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Loveletters to the dead (Ava Dellaira)

lovelettersdeadEs beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben.

Mit diesem Buch war es wieder einmal so eine Sache. Hier und da hatte ich aufgeschnappt, dass viele Leseratten darauf warten. Das weckt meist mein Interesse so nach dem Motto: nicht, dass mir da ein tolles Buch entgeht! Der Klappntext klang in meinen Ohren auch nicht so übel und ein hübsches Cover hat das Buch auch. Gründe genug, dass ich es mir vorgeknöpft habe.
Die Idee mit den Briefen, die Laurel an die Toten schreibt, gefiel mir auf Anhieb. Anfangs konnte ich mir zwar nicht vorstellen, dass aus einzelnen Briefen an verschiedene Leute eine griffige Geschichte entstehen könnte, aber zumindest dauerte es nicht lange bis ich einen groben Überblick hatte. Über Laurel, ihre Situation und das Drama um ihre verstorbene Schwester May.
Leider war es dann ausgerechnet May, die meiner anfänglichen Begeisterung einen Dämpfer versetzte. Ich habe Laurel gerne geglaubt, dass sie ihre Schwester geliebt hat und sie schrecklich vermisst, aber dass sie sie ständig in höchsten Tönen lobt und in den Himmel hebt, das ging mir bald tierisch auf den Keks. So perfekt kann doch kein Mensch sein! Nicht mal in einer Geschichte! Außerdem drängte sich mir speziell dadurch die Ahnung auf, dass May im Wahrheit keineswegs eine kleine Heilige gewesen war.
Ob meine Ahnung zutraf, verrate ich hier jetzt nicht. Es dauert auch im Buch ewig lange bis man darauf eine Antwort bekommt. Bis dahin hätte ich Laurel oft gerne geschüttelt und sie gebeten, mit dieser Lobhudelei aufzuhören. Spannung wollte bei mir so lange nicht aufkommen. Natürlich hat es mich interessiert, was damals bei dem Unfall vorgefallen ist, schließlich deutet Laurel alle naselang an, dass sie Schuld ist. Aber dass ich nägelknabbernd auf die Auflösung gewartet habe, das stimmt nun wirklich nicht.
Wenn Laurel nicht gerade von ihrer Schwester schwärmt, dann ist sie eigentlich ein relativ normaler Teenager, und der hat natürlich noch weitere Probleme: die Schule, Freundinnen, den ersten Freund, Lehrer…ja, “Love Letters to the dead” ist über weite Strecken einfach nur eine Teenie-Highschool-Story mit dem üblichen Brimborium, das dazu gehört. Immerhin entwickelt sich nach und nach daraus ebenfalls eine kleine Geschichte, doch das dauert. Es lohnt sich jedoch, bis dahin durchzuhalten. Ich muss gestehen, dass mich die Handlung um Laurels Freundinnen mehr begeistert und berührt hat als Laurels Geschichte. Und auch das Familienleben ihres Freundes Sky habe ich als interessanter und trauriger empfunden. So ein feiner Kerl und solch ein Leben…
Selbstverständlich wartet am Ende des Buchs der große Knall. Die Auflösung. Die Wahrheit über Mays Unfall und die Antwort auf die Frage, wieso Laurel sich dafür die Schuld gibt. Ganz ehrlich, damit hatte ich absolut nicht gerechnet! Das ist tatsächlich der Hammer, was in der Zeit vor dem Unfall vorgefallen ist. Da stand mir erstmal der Mund offen vor Staunen und Entgeisterung!
Allerdings kam es wie aus heiterem Himmel. Nie, wirklich nie zuvor wurde es auch nur mit einem Wort angedeutet. Da darf man erstmal staunen, denke ich. Trotzdem! Es ist schwer zu erklären, aber auf mich wirkte das so als habe nun noch ein Hammer hermüssen, weil die Geschichte bis dahin eher vor sich hin geplätschert war. Und so leid es mir tut, vor diesem Hintergrund konnte ich Laurels Schwärmerei für May noch viel weniger nachvollziehen und musste mich schon wieder über sie ärgern. Abgesehen davon halte ich es für unrealistisch, dass ein Mädchen, dem so etwas passiert ist, anschließend so -vergleichsweise unbedarft- durch ihr Teenieleben geht.
Außerdem habe ich mich die ganze Geschichte hindurch gefragt, ob die anvisierte Leserschaft mit Laurels “Brieffreunden” überhaupt etwas anfangen kann. Ich verbinde etwas mit Namen wie John Keats, Jim Morrison oder auch Judy Garland. Aber tut das die DSDS-Generation ebenfalls? Machen sie diese Namen neugierig? Ich hoffe es, habe aber meine Zweifel.

