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Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen (Susan Juby)

tagwahrheitDas Leben ist nichts für Feiglinge, denken sich die drei Freunde Dusk, Neil und Normandy, zu Beginn des 11. Schuljahres und starten ein gewagtes Experiment: Einmal jede Woche wird abwechselnd einer der drei einem Menschen aus ihrer Schule eine Frage stellen, die bisher keiner auszusprechen wagte, obwohl alle nach der Antwort lechzen.
Hasst die ewig grantige Sekretärin wirklich alle Schüler, ist der schöne Tyler jetzt schwul oder nicht, nimmt der Freak aus der 12. Drogen und hat die Coole aus dem Langlaufteam mit einem ihrer beiden Teamkollegen was oder gar mit beiden? Was die drei besten Freunde allerdings damit lostreten, hätten sie nie geahnt. Ein kluges Buch über Freundschaft, Liebe und die Frage, was wir mit uns und unserem Leben anfangen und, was das eigentlich alles zu bedeuten hat.

Auf dieses Buch bin ich zufällig aufmerksam geworden. Dieses Mal reizte mich nicht das Cover, sondern die Idee der Geschichte. Man kann sich schließlich gut vorstellen, welche Folgen es haben kann, wenn man plötzlich nur noch die Wahrheit sagt.
Doch die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Beispielsweise wurde ich mit Hauptfigur Normandy überhaupt nicht warm. Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber sie war für mich eine totale Klugsch******, und solche Leute ertrage ich nicht. Nicht in Geschichten und auch nicht in der Realität. Da fand ich ihre Freunde schon interessanter. Den leicht schrägen Neil und die resolute Dusk. Die beiden haben mich ermuntert, doch noch weiterzulesen. Ich wollte ja schließlich wissen, was die Freunde mit ihrer Wahrheitsoffensive bewirken.
Doch leider bewirken sie gar nicht so viel, wie ich erwartet hatte. Natürlich, sie nehmen sich einige ihrer Mitschüler vor, sagen ihnen unliebsame Wahrheiten direkt ins Gesicht bzw stellen ihnen unangenehme Fragen nach der Wahrheit, doch die dramatischen Folgen bleiben aus. Folgen hat diese Offensive zwar, aber es ist absolut nichts Brisantes daran. Vor allem hatte ich nie das Gefühl, dass sie mit ihrer Aktion bei irgendeinem ihrer “Opfer” so richtig anecken, und das hatte ich vor allem erwartet! Aber nein, die Wahrheit bringt fast überall nur Gutes zum Vorschein. Das ist zwar ganz nett, aber für sonderlich realistisch halte ich es nicht.
Nach einer Weile kam es mir so vor als würde es diese Aktionen nur geben um Normady dazu zu bringen, in Sachen Wahrheit mal vor der eigenen Tür zu kehren und gewisse Wahrheiten in ihrer Familie zu erkennen, die bislang unter den Teppich gekehrt wurden. Ob man dazu die Aktionen an der Schule gebraucht hätte, lasse ich dahingestellt. Sicher hätte man eine Geschichte nur um das Geschehen in Normandys Familie zusammenbringen können.
Denn dort geht es wirklich unglaublich zu, was für mich gleich den nächsten Aufreger darstellte. Da schreibt die älteste Tochter eine Saga, die in einer Parallelwelt spielt, und schickt darin alle ihre Familienmitglieder ins Rennen, allerdings als wahre Witz-, Hohn-, und Spottgestalten. Und was macht die vorgeführte Familie? Sie arrangiert damit und meutert allenfalls gedanklich (und auch nur in Normandys Fall). Die Eltern stehen auf dem Standpunkt, dass sie das Geld ranschaffen um den Kindern ein schönes Leben zu ermöglichen. Ganz ehrlich, an ihrer Stelle hätte ich Keira sämtliche Zuwendung kurzerhand gestrichen bis diese ihre Frechheiten einstellt. Schließlich verdient Keira mehr als gut mit ihren Schmierenstorys. Und Normandy? Die ist zwar stinkunglücklich damit, als fettes Krötengesicht durch Keiras Geschichten zu latschen, aber mehr als ein böser Gedanke hier und da ist nicht drin. Sie hat sich eigentlich ganz gut damit arrangiert, dass alles unter den Teppich gekehrt wird. Ja, hallo, geht es noch? Sie ist doch sonst so schlau und neuerdings auf die Wahrheit fixiert! Ich hätte es an ihrer Stelle gewusst, wegen Keiras Kreativschüben auf Zehenspitzen durchs Haus zu laufen und Keira nachts zu sich ins Bett zu lassen um ihren Klagen zu lauschen.
Somit haben mich lediglich einige wenige Fragen davon abgehalten, das Buch abzubrechen. Ich wollte wissen, ob Keira nicht letztlich doch so richtig auflaufen würde. Ich habe es so sehr gehofft! Außerdem habe ich immer noch gehofft, dass der Wahrheitsoffensive doch noch so ein richtiger Knall folgen würde.

