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Weisswurstconnection (Rita Falk)

Ein Luxus-Spa-Hotel öffnet seine Pforten, und die Hälfte der Dorfbevölkerung tobt. Als kurz darauf auch noch eine Leiche ausgerechnet in einer Marmorbadewanne dort liegt, muss der Eberhofer freilich wieder ran. Ganz egal, wie geschmeidig es mit der Susi grad läuft. Leider ist der Birkenberger Rudi momentan ein wenig verpeilt – was den Franz vor eine schwere Entscheidung stellt. Bleibt zu hoffen, dass zumindest er den Überblick behält. Oder verrennt er sich dieses Mal tatsächlich ein bisschen?

Endlich habe ich den (nicht mehr ganz) neuen Eberhofer gelesen. Sonst habe ich ihn sofort gelesen, sobald er eintraf. Aber 2016 war einfach kein so gutes Lesejahr bei mir.
Nun aber habe ich ihn endlich gelesen und er hat mir insgesamt so 50:50 gut gefallen.
Ein Mord im neu eröffneten Wellnesshotel von Niederkaltenkirchen hält Eberhofer dieses Mal auf Trab. Während der Mord Rätsel aufgibt, gibt es gleichzeitig auch noch massig Verdächtige. Denn so richtig begeistert war man im Dorf ja eher nicht vom neuen Hotel. Dass selbst Franz’ beste Freunde plötzlich auf der Verdächtigenliste stehen, sorgt für zusätzliche Brisanz.
So kann man als Leser gut mitknobeln und Verdächtigungen anstellen. Ich muss zugeben, ich habe es selbst der ein oder anderen an sich so lieb gewonnenen Figur mal zugetraut. Irgendwo sie sind ja -so kauzig und liebenswert- eben doch ein arger Sauhaufen in meinen Augen.
Somit war für mich durchgängi für Spannung gesorgt. Irgendwann beißt sich Eberhofer aber dann doch an einem Verdächtigen fest und ich muss sagen, dass ich zuvor bereits einmal in diese Richtung gedacht hatte, die Idee aber von wegen “das kann doch gar nicht sein” bald wieder verworfen hatte. Ich hatte sogar die richtige Idee, was die Ursache für die Tat sein könnte, aber es wollte mir halt einfach nicht wirklich in den Kopf.
Somit kam die Auflösung dann doch noch sehr überraschend. Ich muss aber gestehen, dass sie mir -im Verhältnis zum vorangegangenem Geschehen mit Ermittlungen und Verdächtigungen etc- eine Spur zu einfach gestrickt daherkam.Und irgendwie habe ich sie auch nicht als eine echte Krimiauflösung empfunden. Ich dachte die ganze Zeit quasi ‘was, das soll alles gewesen sein, dafür das ganze Brimborium zuvor?’ und irgendwie verstehe ich unter einem Mord doch etwas anderes. Vor allem unter einem Mord in einem Krimi. Das ist schwer zu erklären, aber ich hoffe, man versteht es trotzdem.
Ich fand übrigens auch, dass es dieses Mal nicht so viel aus Eberhofers Privat- und Familienleben zu lesen gibt. Natürlich mischen die Oma, die Susi, das Paulchen und Bruder Leopold mit, aber eben nicht so häufig und so ausführlich wie zB in den ersten Bänden der Reihe. Das ist einserseits gut, denn so bleibt der Fokus auf den Fall gerichtet und die Geschichte fühlt sich nach einem waschechten Krimi an. Andererseits gehört Eberhofers Familie für mich einfach in die Geschichten und sorgt bei mir für die meisten Lacher. Dieses Mal habe ich eher selten gelacht, was ich schade fand. Zudem kündigen sich im Zusammenhang mit der Familie gewisse Veränderungen für Eberhofer an, die mir nicht zusagen. Ich kann ihn mir so einfach nicht vorstellen und möchte ihn so auch gar nicht erleben.
Ob aus diesen Plänen tatsächlich etwas wird, bleibt hier aber erstmal noch recht fraglich. Daher hoffe ich noch, dass es nicht alles so eintreten wird. Und angesichts des Endes der Geschichte darf man sowieso noch großzügig daran zweifeln. Denn das Ende…nun, sagen wir mal, es dürfte Eberhofer-Fans mit einem entsetzen “Alles nur das bitte nicht!” zurücklassen. Mir hat es tatsächlich ein bisschen Angst gemacht. Ich bin gespannt auf den nächsten Band…falls es einen geben sollte. [Jetzt wäre der Moment für Fans, entsetzt zu gucken 😉

