Drogen

Morgan & Bailey (11) – Schnee in Paris

Titel: Morgan & Bailey (11) – Schnee in Paris / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca 57 min  / Sprecher: Katja Brügger, Santiago Ziesmer, Jens Wendland, Ulrike Möckel ua

Inhalt: Rose Bailey reist mit Charles Morgan nach Paris, um ihre Schulfreundin zu besuchen, die berühmte Krimiautorin Marsha Hawkins. Dabei lernen sie jedoch auch die gefährliche Seite der Weltmetropole kennen, denn das Verbrechen scheint ihnen auf Schritt und Tritt zu folgen. Gemeinsam mit Marsha müssen sich die beiden Spürnasen aus Heaven´s Bridge mit der Pariser Unterwelt messen.


Die “Europatournee” von Morgan und Bailey geht weiter. Nach Italien steht ein Besuch bei einer alten Freundin von Rose in Paris an. Ausgerechnet! Wo ich doch so gar kein Frankreich-Fan bin! Ich gebe offen zu, mir grauste es wirklich vor der Geschichte.
Zum Glück erwartete mich dann aber doch nicht die befürchtete französische Keule. Will heißen, natürlich werden gewisse Orte und Sehendwürdigkeiten genannt, die Menschen in Paris haben nun mal französische Nachnamen, aber dankenswerterweise läuft niemand mit dickem Akzent herum. Vielen, vielen, ganz persönlichen Dank dafür von mir! Es reicht so völlig um das nötige französische Flair aufkommen zu lassen.
Nun aber zum Fall der beiden Hobbyermittler. Der kommt sehr zügig in die Gänge und schon kurz nach Beginn ereignen sich die ersten merkwürdigen Zwischenfälle, die letztlich mit einem brisanten Fund den Startschuss für das weitere Geschehen bilden.
Gewohnt mtuig, clever und charmant nehmen Morgan und Bailey sich der neuen Herausforderung an, an einem Punkt begleitet von einem sympsthischen, manchmal etwas übereifrigen französischen Kommissar. Der Fall verläuft an sich angenehm geradlinig, weiß aber mit immer neuen, oft erschreckenden Erkenntnissen für Spannung zu sorgen.
Zum Schmunzeln gibt es auch hin und wieder etwas. Über besagten Kommissar musste ich beispielsweise genauso oft grinsen, wie über Rose’ alte Freundin Marsha. Und gewisse Romanideen laden auch mal zum Grinsen ein.

Katja Brügger hat mir als Marsha sehr gut gefallen. Ihre markante Stimme und der manchmal theatralische Ton passen gut zu der Bestsellerautorin und vermitteln einem ein klares Bild von ihr. Santiago Ziesmer macht als Commissaire Reynaud einfach nur Spass. Auch Ulrike Stürzbecher macht als Marshas Assistentin Kat eine gute Figur und schafft es, einem sowohl das Bild einer karrierebewussten Frau zu vermitteln, als auch das eines jungen Mädchens, dass neben dem Job auch noch ganz andere, private Sorgen hat.

Die Musikkulisse ist angenehm gemischt und hält sich wie von der Serie gewöhnt eher zurück. Es sind Stücke in vertrauten Stil der Reihe zu hören, hier und da mit französischen Musiken durchsetzt. Das sorgt für Flair. Absolut stimmig eingefügte Geräusche verstehen sich bei dieser Serie von selbst und sind somit auch hier wieder zu hören.

Mit einem Koffer nimmt das Unheil seinen Lauf und entsprechend ist auch auf dem Cover einer zu sehen. Im Hintergrung trägt das Bild vom Eiffelturm dem Titel Rechnung. Gehalten ist alles in einem warmen Rotbraunton.

