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Point Whitmark (42) – Der Ruf des Wellengängers

Titel: Point Whitmark (42) – Der Ruf des Wellengängers / Verlag: Decision Products / Spielzeit: ca. 72 min  / Sprecher: Sven Plate, Bert Franzke, Dominik Freiberger, Luis Fischer ua

Vielleicht hast du schon die unheimlichen Geschichten vom Wellengänger gehört, die man sich in Point Whitmark zu vorgerückter Stunde erzählt? Der bei fahlem Mondlicht über die Brandung schreitet, ohne jemals das Ufer zu erreichen. Es heißt, wer seinen Ruf vernimmt und ihm in die Fluten folgt, ist für immer verloren.
Jay, Tom und Derek lassen es sich nicht nehmen, eine mehr als gruselige Hörspielinszenierung über den lokalen Mythos zu senden. Doch beschwören sie damit schreckliche Dinge herauf. Der Wellengänger erscheint und schon bald fürchten die ersten Bewohner der Stadt um ihr Leben. Der einzige Weg, den tödlichen Bann zu brechen, führt hinaus auf die todbringende See.


Eine weitere neue Folge meiner absoluten Lieblingsserie, endlich! Mit dieser Episode hat man auch genau meinen Geschmack bei der Reihe getroffen. Denn das Thema um den Wellengänger passt einfach perfekt zum Schauplatz. Immerhin liegt Point Whitmark am Meer und eine Geschichte um die See, ein verhängnisvolles Schiffsunglück und einen schaurigen Wiedergänger aus den Tiefen des Atlantiks passt einwandfrei hierher. So wird schnell die Atmosphäre heraufbeschworen, die für mich typisch für die Serie ist und die ihr entsprechend gut steht.
Für Grusel ist mit dem Wellengänger natürlich auch gesorgt. Auch das gehört für mich zu einer Folge dieser Reihe. Und wenn man sich das so vorstellt, dass da ein Toter vom Grund des Atlantiks aufersteht und zurückkommt und Jagd auf Menschen macht, dann hat das durchaus einen guten Gruselfaktor. Daran ändert es auch nichts, dass man ja eigentlich weiß, dass es sowas nicht geben kann.
Das macht natürlich wiederum neugierig darauf, was hinter den seltsamen Vorfällen steckt, die auch Tom, Jay und Derek deutlich zu spüren bekommen. Dabei wollten sie doch nur ein Hörspiel in ihrem Programm zu Gehör bringen. Mal gemeinsam, mal getrennt machen sie sich daran, der Sache nachzugehen und geraten dabei mehrmals in ausgesprochen gefährliche Situationen. Das sorgt für Spannung und manchmal auch etwas Gänsehaut. Und ab und zu -so ganz ohne geht es bei den Freunden ja nicht- auch für amüsant absurde Situationen. Dabei gibt es überraschenderweise ein Widerhören mit einigen Charakteren, die man über die Zeit beinahe schon vergessen hat. Cool, dass sie hier wieder mitmischen.
Eines muss man über die Folge allerdings sagen. Sie hat weit mehr als einen bissigen Seitenhieb auf die reale  Hörspielwelt und ihre Akteure in petto und piesackt die Szene und ihre Macher dann und wann ganz ordentlich. Ich habe dabei einige Male grinsen müssen und mir meinen Teil gedacht. So sollte man das wohl auch sehen und wer sich dabei persönlich angegriffen fühlt, der sollte vielleicht darüber nachdenken, warum eigentlich.

Ein Wiederhören gibt es beispielsweise mit Billy Boy, wie eh und je gesprochen von Luis Fischer. Billy Boy ist zwar unüberhörbar älter geworden, aber Luis Fischer lässt ihn immer noch unglaublich nervig klingen. Da kann man leicht verstehen, dass Jay, Tom und Derek nichts mit ihm zu tun haben wollen. Auch Claus-Dieter Clausnitzer ist nochmal zu hören. Verlieh er Basil Cricket bisher einen ziemlich arroganten Klang, so schlägt er hier ganz andere Töne an. Man sieht den erschöpften Mann sofort vor sich und nimmt ihm seine Angst auf Anhieb ab.