Wie gehabt liest sich auch dieser Krimi wieder weg wie nichts. Ich liebe Eberhofers Art zu erzählen, diesen Dialekt, die Formulierungen, einfach alles. Das ist so herrlich locker und so etwas liest sich für mich eben einfach wunderbar flüssig und fix. Ich möchte die Krimis manchmal ehrlich länger genießen, aber Eberhofers “Schnauze” reißt mich irgendwie jedes Mal mit. Und ich mag das halt auch so.

Mein erster Gedanke beim Anblick des Covers war: schwimmt da ein Gebiss im Bier? Der Lippenstiftabdruck ist wirklich nicht so gut getroffen, finde ich. Davon abgesehen ist es insgesamt aber ein zur Geschichte passendes Cover mit dem Polizeischlüsselanhänger, dem Kronleuchter, den man sich leicht in einem bayerischen Hotel vorstellen kann und natürlich den Weisswürsten aus dem Titel.

Fazit:  Der Krimi an sich hat mir sehr gut gefallen. Er ist spannend, lädt zum Mitknobeln ein und steht hier nicht hinter Eberhofers Privatleben zurück. Allerdings fühlte sich die Auflösung für mich einfach nicht krimiwürdig an und wirkte mir zu einfach gestrickt. Außerdem kam mir Eberhofers Familie etwas zu kurz, wodurch mir auch eine Ecke an Witz und Komik fehlte. Und die Entwicklung von Eberhofers Privatleben sagt mir (bislang) so gar nicht zu. So möchte ich es einfach nicht haben bzw ihn nicht darin erleben. Mal schauen, was daraus wird. Vor allem nach diesem Ende…


Titel: Weisswurstconnection
Autor: Rita Falk
Seiten: 304
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261272
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Leberkäsjunkie (Rita Falk)

leberkaesjunkieSchluss mit Fleischpflanzerln von der Oma oder mit »Warmen« vom Simmerl – die Cholesterinwerte vom Eberhofer sind so hoch wie die Laune im Keller. Dazu macht die Susi ihm Stress mit dem Sprössling: knallhart durchorganisierte Besuchszeiten, da kennt sie kein Pardon.
Und dann dieser grausame Mord an einem Fremden in der Pension von der Mooshammer Liesl, der mit Brandpaste beschmiert und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Warum hatte sich dieser Gast nach Niederkaltenkirchen verirrt? Und warum wollte man ihn so brutal aus dem Weg schaffen? Als ausgerechnet der angolanische Fußballspieler Buengo vom FC Rot-Weiß Niederkaltenkirchen unter Mordverdacht gerät, nimmt der Eberhofer die Ermittlungen auf.

