Eberhofer

Kaiserschmarrndrama (Rita Falk)

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen ›Mona‹ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

Auf einen neuen Eberhofer freue ich mich immer schon Monate im Voraus. Ich habe die ganze Reihe verschlungen und natürlich musste da auch dieser neue Band her.
Es fällt mir wirklich schwer und ich sage es auch sehr, sehr ungern, aber zum ersten Mal hat mich eine Geschichte mit Eberhofer, seiner Familie und seinen Freunden mehr enttäuscht als begeistert.
Fangen wir bei dem neuen Fall für Eberhofer an. Der ist an sich gar nicht schlecht. In Niederkaltenkirchen scheint ein Serienmörder umzugehen. Innerhalb kürzester Zeit finden sich gleich mehrere gewaltsam getötete junge Frauen. Eine Spur führt geradewegs ins Internet, wo eine von ihnen einen mit höchst pikanten Videos ihr Geld verdient hat. Und obendrein stehen ausgerechnet der Simmerl und der Flötzinger ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Eberhofers besten Freunde lso. Brisanter geht es an sich nicht.
Mein Problem dabei besteht darin, dass ich rückblickend den Eindruck habe, dass Eberhofer zu den Ermittlungen am wenigsten beiträgt. Entweder scheucht er die armen Socken vom LKA durch die Gegend oder sein Kumpel Rudi wird eingespannt. Eberhofer selber habe ich gefühlt am seltensten bei irgendwelchen Nachforschungen erlebt. Das finde ich erstens schade und zweitens von der Figur einfach nur unverschämt. Ständig tönt er herum, welch hohen Posten er bekleidet, aber gerecht wird er dieser Position kaum. Er nutzt sie viel mehr aus.
So kam es dann auch, dass ich gar nicht mal Eberhofers Arbeit spannend fand, sonder mehr die, die zB der Rudi leistet. Auch wenn er sich bei Eberhofer & Co. anbiedert, wehleidig ist und auch mal nervt, aber er versteht seinen (ehemaligen) Job und kriegt darin etwas auf die Reihe.
Zum anderen kam es mir dieses Mal auch so vor als stehe der Fall fast kompeltt hintenan zum Geschehen in Eberhofers Privatleben. Natürlich war ich geschockt und traurig über die Sache mit dem Ludwig, gar keine Frage. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen ich Eberhofer absolut verstehen konnte.
Aber was den Hausbau auf dem Grundstück angeht, da konnte ich über ihn immer nur den Kopf schütteln. Dass er seine Macken hat, das weiß man, wenn man die Reihe kennt. Dass er an gewissen Gewohnheiten und Dingen unglaublich hängt, das ist auch bekannt und geht klar. Aber hier ist er dermaßen verbohrt, stur, boshaftund rücksichtslos, das hält man kaum aus. Das war das erste Mal, dass ich ihn überhaupt nicht mehr mochte. Ähnlich ging es mir auch mit der Oma. Zum ersten Mal fand ich sie absolut unmöglich mit ihren Faible für Sonerangebote, Coupons und Rabatte. Und die komplette Familie steht hinterher und applaudiert (bildlich gesprochen). Da für mich die größte Komik immer von Eberhofers Privatleben ausging, gab es dieses Mal auch nicht besonders viel zu lachen.
Ähnliches gilt für Erberhofers Umgang mit einigen Dingen, die seine Arbeit betreffen. Wenn man sich sonst alles andere als übernimmt und sich gerne mal durchschnorrt um zum Erfolg zu kommen und dann stolz die Lorbeeren einheimst, dann ist es sicher nicht angenehm zu sehen, wie Polizeiarbeit eigentlich aussieht. Aber dass er sich gebärdert wie ein bockiges kleines Kind und sich nicht anders zu helfen weiß als mit Rumschnauzerei, das ist schon wirklich sehr arm.

