölfe und Konsorten, sondern die guten alten Geister. Und doch so ganz anders als man sie gemeinhin kennt. Für meinen Geschmack eben einfach cool! Auch wenn es lebensgefährlich ist, dieses Geisterlicht hätte ich gerne mal gesehen.
Leider macht die Geschichte in meinem Augen verschwindend wenig aus dieser Idee.
Spannend fand ich sie zB nur ganz, ganz selten mal. Das lag vor allem an den Schwestern Rain und Emma. Damit ich mit Figuren mitfühlen und um sie bangen kann, müssen sie Gefühle zeigen. Gefährliche Situationen und halsbrecherische Touren in Autos und auf Motorrädern reichen mir da nicht. Aber wie soll man mit zwei Mädels mitfiebern, von der eine abgebrüht ist wie nur was, und die andere so intelligent, dass sie Gefühle als absolut unlogisch empfindet, sie daher für unter ihrer Würde hält und keine zeigt?
Außerdem hat mich vor allem Rain auch ziemlich genervt. Anfangs nur damit, dass sie dauernd Andeutungen über ihre Vergangenheit macht, in der wahrlich Dramatisches passiert sein muss, die Katze aber erst sehr viel später aus dem Sack lässt. Keine Ahnung, was der Geschichte gefehlt hätte, wenn das Thema bedeutend früher auf den Tisch gekommen wäre! Und dann diese ewige Angst um Emma. Dass bloß Emma nichts passiert! Emma muss unbedingt geschützt werden! Wenn es einer verdient, lebend aus der Misere herauszukommen, dann natürlich Emma! Himmel noch eins, so selbstlos kann doch kein Mensch sein, der ständig und überall seinem erschreckend nahe Tod ins Auge blickt! Wieso ist Emmas Leben mehr wert als das von Rain, Tyler oder anderen Menschen? Vor allem, weil man fix merkt, das in der ach so schutzbedürftigen Emma mehr steckt als man auf den ersten Blick noch denkt!
Auch der Schauplatz lag mir lange nicht. Mit Wüste assoziiere ich immer: Sand – staubig – öde. Dagegen kann ich einfach nichts tun. Daher war ich froh als es später nach New York geht. Eine solche Stadt kommt mir schon deutlich mehr entgegen und klingt so gar nicht nach Ödnis. Ich hätte sie ehrlich gerne selber im Geisterlicht gesehen. Der Anblick ist so eindrucksvoll beschrieben, dass ich es mir gut vorstellen konnte. Aber “in echt” wäre es sicher noch cooler gewesen 😉
Zuletzt finde ich noch, wenn es um Geister geht, dann darf es auch gerne mal gruselig werden. Doch gruselig ist “Phantasmen” nur ganz minimal und vor allem viel zu selten. Dabei würden die Gegenbeinheiten es dicke hergeben. Die Kreaturen und manche Szene haben eindeutig Gänsehautpotenzial, nutzen es aber kaum. Stattdessen wird das Schauerlichste noch zum gutherzigen Wesen.

Das Buch hat es mir schwer gemacht, dranzubleiben. Einmal weil ich es nicht besonders spannend oder interessant fand, zum anderen aber auch durch die vielen beschreibenden Passagen. Ich habe mich über jeden Dialog gefreut, weil es dann etwas zügiger voranging. Ich habe das Lesen daher als anstrengend empfunden.

Das Cover gefällt mir noch immer sehr gut! So geisterhaft neblig wirkt es unheimlich und die rätselhaften Gesichter lassen einen schnell grübeln, was es mit ihnen auf sich haben könnte.

Fazit: Trotz einer wirklich genialen Idee hat mich “Phantasmen” ziemlich enttäuscht. Ausgerechnet das erste Buch von Kai Meyer, das ganz nach meinem Geschmack klang 🙁 Ich habe es leider weder als spannend, noch als sonderlich interessant empfunden, was Rain, Emma und Tyler alles widerfährt, und obendrein haben mich Rains Geheimniskrämerei und ihre unglaubliche Selbstlosigkeit ziemlich genervt.


