Dystopie

Vollendet (02) – Der Aufstand

vollendet02Du hast geglaubt, es ist vorbei?
Die Siegesfreude ist von kurzer Dauer:
Connor muss sich als neuer Anführer der Flüchtlinge beweisen.
Risa fürchtet, ihm keine große Hilfe zu sein.
Lev versucht, ein neues Leben zu beginnen.
Einer von ihnen wird verraten werden. Einer von ihnen wird fliehen. Einer von ihnen wird auf Cam treffen, einen Jungen, den es nicht geben darf.

Nach der Pause nach Band 1 war ich etwas in Sorge, ob ich mich sofort in Band 2 einfinden würde.
Das wird einem aber erstens durch ein Glossar zu Beginn des Buches erleichtert, das die wichtigsten Begriffe kurz erläutert.
Zweitens sind auch in diesem zweiten Teil die Kapitel mit den Namen der Figur betitelt, die darin die Hauptrolle spielt. So gab es für mich bald ein “Wiedersehen” mit bekannten Charakteren und ich erinnerte mich, welche Rolle sie bisher gespielt hatten. So fiel der Wiedereinstieg schön leicht.
Dabei war es interessant zu sehen, welche Entwicklung sie im Verlauf der Fotsetzung nehmen. Allen voran Lev, er für mich in Band 1 eine eher unauffällige Rolle spielte. In diesem zweiten Teil wird ihm dafür umso mehr Aufmerksamkeit zuteil. Es ist erstaunlich und beendruckend zu sehen, was aus ihm geworden ist. Aus diesem Jungen, der anfangs so überzeugt von der Richtigkeit seiner eigenen Opferung gewesen war.
Auch mit Connor und Risa geht eine Wandlung vor sich, die ich so nicht erwartet hätte. Dabei konnte mich vor allem Risa überraschen. Sie wurde mir aufgrund ihres Verhaltens bei einer bestimmten Begegnung allerdings kurz ganz schön unsympathisch. So überzeugt man von der eigenen Haltung auch sein mag, es hätte sicher nicht geschadet, sich die Person, die sie dabei kennenlernt, erstmal näher anzuschauen.
Es kommen aber auch einige neue Charaktere hinzu, die mich neugierig machten, in welche Richtung die das Geschehen noch beeinflussen würden. Leider sind das überwiegend Figuren, die nicht wirklich Sympathieträger sind. Deshalb sind mir einige ihrer Kapitel etwas schwer gefallen. Die Frage, die ich mir dabei die ganze Zeit gestellt habe, lautete: würde einer von ihnen den titelgebenden Aufstand letztlich auslösen?
Auf den muss man nämlich ganz schön lange warten. Zum Glück wird einem bis dahin Dank vieler anderer spannender Entwicklungen und Ideen nicht langweilig. Das brisanteste Element in diesem zweiten Band ist sicherlich Cam, der “perfekte Mensch”. Zugegeben, die Vorstellung ist sonderbar bis skurril. Trotzdem habe ich mich über die Hetze gegen ihn unheimlich aufgeregt. Er ist nun einmal da, hat ein Wesen und Gefühle, also sollte man sich mit ihm schon arrangieren. So unabsehbar war es -finde ich- außerdem nicht, dass der Wissenschaft in der Welt von “Vollendet” so etwas mal gelingen würde. In die Richtung marschiert sie dort doch schon längst! Und ehrlich gesagt, kann ich Cams Existenz alleine deshalb nicht verteufeln, weil ich in den wissenschaftlichen Errungenschaften der “Vollendet”-Menschheit durchaus Vorteile sehe.
Den Aufstand erlebt man erst ziemlich zum Ende der Geschichte. Er ist actionreich und oft ganz schön erschreckend. Wenn man sich vorstellt, dass darin hauptsächlich Jugendliche verstrickt sind, dann ist das schon grausam.
Am Ende hält man dann viele neue, aber auch noch ein paar ältere “Schnüre” der Handlung in Händen. Das macht neugierig auf den dritten Teil, den ich mir nicht entgehen lassen werde.

Obwohl das Buch mit seinen stattlichen 544 Seiten ganz schön dick ist, hatte ich es an drei Abenden ausgelesen. Es liest sich trotz des ernsten Themas und den diversen Verwicklungen wunderbar leicht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und gelegentliche lockern Werbeanzeigen zum Thema “Wandlung” zusätzlich auf.

