Droemer Knaur

Schweigend steht der Wald (Wolfram Fleischhauer)

Es ist kein Zufall, dass es die Forststudentin Anja Grimm zu einem Praktikum in den tiefsten Wald Deutschlands verschlägt: Dort hat sie als Kind Urlaub gemacht, und dort verschwand vor zwanzig Jahren ihr Vater auf einer Wanderung. Bei den Dorfbewohnern läuten die Alarmglocken: Was hat die junge Frau hier zu suchen, nach so langer Zeit? Und was, wenn sie etwas findet – etwas Dunkleres, als jeder Fremde ahnen kann?

Lange wusste ich nicht, was ich von diesem Buch halten sollte und genauso lange bin ich drumherum geschlichen ehe es dann doch ins Regal einzog. Was mich unsicher gemacht hatte, war das “Roman” auf dem Cover. Der Inhalt klang für mich eher nach einem Krimi, vielleicht sogar mit einem übersinnlichen bis gruseligen Einschlag. Einfach nur ein Roman? Was kann man davon ableiten?
Nachdem ich es gelesen habe, habe ich es für mich unter “Krimi” einsortiert. Mit einem dezenten Einschlag in Richtung Regionalkrimi, denn die Geschichte spielt in einem bestimmten Landstrich in und nahe eines kleinen Dorfes. Die Menschen dort wirken teilweise seltsam, verschroben, eigenbrötlerisch und man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass sie unter diesem “Filz” etwas verbergen wollen. Mit allen Mitteln.
Diese Erkenntnis trifft auch die Hauptfigur Anja, eine junge Fortstudentin, die in den Wäldern der Gegend ein Praktikum absolviert. Dass sie ausgerechnet dort eingesetzt ist, hängt damit zusammen, dass in eben diesen Wäldern vor zwanzig Jahren ihr Vater verschwand. Damit hat man direkt eines der Rätsel bei der Hand, die es in der Geschichte zu lösen gilt. Anja macht einige interessante Entdeckungen, die Dorfbewohner machen Bemerkungen und / oder verhalten sich seltsam, sodass man knobeln kann, was damals passiert sein könnte. Mir hat dabei besonders gefallen, wie geheimnisvoll so ein ganz normaler Wald sein kann, wenn er entsprechend gut beschrieben wird. Und wie unheimlich das Dorf und seine Bewohner wirken.
Nach und nach tauchen weitere Hinweise darauf auf, was damals geschah. Viele davon sind einfach nur erschreckend, weil es eben grausame Vorfälle waren. Andere wiederum weisen auf ganz bestimmte Zusammenhänge, Themen und Zeiten hin. Und da war es bei mir kurz vor knapp und nahe dran, das Buch aufzugeben. Es gibt einfach Themen, die habe ich in der Schulzeit bis zum Umfallen immer wieder aufs Brot geschmiert bekommen, über ganze Schuljahre hinweg. Mit diesen Themen kann man mich deshalb bis heute jagen.
Dass ich trotzdem weitergelesen habe, lag vor allem daran, weil ich es unglaublich spannend fand, wie Anja den Sachen auf den Grund geht und kommt. Manches Mal habe ich sie für ihren Mut bewundert und auch dafür, was sie aus der Natur im Wald ableiten kann. Und sie ist hartnäckig und nimmt es mit den verbohrten Dörflern auf. Das fand ich bemerkenswert. Mehr aber auch nicht, das muss ich dazu sagen. Richtig Freund bin ich mit Anja nicht geworden. Schon lange nicht ab dem Punkt, an dem sie jagen geht und Freude daran hat. Tut mir leid, aber solche Menschen sind bei mir unten durch.
Zweitens hat mich die ganze Atmosphäre bei Laune gehalten. So geheimnisvoll, so rätselhaft und oft auch richtig schön finster. Gruselig war es zwar nicht, zumindest nicht im übersinnlichen Sinne, aber ab und zu schaudert man doch.
Ein wenig Interesse an den Themen Wald, Natur, Pflanzen, Forstwirtschaft und dem Kartieren sollte man für das Buch mitbringen. Vor allem für das Kartieren! Das ist scheinbar das Lieblingswort des Autors, so oft wie er es verwendet. Bei mir ist das Interesse nicht allzu ausgeprägt gewesen, vieles kannte ich nicht mal, aber das Buch hat mir diese Themen doch schnell schmackhaft gemacht.