Wie gewohnt ist die Geschichte im dicksten Dialekt geschrieben, was mir nachwievor gefällt. Einige Redewendungen habe ich schon übernommen, weil ich sie so gerne mag. Außerdem liest es sich  wunderbar flüssig und locker, sodass man nur so durch das Buch fliegt. Viele Dialoge tragen ebenfalls dazu bei. Die Kapitel haben genau die richtige Länge. Nicht zu kurz, nicht zu lang. In dieser Hinsicht ist auch dieses Mal wieder alles top in Ordnung.

Das Covermotiv gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vor allem wegen dem Ludwig natürlich. Aber der Blick durch das Fenster verrät auch, dass der Hausbau voranschreitet. Und natürlich ist auch eine Pfanne mit Kaiserschmarrn zu sehen. Auf einem typisch bayerisch gemusterten Tischtuch, versteht sich.

Fazit:  “Kaiserschmarrndrama” war für mich die erste Enttäuschung in der Reihe. Der Fall hat so gute Ansätze, steht aber hinter dem Geschehen in Eberhofers Privatleben sehr zurück. Und es sollte auch nicht so sein, dass ich die Arbeit anderer an dem Fall spannender und interessanter finde als Eberhofers Beitrag. Absoluter Knackpunkt ist aber er selber. Ich habe ihn trotz seiner Macken immer gemocht, aber hier ist er in vielerlei Hinsicht einfach nur unterträglich. Kauzig zu sein, ist eine Sache. Ein A**** zu sein, eine ganz andere. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, dann steige ich aus der Reihe aus. Ich hätte nie, nie, niemals gedacht, dass ich das mal sagen würde.

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Titel: Kaiserschmarrndrama
Autor: Rita Falk
Seiten: 301
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261920
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Weisswurstconnection (Rita Falk)

Ein Luxus-Spa-Hotel öffnet seine Pforten, und die Hälfte der Dorfbevölkerung tobt. Als kurz darauf auch noch eine Leiche ausgerechnet in einer Marmorbadewanne dort liegt, muss der Eberhofer freilich wieder ran. Ganz egal, wie geschmeidig es mit der Susi grad läuft. Leider ist der Birkenberger Rudi momentan ein wenig verpeilt – was den Franz vor eine schwere Entscheidung stellt. Bleibt zu hoffen, dass zumindest er den Überblick behält. Oder verrennt er sich dieses Mal tatsächlich ein bisschen?