Weil Normandy ein solcher Klugschwätzer ist, liest sich das Buch nicht ganz so leicht wie man es von einer Geschichte erwartet, die von einem Teenager geschrieben wird. Sie drückt sich mitunter sehr umständlich und gewählt aus. Was mich aber am meisten gestört hat, das ist die Masse an Fußnoten. 114 auf 348 Seiten sind es. Und sie sind oft so lang, dass sie -größer geschrieben- eine halbe Buchseite in Beschlag nehmen würden. Anfangs habe ich sie noch gelesen, weil ich dachte, dass darin etwas Wichtiges stehen würde. Etwas, das wichtig für die Geschichte ist. Das habe ich dann aber aufgegeben. Und mir hat nichts an Wissen zur Story gefehlt.

Die Covergestaltung gibt über die Geschichte nichts her. Wäre sie nicht farblich so fröhlich gehalten, würde ich daran gar nichts Erwähnenswertes finden. Das Cover sagt nicht ansatzweise etwas über die Story aus und ist auch sonst in keinerlei Hinsicht besonders.

Fazit:  Aus der Idee mit der Wahrheitsoffensive hätte man sicher viel machen können, doch diese Chance hat sie “Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen” absolut entgehen lassen. Keinerlei echte Dramatik, stattdessen eine nervig klugschwätzerische Hauptfigur und Nebenfiguren, die ich am liebsten dauern geschüttelt oder geofrfeigt hätte, damit sie erkennen, wie sehr sie sich von einer Möchtegern-Autorin vorführen lassen. Die ständigen und ewig langen Fußnoten machen den Lesefluss holprig und haben obendrein überhaupt keine Bedeutung für die Geschichte. Die hätte man sich dicke sparen können.


Titel: Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen
Autor: Susan Juby
Seiten: 348
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570159989
Preis: € 16,99 (HC)

Girl Online (Zoe Sugg)

Girl online (Zoe Sugg)Unter dem Namen Girl Online schreibt die 15-jährige Penny einen Blog über die täglichen Dramen in der Schule. Über Jungs, über ihre verrückte Familie – und über die Panikattacken, die sie seit einiger Zeit immer wieder bekommt. Außer ihrem besten Freund Elliot weiß niemand, wer die Autorin dieses Blogs ist, dessen Fangemeinde immer größer wird. Im wirklichen Leben sinkt Pennys Fangemeinde dagegen nach einem megapeinlichen Auftritt in der Schule weit unter Null. Da kommt ein Auftrag der Eltern in New York gerade recht. Penny darf mitkommen und trifft den hinreißenden Noah, der Gitarre spielt und in den sie sich sofort verliebt. Die beiden verbringen Weihnachten und ein unvergessliches Silvester zusammen. Doch erst als sie wieder nach Hause kommt, erfährt Penny, dass Noah ihr nicht alles erzählt hat.

