Cornelia Funke

Gespensterjäger – Das Hörspiel zum Film

Titel: Gespensterjäger – Das Hörspiel zum Film / Verlag: Jumbo Verlag / Spielzeit: ca. 114, 2 CDs / Sprecher: Anke Engelke, Milo Parker, Bastian Pastewka, Karoline Herfurth ua

gespensterjaegerInhalt: Der elfjährige Tom ist oft verträumt und fürchtet sich vor vielen Dingen. Am meisten fürchtet er sich vor dem dunklen, feuchten Keller im Haus – nicht ganz grundlos, denn genau dort begegnet er eines Tages einem giftgrünen, schleimigen Gespenst namens Hugo. Hugo ist ein MUG – ein Mittelmäßig Unheimliches Gespenst – und hat ein ernsthaftes Problem: Ein sehr gefährliches Urzeitliches Eisgespenst (UEG) hat ihn aus seiner alten Villa verjagt und treibt dort sein Unwesen. Gemeinsam mit der Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft versucht Tom dem schleimigen Hugo zu helfen.


Als ich zum ersten Mal von der filmischen Umsetzung von Cornelia Funkes Geschichte hörte bzw die ersten Bilder davon sah, habe ich das Thema direkt für mich abgehakt. Ein glibberiger Geist und Schauspieler wie Anke Engelke, besten Dank auch!
Nun habe ich mir das Hörspiel zum Film aber doch angehört und ganz bestimmt war das die richtige Entscheidung. Denn so musste ich weder den Geist, noch gewisse Schauspieler sehen. Anhören lässt sich die Gechichte aber ganz gut, das muss ich zugeben. Mit Tom hatte ich schnell Mitleid. Er ist mit seiner Familie wirklich geschlagen. Nur weil er ruhiger ist und sich häufiger mal vor etwas fürchtet, gilt er als seltsam und sogar als Freak. Dabei ist er eigentlich total mutig, wie man es über die Geschichte hinweg erlebt. Ich habe ihn oft richtig bewundert!
Gemeinsam mit der frisch entlassenen Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft versucht er, einen bösen Geist zu verjagen, der die Stadt nach und nach mitten im Sommer in die Eiszeit zurückversetzt. Und der den glibberigen Geist Hugo aus desen Villa verjagt hat. Das Unternehmen ist ganz witzig, zumal Tom und Hedwig anfangs alles andere als gute Freunde sind. Von Hedwigs Meinung zu Hugo ganz zu schweigen! Da gibt es einige witzige Dialoge, bei denen ich grinsen musste.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls. Schließlich möchte man ja wissen, ob es gelingen wird, das UEG (Urzeitliches Eisgespenst) zu verbannen. Hedwig und Tom stellen sich einige Schweirigkeiten in den Weg, die sie meistern müssen. Und am Ende wird es dann wirklich so richtig eng für die Gespensterjäger und vor allem für Hugo.
Und zuletzt ist “Gespensterjäger” noch eine schöne Geschichte um das Thema Freundschaft. Tom und Hugo sind einfach goldig zusammen. Und der verkorksten Hedwig zeigen sie nach und nach immer deutlicher, was Freundschaft bedeutet und wie wichtig sie sein kann.

Anfangs habe ich das Hörspiel als extrem erzählerlastig empfunden. Das ist zwar nicht weiter erstaunlich, immerhin muss jemand erzählen und beschreiben, was man im Kino sonst sieht, aber es fällt zu Beginn wirklich deutlich auf. Ich höre Robert Missler aber gerne, deshalb fiel mir das Zuhören nicht obendrein auch noch schwer. Milo Parker gibt einen pfiffigen und liebenswerten Tom. Und Anke Engelke mimt die resolute und verschrobene Geisterjägerin ebenfalls ganz prima.
Als Hugo ist Bastian Pastewka zu hören und es gelingt ihm spielend dafür zu sorgen, dass man Hugo mag. Ich würde nur ehrlich gerne wissen, wieso Gespenster neuerdings alle so nasal sprechen müssen. Der neue Hui Buh klingt so und Hugo auch. Warum? Was ist das Besondere an dieser Art zu sprechen? Was macht sie so typisch für Gespenster?