Das Cover ist erneut silbrig glänzend, geht aber eher ins Rötliche. So reiht es sich neben Band 1 passend ein. Das Rot verdeutlicht für mich außerdem, dass die Situation der Figuren aus der Geschichte sich zuspitzt.

Fazit: Ein spannender und interessanter Band 2, in dem bekannte Charakter überraschende Wandlungen erleben. Markante neue Figuren sorgen für zusätzlich frischen Wind und es bleibt spannend, inwieweit sie noch Einfluss auf das weitere Geschehen nehmen werden. Auch wenn ich mit gewissen Botschaften nicht einer Meinung bin, so finde ich diese Zukunftsvision doch faszinierend. Ich bin neugierig, wie es in Band 3 weitergeht.


Titel: Vollendet (02) – Der Aufstand
Autor: Neal Shusterman
Seiten: 544
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737367189
Preis: € 16,99 (HC)

Vollendet – Der Aufstand (Neal Shusterman / Jacob Weigert)

Titel: Vollendet (02) – Der Aufstand / Spielzeit: ca. 486 min, 6 CDs / Verlag: Sauerländer Audio / Buch: Neal Shusterman / gelesen von: Jacob Weigert

vollendet02Inhalt: In einer Welt, in der Organspenden System haben und Menschen als Ersatzteillieferanten ausgeschlachtet werden, behauptet sich eine Gruppe Jugendlicher gegen den Zugriff des Regimes. Eine Aussicht auf eine ruhigere und gerechtere Zukunft scheint es kaum zu geben, und so kämpfen Connor, Risa und Lev weiter um das nackte Überleben. Doch die Wissenschaft hat bereits einen neuen Trumpf in der Hand: den ersten aus fremden Organgen geschaffenen Menschen.


Diese Dystopie hat es mir durch ihr Thema besonders angetan, deshalb hat es mich sehr gefreut als der zweite Teil erschien. Er setzt die Geschichte konsequent fort. Doch ehe man die vertrauten Figuren Connor, Risa und Lev wiedertrifft, lernt man zunächst eine Handvoll neuer Charaktere kennen, die im Laufe den “Der Aufstand” wichtige Rollen spielen. Jeder für sich hat ein markantes Wesen und sorgt schnell dafür, dass man ihn mag oder eben nicht. Doch selbst eine so unsympathische Figur wie zB Starkey hat ihren Reiz. Denn man fragt sich schnell, inwieweit er die Geschichte noch beeinflussen wird und ob er evetuell sogar der Auslöser für den Aufstand aus dem Titel ist.
Connor, Risa und Lev begegnet man erst etwas später. Obwohl ich fürchtete, nach der Pause raus aus der Story zu sein, waren sie mir sofort wieder vertraut. Genau wie die neuen Figuren durchlaufen sie hier eine unverkennbare Wandlung. Es wirkt bei ihnen nur intensiver, da man sie bereits kennt. Und zumindest ich hätte es bisher nicht so eingeschätzt, dass sie sich in diese Richtung entwickeln würden. Speziell Risa hat mich dabei staunen lassen. Lev spielt in diesem zweiten Band eine wesentlichere Rolle. In ersten Teil war er für mich eine recht unauffällige Figur, doch in der Fortsetzung spielt er in seinen Kapiteln eine sehr wichtige Rolle. Und auch bei ihm habe ich mächtig gestaunt, was aus ihm geworden ist.
Am besten hat mir die Idee mit Cam gefallen. Cam, der erste Mensch, der aus fremden Organen geschaffen wurde. Zugegeben, es ist eine sonderbare bis skurrile Vorstellung, aber sie fasziniert mich auch. Zudem hat Cam mich schnell für sich eingenommen. Und da ich die allgemeine Ablehnung in der Reihe gegen die Wandlung sowieso nicht völlig teile, wurde er bald zu meinem Liebling. Risa hätte ich manchmal…aber egal. Jedenfalls bin ich froh, dass es Cam gibt. Und neugierig, wie es mit ihm weitergehen wird.
Der titelgebende Aufstand ereignet sich erst zum Ende hin. Da muss man also etwas Geduld aufbringen. Dafür entschädigt er aber auch mit ordentlich Spannung, Action und einer Reihe Momente, denen man nur mit Fassungslosigkeit folgen kann.

