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Die Mühle (Elisabeth Herrmann)

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus.

Auch dieses Buch habe ich noch 2016 gelesen. Elisabeth Herrmanns Jugendthriller haben mir im Schnitt immer ganz gut gefallen und auch wenn bei diesem Buch von einem All Age-Thriller gesprochen wird, die Hauptfiguren sind für mich noch jung genug um es als Jugendthriller zu verstehen.
Ich muss gestehen, dass ich Lana anfangs nicht wirklich verstanden habe. Wie kommt man dazu, solch eine Einladung einfach anzunehmen? Das ist doch so schon von vorne bis hinten seltsam und undurchschaubar. Außerdem stand sie nie in sonderlich guter Beziehung zu ihren alten Schulkollegen, und da nimmt sie einfach so diese Einladung an und fährt mit ihnen in Wald und Berge? Ich weiß ja nicht. Aber klar, würde sie sich nicht darauf einlassen, hätte die Story keinen Aufhänger. Alleine durch diese Entscheidung wurde ich mit Lana sehr lange nicht richtig warm.
In der kleinen Reisegruppe musste ich mich erst zurechtfinden, wer welche Position hat, wem welche Rolle zukommt und wer welche Charaktereigenschaften mitbringt und was all das für die Gruppe für eine Rolle spielt. Erfreulicherweise ist die Gruppe nicht allzu groß, so ging das Zurechtfinden ziemlich fix. Ich bin ja bekanntlich gar kein Fan davon, mich bei einer ganzen Schar Figuren einfinden zu müssen. Eine gewisse besonders gefährliche Situation bringt das Wesen der einzelnen Figuren außerdem so klar ans Tageslicht, dass man sich spätestens dann klar über die Charaktere ist.
Das Setting mit der alten Mühle entsprach ganz meinem Geschmack. Sie wird wunderbar düster und unheimlich beschrieben, aber genau deshalb auch irgendwie schön und geheimnisvoll. Anfangs fühlte ich mich dort -genau wie die Gruppe- sogar noch auf urige Weise wohl, doch dann geschehen die ersten seltsamen Vorkommnisse. Zunächst sind sie nur eher seltsam, nehmen dann aber schnell an Bedrohlichkeit zu. Als einer der jungen Leute verschwindet, ist der erste Höhepunkt erreicht.
Aber schon vorher gibt es einige Anlässe zum Wundern und auch zum Schaudern. Und natürlich fragt man sich recht schnell, was oder wer dahinterstecken könnte, und warum eigentlich. Ich habe schon in der Gruppe viel herumspekuliert. Es gibt da so manche Gestalt, die ich mir gut als Täter hätte vorstellen können. Doch dann steckte eben genau diese Person wieder in lebensgefährlichen Schwierigkeiten und ich habe ich wieder umorientieren müssen. So blieb es bis zum Schluss wirklich spannend.
Elisabeth Herrmann schont ihre Figuren nicht. Sie geraten in einige wahrlich haarsträubende und gefährliche Situationen, die mehr als einmal schier auswegslos wirken und den Leser an den Fingernägeln knabbern lässt vor Aufregung. Der Gruselfaktor ist dabei mitunter auch recht hoch und ich bin manches Mal bei Geräuschen beim Lesen aufgeschreckt. So gehört sich das für einen Thriller!
Es gibt aber auch den einen oder anderen Punkt, der nicht so nach meinem Geschmack war. Einmal sind es diese häufigen, ausschweifenden Beschreibungen. Geraden wenn es um Gegenden wie einen Wald geht, kann ich damit nichts anfangen und es bremst mich beim Lesen aus. Auch Lanas Gedanken / Erinnerungen fielen mir manches Mal zu ausführlich aus. Weiterhin muss Lana ja wirklich hunderte von Schutzengeln haben. Ja, auch das muss für die Story wohl so sein, aber so richtig glaubhaft wirkte es nicht auf mich.
Insgesamt gesehen sind das jedoch nur Kleinigkeiten, die mir den Spass an der Geschichte nicht nehmen konnten.