Die Geschichte hat viele Passagen ohne jeden Dialog. Das ist regulär nicht mein Fall, denn das wirkt schon optisch so massiv, dass mir jede Lust darauf vergeht. Hier ging es damit aber zum Glück ganz gut, denn die Erzählweise ist angenehm locker. Locker im Sinne von leicht zu lesen. Und wenn wieder ein längerer Abschnitt mit Dialogen kam, habe ich mich gefreut, denn dann ging es noch fixer mit dem Lesen. Die Kapitel sind nicht kurz, aber auch nicht zu lang. Eben eine gute Mitte, mit der man je Kapitel ein gutes Stück in der Geschichte voran kommt.

Irgendwie mag ich das Cover. Es hat mich sofort auf das Buch aufmerksam gemacht. Ich habe übrigens tatsächlich die oben gezeigte Version, das Hardcover. Das Taschenbuch hat ein sehr ähnliches Cover, wirkt aber in Schwarzweiß nicht so gut, wie ich finde. Das Türkis lenkt sofort den Blick auf sich und auch wenn man es im oberen Teil nicht erkennt, im unteren wird doch deutlich, dass ein Wald gezeigt wird.

Fazit: Für mich ist “Schweigend steht der Wald” ein Krimi mit leichtem Einschlag Richtung Regionalkrimi. Ich fand die Geschichte spannend mit einem wunderbar düsteren Touch, der einen schon mal schaudern lässt.  Vor allem dieses Verschworene im Dorf, diese “Filz”. Sowas ist mir immer unheimlich. Die Hintergründe des Geschehens waren -von der Zeit her, in der sie sich abspielen- allerdings nicht mein Fall und mit Anja bin ich nicht sonderlich gut Freund geworden. Es reichte aber um sie gerne bei ihren Nachforschungen zu begleiten. Ein wenig Interesse am Wald, der Natur usw kann für das Buch nicht schaden.

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Titel:  Schweigend steht der Wald
Autor: Wolfram Fleischhauer
Seiten:  384
Verlag: Droemer-Knaur
ISBN: 978-3-426-19854-4 (HC) / 978-3426304105 (TB)
Preis:  € 9,99 (TB)

 

Schnucken gucken (Andrea Hackenberg

Schnucken gucken (Andrea Hackenberg)Sie stand immer auf der Seite der Schwachen und Entrechteten. Jetzt steht sie knietief im Dispo: Billi Sander, Umweltaktivistin und frisch gefeuerte Enthüllungsreporterin, landet da, wo sie nie wieder hinwollte: zu Hause in der Heide. Um wieder zu Geld zu kommen, heuert Billi im Feuilleton der Lokalzeitung an. Unter Laienschauspielern, Freizeit-van Goghs und korrupten Landespolitikern stellt sie schließlich fest: Die Heide ist tatsächlich eine Kulturlandschaft. Und ihr Exfreund sieht besser aus, als sie ihn in Erinnerung hatte.