Jacob Weigert habe ich gerne zugehört. Es gelingt ihm gut, den verschiedenen Charakteren markante Stimmen zu verleihen, die stets auch etwas über den Charakter der Figuren aussagen. Beschreibende Passagen liest er mit recht kühlem und abgebrühten Ton, was gut zur radikalen Stimmung der Geschichte passt. So fiel es leicht, ihm auch über längere Zeit zuzuhören.

Das Hörbuch kommt in einem schicken Schuber daher, der mit dem Rot und den Tropfen hier und da zwar über die Geschichte nichts weiter aussagt, aber doch erkennen lässt, dass es auf den CDs gut zur Sache geht. Ich hätte mir gewünscht, man hätte auch beim Hörbuch irgendwo das Glossar untergebracht, das man im Buch findet. Das hätte sicher auch hier die Erinnerung nochmal aufgefrischt was bestimmte Begriffe angeht.

Fazit:  Ein spannender zweiter Teil, der neue markante Charaktere ins Rennen schickt, und in dem die aus dem ersten Teil bekannten Figuren unerwartete Entwicklungen nehmen. Der “perfekte Mensch” sorgt zusätzlich für Brisanz, und ich bin neugierig, wie es mit Cam weitergeht. Der Aufstand am Ende sorgt für atemlose Momente und verdeutlicht gut, wie es um die Jugendlichen in der Vollendet-Generation bestellt ist.

Ashes (3.2) – Pechschwarzer Mond (Ilsa J. Bick)

ashes3-2Die Welt, die wir kannten, existiert nicht mehr. Ein entsetzlicher Anschlag hat alles verändert. Nur wenige Städte sind verschont geblieben, hinter deren Schutzwällen nun zweifelhafte Rädelsführer ihr Unwesen treiben. Die unheilbringenden Anhänger der Stadt Rule sind unter den angrenzenden Gemeinden berühmt-berüchtigt, und man rüstet sich zum Krieg gegen sie. Alex und ihre Freunde geraten zwischen die Fronten von machtgierigen Anführern, einer gefährlichen Miliz und einer Horde von menschenfressenden Bestien – jenen Jugendlichen, die sich seit der Katastrophe verwandeln und zur tödlichen Gefahr geworden sind. Die letzte Schlacht ums nackte Überleben hat begonnen. Doch lohnt sich ein Kampf für ein Leben in dieser totgeweihten Welt überhaupt noch? Wenn nur noch eins zählt: Er oder ich?