Zunächst erstmal ein ganz großes “Tut mir leid”, dass die Leserattz so lange pausiert hat was Rezensionen angeht. Ganze zwei Monate. Wahnsinn! Irgendwie fehlten mir Zeit und Lust zum Lesen. Das soll sich aber nun wieder einpendeln.
Das fällt umso leichter, wenn man mit einer Besprechung zu einem Buch aus einer absoluten Lieblingsreihe wieder loslegt
In diesem siebten Fall hält eine Brandleiche Eberhofer schwer auf Trab. Da an selbiger Brandpaste nachgewiesen wird, ist ziemlich klar: hier war ein Mörder am Werke. Hier ist nicht einfach durch ein Unglück die Pension der Mooshammerin abgebrannt!
Ich weiß noch, wie ich den ersten Fällen von Franz Eberhofer vorgeworfen habe, dass das ganze Drumherum ständig davon ablenkt. Und so unterhaltsam wie dieses Drumherum auch ist, das sollte bei einem Krimi eben nicht so sein. Inzwischen hat die Reihe sich in dieser Hinsicht wirklich gemacht! Speziell bei diesem Fall ist es mir aufgefallen, dass die Geschichte trotz aller Ablenkungen immer wieder recht zügig zum Krimi zurückfindet. Das sorgt einmal klar für Spannung, aber eben auch dafür, dass die Handlung griffig wirkt. Da kann man gut mitknobeln und bleibt durchweg gespannt und neugierig auf den Verlauf und das Ende dieses Falles.
Unterstützt wird Eberhofer einmal mehr durch Rudi Birkenberger. Und wenn der Franz zwischendrin nicht selber zugeben würde, dass Rudi durchaus ein cleveres Kerlchen ist, müsste ich mich an dieser Stelle ernsthaft beschweren. Birkenberger hat nämlich -auch wenn er oft übereifrig ist- etwas, das Franz oft gänzlich fehlt: Ehrgeiz, Motivation und Lust auf erforderliche Ermittlungen. Und solch ein “Kollege” an der Seite schadet Eberhofer defintiv nicht.
Selbstverständlich bekommt man auch hier wieder einiges aus Eberhofers Privatleben geboten. Und das hat es durchaus ebenfalls in sich. Zwangsdiät, das eher kühle Verhätnis zur Susi, sein Vater, der mit einer Verdächtigen seinen zweiten Frühling erlebt und dann auch noch mit der Mooshammerin unter einem Dach leben. Da sind Turbulenzen und zahlreiche lustige Vorfälle und Dialoge vorprogrammiert. Ich habe wieder mal richtig lachen müssen bei dieser Geschichte. Genau das ist auch einer der wesentlichen Gründe, wieso ich diese Krimirehe so mag. Sie macht einfach riesigen Spass!
Und bitte, bitte, liebe Rita Falk, tritt dem Franz ordentlich auf die Füße! Es kann doch wirklich nicht sein, dass bald so viele Fremde in Niederkaltenkrichen einfallen und alles reibungslos und ohne mörderische Vorfälle über die Bühne geht!

Wie nicht anders zu erwarten, liest sich auch dieser siebte Fall weg wie nichts. Und das trotz zahlreicher Dialoge mit ordentlich Dialekt. Eberhofer erzählt eben einfach so wie ihm der Schnabel gewachsen ist und das liest sich herrliche leicht und schnell. Die Dialoge lockern zusätzlich auf. Und die Kapitel haben wieder eine verführerische Länge, bei der man immer denkt ach, eines noch und dann ist man auch schon beim Ende angekommen. Am Ende sind ein Glossar gewisser Begriffe und Rezepte abgehängt.

Das Cover ist dieses Mal in typisch bayerisch Blau-Weiß-Rot kariert gehalten. Das passt prima! Der Feuerlöscher macht neugierig. Was hat es denn damit auf sich bei einem Krimi? Und das Leberkäsbrötchen mit dem Salatblatt daneben deutet eines von Eberhofers rein privaten Problemen an.

Fazit:  “Leberkäsjunkie” hat mir einmal mehr richtig gut gefallen! Die Geschichte lässt den Fall niemals zu lange aus dem Auge. So bleiben die Spannung und eine griffiger Eindruck durchweg bestehen. Das war nicht immer so in dieser Reihe, daher klar ein Daumenhoch dafür. Aber natürlich geschieht auch in Eberhofers Privatleben wieder eine ganze Menge, was für Turbulenzen und viel Witz und Spass sorgt.


Titel:  Leberkäsjunkie
Autor: Rita Falk
Seiten:  320
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260855
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Heart. Beat. Love. (James Patterson & Emily Raymond)

heartbeatloveScheinbar aus heiterem Himmel schlägt Axi ihrem besten Freund Robinson einen Trip quer durch die USA vor. Robinson macht mit und verwandelt die Reise in ein verwegenes Abenteuer: Statt mit dem Greyhoundbus düsen die beiden auf einer geklauten Harley los. Sie übernachten unter freiem Himmel und schwimmen in Privatpools – und immer wieder fragt sich Axi, wann aus ihrer Freundschaft endlich mehr wird. Doch eines Morgens holt sie das Schicksal ein und es wird ihnen klar, dass sie sich vom ersten Augenblick geliebt haben und jeden einzelnen Moment des Glücks, der ihnen bleibt, auskosten wollen.