Es hat etwas länger als gewöhnlich gedauert bis ich “Die Mühle” ausgelesen hatte. Wie schon erwähnt haben mich die weitschweifigen Beschreibungen und Gedanken immer mal wieder ausgebremst. Allerdings gibt es auch sehr viele Dialoge, was bei so vielen Figuren ja auch kaum ausbleibt und die widerum ließen sich für mich wunderbar lesen. Die Kapitel sind durchweg ziemlich kurz, was schnell dazu verleitet, dass man sich denkt ‘ach, eines schaffst du noch ehe du schlafen musst’ und dann war es bei mir doch wieder mehr als eins und ziemlich spät geworden.

Das Cover finde ich einfach genial. So schön finster und so unheimlich irgendwie mit der nur angedeuteten Mühle und den schwarzen Vögeln. Für mich ein echter Blickfang im Regal und ein Motiv, das eine spannende, düstere und unheimliche Story verspricht.

Fazit:  Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat mir “Die Mühle” sehr gut gefallen. Eine durchweg spannende Story, die ihre Figuren in wahrlich lebensbedrohliche Situationen bringt. Da kann man mehr als einmal mit den Charakteren bangen. Gleichzeitig fand ich die Frage unsagbar spannend, wer warum hinter den Vorkommnissen stecken könnte. Ich habe wirklich bis zur Auflösung gegrübelt, zu kombinieren versucht und verdächtigt. So hat mir “Die Mühle” wirklich Spass gemacht.


Titel: Die Mühle
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 448
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570164235
Preis: € 17,99 (Broschiert)

Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken (Deborah Ellis)

Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken (Deborah Ellis)Es sollte ein unbeschwerter Sommer werden für Jess und ihre beste Freundin Casey. Doch die aufmüpfige kleine Stephanie macht den beiden Feriencamp-Betreuerinnen das Leben schwer. Wem rutscht da kein Scherz über Mordgelüste raus? Als das Mädchen eines Nachts verschwindet und Tage später tot aufgefunden wird, gerät ausgerechnet Casey unter Mordverdacht. Jess ist gelähmt vor Schock: Kann sie ihre Freundin bei der Polizei entlasten oder stimmt es etwa, was im ganzen Ort gemunkelt wird, dass Casey doch schon immer etwas sonderbar war?

Rein vom Klappentext sprach mich dieses Buch sofort an. Gut, ich hatte dabei außer Acht gelassen, dass die Geschichte nicht in Deutschland spielt (was ich mittlerweile nicht mehr mag), aber das stellte sich dann doch noch als kleinstes meiner Probleme damit heraus.
Dabei klingt der Aufhänger wirklich gut und vielversprechend. Ein Mord an einem Kind, eine Jugendliche unter Verdacht, Zweifel an ihrem bislang so gutem Wesen, das klang nach Spannung und viel Knobelei beim Lesen. Aber: Pustekuchen!
Die Geschichte wird quasi zweiteilig erzählt. Es gibt Kapitel, die erzählen von den Ereignissen im Camp, in dem die kleine Stephanie war. Wo sie Casey und Jess als Betreuerinnen hatte. Und wo sie letzlich auch verschwand und ermordet aufgefunden wurde. So kann man sich gut ein Bild vom Geschehen machen und nach Anhaltspunkten für oder gegen einen Verdacht gegenüber Casey suchen. Leider erfährt man dabei nicht viel über Casey, im Mittelpunkt steht meist ihr ständiges Bemühen um die aufmüpfige Stephanie (die ich persönlich schon nach kurzer Zeit hätte eiskalt auflaufen lassen, denn das Kind nervt nur!) und ihre Liebe zu Insekten, was mir irgendwann schlichtweg auf die Nerven ging.
Die übrigen Kapitel spielen sich im Hier und Jetzt ab, wo Casey unter Mordverdacht im Gefängnis sitzt und ihre Freundin Jess das Leben ohne die Freundin meistern muss. Auch von Jess konnte ich mir die ganze Zeit kein richtiges Bild machen. Sie wirkte auf mich immer nur irgendwie farblos und trantütig. Gerade Letzteres habe ich ihr schwer übel genommen und es auch einfach nicht verstanden.Sie erzählt, dass ihre beste Freundin im Gefängnis sitzt, wie die Stadt sich gegen Casey wendet, wie sie langsam zu zweifeln beginnt und dass sie eigentlich dringend etwas für Casey tun müsste, aber…nichts! Alles kommt völlig emotionslos rüber, nichts davon kommt so tiefgehend zu Sprache, dass es den Leser betroffen machen könnte. Stattdessen wollte ich Jess ständig nur treten, dass sie eben nicht nur schwafelt, sondern auch etwas tut. Etwas anderes, als sich selbst immer mehr mit ins Elend zu reiten! Etwas anderes als absolut unnütze und sinnlose Dinge wie zB jede Nacht Rad zu fahren.
Spannung kam bei mir hier leider nicht eine einzige Sekunde auf. Ich wollte zwar wissen, ob es Casey war und falls ja, wie sie es getan hat, aber mehr war es nicht. Mehr so eine Art nun-komm-endlich-zum-Ende-Gefühl.
Natürlich kam das Ende irgendwann und die Auflösung entpuppte sich gleich als die nächste Pleite. Da hat man nun zig Seiten mehr oder weniger intensiv gegrübelt, wer Stephanie umgebracht hat und dann sowas! Das wirkte schlichtweg erzwungen, mehr nicht. Und dem Leser zeigt es klar eine lange Nase. Denn nichts, wirklich nichts, deutet zuvor darauf hin. Wenn man denn also wirklich gerätselt hat, denn kriegt man hier quasi vor den Latz geknallt, dass man eigentlich nur sinnlos Hirnschmalz verbrannt hat.
Ein überraschendes Ende, eine clevere Wendung, das geht defintivi anders!