Mitte September war es soweit: ich hielt den letzten Band der “Ashes”-Reihe in den Händen. Und so deutlich ich sah, dass es tatsächlich eine letzte Seite gab, so wenig konnte ich mir noch immer vorstellen, wie das Ende darauf aussehen würde.
Soweit war es zunächst aber natürlich nocht nicht.
Obwohl die Pause zwischen dem Vorgängerband und “Pechschwarzer Mond” nicht besonders lang war, musste ich mich doch erst wieder einfinden. So richtig präsent hatte ich bis zuletzt nur Alex, Tom und Ellie. Bei allen anderen Charakteren musste ich mich auch hier erst wieder orientieren. Wer wo ist, warum, mit wem und was er vor hat bzw was auf ihn wartet.  Daher beneide ich alle, die erst jetzt mit der Reihhe beginnen und alle Bände hintereinander weg lesen können. Ihr werdet es wohl etwas leichter haben. Allerdings war mir die Reihe diese Mühe absolut wert.
Erfreulicherweise wendet sich “Pechschwarzer Mond” wieder mehr Alex und Tom zu. Sie sind nun mal die Figuren, deren Schicksal mich am meisten interessiert. Deshalb habe ich gespannt verfolgt, wie sie sich durchs Leben schlagen, und mich immer gefragt, ob sie einander nochmal wiedersehen würden. Es warten so viele Grausamkeiten und lebensgefährliche Situationen auf sie, dass man da schon mal ins Zweifeln geraten kann. Beeindruckend, wie sie sich dem entgegenstellen!
Natürlich ergeht es auch den übrigen Charakteren, die nach und nach Teil der großen und ganzen Geschichte geworden sind, kein Stück besser. Auch sie erleben reihenweise Schicksalsschläge, die einen schlicht sprachlos machen. Das muss man sich klar machen, wenn man mit “Ashes” beginnt: diese Serie ist nichts für Zartbesaitete! In Sachen Gewalt und Brutalität schöpft Ilsa J. Bick wahrlich aus dem Vollen! Im Jugendbuchgenre ist mir da noch nichts Vergleichbares begegnet! Für mich zeichnet genau das aber die Serie aus. Sie ist kein Einheitsbrei, ganz sicher nicht.
Ab einem bestimmten Punkt fand ich es sehr interessant zu verfolgen, wie sich die verschiedenen Handlungsstränge allmählich aufeinander zu bewegten. Das ist ein wenig verrückt, denn -ganz ehrlich- eine Chance darauf hatte ich kaum gesehen. Aber es funktioniert und ist dabei völlig logisch und nachvollziehbar. Wie oft hätte ich gerne einem Handlungsstrang einen ordentlichen Schubs gegeben, damit er schneller auf einen anderen trifft! Doch das funktioniert selbstverständlich nicht. Die Spannung bis es soweit ist, muss man durchstehen. So unglaublich schwierig es auch ist. Die Cliffhanger an den Kapitelenden sind oft sowas von fies!
Gegen Ende findet aber alles Geschehen schließlich zusammen und es geht noch einmal richtig rund! Für mich als Leser war das ein grausiges Gefühl: endlich war eigentlich wieder alles zusammen, was -meiner Meinung nach- zusammengehörte, und doch war weit und breit kein Happy End in Sicht! Stattdessen ging es noch einmal auf Leben und Tod.
Das Ende selber ist gut gemacht. Wenn auch im Vergleich zur Geschichte zuvor eher unspektakulär. Bis hierher hat man eine ganze Reihe Fragen beantwortet bekommen, die sich einem bis dahin gestellt haben, aber ein paar Fragen bleiben doch noch offen. Und einige davon bedeuten tatsächlich einen Hoffnungsschimmer für die Überlebenden aus “Ashes”. Dass das bei der Reihe möglich ist, hätte ich niemals erwartet.

Einmal mehr sorgen kurze Kapitel mit den besagten Cliffhangern dafür, dass sich das Buch wegliest wie nichts. Das spiegelt gut das Tempo der Handlung wider. Inzwischen bremsten mich auch die beschreibenden Passagen nicht mehr aus. Dennoch, bei allem Tempo sollte man stets aufmerksam bleiben. Es gibt viele Details, die einem dabei helfen, der Story auf den Grund zu gehen und ein Stückchen besser zu verstehen.

Das vertraute Covermotiv ist dieses Mal in ein sattes Dunkelgrün getaucht. Mit den schwarzen Bäumen und Vögeln im Hintergrund wirkt das schön düster. Und wie immer bin ich begeistert davon, dass auch die Buchdeckel in dieser Richtung gestaltet sind. Das ist so viel schöner als ein nacktes Buch in Händen zu halten. Jedenfalls für Leser wie mich, die ihren Büchern die Umschläge vor dem Lesen ausziehen.

Fazit:  “Pechschwarzer Mond” ist ein absolut würdiger Abschluss für die “Ashes”-Reihe. Rasant, super spannend und erschreckend brutal. Kaum zu glauben, dass am Schluss dann doch noch ein Fünkchen Hoffnung durchschimmert. “Ashes” ist nichts für schwache Nerven und empfindliche Mägen und in diesem Genre sicher gewagt, doch genau das hebt die Reihe für mich von ihren Kollegen ab. Ich habe seit Langem bei keiner Reihe mehr so sehr dem nächsten Band entgegengefiebert wie bei “Ashes”. Sie ist einfach etwas ganz Besonderes!

 Vielen Dank an Egmont Ink für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Ashes (3.2) – Pechschwarzer Mond
Autor: Ilsa J. Bick
Seiten: 448
Verlag: Ink Egmont
ISBN: 978-3863960636
Preis: € 17,99

Traumlos (01) – Im Land der verlorenen Seelen (Jennifer Jäger)

traumlosDie siebzehnjährige Hailey kann nicht träumen und das, obwohl sie in einer Gesellschaft lebt, die durch ihre Träume gesteuert wird. Der Regierung ist sie ein Dorn im Auge und es dauert nicht lange, da muss auch Hailey an den Ort der Traumlosen – in die “Klinik”, aus der keiner jemals zurückgekehrt ist. Doch dort lernt sie den ungewöhnlichen Jungen Caleb kennen, der ihr nicht nur hilft hinter das Geheimnis der Regierung zu kommen, sondern an den sie auch ihr Herz verliert.

