Chicken House

Rockoholic (C. J. Skuse)

Kreisch! Jodys Lieblingsband ist in der Stadt. Klar, dass sie schon 14 Stunden vor Konzertbeginn da ist. Denn sie muss unbedingt ganz vorne stehen. Es geht schließlich um Jackson, den tollsten aller Leadsänger. Allerdings ist Jody nicht die Einzige und in dem ganzen Gedränge und Geschubse kippt sie einfach um, knallt auf den Boden und anstatt vor der Bühne zu stehen, wacht sie Backstage auf einer Liege auf. Schlimmer kann es nicht werden. Außer – man entführt einen Rockstar, versteckt ihn in der Garage und versucht so zu tun, als habe man alles im Griff.

Zugegeben, aus dem Alter, in dem man so sehr für einen Musikstar schwärmt wie Jody es tut, bin ich schon ein paar Jährchen lang heraus. Trotzdem klang der Klappentext irgendwie so herrlich schräg, verrückt und turbulent, dass ich der Geschichte gerne ihre Chance gegeben habe.
Sie beginnt sehr eindrucksvoll mit der Beerdigungsfeier von Jodys Opa, die Jodys Meinung nach überhaupt nicht so ist, wie ihr Großvater es sich gewünscht hätte. Also mischt sie die Gesellschaft ordentlich auf und als Leser bekommt man damit gleich den richtigen Eindruck von Jody vermittelt. Sie ist ein Chaot, neigt zu verrückten Aktionen und liebt neben ihrem Opa vor allem den Sänger (Jackson) ihrer Lieblingsband von ganzem Herzen.  Ich mochte Jody wirklich gerne und obwohl ich mehr als doppelt so alt bin wie sie, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen.  So konnte ich dann auch ein bisschen nachvollziehen, dass sie 14 Stunden vor dem Konzert bereits an der Halle steht und auf Einlass wartet. Sie hat einfach einen Hang zu extremen Situationen und Aktionen.
Von da an dreht die Geschichte auf. Bereits vor der Halle geht es ordentlich rund und leicht hat Jody es nicht. Beim Konzert geht es (leider) genauso weiter und als sie sich dann backstage auf der Krankenstation wiederfindet, tat sie mir schon leid. Doch dann taucht die Band dort auf, natürlich auch Jackson, und aus einer völlig absurden Situation heraus ist Jody plötzlich Entführer und Jackson ihr Opfer. Und damit ihr niemand auf die Schliche kommt, versteckt sie ihn kurzerhand in ihrer Garage. Wie realistisch das alles ist, darf man sich an diesem Punkt einfach nicht fragen.
Wer nun denkt, es kann nicht verrückter kommen, der irrt! Denn es ist wahrlich nicht leicht, einen Rockstar zu verstecken! Rockstars haben nämlich gewisse Angewohnheiten und Jody sieht Jackson binnen weniger Stunden ganz anders als noch vor dem Konzert. Ganz ehrlich, das halte ich nun wieder für eine Ecke glaubhafter und vielleicht ist es so auch eine Botschaft an die jugendliche Leserschaft: es ist längst nicht alles Gold, was auf den Bühnen glänzt! Ich muss sagen, ich habe Jody und ihren Freund Mac, der ihr während der Zeit mit Jackson immer wieder weiterhilft, sowas von bewundert. Was sie sich von Jackson bieten lassen und was sie für den Kerl alles auf sich nehmen, das geht auf keine Kuhhaut. Bei mir wäre der in der Garage versauert, aber echt! Oder ich hätte freiwillig die Polizei geholt und mich als vermeintlicher “Entführer” gestellt.
Irgendwann sind die drei über den berühmten Berg, doch einfacher wird es dadurch immer noch nicht. Denn Jackson hat eine ganz spezielle Vorstellung sein weiteres Leben betreffend und Jody und Mac sollen ihm dabei helfen. Auch hier sollte man besser nicht danach fragen, wie realistisch das Ganze ist. Unterhaltsam und verflixt spannend ist es aber auf jeden Fall! Man fragt sich ständig, wie lange das Trio mit der Sache noch durchkommen wird und hofft gleichzeitig, dass sie es schaffen. Auch wenn das für Jody ein eher trauriger Erfolg wäre.
Mein Liebling der Geschichte war Jodys Freund Mac. Ich mochte den an sich so vernünftigen Kerl in den verrückten Outfits und mit den witzigen Sprüchen so unglaublich gerne! Was hat er mir leid getan als sich bei Jody alles nur um Jackson dreht! Denn im Gegensatz zu Jody habe ich Mac nicht eine Minute lang für schwul gehalten…

