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Wach auf und schrei! (Lotte Kinskofer)

wachaufEigentlich waren sie drei unzertrennliche Freundinnen, doch dann fällt Laura nach einem Unfall ins Koma und wenig später kommt Kim bei einem Bergunfall ums Leben. Und als Miriam anfängt nachzuforschen, wird sie prompt angefahren und landet im Krankenhaus. Sie ist sicher, dass es da einen Zusammenhang gibt. Doch niemand will ihr glauben. Und dann überfällt sie plötzlich ein schrecklicher Schwindel.

Ein Jugendthriller, da kann ich einfach nicht nein sagen. Außerdem klang der Klappentext wirklich interessant.
Es gab zwar gleich zu Anfang einen kleinen Dämpfer, weil Miriam nicht mehr im Teenageralter ist, doch diese Tatsache trat schnell in den Hintergrund. Denn Laura liegt im Koma, nachdem sie einen Unfall hatte. Und wenig später -es sind keine drei Seiten- stirbt Miriams zweite beste Freundin Kim bei einem Bergunfall. Es ist also gleich von Anfang an etwas los und man wird direkt in die Geschichte hineingeschubst. Ich mag es, wenn sich Bücher nicht mit langen Vorreden aufhalten.
Wenn man den Rückentext nicht gelesen hat, dann ahnt man spätestens bei Miriams Unfall, dass all das keine Zufälle sein können. Das wäre wirklich extrem seltsam.
Auch Miriam kommen nach diesem Unfall Zweifel und sie beginnt -soweit sie es im Krankenhaus kann- Nachforschungen anzustellen. Ehe sie es sich versieht, ereignen sich weitere unheilvolle Vorfälle. Das fand ich alles soweit ganz spannend.
Genauso wie die Frage, ob und wie Miriam mit ihrem neuen Freund, dem Krankenpfleger Daniel, den Täter entlarven würde. Der ist nämlich durchaus clever und gewitzt und absolut kaltschnäuzig, wenn es um die Durchsetzung seiner Pläne geht.
Was ich dagegen überhaupt nicht spannend fand, ist die Frage, wer der Täter ist. Das lag für mich so ziemlich von Anfang an klar auf der Hand. Ich habe mich oft gewundert und den Kopf darüber geschüttelt, dass Miriam das nicht viel schneller erkennt.
Ich schätze aber, dass die Story nicht darauf ausgelegt ist, ihre Spannung aus dieser Frage zu ziehen. Dafür ist die Antwort zu offensichtlich. Vermutlich soll die Spannung wirklich eher daher rühren, wann und wie Miriam dahinter kommt. Und ob und wie sie und Daniel dem Täter das Handwerk legen, und das funktioniert einwandfrei. Beim Finale habe ich mich tatsächlich dabei erwischt, wie ich am Fingernagel geknabbert habe.
Mein spezieller Liebling hier war Krankenpfleger Daniel. Er ist einfach total nett und witzig. Ich habe oft über seine Sprüche und die schlagfertigen Diskussionen zwischen ihm und Miriam lachen müssen. Und auch Miriams Bettnachbarin ist nach dem ersten Schrecken einfach ein Original, liebenswert und alles andere als auf den Kopf gefallen. Ein Thriller darf also auch ruhig mal witzige Szenen haben.

Mit 268 Seiten ist “Wach auf und schrei!” nicht gerade ein Wälzer. Ich habe es an einem Abend gelesen. Es ist einfach angenehm kurz, aber nicht zu kurz, und leicht zu lesen. Die Kapitel haben im Schnitt eine ganz ordentliche Länge. Mit jedem kommt man ein gutes Stück voran. Außerdem sorgen Kapitel aus Sicht des Täters für Abwechslung.

In einer der letzten Rezis hatte ich bereits mal erwähnt, dass ich weiße Cover nicht besonders mag. Zu einem Thriller passen sie für mich einfach nicht richtig. Thrillercover sollten für mich eher düster sein. Dafür gefällt mir aber die schaurige Schriftart beim “…schrei”. Und auch den Kontrast der roten Blüten mag ich gerne. Es sind schöne Akzente im sonst eher schlichten Motiv.