“Traumlos” hatte mich mit dem schönen Cover gelockt. Allerdings hätte ich der Versuchung wohl besser widerstehen sollen.
Dabei klang die Idee für mich gut! Träume sind eines meiner Lieblingsthemen. Entsprechend war ich guter Dinge als ich mit “Traumlos” begann.
Ich will mich auf die beiden wichtigsten Faktoren beschränken, die mir die Geschichte verleidet haben. Erstens fand ich sie überhaupt nicht spannend. Das liegt wesentlich daran, dass zwar beschrieben wird, wie schlimm alles ist (die Traumkontrollen, die Strafen, die Regierung, die Klinik etc.), dass genau das bei mir aber überhaupt nicht so ankam. Es gibt kaum Szenen, die einem die Bedrohung  wirklich deutlich aufzeigen.
Zweitens hat es mich gestört, wie hier eine Liebesgeschichte aus dem Boden gestampft wird. Da ist keine Entwicklung, kein Knistern, keine romantischen Gedanken, nein, Hailey ist eines schönen Kapitels einfach in Caleb verliebt. Was ich obendrein nicht nachvollziehen konnte, denn so einen liebenswerten Eindruck hat er auf mich nicht gemacht. Und ich habe meine Zweifel, ob er tatsächlich das gleiche für Hailey empfindet.
Die Spannung und die Lovestory sind wohl die wichtigsten Elemente einer solchen Geschichte. Und beide Themen hat “Traumlos” für mich leider in den Sand gesetzt.
Über das Thema Rechtschreibfehler lasse ich mich jetzt nicht noch weiter aus. Aber es gibt reichlich davon, und  zwar solche, die ganz sicher auffallen.

Fazit: Ein verheißungsvolles Thema, doch nach dem vielversprechenden Anfang hat “Traumlos” mich leider enttäuscht. Schuld daran sind in erster Linie die nicht vorhandene Spannung und eine unglaubwürdige und wenig gefühlvolle Lovestory.


Titel: Traumlos (01) – Im Land der verlorenen Seelen
Autor: Jennifer Jäger
Seiten: 328 Seiten (geschätzt)
Format: Kindle Edition
Preis: € 3,99

amazonbutton

Artikel 5 (Kristen Simmons)

artikel5Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen. Religiöser Fanatismus hält Einzug in die Vereinigten Staaten: Wer gegen die strengen Statuten der Moralmiliz verstößt, dem stehen öffentliche Demütigung, Haft und sogar der Tod bevor. Die 17-jährige Ember lebt mit ihrer Mutter allein und versteckt. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen wird ihre Mutter verhaftet. Sie hat gegen Artikel 5 der Moralstatuten verstoßen, weil sie nicht mit Embers Vater verheiratet war. Ember wird in einer Besserungsanstalt für Mädchen gebracht und lernt dort Hass, Gewalt und fanatische Moralisten kennen. Sie weiß, sie muss ihre Mutter retten, koste es was es wolle. Und dazu braucht sie Hilfe des Mannes, der ihre Mutter verhaftet hat: Embers große Liebe, Chase.