Endlich habe ich den (nicht mehr ganz) neuen Eberhofer gelesen. Sonst habe ich ihn sofort gelesen, sobald er eintraf. Aber 2016 war einfach kein so gutes Lesejahr bei mir.
Nun aber habe ich ihn endlich gelesen und er hat mir insgesamt so 50:50 gut gefallen.
Ein Mord im neu eröffneten Wellnesshotel von Niederkaltenkirchen hält Eberhofer dieses Mal auf Trab. Während der Mord Rätsel aufgibt, gibt es gleichzeitig auch noch massig Verdächtige. Denn so richtig begeistert war man im Dorf ja eher nicht vom neuen Hotel. Dass selbst Franz’ beste Freunde plötzlich auf der Verdächtigenliste stehen, sorgt für zusätzliche Brisanz.
So kann man als Leser gut mitknobeln und Verdächtigungen anstellen. Ich muss zugeben, ich habe es selbst der ein oder anderen an sich so lieb gewonnenen Figur mal zugetraut. Irgendwo sie sind ja -so kauzig und liebenswert- eben doch ein arger Sauhaufen in meinen Augen.
Somit war für mich durchgängi für Spannung gesorgt. Irgendwann beißt sich Eberhofer aber dann doch an einem Verdächtigen fest und ich muss sagen, dass ich zuvor bereits einmal in diese Richtung gedacht hatte, die Idee aber von wegen “das kann doch gar nicht sein” bald wieder verworfen hatte. Ich hatte sogar die richtige Idee, was die Ursache für die Tat sein könnte, aber es wollte mir halt einfach nicht wirklich in den Kopf.
Somit kam die Auflösung dann doch noch sehr überraschend. Ich muss aber gestehen, dass sie mir -im Verhältnis zum vorangegangenem Geschehen mit Ermittlungen und Verdächtigungen etc- eine Spur zu einfach gestrickt daherkam.Und irgendwie habe ich sie auch nicht als eine echte Krimiauflösung empfunden. Ich dachte die ganze Zeit quasi ‘was, das soll alles gewesen sein, dafür das ganze Brimborium zuvor?’ und irgendwie verstehe ich unter einem Mord doch etwas anderes. Vor allem unter einem Mord in einem Krimi. Das ist schwer zu erklären, aber ich hoffe, man versteht es trotzdem.
Ich fand übrigens auch, dass es dieses Mal nicht so viel aus Eberhofers Privat- und Familienleben zu lesen gibt. Natürlich mischen die Oma, die Susi, das Paulchen und Bruder Leopold mit, aber eben nicht so häufig und so ausführlich wie zB in den ersten Bänden der Reihe. Das ist einserseits gut, denn so bleibt der Fokus auf den Fall gerichtet und die Geschichte fühlt sich nach einem waschechten Krimi an. Andererseits gehört Eberhofers Familie für mich einfach in die Geschichten und sorgt bei mir für die meisten Lacher. Dieses Mal habe ich eher selten gelacht, was ich schade fand. Zudem kündigen sich im Zusammenhang mit der Familie gewisse Veränderungen für Eberhofer an, die mir nicht zusagen. Ich kann ihn mir so einfach nicht vorstellen und möchte ihn so auch gar nicht erleben.
Ob aus diesen Plänen tatsächlich etwas wird, bleibt hier aber erstmal noch recht fraglich. Daher hoffe ich noch, dass es nicht alles so eintreten wird. Und angesichts des Endes der Geschichte darf man sowieso noch großzügig daran zweifeln. Denn das Ende…nun, sagen wir mal, es dürfte Eberhofer-Fans mit einem entsetzen “Alles nur das bitte nicht!” zurücklassen. Mir hat es tatsächlich ein bisschen Angst gemacht. Ich bin gespannt auf den nächsten Band…falls es einen geben sollte. [Jetzt wäre der Moment für Fans, entsetzt zu gucken 😉

Wie gehabt liest sich auch dieser Krimi wieder weg wie nichts. Ich liebe Eberhofers Art zu erzählen, diesen Dialekt, die Formulierungen, einfach alles. Das ist so herrlich locker und so etwas liest sich für mich eben einfach wunderbar flüssig und fix. Ich möchte die Krimis manchmal ehrlich länger genießen, aber Eberhofers “Schnauze” reißt mich irgendwie jedes Mal mit. Und ich mag das halt auch so.

Mein erster Gedanke beim Anblick des Covers war: schwimmt da ein Gebiss im Bier? Der Lippenstiftabdruck ist wirklich nicht so gut getroffen, finde ich. Davon abgesehen ist es insgesamt aber ein zur Geschichte passendes Cover mit dem Polizeischlüsselanhänger, dem Kronleuchter, den man sich leicht in einem bayerischen Hotel vorstellen kann und natürlich den Weisswürsten aus dem Titel.

Fazit:  Der Krimi an sich hat mir sehr gut gefallen. Er ist spannend, lädt zum Mitknobeln ein und steht hier nicht hinter Eberhofers Privatleben zurück. Allerdings fühlte sich die Auflösung für mich einfach nicht krimiwürdig an und wirkte mir zu einfach gestrickt. Außerdem kam mir Eberhofers Familie etwas zu kurz, wodurch mir auch eine Ecke an Witz und Komik fehlte. Und die Entwicklung von Eberhofers Privatleben sagt mir (bislang) so gar nicht zu. So möchte ich es einfach nicht haben bzw ihn nicht darin erleben. Mal schauen, was daraus wird. Vor allem nach diesem Ende…