Jody erzählt die Geschichte selber. Im  flapsigen Ton einer Sechzehnjährigen, auch mal mit Kraftausdrücken und Flüchen und ganz viel Witz. Das liest sich weg wie nichts und ich habe tatsächlich das ganze Buch mit seinen stattlichen 439 Seiten in einem Rutsch gelesen. Die Kapitel haben sehr verlockende Titel und da fällt es einfach schwer, eine Pause einzulegen.

Die Kopfhörer auf dem Cover passen einwandfrei zur Geschichte und ihrem Titel. Genauso die Herzchen an den Kabeln und der ganze rosafarbene Look , der mich lange Zeit abgeschreckt hat.

Fazit:  “Rockoholic” rockt! Wie realistisch das Geschehen ist, danach darf man hier teilweise einfach nicht fragen. Dann wird man mit einer herrlich schrägen, rasanten und spannenden Geschichte belohnt, die einfach riesigen Spass macht und dennoch Momente mit viel Tiefe hat. Wer Musik mag und schon mal so richtig für einen Star geschwärmt hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. Eine Lovestory ist “Rockoholic” aber auch. Etwas anders zwar, aber dennoch unglaublich  süß!

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Titel: Rockoholic
Autor: C. J. Skuse
Seiten: 439
Verlag: Chicken House by Carlsen Verlag
ISBN: 978-3551520401
Preis: €  16,95 (HC)

Kiss me, kill me (Lucy Christopher)

kissmeDas kann nicht sein! Niemals hat Emilys Vater das Mädchen umgebracht, auch wenn alles gegen ihn spricht. Emily ist von seiner Unschuld überzeugt, aber sie weiß nicht, was wirklich im Wald passiert ist. Der Wald, in dem ihr Vater die tote Ashlee gefunden hat. Der Wald, in dem es dunkle Pfade und verbotene Spiele gibt. Der Wald, in dem Damon sich plötzlich mit ihr treffen will, obwohl er sie bisher keines Blickes gewürdigt hat. Emily muss vorsichtig sein, denn Damon war Ashlees Freund. Vielleicht will er sich rächen. Vielleicht ist da aber auch tatsächlich etwas – zwischen ihm und ihr. Und vielleicht kann Emily sogar herausfinden, was wirklich geschehen ist.

