Elisabeth Herrmann

Die Mühle (Elisabeth Herrmann)

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus.

Auch dieses Buch habe ich noch 2016 gelesen. Elisabeth Herrmanns Jugendthriller haben mir im Schnitt immer ganz gut gefallen und auch wenn bei diesem Buch von einem All Age-Thriller gesprochen wird, die Hauptfiguren sind für mich noch jung genug um es als Jugendthriller zu verstehen.
Ich muss gestehen, dass ich Lana anfangs nicht wirklich verstanden habe. Wie kommt man dazu, solch eine Einladung einfach anzunehmen? Das ist doch so schon von vorne bis hinten seltsam und undurchschaubar. Außerdem stand sie nie in sonderlich guter Beziehung zu ihren alten Schulkollegen, und da nimmt sie einfach so diese Einladung an und fährt mit ihnen in Wald und Berge? Ich weiß ja nicht. Aber klar, würde sie sich nicht darauf einlassen, hätte die Story keinen Aufhänger. Alleine durch diese Entscheidung wurde ich mit Lana sehr lange nicht richtig warm.
In der kleinen Reisegruppe musste ich mich erst zurechtfinden, wer welche Position hat, wem welche Rolle zukommt und wer welche Charaktereigenschaften mitbringt und was all das für die Gruppe für eine Rolle spielt. Erfreulicherweise ist die Gruppe nicht allzu groß, so ging das Zurechtfinden ziemlich fix. Ich bin ja bekanntlich gar kein Fan davon, mich bei einer ganzen Schar Figuren einfinden zu müssen. Eine gewisse besonders gefährliche Situation bringt das Wesen der einzelnen Figuren außerdem so klar ans Tageslicht, dass man sich spätestens dann klar über die Charaktere ist.
Das Setting mit der alten Mühle entsprach ganz meinem Geschmack. Sie wird wunderbar düster und unheimlich beschrieben, aber genau deshalb auch irgendwie schön und geheimnisvoll. Anfangs fühlte ich mich dort -genau wie die Gruppe- sogar noch auf urige Weise wohl, doch dann geschehen die ersten seltsamen Vorkommnisse. Zunächst sind sie nur eher seltsam, nehmen dann aber schnell an Bedrohlichkeit zu. Als einer der jungen Leute verschwindet, ist der erste Höhepunkt erreicht.
Aber schon vorher gibt es einige Anlässe zum Wundern und auch zum Schaudern. Und natürlich fragt man sich recht schnell, was oder wer dahinterstecken könnte, und warum eigentlich. Ich habe schon in der Gruppe viel herumspekuliert. Es gibt da so manche Gestalt, die ich mir gut als Täter hätte vorstellen können. Doch dann steckte eben genau diese Person wieder in lebensgefährlichen Schwierigkeiten und ich habe ich wieder umorientieren müssen. So blieb es bis zum Schluss wirklich spannend.
Elisabeth Herrmann schont ihre Figuren nicht. Sie geraten in einige wahrlich haarsträubende und gefährliche Situationen, die mehr als einmal schier auswegslos wirken und den Leser an den Fingernägeln knabbern lässt vor Aufregung. Der Gruselfaktor ist dabei mitunter auch recht hoch und ich bin manches Mal bei Geräuschen beim Lesen aufgeschreckt. So gehört sich das für einen Thriller!
Es gibt aber auch den einen oder anderen Punkt, der nicht so nach meinem Geschmack war. Einmal sind es diese häufigen, ausschweifenden Beschreibungen. Geraden wenn es um Gegenden wie einen Wald geht, kann ich damit nichts anfangen und es bremst mich beim Lesen aus. Auch Lanas Gedanken / Erinnerungen fielen mir manches Mal zu ausführlich aus. Weiterhin muss Lana ja wirklich hunderte von Schutzengeln haben. Ja, auch das muss für die Story wohl so sein, aber so richtig glaubhaft wirkte es nicht auf mich.
Insgesamt gesehen sind das jedoch nur Kleinigkeiten, die mir den Spass an der Geschichte nicht nehmen konnten.