Die Geschichte ist komplett in Briefform geschrieben. Das liest sich super leicht und abwechslungsreich. Da liest man schnell mal ein paar Briefe hintereinander weg und ist plötzlich ein gutes Stück im Buch vorangekommen. Wer nicht gerne in größeren Happen liest, hat aber auch alle paar Seiten eine Gelegenheit zur Pause. So ein Brief ist halt meist nicht so lang. Auch das hat seine Vorteile.

Das Cover gefällt mir noch immer sehr gut! Ich mag die schönen Farben des Abendhimmels und den Titelschriftzug, der so handgeschrieben aussieht. Das passt gut zu den Briefen, aus denen die Geschichte besteht. Das hübsche Mädchen zwischen den Zeilen mag ich ebenfalls. Es wirkt etwas geheimnisvoll, weil man das Gesicht hinter den Haaren nicht sieht.

Fazit:  Die Idee, diese Geschichte ausschließlich in Form von Briefen an verstorbene Berühmtheiten zu erzählen, hat mir gefallen! Ich hatte anfangs nicht geglaubt, dass sich daraus eine griffige Story entwickeln würde, wurde aber eines Besseren belehrt. Leider fand ich die Geschichte nicht spannend. Stattdessen war ich durchgängig genervt von Laurels ständiger Lobhudelei auf ihre Schwester May. Erst recht als am Ende die Wahrheit ans Tageslicht kommt! Und sonderlich glaubwürdig fand ich Laurels Verhalten und Denken auch nicht, als ich dann wusste, was vor dem Unfall vorgefallen war. Die Nebenschauplätze bei Sky und Laurels Freundinnen dagegen fand ich ganz interessant und häufig haben sie mich zum Durchhalten bewegt. Sie waren für mich quasi die Krücken der eigentlichen Geschichte, aber so sollte ein gutes Buch halt nicht funktionieren.


Titel: Love Letters to the dead
Autor: Ava Dellaira
Seiten: 416
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570163146
Preis: € 17,99 (HC)

Dash & Lilys Winterwunder (Rachel Cohn, David Levithan)

dashundlilyKurz vor Weihnachten entdeckt Dash in einer Buchhandlung ein rotes Notizbuch, in dem ein Mädchen namens Lily den Finder zu einem geheimnisvollen Spiel auffordert. Bald schicken sich die beiden gegenseitig quer durch Manhattan. Über das Notizbuch tauschen sie ihre Gedanken und Träume aus und kommen sich dadurch näher – ohne sich jedoch zu begegnen. Immer größer wird der Wunsch, den anderen endlich kennenzulernen, und doch macht ihnen der Gedanke daran auch Angst. Und so zögern sie das erste Treffen hinaus, bis es fast zu spät ist.