Fazit: In Paris erwartete Morgan und Bailey ein neuer  und angenehm geradliniger, interessanter Fall, den sie gemeinsam mit der französischen Polizei auf gewohnt bewährte, charmante Art angehen und lösen. Da ich den Komissaire wirklich sehr mochte, hat es mich nicht gestört, dass hier quasi zu dritt ermittelt wird. Nun bin ich sehr gespannt, was da bei Liam los ist…

So rot wie Blut (Salla Simukka / Nina Petri)

Titel: So rot wie Blut / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 323 min / Buch: Salla Simukka / gelesen von: Nina Petri

Inhalt: Lumikki Andersson ist ein 17-jähriges Mädchen, das gelernt hat, sich selbst zu verteidigen und niemandem zu vertrauen. Früher wurde sie gemobbt, nun ist sie ein einsamer Wolf – scharfsinnig, sarkastisch und wirklich tough. Als sie in der Dunkelkammer ihrer Schule auf einen Fall von Geldwäsche stößt, findet sie sich plötzlich in einem Strudel unvorhersehbarer Ereignisse wieder. Es ist der kälteste Winter des Jahrhunderts; die Straßen von Tampere sind gefroren und weiß wie Schnee. Und nichts färbt weißen Schnee so rot wie Blut.


Auf diese Geschichte hatte ich mich sehr gefreut, umso größer ist die Schande, dass das Hörbuch so lange ungehört im Regal stand. Zwar sind Themen wie Geldwäsche und Drogen nicht mein Fall, aber Lumikki klang im Klappentext nach meinem Geschmack. So als könne ich mich gut in sie hineinversetzen, sie gut verstehen.
Grundsätzlich stimmt das auch. Lumikkis Entwicklung hin zu ihrer jetzigen Art konnte ich gut nachvollziehen. Dank einiger Einblicke in ihre Vergangenheit ahnt man, was ihr früher passiert ist. Und da hat es mich nicht erstaunt, dass sie nun so zurückhaltend ist, gut beobachten kann, clever ist und auch irgendwo ziemlich abgebrüht. Das sind halt die Folgen solcher Vorfälle. Soweit konnte ich mit Lumikki also durchaus etwas anfangen.
Mein Problem mit ihr widerum war aber, dass ich ihre Entscheidungen und Handlungen oft nicht verstehen konnte. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen ich mich ehrlich gefragt habe, wie man in dieser Situation nur auf solche Ideen kommt. Und da sich das nach und nach häuft, überschattete dieses Verhalten den anfangs noch so guten Eindruck von Lumikki.
Andererseits sind es gerade diese Momente, die zu spannenden Szenen führen. Wer es alleine darauf abgesehen hat und über Schwächen der Figur hinwegsehen kann, der dürfte mit der Story seinen Spass haben. Lumikki stürzt sich in eine wirklich gefährliche Hetzjagd, der es weder an Tempo, noch an Dramatik fehlt.
Das Ende ist sinnig und hat einige Überaschungen auf Lager. Zum Rätsel um das Geld, aber auch zu den offenen Fragen, die man im Laufe der Handlung hinsichtlich der Hauptfigur sammelt.

Nina Petri schlägt sich wacker mit dieser nicht ganz so leicht erzählten Geschichte. Ihre Stimme passt gut dazu und sie versteht es, Lumikkis Charakter und die oft ganz verschiedenen Stimmungen der einzelnen Kapitel rüberzubringen. Ich habe ihr gerne gelauscht und es ist ihr zu verdanken, dass ich so gut mitgekommen bin. Als Buch gelesen, hätte ich wohl ein paar Schwierigkeiten mit der Geschichte gehabt.

Das dunkle Cover passt gut zu einem Thriller. Die roten Blutstropfen bilden dazu einen starken Kontrast und lassen beim Anblick des Covers wenig Gutes für das Mädchen vermuten. Das Mädchen selber wirklich geheimnisvoll und in sich gekehrt, was absolut Lumikkis Wesen entspricht.

Fazit:  Eine durchaus spannende und temporeiche Geschichte, die für mich aber ausgerechnet durch die Hauptfigur Minuspunkte absahnte. Denn so sehr ich Lumikkis Charakter verstehen konnte, so wenig konnte ich ihre Handlungen und Entscheidungen nachvollziehen.

Team Undercover (07) – Doppeltes Spiel

Titel: Team Undercover (07) – Doppeltes Spiel / Verlag: Contendo Media / Spielzeit: ca. 62 min / Sprecher: Patrick Mölleken, Max v.d. Groeben, Theresa Schulte, Lea Kiernan, Claudia Urbschat-Mingues ua

undercover07Inhalt: Beim Geocaching werden Eddie und Hannah Zeugen eines Autounfalls. Den Fahrer können sie gerade noch aus dem Autowrack befreien. Und bald merken die Kinder, dass einige finstere Gestalten auch Interesse am Schicksal des Unfallfahrers haben. Was hat der zu verbergen? Mit ihren Recherchen lenkten die Vier vom TEAM UNDERCOVER die Aufmerksamkeit der Bösewichte auf sich und bereuen schon bald, ihre Nase wieder mal zu tief in anderer Leute Angelegenheiten gesteckt zu haben.


