Dystopie

Vollendet – Der Aufstand (Neal Shusterman / Jacob Weigert)

Titel: Vollendet (02) – Der Aufstand / Spielzeit: ca. 486 min, 6 CDs / Verlag: Sauerländer Audio / Buch: Neal Shusterman / gelesen von: Jacob Weigert

vollendet02Inhalt: In einer Welt, in der Organspenden System haben und Menschen als Ersatzteillieferanten ausgeschlachtet werden, behauptet sich eine Gruppe Jugendlicher gegen den Zugriff des Regimes. Eine Aussicht auf eine ruhigere und gerechtere Zukunft scheint es kaum zu geben, und so kämpfen Connor, Risa und Lev weiter um das nackte Überleben. Doch die Wissenschaft hat bereits einen neuen Trumpf in der Hand: den ersten aus fremden Organgen geschaffenen Menschen.


Diese Dystopie hat es mir durch ihr Thema besonders angetan, deshalb hat es mich sehr gefreut als der zweite Teil erschien. Er setzt die Geschichte konsequent fort. Doch ehe man die vertrauten Figuren Connor, Risa und Lev wiedertrifft, lernt man zunächst eine Handvoll neuer Charaktere kennen, die im Laufe den „Der Aufstand“ wichtige Rollen spielen. Jeder für sich hat ein markantes Wesen und sorgt schnell dafür, dass man ihn mag oder eben nicht. Doch selbst eine so unsympathische Figur wie zB Starkey hat ihren Reiz. Denn man fragt sich schnell, inwieweit er die Geschichte noch beeinflussen wird und ob er evetuell sogar der Auslöser für den Aufstand aus dem Titel ist.
Connor, Risa und Lev begegnet man erst etwas später. Obwohl ich fürchtete, nach der Pause raus aus der Story zu sein, waren sie mir sofort wieder vertraut. Genau wie die neuen Figuren durchlaufen sie hier eine unverkennbare Wandlung. Es wirkt bei ihnen nur intensiver, da man sie bereits kennt. Und zumindest ich hätte es bisher nicht so eingeschätzt, dass sie sich in diese Richtung entwickeln würden. Speziell Risa hat mich dabei staunen lassen. Lev spielt in diesem zweiten Band eine wesentlichere Rolle. In ersten Teil war er für mich eine recht unauffällige Figur, doch in der Fortsetzung spielt er in seinen Kapiteln eine sehr wichtige Rolle. Und auch bei ihm habe ich mächtig gestaunt, was aus ihm geworden ist.
Am besten hat mir die Idee mit Cam gefallen. Cam, der erste Mensch, der aus fremden Organen geschaffen wurde. Zugegeben, es ist eine sonderbare bis skurrile Vorstellung, aber sie fasziniert mich auch. Zudem hat Cam mich schnell für sich eingenommen. Und da ich die allgemeine Ablehnung in der Reihe gegen die Wandlung sowieso nicht völlig teile, wurde er bald zu meinem Liebling. Risa hätte ich manchmal…aber egal. Jedenfalls bin ich froh, dass es Cam gibt. Und neugierig, wie es mit ihm weitergehen wird.
Der titelgebende Aufstand ereignet sich erst zum Ende hin. Da muss man also etwas Geduld aufbringen. Dafür entschädigt er aber auch mit ordentlich Spannung, Action und einer Reihe Momente, denen man nur mit Fassungslosigkeit folgen kann.

Jacob Weigert habe ich gerne zugehört. Es gelingt ihm gut, den verschiedenen Charakteren markante Stimmen zu verleihen, die stets auch etwas über den Charakter der Figuren aussagen. Beschreibende Passagen liest er mit recht kühlem und abgebrühten Ton, was gut zur radikalen Stimmung der Geschichte passt. So fiel es leicht, ihm auch über längere Zeit zuzuhören.

Das Hörbuch kommt in einem schicken Schuber daher, der mit dem Rot und den Tropfen hier und da zwar über die Geschichte nichts weiter aussagt, aber doch erkennen lässt, dass es auf den CDs gut zur Sache geht. Ich hätte mir gewünscht, man hätte auch beim Hörbuch irgendwo das Glossar untergebracht, das man im Buch findet. Das hätte sicher auch hier die Erinnerung nochmal aufgefrischt was bestimmte Begriffe angeht.