Lesen lässt sich die Geschichte ganz gut, wenn man sich denn mangels Spannung und Dramatik bis zum Ende hin durchbeißt. Dass Jess recht langweilig erzählt, muss man auch akzeptieren können. Mir haben es vor allem die Wechsel zwischen den Schauplätzen leicht gemacht, dabei zu bleiben. Das ist zwischen Jess öden Parts eine ganz nette Abwechslung.

Das Cover gefällt mir noch genauso wie auf den ersten Blick. Es ist schön düster wie es sich für einen Thriller gehört. Und mit dem Fahrrad auf der Wieso wirkt es auch eine Spur geheimnisvoll. Eine schöne Kombination.

Fazit:  Unspannend, undramatisch, mit oberflächlichen und farblosen Figuren, die teilweise dermaßen unsinnige Dinge tun, dass man nur den Kopf schütteln kann, und mit einer Auflösung, die jeden miträtselnden Leser verspottet. Das ist für mich “Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken”. So leid es mir tut, aber Thriller geht anders!


Titel: Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken
Autor: Deborah Ellis
Seiten: 256
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401750
Preis: € 7,99 (TB)

Die Nacht gehört den Wölfen (Wulf Dorn)

Die Nacht gehört den Wölfen (Wulf Dorn)Seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern, den er selbst miterlebt hat, leidet Simon unter Albträumen und Angstzuständen. Nach einem Psychiatrieaufenthalt zieht er zu seiner Tante und seinem Bruder, aber es fällt ihm schwer, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Vor allem, als er feststellen muss, dass seine schlimmen Träume Wirklichkeit werden: Etwas Böses scheint im Dunkel, das Simon umgibt, erwacht zu sein. Und das Verschwinden eines Mädchens ist erst der Anfang.