Eines muss ich vorwegschicken: ich kannte den Youtube-Superstar Zoella bis zu diesem Buch nicht. Als ich das auf der ersten Seite gelesen habe, hätte ich das Buch beinahe spontan wieder weggelegt. Ich bin auf der diejährigen Buchmesse in Leipzig zwei sogenannten Youtube-Superstars begegnet bzw in den Schwarm ihrer Jünger geraten und seitdem ziemlich bedient was solche Berühmtheiten angeht.
Doch Kneifen gilt nicht, also habe ich doch weitergelesen und bin im Nachhinein mehr als froh darüber. “Girl Online” ist rundum ein super schönes Buch.
Die 15jährige Penny mochte ich auf Anhieb, vermutlich weil sie mich so sehr an mich selber in dem Alter erinnert. In der Schule -also offline- hängt sie sich oft an die falschen Freunde, die sie meist nur ausnutzen. Das tat mir sehr leid für sie. Und ich weiß auch ganz genau, wie es ist, wenn man ein bisschen tollpatschig ist und sich dadurch zum Gespött der Mitschüler macht. Das ist ebenfalls grässlich. Daher konnte ich gut nachvollziehen, wieso Penny mit sich selbst so sehr im Unreinen ist. Sie ist alles andere als dumm, was man vor allem an den schlauen Artikeln auf ihrem Blog merkt, doch mit Klugheit kommt man als Fünfzehnjährige nicht unbedingt sehr weit. Online dagegen findet man so schnell Freunde, soweit man das denn so nennen kann. So hat Penny auf ihrem Blog viele Fans und die trösten sie oft über ihren Kummer hinweg. Irgendwo ist es erstaunlich, dass sowas heutzutage geht, aber schön ist es eben auch und ich denke, viele junge Leserinnen kennen diesen Gegensatz zwischen online und offline nur zu gut. Online braucht es oft nur einen Klick und man ist mit jemandem befreundet. In der Realität gestaltet sich das oft erheblich schwieriger.
Genauso gerne wie ich Penny mochte, mochte ich auch ihren Freund Elliot. Er ist ein so liebenswerter Kerl mit seinem schrägen Klamottengeschmack, den lustigen Sprüchen und dem ewigem Gram wegen der Einstellung seiner Eltern ihm gegenüber. Und er ist Penny eindeutig der weltbeste Freund! So jemanden muss man einfach mögen.
Mit der Reise nach New York wendet sich für Penny das Blatt. Dort ist sie weit weg von den boshaften Kids in ihrer Schule und unter lauter Leuten, die sie mögen bzw mit denen sie super klarkommt. Man spürt beim Lesen richtig, wie erleichtert Penny ist, wie sie sich entspannt und das Geschehen zuhause hinter sich lässt. Sie wirkt gleich viel fröhlicher und lockerer, was ich ihr von Herzen gegönnt habe. Diesen Neustart hat sie verdient.
Als sie Noah kennenlernt, entspinnt sich eine sehr schöne Lovestory. Natürlich, ein bisschen kitschig und rosarot geht das dabei schon zu. Aber weil mir Penny zuvor so leid getan hat, habe ich das gerne in Kauf genommen. Wer sowas durchgemacht hat, dem sei ein wenig Kitsch gegönnt. Noah ist halt auch einfach nett und cool. Und vor allem tut er Penny und ihrem Selbstbewusstsein so richtig gut.
So schön ich die Story bis dahin fand, ich habe mich natürlich auch gefragt, wann der große Umbruch kommt. Solche Lovestorys haben doch immer irgendein Drama in petto. Und hier müsste es doch irgendwie auch mit Pennys Blog zu tun haben, denn sonst würde der keine so große Rolle spielen. Ob es mit dem Geheimnis zu tun hat, das Noah zu umgeben scheint?
Der Wendepunkt kommt dann aber so richtig erst als Penny wieder zuhause ist. Sie entdeckt, wer Noah tatsächlich ist und das alleine ist verletztend genug. Doch auch auf ihrem Blog geraten die Dinge daraufhin aus den Fugen und die vermeintlichen “Freunde” machen binnen kürzester Zeit Front gegen Penny. Da ihr Blog sehr berühmt ist, bekommen bald auch Zeitungen davon Wind und dann geht es so richtig rund. Und wer steckt eigentlich dahinter?
Hier wird schön deutlich, wieviel man auf Online-Freunde oft geben kann. Allzu sehr wird aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger gewunken, was ich gut fand. Sowas mag ich nicht. Die Warnung, die Sache mit der Online-Freundschaft nicht zu ernst zu nehmen, kommt rüber. Das muss reichen .Dabei bleibt es aber auch. Im Wesentlichen ist die Geschichte weiterhin unterhaltsam und spannend und turbulent. Für eine Weile hatte Penny – und somit auch ich- einen ganz bösen Verdacht, wer die Sache um Noah und Pennys Blog losgetreten haben könnte. Und natürlich wollte ich wissen, ob das mit Noah und Penny wieder ins Reine kommen würden. Somit war speziell in diesem Teil der Story ordentlich Spannung drin.

Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen. Penny erzählt so locker und teeniemäßig frisch von ihren Erlebnissen, dass die Seiten nur so dahinflogen. Wäre ich nicht irgendwann zu müde gewesen, hätte ich das Buch in einem Rutsch gelesen. Für zusätzliche Auflockerung sorgen Pennys Blogartikel. Viele sind es aber nicht, da hattte ich mehr erwartet. Aber ich finde, so ist das Verhältnis zwischen Blogartikeln und der Geschichte ideal. Immerhin gibt sie einem quasi durch die Blume ja zu verstehen, dass man das Leben nicht zu sehr ins Netz verlegen sollte.

