Dorf

Schweigend steht der Wald (Wolfram Fleischhauer)

Es ist kein Zufall, dass es die Forststudentin Anja Grimm zu einem Praktikum in den tiefsten Wald Deutschlands verschlägt: Dort hat sie als Kind Urlaub gemacht, und dort verschwand vor zwanzig Jahren ihr Vater auf einer Wanderung. Bei den Dorfbewohnern läuten die Alarmglocken: Was hat die junge Frau hier zu suchen, nach so langer Zeit? Und was, wenn sie etwas findet – etwas Dunkleres, als jeder Fremde ahnen kann?

Lange wusste ich nicht, was ich von diesem Buch halten sollte und genauso lange bin ich drumherum geschlichen ehe es dann doch ins Regal einzog. Was mich unsicher gemacht hatte, war das „Roman“ auf dem Cover. Der Inhalt klang für mich eher nach einem Krimi, vielleicht sogar mit einem übersinnlichen bis gruseligen Einschlag. Einfach nur ein Roman? Was kann man davon ableiten?
Nachdem ich es gelesen habe, habe ich es für mich unter „Krimi“ einsortiert. Mit einem dezenten Einschlag in Richtung Regionalkrimi, denn die Geschichte spielt in einem bestimmten Landstrich in und nahe eines kleinen Dorfes. Die Menschen dort wirken teilweise seltsam, verschroben, eigenbrötlerisch und man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass sie unter diesem „Filz“ etwas verbergen wollen. Mit allen Mitteln.
Diese Erkenntnis trifft auch die Hauptfigur Anja, eine junge Fortstudentin, die in den Wäldern der Gegend ein Praktikum absolviert. Dass sie ausgerechnet dort eingesetzt ist, hängt damit zusammen, dass in eben diesen Wäldern vor zwanzig Jahren ihr Vater verschwand. Damit hat man direkt eines der Rätsel bei der Hand, die es in der Geschichte zu lösen gilt. Anja macht einige interessante Entdeckungen, die Dorfbewohner machen Bemerkungen und / oder verhalten sich seltsam, sodass man knobeln kann, was damals passiert sein könnte. Mir hat dabei besonders gefallen, wie geheimnisvoll so ein ganz normaler Wald sein kann, wenn er entsprechend gut beschrieben wird. Und wie unheimlich das Dorf und seine Bewohner wirken.
Nach und nach tauchen weitere Hinweise darauf auf, was damals geschah. Viele davon sind einfach nur erschreckend, weil es eben grausame Vorfälle waren. Andere wiederum weisen auf ganz bestimmte Zusammenhänge, Themen und Zeiten hin. Und da war es bei mir kurz vor knapp und nahe dran, das Buch aufzugeben. Es gibt einfach Themen, die habe ich in der Schulzeit bis zum Umfallen immer wieder aufs Brot geschmiert bekommen, über ganze Schuljahre hinweg. Mit diesen Themen kann man mich deshalb bis heute jagen.
Dass ich trotzdem weitergelesen habe, lag vor allem daran, weil ich es unglaublich spannend fand, wie Anja den Sachen auf den Grund geht und kommt. Manches Mal habe ich sie für ihren Mut bewundert und auch dafür, was sie aus der Natur im Wald ableiten kann. Und sie ist hartnäckig und nimmt es mit den verbohrten Dörflern auf. Das fand ich bemerkenswert. Mehr aber auch nicht, das muss ich dazu sagen. Richtig Freund bin ich mit Anja nicht geworden. Schon lange nicht ab dem Punkt, an dem sie jagen geht und Freude daran hat. Tut mir leid, aber solche Menschen sind bei mir unten durch.
Zweitens hat mich die ganze Atmosphäre bei Laune gehalten. So geheimnisvoll, so rätselhaft und oft auch richtig schön finster. Gruselig war es zwar nicht, zumindest nicht im übersinnlichen Sinne, aber ab und zu schaudert man doch.
Ein wenig Interesse an den Themen Wald, Natur, Pflanzen, Forstwirtschaft und dem Kartieren sollte man für das Buch mitbringen. Vor allem für das Kartieren! Das ist scheinbar das Lieblingswort des Autors, so oft wie er es verwendet. Bei mir ist das Interesse nicht allzu ausgeprägt gewesen, vieles kannte ich nicht mal, aber das Buch hat mir diese Themen doch schnell schmackhaft gemacht.