Fazit:  Wer der Täter ist, das wird einem bei “Wach auf und schrei!” wirklich sehr schnell klar. Aus dieser Richtung kann also keine Spannung aufkommen. Die zieht die Geschichte hauptsächlich aus der Frage, wann Miriam die Sache durchschauen wird. Und ob es Daniel und ihr gelingen wird, den Täter zu entlarven und ihm das Handwerk zu legen. Ich gehe davon aus, dass das auch genauso gewollt ist. Und bei mir hat es prima funktioniert. Ein schöner Thriller-Happen für zwischendurch!


Titel: Wach auf und schrei!
Autor: Lotte Kinskofer
Seiten: 268
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423716109
Preis: € 9,95 (TB)

Ich und die Menschen (Matt Haig)

ichundiemenschenIn einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?

Bis ich dieses Buch auf der Buchmesse zufällig entdeckte, hatte ich noch nichts davon gehört. Und das, wo mir Matt Haigs “Die Radleys” doch so ausnehmend gut gefallen haben! Da war es natürlich keine Frage, dass ich auch “Ich und die Menschen” lesen würde.
Für mich teilt sich die Geschichte ziemlich genau in zwei Teile. Im ersten Teil lernt man Professor Andrew Martin kennen, der nackt eine Autobahn entlang und durch die Stadt wandert. Das tut er, weil er gar nicht mehr Andrew Martin ist. Er wurde nämlich von einem Außerirdischen übernommen, der von einem weit entfernten Stern kommt und von überragender Intelligenz ist. Insbesondere Letzteres macht eigentlich klar, dass er von den Menschen nicht viel halten kann.
Tut er auch nicht! Ganz entschieden nicht! Mir hat dieser Teil der Geschichte richtig gut gefallen. Der neue Andrew Martin hat ein wunderbar feines Auge für all die kleinen Eigenarten und Schwächen, die die Menschen auszeichnen, und er bringt sie gekonnt und höchst amüsant auf den Punkt. Ich habe wirklich oft Tränen gelacht. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man so den Spiegel vorgehalten bekommt, denn natürlich findet man sich selber hier und da auch wieder. Wenn man so etwas mit Humor nehmen kann, dann ist dieser Teil der Geschichte das reinste Vergnügen.
Doch der echte Andrew Martin hatte natürlich auch eine Familie: Frau und pubertierenden Sohn, und mit ihnen muss sich nun auch der neue Andrew Martin arrangieren. Auch das fand ich oft sehr witzig, aber ebenso oft tat er mir leid, wenn er wegen etwas aufläuft, dass er schlichtweg als Außerirdischer nicht richtig einschätzen kann. Doch nach und nach findet er sich ein und es war schön und nahezu rührend zu verfolgen, wie er eine Beziehung zu der Familie und ein paar Familienfreunden aufbaut.
Darüber hätte ich beinahe vergessen, dass der echte Andrew Martin keineswegs willkürlich übernommen wurde. Der Außerirdische hat einen klaren Auftrag, was er auf der Erde als Andrew Martin zu erledigen hat. Und das ist alles andere als erfreulich für Frau und Sohn. Zwischen den Kapiteln erinnern Gespräche zwischen dem Außeriridischen und seinen Leuten konsequent daran, doch irgendwann konnte ich mir nicht mehr vorstellen, dass er es durchziehen würde.
Etwa an diesem Punkt kam für mich der Bruch. Plötzlich war die bisherige Leichtigkeit der Geschichte fast komplett verschwunden. Gewitzte Kommentare gab es kaum noch. Natürlich ist es klar, dass es nicht mehr so lustig zugehen kann, wenn durch den Auftrag etwas so Wichtiges auf dem Spiel steht und auch von Seiten seiner außerirdischen Leute an Andrew Martin gezerrt wird, aber ganz ehrlich: ein paar Mal mehr hätte ich auch in diesem Teil gerne noch gelacht.
Dafür wird es aber wenigstens spannend, denn alsbald muss Andrew Martin einsehen, dass er keine eigene Handhabe mehr über seinen Auftrag hat. Er gerät in Lebensgefahr, und ich habe mich ehrlich gefragt, wie diese Sache noch jemals gut würde enden können.