Dieses Buch gehört eigentlich nicht zu meinen bevorzugten Genres. Aber solchen niedlichen Cover und Titeln falle ich ab und zu halt doch mal zum Opfer.
So ging es also für mich mit der frisch entlassenen Billie von Berlin zurück nach Hause in die Heide. Die kommt Billie natürlich im Vergleich stinklangweilig vor, was ich gut nachvollziehen konnte. Überhaupt mochte ich Billie ganz gerne. Vor allem, weil sie ihren eigenen Kopf hat, resolut zu Werke geht und keines dieser Weiber ist, die jedem gutaussehenden Typen hinterherschmachten.
Schnell stellt sich jedoch heraus, dass es in der Heide keineswegs so langweilig ist, wie gedacht. Billie heuert notgedrunken beim ortsansässigen Provinzblatt an und ist dort für den Bereich Kultur zuständen. Und was die Heide in kultureller Hinsicht bietet, das ist mitunter schon sehr sonderbar. Was habe ich über den vermeintlich ertrunkenen Künstler gelacht! Einfach herrlich!
Doch nach einer Weile muss Billie erkennen, dass es auch in der Lokalpolitik die eine oder andere Sauerei gibt. Das gibt der Geschichte und Billies Job dann doch noch einen gewissen ernsthaften Hauch und sorgt durchaus für Spannung. So richtig hatte sie mich aber erst mit der ersten echten Leiche am Haken. Ich sage es ja immer: eine Leiche tut einem Buch einfach gut!
Plötzlich hat Billie -zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester- ein ganz ernstes Problem an den Hacken. Und selbstverständlich muss man herausfinden, wer den Mann warum umgebracht hat! Ein bisschen Krimi schwingt hier also ebenfalls mit.
Ein Schuss Liebe bzw Romantik mischt ebenfalls nocht mit, jedoch erfreulich dezent. Kitsch hat man hier nicht zu befürchten, was ich sehr gut finde! Dafür ist es aber arg vorhersehbar wie die Sache ausgehen wird. Naja, ein Happy End hier und da, warum eigentlich nicht? Schließlich hat man mit “Schnucken gucken” keinen Thriller vor der Nase.
Das Flair des kleinen Orts kommt gut rüber. Und auch wenn ich -genau wie Billie anfangs- dort nicht tot über den Zaun hängen wollen würde, so kann ich mir eine Stippvisite in Heide irgendwann gut vorstellen. Auch um die Schnucken mal live zu sehen.
Was mich vor allem in der ersten Hälfte aber wirklich gestört hat, das sind die rasanten Dialoge. Vielleicht bin ich in Sachen Schlagfertigkeit ja wirklich nur sehr mäßig talentiert, das kann gut sein. Aber wer ist denn bitte so schlagfertig wie die Figuren in dieser Geschichte? Und dabei noch wortgewandt und intelligent? Ich möchte keine platten Gags lesen, so meine ich das nicht. Aber dass es so schlagfertige Menschen gibt, das kann ich einfach nicht glauben. Das war mir eine ganze Spur zu heftig.

Schwuppdiwupp, dann ist ein solches Buch auch schon ausgelesen. Temporeich, auch ein wenig spannend und amüsant dank viel Situationskomik, so etwas liest man gerne und schnell.

Das Cover fällt mit dem Pink sofort auf, und das muss ein Buch heutzutage wohl auch um im Ladenregal auf sich aufmerksam zu machen. Ich mag natürlich speziell die süße Schnucke. Das wollige Geschöpf möchte man sofort knuddeln. Schön übrigens, dass es gezeichnet ist und kein Bild einer echten Schnucke. Nicht dass ich die Cover mit den Bilden von echten Tieren auf dem Cover nicht goldig finde, aber so heben sich die Schnucken nochmal deutlich vom Rest solcher Bücher ab.

Fazit:  Eine vergnügliche Lektüre, die vor allem mit viel Situationskomik und dem ländlichen Flair des Orts in der Heide punkten kann. Ich habe die selbstbewusste Billie gerne dorthin begleitet und mochte sie wirklich gerne. Die Liebesgeschichte ist zwar vorhersehbar, dafür aber wenigstens nicht kitschig. Lediglich an die Schlagfertigkeit der Figuren konnte ich nicht glauben. Das hat mir den Anfang leider ein wenig verleidet. Später konnte ich dann darüber hinwegsehen und somit hat mir “Schnucken gucken” doch ganz gut gefallen. Ein schönes Buch, wenn einem nach leichter Lektüre zumute ist.