Dieses Buch habe ich zufällig auf der Leipziger Buchmesse entdeckt und schon nach dem Klappentext war klar, dass ich es lesen musste. Alleine mit der Reise quer durch die USA sprach es mich in meiner derzeitigen “Ich will weg!”-Phase sofort an. Doch es klang genauso nach einer schönen Liebesgeschichte, und einer solchen bin ich dann und wann ja nicht abgeneigt. Sofern es nicht zu kitschig wird, jedenfalls. Doch die Gefahr schien mir hier nicht zu drohen.
Zunächst sah alles genau nach dem aus, was ich mir von der Geschichte erhofft hatte. Ich habe Axi für ihren Mut bewundert, einfach zu dieser Reise aufzubrechen. Und ich fand es toll, dass sie so einen coolen Freund hat, der dabei ohne großes Wenn und Aber sofort mitmacht. Anfangs haben die beiden nichts miteinander, sind lediglich sehr gut befreundet. Wenn Axi erzählt, klingt aber doch oft durch, dass sie sich mehr wünscht.
Ich freute mich also auf das Abenteuer der Reise und war gespannt ob und wie die beiden zueinander finden würden. Axi jedenfalls habe ich es sofort gegönnt. Anfangs ist diese verwegene Reise wirklich “nur” ein richtig schönes Abenteuer. Man reist mit Axi und Robinson an verschiedene Orte, die einem dann so anschaulich beschrieben werden, dass zumindest ich unbedingt mal dorthin möchte. Ich war ehrlich neidisch auf die beiden, und dabei sind es nicht mal typische Touristenziele. Sie erleben ganz besondere Momente, die teilweise wirklich rührend sind, und gemeinsam mit ihnen genießt man diesen Kitzel aus Gefahr und Waghalsigkeit. Das ist spannend, abwechslungsreich und macht einfach Spass.
Der Hammer kommt dann aus so heiterem Himmel, dass ich erstmal schlucken musste. Denn Axi und Robinson verbindet ein schicksalhaftes Ereignis in ihrer Vergangenheit, und das hätte ich im Leben nicht kommen sehen. Zu allem Überfluss stellt sich schnell heraus, dass Robinson damit noch keineswegs abgeschlossen hat, und die Konsequenzen daraus haben mich ehrlich entsetzt.
Fortan schwankt man mit diesem neuen Wissen zwischen Hoffnung (wenn die beiden einmal mehr einen solch schönen Moment erleben) und der Ahnung, dass es für sie höchstwahrscheinlich kein Happyend geben wird. Umso mehr hat es mich gerührt, dass sie aus jedem gemeinsamen, glücklichen Moment noch versuchen das Beste herauszuholen. Das treibt einem oft die Tränen in die Augen und ich gestehe, ab einem bestimmten Punkt habe ich bei diesem Buch immer mal wieder geheult. Ich konnte und wollte nicht glauben, dass diese so wunderschöne Liebesgeschichte so enden würde.
Gleichzeitig habe ich das Ende jedoch auch als konsequent und daher absolut in Ordnung gefunden. Denn die Geschichte ist auch sonst erfreulich unkitschig, dazu hätte ein rosarotes Ende aus heiterem Himmel nicht gepasst. Und bei aller Trauer um dieses Pärchen gab es selbst zum Ende hin noch Szenen zum Lächeln. Das klingt paradox, doch wenn man “Heart. Beat. Love.” gelesen hat, dann versteht man das.