Fazit:  Ein spannender zweiter Teil, der neue markante Charaktere ins Rennen schickt, und in dem die aus dem ersten Teil bekannten Figuren unerwartete Entwicklungen nehmen. Der „perfekte Mensch“ sorgt zusätzlich für Brisanz, und ich bin neugierig, wie es mit Cam weitergeht. Der Aufstand am Ende sorgt für atemlose Momente und verdeutlicht gut, wie es um die Jugendlichen in der Vollendet-Generation bestellt ist.

Humanemy (1 / 4 ) – Das Chamäleon

Titel: Humanemy (1 / 4) – Das Chamäleon / Verlag: Lindenblatt Records / Spielzeit: / Sprecher: Thomas Lindner,  Stefan Lindner, Alex Wesselsky, Claudia Urbschat-Mingues ua

humanemyInhalt: >>Fallen gelassen. Von einem Moment auf den anderen. Eben noch der »Was würden wir nur ohne dich tun – Superagent« und jetzt … ja, was eigentlich? Ohne den Schutz und die Legitimierung der Regierung bin ich einfach nur … ein Mörder! Ich kann ja froh sein, dass da bislang nur ein paar kleingeistige Bullen vor meiner Wohnung rum hängen und die noch keinen meiner lieben Kollegen geschickt haben, der mich ganz einfach ausknipst. Obwohl … vielleicht nimmt mich ja gerade in diesem Moment einer dieser Bastarde ins Visier … <<


Nachdem mir „Déjà Vu“ von Lindenblatt Records ganz gut gefallen hatte, war ich auf diese neue Reihe mit dem eigentümlichen Titel ebenfalls neugierig. Allerdings bekommt man hier keine gruselige Geschichte zu hören, sondern einen (Action)thriller, angesiedelt in einer düsteren Zukunft. Meinen Geschmack trifft man damit nicht, aber Fans dieses Genres haben sicher allen Grund sich freudig die Hände zu reiben, zumal alles geboten wird, was sie sich bestimmt davon erwarten.  Polizist Lennart wird dabei erwischt, wie er jemanden ausspioniert, der unlängst zum Staatsfeind ernannt wurde. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen, bei denen gut Blut fließt und plötzlich Lennart auf der Abschussliste ganz oben steht. Fortan ist er sowohl auf der Flucht, als auch auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wer ihm das eingebrockt hat. Dabei streift er durch finstere Gassen und muss sich mit allerlei zwielichtigem Volk herumschlagen. Entsprechend gedrückt fällt die Atmosphäre des Hörspiels aus, lediglich hier und da durch sehr bissigen Humor gewürzt. Das ist nicht nur spannend, sondern oft auch ziemlich schräg. Als er diverse „alte Bekannte“ abklappert, von denen er sich Hilfe erhofft, habe ich schon immer vorher drauf gelauert, welch schrägen Vogel er dieses Mal antrifft. Und dass man niemandem wirklich trauen kann, das lernt man dabei ebenfalls sehr zügig.Dafür sind einfach zu viele Charaktere Freunde davon, kurzen Prozess zu machen, wenn sch Schwierigkeiten andeuten.
Dass die Story in der Zukunft spielt, wird zwar nicht ausdrücklich erwähnt, aber es gibt Anhaltspunkte dafür. Gewisse technische Finessen lassen darauf schließen, und das war dann sogar mal etwas für mich.

Thomas Lindner als „Lennart, das Chamäleon“ hat mir speziell als Erzähler gefallen. Da gibt er einen tollen Polizisten, einerseits cool, andererseits durchaus auch recht verkommen. Ein guter Ton, vor allem auch um dem Hörer ein Bild von dieser düsteren Stadt und dem Leben darin zu vermitteln. Bruder Stefan Lindner übernimmt die Rolle des Operators „Bones“ und klingt dabei ganz schön überdreht bis leicht verrückt. Das muss man auch erstmal können. Trotzdem, mir war es insgesamt bei fast allen Sprechern immer eine Spur too much. Womöglich ist das aber auch so gewollt bzw muss so sein bei einer Story wie dieser. Da das nicht meine Schiene ist, kann ich das nicht sagen. Sollte es gewollt sein: meine Hochachtung!

Musikalisch kam mir „Humanemy“ entgegen. Rockig, laut, das hat mir gefallen und das steht der Geschichte auch ganz prima. Mir hat es ja speziell das Stück zum „Werbespot“ im zweiten Track angetan. Klasse! Die Geräuschkulisse ist ebenfalls gelungen, was verhindert, das gewisse Vorgänge erst umschrieben werden müssen. Gegen sowas bin ich ja sehr allergisch. So wie hier sprechen die Geräusche für sich selber und man kann sich alleine durch sie eine Vorstellung machen.

