Coppenrath Verlag

Blind Walk (Patricia Schröder)

blindwalkAls die 17-jährige Lida Donelley zusammen mit ihrem Freund Jesper an einem sogenannten „Blind Walk”, einem Event aus dem Internet, teilnimmt, rechnet sie mit nicht mehr als ein bisschen Nervenkitzel. Zusammen mit fünf anderen Jugendlichen werden Lida und Jesper mit verbundenen Augen in der Wildnis ausgesetzt, ausgestattet mit einem Kompass und ein paar wenigen Gegenständen. Doch von Anfang an ist die Stimmung in der Gruppe hochexplosiv. Die Situation droht zu eskalieren, als die Jugendlichen nach kurzer Zeit die Leiche einer der Männer finden, die sie in den Wald gebracht haben. Lida beschleicht das unheimliche Gefühl, dass sie beobachtet werden. Schon bald wird dieser erste Verdacht zur bösen Gewissheit: Irgendjemand da draußen macht Jagd auf sie. Und der Jäger scheint es dabei vor allem auf sie, Lida, abgesehen zu haben.

Dieses Buch packte mich sofort alleine mit dem Klappentext. Ich bin ein kleiner Fan von Geschichten um solche Survival-Touren. Da kann man mitunter ganz tolle und spannende Thriller draus bauen. Das erwartete ich auch von “Blind Walk”.
Direkt nach dem Lesen hätte ich sicher eine andere Besprechung geschrieben als jetzt. Ich habe das Buch ein paar Tage sacken lassen. Denn speziell zum Ende hin konnte ich es nicht aus der Hand legen, so dringend wollte ich endlich wissen, was da vor sich geht. Das fand ich schon sehr spannend.
Nun hört man das dicke ABER sicher schon trapsen, oder? Stimmt, hier kommt es. Genauer gesagt, kommen hier diverse ABER.
Der Reihe nach. Grundsätzlich, ich habe einiges gegen langatmige Erklärungen und Beschreibungen, doch “Blind Walk” schubst einen so direkt in die Geschichte, dass man erstmal einiges einfach hinnehmen muss. Beispielsweise die große Liebe zwischen Lida und Jesper. Und dass eben dieses Event mit dem Blind Walk ansteht, an dem Jesper eigentlich alleine teilnehmen möchte. Doch Lida will mit und als Mädchen hat man eben so seine Argumente. Fand ich etwas schlicht und einfach und auch irgendwo billig, aber bitte.
Was ich dagegen gar nicht so richtig glauben konnte, das war der Dreh kurz nachdem sie bei der Gruppe angekommen sind. Das habe ich als absolut unglaubwürdig empfunden. Es wirkte eher so als habe man diesen Bruch brachial erzwungen, weil es der Verlauf der Story dienen sollte.
Dann wären da noch die anderen Gruppenmitglieder, über die man kaum etwas erfährt. Ich brauche ausführliche Charakterisierungen über diverse Seiten ebenso wenig wie seitenlange Schilderungen eines popeligen Walds, aber ein bisschen mehr hätte es gerne sein dürfen. Es wird quasi lediglich auf Äußerlichkeiten und vonehmlich negative Charakterzüge eingegangen. Eben das, was Lida wahrnimmt, denn sie erzählt die Geschichte. Aber deshalb hätte man den anderen doch gewisse Verhaltensweisen oder Aussagen mitgeben können, aus denen man sich als Leser nochmal ein eigenes Bild hätte zimmern können. So aber blieben alle total eindimensional und blass für mich. Obendrein habe ich mich an einigen Namen gestoßen. Thore, Birk, Lida (wieso hat das Mädel eigentlich einen englischen Nachnamen?), Jesper…klar, es turnen bereits massig Marcs und Sarahs usw durch die Bücher, aber man kann es mit kreativen Namen auch übertreiben.
Den nächste Knackpunkt für mich habe ich oben schon mal angeschnitten. Zum Kuckuck, ich weiß, wie ein Wald aussieht, ich habe auch schon mal eine Schlucht im Wald gesehen, an einem Waldsee stand ich auch schon mal und dichtes Gebüsch gibt es nicht nur in Wäldern. Sowas muss ich nicht alle naselang neu beschrieben haben. Beim Begriff “Wald” hat sicher jeder sofort ein Bild vor Augen, beim Wort “See” ebenfalls. Na also! Dann reicht es doch, einmal darauf einzugehen. Kommen solche Beschreibungen häufig vor, neige ich zum Überspringen dieser Absätze.
Wenn ich noch ein paar Tage nachdenken würde, würden mit sicher noch ein paar ABER einfallen, aber ich belasse es mal bei nur einem weiteren. Nämlich die Auflösung! Ohne zu spoilern kann man wohl sagen, dass es hier an sich gar nicht um die Survival-Tour und ihre Gefahren geht. Es geht um etwas ganz anderes. Ein Thema nämlich, das ich an sich sehr interessant finde und aus dem man 100%ig einen tollen Thriller machen könnte, aber hier wirkt das dermaßen abgedreht und unglaubwürdig, dass man eigentlich drüber lachen müsste. Ich habe mit Sicherheit nichts gegen irre und kranke Verbrecher, gegen Psychopathen, aber das hier, das kann man der Story einfach nicht abnehmen.