Eine gelungene Musik- und Geräuschkulisse begleitet das Geschehen. Es sind aufwändige Stücke zu hören, die mal das Kleinstadtflair von Point Whitmark aufkommen lassen, an anderer Stelle mit düsteren Klängen für Spannung und Atmosphäre sorgen.

Das Covermotiv gefällt mir ebenfalls. Das rabenschwarze Segelschiff mit den zerfetzten Segeln umgeben vor dem leuchtend roten und gelben Feuer ist ein echter Blickfang und wirkt angemessen unheimlich.

Fazit:  Eine sehr spannende neue Folge, die tadellos zu “Point Whitmark” passt. Sowohl zu Reihe allgemein, als auch zu der Stadt als Schauplatz am Meer. Einmal mehr ist auch für eine Schippe Grusel gesorgt und insgesamt bildet die Story noch eine kleine Abrechnung mit der realen Hörspielwelt. Auch mal nicht schlecht…

Point Whitmark (41) – Rückkehr aus dem Totenland

Titel: Point Whitmark (41) – Rückkehr aus dem Totenland / Verlag: Decision Products / Spielzeit: ca. 72 min  / Sprecher: Sven Plate, Axel Lutter, Hubertus Schulte ua /

Inhalt: Summer Dawn ist außer sich vor Angst: ihr Großvater ist von den Toten auferstanden. Sein seelenloser Körper lenkt einen vor vielen Jahren verunglückten Schulbus durch die nächtlichen Straßen von Point Whitmark. Zunächst glauben Jay, Tom und Derek nicht an eine widernatürliche Erscheinung – doch bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf immer schrecklichere Details aus der Vergangenheit des Küstenortes. In den finsteren Abwasserschächten tief unter der Stadt erwartet die Jungreporter schließlich ein unfassbares Geheimnis. Der Abstieg dorthin führt sie direkt in ihr gefährlichstes Abenteuer.


Point Whitmark sendet wieder! Nach so vielen Jahren ist endlich eine neue Folge erschienen. Ich habe mich gefreut wie lange nicht mehr. Allen Unkenrufen zum Trotz: die Serie ist einfach mein absoluter Hörspielfavorit. Da wird man sich freuen dürfen, wenn es nach solch langer Zeit endlich weitergeht, oder?
Im Großen und Ganzen hat sich am Stil der Reihe mit dieser Episode nichts geändert. Es ist immer noch das gleiche Flair, der gleiche, leicht schräge Stil der Fälle, die gleiche Hand voll skurriler Charaktere, die jede Folge bevölkert, eine Schippe ausgefallener Ideen und Details  und natürlich die gleichen drei sympathischen Jungs.
Für diesen Fall hat wohl jemand zuvor ein bisschen an einer Tüte voll “Es” geschnüffelt. Anders ist es kaum zu erklären, dass Luftballons eine Rolle spielen und sich Teile der Nachforschungen in Abwasserkanälen abspielen. Kostüme sind ebenfalls ein Thema, auch wenn es zugegebenermaßen keine Clownskostüme sind.
Die Story lässt sich nicht lange bitten. Bereits im Prolog geht es dramatisch zu und auch im Folgenden bei Derek und Summer Dawn und später bei den drei Jungs im Leuchtturm ereignet sich Seltsames und Erschreckendes. Natürlich wollen die drei der Sache auf den Grund gehen. Gleichzeitig spitzt sich die Situation bei Summer Dawn zu, deren Tante das Haus der Familie verkaufen will. Und als wäre das alleine nicht schlimm genug, wirkt es obendrein noch so als sei Summers Großvater von den Toten zurückgekehrt und kurve wieder wie früher mit dem alten Schulbus durch den Ort. Das sorgt für eine Prise Gänsehaut
Irgendwie scheint all dies zusammenzuhängen, das ist schnell klar. Tom, Derek und Jay, hier unterstützt von Summer, machen sich umgehend an die Aufklärung dieser seltsamen, unheimlichen Vorkommnisse und geraten dabei in manch brenzlige Situation. Dabei geht es erfreulich abwechslungreich zu. So gehen sie wie bereits erwähnt in Abwasserkanälen auf die Suche. Lernen mehrere interessante Personen kennen, die durchweg ziemlich seltsam wirken. Und ausgerechnet Derek landet bewusstlos in dem unheimlichen Geisterbus. Erst nach und nach kristallisiert (Wortspiel, wenn man die Folge kennt)  sich heraus, um was es hier eigentlich geht und das ist dann nochmal eine echte Überraschung.