Anfangs las sich das Buch weg wie nichts. Alleine deshalb, weil ich solchen Spass damit hatte und so über Andrew Martins Ansichten lachen musste. Die Kapitel lockten obendrein mit Titeln, die neugierig machten. Da flogen die Seiten nur so dahin. Nach besagtem “Bruch” wurde es dann schwieriger. Die plötzliche Ernsthaftigkeit hat mein Lesetempo ganz schön ausgebremst. Und so habe ich dann doch länger für das Buch gebraucht als eingangs gedacht.

Das Cover finde ich einach wunderschön mit den tollen Blautönen, dem riesigen Erdball und darunter die schlanke Gestalt mit Schirm und Hund auf einem anderen Planeten. Das Motiv strahlt Ruhe aus und wirkt sehr stilvoll. Ein schöner Blick auf die Erde.

Fazit:  In der ersten Hälfte war ich restlos begeistert von der Geschichte, weil sie so herrlich lustig ist, dass ich mehrmals Tränen darüber gelacht habe. Die außerirdischen Ansichten über die Menschen sind ja leider oft so wahr! Und auf diese humorvolle Art lasse ich mir immer gerne den Spiegel vorhalten. In der zweiten Hälfte geht leider ein Großteil des Humors verloren, dafür wird die Geschichte hier dramatischer und spannender. Ich hätte dennoch auch hier gerne noch gelacht, wenigstens ab und zu. Deshalb lag mir dieser Teil nicht so sehr.

Vielen Dank an den DTV für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Ich und die Menschen
Autor: Matt Haig
Seiten: 352
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260145
Preis: € 14,90 (Broschiert)

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Eiskaltes Herz (Ulrike Rylance)

eiskaltesherzLena und Leander sind ein Paar – bis die bildhübsche Vanessa auf der Bildfläche erscheint. Obwohl Lena mit Argusaugen über ihren Freund wacht, kann sie nicht verhindern, dass er sie fallen lässt, um eine Beziehung mit Vanessa einzugehen. Lena ist rasend vor Eifersucht und macht keinen Hehl daraus. Deshalb fällt der Verdacht auch sofort auf sie, als Vanessa nach einer Party tot aufgefunden wird.

Nachdem mit “Todesblüten” sehr gut gefallen hatte, “Villa des Schweigens” dagegen gar nicht, sollte nun “Eiskaltes Herz” darüber entscheiden, ob ich den Büchern von Ulrike Rylance treu bleiben würde. Und ja, ich werde es. Denn “Eiskaltes Herz” hat mir sehr gut gefallen.
Eine lange Einleitung sucht manhier vergebens. Gleich im ersten Kapitel, das im Juni spielt, wird einem klar, dass Lena in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Sie ist entführt worden! Da fragt man sich natürlich sofort, wie es dazu kommen konnte. Diese Frage wird nach und nach in anderen Kapiteln beantwortet, die im April zuvor spielen. Sie machen den größten Teil des Buchs aus und stellen somit die eigentliche Handlung.
Lena mochte ich sofort. Sie ist nett und lustig, erfreulicherweise etwas schräg und immer geradeheraus. Auch Leander gefiel mir auf Anhieb. Wer kann einem so sympathischen Typen, der obendrein in einer Band spielt schon widerstehen? Lena jedenfalls nicht. Die Liebe zwischen den beiden ist authentisch süß ohne dabei je kitschig zu wirken.
Als die hübsche Vanessa auf der Bildfläche auftaucht und Leander Lena für sie kurzerhand aufs Abstellgleis schickt, tickt es bei Lena ziemlich aus. Wer könnte es ihr verdenken, wo sie doch gerade ein paar Seiten zuvor noch so glücklich mit Leander war? Sie tat mir wirklich leid und ich habe mit ihr gelitten. Und ich konnte auch nachvollziehen, dass sie sich gelegentlich im Ton vergreift, wenn es um Vanessa geht.
Genau das bringt sie dann aber in ernste Schwierigkeiten. Denn am Morgen nach dem Abend an dem sie sich besonders über Vanessa ausgelassen hat, wird dieses tot aufgefunden. Da ist es durchaus verständlich, dass die Polizei schnell auf sie aufmerksam wird und sie in Verdacht gerät.
Da Lena sich an das Ende des verhängnisvollen Abends nicht erinnern kann, tappt man genau wie sie im Dunklen. Eigentlich traut man ihr solch eine Tat nicht zu, andererseits kann man sich aber auch nicht sicher sein. Also knöpft man sich gemeinsam mit Lena die übrigen Personen vor und schaut, wer es eventuell noch gewesen sein könnte, und wieso. Das hat Spass gemacht und war richtig spannend. Und es kommen dabei Entdeckungen ans Tageslicht, die mich wirklich überrascht haben. Und die teilweise auch zum Nachdenken anregen. Das schadet bei einem Jugendthriller nie.
Am Ende scheint dann alles ausgestanden zu sein und Lena wirkt nach diesem Abenteuer ein ganzes Stück erwachsener. Ich war schon in Versuchung, mich entspannt zurückzulehnen und das Ende zu genießen, da kommt die Handlung noch mit einem Dreh um die Ecke, der sich gewaschen hat. Toll