Der Musik hört man an, dass sie aus dem Film stammt. Die Stücke sind aufwendig, komplex und klingen einfach durch und durch nach Film. Das gleiche gilt für die Geräusche. Es wäre aber auch ungünstig, wenn man das Hörspiel anders untermalt hätte. So stimmt das Gesamtbild.

Das Cover zeigt Tom und Hedwig Kümmelsack zusammen mit Hugo im Auto. Tom gefällt mir, bei Hugo und Hedwig weiß ich, dass es besser war, die Geschichte zu hören als den Film anzusehen. Wer Anke Engelkes Grimassen witzig und Hugo niedlich findet, wird das sicher anders sehen.

Fazit:  Als Hörspiel hat mir die Geschichte prima gefallen. Sie ist spannend, rasant und witzig und schickt einige schräge Figuren ins Rennen. Rein vom Hören her mag ich Hugo und sein Abenteuer wirklich gerne. Als Film muss ich sie nachwievor nicht haben.

Tintenherz – Das Hörspiel

Titel: Tintenherz / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 160 min / Buch: Cornelia Funke / Sprecher: Rainer Strecker, Peter Weis, Robin Brosch, Peter Kaempfe, Leonie Landa, Lars Rudolph ua

tintenherzInhalt: Warum liest Meggies Vater Mo ihr niemals vor? Und wohin ist ihre Mutter wirklich verschwunden? Erst als Meggie von Bösewicht Capricorn ge fangen genommen wird, erfährt sie die Wahrheit: Mo kann die Figuren aus den Büchern herauslesen , während reale Menschen darin verschwinden so auch Meggies Mutter.


Das Buch fand ich damals ganz schön langweilig und auch als Hörbuch habe ich mich durch die Geschichte gequält. Den Film fand ich so lala. Mit dem Hörspiel jetzt war ich also auf der Suche nach der ersten Version dieser Geschichte, die ich bis zum Schluss durchhalten und die mich im Idealfall noch gut unterhalten würde.
Was soll ich sagen? Ich habe sie mit dem Hörspiel gefunden und freue mich wirklich sehr darüber. An der Geschichte ändert sich auch in der Hörspielfassung natürlich nichts. Und auch wenn ich skeptisch war, ob man ein Hörbuch mit 16 CDs  auf 2 CDs runterkürzen kann ohne dass etwas verloren geht, ist es genau diese Raffung, die für mich den größten Pluspunkt ausmacht. Denn Langeweile hat hier keine Chance. Man steigt zügig in die Handlung ein und Zeit zum Durchatmen bleibt danach nicht mehr. Es ist immer etwas los und zum ersten Mal habe ich diese Geschichte wirklich als spannend und teilweise sogar als leicht gruselig empfunden. Die Idee, dass jemand Figuren aus Büchern herauslesen kann, fand ich schon immer gut. Aber erst bei dem Hörspiel konnte ich mir davon wirklich ein Bild machen, das mir dieses phantastischen Geschehen vor Augen zauberte. Und mit den Charakteren ging es mir ganz ähnlich. Bei Buch und Hörbuch wirkten sie alle irgendwie staubig auf mich, Meggie zB hatte kaum etwas Lebendiges an sich, wie man es von einem Mädchen ihres Alters erwartet. Als ich nun aber Meggie, Mo, Staubfinger, Capricorn usw mit eigenen Stimmen hörte, konnte ich sie mir problemlos vorstellen, und endlich wirkten Capricorn und Co. wirklich bedrohlich und furchteinflößend auf mich.
Und nein, trotz der Kürze ich hatte nicht den Eindruck, dass dem Hörspiel etwas Wesentliches fehlt. Alle Informationen, die man braucht um die Handlung zu verstehen sind vorhanden. Und alle wichtigen Ereignisse und Schauplätze der Geschichte finden sich auch hier.