Auch musikalisch ist man sich trotz der Jahre dazwischen treu geblieben. Zu Beginn und zwischen den Szenen sind die vertrauten Stücke zu hören, die für mich immer so ein schönes “amerikanische Kleinstadt – Feeling” heraufbeschwören. Es sind aber auch während der Szenen, während des Geschehens, leise Melodien zu hören. Oft ein bisschen düster gehalten und an einigen Stellen durchsetzt mit durchdringenden Geräuschen.

Selbstverständlich zeigt das Cover den Schulbus und davor eine schattenhafte Gestalt mit einem Luftballon. Damit sind zwei ganze wesentliche Elemente der Story zu sehen. Schön düster und ein bisschen unheimlich wirkt das auch. Umrahmt wird das Motiv vom bekannten schwarzen Rahmen mit dem Leuchtturm. Kräftige Farben lenken die Aufmerksamkeit auf das Cover

Fazit:  Point Whitmark ist zurück! Zwar nicht aus dem Totenland, aber zurück auf Sendung. Mit dieser Folge knüpft man nahtlos an die vorigen Episoden an und präsentiert eine unterhaltsame, spannende Geschichte (mit kleinen Anleihen bei “Es”), die sofort loslegt und erst nach und nach offenbart um was es eigentlich geht. Gespickt ist sie mit einigen schrägen Ideen und Figuren. In Summe eine Rundumsorglospaket für Fans der Serie. Hoffentlich geht die Serie nun wieder regelmäßig weiter…

Point Whitmark (40) – Das Orakel des Unheils

Titel: Point Whitmark (40) – Das Orakel des Unheils / Verlag: Decision Products / Spielzeit: ca. 72 min  / Sprecher: Sven Plate, Axel Lutter, Hubertus Schulte ua

pw40Inhalt: Ratten, überall Ratten! Jay, Tom und Derek erkunden das Labyrinth der unterirdischen Schmugglertunnel, um herauszufinden, was die Tiere seit Tagen so aggressiv macht. Durch einen Zufall geraten sie auf das prachtvolle Anwesen von Solomon Resul, wo die Zeit auf wundersame Weise stehengeblieben zu sein scheint.
In den verwaisten Korridoren und Sälen herrscht tiefes Schweigen.Ein uralter Fluch ist zu neuem Leben erwacht und begräbt Haus und Menschen unter ewigem Wüstensand.
Was hat es mit dem legendären Orakel der Goldenen Bilder auf sich?
Der Weg dorthin führt abwärts in die verbotene Halle und vorbei am Blinden Wächter, der keinerlei Eindringen duldet