Titel: Phantasmen
Autor: Kai Meyer
Seiten: 400
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551582928
Preis: € 19,90 (HC)

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Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest (Dagmar Hoßfeld)

conniConni ist endlich fünfzehn geworden. Sie fühlt sich wie immer. Kein bisschen anders. Aber das kann nicht sein. Irgendetwas muss anders sein! Immerhin hat sie fünfzehn Jahre ihres Lebens darauf hingearbeitet, fünfzehn zu sein. Besonders das letzte Jahr war echt hart. Mit vierzehn ist man irgendwie noch ein Kind. Zumindest wird man so behandelt. Mit fünfzehn ist man dagegen schon fast erwachsen. Es MUSS also einen Unterschied geben. Im Kalender steht es schwarz auf weiß: Es ist der 30. April, ihr Geburtstag. Ab heute hat sie genau ein Jahr Zeit, um den Unterschied herauszufinden – falls es einen gibt. Conni freut sich auf grenzenlose Freiheit und wilde Abenteuer. Sie will endlich mal eine ordentliche Party mit der Clique feiern. Und sie will mit Phillip zusammen sein, ganz ohne wachsame Elternaugen.

Ich kenne Conni als Kindergarten- und Schulkind und von ihrem Start am Gymnasium. Nun ist sie also 15 Jahre alt und damit ein waschechter Teenager.
Wie ich zugeben muss, musste ich mich bei diesem Buch doch ganz schön umstellen. Erstens was ihre jugendlich-lockere Ausdruckweise angeht, zweitens -und das vor allem- was ihre Vorlieben anbetrifft. Bisher hatte ich nie den Eindruck, dass beispielsweise ein PC, das Internet oder auch tolle Klamotten und ihr Aussehen eine sonderlich wichtige Rolle für sie spielten. Und auch eine zickige Conni kannte ich nicht, ebensowenig eine Conni, die auch mal die Eltern anschwindelt.
Die Conni hier war für mich also eine ziemlich neue Conni. Allerdings (und das war mir schon auch klar) wäre es ohne das alles keine echte Conni-Geschichte gewesen. Schon immer war diese Figur sehr nahe an der Altersgruppe ihrer hauptsächlichen Fans, also musste das auch in dieser Geschichte der Fall sein. Für Teenager sind all diese Dinge wichtig, also auch für Conni. So können die Leser sich weiterhin leicht mit ihr identifizieren.
Außerdem werden daneben die typischen Conni-Themen kein Stück vernachlässigt. Noch immer geht es ganz wesentlich um Freundschaften, darum, sich in andere hineinzuversetzen und Verständnis zu haben, und um solch ernste Themen wie die Liebe, Sex oder auch ein weibliches Elternpaar und die Vorbehalte einiger Leute dem gegenüber.
Serviert werden diese Themen dabei fast ausschließlich von Conni und ihren Freunden selber, und sie nehmen sie auf jugendliche Art und Weise in Angriff. Das ist oft sehr lustig, ohne dass der ernste Kern der Sache verloren geht. So können die Leser aus der Geschichte eine ganze Menge für sich mitnehmen. Ganz ohne den berühmten moralisch-pädagogischen Zeigefinger. Typisch Conni also!
Eine große Rolle spielt hier Connis Liebe zu Phillip, die ich seit jeher süß finde und immer besonders im Auge hatte. Auch hier fand ich die beiden einfach nur goldig. Entsprechend gelitten habe ich zum Ende hin mit dann auch mit Conni. Ich habe immer nur gedacht: das kann doch so nicht enden, das darf einfach nicht so sein…und habe buchstäblich bis zum letzten Moment auf ein Wunder gehofft.
Doch so sehr ich mit Conni geheult habe, für so richtig und sinnig halte ich das Ende widerum auch. Es enthält ebenfalls eine wichtige Botschaft, und das dieses Mal sicher nicht nur für Jugendliche! Ein Ende wie ich es mir gewünscht hätte, das wäre nicht typisch Conni gewesen. Somit geht dieses Ende völlig in Ordnung.
Und nachdem es schon spannend war, wie Conni und ihre Freundinnen sich durch ihr Teenagerleben kämpfen, so gespannt bin ich nun auf den nächsten Band! Von dem ich -mal so nebenbei bemerkt- hoffe, dass Lena wieder eine große Rolle spielen wird.  Sie ist in diesem Buch kurzerhand zu einem meiner Lieblinge geworden.

