Death Comedy

Mein Leben als Tod (Der Tod)

lebentodDer Sensenmann berichtet knochentrocken von seinen unzähligen Versuchen, sein schlechtes Image wieder aufzupolieren. Er erzählt von seinen familiären Wurzeln, seiner ungewöhnlichen Karriere und vom harten Arbeitsalltag mit allen Höhen und Tiefen.
Auf diese Weise will er um Verständnis werben und den Menschen die Berührungsängste nehmen. Dokumentiert wird alles mit exklusiven Fotos und intimen Tagebucheinträgen.

Ich habe es irgendwie mit dem Tod. Sei es der von Ruthe, der von nichtlustig.de oder der Tod von der Scheibenwelt. Ich mag einfach den Tod als Figur. Umso lieber, wenn er humorvoll dargestellt wird.
Daher stand sehr schnell fest, dass ich dieses Buch lesen würde.Dennoch zog es erst spät bei mir ein, nämlich erst nachdem ich ein Ticket für die dazu gehörige Show gekauft hatte und antesten wollte, was da auf mich zukommen würde.
Die Idee finde ich schlichtweg genial. Der Sensenmann plaudert über seinen Job, seine Sorgen und sein Bemühen, sich und seine Arbeit in ein besseres Licht zu rücken. Dabei wirkt er so normal, dass es geradezu skurril wirkt. Aber genau das hat ihn mir auch so sympathisch gemacht. Ich mochte den Kuttenträger auf Anhieb und er tat mir manches Mal wirklich leid, wenn er wieder mal wegen seines Jobs verkannt wird.
Im Grunde ist bei ihm kaum etwas anders als bei anderen Halbwüchsigen, die notgedrungen in Vaters Fußstapfen treten müssen und versuchen, daraus das Beste zu machen. Selbst wenn es einer der unbeliebtesten Jobs überhaupt ist.
Und so erfährt man einiges über die “Ausbildung” des Tods, seinen Aufstieg zum Chef und vielen, vielen Alltagssituationen. Die sind so erfreulich nahe am ganz normalen Menschenleben, dass man sich gut in diese Situationen hineinversetzen kann. Und trotzdem sind sie hier natürlich etwas Besonderes, denn der Tod sieht sie eben doch noch einmal ganz anders. Manchmal jedenfalls.
Zwischendurch peppt der Tod seine Erzählungen mit ganz bestimmten Texten auf. So schildert er beispielsweise Interviews mit verschiedenen Magazinen, präsentiert seine Top-Ten der kreativsten Grabsteininschriften oder gewährt einen Einblick in seine Fan-Post. Das hat für mich das Lesen aufgelockert, was ich zwischendurch ganz gerne mal mag.
Allerdings gab es auch einen Wermutstropfen an diesem Buch: ich habe es nämlich als längst nicht so witzig empfunden, wie ich es erwartet hatte. Für mehr als ein Schmunzeln hat es nur zweimal gereicht. Aber an nur zwei Stellen ein Lacher, das ist nicht gerade ein Aushängeschild für ein Buch, das sich laut Cover zur Comedy zählt. Nun bin ich bei den aktuell so beliebten Comedians sowieso heikel und kann über die Wenigstens lachen, aber beim Tod hatte ich mir durchaus Chancen ausgerechnet. Er erzählt gewitzt und sprachlich gewandt mit einem feinen Blick und natürlich einer gehörigen Portion schwarzem Humor, aber der Witz-Funke wollte und wollte nicht so richtig überspringen. Womöglich, weil das “Leben” des Tods irgendwie so schrecklich normal rüberkommt?

Das Buch unterteilt sich in über 50 recht kurze Kapitel. Das lädt geradezu dazu ein, es häppchenweise zu lesen. Mal eins am Abend, am anderen mal drei oder sogar fünf, ganz nach Lust und Laune. Ich mag solche Bücher, weil ich da nicht jeden Abend noch eine Handlung aus dem FF auf der Reihe haben muss. Zwischendurch erhält man Einblick in das Tagebuch des Tods mit vielen Fotos, die ihn in verschiedenen Momenten zeigen. Die fand ich widerum sehr witzig!