Irgendwie war mir bereits vor dem Lesen dieses Buchs klar, dass ich es besser hätte sein lassen. Mit meiner aktuellen ich-will-hier-weg-Einstellung und dem Wissen, wie schön New York ist und dass es wohl vorläufig keine Gelegenheit geben wird, nochmal dorthin zu kommen, musste es einfach in zumindest einer Hinsicht für Tränen gut sein. Keine Tränen der Rührung allerdings.
Aber auch davon abgesehen konnte mich “Dash & Lilys Winterwunder” nicht richtig von sich überzeugen. Dabei fand ich die Idee mit dem Notizbuch, den Rätseln und der Schnitzeljagd durch die Stadt wirklich toll. Das versprach für mich einfach eine schöne, spannende und kribbelnd romantische Liebesgeschichte.
Eine Liebesgeschichte ist es tatsächlich, doch das Kribbeln wollte sich bei mir kaum mal einstellen. Das fand ich ausgesprochen schade. Es muss ja nicht gleich kitschig von der Decke tropfen, aber ein paar Schmetterlinge sollte man auch als Leser im Bauch fühlen bei einer solchen Lovestory.
Woran lag es nun, dass das bei mir nicht der Fall war?
Da kommen mehrere Faktoren zusammen. Beispielsweise mochte ich Dash und Lily zwar, aber ich habe mich ihnen nie so richtig nahe gefühlt. Lily fand ich cool mit ihrem schrägen Kleidungsstil, Dash mochte ich speziell für seine etwas eigenbrötlerische Art, aber so richtig warm wurde ich trotzdem nicht mit ihnen. Und ohne das kann ich mich nur schwer in Figuren einfinden und einfühlen. Das braucht es aber unbedingt, wenn ich wenigstens ein paar von ihren Schmetterlingen fühlen möchte.
Hinzu kam noch, dass die beiden mir für ihr Alter eine ganze Ecke zu vernünftig, ernsthaft und tiefsinnig waren . Dass sie einen zu erwachsenen Blick auf viele Dinge hatten. Bei ihren Erzählungen bin ich manchmal erst beim zweiten Lesen mitgekommen, und ich bin doppelt so alt wie sie. Das darf nun niemand falsch verstehen, ich mag vernünftige Kids, aber bei Dash und Lily war es mir doch zu viel um es glauben zu können. So sympathisch ich ihre Liebe zu Büchern, Wörtern und der Sprache auch fand.
Und dann gab es noch eine Reihe von Schilderungen, die schlichtweg kürzer hätten sein können. Dash und Lilly gingen mir auf einige Erlebnisse und Ereignisse in ihrem Leben zu ausführlich ein. Das hätte es für die eigentliche Story aber überhaupt nicht gebraucht. So etwas nimmt bei mir immer Fahrt aus einer Geschichte und lenkt vom eigentlichen Gefühl ab, das ein Buch hervorrufen soll.
Ein weiterer Knackpunkt hat nicht direkt etwas mit Dash und Lily zu tun. Auf dem rückwärtigen Cover steht “New York im Schnee und eine hinreißende Liebesgeschichte – mehr braucht es nicht für die perfekte Weihnachtslektüre”. Allerdings schneit es bis fast zu Ende hin überhaupt nicht in der Geschichte. Nennt mich kleinlich, aber wenn so etwas auf ein Cover gedruckt wird, dann sollte es auch stimmen. In echt mag ich Schnee nämlich zwar gar nicht, finde aber Liebesgeschichten in solch winterlicher Szenerie durchaus schön und romantisch. Und auch für echtes weihnachtliches Flair gehört Schnee dazu. Somit wollte sich bei mir ebenso wenig weihnachtliche Stimmung einstellen. Und die kriege ich sonst -wenn es ein Buch geschickt macht- auch mitten im Sommer hin.

Ich habe das Buch an einem Abend gelesen, das funtkioniert trotz stattlicher 320 Seiten. Aber es war ein langer Abend, denn wie schon geschrieben, musste ich einige Sätze zweimal lesen bis ich sie völlig erfasst und verstanden hatte. Das Buch ist nichts, was man einfach mal so locker weg liest. Es fordert Zeit, Ruhe und Konzentration ein. Für ein wenig Auflockerung sorgt, dass die Geschichte abwechselnd von Dash und Lily erzählt wird.

Wer auf eine solche Szene wie auf dem Cover in der Geschichte hofft und danach sucht, der wird enttäuscht werden. Dabei ist das Motiv doch wirklich wunderschön winterlich, romantisch und fröhlich. Solch eine Geschichte hätte ich gerne gelesen. Die Skyline im Hintergrund verdeutlicht sofort, wo die Handlung spielt.

Fazit:  Die Idee mit dem Notizbuch, den Rätseln und der Schnitzeljagd gefiel mir außerordentlich gut. Das sorgte anfangs für Spannung und ließ mich auf eine kribbelig-aufregende Lovestory hoffen. Doch leider wurde daraus nichts. Es stellte sich kaum mal ein solches Kribbeln ein, Dash und Lily waren mir für zwei Teenie viel zu ernsthaft und tiefsinnig, mit ihnen wurde ich nie so richtig warm. Das brauche ich aber, wenn ich das eben erwähnte Kribbeln spüren will. Es gab einige zu ausführliche Abschnitte, die die Handlung nicht weiterbrachten, und obendrein kam kein winterlich-weihnachtliches Gefühl auf, weil es erst zum Ende hin schneit und weder Dash, noch Lily ein richtig schönes Weihnachten erleben.