Es hat etwas länger als gewöhnlich gedauert bis ich “Die Mühle” ausgelesen hatte. Wie schon erwähnt haben mich die weitschweifigen Beschreibungen und Gedanken immer mal wieder ausgebremst. Allerdings gibt es auch sehr viele Dialoge, was bei so vielen Figuren ja auch kaum ausbleibt und die widerum ließen sich für mich wunderbar lesen. Die Kapitel sind durchweg ziemlich kurz, was schnell dazu verleitet, dass man sich denkt ‘ach, eines schaffst du noch ehe du schlafen musst’ und dann war es bei mir doch wieder mehr als eins und ziemlich spät geworden.

Das Cover finde ich einfach genial. So schön finster und so unheimlich irgendwie mit der nur angedeuteten Mühle und den schwarzen Vögeln. Für mich ein echter Blickfang im Regal und ein Motiv, das eine spannende, düstere und unheimliche Story verspricht.

Fazit:  Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat mir “Die Mühle” sehr gut gefallen. Eine durchweg spannende Story, die ihre Figuren in wahrlich lebensbedrohliche Situationen bringt. Da kann man mehr als einmal mit den Charakteren bangen. Gleichzeitig fand ich die Frage unsagbar spannend, wer warum hinter den Vorkommnissen stecken könnte. Ich habe wirklich bis zur Auflösung gegrübelt, zu kombinieren versucht und verdächtigt. So hat mir “Die Mühle” wirklich Spass gemacht.


Titel: Die Mühle
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 448
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570164235
Preis: € 17,99 (Broschiert)

Seefeuer (Elisabeth Herrmann)

seefeuerklMarie Vosskamp kann nicht fassen, welchen Freund sich ihre Mutter nach dem Tod ihres Vaters zugelegt hat! Kein Stück traut sie Magnus, der in Windeseile das Kommando über das Vosskamp´sche Familienunternehmen übernimmt – und ihre Mutter auch noch heiraten will! Marie haut ab, um endlich ihre Träume zu verwirklichen, nach Friedrichskoog an die Nordsee, wo sie mit einem begehrten Praktikum ihrem Wunsch, Meeresbiologin zu werden, ein bisschen näher kommt. Dort lernt sie auch den attraktiven Vince kennen, der sich als Schatzsucher für das alte Schiffswrack der Trinity interessiert, das vor der Küste aufgetaucht ist. Mit der Trinity, die in den 50er Jahren in einem schrecklichen Unglück gesunken ist, heben sich dunkle Geheimnisse, die viel mehr mit Marie zu tun haben, als sie sich je hätte vorstellen können. Geheimnisse, die manche lüften und andere um jeden Preis verbergen wollen.