Conni erzählt selbst von all den aufregenden Erlebnissen. Und das mit Tempo und einem ordentlichen Schuss Humor, über den ich oft gelacht habe. Da macht das Lesen Spass und die Seiten fliegen nur so dahin. Da es gleichzeitig noch spannend ist, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen ehe ich es ausgelesen hatte. An einem einzigen Abend!

Ich finde es etwas schade, dass der “Conni”-Schriftzug so klein geworden und an den Rand gerutscht ist. So erkennt man gar nicht gleich um wenn es in dem Buch geht. Conni-Fans, die mit ihr groß geworden sind, könnte das Buch so leicht entgehen. Ansonsten mag ich den Look von ihrem ersten Teenie-Buch. Bunt, leicht verrückt und mit Elementen, die in der Geschichte eine Rolle spielen. Das düfte junge Leserinnen schnell ansprechen. Und vielleicht ist dann bei einigen die Erkenntnis, dass es um Conni geht, noch das Tüpfelchen auf dem i.

Fazit:  Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung hin. Es ist lustig, rasant  und macht Spass, es ist aber auch sehr spannend. Genau wie man es bisher aus den Conni-Geschichten kennt, wird sich neben all dem Spass aber auch ernsten Themen angenommen. Schön passig auf das Alter und die Interessen der Leser abgestimmt. Egal in welchem Altern, ich schätze, Conni bleibt einfach immer Conni, und das ist gut so!

Vielen Dank an den Carlsen Verlag an die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest
Autor: Dagmar Hoßfeld
Seiten: 288
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551260017
Preis: € 12,90 (Broschiert)

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Rezension – Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick (Jennifer Smith)

Hadley könnte sich wirklich etwas Schöneres vorstellen, als auf der Hochzeit ihres Vaters Brautjungfer zu spielen. Dass sie dann allerdings ihr Flugzeug verpasst und erst einmal auf dem überfüllten New Yorker Flughafen festsitzt, hat sie dann doch nicht gewollt. Und genauso wenig hatte sie vor, sich ausgerechnet hier unsterblich zu verlieben: in den Jungen mit den verwuschelten Haaren und dem Puderzucker auf dem Hemd, der wie sie nach London muss. Hadley bleibt genau eine Fluglänge Zeit, um sein Herz zu gewinnen …