Das Cover prsäentiert sich ziemlich rosarot. Normalerweise bin ich davon nicht so der Fan, aber hier lasse ich es gelten. Penny lasse ich jedes Rosarot durchgehen. Am meisten mag ich aber die Fotos, die Szenen und Schauplätze aus der Geschichte zeigen. Das macht neugierig, und Fotos gehören zu einem Blog einfach dazu.

Fazit:  Entgegen meiner ersten Einschätzung hat mir “Girl Online” super gut gefallen! Eine wunderschöne, spannende und auch romantische Geschichte mit zwei (später dann drei) absolut liebenswerten Hauptfiguren. Gleichzeitig wird deutlich, dass diese Sache mit den Online-Freunden etwas ist, was man mit Vorsicht genießen sollte. Auf der Botschaft wird erfreulicherweise nicht herumgeritten bis zum Gehtnichtmehr, aber sie ist da und kommt auch trotzdem an. “Girl Online” ist rundum einfach eine süße Geschichte, die mich auch einige Male zu Tränen gerührt hat. Der Wendepunkt hätte für mich etwas früher kommen dürfen. Er ist ziemlich spät dran. Doch das kann dem Gesamteindruck von der Geschichte nicht viel anhaben.


Titel: Girl Online
Autor: Zoe Sugg
Seiten: 412
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570171318
Preis: € 14,99

Lockwood & Co – Die seufzende Wendeltreppe (Jonathan Stroud)

lockwoodGanz England ächzt unter Geistererscheinungen, die Grauen und Tod mit sich bringen. In London vertreiben Agenturen die Dämonen aus den Häusern. Das Problem ist allerdings, dass Erwachsene die Geisterwesen nicht sehen können und deshalb Jugendliche diesen den Kampf ansagen müssen.
Lockwood & Co. ist die kleinste „Agentur für übersinnliche Ermittlungen”. Der Trupp um den charismatischen und tollkühnen Anthony Lockwood besteht noch aus dem akribischen und sarkastischen George und dem Neuzugang Lucy, die eine besondere Sensibilität für Geistererscheinungen mitbringt. Doch auch den genialsten Geisterjägern passieren fatale Missgeschicke, und nachdem das Haus eines Kunden bei einer Austreibung komplett abbrannte, steckt das Trio ganz schön in der Klemme. Ein höchst dubioser und gefährlicher Auftrag könnte Lockwood & Co. retten – oder alle drei das Leben kosten.