Auf diesen neuen Jugendthriller hatte ich mich riesig gefreut. Elisabeth Herrmann ist es noch mit jedem ihrer Jugendthriller gelungen, dass ich nach dem Lesen an die Schauplätze reisen wollte. Da war ich gespannt, ob das auch “Seefeuer” gelingen würde.
Anfangs sah es ganz danach aus. Die burschikose Marie mochte ich sehr schnell und ich habe sie für ihre Arbeit auf der Seehundstation bewundert. Dabei bleibt es natürlich nicht aus, dass man auch auf die Nordsee hinausschippert. Außerdem klingt oft heraus, wie sehr Marie die See liebt. Da hat man beim Lesen quasi den salzigen Geruch der Nordsee in der Nase und spürt den Seewind im Gesicht. Genau so wünsche ich es mir von Elisabeth Herrmanns Jugendthrillern. Entsprechend zufrieden war ich zunächst. Und ja, ein Ausflug an die See könnte mir in nicht allzu ferner Zukunft gefallen.
Als das Schiff der Seehundstation mit einem Metallteil eines vor mehreren Jahrzehnten Frachters kollidiert, kommt nicht nur dieses Teil an die Wasseroberfläche, sondern auch einige Rätsel und Geheimnisse aus Maries Familienleben. Das fordert Marie schon deshalb besonders, weil mit ihrer Familie so manches im Argen liegt. Ihr Vater ist vor Jahren verstorben, die Mutter ist Künstlerin, die die Realität meistens ausblendet, und ihr neuer Freund scheint nichts Gutes im Schilde zu führen. Maries geliebte Großmutter liegt nach einem Schlaganfall im Koma. So kann Marie sich bei ihr keinen Rat holen, und das, obwohl ausgerechnet die Großmutter eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Als Marie sich plötzlich Übergriffen auf sich, das Haus und ihre Familie ausgesetzt sieht, geht die der Frage nach, in welchem Zusammenhang sie bzw ihre Familie mit dem gesunkenen Frachter steht.
Ich habe dabei geraume Zeit gerne mitgerätselt, wer hinter den Angriffen stecken könnte und wieso. Vieles sprach für den Freund ihrer Mutter, aber irgendwie glaubte ich es nicht. Dann hatte ich Maries Kollegen im Verdacht, doch wieso sollten sie? Solches Rätseln macht mir immer viel Spass.
Allerdings kippte die Geschichte für mich wenig später in gewisser Hinsicht. Lange Zeit ist sie schön übersichtlich, doch bei ihren Nachforschungen muss sich Marie auch der Vergangenheit ihrer Familie stellen. So werden Charaktere von damals wichtig, zu den Verstrickungen in der Firma der Familie im Heute kommen noch Verstrickungen von früher hinzu, die heute wieder wichtig sind, und mit der Besatzung des Bergungsschiffs mischt nochmal ein ganzer Schwung neuer Figuren mit. Ich wusste zwar immer, um wen es ging, wenn ich einen Namen las, aber ich hatte nicht immer genau auf dem Schirm, was diejenige Person vielleicht mit Marie oder ihrer Familie zu tun hat oder welche Verbindungen es von ihr aus in die Vergangenheit gibt bzw geben könnte. Das hat sicher auch ein ganz kleines bisschen damit zu tun, dass bei mir sofort die Klappe fällt, wenn eine Geschichte die Nazizeit antippt. Aber hauptsächlich waren es mir zum Ende hin zu viele Figuren und Zusammenhänge.
Auch mit Marie habe ich mich zu diesem Zeitpunkt plötzlich schwer getan. Einfach, weil ich ihre Ansicht nicht teilen konnte, dass ein gesunkenes Schiff ein Grab ist, das niemand anrühren darf.  Und auf diesem Argument reitet Marie alle naselang herum. Das fand ich auch irgendwie egoistisch von ihr. Ja, Menschen aus ihrer Familie sind mit dem Frachter gesunken, aber trotzdem! Sicher hat nicht jeder im ihrem Umfald lautere Absichten mit der vermutlich wertvollen Fracht, aber beispielsweise die Bergungstaucher konnte ich nicht verurteilen. Sie tun letztlich nur ihren Job, und wem kann man es dabei schon übel nehmen, wenn auch eine Prise Abenteuerlust dabei ist? Nein, mit Maries radikalen Ansichten in dieser Hinsicht konnte ich mich nicht arrangieren.
Die Auflösung gefiel mir ebenfalls nur so halb. Ich mag es nicht so gerne, wenn ich einen ganzen Thriller oder Krimi geknobelt habe, wer der Täter ist, und am Ende dann erkennen muss, dass ich gar nicht darauf hätte kommen können. Spannend ist das Finale aber dennoch. Nur eben halt das Ende bzw der Täter…

Für “Lilienblut” und “Schattengrund” habe ich einen einzigen Abend bzw einen Tag gebraucht, dann waren die Bücher ausgelesen. Für “Seefeuer” habe ich drei Abende gebraucht. Das hatte aber die oben genannten inhaltlichen Gründe. Lesen lässt sich “Seefeuer” ebenso gut wie seine Vorgänger. Ich mag diesen Schreibstil, der sich so schön leicht und flüssig lesen lässt, Maries Alter entsprechend leicht jugendlich, aber doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Gestört habe ich mich an den drei Fehlern, die ich gefunden habe. Der erste gleich im ersten Satz, in dem ein “den” fehlt. Der zweite als das Schiff plötzlich “Sandrose” statt “Seerose” heißt. Bei dritten wird plötzlich die Mutter von Maries Großmutter erwähnt, obwohl mit Sicherheit die Großmutter selber gemeint ist. Ich bin ehrlich kein Fehlersucher und auch nicht sonderlich sensibel was das angeht. Wenn selbst mir das auffällt, dann heißt das also schon was.

Das Cover finde ich einfach nur toll. Die tosende See, der einsame Leuchtturm, der den Wellen trotzt, die Naturgewalt hinter solch einem Sturm kommt hier wirklich gut rüber. Und mit dem Rot den den sonst so düsteren Farben wirkt es auch  angemessen finster für einen Thriller.