Auf dieses Buch hatte ich mich riesig gefreut. Der Klappentext klang genau nach meinem Geschmack und das Cover lockte mich ebenfalls ganz ordentlich.
Der Anfang ließ dann auch hoffen. Man wird sofort in eine dramatische Situation hineingestoßen, die den Grundstein für die weitere Geschichte legt. Auf den ersten Blick ist mit diesem Prolog eigentlich bereits alles ganz klar. Doch das Buch hätte nicht 372 weitere Seiten, wenn nicht doch mehr dahinterstecken würde, ganz klar.
Leider hielt die Geschichte für mich dann doch nicht, was Cover, Klappentext und der Anfang versprachen. Natürlich war ich neugierig, was da im Wald vorgefallen ist. Wer Ashlee umgebracht hat. Ob es tatsächlich Emilys Vater war, oder doch jemand anderer? Denn so recht glauben kann man es nicht. Schon alleine, weil Emily es nicht glaubt. Doch wer soll es dann gewesen sein, und wieso? Das hätte tatsächlich richtig spannend sein können, wenn es nicht so dermaßen “zerredet” werden würde.
Die Kapitel werden abwechselnd von Emily und von Damon erzählt und ergehen sich förmlich in ihren Schilderungen zum Geschehen und ihren Gefühlen. Ganz ehrlich, die beiden sind sechzehn Jahre alt! Figuren dieses Alters nehme ich solch tiefgründige, weitreichenden Gedanken schlichtweg nicht ab! Sicher ist die Situation für beide nicht leicht, das sie klingen mir über weite Teile schlichtweg zu erwachsen. Das haben ich zwei Teenies nicht abgenommen, was mich schnell geärgert hat. Außerdem erzählen sie häufig das gleiche, nur mit anderen Worten. Beispielsweise Emily von ihrer Liebe zum Wald oder von ihren zerrissenen Gefühlen für ihren Vater, und Damon von seinen Gefühlen nach Ashlees Tod oder den Ereignisse im Wald ehe sie starb. Mit solchen Wiederholungen kann man mich leicht langweilen.
Ein wenig konnte ich mich damit ablenken zu überlegen, wer tatsächlich Ashlees Mörder war. Es gibt einige Kandidaten und auch wenn das Motiv bis zum Schluss nicht zu erraten ist, man ja mal ein paar Theorien anstellen. Mit meiner lag ich dann auch prompt richtig. Und ich muss zugeben, von so etwas wie diesem “Spiel” (es wird bis zum Schluss nicht aufgelöst, um was es dabei geht) hatte ich bis dahin noch nichts gehört. Eine schaurige Vorstellung, dass es solche “Spiele” wirklich gibt.
Zuletzt frage ich mich einmal mehr bei einem Jugendbuch von Chicken House, ob es hier bei den Geschichten Bedingung ist, dass die Hauptfiguren aus schwierigen Familien- und Lebensverhältnissen stammen? Ehrlich, inzwischen verdrehe ich schon die Augen, wenn sich das nur andeutet. Sicher können nicht alle Geschichten in Friede-Freude-Eierkuchen-Familien spielen. Und natürlich ist es wichtig, jungen Lesern zu vermitteln, dass nicht jedes Kinder / jeder Teenager aus einer heilen Familie stammt, dass es Schicksalsschläge gibt, die alles verändern, aber ungelogen in allen Bücher von Chicken House, die ich bisher gelesen habe, gibt es solche schwierigen Familiensituationen. Ich denke, so langsam haben es die jungen Leser begriffen, oder?

Ich habe sehr lange für “Kiss me, kill me” gebraucht, obwohl die Kapitel abwechselnd von Emily und Damon erzählt werden. So etwas lockert eine Geschichte für mich normalerweise auf. Hier allerdings kein Stück. Einfach, weil Emily und Damon -wie schon gesagt- mich über weite Teile hinweg mit ihren oft gleichen, nur anders formulierten, und tiefschürfenden Gedanken gelangweilt und geärgert haben. Das war für mich unheimlich anstrengend zu lesen.

Das Cover gefällt mir immer noch. So schön düster und mit den blutroten Schemen von Blättern und Sträuchern verspricht es eine spannende und gruselige Story. Da der Wald eine große Rolle spielt, passt das bestens zur Handlung.

Fazit: Mich hat “Kiss me, kill me” leider enttäuscht, geärgert und schnell auch gelangweilt. Dabei macht einen die Story schon anfangs neugierig darauf, was tatsächlich im Wald passiert ist. Aber Emily und Damon erzählen mir einfach zu langatmig und tiefgründig. Ja, sie stecken in eine schwierigen Situation, aber so viel Tiefgang nehme ich zwei Teenagern nicht ab. Nicht mal, wenn er so breit ausgewalzt wird wie hier. Immerhin überrascht die Auflösung mit einer schaurigen Idee.