Das Voermotiv gefällt mir sehr! Ich mag solche Lichtspielereien, und wenn die Städte in der Zukunft mal so aussehen wie hier…och ja, gar nicht mal übel!

Fazit:   Wer auf Dystopien dieser Art steht, mit Gewalt, Sex und skrupellosen Verbrechern, für den wird „Humanemy“ sicher ein ganz feines Hörspiel sein, das handwerklich prima gemacht ist. Mein Fall war es -alleine rein inhaltlich- leider nicht.

Legend – Fallender Himmel (Marie Lu / Patrycia Ziolkowska / Julian Greis)

Titel: Legend – Fallender Himmel / Verlag: Hörcompany / Spielzeit: ca. 460 min / Buch: Marie Lu / gelesen von: Patrycia Ziolkowska & Julian Greis

Inhalt: Los Angeles im Jahr 2130: Der ehemalige Westen der USA ist mittlerweile Die Republik, die sich im ständigen Krieg mit ihren Nachbarn befindet. Als Kind wohlhabender Eltern ist die fünfzehnjährige June hochbegabt und die viel versprechendste Soldatin der Republik. Day stammt aus den Slums und ist mit fünfzehn Jahren der meistgesuchte Kriminelle des Landes. Der erbitterte Wunsch nach Rache am Tod ihres Bruders führt June auf Days Spur. Day erweist sich als loyal und selbstlos – angetrieben von einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn. June beginnt die Welt durch seine Augen zu sehen … Zwei hochkarätige junge Sprecher leihen den beiden Hauptpersonen ihre Stimme und machen den Gegensatz zwischen Day und June deutlich.


Über diese Geschichte hatte ich im Vorfeld bereits so viel Gutes gehört, dass ich sie mir schließlich doch angehört habe. Ich bin immer auf der Suche nach Dystopien, die sich aus der aktuellen Masse abheben, und so viele positive Stimmen können sich nicht irren. Dachte ich.
Es ist aber nun mal leider so, dass auch „Legend“ in Sachen Dystopien keineswegs das Rad neu erfindet. Wer bereits das eine oder andere Buch dieses Genres gelesen hat, den erwarten hier sicher keine Überraschungen. Man hat die Szenerie: Amerika im Krieg mit den Kolonien und mit einer Bevölkerung, in der der Krater zwischen Reich und Arm unübersehbar klafft. Hauptakteure sind natürlich ein Junge und ein Mädchen, die aus beiden Bevölkerungsschichten kommen. Day gehört zu den Armen, June zu den Reichen. Durch ein unglücksseliges Ereignis kreuzen sich ihre Wege und -wie könnte es anders sein- sie verlieben sich ineinander. Und damit ist die Katastrophe gleich in verschiedener Hinsicht perfekt. Einerseits, weil sie aus so verschiedenen Gesellschaften kommen, andererseits aber auch, weil nun beide gegen das herrschende System aufmucken. Doch, so oder so ähnlich ist dem dystopiebegeisterten Hörer das sicher schon mal untergekommen. Und ich denke, wer Fan solcher Geschichten ist, der wird sich mit „Legend“ bestens unterhalten fühlen. Denn die Story hält alles bereit, was sich ein Fan nur wünschen kann. Ich fand die Geschichte okay, mehr aber auch nicht. Man kann sie sich anhören (oder lesen), es wird nie langweilig dabei, irgendwas ist immer los und so entwickelt sich nach und nach auch eine gewisse Spannung. Dafür muss man aber vorübergehend vergessen können, was man auf diesem Sektor bereits kennt. Was ich besonders schade fand war, dass trotz Days und Junes Liebe bei mir nie das Gefühl dazu ankam. Ich erwarte keinen Eimer Romantik, der über mir ausgeschüttet wird, aber ein gewisses Kribbeln darf es halt schon sein. Harte Zeit hin oder her, aber Gefühle haben die beiden doch ganz eindeutig!

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von June und von Day erzählt. Dabei kommen natürlich zwei Sprecher zum Einsatz. Patrycia Ziolkowska übernimmt Junes Part und lässt sie wunderbar abgeklärt, erwachsen und auch ein wenig kühl klingen. Julian Greis dagegen klingt als Day dagegen ganz nach dem armen Jungen, der er ist. Illusionslos, realistisch und gelegentlich auch ein wenig bitter. Da hört man die Gegensätzlichkeit der beiden Hauptfiguren ganz klar heraus, und das finde ich gerade für diese Geschichte auch sehr wichtig.