So knallrot fällt das Buch im Regal des Buchladens sleicht auf. Mir gefällt vor allem der Tod mit seiner Sense auf dem Fahrrad. Das sieht lustig aus und man fragt sich sofort, wieso der Tod mit dem Rad unterwegs ist. Irgendwie hat man ja meist eine andere Vorstellung davon, wie der Tod herumkommt.

Fazit:  Leider fand ich “Mein Leben als Tod” nicht so witzig wie ich es mir erhofft hatte. Ich kann nicht mal genau sagen, wieso nicht. Vielleicht, weil das Leben des Tods oft kaum anders ist als das eines Menschen. Und nur weil der Tod sie erlebt, werden sie nicht automatisch zum Brüller. Aber schräg sind sie durchaus, von daher hatte das Buch für mich doch seinen Reiz. Außerdem mochte ich den Tod vom ersten Moment an wirklich gerne und er tat mir oft sehr leid, wenn man ihn und seine Pläne und Ideen für seinen Job mal wieder nicht für voll nimmt. Somit habe ich mit dem Buch auch ohne viel Gelächter ein paar unterhaltsame Abende verbracht.


Titel: Mein Leben als Tod
Autor: Der Tod
Seiten: 272
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596197897
Preis: 9,99 (TB)

[Veranstaltung] Der Tod – “Mein Leben als Tod” in der Werretalhalle Löhne

Vor einigen Wochen fuhr ich gemütlich durch Löhne und erspähte plötzlich ein Plakat, das irgendeine Veranstaltung mit dem Tod ankündigte.
“Mein Leben als Tod”? Konnte das sein? Falls ja, musste ich der Sache unbedingt nachgehen!

Gesagt, getan und siehe da: in der Werretalhalle in Löhne fand am 26.02.15 die Show “Der Tod – Mein Leben als Tod” statt.
Eine Show zum gleichnamigen Buch, das eigentlich schon geraume Zeit ein Plätzchen auf meinem Wunschzettel belegte.

Die Tickets waren bezahlbar und sogar noch verfügbar, also habe ich mir direkt eines gesichert.
Danach habe ich mir das Buch bestellt, schließlich will man ja vorbereitet sein 🙂

Über das Buch werde ich mich bald noch ausführlich in einer Rezi auslassen, aber kurz gesagt: eine tolle Idee, ein sympathischer Tod, aber ich hatte es mir lustiger vorgestellt.
Entsprechend gespannt war ich daher, wie lustig die Show sein würde.
Und würde der Tod signieren und sich auf ein Foto einlassen…?

Der Saal in der Werretalhalle war gemütlich eingerichtet mit Stuhlreihen und drei Reihen Sitzsäcke ganz vorne vor der relativ kleinen Bühne. Irgendwie stellt man sich bei dem Begriff “Show” ja etwas Größeres vor, aber so hatte es einfach etwas Uriges, was mir gut gefallen hat.

 

saecke

Während der Show waren Film- und Todaufnahmen leider verboten. Schade, aber daran sollte man sich halten.

todflagge

Das Bühnenbild 😉

Tja, wie hat mir die Show nun gefallen?
Überraschend gut!
Okay, das “Blühende Leben” als “Anheizer” hätte ich nicht gebraucht. Diese Gestalt, die aussah, wie vom Rosenmontag übrig geblieben. Aber immerhin hat die Idee ihren Reiz, dem Tod das “Blühende Leben” vorauszuschicken.

Als der Tod dann auf die Bühne kam und mit seiner Show begann war ich schnell versöhnt. Es macht halt manchmal doch einen Unterschied, ob man etwas Witziges liest oder vom Autoren bzw der Haupfigur erzählt bekommt. Einiges davon kannte ich aus dem Buch, doch es gab auch viele Passagen, die darin nicht vorkommen. Spass hat alles gemacht. Und einen singenden, Flöte spielenden und Gangnam-Style tanzenden Tod sieht man auch nicht jeden Tag. Oder nein, natürlich heißt es “Todi-Style”  😀
Seit der Show singe ich bei “Ein Stern, der deinen Namen trägt” außerdem  immer automatisch “Ein Stein, der deinen Namen trägt”.
Danke für den Ohrwurm, der sich wohl halten wird!