Alleine durch den Wechsel zwischen den Monaten liest sich das Buch prima, denn das sorgt für Abwechslung und hält bei Laune. Lena hat außerdem aber auch eine schöne Art zu erzählen. Jugendlich locker und durchaus mit einem Schuss Humor. Trotzdem gelingt es ihr, das Bedrohliche bestimmter Szenen deutlich zu machen. Das sorgt für Spannung. Und bei einer so flotten und wirkungsvolle Erzählweise, ist das Buch im Nu ausgelesen.

Das Cover setzt einmal mehr auf einen schwarzen Hintergrund und ein Motiv, das vor diesem Hintergrund einfach sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein Wald spielt obendrein in der Geschichte eine Rolle und die weiße Eule ist einfach nur schön.

Fazit:  “Eiskaltes Herz” hat mir sehr gut gefallen. Ein äußerst spannender Jugendthriller und bisher mein Highlight unter den Büchern von Ulrike Rylance. Man kann gut mit Lena mitfühlen und mitknobeln, was in dieser verhängnisvollen Nacht geschehen ist. Und immer, wenn Lena (und man selber) denkt, man habe ein Rätsel gelöst, wirft die Geschichte neue Fragen auf. So bleibt es bis zum Schluss spannend und interessant.


Titel: Eiskaltes Herz
Autor: Ulrike Rylance
Seiten: 224
Verlag: dtv Junior
ISBN: 978-3423715416
Preis: € 8,95 (TB)

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Leipziger Buchmesse 2014 – Dritter Tag

Dass Füße so schrecklich wehtun können!

Aber Schwächeln gilt nicht, also machten wir uns auch am Samstag wieder auf den Weg zur Messe.
An diesem Tag gab es keine festen Programmpunkte. Wir wollten einfach schauen, noch etwas bei den kleinen, weniger bekannten Verlagen stöbern und Fotos machen.
Das war dann aber gar nicht so einfach, denn am Samstag war auf der Messe die Hölle los!
Ich habe nichts gegen das Gedränge, das gehört an solchen Messetagen dazu. Aber ich mag es gar nicht, wenn man mit Müh und Not endlich den richtigen Ausgang gefunden hat und dann dort umgeleitet wird, weil man nur noch in eine Richtung durch die Röhren darf. Ja, es ist die einzige Methode und ohne Zweifel gerechtfertigt, trotzdem ärgert es mich immer wieder. Diese Ausgänge finden sich nämlich nicht so leicht…und dann die schmerzenden Füße und der vom Rucksack krumme Rücken…

Als erstes gerieten wir in einen wahnsinnigen Trubel beim Stand von dotbooks. Ich frage mich heute noch, ob das an den Gratis Taschen mit Kuli, Mints und Karten lag, oder an den Autoren, die an diesem Morgen am Stand waren, Autogramme verteilten und Fotos von sich und ihren Fans machen ließen. Ein Autogramm von Astrid Korten und ein Foto mit Wolfgang Hohlbein war meine kleine Ausbeute. Schaut euch dotbooks unbedingt an, wenn ihr auch eBooks lest. Sie haben tolle eBooks im Angebot!

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Am Stand des DTV entdeckten wir Matt Haigs neues Buch “Ich und die Menschen”, das uns bisher noch nirgends begegnet war. Aber es klingt wirklich richtig gut! Ich mochte ja schon “Die Radleys” von Matt Haig total gerne. Nun freue ich mich auf sein neues Buch.

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Und dann tauchte Matt Haig selber noch am Stand auf!