Der Dank dafür gilt selbstverständlich den Sprechern. Leonie Landa erweckt Meggie mit ihrer klaren und hellen Stimme zum Leben und klingt dabei jugendlich munter, mitunter aber auch sehr energisch. So hätte ich mir Meggie bereits beim Buch und Hörbuch gerne vorgestellt. Robin Brosch alias Mo hat mir ebenfalls gefallen. Seine warme Stimme mit dem teilweise geheimnisvollem Unterton passt gut zu Mo. Und Rainer Strecker ist es spielend gelungen, dass Staubfinger für mich schnell zu einer meiner Lieblingsfiguren wurde. Die markante Stimme, die er für ihn auf Lager hat, hebt das Ungewöhnliche dieser Figur gut hervor.  Und Peter Kaempfe gibt einen herrlich fiesen Capricorn.

Ein schöner und abwechslungsreicher Soundtrack rundet den sehr guten Eindruck dieses Hörspiels schließlich ab. Je nach Szene sind mal eher düstere und bedrohliche Melodien zu hören, dann wieder klingt es phantastisch und munter aus den Lautsprechern. So kommt schnell eine und dichte Atmosphäre auf, die sich durch die gesamte Geschichte zieht. Die Geräusche sind ebenfalls vom Feinsten und unüberhörbar sorgfältig ausgewählt und eingesetzt worden.

Die Hülle mit den beiden CDs zieht in einem schicken Schuber ins Regal ein. Der typische Look der Reihe ist dabei natürlich erhalten geblieben. Im Booklet trifft man die meisten Sprecher mit Foto an. Da habe ich sehr gerne durchgeschaut.

Fazit:  Was lange währt, wird endlich gut! Das trifft auf “Tintenherz” und mich auf ganzer Linie zu. Endlich eine Version, in der auch ich die Geschichte als  phantastisch und spannend empfunden habe. In meinen Augen hat die Kürzung der Story nur gut getan. So gewinnt die Erzählung an Tempo, was einen automatisch mitreißt und bei Laune hält. Die Figuren wirken dank der tollen Sprecher wunderbar lebendig und ein ausgefeilter Soundtrack sorgt für die nötige Atmosphäre. Warum nicht gleich so? 😉

Reckless – Lebendige Schatten (Cornelia Funke / Rainer Strecker)

Titel: Reckless – Lebendige Schatten / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 605 min / Buch: Cornelia Funke / gelesen von: Rainer Strecker

Inhalt: Das dunkle Märchen geht weiter. Jacob Reckless düstere Abenteuer gehen weiter. Seinen Bruder Will hat er retten können, doch der Preis war hoch. Wird sich die Motte auf seiner Brust, Zeichen des Feenfluchs, lösen und zu ihrer Herrin fliegen, ist Jacob dem Tode geweiht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und ein Wettkampf mit dem Goyl Nerron um den einen Schatz. Er kann die Welt auf der anderen Seite des Spiegels ins Verderben stürzen und ist doch Jacobs einzige Rettung. Gemeinsam mit dem Mädchen Fuchs kämpft Jacob nicht nur um sein Leben.


Weiter geht es mit Jacob Reckless’ Abenteuern in Cornelia Funkes Märchenwelt! Teil 1 ist zwar bereits eine Weile her und ich fürchtete bereits, mich nicht wieder einfinden zu können, doch die Sorge stellte sich bald als unnötig heraus. Es ging recht schnell und ich war wieder mitten in der Geschichte, die das Niveau des ersten Teils scheinbar spielend hält. Erneut ist man -kaum in der Geschichte angekommen- von Märchengestalten und Andeutungen auf Märchen umgeben. Mich hat das wieder sehr beeindruckt. An phantasievollen Ideen mangelt es Cornelia Funke ganz offensichtlich nicht und es ist immer wieder schön, wenn sie einen in einer solchen Geschichte daran teilhaben lässt. Das lädt zum Träumen ein und es fällt leicht, sich das Geschehen und die Figuren vorzustellen. Da Jacobs Zeit zusehends knapp wird, habe ich diesen zweiten Teil als eine Spur spannender empfunden als den Erstling. Immer wieder hat man Gelegenheit, mit Jacob und seinen Freunden zu bangen, zu hoffen und mit ihnen mitzufiebern. So ist “Lebendige Schatten” durchgängig spannend und gibt Längen bzw Langeweile keine Chance. Die Charaktere sind seit Teil 1 alle ein paar Jahre älter geworden. Das hat ganz wensentlich dazu beigetragen, dass ich mit ihnen in diesem zweiten Teil besser klar gekommen bin. Diese gewisse Reife, die sie erlangt haben, verleiht der Geschichte auch noch einen guten Schuss Ernsthaftigkeit. Ich würde aber auch sagen, dass “Lebendige Schatten” uA deswegen kein Kinderbuch ist. Märchenelemente hin oder her. Es erfordert schon ein gewisses Alter, die Entscheidungen und das Verhalten der Charaktere nachvollziehen und verstehen zu können. Zudem geht Cornelia Funke mit ihren Figuren alles andere als zimperlich um, und auch die Fülle der Namen will erfasst werden.