Titel: Weisswurstconnection
Autor: Rita Falk
Seiten: 304
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261272
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Leberkäsjunkie (Rita Falk)

leberkaesjunkieSchluss mit Fleischpflanzerln von der Oma oder mit »Warmen« vom Simmerl – die Cholesterinwerte vom Eberhofer sind so hoch wie die Laune im Keller. Dazu macht die Susi ihm Stress mit dem Sprössling: knallhart durchorganisierte Besuchszeiten, da kennt sie kein Pardon.
Und dann dieser grausame Mord an einem Fremden in der Pension von der Mooshammer Liesl, der mit Brandpaste beschmiert und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Warum hatte sich dieser Gast nach Niederkaltenkirchen verirrt? Und warum wollte man ihn so brutal aus dem Weg schaffen? Als ausgerechnet der angolanische Fußballspieler Buengo vom FC Rot-Weiß Niederkaltenkirchen unter Mordverdacht gerät, nimmt der Eberhofer die Ermittlungen auf.

Zunächst erstmal ein ganz großes “Tut mir leid”, dass die Leserattz so lange pausiert hat was Rezensionen angeht. Ganze zwei Monate. Wahnsinn! Irgendwie fehlten mir Zeit und Lust zum Lesen. Das soll sich aber nun wieder einpendeln.
Das fällt umso leichter, wenn man mit einer Besprechung zu einem Buch aus einer absoluten Lieblingsreihe wieder loslegt
In diesem siebten Fall hält eine Brandleiche Eberhofer schwer auf Trab. Da an selbiger Brandpaste nachgewiesen wird, ist ziemlich klar: hier war ein Mörder am Werke. Hier ist nicht einfach durch ein Unglück die Pension der Mooshammerin abgebrannt!
Ich weiß noch, wie ich den ersten Fällen von Franz Eberhofer vorgeworfen habe, dass das ganze Drumherum ständig davon ablenkt. Und so unterhaltsam wie dieses Drumherum auch ist, das sollte bei einem Krimi eben nicht so sein. Inzwischen hat die Reihe sich in dieser Hinsicht wirklich gemacht! Speziell bei diesem Fall ist es mir aufgefallen, dass die Geschichte trotz aller Ablenkungen immer wieder recht zügig zum Krimi zurückfindet. Das sorgt einmal klar für Spannung, aber eben auch dafür, dass die Handlung griffig wirkt. Da kann man gut mitknobeln und bleibt durchweg gespannt und neugierig auf den Verlauf und das Ende dieses Falles.
Unterstützt wird Eberhofer einmal mehr durch Rudi Birkenberger. Und wenn der Franz zwischendrin nicht selber zugeben würde, dass Rudi durchaus ein cleveres Kerlchen ist, müsste ich mich an dieser Stelle ernsthaft beschweren. Birkenberger hat nämlich -auch wenn er oft übereifrig ist- etwas, das Franz oft gänzlich fehlt: Ehrgeiz, Motivation und Lust auf erforderliche Ermittlungen. Und solch ein “Kollege” an der Seite schadet Eberhofer defintiv nicht.
Selbstverständlich bekommt man auch hier wieder einiges aus Eberhofers Privatleben geboten. Und das hat es durchaus ebenfalls in sich. Zwangsdiät, das eher kühle Verhätnis zur Susi, sein Vater, der mit einer Verdächtigen seinen zweiten Frühling erlebt und dann auch noch mit der Mooshammerin unter einem Dach leben. Da sind Turbulenzen und zahlreiche lustige Vorfälle und Dialoge vorprogrammiert. Ich habe wieder mal richtig lachen müssen bei dieser Geschichte. Genau das ist auch einer der wesentlichen Gründe, wieso ich diese Krimirehe so mag. Sie macht einfach riesigen Spass!
Und bitte, bitte, liebe Rita Falk, tritt dem Franz ordentlich auf die Füße! Es kann doch wirklich nicht sein, dass bald so viele Fremde in Niederkaltenkrichen einfallen und alles reibungslos und ohne mörderische Vorfälle über die Bühne geht!