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Schon im Weggehen entdeckten wir ein Plakat auf dem auf eine Fotoaktion des DTV aufmerksam gemacht wurde. Man konnte ein Foto von sich im Stil des Covers von “Ich und die Menschen” machen lassen. Das klang nach Spass also kurz darauf mal dort vorbeigeschaut und mitgemacht.

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Die Teilnehmer an dieser Aktion konnten sich außerdem eines von zwei T-Shirts passend zum Buch aussuchen.
Wenn das Wetter sich hält, werde ich es bald ausführen. Der Spruch wäre ein tolles Lebensmotto.

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Ein paar feine Entdeckungen konnten wir auch an diesem Tag wieder machen. Beispielsweise die Mitrate-Krimis vom Gmeiner Verlag oder auch die Bücher mit den lustig-bösen Covermotiven des fhl Verlags. “Wenn der Tod lachen könnte” steht auf meinem Wunschzettel. Schon recht lange!

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Über dieses Plakat habe ich sehr gelacht! Genau, Vegetarier essen keine Würmer!

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Am Nachmittag ging es zu einem wunderschönen Trödelmarkt im Kohlrabizirkus. Das hatte zwar nichts weiter mit der Messe zu tun, aber Trödelmarkt ist immer toll! Dort haben wir uns dann noch mit Freunden zu einem kurzen Plausch getroffen. Ich habe mir dort den ersten Bröhmann-Krimi nochmal gekauft. Das Buch hatte ich schon mal, dann aber vertauscht. Nun habe ich beschlossen, die Reihe zu behalten. Bröhmann gehört zu meinen Lieblingskommissaren. Und ein paar Hörspiel-MCs fielen ebenfalls ab. Übrigens zu sehr humanen Preisen! Davon darf sich so mancher Händler sonst gerne eine dicke Scheibe abschneiden…

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Abends sollte es zu einer Lesung mit Jörg Maurer gehen, der in der Moritzbastei aus “Felsenfest” lesen würde.
Obwohl wir es besser wussten, haben wir doch irgendwo zuviel Zeit vertrödelt.
Trotz aller Eile kamen wir dort erst kurz vor Beginn der Lesung an, die da natürlich bereits voll war.
Sehr schade, eigentlich sollte das das Highlight der Abendveranstaltungen werden, aber wir waren ja selber Schuld.
Oder wäre eine Stunde vorher da sein schon zu spät gewesen? Das werden wir wohl nie wissen, und es ist auch müßig, darüber zu philosophieren. Jörg Maurer wird schon nochmal in eine unserer Ecken Deutschlands kommen, dann sind wir dort. Mindestens drei Stunden vor Beginn 😉
Allerdings finde ich auch, dass eine solche Veranstaltung (Lesung mit Musik und Kabarett) in einer solch bekannten und beliebten Einrichtung ruhig Eintritt nehmen und einen Vorverkauf anbieten darf. Das gab es für die Lesung mit Dietrich Faber auch, war praktisch und man hatte seinen Platz sicher. Und das schreibe ich nicht, weil ich beleidigt bin. Wir waren nämlich nicht die Einzigen, die wieder gehen mussten.

Lügenbeichte (Beate Dölling / Didier Laget)

luegenbeichteEin Augenblick der Unaufmerksamkeit und plötzlich ist Josis kleiner Halbbruder Lou verschwunden. Doch statt ihm findet die Polizei am nächsten Tag die Leiche einer jungen Frau. Unterbewusst kommt Josi die Frau bekannt vor. Doch die Sorge um ihren kleinen Bruder ist so groß, dass Josi sich keine weiteren Gedanken darum macht. Doch dann wird immer offensichtlicher, dass die beiden Verbrechen miteinander zu tun haben.