Titel: Dash & Lilys Winterwunder
Autor: Rachel Cohn, David Levithan
Seiten: 320
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570308868
Preis: € 7,99 (TB)

Rock War (01) – Unter Strom

rockwar01Jay spielt Gitarre und schreibt Songs – doch seine Großfamilie und ein miserabler Drummer verhindern seinen größten Traum: Rockstar zu werden. Summer hat für kaum etwas anderes Zeit, als ihre schwerkranke Großmutter zu pflegen. Doch Summers Stimme ist dazu gemacht, Millionen zu begeistern – wenn ihr Lampenfieber es zulässt. Dylan liebt nichts mehr als das Nichtstun. Erst als der Rugby-Coach seiner Schule droht, ihn auf dem Rasen zu atomisieren, tritt Dylan widerstrebend einer Band bei – und entdeckt sein Talent. Alle drei stehen kurz vor dem größten Wettkampf ihres Lebens. Und sie spielen um alles.

Nein, Casting-Shows sind überhaupt nicht mein Fall. Weil dieses Wort häufig dort fällt, wo Werbung für “Rock War” gemacht wird, hatte ich meine Zweifel ob es etwas für mich sein könnte. Andererseits: es ist keine Fantasy, keine Dystopie, also hat das Buch eine Chance verdient. Leider hat es sie nicht so recht genutzt.
Der Großteil der Geschichte wird davon eingenommen, dass man die wichtigsten Figuren und ihr Leben kennenlernt. Dass alle einen Hang und ein Talent für Musik haben, ist bei diesem Titel und Klappentext schon mal keine Überraschung.
Mein größtes Problem waren aber die Charaktere selber. Jay beispielsweise machte auf mich den Eindruck eines ziemlichen Loosers, der ohne seine großen Brüder kaum durch sein dreizehnjähriges Leben. Es war mir ein ewiges Rätsel, wie es so jemand mal auf eine große Bühne schaffen will. Denn dazu gehören Mut, Courage und Selbstbewusstsein. Jay hatte in meinen Augen bis kurz vor Ende weder das eine, noch das andere. Und dass es bei ihm zuhause chaotisch zugeht und seine Brüder alle den Einschlag auf die schiefe Bahn haben, das hatte ich auch vor der x-ten Wiederholung dieser Tatsache auf dem Schirm. Das musste man mir nicht so oft unter die Nase reiben.
Dylan dagegen hat mächtig viel Selbstbewusstsein, aber zu nichts Bock. Er versucht, so bequem wie möglich durch die Zeit im Internat zu kommen, und als ihm dann endlich mal Grenzen aufgezeigt werden, stürzt er quasi in Verzweiflung. Ich mag solche Null-Bock-Haltung nicht und fand es gar nicht übel, dass er auf dem Rugby-Feld mal gezeigt bekommt, was ihm blühen kann, wenn er sich nicht zusammenreißt.
Dann gibt es da noch eine Mädelsclique. Coco, Lucy und Michelle. Coco und Lucy fand ich ganz in Ordnung, weil sie ziemlich normal rüberkommen. Michelle dagegen ging mir tierisch damit auf den Geist, dass sie ständig im Mittelpunkt stehen will, bewusst Leute provoziert und in die Sch**** reitet und die unmöglichsten Aktionen startet, die nur in Problemen enden können. Und nein, eine Krankheit ist dafür keine Entschuldigung oder Eklärung für mich.
Nur Summer mochte ich von Anfang an, obwohl auch sie einen Sack Probleme mit sich herumschleppt. Aber sie hat gelernt, sich mit ihrem Leben zu arrangieren. Sie hat es uf die ganz harte Tour gelernt, aber immerhin! Sie ist trotzdem kein schlechter Mensch, hat mit Kriminalität nichts am Hut, ist auch nicht aufmüpfig oder faul. Sie ist zwar ruhig, aber in entscheidenden Momenten beweist sie trotzdem eine Menge Mut.
Die Geschichte wechselt lange zwischen den einzelnen Figuren. Mal ist man bei der einen zu Gast, mal bei der anderen. So lernt man sie zwar gut kennen, aber spannend fand ich das nicht. Dass irgendwann der Wettbewerb Thema werden würde, war zudem von Anfang an klar. Das steht schließlich schon im Klappentext. Und dass es genau dieser Wettbewerb sein würde, der die Kids letztlich zusammenführen würde, das kann man sich ebenfalls denken.
Ein wenig Spannung kam für mich erst auf als die Jugendlichen sich auf den Weg zum Wettberwerb machen. Für viele von ihnen tauchen plötzlich Probleme auf, wegen denen sie es womöglich nicht schaffen würden. Auch Tempo kam erst hier auf, was aber viel zu spät war. Und ob es diese Aktion von Jays Bruder direkt beim Wettbewerb brauchte, das lasse ich mal dahingestellt. Das wirkte auf mich als hätte man gemerkt, dass das Bisschen Spannung bei der Anreise vielleicht doch etwas zu wenig war und als ob man nun unbedingt noch eine Schippe nachlegen wollte. Irgendwie gezwungen und ziemlich unnötig.