Wie nicht anders zu erwarten, liest sich auch dieser siebte Fall weg wie nichts. Und das trotz zahlreicher Dialoge mit ordentlich Dialekt. Eberhofer erzählt eben einfach so wie ihm der Schnabel gewachsen ist und das liest sich herrliche leicht und schnell. Die Dialoge lockern zusätzlich auf. Und die Kapitel haben wieder eine verführerische Länge, bei der man immer denkt ach, eines noch und dann ist man auch schon beim Ende angekommen. Am Ende sind ein Glossar gewisser Begriffe und Rezepte abgehängt.

Das Cover ist dieses Mal in typisch bayerisch Blau-Weiß-Rot kariert gehalten. Das passt prima! Der Feuerlöscher macht neugierig. Was hat es denn damit auf sich bei einem Krimi? Und das Leberkäsbrötchen mit dem Salatblatt daneben deutet eines von Eberhofers rein privaten Problemen an.

Fazit:  “Leberkäsjunkie” hat mir einmal mehr richtig gut gefallen! Die Geschichte lässt den Fall niemals zu lange aus dem Auge. So bleiben die Spannung und eine griffiger Eindruck durchweg bestehen. Das war nicht immer so in dieser Reihe, daher klar ein Daumenhoch dafür. Aber natürlich geschieht auch in Eberhofers Privatleben wieder eine ganze Menge, was für Turbulenzen und viel Witz und Spass sorgt.


Titel:  Leberkäsjunkie
Autor: Rita Falk
Seiten:  320
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260855
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Zwetschgendatschikomplott (Rita Falk)

Zwetschgendatschikomplott (Rita Falk)Der Rudi zieht ins Schlachthofviertel und staunt, als ihm eine riesige Krähe einen abgetrennten Frauenfinger zu Füßen legt. In ihrem sechsten Fall ermitteln der Eberhofer und der Rudi im Münchner Rotlichtmilieu – denn der Finger gehörte einer ermordeten Prostituierten. Während der Wiesn sterben weitere Frauen durch eine rätselhafte Mordwaffe.