Und schon wartet das nächste Abenteuer auf das Team Undercover! Das muss man dieser Folge lassen: zur Ruhe kommt man als Hörer dabei nicht einen Moment lang. Die Folge beginnt bereits mit einer dramatischen und spannenden Szene, die zum Nägelknabbern verleiten kann. Und genauso geht es auch weiter! Es gibt gleich mehrere Szenen, in denen man sogar um das Leben der Vier bangen muss. Das Besondere dieses Mal ist, dass die vier Kids in zwei Teams ermitteln. Denn nicht nur Eddie und Hannah sind den Verbrechern begegnet, auch Sara und Ben bekommen es mit der Bande zu tun, die wortwörtlich bis zum Äußersten gehen um ihr Vorhaben durchzuziehen. Das ist vielleicht für eine Jugendserie leicht gewagt, aber Typen dieser Art schrecken vor Waffen nun mal sicher nicht zurück und somit wirkt es hier durchaus realistisch. Das rechne ich einer solche Serie immer sehr hoch an! Die Auflösung am Ende, wer noch in die Geschichte verwickelt ist, konnte mich dann allerdings nicht überraschen. Das hatte ich schon geahnt. Und ich fand es auch etwas bedauerlich, derjenige gefiel mir sonst nämlich prima. Nebenbei bekommt man bei dieser Folge noch einen Crashkurs in Sachen Geocaching, was vielleicht ein paar Hörer neugierig machen könnte. Wer sich mit dem Thema bereits auskennt, der wird auf jeden Fall seine Freude daran haben. Das einzige, was mir speziell am Anfang ein wenig Bacuschmerzen bereitet hat ist, dass Hannah und Eddie abwechselnd schildern, was sie sehen. Da die Serie keinen Erzähler hat, geht das kaum anders, klar. Doch wer sich an so etwas wirklich richtig stört, der muss hier wohl mal die Zähne zusammenbeißen.

Die jugendlichen Sprecher machen ihre Sache hier prima, da gibt es nichts zu beanstanden. Sie klingen engagiert und haben hörbar ihren Spass an der Sache. In den erwachsenen Rollen geht es mit beispielsweise Claudia Urbschat-Mingues, Tilo Schmitz, Bernd Vollbrecht und Detlef Bierstedt ganz schön prominent zu, was die Charaktere durchweg glaubhaft klingen lässt.

Der Soundtrack braucht sich ebenfalls keineswegs verstecken. Speziell die dramatischen Szenen sind mit entsprechend aufwühlenden Stücken unterlegt. Mal etwas lauter, mal dezent leise aus dem Hintergrund. In dieser Hinsicht legt die Reihe für eine Jungendserie die Messlatte ganz schön hoch. Das gefällt!

Das Covermotiv hält einen Moment aus der besagten Anfangsszene fest. Mit dem Feuer im Hintergrund, den flüchtenden Kids und dem bewusstlosen Mann wird sofort deutlich, dass einen auf der CD ein spannender und packender Fall erwartet. Im Booklet findet man einen kurzen Text zum Thema Geocaching.

Fazit:   “Doppeltes Spiel” ist eine durchweg spannende und rasante Folge, die einem keine Sekunde zum Durchatmen lässt. Ich fand die getrennten Ermittlungen des Teams besonders reizvoll. Da merkt man, wie gut die Freunde zusammenarbeiten. Selbst wenn sie gerade mal nicht gemeinsam unterwegs sind.