Es ist beeindruckend, Rainer Strecker zuzuhören. In der Geschichte stecken wirklich zahlreiche Figuren, und für jede hält er eine markante Stimme bereit, die es einem leicht macht, sich im Geschehen zu orientieren. Außerdem greift er spielend die Atmosphäre der jeweiligen Szenen auf und reicht sie an den Hörer weiter. Genau wie beim ersten Teil hatte ich auch hier wieder ganz das Gefühl, dass er richtig in die Geschichte abtaucht und den Hörer dorthin mitnimmt.

Es wurde daran festgehalten, auch “Lebendige Schatten” musikalisch zu begleiten. Mir gefällt das für diese phantasievolle Geschichte wirklich sehr gut. Auch wenn die Stücke dem Geschehen entsprechend meistenteils eher düster und auch ein wenig traurig ausfallen. Es ist aber nun mal einfach so: mit der entsprechenden Untermalung wirkt das Gehörte gleich noch mal intensiver. Das gilt somit auch für diesen zweiten Teil der “Reckless”-Trilogie.

Die sechs CDs ziehen in einer sehr schön gestalteten Box ins Regal, die vor allem neben ihrem Vorgänger ausgesprochen elegant wirkt. Erfreulicherweise sind auch die CD-Hüllen und die CDs selber passig gestaltet. Außerdem liegt ein umfangreiches Booklet bei. Auf der einen Seite findet man ein nützliches Glossar der Figuren, sowie Informationen über Cornelia Funke und Rainer Strecker. Faltet man das Booklet auf, so hält man eine Karte der Spiegelwelt in den Händen. Eine schöne Idee!

Fazit: Ein würdiger zweiter Teil der “Reckless”-Reihe, der mich mit phantasievollen Ideen und Figuren unterhalten hat, und der von Anfang bis Ende sehr spannend ist. Da hören sich die sechs CDs weg wie nichts. Wer Teil 1 mochte, der wird auch an diesem Teil seine Freude haben!

Geisterritter (Hörspiel)

Titel: Geisterritter / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 135 min / 2 CDs / Sprecher: Martin Baltscheit, Leon Alexander Rathje, Carla Sachse, Rainer Strecker, Christine Pappert ua

Inhalt: Geister, Ritter, Abenteuer! Fesselnde Freundschafts- und Internatsgeschichte. Jon Whitcroft ist in ein gruseliges englisches Internat gesteckt worden. Schon in der sechsten Nacht starren drei Geister in sein Fenster. Doch zum Glück findet er jemanden, der sich mit sowas auskennt!