Da haben wir sie also nun, die agenumwobene 40. Folge der Reihe. Endlich hat das Spekulieren (ist es ein Soundtrack oder ein Hörspiel?) ein Ende. Für mich allerdings zunächst eines mit Schrecken. Die Suche der Jungs nach der Ursache für die Rattenplage in den Schmugglertunneln gefiel mir noch ganz gut, doch dann: ein Haus ganz im Orient-Stil. Ich habe mit dem Orient nichts am Hut und hoffte nur, dass es nun nicht die ganze Story hindurch um irgendwelche Mythen und Märchen von dort gehen würde.
Zum Glück tut es das nicht. Jedenfalls nicht übermäßig. Natürlich gibt es Situationen mit Touch in diese Richtung, aber die sind dann wenigstens dermaßen schräg, dass es nicht nach Wüste riecht, sondern mitunter durchaus schaurig wirkt. Da war es mal von Vorteil, dass die Reihe über die neueren Folgen hinweg einen immer abgefahreneren Charakter angenommen hat. Die Vorstellung von dem blinden Wächter und einer im Sand untergehenden jungen Frau ist schon für Gänsehaut gut.
Allerdings natürlich auch für die Frage: was im Namen von Allah geht in diesem Hase eigentlich vor sich?
Die Klärung dieser Frage ist für die drei Jungs recht gefährlich. Einer droht zu ertrinken, ein anderer bleibt bei den Ratten zurück und allen wird immer wieder ihr baldiger Tod in Aussicht gestellt. Es ist also ordentlich was los und langweilig wird es einem nie.
Die Auflösung ist zwar ganz sinnig, aber ehrlich gesagt, frage ich mich doch, ob Achtjährige damit schon etwas anfangen können. Ab diesem Alter werden die Hörspiele laut rückwärtigem Cover empfohlen. Außerdem muss man darauf erstmal kommen, was Tom da erklärt. Aber gut, von sowas hatte der ja immer schon Ahnung. Daher lasse ich das gelten.
Zuletzt nur noch eine Frage, die ich schon in einer Rezi zu einer früheren Folge gestellt habe: wann ist Derek bitte zu so einem Motzkopp und Miesepeter geworden? Lustig, verfressen, mäßig begabt auf seiner Gitarre, dafür aber Feuer und Flamme für die Musik, und durchaus mit hellen Momenten hat er mir besser gefallen als so. Was soll das, eine Figur so zum Schlechten zu verändern?

Die drei Hauptsprecher sind in vertraut guter Form. Für meinen Geschmack ergänzen sich Sven Plate, Kim Hasper und Gerrit Schmidt-Foss ideal. Wenn man nun noch Gerrit Schmidt-Foss den mauligen Ton wieder abgewöhnen würde, wäre es sogar noch besser.
Gerals Paradies rechne ich es hoch an, dass er zwar mit Akzent spricht, das aber in Maßen. Man hört Solom Resul seine Herkunft an -das soll auch so sein- ohne dass es überzogen wirkt. So fiel es mir leicht, mir ein Bild von dieser Figur zu machen und sie auch ernst zu nehmen.

Musikalisch wird eine shcöne Mischung aus düsteren Stücken und gelegentlichen orientalischen Klängen geboten. Das sorgt vor allem bei den Passagen in Solomon Resuls Haus für die nötige Atmosphäre. An der Geräuschkulisse gibt es ebenso wenig auszusetzen. Aussetzer in diesem Bereich erwarte ich von der Reihe aber auch gar nicht.

Das Covermotiv setzt einmal mehr auf kräftige, leuchtende Farben, was mir wie immer sehr gut gefällt. Die schattige Gestalt mit der Waffe wirkt angemessen unheimlich und bedrohlich.

Fazit:  Eine spannende Folge, die gespickt ist mit phantasievollen bis schrägen Ideen. Doch die wirken ganz gut, sodass man sich auch mal ein wenig gruseln kann. Trotzdem würde ich mir mal wieder eine oldschool-Folge in Point Whitmark wünschen mit ein paar der “alten” Figuren.

Gabriel Burns (43) – Fern von allen Tiefen

Titel: Gabriel Burns (43) – Fern von allen Tiefen / Verlag: Decision Products / Spielzeit: ca. 56 min  / Sprecher: Viola Sauer, Björn Schalla, Andreas Ksienzyk ua

burns43Inhalt: Sein Blick versengte die Sterblichen. Sein Atem brachte den schwarzen Tod. Und seine Schwingen rissen schreckliche Wunden in die Wirklichkeit, durch die die Andere Seite sickerte.
Aus der Tiefe fegte ihnen ein alles verzehrender Totenwind entgegen. Ringsum rissen die Mauern auf und offenbarten das Mar­ty­ri­um zerfallender Körper, die als zuckendes Fleischkabinett in den endlosen Weiten der Nachtkathedrale baumelten. Soweit das Auge reichte brannte der Himmel.