Die Geschichte hat viele Passagen ohne jeden Dialog. Das ist regulär nicht mein Fall, denn das wirkt schon optisch so massiv, dass mir jede Lust darauf vergeht. Hier ging es damit aber zum Glück ganz gut, denn die Erzählweise ist angenehm locker. Locker im Sinne von leicht zu lesen. Und wenn wieder ein längerer Abschnitt mit Dialogen kam, habe ich mich gefreut, denn dann ging es noch fixer mit dem Lesen. Die Kapitel sind nicht kurz, aber auch nicht zu lang. Eben eine gute Mitte, mit der man je Kapitel ein gutes Stück in der Geschichte voran kommt.

Irgendwie mag ich das Cover. Es hat mich sofort auf das Buch aufmerksam gemacht. Ich habe übrigens tatsächlich die oben gezeigte Version, das Hardcover. Das Taschenbuch hat ein sehr ähnliches Cover, wirkt aber in Schwarzweiß nicht so gut, wie ich finde. Das Türkis lenkt sofort den Blick auf sich und auch wenn man es im oberen Teil nicht erkennt, im unteren wird doch deutlich, dass ein Wald gezeigt wird.

Fazit: Für mich ist „Schweigend steht der Wald“ ein Krimi mit leichtem Einschlag Richtung Regionalkrimi. Ich fand die Geschichte spannend mit einem wunderbar düsteren Touch, der einen schon mal schaudern lässt.  Vor allem dieses Verschworene im Dorf, diese „Filz“. Sowas ist mir immer unheimlich. Die Hintergründe des Geschehens waren -von der Zeit her, in der sie sich abspielen- allerdings nicht mein Fall und mit Anja bin ich nicht sonderlich gut Freund geworden. Es reichte aber um sie gerne bei ihren Nachforschungen zu begleiten. Ein wenig Interesse am Wald, der Natur usw kann für das Buch nicht schaden.

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Titel:  Schweigend steht der Wald
Autor: Wolfram Fleischhauer
Seiten:  384
Verlag: Droemer-Knaur
ISBN: 978-3-426-19854-4 (HC) / 978-3426304105 (TB)
Preis:  € 9,99 (TB)

 

Die Punkies (07) – Into the wild

Titel: Die Punkies (07) – Into the wild / Verlag: Europa / Spielzeit: ca. 60 min / Sprecher: Niko König, Tim Kreuer, Johannes Semm, Patrick Bach ua

Inhalt: Die Punkies fahren zum Tornado-Musikfestival. Doch der Trip nimmt einen unerwarteten Verlauf: Nachdem sie sich verirren, beinah in einen Abgrund stürzen und von einem Fremden aufgegabelt werden, findet sich die Band in dem seltsamen Ort Zornau wieder. Das Städtchen ist von zwei zerstrittenen Familienclans bevölkert, die sich gegenseitig das Leben schwermachen. Und noch etwas merkwürdig: Hier scheint es überhaupt keine jungen Leute zu geben!Nach einem misslungenen Auftritt als Rentner-Band machen sich die Punkies sich daran, das Rätsel von Zornau zu lösen… und geraten dabei immer tiefer in ein spektakuläres neues Abenteuer- mit viel Musik!


Nach der detektivischen vorigen Folge geht diese Episode etwas andere Wege. Aber auch die haben mir Spass gemacht. Die Tour zum Festival passt zu einer Band, ein Zwischenfall mit dem Fahrzeug ist recht klassisch als Aufhänger und dann stoßen sie in dem Dorf, bei dem sich steckengeblieben sind, noch auf eine jahrealte Fehde,die auch ihnen zum Verhängnis wird.
Man ahnt vielleicht schon, dass Langeweile hier keine Chance hat. Es ist ständig etwas los und diese Feindschaft unter den Dorfbewohnern ist schon interessant. Ich fand auch, dass man sich da in solch einem Kaff recht gut vorstellen kann und -abgesehen von dem etwas dürftigen Auslöser der Fehde- es kommt ganz authentisch rüber.
Einen kleinen Hänger genau in dieser Hinsicht gab es für mich dann aber doch, leider. Nach dem misslungenen Auftritt flüchten die Punkies und das Verhalten der Dorfbewohner daraufhin ist im Verhältnis irgendwo schon ein wenig überzogen.
Dafür geht es danach aber mit einer großen Überraschung weiter, was das allemale wieder wettmacht. Und auch wenn das Ende doch irgendwie ein bisschen arg Friede-Freude-Eierkuchen ist, so muss man einfach sagen, dass das bei einer Hörspielreihe für jüngere / jugendliche Hörer ruhig mal so sein darf. Und es wurde zuvor ja auch einiges dafür getan und mit Widrigkeiten gekämpft, einfach so geschenkt gab es nichts. Von daher passt das so.