Pollution Police (04) – Karolina und die Drogengangster

Titel: Pollution Police (04) – Karolina und die Drogengangster / Verlag: Pollution Police e.V / Spielzeit: ca. 45 min / Sprecher: Daniel Käser, Patrick Bartsch, Julia Fölster, Wolfgang Bahro ua

Inhalt: Niklas, Linus und Melissa – Mitglieder der Pfadfindergruppe “Pollution Police” – retten ein Mädchen namens Karolina, das vor ihren Augen in einer U-Bahnstation zusammenbricht. Die Diagnose der Ärtze: Überdosis! Karolina gehört zu einer Gruppe von Heimkindern, die gegen ihren Willen von einer skrupellosen Gangsterbande als Drogenkuriere eingesetzt werden. Die kleinen Pfadfinder beschließen, die Kriminalpolizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen und begeben sich bei der Spurensuche direkt in die Höhle des Löwen.


Ich habe zwei Folgen mit der Reihe ausgesetzt und bin mit dieser hier quasi quer wieder eingestiegen. Ich kann nicht anders als sie zwiespältig zu betrachten. Einerseits und sicher ist dies am wichtigsten bei der anvisierten jugendlichen Hörerschaft. Denn die bekommt hier ein Abenteuer zu hören, dass es schon ganz schön in sich hat. Keineswegs weichgespült oder weit hergeholt. Solche Verbrechen gibt es und wieso sollte man es nicht mal wagen, sie zum Thema in einer Jugendkrimireihe zu machen? Man scheut sich auch nicht, mal deftige Worte fallen zu lassen. Die Story ist ganz spannend und kommt gegen Ende mit einer echten Überraschung um die Ecke.
Als erwachsener Hörer sträubt sich mir jedoch alles, wenn einer der Pfadfinder auf ein “Verpiss dich!” mit einem wohlerzogenen: “Was sind denn das für Manieren?” reagiert. Oder dem Gauner vorrechnet, er habe bei zwei Kids zusammen 206 Knochen zu brechen und damit viel zu tun.  Oder sich vor der Polizei brüstet “Allzeit bereit” sei nicht nur ein Sprichwort. Muss man solcher Botschaften denn wirklich mit diesem großen Löffel in die hörenden Kids reinschaufeln?

Vermutlich liegt es auch an der oft so gestelzten Ausdrucksweise, dass mich Daniel Käser, Patrick Bartsch und Julia Fölster nicht ganz überzeugen konnten. Jugendlich locker klingt da doch etwas anders. Dafür punkten die erwachsenen Sprecher. Wolfgang Bahro gibt einen wunderbaren Fiesling und Katja Brügger eine sehr mütterliche Heimleiterin.

Musikalisch lässt man nichts anbrennen. Das klingt frisch und nach Kinder- bzw Jugendhörspiel und geht somit in Ordnung. Das Titellied lädt zum Mitpfeifen ein. Auch die Geräuschkulisse kann sicht hören lassen. Ich glaube nur nicht, dass ein Waschbär dauernd keckert.

Das Cover zeigt die drei  Pfadfinder samt Waschbär in einer der spannendsten Szenen der Geschichte. Ich finde, das Motiv macht neugierig auf die Geschichte. Zumindest, wenn man alt genug ist um zu ahnen, was für ein weißes Pulver Niklas (?) da in den Händen hält.

Fazit: Inhaltlich eine gute und spannende Folge, die das Zeug hat, jungen Hörern zu gefallen. Vielleicht merken sie ja nicht so deutlich wie sehr hier moralisch und sozial die Brechstange angesetzt wird. Mir was das jedenfalls viel zu heftig.

Der Märchenerzähler (Antonia Michaelis / Ulrike C. Tscharre)

Titel: Der Märchenerzähler / Verlag: Igel Records / Spielzeit: ca. 431 min (6CDs) / Buch: Antonia Michaelis / gelesen von: Ulrike C. Tscharre

Inhalt: Geliebter Mörder? Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden? Ein temporeicher Thriller und ein zu Herzen gehende Liebesgeschichte, die nicht mehr los lassen!