Ich kenne nicht viele Bücher, die es neben dem Hörbuchformat zusätzlich auch noch ins Hörspielformat geschafft haben. Eines davon sind jedenfalls Cornelia Funkes “Geisterritter”. Meine Meinung über die Geschichte kann man sich hier durchlesen. Darauf möchte ich deshalb hier nicht erneut eingehen. Inhaltlich ist es schließlich identisch. Vorweg: mir hat das Hörspiel noch besser gefallen als das Hörbuch.
Ich möchte hier jetzt ein wenig darüber erzählen, wieso das so ist. Und die “Geisterritter” sind dafür in jeder Hinsicht absolut geeignet. Generell ist zu sagen, dass das Hörspiel einfach dynamischer wirkt. Zwar ist die Handlung nicht langweilig, es geschieht wirklich eine ganze Menge und man hat es auch mit einer Reihe lebender (und toter) Charaktere zu tun, aber es fällt eindeutig leichter, sie sich zu merken. Da ist nicht dieses “von dem habe ich doch zB auf der letzte CD gehört”, sondern man hat eine eindeutige Stimme im Ohr und weiß sofort, wer da gerade in Aktion ist. Und diese Stimmen, die Art wie der Sprecher seinem Charakter Profil verleiht, gibt einem nach und nach auch einen klaren Eindruck vom Wesen der Person mit an die Hand. Ob Rainer Strecker Ella frech und zickig spricht, oder ob da eine junge Sprecherin draufloszickt…das macht bei mir was die Vorstellung von Ella angeht einen ganz klaren Unterschied. Und natürlich gilt dies auch für die übrigen Charaktere, Ella war jetzt nur das auffälligste Beispiel. Weiterhin kann ich mir gut vorstellen, dass durch diese Dynamik, diese Vielseitigkeit das Hörspiel auch eher etwas für junge Hörer ist als das Hörbuch. 5 CDs einem Sprecher zuzuhören, das fällt mir als altersmäßig 😉 nicht mehr Kind schon recht schwer, wie mag es damit einem Kind oder auch Teenager gehen? Das fällt leichter, wenn da auch “im Ohr” mehr los ist als wenn dort nur eine Stimme am Werke ist. Natürlich muss man klar sagen, was als Hörbuch auf 5 CDs passt, das wurde für das Hörspiel auf 2 CDs gestaucht. Und ja, da fehlt einiges. Meistenteils aber an beschreibenden Passagen, denn die braucht man im Hörspiel nicht unbedingt. Jedenfalls nicht in dieser Fülle. Es sei denn, man will sämtliche Dynamik direkt wieder untergraben. Inhaltlich hat es mir aber auch auf 2 CDs an nichts gefehlt. Die Handlung ist auch so spannend, interessant, gruselig, hier und da auch lustig UND vor allem schlüssig!

Der arme Rainer Strecker! Wie vielen Charakteren musste er beim Hörbuch Stimmen verleihen? Die Sprecher des Hörspiels durften sich diese Mammutaufgabe teilen. Die Freunde Jon und Ella werden von Leon Alexander Rathje und Carla Sachse gesprochen, und ich mochte die beiden auf Anhieb. Beide klingen wunderbar locker. Mir hat Carla Sachses frecher und vorwitziger Unterton sehr gut gefallen. Und bei Leon Alexander Rathje mochte ich es, wie leicht es ihm fällt Jon noch in einem Moment mutig, selbstbewusst, ja fast erwachsen wirken zu lassen, und im nächsten Moment wieder den zehnjährigen Bengel herauszukehren, der wirklich noch nicht erwachsen ist. Rainer Strecker ist aber auch im Hörspiel mit von der Partie, nämlich als William Longspee, dem hilfreichen und kämpferischen Ritter. Ein schönes Augenzwinkern Richtung Hörbuch, ihn auch hier mitwirken zu lassen.

Ob mir ein Erzähler beschreibt, wie unheimlich, donnernd und beängstigend eine Geisterstimme ist, oder ob eine Sprecherstimme mit Hall auf unheimlich getrimmt wurde, das macht schon einen Unterschied. Dieser Effekt hat ausserdem zur Folge, dass die Geisterszenen im Hörspiel noch mal eine ganze Spur unheimlicher klingen. Schon sehr gruselig für eine Geschichte für junge Hörer. Musikalisch wird ebenfalls eine ganze Menge geboten. Finstere und unheimliche Stücke im Hintergrund, zu Schreckmomenten auch mal lautere Klänge…ich möchte das im Falle der “Geisterritter” schon ziemlich filmreif nennen.