Lesen lässt das Buch sich ganz gut. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass Lida und Co. oft zwischen recht hochgestochner Ausdrucksweise und Gossen-Slang wechseln und man bei den besagten beschreibenden Passagen auch mal quer lesen kann, dann fliegen die Seiten nur so dahin. Die Kapitel haben eine ordentliche Länge und der gelegentliche Wechsel zu anderen Figuren sorgt für Abwechslung.

Optisch ist das Buch genau mein Fall. Finster und dazu eine kontrstreiche Farbe, die krallenartigen Zweige, das wirkt. Das Buch ist übrigens ebenfalls so gestaltet. Man hat also auch ohne Schutzumschlag ein schickes Buch in den Händen. Da ich den Schutzumschlag zum Lesen entferne, gefällt mir das immer sehr gut so.

Fazit:  Auch wenn es am Ende spannender wurde, weil ich nun endlich wissen wollte, was da los ist, konnte mich “Blind Walk” doch nicht von sich überzeugen. Dagegen sprachen beispielsweise die blassen Charaktere mit den seltsamen Namen, die oft langatmigen Schilderungen und einige absolut unglaubwürdige Vorkommnisse, zu denen leider auch die Auflösung gehört. Schade. Vielleicht wäre es besser gewesen, einen Thriller um solch ene Survival-Tour zu schreiben und einen über besagtes andere Thema. Einzeln würde das sicher funktionieren, in dieser Kombination aber leider nicht.


Titel:  Blind Walk
Autor: Patricia Schröder
Seiten:  448
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 978-3649617495
Preis:  € 17,95 (HC)

Die Rottentodds (01) – Onkel Deprius dunkles Erbe (Harald Tonollo)

rottentodds01Nur weg von diesen Verrückten!
Pollys Entschluss steht fest. Keinen Tag länger hält sie es mit ihrer Familie aus. Die seltsamen Vorlieben von Patrizius, Prospera, Pampe und Palme gehen ihr gehörig auf die Nerven: SchmeiÃxfliegensalat zum Frühstück, entspannen im Spinnenpool und Spritztouren im Leichenwagen. Doch dann macht Polly in dem alten Haus ihres kürzlich verstorbenen Onkel Deprius eine ungeahnte Entdeckung und plötzlich ist nichts mehr, wie es war.