So etwas wie bei diesem Hörbuch habe ich noch nie erlebt. Ich hätte bis zur Hälfte ohne Bedenken eine klare Empfehlung ausgesprochen. Eine schön erzählte Liebesgeschichte von einem Mädchen aus gutem Hause und einem Außenseiter mit sozial schwachem Hintergrund, das ist zwar Klischee pur, aber irgendwie packt sie einen manchmal eben doch. Diese zarte, aufkeimende Liebe zwischen Anna und Abel hatte mich im Nu bezaubert. Doch dann kam eine Stelle, die mich wortwörtlich gewaltsam auf den Boden zurückgeholt hat. Ich hatte das Hörbuch zuvor in einem Rutsch gelesen, doch an diesem Punkt habe ich es ausgeschaltet. In diesem Moment war klar, es würde defintitiv keine Empfehlung von mir bekommen. Eine Vergewaltigung ist unentschuldbar! Punkt, aus! Und was ebenso schlimm ist: nicht nur, dass sie hier sehr wohl zu entschuldigen ist, nein, es wird auch gar nicht weiter darauf eingegangen. Ist halt passiert, aber war ja eigentlich gar nicht so schlimm. Man halte sich vor Augen, dass “Der Märchenerzähler” ein Jugendbuch ist! Eine äußerst merkwürdige und hoch bedenkliche Botschaft, die hier vermittelt wird. Als ich an diesem Punkt auch noch einmal über das zuvor Gehörte nachgedacht habe, musste ich mir dann eingestehen , dass ich mich von dieser Liebesgeschichte doch sehr hatte blenden lassen. Denn es gibt noch zahlreiche weitere Dinge, die man der Geschichte bei aller Gefühlsduselei nicht entschuldigen kann. Drogendealen ist -so arm man auch sein mag- keine Option, Gewalt jedweder Art ebenfalls nicht, Mord schon mal lange nicht, und auch eine noch so miese Kindheit ist weder eine Erklärung, geschweige eine Entschuldigung. Zudem hat mir Annas Verhalten nach der Vergewaltigung auch dafür die Augen geöffnet, dass sie sich schon zuvor die ganze Zeit wie eine verliebte Gans benommen hat. Abel kann sich benehmen wie die sprichwörtliche Axt im Walde und die schulisch so intelligente Anna hat nichts Besseres zu tun als ihm immer und immer und immer wieder hinterherzulaufen und einzuschmeicheln. Da kann man im Grund nur den Kopf schütteln.
Dem in der Geschichte von Abel erzählten Märchen konnte ich seit Anfang her nichts abgewinnen. Für solche Geschichten bin ich einfach nicht zu haben. Es ist natürlich klar, dass dieses Märchen quasi eine Art Spiegelbild der Situation von Anna, Abel und seiner Halbschwester Micha ist, das jedoch tiefer blicken lässt als die vordergründige Story, doch mit Klippenprinzessinnen mit diamantenem Herzen, Jägern und silbernen Seelöwen kann man mich schlicht nicht begeistern. Hätte ich “Der Märchenerzähler” gelesen, hätte ich diese Passagen sicher überblättert.

Ulrike C. Tscharre habe ich bei diesem Hörbuch zum ersten Mal gehört. Mit ihrer sanften und weichen Stimme trifft sie für die Liebesgeschichte genau den richtigen Ton. Und dafür, selbst die zweifelhafteste Moral noch gut und unauffällig an den Hörer zu bringen damit in einem natürlich auch. Der Vorwurf gilt aber natürlich klar der Geschichte, nicht der Sprecherin. Die hat mir wirklich sehr gut gefallen und ich werde mal schauen, welche Hörbücher sie noch gelesen hat.

Musik spielt in der Geschichte eine zentrale Rolle. Das findet sich auch in der Umsetzung des Hörbuchs wieder. So sind sehr häufig ausgefeilte Melodien zu hören, die die Stimmung und Atmosphäre der jeweiligen Szenen zusätzlich unterstreichen. Auch kleinere Effekte wurden eingearbeitet, so klingt beispielsweise ein Telefongespräch deutlich anders als der Rest der Erzählung.

So märchenhaft wie der Titel, so märchenhaft wirkt auch das Covermotiv mit den Lichtspielereien und den verwaschenen Farben. Mitten darin Abel umgeben von Zweigen mit blutroten Knospen. Das ist ein Motiv, das neugierig macht, und das defintitiv nicht widerspiegelt, mit welch ernsthafte Themen sich die Geschichte neben der Lovestory beschäftigt.

Fazit: Es gibt Dinge, für die gibt es keine Entschuldigung. Dass diese Geschichte es trotzdem tut und außerdem auch noch einige kaum weniger bedenkliche Botschaften vermittelt (obendrein einem vornehmlich jugendlichen Publikum), ist unglaublich. Ich hätte das Hörbuch gerne empfohlen, aber so führt kein Weg dahin.

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