Auf dieses Buch habe ich so lange gewartet. Es war mal auf Amazon gelistet, sogar mit VÖ-Termin, doch daraus wurde dann nichts. Danach hatte ich die Hoffnung schon fast ganz aufgegeben, und dann erschien es doch noch. Ich lese sowohl die Thriller für Erwachsene von Wulf Dorn, als auch seine Jugenthriller. Und die kommen bei mir immer nochmal besser weg. Daher wurde “Die Nacht gehört den Wölfen” direkt verschlungen. An nur einem Abend!
Große Vorreden gibt es nicht. Man erfährt sehr schnell, was Simon bzw ihm und seiner Familie zugestoßen ist, und er tat mir auf Anhieb leid. Erst recht als man ihn zu seiner Tante verfrachtet, über die er kaum etwas weiß. Und auch, wenn die beiden anfangs ihre Schwierigkeiten haben, so mochte ich beide doch auf Anhieb wirklich gerne. Das ist nicht immer so. Regulär hat eine Figur, die sich mal ungerechtfertigt daneben benimmt, bei mir automatisch verloren. Doch in Simons und Tilias Situation konnte ich das gut nachvollziehen. So ging es mit den beiden und mir gleich gut.
So richtig packte mich die Geschichte dann aber erst als ein Mädchen verschwindet. Und als Simon Caro kennenlernt. Beides sind wichtige Elemente in der Geschichte. Die Suche und das Rätsel um das verschwundene Mädchen sind sehr spannend und laden zum Mitknobeln ein. Ich habe immer wieder versucht, mir einen Reim auf das Geschehen und Simons und Caros Entdeckungen zu machen. Das macht Spass und hält bei Laune. Caro mauserte sich außerdem schnell zu meiner Lieblinsgfigur. Ich mag solche resoluten, eigensinnigen, verwegenen und mutigen Mädchen einfach total gerne. Dreimal lieber als solche Handtäschchen-Nagellack-Girlies. Geh mir weg!
Dass mir besonders Simons und Caros Ausflug in das leerstehende Waldhotel gefallen hat, dürfte niemanden wundern, der ein wenig über meine anderen Hobbies weiß. Hach, was war ich neidisch! Solch einen Ort möchte ich irgendwann auch mal erkunden: wo alles noch heile und vorhanden und so wunderbar schaurig ist…ein Traum für jeden, der gern samt Kamera an verlassenen Orten herumstromert.
Nach und nach ereignen sich immer mehr seltsame Vorkommnisse und ich wollte irgendwann einfach nur noch wissen, wie das alles zusammenpasst. Trotzdem beschloss ich, eine Pause beim Lesen zu machen und schlafen zu gehen. Ich habe kein Augen zugekriegt, so dringend wollte ich wissen, wie es weitergeht. Also schnell das Licht wieder angeknipst und weitergeschmökert.
Über die Auflösung werde ich natürlich nichts verraten. Nur soviel: wer schon mal einen Jugendthriller von Wulf Dorn gelesen hat, dem dürfte das sehr bekannt vorkommen. Mich hat das aber genau deshalb überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass es in diese Richtung geht. Ich habe am Ende tatsächlich wie vom Donner gerührt dagesessen. Das hatte ich so klar nicht erwartet. Genau deshalb hat es mir aber so gut gefallen. Und es ist einfach zu 100 % nach meinem Geschmack.

Die Seiten flogen bei diesem Buch nur so dahin. Bei der spannenden Handlung ist das kein Wunder, doch auch die meist knackig kurzen Kapitel haben dazu gut beigetragen. Ach, eins noch…na gut, noch eins…ach, bis zur nächsten runden Kapitelzahl…und so weiter und so fort. So ging es mir und irgendwann konnte ich schon rückwärts zählen und dachte, dass ich den Rest nun auch noch schaffen würde. In der Geschichte und den meist recht kurzen Kapiteln steckt so viel Tempo, dass es einen beim Lesen einfach mitreißt.

Ich würde lügen, wenn ich schrieben würde, dass mir das Cover super gut gefällt. Ich mag den Kontrast der Farben zu einander. Das Rot und das Weiß zu dem Schwarz, das hat was. Blutig rot passt außerdem eh gut zu einem Thriller. Doch in dem Motiv hätte ich ohne den Titel sicher keinen Wolf erkannt.

Fazit: Auf Wulf Dorns Jugendthriller gehört ein offizieller Warnhinweis, dass sie zu durchwachten Nächten und verpennten Folgentagen führen können. Ich fand “Die Nacht gehört den Wölfen” super spannend und hier und da auch wunderbar gruselig. So gruselig, dass ich nach dem Lesen mal wieder leicht bange durch die dunkle Wohnung gelaufen bin. Das Ende ist absolut nach meinem Geschmack, und solche Auflösungen werden mir sicher nie langweilig werden. Wer schon einen Jugendthriller von Wulf Dorn gelesen hat, dürfte einiges in den “Wölfen” wiederfinden.