Endlich ist er da: der neue Fall für Franz Eberhofer! Es gibt wenige Bücher, denen ich jedes Mal so sehr entgegenfiebere wie Rita Falks Provinzkrimis.
Nun ermittelt der Eberhofer also in München. Ich muss zugeben, dass mir diese Entwicklung anfangs gar nicht gefiel, weil ich Angst hatte, dass so das Geschehen und die Figuren in Niederkaltenkirchen zu kurz kommen könnten. Andererseits sehe ich aber auch ein, dass man ein solches Nest nicht zum Sumpf des Verbrechens machen kann ohne dass es irgendwann unglaubwürdig erscheinen würde. In einer Großstadt wie München passiert einfach mehr. Dass dort mehr Verbrechen verübt werden als in einem Dorf ist klar. Somit ist das so zweifellos glaubhafter.
Außerdem habe ich bei diesem neuen Fall festgestellt, dass diese Trennung zwischen dem Mordfall in München und Eberhofers Familie in Niederkaltenkirchen dem Krimi eindeutig gut tut.
Sobald Eberhofer in München ist, geht es vornehmlich um die Morde und die Ermittlungen. Ging der Krimi in den Fällen aus Niederkaltenkirchen oft hinter dem übrigen Geschehen dort unter, so besteht diese Gefahr nun nicht mehr. In der Handlung in München steht der Krimi im Vordergrund. So kann man sich darauf besser konzentrieren und sogar mitknobeln. Außerdem hinterlassen die grausigen Taten so viel mehr Eindruck. Gemeinsam mit Eberhofer und dem Birkenberger geht man auf die Jagd nach dem Mörder, und was die beiden da abliefern, das kann man problemlos als Ermittlungen durchwinken. Gewürzt natürlich mit den üblichen Zickereien und Wortgefechten, aber man hat das Gefühl echter Nachforschungen. Das war bei den Fällen in Niederkaltenkirchen selten wirklich der Fall. Somit geht es spannend zu und ein Dreh kurz vor Ende sorgt nochmal für zusätzliche Brisanz. Da darf man mit Recht Angst um Eberhofer haben.
Jeden Arbeitstag fährt er morgens nach München und abends zurück nach Niederkaltenkirchen. Somit bekommt auch das Geschehen dort ausreichend Raum und kommt keineswegs zu kurz. Ich war ehrlich froh, dass meine Befürchtung nicht eintraf. Denn ich mag die Niederkaltenkirchener und ohne sie wäre ein Eberhofer-Krimi kein Eberhofer-Krimi.
Dieses Mal geht es auch im Dorf ordentlich rund. Es soll ein Hotel gebaut werden. Während einige Dorfbewohner -meist aus eigennützigen Moitven heraus- durchaus von der Idee angetan sind, so ist die Mehrheit klar dagegen. Und wer die schrägen und oft extremen Charaktere ein wenig kennt, der wird ahnen, dass da ordentlich die Fetzen fliegen. Ich konnte beide Parteien ganz gut verstehen und war entsprechend neugierig, wie der Disput ausgehen würde. Bis zur Auflösung habe ich das Geschehen mit größtem Vergnügen verfolgt und oft lachen müssen über den Einfallsreichtum einiger Niederkaltenkirchener. Da wird echt wortwörtlich bis aufs Blut für die eigene Überzeugung gekämpft. Manchmal tun es aber auch subtilere Mittel. Beispielsweise, wenn es im Dorf plötzlich kein Fleisch und keine Wurst mehr zu kaufen gibt. Wie heißt es so schön? Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt…auch das Aushungern der Gegenseite.
Mit der Liebe steht Eberhofer weiterhin auf Kriegsfuß. Zwischen Susi und ihm ist es aus, doch dann liegt sie plötzlich schwanger im Krankenhaus. Ich kann mir zwar kein bodenständiges Paar mit den beiden vorstellen, aber irgendwie gehören sie für mich einfach zusammen. So habe ich genau wie Eberhofer sehr gehofft, dass mit Susi und dem Kind alles gut wird. Und ich fand es total süß, wie viele Gedanken er sich darüber macht. Ganz so ein ungehobelter Klotz ist er eben doch nicht!

Ich habe mit den Krimi bewusst auf zwei Abende aufgeteilt um länger etwas davon zu haben. Es wäre aber ganz leicht gewesen, ihn in einem Rutsch zu lesen. Eberhofer erzählt wie ihm der bayerische Schnabel gewachsen ist, locker und flockig mit Humor und einem guten Schuss Dialekt. Das liest sich weg wie nichts. Die Kapitel sind dieses Mal ein wenig länger als bei den vorigen Bänden. Jedenfalls war das mein Eindruck. So kommt man mit jedem Kapitel ein ordentliches Stück voran.

Das Covermotiv bietet die von den Vorgängerbänden bekannte Mischung aus typisch bayerischen Elementen wie zB dem Dirndl oder dem Blick auf das Oktoberfest und Krimi-Elementen, beispielsweise die Waffe und die Blutflecken am Ärmel des Dirndls. Die Krähe verheißt ebenfalls nichts Gutes.

Fazit:  Ich hatte Zweifel, muss nun aber zugeben, dass die Trennung München – Kaltenkirchen den Krimis gut tut. Eberhofers Fälle und Ermittlungen stehen im München-Teil ganz klar im Vordergrund. Es gibt nichts, was sie dort zurückdrängt. Entsprechend spannend und grausig geht es zu. Doch Niederkaltenkirchen kommt keineswegs zu kurz, zumal Eberhofer nach Feierabend dorthin zurückkehrt und so noch immer voll mitbekommt, was im Dorf vor sich geht. Und das ist in diesem Krimi fast genauso spannend wie der Mordfall. Mir hat “Zwetschgendatschikomplott” wieder sehr viel Spass gemacht!