Vielen Dank an den Chicken House Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Kiss me, kill me
Autor: Lucy Christopher
Seiten: 376
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520333
Preis: € 14,99 (Broschiert)

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Wo Schneeflocken glitzern (Cathryn Constable)

flockenSophie ist überglücklich. Ihre Internatsklasse macht einen Schulausflug nach Russland. Dafür fälscht sie sogar die Unterschrift ihres Vormunds. Endlich wird sie das Land sehen, von dem sie schon ihr Leben lang träumt! Als aber ihre russische Betreuerin plötzlich aus dem Zug verschwindet, sind Sophie und ihre beiden Freundinnen auf sich allein gestellt, inmitten einer einsamen, tief verschneiten Winterlandschaft und ohne Verbindung zur Außenwelt. Doch Prinzessin Volkonskaja nimmt sie in ihrem Palast auf. Auch wenn Sophie rätselhaft ist, wieso sie die Mädchen bereits erwartet hat.

An diesem Buch reizte mich im ersten Moment mal wieder das schöne Cover. Doch auch der Klappentext las sich nicht schlecht. Er klang für mich nach einer spannenden und rätselhaften Geschichte vor einer unwirtlichen Szenerie.
Die Geschichte lässt sich ganz vielversprechend an. Interntsgeschichten mag ich sowieso ganz gerne, und die drei Mädchen Sophie, Delphine und Marianne gefielen mir ebenfalls. Schon alleine deshalb, weil sie so grundlegend verschieden, aber doch befreundet waren. Das bürgt meist für verschiedene Sichten auf gewisse Vorkommnisse, was immer ganz interessant ist.
Der seltsame Besuch im Internat sorgte dann noch dafür, dass ich gegrübelt habe, was dahinter stecken könnte. Die Frau, die eines Tages dort auftaucht ist zwar nicht unbedingt sympathisch, aber immerhin geheimnisvoll.
Gefallen hat mir auch, wie die Mädchen von ihrer Reisebegleitung kurzerhand im Zug zurückgelassen und wenig später vom Schaffner auf einen verschneiten Bahnsteig ausgesetzt werden. Ein schaurige Vorstellung. Erst recht als sie dann in eine seltsame, dunkle Hütte geraten. Da wird es sogar ein wenig gruselig.
Doch dann werden sie gerettet, und damit ging es für mich mit der Geschichte bergab, und zwar aus genau zwei Gründen.
Der wesentliche Grund war, dass ich Sophies Begeisterung bzw die Begeisterung, die die Geschichte einem vermittelt, bei vielen Elementen einfach nicht teilen konnte. Ich wusste, die Handlung spielt im winterlichen Russland, aber nein, ich kann an Eis, Schnee und Kälte beim besten Willen nichts Schönes finden. All das wird hier so sehr angepriesen, dass man alleine beim Lesen schon eine Gänsehaut bekommt. Nein, danke! Natürlich war mir klar: wo eine Prinzessin, da auch ein Schloss. Allerdings ein sehr verfallenes Schloss, in dem Sophie aber -warum auch immer- noch viel Schönes sieht. Für mich wird ein heruntergekommenes Schloss auch nicht dadurch schöner, dass man mir die übrig gebliebenen, gut erhaltenen Teile immer wieder blumig beschreibt. Ich habe sicher nichts gegen Russland, aber es ist kein Reiseland, das mich reizt. Schon alleine wegen den üblen Wintern nicht. Sophie dagegen ist davon hellauf begeistert. Und auch die russische Sprache liegt mir gar nicht. Daher habe ich mich an den eingestreuten Vokabeln gestört. Leider ist es außerdem so, dass ich nicht mal für den russischen Akzent etwas übrig habe. Das liegt daran, dass ich mit Leuten mit diesem Akzent überwiegend im Job zu tun habe, und da ist mir bislang nur wenig Freundliches begegnet. Das ist leider so, und deshalb konnte ich mich nicht am Wohlklang dieses Akzents erfreuen, wie es Sophie tut.
Mit etwas weniger Lobpreisung all dieser Dinge wäre ich mit der Geschichte sicher besser klargekommen. Und ich bin mir sicher, dass das märchenhafte daran trotzdem erhalten gelbieben wäre.
Der zweite Grund war, dass für mich die Spannung nachließ sobald die Prinzessin ihren Auftritt hatte. Ich habe der Frau von Anfang an nicht über den Weg getraut und nicht verstanden, wieso den Mädchen nichts auffällt. Aber vielleicht ist man mit 13 Jahren so leichtgläubig. Jedenfalls war ich mir sicher, dass sie nichts Gutes im Schilde führte. Blieb nur noch die Frage, um was es gehen könnte. Aber auch die war bald geklärt, nachdem ein bestimmter Gegenstand erwähnt wurde.
Und auch das Rätsel, welche Rolle Sophie in diesem ganzen Verwirrspiel spielt, woher ihre Liebe zu Russland rührt, ließ sich schnell und leicht klären. Da erwartete mich also ebenfalls keine Überraschung als es aufgelöst wurde.
Gegen Ende wurden die Wölfe wichtig, die Sophie ab und zu schon mal heulen gehört und auch gesehen, deren Existenz die Prinzessin aber beharrlich geleugnet hatte. Das hat mich etwas versöhnt. Wölfe mag ich unheimlich gerne, und hier snd sie schöne und rätselhafte Geschöpfe. Das war ganz nach meinem Geschmack.
Über das Ende bzw Sophies Entscheidung am Ende habe ich dann wieder den Kopf geschüttelt. Am liebsten hätte ich ihr gesagt: hey, Mädel, was denkst du dir? Du bist gerade mal dreizehn Jahr alt!