Titel: Die Nacht gehört den Wölfen
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 464
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570163979
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Mottentanz (Lynn Weingarten)

mottentanzSeit Ellies heißgeliebte, temperamentvolle Schwester Nina vor zwei Jahren spurlos verschwunden ist, hat Ellie nur noch einen Gedanken: Nina wiederzufinden. Vergeblich – selbst Ellies beste Freundin ist überzeugt: Nina ist nicht mehr am Leben. Da trifft Ellie den attraktiven Sean. Sean will Ellie bei ihrer Suche helfen, hat er doch selbst einen Bruder verloren. Ellie lässt alles stehen und liegen, um mit Sean einen verrückten Roadtrip zu unternehmen, auf den Spuren Ninas. Bald verliebt sich Ellie rettungslos in Sean – doch er verbirgt ein dunkles Geheimnis.

Mit den cbt-Thrillern habe ich schon so oft gute Erfahrungen gemacht, dass ich diese Tage ganz arglos zu “Mottentanz” gegriffen habe. Was sollte schon schiefgehen?
Vielleicht hätte ich mir spätestens da, wenn nicht schon beim Kauf damals auf dem Trödel, vor Augen führen sollen, dass ich mit Krimis und Thriller meist nichts mehr anfangen kann, wenn sie in den USA spielen. Früher als Jugendliche fand ich das dagegen richtig cool und ich hätte sicher niemals etwas von einem deutschen Autoren gelesen, doch das hat sich seither deutlich geändert.
Und wenn ich es grob fasse, dann ist “Mottentanz” bei mir daran wohl auch gescheitert. Die Geschichte will ein Thriller sein. Und auch wenn Jugendliche im Mittelpunkt stehen, mir war es für einen Thriller doch zu viel von wegen Partys, Jungs, Klamotten und solchen Dingen. Ich meine, wenn Ellie doch so unter dem Verlust der Schwester leidet, wie kann sie dann noch so oberflächlich sein? Sie hat doch nun wirklich einiges durchgemacht nach dem Verschwinden von Nina. So etwas macht einen Menschen doch erwachsener. Jedenfalls beansprucht Ellie das alle naselang: dass man sie ernst nimmt und anerkennt.
Mit dieser Oberflächlichkeit hängt gleich mein zweites Problem mit “Mottentanz” zusammen: ich fand es nicht einen Moment lang spannend. Dafür kamen bei mir einfach zu wenige Gefühle an. Weder ist Ellies Verzweiflung und Trauer wirklich bei mir angekommen, noch irgendeine Form von Dramatik und nichtmal ein leises Kribbeln bei der Lovestory.
Solche Dinge müssen bei mir aber ankommen, sonst kann ich nicht mitfiebern. Ich habe einfach hingenommen und verfolgt, was passiert, war aber weder neugierig noch gespannt darauf, wie es jeweils weitergehen bzw enden würde.
Auch die Figuren haben bei mir keinen nennenswerten Eindruck hinterlassen. Ich fand Sean nicht so süß, wie er beschrieben wird. Ellie nicht so verzweifelt und trotz allem, was sie für ihre Schwester in Kauf nimmt, auch nicht besonders mutig. Was ich von Nina halten sollte, wusste ich die ganze Zeit nicht. Und Ellies Freundin Amanda nervt einfach nur die ganze Zeit. Mehr ist es nicht, und das ist schlichtweg zu wenig, zu dünn und jede Person wirkt dadurch fadenscheinig. Mit solchen Figuren kann ich nichts anfangen.

Ich habe mich ziemlich durch das Buch gequält. Dabei liest es sich gar nicht so schlecht, zumal Ellie selbst erzählt. Und das halt ihrem Alter entsprechend recht locker und in jugendlichem Ton. Doch wenn die Story, die sie erzählt, einen überhaupt nicht mitreißt, dann nutzt auch eine solch leichte Erzählweise nichts.