Kürzlich war mir danach, mal wieder ein Kinderbuch zu lesen. Da fiel mir dieser erste Band der Rottentodds in die Hände, der schon geraume Zeit auf meinem SUB lag. Ein Kinderbuch, das obendrein ein wenig gruselig klang. Genau richtig also!
Die Familie Rottentodd gefiel mir auf Anhieb. Natürlich ist sie ein wenig anders als normale Menschen. So steht gerne mal eine Schale Schmeißfliegensalat auf dem Tisch und ein Bad in lauter krabbelnden Spinnen ist für sie ein Genuss. Jedenfalls für die meisten Familienmitglieder. Lediglich Tochter Polly ist mit ihren blonden Haaren und der Vorliebe für Schnitzel mit Pommes ziemlich aus der Art geschlagen. Erst fürchtete ich, dass ihre Familie sie deshalb anders oder schlechter behandeln würde, doch zum Glück war es nicht so. Das fand ich toll!
Polly ist es auch, die die Familie in dieses erste Abenteuer stürzt. Denn sie lernt an ihrer neuen Schule einen Jungen kennen, mit dem irgendetwas nicht stimmt und der ziemlich unglücklich zu sein scheint. Sie macht sich daran herauszufinden, was da los ist und macht eine fiese Entdeckung. Doch was kann man tun?
Nun, wenn man eine Familie wie die Rottentodds hat, hat man da durchaus seine Möglichkeiten. Denn im Ernstfall halten die Geschwister Rottentodd trotz aller Unterschiede zusammen wie Pech und Schwefel. Das gerade vom verstorbenen Onkel geerbte Haus samt einem ungeahnten Vermächtnis im Keller kommt da gerade recht.
Ich fand es lustig über Pollys Erlebnisse an der Schule und mit ihrer ungewöhnlichen Familie zu lesen. Die Rottentodds sind auf kindgerechte Weise schaurig, doch Albträume bekommt man von ihnen auf keinen Fall. Dafür sind sie alle auf ihre Art doch zu liebenswert. Außerdem hat es mir gefallen, dass sie Polly akzeptieren wie sie ist. Obwohl…ein kleines bisschen echte Rottentodd steckt auch in Polly wie sich im Laufe der Geschichte zeigt.
Ein kleine, aber wichtige Botschaft steckt ebenfalls in der Geschichte. Nämlich, dass man sich helfen sollte, wenn man merkt, dass mit jemandem etwas nicht stimmt. Und dass man Freunde und / oder eine Familie braucht, auf die man sich verlassen kann. Und natürlich, dass es falsch ist, mit jemandem so umzugehen, wie mancher mit Pollys neuem Freund umgeht. Das sind wichtige Botschaften für junge Leser, wie ich finde.

Die 129 Seiten waren an einem Abend schnell gelesen. Die große Schrift, kurze Kapitel, ein kindgerechter und witziger Schreibstil und die zahlreichen Illustrationen machen “Onkel Deprius dunkles Erbe” zu einer leichten und unterhaltsamen Lektüre. Genau richtig für Kinder ab 8 Jahren, denke ich. Aber auch ich lese gerne mal ein Buch so im Nullkommanix weg.

Den Look des Buchs finde ich einfach nur genial. Ich mag solche grellen Farben zusammen mit Schwarz einfach unheimlich gerne. Das ist ein Hingucker. Und es passt zu der düster-schillernden Familie Rottentodd wie die Faust aufs Auge. Im Buch findet man viele schöne Illustrationen, die einem zusätzlich ein Bild von der Familie und den Ereignissen vermitteln.

Fazit: Ich werde an dieser Reihe dran bleiben! Die liebenswert schaurige Familie Rottentodd hat mir sehr gut gefallen. Das erste Abenteuer ist lustig, ein wenig spannend und dezent gruselig. Kinder, die beispielsweise auch “Der kleine Vampir” kennen und mögen, werden ihre Freude an dem Buch haben. Es las sich weg wie nichts. Solche unterhaltsamen Büchersnacks mag ich zwischendurch sehr gerne. Außerdem kommen die Folgebände farblich ebenso schön grell daher. Nebeneinander im Regal sieht das sicher klasse aus.


