Dampfnudelblues

Dampfnudelblues – Der Film – Eine Nachlese

Obwohl ich es schon abgeschrieben hatte, bin ich gestern nun doch in den Genuss gekommen, “Dampfnudelblues” im Kino anzuschauen.

Im Arthaus Filmtheater “Atelier am Bollwerk” in Stuttgart.

 

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Hier ein paar Eindrücke vom Film im Vergleich zu den Büchern.

 

Charaktere…

…haben mir insgesamt sehr gut gefallen.
Schön nahe an der Vorstellung, die ich mir beim Lesen von ihnen gemacht hatte. Lediglich ein paar Kleingkeiten stimmten mit meiner Vorstellung nicht überein. So hatte ich mir Eberhofer immer dunkelhaarig vorgestellt. Und dass Richter Moratschek in Polizeiuniform herumläuft, hätte ich auch nicht gedacht. Irgendwie hatte ich mir ihn dienstlich immer in einer Robe vorgestellt und privat zumindest sehr schick. Von Eberhofers Vater hatte ich bislang gar kein eindeutiges Bild im Kopf. Da werde ich das vom Film übernehmen, das passt prima! Die Oma ist ebenfalls gut getroffen, genauso wie Eberhofers Bruder und seine Frau Panida. Im Ganzen finde ich es gut, dass man bei den Schauspielern kein “Hollywood” betrieben hat. Soll heißen: keine aalglatten, wunders wie geleckten Darsteller, denen man das Geschehen, ihr Verhalten und das Leben in solch einem Dorf nicht abnimmt.
Auch vom Wesen und ihren speziellen Eingenarten sind die Schauspieler sehr nahe an den Figuren aus dem Buch. Vor allem Eberhofer fand ich ausgesprochen cool! Mit einem Hang zu rabiaten Problemlösungen, clever und mit ruhiger, aber wirkungsvoller Bissigkeit, wenn ihm jemand blöd kommt.
Gefehlt hat mir der Ludwig, denn den gibt’s im Film irgendwie gar nicht. Dabei gehört er für mich absolut zum Franz!

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Szenerie

…ist ebenfalls sehr gut getroffen. Es ist unübersehbar, dass Niederkaltenkirchen am Ar*** der Welt liegt. Es ist sehr idyllisch und ländlich. So habe ich es mir auch immer vorgestellt. Nicht im Detail, aber im Großen und Ganzen. Details habe ich jetzt durch den Film dazubekommen. Wie den Marktplatz, das Stadion und eben die Polizeistation. Die übernehme ich gerne.
Was Eberhofers Zuhause angeht, passt meine Vorstellung nur halb zum Film. Der große Bauernhof stimmt. Drinnen und draußen sieht es etwas verwegen und wild aus, aber das hatte ich mir auch so vorgestellt. Allerdings war Eberhofers “Saustall” in meiner Vorstellung deutlich kleiner. Andererseits, dass ein ehemaliger Schweinestall nicht nur 4 x 4 Meter misst, das hätte mir auch klar sein können.

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Der Kriminalfall

Ich schaue in meinen Rezensionen zu den Büchern immer darauf, wieviel Krimi auf wieviel spaßiges, privates Drumherum aus Eberhofers Leben kommt. Da steht der Krimi für mich oft mal dahinter zurück. Wie ich finde, haben sie beim Film ein sehr gutes Maß getroffen. Es gibt zwar immer Szenen, in denen es nicht um den Fall geht, sondern um Eberhofers Privatleben, seine Freunde, Susi, den Vater, die Oma und seinen Bruder samt Anhang, aber der Fokus kehrt anschließend immer auf dem Krimi zurück.
Bei den Büchern finde ich oft auch, dass Eberhofer nicht so richtig ermittelt, beim Film jetzt schon! Dadurch kommt Spannung auf. Eben wie es sich für einen Krimi gehört. Bei dem es halt auch oft etwas zum Lachen gibt.
Das gefällt mir auch deshalb, falls es wirklich Leute gibt, die die Bücher nicht kennen und vom Film eben einen “richtigen” Krimi erwarten. Die werden sich zwar mit einigen spezielle Eigenheiten abfinden müssen, aber sie haben keinen Grund um sich in ihrer Krimierwartung betrogen zu fühlen.