Die Hülle mit den zwei CDs steckt in einem schönen und stabilen Schuber. Nicht selbstverständlich für ein Hörspiel, aber eine schöne Sache, die das Hörspiel auch äußerlich zu etwas Besonderem macht. Allerdings fehlen mir die schönen Motive auf den Papphüllen der Hörbuch-CDs. Sicher, das Covermotiv des Hörspiels ist ebenfalls sehr schön, aber ein etwas umfangreicheres Booklet wäre schon toll gewesen. Mit den so sagenhaft schönen Bilder von den Papphüllen…

Fazit: Mir haben die “Geisterritter” als Hörspiel noch besser gefallen als in der Hörbuchversion. Die Geschichte ist so noch spannender und vor allem auch noch eine ganze Spur gruseliger. Und es fällt leichter ihr über längere Zeit hinweg zu lauschen, da sie durch die verschiedenen Sprecher, mehr Musik und Effekte dynamischer wirkt.

Geisterritter (Cornelia Funke / Rainer Strecker)

Titel: Geisterritter / Verlag: Oetinger Audio / Spielzeit: ca. 325 min / Buch: Cornelia Funke / gelesen von: Rainer Strecker

Inhalt: Seitdem Jon im Internat in Salisbury ist, erscheinen ihm nachts furchterregende Geister. Nur seine Mitschülerin Ella glaubt ihm. Als die beiden entdecken, dass Jon von Lord Stourton heimgesucht wird, der vor fast 500 Jahren gehängt wurde, holen sie sich den Beistand des Ritters Longspee, der in der Kathedrale begraben liegt. Denn Stourton scheint auch heute noch sein grausames Unwesen zu treiben. Als Dank sollen die beiden Longspees Herz finden. Da verschwindet plötzlich Ella


Ich gehöre zu den wenigen Lesern, die mit Cornelia Funkes “Tinten”-Trilogie gar nichts anfangen kann. Da ist es nicht erstaunlich, dass ich mich lange nicht an ihre “Geisterritter” gewagt habe. Doch irgendwie lies mich der Titel doch nicht in Ruhe. Jetzt bin ich froh, dass ich die “Geisterritter” gehört habe, dann mit der “Tinten”-Trilogie hat die Geschichte gar nichts gemeinsam. Stattdessen kann man ihr im gewissen Maße -ein 11jährige Junge in einem spukigen Internat- eine Ähnlichkeit mit “Harry Potter” nicht absprechen. Trotzdem unterscheidet sie sich sonst grundlegend davon, denn Jon kann nicht zaubern, er ist ein ganz normaler Junge, der nur eines Tages die Geisterritter sieht und damit in ein märchenhaftes Abenteuer schlittert. Geister, ungewöhnliche Kröten, Charaktere, die nicht die sind, die sie zunächst zu sein scheinen, Cornelia Funke hat hier in Sachen Phantasie aus dem Vollen geschöpft und diese Elemente in einer schönen und spannenden Geschichte für junge Hörer verarbeitet. Besonders gefallen hat es mir, dass es bei den “Geisterrittern” auch gut gruselig zugeht, so wie es sich für Geister nun mal auch gehört. Da ist das eine oder andere Schaudern garantiert.

Rainer Strecker liest diese ungekürzte (!) Lesung und trifft den dafür nötigen geheimnisvollen und auch leicht unheimlichen Ton sehr gut. Ohne große stimmliche Verrenkungen verleiht er außerdem den Charakteren unverkennbare Stimmen, so dass man sich beim Hören gut zurechtfindet.

Am Ende der CDs und gelegentlich auch zwischen Szenen sind stimmungsvolle, düstere Musikstücke zu hören. Gespielt auf recht außergewöhnlichen und altmodisch anmutenden Instrumenten wie Dudelsäcken und Schlüsselfiedel  unterstreichen sie gekonnt die Atmosphäre der Geschichte.

Um dieses Hörbuch schließlich abzurunden, ist auch die Aufmachung ein echter Hingucker. Das Covermotiv mit den Lichtspielereien lädt zum längeren Betrachten ein. Und auch die Papphüllen, in denen die 5 CDs stecken sind mit wunderschön gezeichneten Motiven versehen, die Szenen aus der Geschichte zeigen.

Fazit:  Eine schöne, märchenhafte und spannende Geschichte mit gutem Grusel-Faktor, die mir ausgesprochen gut gefallen hat!

© 2019 Frontier Theme