Eine Geisterjäger-Geschichte für junge Leser! Das klang ganz nach meinem Geschmack. Deshalb habe ich der Agentur Lockwood direkt einen Besuch abgestattet.
Zunächst erfährt man nicht viel über die Agentur und die Leute, die dort arbeiten. Das liegt daran, dass man direkt bei einem ihrer Aufträge dabei ist. So kann man sich schnell ein Bild von der Arbeit der Agentur machen. Lockwood selber, Lucy und George lernt man dabei zwar kennen, aber noch nicht besonders genau. Man kann zunächst nicht einmal sagen, wie alt die drei sind. Doch das war mir erstmal egal, denn bei dem Auftrag geht es gut rund. Die Einsätze von Lockwood und seinem Team zeichnen sich meist durch turbulentes Geschehen und gefährliche Vorfälle aus. Nicht selten brennt im Zuge dessen ein ganzes Haus ab. Aber der Geist zumindest ist vertrieben! Dennoch ist das natürlich nicht die beste Werbung.
Nachdem sie also versehentlich ein Haus abgefackelt haben, sieht die Zukunft für die Agentur wenig rosig aus. Auch wenn sie in diesem Haus offensichtlich einem großen Geheimnis auf die Spur gekommen sind. Nachdem der Einsatz über die Bühne ist, müssen sich Lockwood und seine Leute anstrengen, noch Aufträge zu bekommen. Und mit dem Geheimnis kommen sie ebenfalls nicht weiter. In dieser Zeit hat man als Leser Gelegenheit, die drei Hauptpersonen besser kennenzulernen.
Lucy gefiel mir schnell. Sie ist resolut, zielstrebig und hat einen humorvoll-kritischen Blick auf die Arbeit ihrer Agentur. Über manche ihre Schilderungen musste ich grinsen.
George ist neben der Praxis auch für die Theorie zuständig. Er wird von Lucy zwar nicht gerade vorteilhaft beschrieben, aber mit seiner Vernunft und seinen schlagfertigen Antworten für Lucy wurde er mir schnell sympathisch. So jemanden braucht ein solcher Chaotenhaufen einfach.
Lockwood selber…sagen wir mal so: ihm würde ich ausgesprochen gerne in fünf Jahren nochmal begegnen. Dann wäre er 20 und sicher eine sehr, sehr interessante und reizvolle Figur. So dunkel, geheimnisvoll und -wenn es drauf ankommt- energisch wie er schon hier beschrieben wird. Ich würde auch gerne wissen, wie er und Lucy in ein paar Jahren zueinander stehen werden 😉
Gefallen hat es mir außerdem, dass die Geister, gegen die die Agenturen kämpfen, sehr klassisch sind. Hier hat man es nicht mit Zombies, Vampiren oder kreativ neu erfundenen Ungeheuern zu tun, sondern mit Geistern! Solche, die sich aus leuchtenden Schemen zusammensetzen, wie Schatten sind oder auch mal einen deutliche menschliche Gestalt annehmen, sodass man sie -bei entsprechendem Talent- sehen kann. Das ist ungewöhnlich, wo heute jedes neue Unheuer scheußlicher sein muss als alle bisher dagewesenen. Aber es hat seinen Charme und gegen ein waschechtes Spukhaus hat sicher kein Gruselfan etwas einzuwenden. Ältere Leser, die noch nie Ghostbusters kennen, dürften sich bei der Erwähnung von zB Ektoplsama ein Grinsen nicht verkneifen können.
Soweit eigentlich alles in bester Ordnung. Nur leider habe ich mich lange Zeit kein Stück bei dem Buch gegruselt. Da hatte der Trailer mehr versprochen. Außerdem hätte gerne mehr los sein dürfen. Zwischen den Einsätzen plätschert die Geschichte zwar unterhaltsam, aber ziemlich unspektakulär dahin. Nun bin ich längst keine 12 Jahre mehr alt -ab diesem Alter wird das Buch empfohlen-, aber ich schätze, auch für 12jährige von heute darf es etwas mehr zur Sache gehen.
Der finale Fall um die Treppe aus dem Titel legt zum Glück eine ordentliche Schippe Action, Spannung und Gänsehaut zu. Das hat mir dann gut gefallen und da habe ich auch mitgefiebert und mich um Lockwood, Lucy und George gesorgt. Außerdem gibt es hier eine böse Überraschung was ihren Auftraggeber anbetrifft, die obendrein im Zusammenhang mit dem Geheimnis aus dem niedergebrannten Haus steht.  Eine schöne Wendung, die einen staunen lässt.
Eine Frage hat mir dieser erste Band noch nicht beantwortet. Ich würde nämlich gerne wissen, wann die Seuche London befiel und was ihre Ursache war. Und ob sie nur London bzw England betrifft. Das wüsste ich wirklich gerne. Damit man sich schon mal darauf einrichten kann. Mit Salz, Silberketten und Leuchtbomben 😉

Mit seinen 432 Seiten ist das Buch schon recht stattlich. Die Kapitel sind nicht gerade kurz. Es lässt sich aber trotzdem gut lesen, zumal Lucy einen lockeren Erzählstil hat. So macht das Lesen Spass. Außerdem lockern der Humor und viele Dialoge zusätzlich auf. Ich denke, das Buch kann man gut Kapitel für Kapitel vor dem Einschlafen lesen. Schön sind auch die kleinen Illustrationen zu Beginn der Kapitel.

Mit dem gewaltigen Schloss ist das Cover ein echter Hingucker. Das dunkle Blau mit den Schemen im Hintergrund passt gut zu einer Geschichte, in der es um Geister geht. Besonders schön finde ich den Prägedruck. Das fühlt sich toll an, wenn man über dem Umschlag streicht.