Aus den genannten Gründe ist es mir sehr schwer gefallen, das Buch zu lesen. Mehr als fünf Kapitel an einem Abend gingen einfach nicht. Dabei haben sie für ein Jugendbuch eine wirklich tolle Länge. Einladend kurz, aber doch lang genug um gut voran zu kommen. Mir waren es schlicht zu ausführliche, begeisterte Schilderung von Dingen, für die ich mich in diesem Maß nicht begeistern kann. Das las sich anstrengend, und ich habe mich über jeden längeren Dialog gefreut, der es auflockerte.

Das Cover gefällt mir immer noch. Das Grau mit den Flocken sieht wirklich frostig aus. Und das Mädchen in dem wallenden Kleid, das irgendwie unglücklich wirkt, macht neugierig auf das Buch.

Fazit:  Ich wäre mit der Geschichte sicher besser klargekommen, wenn nicht so viele Dinge wie sauer Bier angepriesen würden, für die ich weniger bis gar nichts übrig habe. Alles etwas dezenter und es hätte mir sicher besser gefallen. Und ich glaube auch nicht, dass die Geschichte dadurch ihren märchenhaften Charme eingebüßt hätte. Außerdem fand ich die Handlung nach der Rettung der Mädchen nicht mehr spannend. Auch wenn das Buch für Leser ab 11 Jahren empfohlen wird, etwas weniger offensichtlich hätte des Rätsels Lösung schon sein dürfen.