Immerhin ließ sich das Buch gut lesen. Der Stil ist schön jugendlich, was gut zu den Hauptfiguren passt und schlicht nicht schwer zu lesen ist. Der Wechsel zwischen den Jugendlichen sorgt durchweg für Abwechslung und die Kapitel haben diese Länge, bei der man immer denkt, dass man ja eins noch eben lesen kann ohne am nächsten Morgen nicht aus dem Bett zu kommen.

Mit dem Totenkopf, den Sternen und Blitzen und dem rotzigen Schriftzug trägt das Cover dem Thema Rockmusik auf landläufige Weise Rechnung. Das grelle Gelb bildet zudem einen kräftigen Kontrast zum Schwarz, wodurch das Motiv Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wieso der Hintergrund mausgrau aussehen musste, ist mir dagegen nicht ganz klar, aber ich mag halt die Farbe Grau auch überhaupt nicht. Vielleicht liegt es daran.

Fazit: Ich bin enttäuscht von “Rock War”. Die meisten Hauptfiguren waren mir unsympathisch und / oder gingen mir einfach tierisch auf die Nerven. Überraschen konnte mich die Geschichte ebenfalls nicht, zumal das mit dem Wettbewerb und dem Zusammentreffen der Kids dort schon vom Klappentext her bekannt war. Weitere Überraschungen gibt es leider nicht. Erst gegen Ende kam für einige wenige Kapitel mal etwas Spannung und Tempo auf, doch das ist kaum der Rede wert im Verhältnis zum Rest der Geschichte. Ich denke, ich werde die Reihe (mal wieder) nicht weiter verfolgen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Rock War (01) – Unter Strom
Autor: Robert Muchamore
Seiten: 380
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570162910
Preis: € 12,99 (broschiert)

Seefeuer (Elisabeth Herrmann)

seefeuerklMarie Vosskamp kann nicht fassen, welchen Freund sich ihre Mutter nach dem Tod ihres Vaters zugelegt hat! Kein Stück traut sie Magnus, der in Windeseile das Kommando über das Vosskamp´sche Familienunternehmen übernimmt – und ihre Mutter auch noch heiraten will! Marie haut ab, um endlich ihre Träume zu verwirklichen, nach Friedrichskoog an die Nordsee, wo sie mit einem begehrten Praktikum ihrem Wunsch, Meeresbiologin zu werden, ein bisschen näher kommt. Dort lernt sie auch den attraktiven Vince kennen, der sich als Schatzsucher für das alte Schiffswrack der Trinity interessiert, das vor der Küste aufgetaucht ist. Mit der Trinity, die in den 50er Jahren in einem schrecklichen Unglück gesunken ist, heben sich dunkle Geheimnisse, die viel mehr mit Marie zu tun haben, als sie sich je hätte vorstellen können. Geheimnisse, die manche lüften und andere um jeden Preis verbergen wollen.