Titel:  Die Rottentodds (01) – Onkel Deprius dunkles Erbe
Autor: Harald Tonollo
Seiten:  129
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 978-3815796870
Preis:  € 9,95 (HC)

Rebella – New York Love Story (Kathrin Lankers)

Niki ist am Boden zerstört, als ihre große Liebe Simon Schluss macht und mit seiner Band nach New York verschwindet. Wie kann sie Simon bloß zurückgewinnen? Kurz entschlossen nimmt die 16-Jährige einen Job als Au-pair in New York an. Aber der Trip in die Traummetropole entwickelt sich schnell zum Albtraum: Die Zwillinge Gwyn und Gwen sind verzogen, die Gastmutter behandelt Niki wie ein Dienstmädchen und Simon ist unauffindbar. Dann taucht auch noch der süße David auf, und Niki weiß überhaupt nicht mehr, wo ihr der Kopf steht!

Da ich das Rebella-Merchandising teilweise ganz cool finde, war ich auf die Bücher neugierig. Da kam dieses Buch ganz gelegen. Als erstes musste ich erkennen, was eingefleischte Fans natürlich schon wissen: es geht in den Büchern nicht um ein “Rebella” genanntes Mädchen. Dieser Markenname steht vielmehr quasi Pate.
In dieser Geschichte geht es um die 16jährige Niki. Frisch gebackener und tottrauriger Single, nachdem Freund Simon mit ihr Schluss gemacht hat um mit seiner Band in den USA Karriere zu machen. Für Niki steht fest: sie muss nach New York um ihn zurück zu erobern. Ein Job als Au-pair ist die Rettung und ab geht es nach Manhattan.
Klingt nach einer typischen Lovestory für Teenies? Ist es auch! Natürlich taucht noch ein gutaussehender Typ auf -hier David- und schon steckt Niki im schönsten Gefühlschaos.
Als Leser ahnt man bereits sehr zeitig wie die Story enden wird. Wenigstens gibt es bis dahin noch einige Verwicklungen, so dass diese Vorhersehbarkeit für mich nicht zu sehr ins Gewicht fiel. Das ist halt so auch recht typisch für diese Art Geschichten. Niki erzählt zudem ganz witzig. Sogar noch, wenn sie von ihren Problemen als Au-pair berichtet. Das hat mir gefallen: dass deutlich wird, dass Au-pair mitunter kein Zuckerschlecken ist. Ich denke, diesen “Job” sehen viele Jugendliche durch eine ziemlich rosa Brille. Da kann so eine kleine “Warnung” nicht schaden.
Überhaupt wird sehr anschaulich erzählt. Auch wenn New York. So kann man sich Nikis Erlebnisse gut vorstellen und ein wenig von der großen Stadt träumen.
Zwei Punkte haben mich an der Geschichte allerdings doch gestört. Einmal David selber. Rückblickend hat er mir als arroganter, reicher Schnösel besser gefallen als später, als er sich als Gutmensch entpuppt. Das  war mir dann doch eine Kelle zuviel Klischee. Da war er als Fatzke glaubhafter. Und Niki hatte sich ja auch bereits da schon für ihn interessiert.
Zweitens hätte ich gerne noch ein paar Fragen geklärt gehabt. Was ist mit Davids Vater? Wird er ihn in Berlin suchen und finden? Wer ist er überhaupt genau? Was hat Madelaines Sinneswandel bewirkt, und wie wird es für Niki und DAvid weitergehen? All diese unbeantwortten Fragen schreien eigentlich förmlich nach einer Fortsetzung 😉

Dank Nikis jugendlich lockerer Erzählweise liest sich das Buch flugs weg. Die jugendlichen Leser werden sich mit der Sprache hier sicher leicht anfreunden können. Die Kapitel haben eine gute Länge, so dass man sich die Geschichte auch einteilen kann.

Vom Cover bin ich restlos begeistert. So schön bunt! Wenn man das Buch im Licht bewegt, dann sieht es so aus als würden die Sterne  und die Lichter auf der Freiheitsstatue wirklich funkeln. Toll und ein echter Hingucker.

Fazit: Eine nette Teenie-Lovestory vor New Yorker Kulisse. Leider ziemlich vorhersehbar und daher nur wenig spannend, aber zumindest unterhaltsam und witzig erzählt. Für mich war es ein schöner Happen Romantik für zwischendurch. Jugendliche Fans solcher Romane machen hier nichts falsch.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms.