Irgendwie ist bei mir der Eindruck zurückgeblieben, zahlreiche Figuren kennengelernt zu haben. Wenn ich mir dagegen die kurze Sprecherliste anschaue, staune ich schon. Mag an der Szene mit dem wütenden Mob liegen, anders kann ich es nicht erklären. Niko König und Oliver Warsitz ergänzen sich prima und vermitteln einem sofort den Eindruck, dass es zwischen den verfeindeten Familien doch eine Lösung geben könnte. Sie lassen ihre Figuren ausgesprochen sympathisch wirken. Und sie machen jede zu einer echten, besonderen Marke.

Musik spielt hier wie von der Serie gewohnt eine große Rolle. Es sind Songs der Punkies zu hören (über „Annemarie“ musste ich grinsen) und auch zwischen den Szenen sind rockige Klänge eingefügt.

Das Cover weiß ebenfalls zu gefallen. Die abgebrochene Brückenkante der Bulli, das passt zu der Geschichte, die so einen kleinen Funken Abenteuer- und Roadtripflair an sich hat.

Fazit: Mal keine Geschichte mit detektivischem Einschlag, aber dennoch spannend und interessant. Ich habe wirklich mitgefiebert, wie es mit den Punkies und dem zerstrittenen Dorf weitergeht, später wird es dann noch ein bisschen schaurig und die Auflösung ist zwar Friede-Freude-Eierkuchen, aber keineswegs rosarot. Da geht dann auch Friede-Freude-Eierkuchen völlig in Ordnung.

Die Kinder (Wulf Dorn)

Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.

Was habe ich auf dieses Buch gewartet! Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Jahre es schon her ist, dass ich auf einer Buchmesse beim Verlag gefragt habe, wann es erscheinen würde. Es war so ewig lange angekündigt. Und dann gab es endlich einen Termin und schon hatte ich es vorbestellt und darauf hin gefiebert.
Vielleicht hätte mich der Titel skeptisch werden lassen sollen. Denn ich gehöre -das gebe ich ehrlich zu- nicht zu den Menschen, die sich für Kinder allzu sehr begeistern können. Andererseits habe ich schon einige Krimis und Thriller gelesen, in denen Kinder eine wichtige Rolle gespielt haben. Und die haben mir trotzdem gefallen. Genauso wie ich Horrofilme mit Kindern immer besonders schaurig finde. Daher denke ich nicht, dass ich dem Buch mit Vorsicht hätte begegnen sollen.
Es begann dann auch zu 100 % nach meinem Geschmack mit dem nächtlichen Unfall auf der regennassen Bergstraße und dem grausigen Fund im Kofferraum des verunfallten Wagens. So hätte es gerne weitergehen dürfen.
Leider tut es das aber keineswegs. Grundsätzlich gefiel mir die Idee der Story ganz gut. Die Kinder, die sich so seltsam verhalten, die verschwundenen Menschen, die teilweise apokalyptisch anmutende Szenerie, doch das hat schon etwas. Das würde schon fast für einen Horrofilm reichen. Ausreichend blutig geht es dafür ebenfalls zu, was mir auch ganz gut gefallen hat.
Mein Problem mit „Die Kinder“ ist ganz einfach, dass es auf mich wirkt, als habe Wulf Dorn nicht recht gewusst, welches Genre er damit bedienen möchte, was er damit beim Leser bewirken möchte. Will er nun darauf aufmerksam machen, wie schlecht es vielen Kindern auf der Welt geht? Und dass man, wenn man auf der sonnigeren Seite des Lebens aufgewachsen ist, vielleicht etwas dazu beitragen sollte, dass es ihnen ebenfalls besser geht? Soll das Buch also mit diesen erschreckenden Kapiteln gesellschaftskritisch sein und aufrütteln?
Oder soll es doch ein Thriller sein, wie es die Szene am Anfang mit dem Unfall verheißt? Das wäre mir ja am liebsten gewesen, jedoch bleibt davon im wieteren Verlauf am wenigsten übrig.
Oder soll es Richtung Horror, Mystery und Fantasy gehen? Auch das ist absolut denkbar! Es gibt zahlreiche Passagen, die dazu passen würden. Und ich hätte da auch gar nichts dagegen, wenn nicht auf dem Cover ausdrücklich „Thriller“ stehen würde. In einem Thriller hat für mich Übersinnliches nichts verloren. So cool ich das sonst auch immer finde.
Diese Frage danach, was die Story mir sagen soll, was sie sein will, hat mich also schon beschäftigt. Aber dieses „Unetnschlossene“ hat auch dazu geführt, dass ich sie mich nicht wirklich gefesselt hat. Die einzelnen Kapitel zum Teil schon, das Große und Ganze jedoch leider nicht. Auf die Auflösung war ich allerdings sehr gespannt und ich hoffte, dass alles spätestens dann schlüssiger werden würde.
Und dann kam die Auflösung und ich konnte einfach nur den Kopf schütteln. Jetzt also auch noch ein mahnender Zeigefinger zum Thema Umwelt(bewusstsein)? Die nächste Theroie darüber, was „Die Kinder“ eigentlich sein möchte? Und davon mal abgesehen: solch eine Erklärung für die Vorkommnisse wie in dieser Geschichte, welcher Leser, der alle Sinne beieinander hat, soll dem Autoren das bitte abkaufen? Selten so etwas Hanebüchenes gelesen…