Ich habe das Buch an einem langen Abend ausgelesen, weil ich einfach wissen musste, wie es endet. Axi erzählt angenehm locker, mit einer Spur Humor, wenn er angebracht ist, aber auch mit einer gewissen Ernsthaftgkeit, wenn die dunklen Wolken über Robinson und ihr dichter werden. Zudem erzählt sie mit einem gewissen Tempo. Auf keine Situation geht sie intensiver ein als es nötig ist, immer genau soweit, dass sie ordentlich Eindruck hinterlässt, aber ohne unnötig abzuschweifen. Das alles hat mir das Lesen sehr leicht gemacht.

Das Cover zeigt Bilder von Momenten auf Axis und Robinsons Reise. Ich finde diesen Foto-Stil sehr passend, denn auf Reisen macht man halt oft Fotos. Außerdem verheißt jedes Bild ein schönes oder aufregendes Erlebnis. Auch auf den Buchseiten findet man immer wieder solche Bilder, die Szenen der Geschichte darstellen. Mir hat das super gut gefallen, es sind so schöne Motive, die einem durchweg vor Augen führen, in welcher Situation sich Axi und Robinson befinden. Mal in schönen Situationen, mal in weniger schönen, aber man erkennt durchweg, dass die beiden zusammengehören, dass sie viel Spass miteinander haben und dass sie jede Schwierigkeit meisten werden.

Fazit: Anfangs erwartete ich eine abenteurliche Reisegeschichte, gewürzt mit einer kribbeligen Lovestory. Dieser Wunsch wurde mir  erfüllt, auch wenn sich schnell ein erschreckender Wermutstropfen beimischte. Ich habe mit den beiden gelacht und hibbelig darauf gewartet,dass sie sich endlich näher kommen. Und später habe ich wider besseren Wissens mit Axi gehofft und mit ihr der bitteren Wahrheit ins Auge geblickt. Ja, ich habe geheult bei diesem Buch, doch das darf man auch ohne sich dafür schämen zu müssen. Das Ende hätte ich allerdings auch nicht anders haben wollen. Ich mag konsequente Enden. Friede-Freude-Eierkuchen aus heiterem Himmel wäre hier absolut unglaubwürdig gewesen.


Titel: Heart. Beat. Love.
Autor: James Patterson, Emily Raymond
Seiten: 315
Verlag: DTV
ISBN: 978-3423761079
Preis: € 16,95 (HC)

Zwetschgendatschikomplott (Rita Falk)

Zwetschgendatschikomplott (Rita Falk)Der Rudi zieht ins Schlachthofviertel und staunt, als ihm eine riesige Krähe einen abgetrennten Frauenfinger zu Füßen legt. In ihrem sechsten Fall ermitteln der Eberhofer und der Rudi im Münchner Rotlichtmilieu – denn der Finger gehörte einer ermordeten Prostituierten. Während der Wiesn sterben weitere Frauen durch eine rätselhafte Mordwaffe.