Fazit:   Ich weiß es nicht sicher, denke aber, dass dies der erste Band einer Reihe ist. Da müssen Grundlagen geschaffen werden. Lockwood und sein Team haben mir prima gefallen. Vor allem Lockwood selber ist ganz nach meinem Geschmack ;). Außerdem finde ich es gut, dass die Geschichte mit einem klassischen Geisterglauben arbeitet. Das hat Charme! Im nächsten Band darf es für mich aber gerne spannender und gruseliger werden. Die Pausen zwischen den Einsätzen im ersten Band sind zwar unterhaltsam, aber die Spannung blieb da schon mal auf der Strecke. Der abschließende Fall lässt aber darauf hoffen, dass es bald mehr zur Sache gehen wird in Lockwoods Fällen.


Titel: Lockwood & Co. – Die seufzende Wendeltreppe
Autor: Jonathan Stroud
Seiten: 432
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570156179
Preis: € 18,99

Die Puppenkönigin – Das Geheimnis eines Sommers (Holly Black)

puppenkoeniginZach, Poppy und Alice sind schon ihr Leben lang allerbeste Freunde. Sie lieben es, sich für ihre Actionfiguren aus der Kindheit Geschichten einer magischen Welt, die voller Abenteuer und Heldentum ist, auszudenken. Doch dieses Spiel nimmt eines Nachts eine schaurige Wendung. Alice und Poppy tauchen bei Zach auf und erzählen ihm von einer Reihe furchteinflößender Ereignisse. Poppy schwört, dass sie seit einiger Zeit von einer Porzellanpuppe ihrer Mutter heimgesucht wird, die behauptet, die Seele eines vor langer Zeit ermordeten Mädchens in sich zu tragen. Erst wenn die Freunde sie zu dem Ort des Verbrechens zurückgebracht und dort begraben haben, werde sie Ruhe geben. Andernfalls wird sie die drei Freunde verfolgen – bis in alle Ewigkeit!

Bei diesem Buch war es einmal mehr das schöne Cover, das mich aufmerksam gemacht und gelockt hatte. Aber auch die Inhaltsangabe klang ganz vielversprechend.
Die Geschichte hält sich mit großen Vorreden nicht auf. Man ist quasi direkt bei den drei Kindern, wie sie auf der Straße mit ihren Figuren spielen und sich Abenteuer für sie ausdenken. Damit weiß man sofort, was Zach, Alice und Poppy verbindet und lernt sie gleichzeitig kennen. Die Drei sind in einiger Hinsicht recht verschieden, aber es gibt auch vieles, das sie teilen. Zum Beispiel ihre komplizierten Familienverhältnisse. Zachs Vater will dringend einen “echten” Kerl aus ihm machen, Alice lebt bei ihrer strengen Großmutter und Poppys Eltern interessieren sich insgesamt nicht viel für ihre Kinder.
Da fällt es leicht sich vorzustellen, wie wichtig das gemeinsame Spiel mit den Figuren und die Ausflüge in phantastische Abenteuer für sie sind. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, dass dieses Spiel etwas ist, das junge Leser begeistern wird. Kinder spielen schließlich immer sehr intensiv. Genau wie Zach, Alice und Poppy.
Es gibt aber eine Puppe, die bei Poppys Mutter in der Vitrine sitzt und die die Kinder nicht anrühren dürfen. Was zunächst kein Problem ist, weil sie ihnen irgendwie unheimlich ist. Doch eines Nachts wird Poppy von der Puppe heimgesucht, als Geist eines Mädchens. Es behauptet, vor langer Zeit ermordet worden zu sein und schwört, den drei Kindern erst wieder ihre Ruhe zu gönnen, wenn sie die Puppe am Ort des Mordes begraben haben.
Diese Passage ist geheimnisvoll und auch ein bisschen gruselig. So ein Geist ist ja schon etwas Unheimliches und außerdem weiß man nicht recht, ob man die Geschichte überhaupt glauben kann. Geister gibt es schließlich nicht. Vielleicht schwindelt Poppy ja auch? Es sieht nur leider nicht danach aus, und so begeben sich Zach, Poppy und Alice auf die Reise an den Ort des grausigen Geschehens.
Mit dieser Reise wandelt die Geschichte sich. Phantastisch und gruselig ist sie nur noch in der Frage, ob es so etwas wie Geister wirklich geben kann. Dafür wird sie zu einer echten Abenteuergeschichte. Dabei hat es mir sehr gut gefallen, dass Zach, Alice und Poppy auf ihrer Reise häufig vor Schwierigkeiten gestellt werden, wie sie auf Kinder in solch einer Situation eben zukommen (können). Das ist erfreulich nahe an der Realtität. Genauso wie die Reaktionen und Überlegungen der Drei. Da können die jungen Leser sich also leicht hineinversetzen und es ist auch nicht so, dass die Geschichte ihnen so einen Ausflug schmackhaft macht. Von zuhause abzuhauen ist nun mal nichts, was eine Geschichte empfehlen sollte.
Während dieses Reise mit all ihren Zwischenfällen -guten und schlechten- kann man prima verfolgen, wie die Kinder erwachsener und vernünftiger werden. Wie sie als Freunde noch mehr zusammenwachsen und lernen, wie wichtig Freundschaft, Ehrlichkeit Zusammenhalt sind. Am Ende wirken sie sehr viel reifer und vernünftiger. Da traut man ihnen dann auch zu, dass sie mit den Problemen in ihren Familien zurechtkommen werden, statt sich in die Phantasiewelt ihres Spiels zu flüchten.