Durch die Schauplatzwechsel liest sich „Die Kinder“ erfreulich leicht und flüssig weg. Mit allzu vielen Charakteren hat man es auch nicht zu tun. So bleibt alles schön übersichtlich, was meinem Lesefluss ebenfalls immer gut tut. Mit jedem Kapitel kommt man ein gutes Stück voran, sodass ich mir irgendwann gesagt habe: ach, es sind nur noch drei Kapitel, die schaffe ich nun auch noch. Und schon war ich an nur einem Abend fertig mit dem Buch.

Optisch gefällt mir das Buch ausnehmend gut. Wunderbar finster mit blutroter Schrift, das alleine macht es schon zum Hingucker. Die gesichtslose Reihe Kinder darunter macht neugierig und wirkt auch ein bisschen unheimlich. Rundum stimmig also und genau mein Geschmack.

Fazit:  Ich muss zugeben, ich bin von „Die Kinder“ ziemlich enttäuscht. Es ist kein Thriller, keine Horrorgeschichte, keine Fantasyerzählung, kein Umweltkrimi, sondern einfach nur ein unausgegorenes Gemisch aus allem. Es hat seine schaurigen und erschreckenden Momente, ohne Zweifel, reicht in dieser Hinsicht aber absolut nicht an andere Thriller von Wulf Dorn heran. Abgesehen davon , hat für mich hat Übersinnliches in einem Thriller nichts verloren. Ich habe bis zum Schluss auf eine Auflösung gehofft, die alles ohne übersinnlichen Einschlag erklärt. Stattdessen kam eine Auflösung, bei der ich mich schon fast für dumm verkauft gefühlt habe. Selten so etwas Unglaubwürdiges gelesen. Und so einfach gestrickt nach dem ganzen Hin und Her zuvor. Schade, so schade! Ich hatte mich so auf das Buch gefreut…


Titel: Die Kinder
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 320
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453270947
Preis: € 16,99

Finstermoos (02) – Am schmalen Grat (Janet Clark)

Finstermoos (02) - Am schmalen GratGemeinsam mit Basti, Luzie und Valentin macht Mascha sich in der unberechenbaren Bergwelt auf die Suche nach ihrer Mutter. Doch schon kurz nach ihrem Aufbruch stoppt unerwartet der Lift, der sie über eine gefährliche Schlucht bringen soll. Nachdem Mascha und ihre Freunde den Abend über in schwindelerregender Höhe ausharren mussten, setzt sich der Lift nach Sonnenuntergang plötzlich wieder in Bewegung. Aber statt erleichtert zu sein, kann Mascha an nichts anders denken als an das Gespräch, das sie wenige Stunden zuvor belauscht hat und in dem sie und ihre Mutter bedroht wurden. Hat einer der heimtückischen Männer den Lift bedient? Und wartet er womöglich nur, bis sie direkt zu ihm an den Ausstieg gebracht werden?