Endlich ist er da: der neue Fall für Franz Eberhofer! Es gibt wenige Bücher, denen ich jedes Mal so sehr entgegenfiebere wie Rita Falks Provinzkrimis.
Nun ermittelt der Eberhofer also in München. Ich muss zugeben, dass mir diese Entwicklung anfangs gar nicht gefiel, weil ich Angst hatte, dass so das Geschehen und die Figuren in Niederkaltenkirchen zu kurz kommen könnten. Andererseits sehe ich aber auch ein, dass man ein solches Nest nicht zum Sumpf des Verbrechens machen kann ohne dass es irgendwann unglaubwürdig erscheinen würde. In einer Großstadt wie München passiert einfach mehr. Dass dort mehr Verbrechen verübt werden als in einem Dorf ist klar. Somit ist das so zweifellos glaubhafter.
Außerdem habe ich bei diesem neuen Fall festgestellt, dass diese Trennung zwischen dem Mordfall in München und Eberhofers Familie in Niederkaltenkirchen dem Krimi eindeutig gut tut.
Sobald Eberhofer in München ist, geht es vornehmlich um die Morde und die Ermittlungen. Ging der Krimi in den Fällen aus Niederkaltenkirchen oft hinter dem übrigen Geschehen dort unter, so besteht diese Gefahr nun nicht mehr. In der Handlung in München steht der Krimi im Vordergrund. So kann man sich darauf besser konzentrieren und sogar mitknobeln. Außerdem hinterlassen die grausigen Taten so viel mehr Eindruck. Gemeinsam mit Eberhofer und dem Birkenberger geht man auf die Jagd nach dem Mörder, und was die beiden da abliefern, das kann man problemlos als Ermittlungen durchwinken. Gewürzt natürlich mit den üblichen Zickereien und Wortgefechten, aber man hat das Gefühl echter Nachforschungen. Das war bei den Fällen in Niederkaltenkirchen selten wirklich der Fall. Somit geht es spannend zu und ein Dreh kurz vor Ende sorgt nochmal für zusätzliche Brisanz. Da darf man mit Recht Angst um Eberhofer haben.
Jeden Arbeitstag fährt er morgens nach München und abends zurück nach Niederkaltenkirchen. Somit bekommt auch das Geschehen dort ausreichend Raum und kommt keineswegs zu kurz. Ich war ehrlich froh, dass meine Befürchtung nicht eintraf. Denn ich mag die Niederkaltenkirchener und ohne sie wäre ein Eberhofer-Krimi kein Eberhofer-Krimi.
Dieses Mal geht es auch im Dorf ordentlich rund. Es soll ein Hotel gebaut werden. Während einige Dorfbewohner -meist aus eigennützigen Moitven heraus- durchaus von der Idee angetan sind, so ist die Mehrheit klar dagegen. Und wer die schrägen und oft extremen Charaktere ein wenig kennt, der wird ahnen, dass da ordentlich die Fetzen fliegen. Ich konnte beide Parteien ganz gut verstehen und war entsprechend neugierig, wie der Disput ausgehen würde. Bis zur Auflösung habe ich das Geschehen mit größtem Vergnügen verfolgt und oft lachen müssen über den Einfallsreichtum einiger Niederkaltenkirchener. Da wird echt wortwörtlich bis aufs Blut für die eigene Überzeugung gekämpft. Manchmal tun es aber auch subtilere Mittel. Beispielsweise, wenn es im Dorf plötzlich kein Fleisch und keine Wurst mehr zu kaufen gibt. Wie heißt es so schön? Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt…auch das Aushungern der Gegenseite.
Mit der Liebe steht Eberhofer weiterhin auf Kriegsfuß. Zwischen Susi und ihm ist es aus, doch dann liegt sie plötzlich schwanger im Krankenhaus. Ich kann mir zwar kein bodenständiges Paar mit den beiden vorstellen, aber irgendwie gehören sie für mich einfach zusammen. So habe ich genau wie Eberhofer sehr gehofft, dass mit Susi und dem Kind alles gut wird. Und ich fand es total süß, wie viele Gedanken er sich darüber macht. Ganz so ein ungehobelter Klotz ist er eben doch nicht!

Ich habe mit den Krimi bewusst auf zwei Abende aufgeteilt um länger etwas davon zu haben. Es wäre aber ganz leicht gewesen, ihn in einem Rutsch zu lesen. Eberhofer erzählt wie ihm der bayerische Schnabel gewachsen ist, locker und flockig mit Humor und einem guten Schuss Dialekt. Das liest sich weg wie nichts. Die Kapitel sind dieses Mal ein wenig länger als bei den vorigen Bänden. Jedenfalls war das mein Eindruck. So kommt man mit jedem Kapitel ein ordentliches Stück voran.

Das Covermotiv bietet die von den Vorgängerbänden bekannte Mischung aus typisch bayerischen Elementen wie zB dem Dirndl oder dem Blick auf das Oktoberfest und Krimi-Elementen, beispielsweise die Waffe und die Blutflecken am Ärmel des Dirndls. Die Krähe verheißt ebenfalls nichts Gutes.