Ich würde nicht drauf schwören, aber ich wüsste nicht, wann in der Geschichte mal eine Motte erwähnt wird. So hübsch die Tierchen sich auf dem Cover machen und so gut sie zum Titel passen, aber einen Zusammenhang mit der Geschichte sehen ich darin nicht. Und Rosa ist jetzt auch keine Thrillerfarbe. Nicht mal, wenn es um ein Teeniemädel geht.

Fazit: Für mich war “Mottentanz” auf ganzer Linie ein Schuss in den Ofen. Die Charaktere wirken blasser als blass, nicht ein einziges Gefühl kam bei mir an, weder Traurigkeit, noch Dramatik, noch Verliebtheit, gar nichts. Wie soll das Spannung aufkommen? Wie soll man da mitfiebern? Ich habe mich rieisg geärgert, drei Abende mit dem Buch verplempert zu haben, nur weil ich immer dachte, die große, tolle Wendung würde noch kommen. Stattdessen traf alles ein, was ich längst geahnt hatte, weil das selbst ein Blinder mit dem Handschuh gefühlt hätte.


Titel: Mottentanz
Autor: Lynn Weingarten
Seiten: 320
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570307410
Preis: € 8,99 (TB)

Mein fremder Freund (Emma Haughton)

Mein fremder Freund (Emma Haughton)Im Alter von 13 Jahren verschwindet Hannahs bester Freund Danny – ohne eine einzige Spur zu hinterlassen. Drei lähmende Jahre voller Bangen und Hoffen später taucht er ebenso unvermittelt wieder auf. Verändert, ohne Erinnerung an die letzten drei Jahre, aber am Leben. Und das ist das Einzige, was zählt, denken Hannah und seine Eltern. – Zunächst. Denn nach und nach müssen sie erkennen, dass der Junge an ihrer Seite ihnen erschreckend fremd ist. Kann es wirklich sein, dass er sich so verändert hat? Oder ist dieser junge Mann womöglich gar nicht Danny?