Titel: Wo Schneeflocken glitzern
Autor: Cathryn Constable
Seiten: 336
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520517
Preis: € 16,99 (HC)

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Drowning – Tödliches Element (Rachel Ward)

drowningEr kommt zu sich. Ein Tropfen trifft sein linkes Auge. Dann schießt Regen aus dem grauen Himmel. Er dreht den Kopf zur Seite, spuckt Schlamm und Kies aus, entdeckt ein Gesicht, wenige Meter entfernt. Haare kleben wie dünne Schlangen auf der Stirn. Aus dem Mundwinkel rinnt Wasser. Bleiche Haut, dreckverschmiert, geschlossene Augen. Es ist sein eigenes Gesicht! Als Carl aufwacht, ist Rob tot. Doch Carl kann sich an nichts erinnern. Nicht, wie sein Bruder ertrunken ist, oder warum sie an dem See waren und auch nicht, weshalb Neisha, die offensichtlich bei ihnen war, Todesangst vor ihm hat. Er weiß nur, dass er herausfinden muss, was passiert ist. Bevor vollendet wird, was an jenem Tag begann.

Ich hatte damals Band 1 von Rachel Wards “Number”-Reihe gelesen und der hatte mir leider nicht so gut gefallen. Es war also eine gewisse Skepsis im Spiel als ich “Drowning” entdeckte. Weil ich selber ein ziemlicher Angsthase bin was Wasser angeht, klang es aber andererseits wirklich interessant und auch ein wenig gruselig, und sowas mag ich. Also zog “Drowning” doch ins Regal ein.
Mit langen Vorreden hält die Geschichte sich nicht auf. Man ist sofort am See mit dabei nachdem sich der Unfall ereignet hat, und im Gegensatz zu Carl ist einem gleich klar, was mit seinem Bruder Rob geschehen ist.
Ein sehr ordentlicher Auftakt für eine Geschichte und ganz nach meinem Geschmack. Anschließend wurde mir dann etwas klar, das weniger nach meinem Geschmack ist. Scheinbar hat Rachel Ward eine Vorliebe für Charaktere, die aus sozial schwächeren Familien stammen. Damit habe ich oft meine Schwierigkeiten. Nicht, weil ich so dumm wäre zu glauben, solche Leute gäbe es nicht. Und auch nicht, weil ich es weiß, aber lieber nicht auch noch drüber lesen möchte. Sondern weil es -zum Glück- ziemlich weit weg von meinem Leben ist. Und dann fällt es mir einfach schwer, mich  darin einzufinden und Zugang zu den Figuren zu finden.
Aber wahrscheinlich wäre eine liebende und heile Familie in dieser Geschichte völlig fehl am Platze gewesen. Denn dann hätte Carl wohl Unterstützung bekommen und das Geschehen um ihn herum hätte längst nicht so seltsam, gruselig und bedrohlich gewirkt. Seltsam, weil ich beim Lesen einerseits nicht an Spuk glauben wollte, es aber genau danach aussieht. Gruselig, weil es die Szenen, in denen Carl seinem verstorbenen Bruder begegnet, wirklich in sich haben und für eine Gänsehaut gut sind. Das hat mir an der Geschichte am besten gefallen: dass sie wirklich richtig gruselige Momente auf Lager hat. Und bedrohlich, weil Wasser dabei eine immer größere Rolle spielt und bald Carls Leben bedroht. Beispielsweise Regen, der immer heftiger wird, ein Feuchtigkeitsfleck an der Wand, der größer wird und ein ansteigender Fluss. Man kann bei diesem Buch quasi am Wasserstand ablesen, wie schlimm es um Carl und seine Freundin Neisha steht. Wenn man wie ich ohenhin kein Fan dieses Elements ist, dann lässt einen das durchaus schaudern. Und spannend ist es natürlich auch!
Ebenso spannend fand ich die Frage, wie diese Geschichte wohl enden würde. Denn einerseits war ich mir schon früh sehr sicher, worüber ich hier lese. Andererseits wird diese Ungewissheit wirklich bis zuletzt ausgereizt, und da kann man dann doch schon mal ins Zweifeln über die eigenen Theorien kommen. Beim dramatischen Ende habe ich sie dann vorübergehend komplett vergessen und mit Grausen gelesen, was Carl da mitmacht. Mein persönliches Albtraum-Szenario.
Das ändert aber nichts daran, dass ich mit meiner Vermutung völlig richtig lag. Ich denke, wer bereits den einen oder anderen (Psycho)thriller gelesen hat, für den ist es einfach ein naheliegender Gedanke.