Die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Gibt es sie? Oder ist sie ein Mythos? Die siebzehnjährige Hadley jedenfalls hat mit der Liebe nichts am Hut als sie am New Yorker Flughafen ihre Maschine verpasst und auf die nächste warten muss. Vor einiger Zeit hat ihr Freund mit ihr Schluss gemacht, und der Vater hat die Familie vor einigen Jahren verlassen um auf einem anderen Kontinent mit einer neuen Frau zu leben.
Entsprechend unzufrieden, wütend und geradezu verstockt lernt man Handley dann auch kennen.
Mir ist es anfangs schwer gefallen, mit ihr warm zu werden. Einfach weil ich ihre Einstellung für eine Siebzehnjährige als richtiggehend ungesund empfunden habe. Für welchen Teenager ist das Thema “Liebe” schon ausschließlich negativ behaftet? Zudem müsste sie in ihrem Alter eigentlich wissen, dass an der Trennung der Eltern sicher nicht nur eine Partei die Schuld trägt, und dass sich in solch einer Situation nicht alles um die Kinder dreht. Etwas weniger Egoismus hätte ihr in meinen Augen gut zu Gesicht gestanden.
Glücklicherweise lernt sie dann jedoch Oliver kennen, für den sie -zu ihrem eigenen Erstaunen- vom ersten Moment an Feuer fängt. Den beiden bleibt allerdings  zunächst nur die Warte- und Flugzeit um sich besser kennenzulernen und einander näher zu kommen. Ein paar Stunden also nur.
Es ist sehr schön zu verfolgen, wie sich Hadley in dieser Zeit langsam, nach und nach, immer mehr öffnet.Wie ihre ablehnende Haltung gegenüber allem, was nur entfernt mit Gefühlen zu tun hat, sich allmählich wandelt. Dies geschieht einzig durch die Gespräche mit Oliver, der einige Dinge genauso sieht wie Hadley, andere wieder nicht, und der zudem manchen Spass auf Lager hat. So einen nett-verrückten Kerl muss man einfach mögen, auch als Leser.
Ganz kann er Hadley aber doch nicht mit dem Thema veröhnen. Ihr Groll gegenüber ihrem Vater wird sie trotz Oliver nicht ganz los. Das ist in diesem Moment gut so. Denn dadurch, dass sie auch jetzt nicht alles nur noch durch die rosarote Brille sieht, wird dem drohenden Kitsch Einhalt geboten. Übrig bleibt eine sehr schöne, gefühlvoll beschriebene Zeit auf dem Flughafen und im Flugzeug, die ich gerne mit Hadley und Oliver verbracht habe. Hier und da gibt es zwar durchaus romantische Szenen, aber auch die fallen angenehm kitschfrei aus.Teenagermäßig sehnsuchtsvoll darf aber bei einem Buch für diese Altersklasse aber ruhig mal zugehen.
Auf dem Flughafen in London verlieren die beiden sich aus den Augen, und jeder fährt zu seiner Familienfeier.
Mir hat es gefallen, dass sich mit Hadleys Gefühlen für Oliver auch ihre Sichtweise auf die Hochzeit und ihren Vater verändert hat. Obendrein schlagen ihr auf der Hochzeit auch noch pure Herzlichkeit und Verständnis entgegen.
Diesen “Bruch” finde ich ganz klug. So dreht sich die Story nicht nur um Hadleys und Olivers Liebe, sondern wendet sich auch der Liebe anderer Charaktere zu und zeigt auf, welche Gesichter sie noch haben kann. Beispielsweise zwischen Hadleys Vater und seiner Frau, aber auch zwischen Kindern und ihren Eltern. In diesem Teil der Geschichte fällt Hadleys Schilderung zwar deutlich sensibler aus, trotzdem tropft der Kitsch nicht zwischen den Seiten hervor. Es kann aber leicht passieren, dass es den Leser zu Tränen rührt 😉
Wie es mit Hadley und Oliver weitergeht bzw wie sich die Geschichte entwickeln wird, ist zwar leicht zu erahnen, aber immerhin werden ihnen noch einige Steine in den Weg gelegt. So wird es nicht langweilig, sondern ist mal turbulent, mal spannend und auch mal traurig. Ein Verlauf also, der bei Laune hält.

Deshalb konnte ich das Buch -einmal angefangen- auch nicht mehr aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch gelesen. Ich wollte einfach wissen, ob sie einander noch kriegen. Und wenn ja, wie das ablaufen würde. Hadleys jugendliche Erzählweise mit dem oft bissigen Humor hat mir das Lesen zusätzlich erleichtert.

Ich muss sagen, mir gefällt die Aufmachung des Buches sehr. Der Schutzumschlag hat eine rauhe Struktur und wirkt beim Anschauen und Darüberstreichen fast wie ein Stoff. Zudem glänzt er. Das Motiv selbst ist kaum mehr als ein Schatten, eine Andeutung, die Hadley auf ihrem Platz am Fenster im Flugzeug zeigt, einen Kaffeebecher in der Hand. Das Buch selber ist in exakt dem gleichen Stil gehalten. Ein Lesebändchen gibt es natürlich auch!

Fazit: Mir hat “Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick” prima gefallen. Eine sehr schöne, gefühlvolle Liebesgeschichte, die insbesondere durch die begrenzte Zeit der beiden Hauptcharaktere reizvoll ist. Zudem ist Hadleys allmählicher Sinneswandelt gut und glaubhaft dargestellt, was zu einer Schilderung der Hochzeit führt, die man anfangs niemals so erwartet hätte.


Titel: Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick
Autor: Jennifer Smith
Seiten: 224
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551582737

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