Band 3 ist bereits erschienen, da wurde es für mich Zeit, endlich diesen zweiten Teil zu lesen.
Dieser Teil setzt genau an der Stelle an, an der der vorigen endete. Das habe ich als gut und praktisch empfunden, denn so ist man direkt wieder mittendrin. Zumal das Ende von Teil 1 auch wirklich ein fieser Cliffhanger war. So etwas vergisst man so leicht nicht. Und falls einem eben doch mal etwas entfallen sein sollte, ist es sofort wieder da, wenn man mit Band 2 beginnt.
Die Handlung um Luzie, Mascha, Basti und Valentin spielt sich hier durchweg in den Bergen ab. Das alleine ist für mich schon eine ziemlich schauerliche Szenerie. So gerne ich die Berge mag und mal dort wandern würde, durch meine Höhenangst ist mir die Gegend widerum nicht gerade geheuer. Von den vielen anderen Gefahren ganz zu schweigen, die einem diese Geschichte vor Augen führt. Ständig hat man mit den Freunden gemeinsam Angst vor Abgründen, Gewittern, Bären usw.
Das alleine sorgt schon für eine gehörige Portion Spannung. Sher bald kommen dazu noch Streitereien und Eiferüschteleien in der Gruppe. Ich habe tatsächlich einige Male an gewissen Personen aus der Gruppe gezweifelt. Ob man ihnen trauen bzw etwas Böses zutrauen kann, wenn sie nur genug gereizt werden.
Soviel zu den Punkten, die „Am schmalen Grat“ für mich spannend gemacht haben. Das sind aber nur Punke, die sich auf die Rahmenhandlung beziehen. Ich finde aber, auch der Teil um die seltsamen Vorkommnisse in Finstermoos sollte seinen Teil zur Spannung und Dramatik beisteuern. Und das ist ihm bei mir leider nicht gelungen. Natürlich möchte ich wissen, was da los ist, was unter den Dorfbewohnern totgeschwiegen wird, was sich damals ereignete, aber Spannung haben diese Fragen bei mir nicht aufkommen lassen. Eher Verwirrung. Denn dieser Band beantwortet nicht mal im Ansatz wenigstens eine Frage, die bislang bei mir aufgekommen ist. Ich weiß, die Reihe ist auf vier Teile ausgelegt, ich bin also gerade mal auf der Hälfte. Aber so viel sind vier Teile nun auch wieder nicht. Wenigstens ein kleiner Schubs in die richtige Richtung hätten drin sein dürfen. Damit man einen Anhaltspunkt zum Weitergrübeln hat, die Möglichkeit, neue Ideen zu entwickeln.
Stattdessen kommen säckeweise neue Rätsel dazu, die mich noch verwirrter zurückgelassen haben als es Band 1 getan hat. Bislang kann ich einen Zusammenhang zwischen den Entdeckungen aus Band 1 und Band 2 überhaupt nicht erkennen. Schlimmer noch: für mich wirkt es so als würde die Story mal so komplex, dass man wirklich nur durchsteigt, wenn man am Ende alle Teile aus dem FF auf dem Schirm hat. Und das fällt zumindest mir schon schwer bei den monatelangen Pausen zwischen den Teilen.
Statt auf über 200 Seiten immer neue Fragen aufzuwerfen, hätte man sich in diesem Teil noch mal näher mit einigen Figuren befassen sollen, die keine Hauptrolle spielen, aber doch wichtig zu sein scheinen. Da habe ich nämlich nachwievor meine Schwierigkeiten mit dem Wiedererkennen. Krailinger, Wolferl, Franz, der Becker…da blicke ich teilweise kaum durch und weiß selten, über wen ich gerade lese und welche Rolle bzw Position er im Finstermoos und dem Rätsel innehat. Irgendwie ist es der Geschichte bislang nicht gelungen, mir diese Figuren genug nahezubringen bzw ihnen ausreichend markante Chrakterzüge zu verleihen, dass ich sie auf Anhieb einsortieren könnte. Und ich befürchte, dass mir das am Ende der Reihe zum Verhängnis werden könnte. Allzumal nach der Entdeckung, die die Freunde zum Ende von diesem zweiten Band hin machen.