Ich hatte das Buch nach zwei (längeren) Leseabenden ausgelesen. Ich musste mich am ersten Abend wirklich zwingen, es nicht in einem Rutsch zu lesen. Carl erzählt schön anschaulich von seinen Erlebnissen und Beobachtungen und mit der nötigen Ernsthaftigkeit, wodurch Spannung und Grusel umso besser wirken. Aber natürlich ist er ein Teenager und so ist sein Ton oft auch ziemlich locker, was sich leicht lesen lässt. Die Kapitel sind appetitlich kurz, da kann man gut mal eines mehr lesen als geplant. Oder zwei, oder drei… 😉

Der Look des Buchs gefällt mir außerordentlich gut. Dunkles Wasser, das ist mir automatisch nicht geheuer und flößt mir sofort Unbehagen ein. Passend zum Titel versinken seine Buchstaben in den dunklen Fluten. Das wirkt!

Fazit:   Ich habe mit “Drowning” zwei spannende und echt gruselige Leseabende verbracht. Auch wenn ich früh eine Idee hatte, was da vor sich gehen könnte, konnte ich diese Idee doch immer wieder gut vergessen und mich auf das unheimliche Geschehen einlassen. Besonders gefallen hat mir, dass man praktisch an der Masse an Wasser in der Geschichte ablesen konnte, wie dramatisch es um Carl un Neisha steht. Das ist mal eine andere Art, Dramatik zu messen.


Titel: Drowning – Tödliches Element
Autor: Rachel Ward
Seiten: 329
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520524
Preis: € 14,99

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Jagd in der Tiefsee (Roland Smith)

jagdtiefseeEndlich eine neue Forschungsreise! Und die führt Marty und seine Cousine Grace in den Südpazifik. Denn gemeinsam mit Travis Wolfe und seinem technisch perfekt ausgestatteten Team von Wissenschaftlern sind sie auf der Suche nach einem Riesenkalmar. Schließlich ist das Aufspüren seltener Tierarten Wolfes Spezialität. Doch irgendjemand scheint ihre Expedition zu sabotieren. Und auf Marty wird sogar ein Mordanschlag verübt. Der einzig sichere Ort für ihn ist das Mini-U-Boot, mit dem man tiefer als je zuvor tauchen kann. Doch auch in der Tiefsee lauern Gefahren.