Fazit:  Leider hat mit “Seefeuer” nicht so gut gefallen wie seine Vorgänger. Anfangs mochte ich Marie wirklich gerne und fühlte mich an die Nordsee versetzt. Später dann vertrat Marie Ansichten, die ich so nicht teilen konnte und die auf mich auch ziemlich egoistisch wirkten. Außerdem war das schöne Nordseeflair plötzlich verschwunden. Mein größtes Problem war es aber, dass mir die Geschichte später zu komplex wurde um noch alle Charaktere und Zusammenhänge stets im Hinterkopf zu haben. Und wenn ich ein Buch lang quasi umsonst gerätselt habe, wer der Täter sein könnte, dann finde ich das auch nicht so dolle…


Titel: Seefeuer
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 414
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570162675
Preis: € 14,99 (broschiert)

Schattengrund (Elisabeth Herrmann)

“Als die 17-jährige Nicola das Haus ihrer verstorbenen Tante erbt, ahnt sie nicht, wie bedeutsam dieser Name für sie wird. Es ist ein einsames Haus in einem abgelegenen Dorf, in dem sie als Kind oft zu Gast war. Ein Haus, in dem die Vergangenheit schlummert. Und ein Haus, das Nicos Eltern auf keinen Fall annehmen wollen. Als die Eltern das Erbe stellvertretend für ihre Tochter ausschlagen, reißt Nico heimlich aus, um Schattengrund wiederzufinden. Und kaum hat sie die Schwelle übertreten, da scheint eine lange verdrängte Wahrheit nach ihr zu greifen. Wie konnte sie das alles bloß vergessen? Die knarrenden Treppen, den staubigen Dachboden – und das Mädchen, mit dem sie hier immer gespielt hat? Fili, ihre allerbeste Freundin. Ihre Seelenschwester. Ihre tote Freundin. Ein grauenhaftes Verbrechen hat die Mädchen damals auseinander gerissen. Aber Nico kann ihren eigenen Erinnerungen nicht trauen. Und der Täter von damals ist noch immer im Dorf.”

“Schattengrund” ist erst mein zweites Buch von Elisabeth Herrmann. Bisher kannte ich nur “Lilienblut”, das mir super gut gefallen hat. Als ich jetzt hörte, dass auch “Schattengrund” wieder ein Thriller für Jugendliche ist, war ich natürlich sehr gespannt darauf. Ein solches Leseerlebnis wie mit “Lilienblut” hätte mir gut mal wieder gefallen. Leider reicht “Schattengrund” da aber nicht ganz heran.
Wobei ich es keineswegs schlecht fand! Ganz im Gegenteil!
Elisabeth Herrmann ist es mit “Schattengrund” einmal mehr gelungen, mir einen Landstrich Deutschlands so eindrucksvoll und schön zu beschreiben, dass ich dort jetzt unbedingt mal hin möchte. Dabei war mir der Harz bisher ziemlich egal 😉 Dadurch, dass anfangs vom Grauen noch nicht viel zu spüren ist, hat Siebenlehen reichlich Gelegenheit, sich dem Leser auf das Malerischste zu zeigen. Die Geschichte spielt im Winter und mir hat dieses Bild und die Stimmung vom winterlich-weihnachtlichen Knusperhäuschen-Dorf sehr gut gefallen!
Umso erschreckender ist dann, welche Entdeckungen Nico dort macht. An Nico habe ich mich erst ein paar Kapitel lang gewöhnen müssen. Mir war sie anfangs zu verschlossen, was ich völlig unbegründet fand. Denn sie ist schließlich clever, kein Teenie-Dummchen und hat durchaus auch eine lockere Zunge. Doch als sie ein paar Kilometer vor Siebenlehen im Schnee strandet und kämpfen muss, ab da hat sie mir prima gefallen und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Es ist irgendwie als käme da neues, mutigeres Leben in sie, und ich habe es bewundert wie sie mit all den Schwierigkeiten in Siebenlehen und speziell auf Schattengrund, dem geerbten Haus ihrer Tante, zurechtkommt.
Das Rätsel um die Ereignisse aus Nicos Kindheit haben es in sich und ich wäre lange Zeit niemals darauf gekommen, dass das Verbrechen in diese Richtung gehen würde. Das bringt natürlich Spannung in die Geschichte, denn es fügen sich höchstens mal kleine Bruchstücke zusammen, die aber keine eindeutigen Schlüsse zulassen. Zudem hat man quasi ein ganzes Dorf, das man vedrächtigen kann, an dieser ominösen Sache beteiligt gewesen zu sein.
Trotzdem hatte ich etwa in der Mitte das Gefühl, dass sich die Handlung ein wenig zieht. Vor allem während der ständigen Missverständnisse zwischen Nico und Leon. Natürlich ist klar, dass Leon sich gegen Nicos Verdächtigungen wehrt, denn die rütteln heftig am Bild das er von seiner Familie hat. Aber ein- oder zweimal weniger oder kürzer  hätte es für mich sein dürfen. Denn schließlich habe ich beim Lesen darauf hingefiebert zu erfahren, was in Siebenlehen Sache ist. Und das wird durch die Zankereien nicht klarer.
Das Finale hat mir dann nochmal richtig gut gefallen, denn zu diesem Zeitpunkt war ich mir mit meinem Verdächtigen ausgesprochen sicher und ich war ziemlich entgeistert, dass an dieser Erkenntnis nochmal so heftig gerüttelt wird. Ab da konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Ein kleines bisschen Romantik mischt in “Schattengrund” ebenfalls mit. Das darf für mich bei einem Jugendbuch auch gerne so sein, und Leon gefiel mir vom ersten “Auftritt” an wirklich gut. Der arme Kerl hat es mit Nico gar nicht so leicht. Die beiden geben ein tolles Paar ab, und kitschig wird es mit ihnen nicht. Eine solche Lovestory geht völlig in Ordnung.