Dieses Buch und ich hatten einen denkbar schlechten Start, und das noch nicht mal inhaltlich, sondern rein sprachlich. Ich weiß nicht, wer die ersten 23 Seiten des Romans geschrieben hat, aber mein Dank gilt demjenigen, der ihm dann quasi den Stift weggenommen hat.
Ja, es dreht sich vieles um einen Fünfjährigen, aber deshalb muss doch die Geschichte nicht so kleinkindermäßig geschrieben sein! Und dann diese seltsamen Formulierungen! Um ein paar Beispiele zu nennen: “Ihr Herz schlug bis zum Kinn!” (Aha, ich kannte das bislang als “bis zum Hals”). “Lou zog schmollend seine Lippe vor.” (Ob er die nicht viel mehr vorGESCHOBEN hat?) “Max hatte sein cooles Atari-Shirt an.” (Schon etwas platt für einen Thriller, der ab 14 Jahren empfohlen wird. “Max TRUG sein cooles Atari-Shirt.” hätte die jugendlichen Leser sicher nicht überfordert.) Und was “hauchdünne” Sandalen sind, weiß ich bis heute nicht! Mir hat sich alles gesträubt dabei. Und Josis und Max erstes Mal wurde mir viel zu lieb- und gefühllos geschildert.
Eigenartigerweise wurde es genau nach diesem Ereignis sprachlich besser. Ich hatte den Eindruck, man habe sich mühselig bis zum dem Punkt gehangelt, an dem sich der Aufhänger für den Thriller ergibt. Kein Kleinkinderton mehr, keine sonderbaren Formulierungen.
Mit Josi hatte ich allerdings zunächst noch meine Probleme. Eben noch turnt sie mit Max im Bett herum, alles wunderschön, aber als er sie trösten will, da hält sie seine Nähe nicht aus? Selbst wenn das eine teenagertypische Gefühlsverwirrung ist, dann muss man ihnen das doch nicht noch in einem Buch mit auf dem Weg geben!
Ich hätte sie schütteln können!
Ich war direkt froh über ihre Angst um Lou, denn die hat sie nach und nach erwachsener wirken lassen. Dadurch wurde sie mir deutlich sympathischer und bald habe ich mich gut in sie hineinversetzen können. So habe ich neugierig verfolgt, was in ihrer Familie geschieht und wie sich das Verhältnis zwischen Josi, ihrem Vater, deren Freundin und Max entwickelt. Dabei tauchen bald die ersten Verdächtigen auf, sodass man rätseln kann, wer hinter Lous Verschwinden stecken könnte.
Etwa in der Mitte hat mich die Geschichte dann wirklich überrascht. Sie hätte an diesem Punkt gut und gerne enden können. Zwar wären dabei die Frage nach dem Täter offen geblieben, aber immerhin hätte man ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende gehabt. Aber natürlich will der Täter noch ermittelt werden.
Das ist zwar ganz spannend, aber ich hatte irgendwie schon die ganze Zeit einen Verdacht bei dem ich mir sehr sicher war. So sicher, dass ich mich gewundert habe, wieso Josi und ihre Familie nicht darauf kommen, denn im Grunde liegt die Antwort offen vor ihnen.
Mit meinem Verdacht lag ich völlig richtig. Trotzdem fand ich das Ende sehr spannend, weil man dort endlich eine Person richtig kennenlernt, von der man bis dahin nur in Nebensätzen gehört hat. Und die waren meist alles andere als freundlich oder objektiv. Deshalb war ich gespannt auf diese Figur, die ziemlich anders war als ich sie mir vorgestellt hatte.

Es ließ sich bei dieser Rezension nicht vermeiden, schon im Text oben auf den Stil einzugehen. Nach diesem katastrophalen Start ließ sich das Buch wirklich prima und leicht lesen. Als hätte es endlich in die Spur gefunden. So musste ich mich zusammenreißen, es nicht in einem Rutsch auszulesen.

Das Cover finde ich toll! So bunt und mit den grellen Farben sieht das Motiv nach allem aus, nur nicht nach Thriller. Das hat mich sofort neugierig gemacht, ob sich dahinter wirklich ein spannender Thriller verbirgt. Mission erfüllt, möchte ich meinen.

Fazit:  Die ersten etwa 23 Seiten fand ich sprachlich so übel, dass ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, das Buch abzubrechen. Aber dann wollte ich doch wissen, wohin Lou verschwunden ist und mit wem. Da es mit seinem Verschwinden auch sprachlich bergauf ging, fiel das Weiterlesen unerwartet leicht. Außerdem wurde die Geschichte dann wirklich spannend. Und das, obwohl ich mir mit meinem ersten Verdacht schon sehr sicher war! Gut, dass ich durchgehalten habe.


Titel: Lügenbeichte
Autor: Beate Dölling / Didier Laget
Seiten: 320
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423782609
Preis: € 6,95 (TB)

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