Titel: Schnucken gucken
Autor: Andrea Hackenberg
Seiten: 336
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 978-3426514269
Preis: € 8,99 (TB)

Wolfsschlucht (Andreas Föhr)

wolfsschluchtEin Bestattungsunternehmer versinkt mitsamt seinem Leichenwagen in der Mangfall, während gleichzeitig eine junge Frau verschwindet. Ihr Wagen wird kurz darauf im Gebirge gefunden – aufgespießt von einem Maibaum. Im Lauf der Ermittlungen stellt sich heraus, dass beide Ereignisse auf eigenartige Weise zusammenhängen – und dass bei beiden Wallners anarcho-bayerischer Kollege Leonhardt Kreuthner seine Finger im Spiel hat, dem diesmal ein genialer Plan für einen Maibaumklau aus dem Ruder gelaufen ist.

Ein neuer Krimi von Andreas Föhr. Den konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, so als Fan von Wallner und Kreuthner.
Die Geschichte beginnt mit einem recht derben Streich, den Kreuthner und seine Kumpels dem ortsansässigen Bestatter spielen. Nachdem dieser sie halb zu Tode gelangweilt hat, setzen sie ihn in seinen Leichenwagen und schieben ihn in die Mangfall, einen etwas größeren Bach. Doch am Tag darauf findet man den Wagen ein Stück bachabwärts, der Bestatter ist tot, jedoch nicht ertrunken.
Ja, es ist ein böser Streich, das weiß ich. Allerdings musste ich doch darüber schmunzeln. Ich mag einfach Kreuthner und seine verrückten Ideen. Und das hier ist eben eine Aktion wie sie typischer für ihn kaum sein könnte.
Die Frage ist natürlich, was mit dem Fahrer geschehen ist. Wer hat ihn getötet?  Dies ist quasi der eine Fall, den Wallner und seine Kollegen aufklären müssen. Es gibt aber noch einen zweiten: eine junge Frau ist verschwunden. Ihren Wagen findet man im Wald, gepfählt von einem Maibaum. Wie passiert so etwas? Wo ist die Frau? Wieso verschwand sie?
Und als ob das noch nicht genug Fragen wären, drängt sich einem noch eine weitere Frage auf: besteht etwa ein Zusammenhang zwischen den Geschehnissen? Genau wie Wallner habe ich schnell in diese Richtung gedacht und genau wie er gegrübelt und gegrübelt, verdächtigt und versucht, Verbindungen zu sehen bzw herzustellen. Das hat die Geschichte für mich sehr spannend gemacht! Immer wieder hatte ich das Gefühl, der Wahrheit ein wenig auf die Schliche zu kommen, dann wieder fühlte ich mich auf dem Holzweg.
Durch die Schauplatzwechsel bekommt man stetig neue Infomationen und Erkenntnisse an die Hand, doch ein schlüssiges Bild wollte sich für mich einfach nicht ergeben. Manchmal habe ich sogar bezweifelt, dass es jemals zu einer schlüssigen Auflösung kommen würde. Somit habe ich bis zum Ende mitgefiebert und konnte das Buch kaum aus den Händen legen.
Hilfreich beim Mitknobeln ist einmal mehr, die Kleinschrittigkeit, in der die Arbeit von Wallner und seinen Kollegen beschrieben wird. So entgeht einem kein Detail. Außerdem finde ich das so immer sehr viel glaubhafter, als wenn ein Superermittler im Nullkommanix weiß, was in seinem Fall Sache ist.
Die Auflösung ist dann -wie hatte ich daran zweifeln können- natürlich absolut durchdacht und logisch. Es ist bewundernswert, wie Andreas Föhr alle Ereignisse, die so zusammenhanglos wirken, sich aber zusammenhängen anfühlen, auf diese Auflösung hinlaufen lässt. Darauf wäre ich wohl nie gekommen. Allerdings musste ich doch noch etwas darüber nachdenken, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte. Zwei Dinge erschienen mir nicht so ganz sinnig, waren es nach ein paar Überlegungen aber selbstverständlich doch. “Wolfsschlucht” ist kein Krimi für nebenbei, man muss schon gut bei der Sache sein und bleiben!
Der Humor kommt auch bei diesem neuen Föhr-Krimi nicht zu kurz. Das fängt mit oben erwähnten Streich erst an, setzt sich fort über eine chaotische Maibaumaktion und Kreuthner manchmal etwas ungewöhnliche Ermittlungsmethoden. Meinen Spass hatte ich außerdem mit Wallners Großvater, der dieses Mal eine ganz wichtige Rolle spielt. Ich mag den kauzigen Alten so gerne. Er ist eine so liebenswerte Figur. Ich hoffe, wir werden noch in vielen weiteren Krimis von Andreas Föhr von ihm lesen. Es ist eine Kunst, Geschichten eine humorvolle Note zu verleihen ohne dabei ins Alberne abzurutschen. Andreas Föhr beherrscht diese Kunst einwandfrei!