Fazit

Ich bin mit der Umsetzung sehr zufrieden! Der Film hebt den Krimi deutlicher hervor als das Buch. Trotzdem ist der typische Humor erhalten geblieben. Ich habe oft genauso lachen müssen wie beim Lesen der Bücher. Erfreulicherweise gab es wohl beim Dreh auch keinen Saubermann, der plötzlich die berühmte political correctness rauskehren wollte. Die Schauspieler sind prima ausgewählt und überzeugen in ihren Rollen. Ich hätte nichts dagegen, wenn auch die übrigen Bände so verfilmt würden. Vor allem sollten sie dann deutschlandweit in die Kinos kommen, denn so lokal wie “Dampfnudelblues” läuft, gucken Fans aus anderen Regionen bitter in die Röhre!

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Dampfnudelblues (Rita Falk / Christian Tramitz)

Titel:  Dampfnudelblues / Verlag: DAV / Spielzeit: ca. 319 / Sprecher: Christian Tramitz / nach einem Buch von: Rita Falk

InhaltKommissar Franz Eberhofer ist genervt. Wieso muss das Telefon ausgerechnet dann klingeln, wenn Oma ihre köstlichen Frühstückseier mit Speck aufgetischt hat? Doch Dienst ist Dienst und so muss sich der grummelige Kommissar wieder einem kniffligen Fall in seinem Heimatort Niederkaltenkirchen widmen. Diesmal ist der Rektor der örtlichen Schule von einem Zug erfasst worden. Eberhofer glaubt nicht an Selbstmord und bald schon stehen 38 Tatverdächtige auf seiner Liste.


Da ist er also, Kommissar Eberhofers zweiter Fall. So langsam wird Niederkaltenkirchen zum Sumpf des Verbrechen 😉 Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass der Fall um die Wandschmiererei und den Tod des Rektors eher eine beigeordnete Rolle spielt. Nichtsdestotrotz ist es aber durchaus ein krimitauglicher Fall, weshalb sich “Dampfnudelblues” ganz berechtigt “Krimi” nennen darf. Viel wichtiger ist das Drumherum um den Fall und natürlich um Kommissar Eberhofer. Der kauzige Kommissar mit einer unberechenbaren Vorliebe für Schusswaffen, ungewöhnliche Ermittlungsmethoden und einen nicht gerade salonfähigen Umgangston ist einfach von unglaublichem Unterhaltungswert. Gleiches gilt für seine Familie, den Gelegenheits-Kiffer Papa, die schwerhörige, sonderangebotsbesessene Oma, der verhasste Bruder samt Souvenir-Frau und frisch geschlüpftem “Sushi”-Baby…Eberhofer hat sich mit Vielem herumzuschlagen neben seinem Job. Da sind Chaos und abstruse Situationen vorprogrammiert. Man muss dem Herren Kommissar aber doch auch lassen: solch seltsame Wege er in seinem Job geht, er ist durchaus clever und gewitzt, was sich spätestens bei der Auflösung des Falles wieder beweist.

“Dampfnudelblues” ist mein erstes Hörbuch mit Christian Tramitz, was in erster Linie daran liegt, dass ich an sich kein Fan von ihm bin. Als Sprecher hat er mir hier aber sehr gut gefallen. Der bayerische Dialekt steht der Geschichte gut, denn Eberhofer und Co. sind nun mal Bayern. Und da Eberhofer in der Ich-Form erzählt, passt es umso besser. Dabei liest er so locker weg, dass man eher glaubt, er erzähle die Geschichte frei.

Im Covermotiv vereinen sich auch bei diesem Hörbuch wieder Elemente der bayerischen Gemütlichkeit mit einem Element der krimimäßigen Brutalität. Das wirkt zwar strange, aber ganz klar: es wirkt! Und der Schnuller…nun ja…da muss man das Hörbuch schon hören um zu verstehen, weshalb er mit auf dem Tisch liegt 😉

Fazit:  Auch Franz Eberhofers zweiter Fall hat mich wieder auf ganzer Linie überzeugt und bestens unterhalten. Was habe ich gelacht! Zwar verschwindet der Krimi oft hinter dem sonstigen, bizarren Geschehen in Eberhofers Leben, aber genau das ist es, was den Charme dieser Reihe ausmacht. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber als Fan möchte ich es gar nicht anders haben!

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