Auf diesen neuen Jugendthriller hatte ich mich riesig gefreut. Elisabeth Herrmann ist es noch mit jedem ihrer Jugendthriller gelungen, dass ich nach dem Lesen an die Schauplätze reisen wollte. Da war ich gespannt, ob das auch “Seefeuer” gelingen würde.
Anfangs sah es ganz danach aus. Die burschikose Marie mochte ich sehr schnell und ich habe sie für ihre Arbeit auf der Seehundstation bewundert. Dabei bleibt es natürlich nicht aus, dass man auch auf die Nordsee hinausschippert. Außerdem klingt oft heraus, wie sehr Marie die See liebt. Da hat man beim Lesen quasi den salzigen Geruch der Nordsee in der Nase und spürt den Seewind im Gesicht. Genau so wünsche ich es mir von Elisabeth Herrmanns Jugendthrillern. Entsprechend zufrieden war ich zunächst. Und ja, ein Ausflug an die See könnte mir in nicht allzu ferner Zukunft gefallen.
Als das Schiff der Seehundstation mit einem Metallteil eines vor mehreren Jahrzehnten Frachters kollidiert, kommt nicht nur dieses Teil an die Wasseroberfläche, sondern auch einige Rätsel und Geheimnisse aus Maries Familienleben. Das fordert Marie schon deshalb besonders, weil mit ihrer Familie so manches im Argen liegt. Ihr Vater ist vor Jahren verstorben, die Mutter ist Künstlerin, die die Realität meistens ausblendet, und ihr neuer Freund scheint nichts Gutes im Schilde zu führen. Maries geliebte Großmutter liegt nach einem Schlaganfall im Koma. So kann Marie sich bei ihr keinen Rat holen, und das, obwohl ausgerechnet die Großmutter eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Als Marie sich plötzlich Übergriffen auf sich, das Haus und ihre Familie ausgesetzt sieht, geht die der Frage nach, in welchem Zusammenhang sie bzw ihre Familie mit dem gesunkenen Frachter steht.
Ich habe dabei geraume Zeit gerne mitgerätselt, wer hinter den Angriffen stecken könnte und wieso. Vieles sprach für den Freund ihrer Mutter, aber irgendwie glaubte ich es nicht. Dann hatte ich Maries Kollegen im Verdacht, doch wieso sollten sie? Solches Rätseln macht mir immer viel Spass.
Allerdings kippte die Geschichte für mich wenig später in gewisser Hinsicht. Lange Zeit ist sie schön übersichtlich, doch bei ihren Nachforschungen muss sich Marie auch der Vergangenheit ihrer Familie stellen. So werden Charaktere von damals wichtig, zu den Verstrickungen in der Firma der Familie im Heute kommen noch Verstrickungen von früher hinzu, die heute wieder wichtig sind, und mit der Besatzung des Bergungsschiffs mischt nochmal ein ganzer Schwung neuer Figuren mit. Ich wusste zwar immer, um wen es ging, wenn ich einen Namen las, aber ich hatte nicht immer genau auf dem Schirm, was diejenige Person vielleicht mit Marie oder ihrer Familie zu tun hat oder welche Verbindungen es von ihr aus in die Vergangenheit gibt bzw geben könnte. Das hat sicher auch ein ganz kleines bisschen damit zu tun, dass bei mir sofort die Klappe fällt, wenn eine Geschichte die Nazizeit antippt. Aber hauptsächlich waren es mir zum Ende hin zu viele Figuren und Zusammenhänge.
Auch mit Marie habe ich mich zu diesem Zeitpunkt plötzlich schwer getan. Einfach, weil ich ihre Ansicht nicht teilen konnte, dass ein gesunkenes Schiff ein Grab ist, das niemand anrühren darf.  Und auf diesem Argument reitet Marie alle naselang herum. Das fand ich auch irgendwie egoistisch von ihr. Ja, Menschen aus ihrer Familie sind mit dem Frachter gesunken, aber trotzdem! Sicher hat nicht jeder im ihrem Umfald lautere Absichten mit der vermutlich wertvollen Fracht, aber beispielsweise die Bergungstaucher konnte ich nicht verurteilen. Sie tun letztlich nur ihren Job, und wem kann man es dabei schon übel nehmen, wenn auch eine Prise Abenteuerlust dabei ist? Nein, mit Maries radikalen Ansichten in dieser Hinsicht konnte ich mich nicht arrangieren.
Die Auflösung gefiel mir ebenfalls nur so halb. Ich mag es nicht so gerne, wenn ich einen ganzen Thriller oder Krimi geknobelt habe, wer der Täter ist, und am Ende dann erkennen muss, dass ich gar nicht darauf hätte kommen können. Spannend ist das Finale aber dennoch. Nur eben halt das Ende bzw der Täter…