Fazit:  Ich hatte Zweifel, muss nun aber zugeben, dass die Trennung München – Kaltenkirchen den Krimis gut tut. Eberhofers Fälle und Ermittlungen stehen im München-Teil ganz klar im Vordergrund. Es gibt nichts, was sie dort zurückdrängt. Entsprechend spannend und grausig geht es zu. Doch Niederkaltenkirchen kommt keineswegs zu kurz, zumal Eberhofer nach Feierabend dorthin zurückkehrt und so noch immer voll mitbekommt, was im Dorf vor sich geht. Und das ist in diesem Krimi fast genauso spannend wie der Mordfall. Mir hat “Zwetschgendatschikomplott” wieder sehr viel Spass gemacht!


Titel:  Zwetschgendatschikomplott
Autor: Rita Falk
Seiten:  272
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260442
Preis:  € 14,90 (broschiert)

Fuck you, Leben! (Non Pratt)

fuckyouHannah ist 15. Sie mag Jungen, sie mag Sex – und sie ist schwanger. Sie weiß zwar, von wem, aber das kann sie auf gar keinen Fall sagen.Aaron ist 16. Er ist neu auf Hannahs Schule, weil an seiner alten Schule etwas Schlimmes passiert ist. Und Aaron gibt sich die Schuld daran. Seit dem hat das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen. Und so stellt er sich vor Hannah, als eine fiese Facebook-Seite mit dem Titel ›Wer ist der Vater?‹ online geht. Mehr noch, er gibt sich offiziell als Vater des Babys aus, mit aller damit verbundenen Verantwortung. Doch kann so eine ›rein platonische‹ Vaterschaft gut gehen?

Ich weiß selber nicht genau, wieso ich mich plötzlich für dieses Buch interessiert habe. Natürlich lese ich sehr gerne Jugendbücher, aber solchen mit schwierigen Themen gehe ich eigentlich meistens aus dem Weg. Noch dazu liegt “Fuck you, Leben!” ein Thema zugrunde, mit dem ich an sich gar nichts anfangen kann.
Am ehesten hat mich wohl Aarons und Hannah Idee neugierig gemacht, ihn als Vater des Kindes auszugeben, weil Hannah den wahren Vater nicht preisgeben kann. Ich wollte wissen, wie und ob sie mit diesem Plan durchkommen würden.
Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich während des ersten Drittels der Geschichte kaum etwas damit anfangen konnte. Ich hatte ständig das Gefühl, nichts zu verpassen, wenn ich mal ein paar Seiten überspringen würde. Das habe ich nicht getan, deshalb weiß ich, dass ich mit meinem Gefühl richtig lag. Ein etwas kürzer gefasster Anlauf hätte sicher gereicht.
So allerdings hat man zunächst ewig lang Zeit, sich ein Bild vor allem von Hannah, aber auch von Aaron zu machen. Aaron mochte ich schnell, doch mit Hannah hatte ich so meine Schwierigkeiten. Mich gruselt es bei der Vorstellung, dass manche Fünfzehnjährige heutzutage so drauf sind wie sie: nix weiter im Kopf als sexy Klamotten, Jungs und Sex, und dann mit großen Augen dastehen, wenn so etwas passiert, wie es Hannah passiert. Ich bin längst keine fünfzehn Jahre mehr alt, aber ich weiß noch, dass es damals bei uns nicht so lief. Vielleicht kann ich mich deshalb so schwer mit Figuren wie Hannah anfreunden. Weil es so weit weg von meiner Teeniezeit ist.
Außerdem hat mich dieses Gezicke unter den Mädels um Hannah herum ziemlich genervt. Mit Zickereien und Intrigen kann ich gar nichts anfangen. Daher finde ich so etwas weder interessant, noch spannend. Das einzige, was ich aus diesem Teil der Geschichte mitgenommen habe, war ein zeimlich sicherer Verdacht, wer der wahre Vater des Babys sein könnte.
Nachdem man also diesen Part hinter sich gebracht hat, kommt endlich das eigentliche Thema auf den Tisch: Hannah ist fünfzehn Jahre alt, schwanger und will das Kind behalten. Es folgen die absehbaren Diskussionen und Streitereien mit der Familie und das Unverständnis, das ihr in der Schule entgegenschlägt. Das gehört in meinen Augen auch so. Wären alle hellauf begeistert gewesen, hätte ich das als sehr unrealistisch eingestuft.
Die Idee, Aaron als Vater auszugeben, hatte mich ja schon dazu bewegt, überhaupt dieses Buch zu lesen. Ich finde sie auch nachwievor gut und mutig. Einfach haben die beiden es damit auf keinen Fall, was ich ebenfalls realistisch finde. Es ist dabei schön zu verfolgen, wie speziell Aaron in diese Rolle hineinwächst. Aber eines muss man halt ganz klar sagen: so einen Typen wie Aaron, den muss man auch erstmal finden. Ich glaube kaum, dass die Wirklichkeit jedes schwangere Teeniemädel mit einem Aaron ausstattet. Da hört es mit dem Realistischen dann doch auf.
Aber für Hannah hat es mich gefreut. Auch deshalb, weil sie mir nach und nach doch noch sympathischer wurde. Die Schwangerschaft verändert sie eindeutig zum Guten hin. Aber es ist halt auch ein Zustand, den sie meistens wirklich genießen kann. Jedenfalls liest man kaum mal etwas über irgendwelche Beschwerden, die eine Schwangerschaft sonst oft mit sich bringt. Das vermittelt ab und zu das Gefühl, dass in einer Schwangerschaft alles immer nur schön und gut und rosarot ist. Ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen, aber irgendwie ist das für mich schwer vorstellbar
Der Klopper schlechthin an dieser Geschichte ist die Wahrheit darüber, wer der Vater des Kindes ist. Ich lag mit meinem Verdacht völlig daneben und dachte, ich lese nicht recht! Überraschung auf ganzer Linie geglückt, würde ich sagen. Da wäre ich nie und nimmer drauf gekommen. Und wie der Kerl sich benimmt als er von seiner Vaterschaft erfährt! Also nee, Hannah, da bist du mit Aaron dreimal besser dran.