Ich habe so ein kleines Faible für Geschichten, die auf und in Ozeanen spielen. Wenn dann noch sagenumwobene und vielleicht etwas schaurige Meeresbewohner mitspielen…umso besser! Deshalb war ich auf dieses Buch sehr gespannt. Als ich es gelesen habe, wusste ich allerdings noch nicht, dass es ein zweiter Teil einer Reihe ist. Das ist mir erst am Anfang nach und nach klar geworden, da immer wieder vorhergehende Ereignisse erwähnt werden. Das war zwar etwas sonderbar, aber ich habe mich trotzdem gut eingefunden. Wenn man ein paar Dinge einfach als Tatsache hinnehmen kann, dann kann dieser Band gut unabhängig vom Vorgänger gelesen werden.
Zunächst war ich noch ganz guter Dinge und freute mich auf spannende und vielleicht unheimliche Szenen in den Tiefen des Meeres. Travis Wolfe, Marty und das Team an Wissenschaftlern wollen einen Riesenkalmar fangen. Ich habe diese Tiere gegoogelt um mir ein Bild machen zu können und finde, sie sind durchaus für eine Gänsehaut gut. Leider ging es aber noch lange nicht hinab in die Tiefsee, und das hat mich an der Geschichte am meisten gestört. Nicht, dass das Geschehen auf dem Boot und die Feindschaft zwischen Wolfe und Blackwood uninteressan wäre, aber bei dem Titel hatte ich mir mehr Handlung unter der Wasserlinie vorgestellt. Zudem bin ich nicht so der Fan davon, wenn dem Bösewicht in einer Geschichte so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird wie hier. Will heißen, die Kapitel bei Blackwood fand ich teilweise anstrengend mit den Einblicken in seine boshaften Gedanken und seine gemeinen Pläne. Ich finde immer, was die Bösen ausbrüten, das sieht man spätestens dann, wenn es die Guten betrifft. Die Planung finde ich da weniger interessant.
Als sich die Sitaution zwischen Wolfe und Blackwood zuspitzt, sind beide immerhin schon mal auf dem Wasser. Ich schöpfte Hoffnung, dass es bald in die Tiefe gehen würde. Doch das dauert nochmal geraume Zeit. Und darüber haben mich auch die sagenumwobenenMokele-Mbebe nicht hinweggetröstet. Das Buch heißt “Jagd in der Tiefsee”, doch erst im letzten Drittel geht es tatsächlich dorthin. Darüber war ich ganz schön enttäuscht. Und schade ist es außerdem, denn als es endlich in die Tiefe geht, da wird es dann wirklich richtig spannend. Wenn man sich bildlich vorstellt, was Marty und seine Freunde dort erleben, dann kommt man auch um mein erhofftes Schaudern nicht herum. Das hätte ich mir viel früher gewünscht.
Der zweite Punkt, an dem ich mich gestoßen habe, ist die Darstellung von Marty, Grace und Luther. Eben den Jugendlichen an Bord. Schon klar, dass es ein Jugendbuch ist und entsprechend die jugendlichen Figuren heldenhaft sein müssen. Aber ganz ehrlich: Grace wirkte auf mich keineswegs wie eine 13jährige, so ruhig und vernünftig wie sie ist. Bis erwähnt wurde, wie alt sie ist, hätte ich sie locker auf das doppelte Alter geschätzt. Und der gleichaltrige Marty ist so talentiert, schlau und geschickt, dass ein erfahrener Wissenschaftler ihn unbedingt auf seiner gefährlichen Expedition dabei haben möchte. Ihn, nicht etwa einen seiner studierten Kollegen. Bei Luther dachte ich erst, dass wenigstens ein normaler Teenie mitmischen würde. Etwas verrückt mit einem Hang zu liebenswert-blöden Witzen. Aber nein, er ist natürlich der Computer-Crack an Bord. Schon klar: ein Schiff voller Wissenschaftler, aber die Kids spielen sie an die Wand…das war mir einfach zu unglaubwürdig

Ich habe vergleichsweise lange für das Buch gebraucht. Es liest sich nicht so leicht wie ich es von einem Buch für eine Leserschaft ab 11 Jahren erwartet hatte. Bei den Kapiteln um Marty und seine Freunde geht es noch recht flott dank vieler Dialoge. Die hat man bei den Kapiteln mit Blackwood und seinem Handlanger Butch nicht in diesem Maße, deshalb haben mich diese Kapitel immer etwas ausgebremst. Und ich fand die Kapitel für ein Buch für diese Altersgruppe ganz schön lang.

Das Cover war einer der Gründe, wegen denen ich eine spannende und etwas unheimliche Geschichte erwartet hatte. Diese finstere Szene mit dem Krakenarm wirkt schon ganz schön gruselig.

Fazit:  Leider war “Jagd in der Tiefsee” nicht mein Fall. Ich fand Marty, Grace und Luther zu heldenhaft beschrieben um glaubhaft zu sein. Am enttäuschendsten war für mich aber, dass es -im Verhältnis zur Länge der Geschichte- nur kurz wirklich hinab in die Tiefsee ging. Da verspricht der Titel weit mehr als die Geschichte dann hält. Schade.


Titel: Jagd in der Tiefsee
Autor: Roland Smith
Seiten: 416
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3551520265
Preis: € 19,99  (HC)

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