Für “Lilienblut” und “Schattengrund” habe ich einen einzigen Abend bzw einen Tag gebraucht, dann waren die Bücher ausgelesen. Für “Seefeuer” habe ich drei Abende gebraucht. Das hatte aber die oben genannten inhaltlichen Gründe. Lesen lässt sich “Seefeuer” ebenso gut wie seine Vorgänger. Ich mag diesen Schreibstil, der sich so schön leicht und flüssig lesen lässt, Maries Alter entsprechend leicht jugendlich, aber doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Gestört habe ich mich an den drei Fehlern, die ich gefunden habe. Der erste gleich im ersten Satz, in dem ein “den” fehlt. Der zweite als das Schiff plötzlich “Sandrose” statt “Seerose” heißt. Bei dritten wird plötzlich die Mutter von Maries Großmutter erwähnt, obwohl mit Sicherheit die Großmutter selber gemeint ist. Ich bin ehrlich kein Fehlersucher und auch nicht sonderlich sensibel was das angeht. Wenn selbst mir das auffällt, dann heißt das also schon was.

Das Cover finde ich einfach nur toll. Die tosende See, der einsame Leuchtturm, der den Wellen trotzt, die Naturgewalt hinter solch einem Sturm kommt hier wirklich gut rüber. Und mit dem Rot den den sonst so düsteren Farben wirkt es auch  angemessen finster für einen Thriller.

Fazit:  Leider hat mit “Seefeuer” nicht so gut gefallen wie seine Vorgänger. Anfangs mochte ich Marie wirklich gerne und fühlte mich an die Nordsee versetzt. Später dann vertrat Marie Ansichten, die ich so nicht teilen konnte und die auf mich auch ziemlich egoistisch wirkten. Außerdem war das schöne Nordseeflair plötzlich verschwunden. Mein größtes Problem war es aber, dass mir die Geschichte später zu komplex wurde um noch alle Charaktere und Zusammenhänge stets im Hinterkopf zu haben. Und wenn ich ein Buch lang quasi umsonst gerätselt habe, wer der Täter sein könnte, dann finde ich das auch nicht so dolle…


Titel: Seefeuer
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 414
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570162675
Preis: € 14,99 (broschiert)

Der Atem der Angst (Alexa Hennig von Lange)

atemderangstSieben Jahre der Angst liegen hinter dem verschlafenen Städtchen St. Golden. Denn damals verschwand Louis’ kleine Schwester, und als man sie fand, war sie tot. Begraben im dichten Wald, der den Ort wie eine geheimnisvolle Wildnis umgibt. Der Täter von damals wurde nie gefasst. Und jetzt scheint er zurückgekommen zu sein, denn die kleine Schwester von Louis’ Freundin Michelle verschwindet spurlos. Kurz darauf ist auch Michelle verschollen. Während die Polizei nach den Mädchen fahndet, begibt sich Louis verzweifelt selbst auf die Suche. In den weiten Waldgebieten begegnet er Maya, einem seltsam verwilderten Mädchen, das mehr über den Täter zu wissen scheint. Louis und Maya beschließen, dass sie in diesem Spiel nicht länger die Gejagten sein wollen.