Ich habe “Wolfsschlucht” an zwei sehr langen Abenden ausgelesen. Es liest sich leicht und zügig, ohne dass es zu Lasten der Spannung und der Atmosphäre geht. Die Kapitel haben diese verhängnisvoll knackige “ach-eins-noch!”-Länge. Da war einfach keine frühzeitige Lesepause zugunsten ausreichenden Schlafs drin.

Das Cover gefiel mir auf Anhieb. Es wirkt krimimäßig düster und macht neugierig. Man fragt sich automatisch, was sich hinter der Tür mit diesen Riegel befinden mag. Blutspritzer in der Mitte lassen bei genauerem Hinsehen erahnen, dass es nichts Gutes sein kann.

Fazit:  Einfach top! “Wolfsschlucht” ist ein super spannender, neuer Falle für Wallner, sein Team und natürlich irgendwie und irgendwo auch für Kreuthner. Ich habe bis zum Schluss genknobelt, wie die beiden scheinbar einzelnen Fälle wohl zusammenhängen könnten. Denn da war ich mir sicher: es gibt eine Verbindung! Nur wo? Auf die Auflösung wäre ich nicht gekommen und somit war sie eine echte Überraschung. Der vertraute Humor klingt auch in diesem neuen Krimi wieder durch. Er gehört einfach zu den Föhr-Krimis dazu. Ich mag es, wenn ich auch bei einem Krimi zwischendurch mal schmunzeln oder sogar lachen kann.


Titel: Wolfsschlucht
Autor: Andreas Föhr
Seiten: 394
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 978-3426517048
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Grimmbart – Kluftingers neuer Fall (Volker Klüpfel & Michael Kobr)

Grimmbart (Volker Klüpfel, Michael Kobr)Kluftingers neuer Fall führt ihn ins Schloss in Bad Grönenbach, wo ihn allerlei Merkwürdiges erwartet: Die Frau des Barons wurde nicht nur ermordet, sondern auch noch wie auf einem uralten Familienporträt hergerichtet. Auf dem Gemälde ist ein Mann mit seltsam gelben Augen zu sehen. Und der Baron verschwindet immer wieder im schlosseigenen Märchenwald. Auch privat geht es bei Kluftinger märchenhaft zu: Sein Sohn heiratet, und zur Feier haben sich die Schwiegereltern aus Japan angesagt. Zum Glück lässt Kluftingers Intimfeind Langhammer nicht lange auf sich warten, um dem Kommissar bei dieser kulturellen Herausforderung zu helfen.