Die sechs CDs ziehen in einer schicken weißen Box ins Regal ein, die mich mit ihrem schlichten und hellen Look zwar überrascht hat, aber genau solche Überraschungen mag ich eben auch. Insofern hebt sich „Legend“ schon von den anderen Genrevertretern ab.

Fazit:  Diese überbordende Begeisterung über „Legend“ kann ich nicht nachvollziehen. Dafür bietet die Geschichte bisher einfach nichts, was einem nicht schon mal ähnlich begegnet wäre. Ich bin mir deshalb aber sicher, dass Fans dieser Art Erzählungen sicher ihren Spass daran haben werden. Und ich hoffe einfach mal auf Teil 2 und 3. Womöglich haben die ja noch etwas auf Lager, was „Legend“ auch für mich speziell werden lässt.

Memento – Die Überlebenden (Julianna Baggott / Maximilian Artajo, Anne Helm, Patrick Mölleken, Jasmin Schwiers)

Titel: Memento – Die Überlebenden / Verlag: Lübbe Audio / Spielzeit: ca. 422 min / Buch: Julianna Baggott / gelesen von: Maximilian Artao, Anne Helm, Patrick Mölleken, Jasmin Schwiers

Inhalt: Eine amerikanische Stadt, zwölf Jahre nach der Explosion. Majestätisch thront die Kuppel über den Trümmern – in ihr leben die Reinen. Sie sollen eine bessere Menschheit begründen. Unten in der Stadt kämpfen alle Übrigen ums Überleben. Sie sind voller Narben und Verstümmelungen. Es gibt kaum etwas zu essen. Auch die 16-jährige Pressia hat es schwer. Als sie Bradwell kennenlernt, fasst sie das erste Mal wieder Vertrauen zu einem Menschen. Doch unvermittelt sind die beiden auf der Flucht vor dem Militär und treffen auf Partridge, der aus der Kuppel geflohen ist. Denn dort ist nichts wie es scheint, und so machen sich die drei auf die Suche nach der Wahrheit.


Ich gebe an sich nicht viel auf Altersempfehlungen bei (Hör)büchern, doch bei „Memento“ habe ich mich sehr bald kundig gemacht. Ich finde die Empfehlung ab 14 Jahren durchaus gerechtfertigt. Für allzu zart besaitete Gemüter ist diese Dystopie eher nicht geeignet. Zwar braucht die Handlung eine ganze Zeit ehe sie in die Gänge kommt, dann aber richtig, blutig und mitunter ausgesprochen brutal. Doch auch vorher schon bekommt man einige schauerliche Details geboten. Ein Atomkrieg hat die Welt hier verwüstet und bei vielen Menschen Entstellungen verurusacht. Beispielsweise Verwachsungen. So befindet sich an Alleys Arm ein Puppenkopf und auf Partridges Rücken ein Vogel. Dann gibt es Kreaturen aus Asche, die im Untergrund auf Menschen lauern um sie zu fressen. Ja, in „Memento“ geht es für einen Jugendroman ordentlich zur Sache. Mir hat das so aber eigentlich ganz gut gefallen. Vor allem auch, weil ich die Zusammenhänge und Details in Sachen Nano- und Atomtechnologie sehr interessant fand. Ich habe es als eine neue Idee auf dem Dystopie-Sektor empfunden und mir liegen solch moderne Themen bekanntlich immer besser.
Eine Tatsache alleine ist edoch dafür verantwortlich, dass ich „Memento“ trotzdem nicht besonders mochte. Und zwar blieben mir die Charaktere zu fremd. Natürlich, diese Distanz und Kühle in der Erzählweise passt gut zur lebensfeindlichen Welt, aber ich brauche es einfach, dass ich einen Draht zu wenigstens eine Person finde. Nur dann kann ich wirklich mitfiebern. Das blieb mir hier leider verwehrt, so dass die an sich spannende Geschichte bei mir keine großen Empfindungen ausgelöst hat und quasi an mit vorbei floss.

Insgesamt drei Sprecher teilen sich das Hörbuch. Das hat mir gefallen, da es die Wechsel zwischen den Perspektiven zusätzlich deutlich macht und das Hören eines so langen Hörbuchs auflockert. Maximilian Artajo, Anne Helm, Patrick Mölleken und Jasmin Schwiers verstehen unüberhörbar ihr Handwerk und jeder haucht seinem Charakter das nötige Leben ein. Es liegt also ganz klar nicht an ihnen, dass ich keinen Zugang zu den Charakteren fand. Das liegt eindeutig an ihrer Beschreibung von Autorin Julianna Baggott.