Die Kapitel sind mit maximal 10 Seiten nicht zu lang und die Schrift ist relativ groß. Das dürfte den Kids entgegenkommen. Zudem sind die Kapitelanfänge mit einer kleinen Zeichnung hübsch und geheimnisvoll gestaltet. Gelegentlich gibt es auch mal Passagen in “handschriftlicher” Schrift, was schön auflockert.

Wie schon geschrieben, finde ich das Cover einfach wunderschön. Ich mag diese Scherenschnitt-Motive immer gerne. Das wirkt ein wenig düster, was erstens dieser Geschichte gut steht und was zweitens einen schönen Kontrast zu dem Blau bildet. Hase und Eule finde ich natürlich sowieso niedlich. Insgesamt sieht das Cover passend geheimnisvoll und leicht unheimlich aus.

Fazit:  Eine schöne und spannende Geschichte, die phantastisch und leicht schaurig beginnt, sich später aber zu einer waschechten Abenteuergeschichte entwickelt. Besonders gut hat es mir gefallen zu verfolgen, wie Zach, Poppy und Alice auf ihrer Reise so viel über sich und ihre Freundschaft lernen, sodass sie alle am Ende eine gute Spur erwachsener wirken.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Die Puppenkönigin – Das Geheimnis eines Sommers
Autor: Holly Black
Seiten: 416
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570156438
Preis: € 14,99

Alpenglühen für Anfänger (Sissi Flegel)

alpengluehen1Öd, öder, Einödsbach. Wie kann man hier freiwillig Urlaub machen? Doch Bonnie hat einen Grund, Hamburg zu verlassen, um in Tante Friedls steinzeitlicher Berghütte auszuharren. Was der Alpenkatastrophe jedoch den Gipfel aufsetzt, ist, dass eben jener Grund – der süße Valerio – plötzlich aufkreuzt. Eisern ignorieren!, heißt Bonnies Devise. Doch als Oberkuh Walburga mit den mordsknappen Lederhosen auftaucht, brennen nicht nur bei Bonnie die Sicherungen durch.

Dieses Buch stand zwar auf dem Wunschzettel, allerdings nicht ganz vorne. Dann brauchte ich im Urlaub eine leichte Lektüre für zwischendurch und habe es mir gekauft.
Bereut habe ich das nicht eine Sekunde lang. Anfangs hatte ich zwar so meine Schwierigkeiten mit Nordlicht Bonnie, die kein gutes Haar an ihrem bayerischen Feriendomizil lässt (ich mag halt muffelige Charaktere nicht so besondern gern), aber ab diesem Wortgefecht zwischen Heidi und ihr, wurde sie mir gleich sympathischer:

“Nur dass du es weißt, Heidi: ich habe eine Bank ausgeraubt, zwei Morde begangen, drei Kinder entführt, vier Häuser in Brand gesetzt und bin aus dem Gefängnis ausgebrochen. Meine Knarre steckt in der hinteren Jeanstasche, und wenn du mal nicht aufpasst, schieße ich dich über den Haufen! Also sieht dich vor! Und vor allem – stell mir keine neugierigen Frage! Reicht dir die Auskunft?”

“Ja mei… Nur dass du es weißt, Bonnie: meine Knarre steckt in der rechten Schürzentasche, das Fläschchen mit Gift in der linken. Heute habe ich einen Hirsch gewildert, zwei blöde Wanderer in eisernen Fußfesseln gefangen, drei Gäste auf der Hütten vergiftet und vier Alpenvereinsmitglieder in den Abgrund gestoßen. Also sieht dich vor! Reicht dir die Auskunft?”