 Endlich ein neuer Fall für Kommissar Kluftinger! Das Buch war seit Ewigkeiten vorbestellt und wurde natürlich sofort gelesen als es eintraf. Kluftingers Krimis gehören zu den Büchern, die bei mir gar nicht erst auf dem SUB landen.
Ich hatte sicher keine allzu hohen Erwartungen an “Grimmbart”, nachdem mir der Kommissar im vorigen Band eine ganze Ecke zu dusselig dargestellt wurde. Ich erwartete einfach ein spannendes und unterhaltsames Krimivergnügen.
Daran kann es also nicht liegen, dass es stolze 16 Kapitel dauerte bis mich der Krimi endlich packte. Es war zwar nicht gerade langweilig bis dahin, aber nicht griffig. Natürlich, es gab einen Mord, dessen Umstände recht seltsam sind, es gab mehrere Verdächtige und einen Schauplatz mit Gruselpotenzial, aber so richtig ausgereizt wurde das für mich nicht. Stattdessen habe ich die ersten Ermittlungen als ziemlich blindes Herumstochern empfunden. Mir ist schon klar, dass wohl kaum ein Kommissar in der Realität sofort auf der richtigen Fährte ist. Deshalb darf Kluftinger das auch nicht sein, sonst wäre es kaum glaubhaft. Aber etwas zügiger hätte es schon gehen dürften. 16 von 36 Kapiteln Anlauf ist viel. Ich habe in der Zeit versucht, selber zu Kombinieren, aber das führte ebenso wenig zu einem Zipfel der Wahrheit, daher war das recht frustrierend. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich mich über Kluftingers Privatleben nur amüsieren kann, wenn er auch bei der Arbeit etwas zustande bringt. Somit konnte mich sein Privatleben in diesen Kapiteln nicht über das Herumstochern hinwegtrösten. Und leider, leider habe ich weder das Schloss, noch den Märchenwald als schaurig empfunden. Daran hat sich bis zum Ende übrigens nichts geändert.
Doch dann war es endlich soweit. Nach sechzehn Kapiteln erwischte mich “Grimmbart” doch noch, und zwar so richtig. Endlich hatte ich das Gefühl, dass die Ermittlungen in die richtige Richtung gehen, endlich konnte ich richtig miträtseln. So mag ich das bei Krimis, dann finde ich sie auch spannend. Es gab eine Reihe interessanter Verdächtiger, es tauchten erste (mögliche) Zusammenhänge auf, immer wieder gab es Wendungen, die einen in eigenen Verdächtigungen wieder ins Wanken brachten, und Kluftinger hat mich dieses Mal wieder mit seiner Clverness beeindruckt. Man traut es ihm zwar in gewissen Situationen gar nicht zu, aber er ist eben doch ein wirklich guter Kommissar, der außerdem über ein verlässliches Bauchgefühl verfügt. Das kann auch nicht schaden. Und genauso möchte ich Kluftinger -zumindest in seinem Job- erleben.
Sein Privatleben dreht sich in diesem Band ganz klar um die Hochzeit seines Sohnes mit der Japanerin Yumiko, kurz “Miki” genannt. Das ist verständlich, denn eine Hochzeit ist eine große Sache, die viel Planung erfordert. Typisch Kluftinger will er das aber nicht so recht einsehen. Auch aus finanziellen Gründen nicht, denn die Kosten häufen sich zusehends. Und sei es nur durch spezielle Kloschuhe für Mikis Familie, weil man so etwas in Japan halt benutzt. Mit der japanischen Verwandtschaft und Kluftinger prallen zwei Welten aufeinander.  Ich fand das ziemlich witzig, auch wenn ich Kluftingers Englisch teilweise zum Fremdschämen empfunden habe. Aber wenn man diese Sprache halt kaum spricht, dann ist das wohl einfach so. Seine japanischen Gäste arrangieren sich ja auch damit und es entsteht sowas wie ein freundliches Einvernehmen.
Beim Finale finden Krimi und das Hochzeitsthema dann gelungen zusammen. Da geht es ebenso rasant und spannend wie auch rührend zu. Eine schräge Mischung, die aber dennoch stimmig ist. Das beweist einmal mehr, dass ein Krimi durchaus ein echter Krimi sein kann, auch wenn sich ein weiterer relaitv großer Teil um das Privatleben des Kommissars dreht.

Durch die besagten ersten 16 Kapiel habe ich mich ziemlich gequält, so ungerne ich es zugebe und so ungerne ich es über einen Kluftinger-Krimi sage. Das hatte aber inhaltliche Gründe. Geschrieben ist “Grimmbart” im bereits von der Reihe gewohnten lockeren und unterhaltsamen Stil, der sich eigentlich lesen lässt wie nix, dem es aber dennoch gelingt, im Nu Spannung aufkommen zu lassen. Das hat der Umschwung nach diesen Kapiteln wieder einmal sehr gut bewiesen. Von da an konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Ich möchte die Verkehrsschilder auf dem Cover der Kluftinger-Krimis zurück. Ich seufzze sehnsüchtig bei jedem neuen Buch. Mir fehlen sie einfach. Da nützt auch der Kasten im Verkehrschildstyle um die Namen der Autoren herum nicht viel. Trotzdem gefällt mir dieses Cover wirklich gut. Es wirkt mit dem Schloss hinter dem Gitter und den finsteren Himmel recht unheimlich. Und der Dachs schaut angemessen böse aus dem Pelz.