„Finstermoos“ liest sich für mich weiterhin eher anstrengend. Das liegt an den vielen und meist auch sehr langen beschreibenden und erklärenden Passagen. Gerade in Sachen Landschaftsbeschreibungen hätte man sich für mich gern kürzer fassen dürfen. So habe ich mich über jeden Dialog gefreut, denn Dialoge lockern einfach auf und lesen sich nun mal leichter. Die Kapitel sind häufig sehr kurz, daher kann man schon mal mehrere am Abend lesen. Wenn man sich durchbeißt. Ich musste das an manchem Abend leider.

Dieser Band ist in einem hellen Gelb und verwaschenem Grün gehalten und so im Regal ganz auffällig. Mt der Seilbahn steht ein wesentlicher Punkt der Geschichte im Mittelpunkt.

Fazit: Leider rührt der wesentliche Teil der Spannung bisher von dem Rahmengeschehen her. Von den Gefahren in den Bergen und den Streitpunkten in der Gruppe. Die Frage nach der Wahrheit um Finstermoos, dem Geschehen im Dorf, den Geheimnissen bringt bislang für mich keine Spannung ein. Einfach, weil ich null Anhaltspunkt habe und mir stattdessen nur ein Sack weiterer Fragen serviert wurde. Zudem habe ich Angst, dass mir meine Verwirrung bei den Nebenfiguren am Ende der Reihe zum Verhängnis wird.


Titel: Finstermoos (02) – Am schmalen Grat
Autor: Janet Clark
Seiten: 221
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785577493
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Finstermoos (01) – Aller Frevel Anfang (Janet Clark)

Finstermoos - Aller Frevel Anfang (Janet Clark) Auf der Baustelle seines Vaters findet Valentin den Körper eines vor vielen Jahren verstorbenen Babys. Sofort strömen Journalisten in das idyllisch gelegene Bergdorf, darunter auch Armina Lindemann mit ihrer 19-jährigen Tochter Mascha. Schon bald werden Valentin und Mascha Opfer seltsamer und lebensbedrohlicher Unfälle, dann verschwindet Maschas Mutter spurlos. Mascha glaubt nicht an einen Zufall – hat die Journalistin bei der Recherche für ihren Artikel etwas herausgefunden, was sie nicht wissen soll? Gemeinsam mit Valentin und zwei weiteren Freunden sucht sie nach ihrer Mutter und rührt damit an ein lange verborgenes Geheimnis, das jemand um jeden Preis zu schützen versucht.