Titel: Rebella – New York Love Story
Autor: Katrin Lankers
Seiten: 269
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 978-3649610267
Preis: 12,95  (HC)

Rezension – Bodyfinder 02 – Ruf der verlorenen Seelen (Kimberly Derting)

Als Violet die Leiche eines ermordeten Jungen entdeckt, zieht sie unweigerlich die Aufmerksamkeit des FBI auf sich. Nur widerstrebend bietet sie ihre Unterstützung bei den Ermittlungen an. Sie weiß, dass sie mit äußerster Vorsicht vorgehen muss, um ihre Gabe, die Aura der Toten wahrzunehmen, geheim zu halten. Doch schon bald geht es um sehr viel mehr: Ihre Beziehung zu Jay ist in Gefahr … und ihr Leben.

Regulär hätte Teil 2 dieser Serie nach Band 1 keine Chance mehr bei mir gehabt. So enttäuscht wie ich war. Allerdings bin ich erst durch Band 2 überhaupt auf “Bodyfinder” aufmerksam geworden und somit habe ich ihn natürlich doch gelesen. Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn in meinen Augen ist er kein Vergleich mit seinem Vorgänger.
Violet empfängt auf einem Hafengelände plötzlich ein Echo aus Harfenklängen, das zu einem ermordeten Jungen gehört. Da sie nicht zu ihm in den Container gelangen kann, meldet sie den Fund anonym von einem öffentlichen Telefon. Dennoch gelingt es dem FBI, eine Verbindung zu ihr herzustellen.
Darüber war ich ausgesprochen froh, denn mit diesem Leichenfund ist hier ein richtiger Fall gegeben, der aufgeklärt werden muss. Zudem scheint es endlich nahe daran zu sein, dass das FBI hinter Violets Geheimnis kommt. Mit Sara und Rafe kommen zwei FBIler ins Spiel, die selber ebenfalls ziemlich mysteriös wirken und mehr zu wissen scheinen als sie zugeben.  Deshalb hat es mich auch erstaunt, dass Violet sich auch weiterhin sträubt ihr Talent wenigstens diesen beiden Personen preiszugeben. Das werde ich nie verstehen! Als Leser spürt man schließlich, dass von Sara und Rafe keine Bedrohung ausgeht. Spürt Violet das denn nicht? Und wenn ich ganz egoistisch und nur als Leser sprechen darf: Violet mit ihrer Fähigkeit als “freie Mitarbeiterin” beim FBI…was das an Potenzial für richtig gute Thriller birgt!
Aber gut, der erste Schritt in die Richtung ist in diesem Band getan, also gebe ich die Hoffnung noch nicht auf. Ich würde in Band 3 sehr gerne wieder von Sara und Rafe lesen. Die beiden Charaktere haben mir prima gefallen. Außerdem habe ich einen kleinen Verdacht ihnen gegenüber und bin neugierig, ob ich Recht damit habe.
Der ermordete Junge ist hier jedoch nicht Violets einziges Problem, denn plötzlich steht auch ihr eigenes Leben auf dem Spiel. Sie erhält Drohungen und weiß bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann.
Somit ist die Geschichte gleich in mehrerlei Hinsicht spannend: Violets Kontakt zum FBI und der Plot um diese Bedrohung gegen sie selber. Bei Letzterem hegt man schon früh und lange einen Verdacht, doch immer wieder geschieht etwas, das einen zweifeln lässt, aber eben nie genug. So bleibt man neugierig.
Wieso Violet sich allerdings noch nicht mal Jay anvertraut, ist mir ein Rätsel gewesen. Immerhin ist er ihr bester Freund und der Junge, den sie über alles liebt. Was umgekehrt genauso gilt. Da habe ich doch ab und zu den Kopf geschüttelt, wenn Violet sich ihm gegenüber zickig und geheimniskrämerisch benimmt.
Zumindest aber drängt die Lovestory nicht die Haupthandlung in den Hintergrund wie es in Band 1 der Fall war. Violets und Jays Liebe ist zwar immer noch Thema, aber dezenter, romantischer. Nicht mehr so allumfassend teenagermäßig als gäbe es sonst nichts Wichtiges.