Hannah und Aaron erzählen die Geschichte abwechselnd. Mal schaut man in Aarons Leben und Gedankenwelt, dann in die von Hannah. Das sorgt für Abwechslung, was meinen Lesefluss fast immer beschleunigt. Sie erzählen jugendlich locker, verstehen es aber -wenn nötig- auch, Ernsthaftigkeit aufkommen zu lassen. Auch das hat mir das Lesen leicht gemacht. Die Abschnitte sind oft recht kurz, so dass man leicht denkt: ach komm, einen noch! Und dann ist man plötzlich fast durch.

Mit einem hauptsächlich weißen Cover habe ich immer so meine Schwierigkeiten. Auch bei diesem Buch gefällt mir das nicht. Es sieht für mich irgendwie unfertig aus. So als wäre es noch nicht die Endversion. Aber sie ist es wohl, denn das Buch liegt so weiß neben mir. Dafür mag ich den Schriftzug, der in den Farben eines schönen Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs gehalten ist. Die Mädchengestalt gefällt mir aus. Sie sieht so frei aus, dass es sehr gut zum Titel passt.

Fazit:  Anfangs hatte ich ziemliche Probleme mit dem Buch. Über Hannahs Wesen und ihr Verhalten habe ich ständig nur den Kopf geschüttelt. Bitte, lasst nicht die Mehrheit der heutigen Fünfzehnjährigen so drauf sein. Doch mit der Schwangerschaft veränderte Hannah sich und o haben wir uns doch noch angenähert. Sehr viele Dinge in dieser Geschichte sind erfreulich realistisch beschrieben und die Idee mit Aarons “Vaterschaft” gefällt mir nachwievor. Es war schön zu verfolgen, wie sie sich damit arangieren, wie speziell er in diese Rolle hineinwächst und wie die beiden einander näherkommen. Doch eins ist ganz klar: nicht für jede schwangere 15jährige steht irgendwo ein solcher Aaron parat. Das muss man sich ebenso vor Augen halten wie die Tatsache, dass eine Schwangerschaft nicht immer so entspannt verläuft wie Hannahs.


Titel: Fuck you, Leben!
Autor: Non Pratt
Seiten: 416
Verlag: DTV
ISBN: 978-3423740074
Preis: € 14,95 (Broschiert)

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