Fazit:  Der Anlauf bis mich der Krimi so richtig packte, dauerte mir ganz klar zu lang. Bis dahin wirkten alle Ermittlungen wie ein blindes, ziemlich orientierungsloses Herumstochern. Zum Glück bekam die Geschichte dann doch noch den richtigen Dreh. Plötzlich konnte ich mitknobeln, die Verdächtigen wurden zunehmend interessant und Kluftinger hat mich mit seiner Cleverness mehrmals beeindruckt. In Kluftis Privatleben dreht sich alles um die Hochzeit seines Sohnes und den japanischen Familienbesuch der Braut. Das sorgt für Spass und Turbulenzen, wächst sich dann aber doch zu einem schönen Einvernehmen aus. Diese Entwicklung hat mir gefallen.


Titel:  Grimmbart – Kluftingers neuer Fall
Autor: Volker Klüpfel & Michael Kobr
Seiten:  478
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426199381
Preis:  € 19,99 (HC)

Valhalla (Thomas Thiemeyer)

valhalla2015. Spitzbergen – der nördlichste Siedlungspunkt der Menschheit. Eine Welt aus Eis und Schnee, überschattet von vier Monaten Polarnacht. Dort plant Archäologin Hannah Peters, geheimnisvolle Strukturen unter dem arktischen Eis zu untersuchen: Das Abschmelzen der Gletscher hat mutmaßlich Fundamente eines mythischen Nordreiches zutage gefördert. Doch Hannah ist nicht die Erste, die diese Ruinen erkundet.
1944. Im annektierten Norwegen, fernab jeder Siedlung, reift ein Projekt, das grauenvoller ist als alles, was Menschen je ersonnen haben. Eine biologische Zeitbombe, verborgen unter dem ewigen Eis. Ihr Codename: Valhalla.