Fronten geklärt, könnte man sagen. Und so bin ich gerne mit ihr hinauf zur Rabennesthütte hinaufgestiegen. Solange es nicht um die Jungs vom Bolzplatz geht, bin ich halt doch ein kleiner Bayernfan 😉
Die bösen Überraschungen für Bonnie reißen jedoch nicht ab. Auf der Alm landet sie in der Küche, Heidi wird eifersüchtig, weil sie meint, ihre Freund Basti sei an Bonnie interessiert. Und dann taucht auch noch die Obertussi Walburga in den knappen Lederhosen auf. Es geht also mächtig turbulent zu und ich habe manches Mal lachen müssen. Bonnie hat einen tollen Sinn für Humor, und die bayerischen Ureinwohner werden so liebenswert kauzig und witzig beschrieben, dass man sie einfach vom Fleck weg mögen muss.
Zunächst will Bonnie allerdings nur weg, was aber gar nicht so einfach ist. Und ehe sie es sich versieht, gefällt es ihr doch ganz gut. Das hat mir am besten gefallen: zu verfolgen, wie Bonnie sich auf der Alm einlebt, Freundschaften schließt, sich in der Küche mausert, täglich einen witzigen und geistreichen Kalenderspruch dichtet, der zu ihrer Situation passt und sich nach und nach für den ganzen traditionellen bayerischen Kram begeistern kann.
Natürlich spielt auch die Liebe eine ganz wichtige Rolle. Heidi, Basti, Valerio, Walburga, Käsebauernsohn Wolfi…auch in Eindödsbach und auf der Rabennesthütte spielen die Hormone gern einmal verrückt. Da muss man erstmal den Überblick behalten!
Mir hätte es gerade was Bonnie und Valerio anbetrifft gerne noch etwas deutlicher sein dürfen. Ich hatte nie den Eindruck, dass Bonnie total verknallt in ihn ist. Ich brauche echt keinen Kitsch, aber die ständige Beteuerung “Er ist mir ja total egal!” ist für mich kein sonderlich klarer Hinweis auf große Gefühle. Deshalb war ich mir bis zum Schluss auch nicht sicher, ob aus den beiden tatsächlich etwas werden würde. Andererseits ergibt sich so eine gewisse Spannung. So kann man das natürlich auch sehen.
Jedenfalls führt das Liebeschaos auch noch zu einigen wirklich gefährlichen Situationen. Und zudem haben die Freunde obendrein noch so eine Art kleinen “Fall” um einen Unbekannten zu lösen, der Wegweiser für Wanderer verdreht und sie so entweder in Gefahr bringt, oder Touristengruppen von der Hütte fernhält.
So ist die Geschichte nicht nur hinsichtlich “Wer mit wem” und “kriegen sie sich, oder nicht” spannend. Es darf auch mal um die liebgewonnenen Charaktere gebangt werden und ein wenig krimimäßiges Knobeln über den Schilder-Missetäter ist ebenfalls drin.

Das Buch liest sich wie geschnitten Brot. Es ist so locker flockig erzählt, dass ich nur mal kurz reinlesen wollte und im Nu schon halb durch war. Und mich nur ganz schwer überwinden konnte, es nicht in einem Rutsch zu lesen. Gestört habe ich mich einzig an ein paar Fehlern. So heißt Valerio einmal plötzlich Valentino. Und der Freund von ihrer Tante wechselt ebenfalls innerhalb von zwei Sätzen seinen Namen. Das fällt auf und zumindest ich dachte, ich hätte etwas verpasst und musste deshalb noch mal zurücklesen.

Ich finde das Cover ja einfach nur super klasse! Vor allem das Schaf mit dem gelben Regenhut 😉 Und mit der grünen Berglandschaft und der Herzchen in der Tür, durch das man dorthin schaut, wird auf den ersten Blick klar, wo diese Geschichte spielt. Witzig und schön, und wie ich finde ein echter Blickfang.

Fazit: Die ideale Urlaubslektüre. Vor allem, wenn man in Bayern urlaubt und vielleicht -genau wie Bonnie- zunächst gar nicht so begeistert darüber ist. Turbulent, witzig und urbayerisch. Das macht einfach Spass. Ich war direkt ein wenig enttäuscht als ich das Buch durch hatte. Ich wäre gerne noch länger auf der Rabennesthütte bei Bonnie und ihren Freunden geblieben.


Titel: Alpenglühen für Anfänger
Autor: Sissi Flegel
Seiten: 320
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401828
Preis: € 7,99

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