Beim Aufschlagen des Buches fiel mir als erstes auf, dass der Text kleiner geschrieben ist als bei Band 1. Dadurch kam dieses Gefühl, ein Kinderbuch vor sich zu haben, gar nicht erst auf. Vom Schreibstil bleibt es allerdings so jugendlich locker wie man es vom ersten Band her kennt, so dass sich das Buch genauso flott liest.

Alleine vom Look her hätte ich niemals vermutet, dass es sich bei “Ruf der verlorenen Seelen” um den zweiten Teil von “Bodyfinder” handelt. Vermutlich habe ich es deshalb anfangs als eigenständiges Buch eingeschätzt, denn das Cover von “Bodyfinder” hatte ich schon einige Male gesehen. Ich mag das düstere Motiv von Band 2 immer noch sehr und auch lieber als das von Band 1. Ein Element, aus dem man schließen kann, dass es sich um eine Reihe handelt, hätte es aber gerne geben dürfen.

Fazit:  Ich habe es kaum für möglich gehalten, dass die beiden Geschichten von Band 1 und 2 von der gleichen Autorin stammen. Die Verbesserung bei “Ruf der verlorenen Seelen” ist -im Verhältnis gesehen- geradezu unglaublich. Die Story ist griffiger und Kimberly Derting hat hier ein gutes Maß zwischen Jugendthriller und Lovestory gefunden, bei dem Ersteres erfreulicherweise überwiegt. Wenn Violet nun noch ihre gelegentlich kindische Art ablegen und sich dem FBI anvertrauen würde, wäre ich vollkommen zufrieden. Vielleicht in Band 3?

Vielen Dank an den Coppenrath Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Bodyfinder 02  – Ruf der verlorenen Seelen
Autor: Kimberly Derting
Seiten: 352
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 978-3649601494
Preis: 16,95 (HC)

Rezension – Bodyfinder – Das Echo der Toten (Kimberly Derting)

Die 16-jährige Violet kann tote Menschen anhand von Echos aufzuspüren, die diese im Diesseits zurücklassen. Violet hört, riecht und fühlt diese Echos. Für sie ist diese Gabe weniger ein Geschenk als ein beunruhigendes Ärgernis. Als dann jedoch ein Serienkiller die kleine Stadt heimsucht, in der sie mit ihrer Familie lebt, und dem Killer immer mehr Mädchen zum Opfer fallen, wird Violet bewusst, dass sie die Einzige ist, die ihn aufhalten kann. Mithilfe ihres besten Freundes Jay nimmt sie seine Spur auf. Doch dann verlieren sich Violet und Jay in den zwischen ihnen aufkeimenden romantischen Gefühlen und sie merken nicht, wie nahe sie dem Mörder bereits gekommen sind … bis Violet selbst zu seiner Beute wird.