Ich weiß nicht mehr genau, was mich neugierig auf dieses Buch gemacht hat. Bekanntlich bin ich mit Dystopien kaum bis gar nicht mehr zu begeistern. Vermutlich war es das Cover, das mir auch jetzt noch gut gefällt. Und dass Ember wegen ihrer Liebe zu Chase in ein großes Dilemma gerät.  Da hatte ich wohl auf etwas Romantik gehofft, was mich durchaus über eine sonst arg deprimierende Zukunftsvision hinwegtrösten kann.
So leid es mir tut, das zu sagen, aber “Artikel 5” hat mich (wegen meiner Erwartungen, die nicht erfüllt wurden?) insgesamt einfach nur enttäuscht. Die Ahnung, dass ich mir jegliche Romantik -selbst wenn es nur ein Funken wäre- offenkundig abschminken kann, kam mir schon nach wenigen Seiten. Und damit war dann nichts mehr da, was mich über die schaurige Zukunftsvision hätte hinwegtrösten können. Es ist ganz einfach so: ich kann diese finsteren Blicke in die Zukunft nicht mehr ab! Auch wenn die Geschichten das Thema von verschiedenen Warten aus angehen, prinzipiell ist es immer das Gleiche.
Da konnten mich hier weder die Moral Miliz, noch gewaltätige Anstaltsleitungen oder eine hartgesottene Putzfrau mehr schrecken.
Entsprechend wollte bei mir auch nur ganz selten Mal so etwas wie Spannung aufkommen. Wenn, dann hielt sie nur wenige Sätze lang an.
Das größte Manko war für mich Ember selber. Ich habe sie einfach nicht verstanden! Ich habe nicht verstanden, wieso sie in einer solchen Welt noch an der uns bekannten Moral festhält. Immerhin geht es um nichts Geringeres als ihr eigenes Leben. Und das ihrer Mutter natürlich auch. Wenn einem doch Gewalt angetan wird, wenn man geschlagen wird, wenn sich immer wieder Waffen auf einen richten und man für jede überlebte Minute dankbar sein kann, da muss man doch schon eine Heilige sein um noch an dieser verstaubten Moral festzuhalten. Das fand ich unglaubwürdig.
Genauso habe ich dieses Hin und Her mit Chase nicht verstanden. Einerseits träumt sich Ember oft zurück in ihre glückliche Vergangenheit mit Chase. Da spürt man schon, wie sehr sie ihn mal geliebt hat.  Und auch während ihrer gemeinsamen Flucht und Suche nach Embers Mutter gibt es immer mal wieder ruhige Momente, wo es zwischen ihnen knistert, aber Ember hat nichts Besseres zu tun als diese Momente zu ruinieren und Chase von sich zu weisen. Ja, ihn sogar richtig hassen zu wollen.
Mir ist schon klar, dass Kristen Simmons die Liebesgeschichte rauszögern will, weil es wohl einer der Ansporne ist, sie Trilogie zu verfolgen, aber dieses kindische Hin und Her hat zumindest mich arg genervt.
Und es hat mein Bild von Ember so verwackelt, dass ich nicht mal wusste, wie ich sie letztlich einstufen soll. Die abgebrühte, harte Tochter habe ich ihr nicht abgenommen, genauso wenig aber auch das einfach traurige und enttäuschte Mädchen, das seine Mutter retten möchte. Ich hatte stattdessen immer den Eindruck, dass Ember selber nicht weiß, wer sie ist und was sie will. Dabei ist ihre Leben eigentlich schon mistig genug, auch ohne dass sie es durch ihre unstete Art noch schlimmer macht.

Dass ich mich ganz schön durch das Buch gequält habe, hatte also in erster Linie inhaltliche Gründe. Es lag aber auch daran, dass es sehr viele erzählenden Passagen und im Verhältnis eher wenige Dialoge gibt. Und wenn in diesen Passagen noch etwas geschildert wird, für das man sich nicht erwärmen kann, fällt es eben schwer. Die Kapitel sind zudem nicht gerade kurz. Das geht dann eben nicht so sonderlich zügig voran.

Das Cover gefällt mir noch immer. Ich finde, es sieht geheimnisvoll aus. Zudem schön düster. So kann ich auch mit dem x-ten Gesicht auf einem Buchcover ganz gut leben.

Fazit:  “Artikel 5” war die letzte Dystopie für mich. Egal, welchen Aufhänger diese Geschichten haben, letztlich bleibt es bei einem Blick in eine sehr finstere Zukunft. Entsprechend bot mir auch dieses Buch nichts Neues. Hier war es halt die sogenannte Moralmiliz und lebensbedrohliche Gesetze. Das Ergebnis war das gleiche wie bei allen anderen Dystopien. Außerdem war ich von Ember genervt, die einfach nicht weiß, was sie will, und die sich offenbar gar nicht wirklich im Klaren darüber ist, in welcher Situation sie steckt. Sonst würde sie nicht alle naselang die Heilige geben wollen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Artikel 5
Autor: Kristen Simmons
Seiten: 432
Verlag: Egmont Schneiderbuch
ISBN: 978-3492702867
Preis: € 16,99

© 2019 Frontier Theme