Ich habe derzeit irgendwie kein Glück mit Büchern. Hoffentlich ist diese Strähne bald vorbei. So soll es bitte nicht weitergehen.  Wie die meisten Bücher zuvor, konnte auch “Mein fremder Freund” nicht von sich überzeugen. Dabei klingt die Klappentext verheißungsvoll. Es ist schließlich eine schlimme Vorstellung, dass der beste Freund eines Tages einfach spurlos verschwindet. Welche Angst man in der Situation aussteht, das mag ich mir gar nicht vorstellen. Und wie hin- und hergerissen man sich fühlt, wenn er plötzlich wieder auftaucht, aber total verändert ist. Auch keine schöne Vorstellung.
Doch leider kam weder das eine noch das andere so bei mir an. Gut, die Geschichte verläuft zunächst zweigleisig. Ein Handlungsstrang spielt im Heute, drei Jahre nach Dannys Verschwinden. Dass Hannah da den größten Schrecken bereits hinter sich hat und ein Stück weit abgeklärt auf das Vergangene schauen kann, das kann ich nachvollziehen. Aber in dem Handlungsstrang, der vom Geschehen vor drei Jahren erzählt, da hätte ich mir doch eine gehörige Portion Dramatik mehr gewünscht. Dannys Eltern wirken sehr verzweifelt, das passt. Aber Hannah hat auf mich nur äußerst selten diesen Eindruck gemacht. Das fand ich schade, denn das hätte der Dramatik und Spannung sicher gut auf die Sprünge geholfen. Und unglaubwürdig fand ich es auch, wenn man immer wieder liest, dass Hannah und Danny doch wie Pech und Schwefel gewesen sein sollen. Hannah erwähnt ein paarmal, dass Danny sich vor seinem Verschwinden verändert hatte. Das wirkt gerade so, als wolle sie sein Verschwinden damit erklären. Dadurch habe ich von der angeblich innigen Freundschaft kaum etwas gespürt.
Nachdem es also geraume Zeit so unspektakulär zugeht, ereignet sich plötzlich ein Zwischenfall zwischen Hannah und ihrem Vater, bei dem man spürt, dass dahinter mehr stecken könnte. Etwas, das vielleicht auch mit Dannys Verschwinden zu tun hat. Damit hat man als Leser wenigstens einen kleinen Anhaltspunkt, an dem man mit dem Knobeln anfangen kann. Auf die Auflösung wäre ich allerdings im Leben nicht gekommen. Und ganz ehrlich, dass Danny deshalb verschwunden ist, das wirkte auf mich reichlich unlogisch. Da hätte ich andere Reaktionen glaubhafter gefunden.
Doch ehe die Wahrheit auf den Tisch kommt, taucht Danny plötzlich wieder auf. Da sollte man doch meinen, dass Hannah als beste Freundin außer sich vor Freude ist. Zumindest im ersten Moment. Aber nichts! Nicht mal für drei Sätze. Dass ihr danach Bedenken kommen, das habe ich verstanden. Aber im ersten Moment in dieser Situation, da hatte ich doch mehr spontane Freude erwartet. Auch um nochmal zu verdeutlichen, wie nahe die beiden sich mal standen.
Danny ist also zurück, aber völlig verändert. Seine Familie und Freunde bemühen sich redlich, darüber hinwegzusehen. Wer weiß schon, was Danny in den drei Jahren erlebt hat? In dieser Zeit kann so viel passieren, das einen Menschen verändert. Das stimmt zweifelsohne, aber was sich Dannys Familie und Hannah von ihm gefallen lassen müssen, das ich schlicht eine Frechheit. Und ganz ehrlich, bei allem “der verlorene Sohn ist zurück”-Glück, da wäre ein gehöriges Donnerwetter mehr als berechtigt gewesen. Und nicht nur einmal. Ich habe mich tierisch darüber aufgregt, dass sich Hannah und Dannys Eltern das alles von diesem halbwüchsigen Rotzlöffel gefallen lassen.
Das Ende selber hält keine große Überraschung bereit. Irgendwie hat man gewisse Dinge längst geahnt. Und das “Warum?” um Dannys Verschwinden wirkte auf mich reichlich dünn und einmal mehr unglaubwürdig. Ein Dreizenjähriger, der sich solche Gedanken macht und solche Konsequenzen daraus zieht? Da gibt es anderen Formen der Rebellion, die ich nachvollziehbarer gefunden hätte.

Rein inhaltlich hat mich die Geschichte schon nicht bei Laune gehalten. Die überwiegend erzählenden Passagen haben mein Lesetempo zusätzlich ausgebremst, sodass ich mich jeden Abend überwinden musste, weiterzulesen. Und nicht mal die eigentlich knackig kurzen Kapitel konnten mich dazu verleiten, mehr als zwei oder drei zu lesen.

Das Cover gefällt mir soweit ganz gut. Als kleiner Wasserangsthase bereiten mir solche Motive ohnehin eine Gänsehaut. Aber es ist damit außerdem ein Bezug zur Geschichte gegeben, das gefällt mir auch. Das kann man nicht von jedem Cover behaupten. Und etwas düster und geheimnisvoll wirkt es auch. Das passt alles.

Fazit: Kurz und knapp: für mich fehlte es der Geschichte durchweg an Dramatik. Hannahs bester Freund verschwindet und trotzdem hatte ich beim Lesen das Gefühl als plätschere das alles nur so vor sich hin. Dann taucht Danny wieder auf und von Riesenfreude ist nicht mal in den ersten Momenten des Wiedersehens etwas zu spüren. Wie glaubwürdig ist das denn, bitte? Und obendrein musste ich mich noch darüber aufregen, was sich Hannah und Dannys Eltern alles von Danny gefallen lassen. Bei allem Verständnis für “Oh, der verlorene Sohn (Freund) ist zurück, jetzt bloß nichts falsch machen, sonst haut er wieder ab!”, Danny ist sechzehn Jahre alt und benimmt sich wie die Axt im Walde. Nein, das muss sich in meinen Augen niemand gefallen lassen, auch nicht in dieser Situation. Basta!


Titel: Mein fremder Freund
Autor: Emma Haughton
Seiten: 352
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570402719
Preis: € 8,99 (TB)

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