Optisch und vom Wesen her hatte ich mir den Tod bei Lesen genauso vorgestellt wie er sich auf der Bühne gibt. Nett, sympathisch, bemüht, sein und das Image seines Jobs aufzupolieren, und mit einem guten Schuss rabenschwarzen Humor gesegnet. Und ja, eigentlich so total normal.
Nur eine etwas tiefere, bedrohlichere Stimme hatte ich erwartet. Da habe ich im ersten Moment gestutzt, doch dann fand ich es niedlich.

 

Mein Lieblingszitat stammt aus einem Fanbrief an den Tod:

 

“Du hast mir meine Lieblingssängerin genommen: Amy Winehouse.

Du hast mir meinen Lieblingskomiker genommen: Loriot

Du hast mir meinen Lieblingsliteraturkritiker genommen: Marcel Reich-Ranicki

Nur zur Info: mein Lieblingsverein ist Bayern München!”

😀

 

Es gab aber auch noch massig andere Anlässe zum Lachen. Beispielsweise den Moment als der Tod einen Bund Radieschen aus der Tasche zog um zu zeigen, wie harmlos die von unten aussehen.  Stimmt eigentlich. Die Kids aus der ersten Reihe, die die Radieschen bekamen, sahen in der Pause ganz zufrieden aus wie sie da Gemüse knuspernd in der Eingangshalle standen.
Amüsant war auch der Blick in Todis Tagebuch und die Schilderung seiner ersten Flugreise. Es ist nicht leicht, eine Sense durch die Personenkontrolle zu bekommen. Und nicht jeder Passagier nimmt den Tod als Sitznachbar einfach so gelassen hin 😉
Doch, die Show hat richtig Spass gemacht!

Kostprobe gefällig? Ab Minute 3:00 besonders empfehlenswert!

 

Nach der Show war es dann soweit.

todsig

Todi signiert

buch

Ich freue mich!

mittodi

Danke auch dafür!

todallein

Bis zum Ende der Schlange gewartet für ein Model-Foto 😉

tisch

Eine tolle Aktion! – Auch ich habe gespendet!
(Ich ärgere mich im Nachhinein so sehr, keinen Beutel mitgenommen zu haben…)

 

Mir hat der Abend richtig gut gefallen und viel Spass gemacht! Und ich freue mich wie Bolle über die Fotos und das signierte Buch.
Ich kann die Show nur jedem empfehlen, der mit dieser Art von rabenschwarzen Humor etwas anfangen kann!

Wer den Tod besuchen möchte, kann das außerdem online tun:

endlich-tod.de

Der Tod auf Facebook

Tods Kanal auf youtube

 

 


 

Persönlich-Zwischenmenschliches von vor der Show
Der einzige Wermutstropfen war eine Gruppe im Publikum, die den Saal mit dem Schlachtruf “Nach vorne! Erste Reihe, in die Mitte!” stürmte. Als ich mich daneben setzten wollte, wurde ich angefahren: “Ich halte hier frei. Wir halten alle einen frei. Wir sind zu sechst.”
Und als ich daraufhin in einen Sitzsack wechselte, der beim Hinsetzen ein Stück rückwärts rutschte, schallte es: “Weiter vor! Ich kann meine Beine nicht lang machen!”
Und nein, das war nicht meine oder eine noch jüngere Generation, ganz im Gegenteil…
Ehrlich, man kauft ein Ticket für eine Show, man bucht nicht die ganze Halle.
Geärgert habe ich mich auch über die Dame vom Büchertisch, die ich vor der Show vor der Halle traf. Ich fragte freundlich, ob man schon reingehen dürfe oder ob man noch etwas frieren müsse.
Und bekam zur Antwort: “Natürlich kann man da schon rein. Steht doch an der Tür ‘Ziehen’…”
Ach ja. Wieso war ich da eigentlich nicht selber drauf gekommen?
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