Das Covermotiv ist recht unspektakulär, aber gerade deshalb gefällt es mir richtig gut. Das Finstere und mitten drin der leuchtend blaue Schmetterling, das wirkt und ist ein Hingucker. Es wirkt weit friedlicher als das Leben in der Geschichte tatsächlich ist.

Fazit:  Leider habe ich keinen Draht zu den Charakteren gefunden und das hat mir „Memento“ letztlich verdorben. Ich finde das schade, denn mit einem Atomkrieg, der Technik dahinter und der bemerkenswert harten Gangart hätte die Geschichte sonst alles gehabt, was ich schätze.

Das verbotene Eden – David und Juna (Thomas Thiemeyer / Vera Passý)

Titel: Das verbotene Eden – David und Juna / Verlag: Lübbe Audio / Spielzeit: ca. 440 min (6 CDs) / Buch: Thomas Thiemeyer / gelesen von: Vera Passý

Inhalt: Männer und Frauen. Feuer und Wasser. David und Juna. Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben Männer und Frauen in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in den Ruinen der alten Städte hausen, haben die Frauen in der wilden Natur ein neues Leben angefangen. Nichts scheint undenkbarer und gefährlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen der 17-jährigen Kriegerin Juna und dem jungen Mönch David. Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer.


Nachdem mir vor Längerem Thomas Thiemeyers „Chroniken der Weltensucher“ empfohlen worden waren und mir auch überraschend gut gefielen, war ich natürlich auch auf „Das verbotene Eden“ neugierig. Die Inhaltsangabe klang interessant, auch wenn es sich mal wieder um eine Dystopie handelt. Wenn auch in nicht allzu ferner Zukunft spielend. Doch es gibt leider Genres, die mir gar nicht liegen. Historische Geschichten bzw Geschichten mit einem Einschlag in die Richtung gehören dazu. Und genau das trifft man -jedenfalls auf Junas Seite- zur Genüge an. Nicht genug damit, leben die Frauen in dieser Dystopie in einem Glauben, der unübersehbar keltische Züge aufweist. Und auch das Leben und der Glauben der Kelten ist nichts, was mich sonderlich interessiert. Da wurde ich mit Davids Seite schon eher warm, auch wenn ich auch dem christlichen Glauben alles andere als zugeneigt bin. Aber zumindest ist im „Lager“ der Männer noch etwas von der einstigen Welt mit ihren technischen Errungenschaften zu erkennen, sprich nicht ganz so weit weg wie Junas Kriegerleben in der Natur. Überhaupt ist diese wechselnde Sichtweise zwischen dem „Lager“ der Männer und dem der Frauen noch das Reizvollste an der Geschichte. Ein weiterer Knackpunkt für mich war, dass hier so überhaupt kein Gefühl rüberkam. Ja, David und Juna interessieren sich für einander, verlieben sich…aber sowas muss man beim Hören doch auch spüren und nicht nur zur Kenntnis nehmen. Doch mehr ist es in diesem Falle nicht. Und wie es sich gehört schwebt natürlich über allem die stetige Bedrohung eines Krieges. Doch auch hier sieht es kaum besser aus. Wirklich spürbar ist es nicht. Man weiß es halt. Bedrohliche und düstere Stimmung will so ebenfalls nicht aufkommen.

Vera Passý habe ich bei diesem Hörbuch zum ersten Mal gehört und eine ganze Weile gebraucht bis ich mich an ihre helle, recht schrille Stimme gewöhnt hatte. Zum harten Leben der Frauen passt ihre ebenfalls ziemlich harte Art zu lesen ganz gut, aber eben nicht zu allen Szenen.

Nett anzuschauen sind David und Juna auf dem Cover zweifellos. Ich bin mir nur nicht sicher, ob eine Kriegerin wie Juna mit Augen-Makeup und solchen Korkenzieherlocken unterwegs ist… Durch den kräftig grünen Hintergrund, in dem man eine Landkarte erkennen kann, fällt das Hörbuch im Ladenreagal ohne Zweifel auf.

Fazit: Die Zweiteilung der Erzählung ist eine gut und interessante Idee, die mir gefallen hat. Dabei ist es aber auch leider geblieben. In ein Leben wie Junas kann ich mich einfach nicht einfinden, und Gefühle kommen hier auch nicht rüber. Das ist schwach für eine Geschichte, deren Dreh- und Angelpunkt ja eben die Liebe zwischen David und Juna ist.

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