Titel:  Zwetschgendatschikomplott
Autor: Rita Falk
Seiten:  272
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423260442
Preis:  € 14,90 (broschiert)

Winterkartoffelknödel – Filmhörspiel

Titel: Winterkartoffelknödel – Filmhörspiel / Verlag: Der Audioverlag / Spielzeit: ca. 80 min / Sprecher: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz ua

winterkartoffelknödelInhalt: Franz Eberhofer, vor kurzem noch ein angesehener Kommissar bei der Münchner Polizei, wird strafversetzt – ausgerechnet in sein niederbayerisches Heimatdorf. Dort treiben ihn zwar seine stocktaube Großmutter und sein Beatles hörender Vater in den Wahnsinn, doch ansonsten geht es in seinem Leben eher beschaulich zu. Bis eines Tages eine Reihe von seltsamen Unfällen die Idylle stört und seinen kriminalistischen Ehrgeiz weckt. Franz Eberhofer ermittelt in seinem ersten Fall und entlarvt die heile Welt der Dorfgemeinschaft als trügerisch.


Ich bin bekanntlich ein riesiger Fan von Franz Eberhofer und seinen Krimis. Ich habe alle Bücher gelesen, alle Hörbücher gehört und “Dampfnudelblues” konnte ich durch einen glücklichen Zufall sogar im Kino anschauen. Bei “Winterkartoffelknödel” ist mir das leider nicht gelungen. Was für eine blöde Kinopolitik, aber echt! Das Filmhörspiel sollte ein kleiner Ersatz sein, aber es ist hier genauso wie bei so vielen anderen Filmhörspielen: es funktioniert einfach nicht. Natürlich bekommt man mit, um was es in diesem Fall geht, aber trotzdem wirkt die Geschichte abgehackt. Das liegt vor allem an den vielen Erzählerpassagen, in denen man gesagt bekommt, was man sonst auf der Leinwand sehen könnte. Das bringt die Story aus dem Fluss und erschwert es außerdem, dass man bei der Sache bleibt. Das ist schade, denn eigentlich ist die Geschichte wirklich gut und der Krimi auch spannend, doch als Hörspiel kam das bei mir absolut nicht so an. Genauso wenig wie der Humor. Was habe ich bei dem Buch gelacht. Bei dem Hörspiel nicht ein einziges Mal. Das ist echt so bedauerlich, das kann ich kaum in Worte fassen.

Es ist ein Filmhörspiel, daher hört man hier natürlich die Schauspieler aus dem Film. Allen voran Sebastian Bezzel, der nicht nur den Franz Eberhofer spielt, sondern außerdem noch als Erzähler im Einsatz ist. Das allerdings mit einem Tempo, dass man ihm im Gehen die Hose flicken könnte. Dabei redet er in der Geschichte doch durchaus flott. Wieso hat das als Erzähler nicht auch so geklappt?

Das Cover gleicht dem Filmplakat und ist für mich noch das Beste an diesem Hörspiel. Ich mag halt den Eberhofer und Sebastian Bezzel in dieser Rolle, und seinen Kumpel den Birkenberger mag ich genauso. Für bayerisches Flair sorgen die rotkarierte Tischdecke und die Kuckucksuhr.

Fazit:  “Winterkartoffelknödel” ist als Buch und Hörbuch absolut mein Fall, als Hörspiel konnte es mich nicht überzeugen. Filmhörspiele sind eine heikle Sache und hier hat es für mich einfach nicht funktioniert. Möglich, dass ich das anders sehe, wenn ich weiß der Himmel wann mal den Film gesehen habe.

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