Die “Weißt du noch?”-Quadrologie geht in die zweite Runde. Sie beginnt ziemlich genau dort, wo der Vorgänger geendet ist. Joyce und Larry sind nachwievor im gefallenen Vancouver auf der Suche nach einem Artefakt für Bakerman. Dabei graben sie vor allem weitere Figuren aus sehr viel früheren Folgen wieder aus. Wortwörtlich, teilweise. Und der Hörer kann in Erinnerungen an die Anfänge der Reihe schwelgen. Wenn er denn möchte. Ich möchte eigentlich nicht so gerne. Wie ich schon in der Besprechung zu Folge 42 geschrieben habe, gab es für mich seither zu viele wirklich gute Folgen, die für sich und weitgehend außerhalb dieser ursprünglichen Handlung standen. Zudem hege ich starke Zweifel, dass die Serie irgendwann tatsächlich mal zu einem sinnigen Ende finden wird. Auch, wenn in diesem Vierteiler so vieles wieder aufgerollt wird.
Auf dem Schiff sind nur noch Bakerman und sein Ingenieur Camra übrig. Dafür ist der Bau der Tauchkugel abgeschlossen. Lil Hastings spielt zunächst eher am Rand eine Rolle, später rückt sie mehr in den Mittekpunkt. Mir hat dieser Teil der Handlung besser gefallen als der um Joyce und Larry, der nur eine Situation hatte, die mich das Grausen gelehrt hat. Das hat Camara ganz klar besser hingekriegt. Es ist grausig zu verfolgen, wie er immer verwirrter und irrer wird, ohne dass er es selber so wirklich weiß. Mir tat er unsagbar leid.
Über der Geschichte liegt unbestritten wieder die typische Burns-Atmosphäre, Düster, bedrückend und bedrohlich. Schon alleine deshalb, weil das Geschehen und die Schauplätze so bildhaft beschrieben werden, dass man sie sich problemlos vorstellen kann. Das Finale der Folge ist turbulent, actionreich und geradezu fulminant, auch das gebe ich gerne zu zu. Lumpen lässt man sich hier sicher nicht, und eingefleischte Fans werden voll auf ihre Kosten kommen.

Auf Seiten der Sprecher gibt es wie gewohnt nichts zu Meckern. Besonders gefallen hat mir Andreas Ksienzyk, der einen herrlich verrückten Schmidt gibt. Da kriegt man es mit der Angst zu tun. Bianca Krahl zeigt hier so richtig, was in ihr steckt. Ich werde diese absolut undamenhafte Figur genau deshalb immer mögen. Cool, abgebrüht und wenn es sein muss erbarmungslos.

Der Soundtrack muss sich ebenso wenig vorwerfen lassen. Viele imposante Stücke sind zu hören, die maßgeblich zur düsteren Stimmung der Story beitragen. Mal lauter, dann wieder ehe zurückhalten, dann wieder durchsetzt mit markerschütternden Effekten und so stets überraschend und wirkungsvoll.

Ich mag das Covermotiv. Warum, dürfte klar sein. Wegen dem knallroten Delfin. Er wirkt ganz schön exotisch als Hingucker eines Covers dieser Serie. Ansonsten wird das Motiv von sturmgepeitschten Wellen bestimmt.

Fazit:  Die zweite Runde des Vierteilers fand ich weniger spannend und schaurig als ihren Vorgänger. Aber sie kramt genauso viele altbekannte Elemente wieder ans Tageslicht wie Folge 42, sodass Fans wohl wieder ganz auf ihre Kosten kommen werden.

 

Gabriel Burns (42) – Träume vom Schneiden

Titel: Gabriel Burns (42) – Träume vom Schneiden / Verlag: Decision Products / Spielzeit: ca. 69 min / Sprecher: Björn Schalla, Viola Sauer, Ernst Meincke, Rainer Fritzsche ua

burns42 Inhalt: Das Labyrinth aus abgesackten Häuserresten, die wie versteinerte Nester über ihren Köpfen hingen, rief die Vorstellung einer gespiegelten Stadt hervor.
Vancouver veränderte sich. Vancouver versank. Einem namenlosen Grauen entgegen.