Bis zu “Valhalla” hatte ich noch keinen von Thomas Thiemeyers Thriller gelesen. Dann entdeckte ich das Buch auf der Buchmesse und der Klappentext klang ausgesprochen verheißungsvoll. Ich mag Thriller, die im Ewigen Eis spielen. Schon deshalb, weil alleine die Vorstellung von solcher Kälte einer meiner persönlichen Albträume ist. Ein kleiner Wermutstropfen war der Hinweis darauf, dass die Zeit um 1944 ebenfalls eine Rolle spielen würde. Das ist so gar nichts, was mich großartig interessier. Aber ich wollte es wagen, und bin belohnt worden!
Da ich noch keinen anderen Thriller von Thomas Thiemeyer kannte, war ich recht schnell etwas verdutzt. Denn immer mal wieder wird angedeutet, dass Hannah Peters bereits andere Abenteuer erlebt hat. Ich hatte etwas Sorge, dass mir das zum Verhängnis werden würde, aber diese Sorge war unbegründet. Man muss Hannahs vorige Abenteuer nicht kennen um in “Valhalla” mit ihr klarzukommen und durchzusteigen. Sie wurde mir schnell sympathisch, was auch daran lag, dass sie Eis, Schnee und Kälte überhaupt nicht mag und sich erst ab 25 Grad so richtig wohl fühlt. Genau meine Meinung!
Einen kleinen Schrecken bekam ich dann nach Hannahs erstem Besuch in Spitzbergen. Kaum dass man dort das erste erschreckende Szenario erlebt hat, kehrt die Handlung zurück nach Deutschlands. Natürlich habe ich mir Sorge um Hannah gemacht, aber ich wollte auf keinen Fall, dass der Rest der Geschichte nicht in Spitzbergen spielt, sondern anderswo!
Umso froher war ich als ich feststellte, dass Hannah sich selbst von einem solchen Vorfall nicht abhalten lässt. Da mochte ich sie gleich noch eine ganze Spur mehr. Es war interessant zu verfolgen, welche Personen sie auf ihrem zweiten Besuch in Spitzbergen mitnimmt. Eine tolle Mischung aus verschiedenen Wissenschaftlern und Experten, die für viel Abwechslung in der weiteren Handlung bürgen.
Zurück in Schnee und Eis lernt man dann noch andere Seiten der Gegend kennen. Ich muss zugeben, dass sie mich nun doch ein wenig reizte. Vor allem durch die Tour mit den Hundeschlitten. Das würde ich gerne einmal selbst mitmachen. Da würde mich dann wohl nicht mal die Kälte mehr stören. Gleichzeitig fand ich es sehr spannend, was Hannah und ihre Leute auf dem Weg zurück zur Fundstätte erleben. Denn kaum zur Tour dorthin gestartet, hängen ihnen bereits Widersacher an den Hacken und es kommt zu einigen brenzligen Situationen. Thomas Thiemeyer scheut sich dabei auch nicht, die eine oder andere lieb gewonnenene Figur über die Klinge springen zu lassen, was mir besonders im Fall des Hundeführers leid getan hat. So knurrig und unwillig er oft auch wirkt.
Zurück an der Fundstätte der angeblich mythischen Siedlung wird es dann obendrein auch noch schön gruselig. Um das als angenehm zu empfinden sollte man allerdings wie ich ein Faible für Geschichten um solche Versuche und ihre Ergebnisse haben. Zwar fand ich es etwas arg durchschaubar, wer sich dort herumtreibt und die Gruppe verfolgt und angreift, aber die Idee hat mir zu gut gefallen um das groß zu verurteilen. Vor allem, weil man sich lange nicht sicher sein kann, ob die Angreifer es wirklich auf die Gruppe abgesehen haben, oder ob sie ihnen nicht vielleicht doch eher wohlgesonnen sind.
Gelegentlich wechselt der Schauplatz zu den Verfolgern, die Hannah und ihre Leute bereits kurz nach der Ankunft unwissentlich aufgegabelt haben, und die sind alles andere als zimperlich. Außerdem bekommt man in diesen Passagen einige Hintergrundinformationen um die Fund im Ewigen Eis. Zu meiner Erleicherung wurde auch hier nicht sonderlich auf die Zeit um 1944 eingegangen.

Ich denke, ich werde mir vielleicht auch Thomas Thiemeyers andere Erwachsenenthriller genauer ansehen. Mir hat nämlich nicht nur die Geschichte von “Valhalla” gefallen, sondern auch wie es geschrieben ist. Spannend und interessant, dabei aber in gewisser Weise auch ganz locker. Vor allem ohne historische Hintergründe oder Beschreibungen von Orten unnötig breit auszuwalzen. Genug von allem, damit man es sich vorstellen kann, aber nicht so viel, dass man sich dabei langweilen könnte. Das geht speziell bei mir nämlich sehr, sehr schnell…

Das Cover hat mich auf der Buchmesse sofort angesprochen. Vor allem wegen der schönen Farben. Das kräftige Grün der Nordlichter ist ein toller Kontrast zum sonst eher düsteren Motiv. Das alleine lässt bereits auf eine geheimnisvolle Geschichte hoffen, doch in Kombination mit dem Labyrinth gibt einem das Motiv erst recht Rätsel auf.

Fazit:  Ich habe mit “Valhalla” einige Leseabende verbracht, die mir ein wohliges Fröstel verursacht haben. Eine sehr spannende und mysteriöse Geschichte im Ewigen Eis, bei der auch Gruselfans auf ihre Kosten kommen dürften. Das wird sicher nicht mein letzter Erwachsenenthriller von Thomas Thiemeyer bleiben.

Vielen Dank an Dromer Knaur für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Valhalla
Autor: Thomas Thiemeyer
Seiten: 512
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426652657
Preis: 19,99 (HC)

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