Auf den Start dieser Reihe habe ich lange hingefiebert und als ich das Buch endlich in Händen hielt, wurde es umgehend gelesen.
Die Reihe ist auf vier Teile ausgelegt und mit „Aller Frevel Anfang“ geht es nun los. Wie der Titel es verrät, handelt es sich erst um den Anfang einer größeren Geschichte. Ich finde, das spürt man beim Lesen recht deutlich. Man hat hier ausgiebig Zeit und Gelegenheit, sich mit den Figuren bekannt zu machen. Davon gibt es eine ganze Reihe und ich habe tatsächlich fast das gesamte Buch gebraucht um mich unter ihnen zurecht zu finden. Valentin, Mascha, Luzie und Basti hatte ich schnell auf der Reihe, weil sich die Handlung hauptsächlich um sie dreht.
Aber für die Nebenfiguren habe ich schon eine Weile gebraucht, obwohl sie nicht minder wichtig sind. Hauptsächlich lag das daran, dass man nicht nur die Figuren kennen , sondern auch noch um jede noch so kleine Verbindung zwischen allen Charakteren Bescheid wissen muss.
Ich habe einige Male zurückgeblättert und nochmal gelesen um das hinzubekommen und denke, dass man sich die Zeit dafür nehmen muss, wenn man nicht irgendwann im Laufe der Reihe aufgeschmissen dasitzen möchte. Dieser erste Band lässt nämlich schon deutlich eine komplexe Story erahnen.
Der Beginn dieser Story hat mir wirklich sehr gut gefallen. Mit der Babyleiche geht es gleich schon ziemlich in die Vollen. Das ist ja nun wirklich ein mehr als grausiger Fund! Doch in Finstermoss und den Bergen und Wäldern drumherum gehen scheinbar noch andere seltsame Dinge vor sich. Was hat es mit der Legende um den Schmugglerpfad auf sich? Wer vertauscht heimlich Maschas Shakes um ihr zu einem allergischen Schock zu verhelfen? Wieso findet man am Haus von Luzies Vater die Farbe, mit der auf der Baustelle von Valentins Vater herumgeschmiert wurde? Und vor allem: warum geschieht all das und wer könnte dahinter stecken?
Das sind viele Fragen, die in diesem ersten Band natürlich noch nicht beantwortet werden, einem aber zum Grübeln bringen. Das hat „Aller Frevel Anfang“ für mich so spannend gemacht. Dieses Knobeln und zu versuchen, Erklärungen und Verbindungen zu finden. Es gibt aber auch Szenen, die von sich aus Spannung einbringen, wie zB ein durchgehendes Pferd, das den Reiter in Lebensgefahr bringt oder ein naiver Bauernjunge, die gerne mit der Axt in der Hand auf dem Hof herumläuft.
Schön fand ich außerdem, wie Finstermoos als Ort beschrieben wird. Man hat schnell so ein kleines, verschlafenes und trügerisch friedliches Dorf in den Bergen vor Augen, ein schickes Hotel, schöne, aber auch leicht unheimliche Wälder und beeindruckenden Berge ringsum. Würden in Finstermoos nicht solch schaurige Dinge passieren, es wäre das ideale Dorf um Urlaub zu machen.
Das Ende selber ist erstens -jedenfalls für mich- ein Gänsehautgarant, zweitens aber auch schlichtweg fies. Da hängt man nun wortwörtlich zwischen Himmel und Erde fest bis es weitergeht mit der Reihe.

Obwohl das Buch mit seinen 220 Seiten nicht gerade dick ist, habe ich doch länger dafür gebraucht als gedacht. Einmal, weil ich mich -wie oben schon gesagt- mit den vielen Figuren und ihre Beziehungen untereinander schwer getan habe. Zum Anderen aber auch, weil es recht viele beschreibende Passagen gibt. Nach und nach wird das weniger und es gibt immer wieder Dialoge, sodass mir das Lesen nach einer Weile leichter fiel. Abwechslung bringen außerdem die Perspektivwechsel und die vereinzelten Kapitel, die eine Zeit nach der eigentlichen Handlung spielen und einem so gewissermaßen einen kleinen Ausblick gewähren.

Das Cover mochte ich auf Anhieb. Trotz des recht hellen Türkis wirkt es doch eine gute Spur unheimlich und düster. Dazu trägt natürlich die auch schwarze Vogelscheuche bei. Schlägt man das Buch auf und klappt die Broschur komplett auseinander, so erhält man ein größeres Bild im gleichen Stil, das bereits etwas über die Geschichte verrät. Das Buch fühlt sich außerdem anders an als andere Bücher, nicht so glatt nämlich. Wenn man über die Deckel streicht, fühlt es sich an wie sehr feine Pappe, aber im positiven Sinne. Edel und eben erfreulich anders.

Fazit:  Der Start in die Reihe war für mich einerseits recht anstrengend. Man muss schon gut aufpassen und konzentiert bei der Sache sein um alle Figuren und die Beziehungen / Verbindungen unter ihnen immer präsent zu haben. Es lohnt sich andererseits aber, sich diese Zeit zu nehmen. Denn mit der Babyleiche kommt Unruhe und Aufregung in das zuvor so verschlafene Dorf. Ich fand es sehr spannend, was Luzie, Mascha, Basti und Valentin erleben. Mehr als einmal geraten sie in gefährliche Situationen und irgendwie hatte ich immer den Eindruck, dass noch etwas richtig Böses im Hintergrund lauert.  Ich freue mich schon auf Band 2!


Titel: Finstermoos (01) – Aller Frevel Anfang
Autor: Janet Clark
Seiten: 220
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785577486
Preis: € 9,99 (Broschiert)

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