Bei diesem Buch bin ich etwas hin- und hergerissen. Die Inhaltsangabe klang so sehr nach meinem Geschmack, dass das Buch nicht lange auf dem SUB lag.
Doch schon gleich am Anfang wurde ich unsicher. Das erste Kapitel gefiel mir sehr gut, so etwas hatte ich mir von der Geschichte versprochen. Das zweite Kapitel, das bei Maya spielt, einem verwilderten Mädchen, das mit seinem Vater seit Jahren einsam im Wald lebt, sagte mir widerum gar nicht zu. Da habe ich nur gehofft, dass ich  jetzt nicht alle paar Kapitel vom Spurenlesen und Nahrungsuchen und Sichverteidigen lesen zu müssen. Solche Wildnis-Storys sind nicht Meins. Glücklicherweise ging es mit Kapitel drei dann wieder in die Zivilisation.
Später habe ich diese Schauplatzwechsel schätzen gelernt. Denn die Kapitel sind nicht lang, und mit diesem stetigen Wechsel kommt merklich Tempo in die Geschichte. Außerdem lädt es geradezu dazu ein, schnell mitzuknobeln was da in dem Dorf und den Wäldern vor sich geht. Immer mal wieder bekommt man Denkanstöße und Elemente an die Hand, mit denen man sich wunderbar mögliche Zusammenhänge überlegen kann. So etwas mag ich bei Krimis und Thrillern wirklich gerne. Und hier funktioniert das richtig gut!
Gefallen hat mir außerdem, dass sich der Killer in dieser Geschichte -für einen JUGENDthriller- wahrlich nicht lumpen lässt. Sein Spiel ist grausam, anders kann man es nicht sagen. Und längst nicht jeder überlebt es. Das ist teilweise ganz und gar nicht ohne, und ich habe manches Mal gedacht, dass diese oder jene Figur die Sache doch wohl unmöglich durchziehen würde. Immerhin wird das Buch Lesern ab 14 Jahren empfohlen! Über dieses Alter bin ich längst hinaus, deshalb darf ich wohl sagen, dass das für meinen Geschmack so genau richtig ist. Ich liebe solch grausame Mörder-Spiele einfach, je scheußlicher, umso besser.
Ein Knackpunkt waren widerum manche Charaktere. Beispielsweise die Kommissarin Heidi, die mich oft tierisch genervt hat mit ihrer Unfähigkeit, Job und Sohn unter einen Hut zu bekommen. Himmel, sie ist erwachsen, sie ist Mutter, da sollte man sowas entweder auf die Reihe kriegen, oder sich eine Alternative überlegen.
Mit Maya habe ich mich -wie schon erwähnt- ebenfalls eine ganze Weile lang nicht anfreunden können. Erst als sie notgedrungen ins Dorf geht und somit in die Zivilisation, kam ich mit ihr besser klar, weil da endlich dieses Ronja Räubertochter-Bild ein wenig verschwand, das ich bis dahin von ihr hatte. Später, als sie zusammen mit Louis unterwegs war, mochte ich sie dann wirklich gerne.
Das Ende war halb überraschend, halb erwartet. Ab einem bestimmten Punkt war ich mir ziemlich sicher, den Täter zu kennen. Mir fehlte nur noch das “Warum”. Mit dem Täter lag ich richtig, das “Warum” hat mich überrascht und bis zum Schluss in Atem gehalten. Eine schöne Kombination. Ich meine allerdings, die eine oder andere Unlogik in der Auflösung gefunden zu haben. Doch damit muss man bei dieser Story leben. Auch vorher gibt es Szenen, die unlogisch sind. Ich kann über so etwas hinweglesen, wenn der Rest der Story stimmt. Wer das nicht kann, der könnte mit “Der Atem der Angst” seine Problemchen haben.

Das Buch liest sich weg wie nichts. Alleine durch die Schauplatzwechsel und die meist eher kurzen Kapitel bringt sie schon ordentlich Tempo mit. Aber auch inhaltlich leistet die Geschichte sich keine Atempause. Da will man einfach immer wissen, wie es weitergeht. Ich bin quasi durch die Seiten geflogen. Langeweile kommt bei dieser Geschichte nicht einen Moment lang auf.

Das Cover gibt nichts über die Story her. Mir gefällt es trotzdem sehr gut! Ich mag den Kontrast zwischen dem Schwarz, das einem Thriller immer steht, und dem leuchtenden Grün der wabernden Buchstaben. Das macht was her!

Fazit:  Trotz der einen oder anderen Unlogik und einigen Charakteren, die nicht mein Fall waren bzw es nur langsam wurden, fand ich “Der Atem der Angst” doch ausgesprochen spannend. Am liebstens hätte ich es in einem Rutsch gelesen. Es schickt einen herrlich grausamen Killer ins Rennen und lädt im Nu zum Mitknobeln ein. Das hat Spass gemacht und traf genau meinen Geschmack. So konnte ich über die einzelnen “Hinkefüße” an der Story gut hinwegsehen.


Titel: Der Atem der Angst
Autor: Alexa Hennig von Lange
Seiten: 416
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570160923
Preis: € 14,99 (broschiert)

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