Auf diese Reihe wurde ich durch Band 2 aufmerksam, der interessant klang. Natürlich habe ich mir aber erst diesen ersten Band vrgenommen.
Was ich ihm zugute halte, das ist die gute Grundidee. Ein Mädchen, das das Echo von Verstorbenen empfangen kann, die eines gewaltsamen Todes starben. Ich finde, das ist eine ordentliche Grundlage für einen Thriller mit mysteriösem Einschlag. Zum Zweiten gefällt es mir, dass es Richtung Krimi / Thriller geht, statt dass Kimberly Derting einen Romantasyroman darauf aufbaut. Das wäre wohl sicher ebenfalls möglich gewesen. So weit, so gut.
Leider konnte mich die Geschichte trotzdem nicht überzeugen oder fesseln. Denn das Potential der Idee wird für mich nicht ansatzweise ausgeschöpft. Mir nimmt beispielsweise die Lovestory zwischen Violet und Jay entschieden zu viel Raum ein. So etwas darf gerne nebenher laufen in einer Story für Jugendliche. Hier geht das allerdings so weit, dass ich mich oft gefragt habe, ob ich einen Thriller lese oder doch eine Liebesgeschichte für Teenager.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Tatsache, dass es der Geschichte an jeglicher Tiefe bzw Hintergrundwissen fehlt. Ich  brauche keine kapitellangen Erläuterungen zu Hintergründen, aber ein gewisses Fundamanent damit sollte es doch geben damit eine Geschichte griffig ist.
Warum zB macht sich Violet solch einen Kopf um die Geheimhaltung ihrer Gabe? Hat sie tatsächlich solch eine Angst quasi unter einem Mikrospkop zu landen? Bei einem Talent, dass speziell der Polizei sehr nützlich sein kann, würde ich damit nicht unbedingt rechnen. Wie sieht die Haltung ihrer Eltern zu Violets Fähigkeit aus? Auch das hätte gerne genauer beleuchtet werden dürfen. Mir wurde auch zu wenig auf die Beziehung zwischen Violet und den Opfern eingegangen. Die Opfer werden quasi hingestreut, aber mir kam es nie so vor als habe Violet irgendeine klare Verbindung zu ihnen. Dabei gehen sie in eine Schule! Vor allem hätte es mich interessiert, wieso der Mörder die Mädchen tötet. Ich hatte auf eine Verbindung an irgendeiner Stelle mit Violet oder einem der getöteten Mädchen, meinetwegen auch mit der Stadt, gehofft. Doch dazu wird gar nichts gesagt! Ein Mörder hat doch ein Motiv! Der kommt doch nicht einfach in eine Stadt und mordet grundlos drauflos!
Zuletzt sei noch erwähnt, dass ich mit Violet in einigen Belangen nicht klar kam bzw sie nicht verstanden habe. Die Morde nehmen sie beispielsweise immer sehr mit, um einen Punkt herauszugreifen. Sie weint viel, ihr wird übel, wenn sie sich näher damit befasst. Aber sobald gute Ablenkung da ist (Jay, der anstehende Abschlussball), ist das alles sofort vergessen. Blenden Teenager solche Vorkommnisse wirklich so flott aus? Erstaunlich. Aber dann muss man vorher auch nicht so einen Wirbel darum machen!

325 Seiten sind eigentlich nicht wenig, dennoch hätte ich das Buch bequem an einem Abend lesen können. Es ist sehr einfach geschrieben. Da merkt man deutlich, dass sich der Roman an jüngere Leser / Jugendliche richtet. Zudem ist die Schrift recht groß und das ist etwas, das mir persönlich quasi entgegenruft “Kinderbuch”! Ich habe nichts gegen Kinderbücher, bitte nicht falsch verstehen! Doch bei einem Jugendthriller -der “Bodyfinder” sein will- finde ich das unpassend. Viel steht also nicht auf den Seiten und durch den einfach Schreibstil liest sich das im Nullkommanichts weg.
Ausserdem umfasst die Geschichte 28 Kapitel und jedem geht eine leere Seite voraus. So kann man sich noch mal 28 Seiten wegdenken.

Das Cover ist augenfällig, wenn man es im Ladenregal sieht. Ich mag den Kontrast zwischen dem schwarzen Hintergrund und der kräftig gefärbten Blüte. Das gibt zwar nichts über den Inhalt preis, aber es wirkt krimi- / thrillermäßig finster.

Fazit:  Auch ein Thriller für Jugendliche sieht für mein Empfinden anders aus. Mich konnte “Bodyfinder” jedenfalls nicht fesseln und begeistern. Dafür fehlt es der Geschichte an Tiefe und der Entscheidung darüber, was sie eigentlich sein will. Ein Jugendthriller oder eine Teenie-Romanze, bei der ein paar mysteriöse Vorkommnisse nebenher plätschern. Und Violet habe ich auch oft nicht verstanden. Die Story ist einfach in keiner Hinsicht griffig. Mal sehen, was Band 2 auf Lager hat.


Titel: Bodyfinder – Das Echo der Toten
Autor: Kimberly Derting
Seiten: 343
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 978-3815798737
Preis: 16,95 (HC)

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