Kennt ihr die Fernsehsendung “Die ultimative Chartshow”, wo ein Countdown von 100 Songs zu einem Thema abgezählt wird und der Moderator dauernd Sätze sagt wie “Können Sie sich daran noch erinnern?”
Genauso habe ich diese Folge empfunden. Die Handlung fährt zweigleisig. Einmal begleitet man Joyce und Larry im gefallenen Vancouver, im anderen Teil ist man bei Bakerman und Lil Hastings auf einer mobilen Werft mit dabei.
Genau da geht es schon los: nach den Folgen dazwischen, die von anderen Figuren handelten und an anderen Orten spielten, ist man endlich (aber auch mal wieder) im gefallenen Vancouver zu Gast! Und wer mischt dort noch mit? Aaron Cutter, Ling Zisheng, Daniel und und und. Man erinnert sich an die Sphären, die Nachtkathedrale wird erwähnt, eine riesige, gefährliche geflügelte Gestalt wirft ihren Schatten auf Joyce und Larry usw.
Und bei Bakerman auf der Werft ist alleine Lil Hastings bereits eine Remineszenz an frühe Folgen, Dorgan Fink spielte ebenfalls vor sehr viel Längerem zuletzt eine solch zentrale Rolle.
Die ganze Zeit über hatte ich dieses Chartshow-Gefühl: wisst ihr noch? Kennt ihr noch?
Als wäre jemandem eingefallen, dass vor vielen, vielen Folgen eine übergeordnete Handlung angekündigt wurde und man nun nochmal an das Wichtigste erinnern will um damit weiterzumachen. Meine Hochachtung, wer das noch schafft! Bei mir ist der Rote Faden der Reihe längst bis nahe ans Zerreißen zerfasert, und da hilft es mir auch nicht viel, wenn ich plötzlich wieder ein Dutzend Namen um die Ohren gehauen bekomme. Ich weiß noch, wer diese Personen waren, natürlich, aber nach zig Folgen abseits dieser Handlung alleine dadurch wieder hineinzufinden, keine Chance. Tut mir leid! Dann lieber weitere Folgen abseits der “Haupthandlung”, so es denn tatsächlich eine gibt.
Einen Pluspunkt hat diese Episode sich bei mir lediglich damit abgeholt, dass es Szenen gibt, die schon sehr blutig bis splattermäßig eklig sind. Eine Kugel, die sich Menschen einverleibt, ein Typ, dem beim Laufen Teile der Gedärme herausfallen, doch sowas mag ich! Und die düstere und bedrückende Atmosphäre, die man von der Reihe kennt, entfaltet auch hier wieder voll ihre Wirkung. Allerdings hatte ich das auch gar nicht anders erwartet…

Ich mag die burschikose Joyce und den symapthischen Larry und höre Bianca Krahl und Björn Schalla stets gerne zusammen. Sie ergeben ein gegensätzliches Gespann, was angesichts der Situation und der Szenerie von “Gabriel Burns” seinen Reiz hat. Rainer Fritzsche ächzt und flüstert sich gequält  als Lin Zisheng durch seine Szenen. Mit Recht, dem Chinesen geht es alles andere als gut. Viola Sauers markante Stimme stellte für mich hier Ernst Meincke glatt in den Schatten.

Von der Musk und den Geräuschen her klingt diese Folge genau wie man es von der Reihe kennt. Düster, bedrohlich, beklemmend, hervorgerufen von leisen, dräuenden Musikstücken, die nichts Gutes verheißen. Die Geräusche fallen zwischendurch dagegen mal lauter aus, was für den einen oder anderen Schreckmoment sorgt.

Die Tauben vom Cover haben erst rechts spät ihren Auftritt in der Geschichte, und so lebendig wie die Taube im Vordergrund schaut da keine aus dem Gefieder! Die blutrote Farbe bildet einen schönen Kontrast zum Rest des Motivs und lässt durchblicken, dass es hier blutig zugeht.

Fazit:  Die Folge kam mir vor wie die Chartshow voller “Wisst ihr noch und kennt ihr noch?” Offensichtlich hat man sich erinnert, dass es früher mal das Ansinnen einer übergeordneten Handlung gab zu der man nun zurück möchte. Vorher bringt man die Hörer schnell noch mal ein bisschen auf Stand. In meinem Falle ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen, denn mir ist diese Handlung inzwischen größtenteils abhanden gekommen. Da haben mich die letzten Folgen mit anderen Figuren und an anderen Schauplätzen bedeutend besser unterhalten. Und das konnte auch die Ekel-Horror-Elemente nicht ausbügeln.

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