Mit Nico steht eine Siebzehnjährige im Mittelpunkt der Geschichte und der Schreibstil passt sich da gut an. Er ist recht jugendlich locker, speziell in den Dialogen mit Nico und in ihren Gedanken, aber in den Schilderungen der Gegend und des Geschehens wird auch ein ernsthafterer und eindringlicher Ton angschlagen. So liest sich “Schattengrund” mal recht leicht, mal muss man sich Zeit und Ruhe dafür nehmen, wodurch es erst seine ganze Wirkung entfaltet.

Das Cover gefällt mir gut. Es ist schön düster, wogegen die leuchtend rote Schaukel einen tollen Kontrast bildet. Das Häuschen im Hintergrund kommt meiner Vorstellung von Schattengrund nahe. Etwas mehr Schnee hätte es für mich aber gern sein dürfen. Einfach weil ich die winterliche Szenerie so toll fand.

Fazit: Da sich “Schattengrund” für mein Empfinden in der Mitte ein wenig zieht, reicht es an “Lilienblut” nicht ganz heran. Empfehlen kann ich es trotzdem! Man hat auf jeden Fall einen sehr spannenden Jugendthriller in der Hand, der vor einer so täuschend verwunschenen Kulisse spielt, und der mit einer sehr sympathischen Hauptperson und vielen Gelgeneheiten zum Mitknobeln überzeugt. Ich bin mir sicher, dass an “Schattengrund” auch erwachsene Thriller-Fans ihre Freude haben werden.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms!


Titel: Schattengrund
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 416
Verlag: cbt / Random House
ISBN: 978-3570161265
Preis: € 14,99 (Broschiert)

Lilienblut (Elisabeth Herrmann)

Zu ihrem sechzehnten Geburtstag bekommt Sabrina einen Weinberg geschenkt! Aber die Winzertochter weiß gar nicht, ob sie so ein Leben wie ihre Mutter führen möchte: angebunden an den Weinberg, ohne Ferien, ohne Freizeit … Vielleicht sollte Sabrina es so machen wie ihre mondäne Freundin Amelie: das Leben genießen und so bald wie möglich in die Welt hinaus ziehen. Doch Amelie kann ihre Wünsche nicht mehr verwirklichen. Kurz nachdem die beiden einen geheimnisvollen Schiffer in einem verlassenen Seitenarm des Rheins kennengelernt haben, wird sie ermordet. Der Schiffer verschwindet, und alle glauben, dass er der Mörder ist. Außer Sabrina. Sie hat sich auf den ersten Blick verliebt und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Doch das ist gefährlich, denn viele am Ort haben etwas zu verbergen. Und dann ist da noch der Mord, der vor acht Jahren an genau derselben Stelle am Fluss geschehen ist …

Ich habe “Lilienblut” durch reinen Zufall entdeckt. Es war im Schaufenster einer Buchhandlung aufgestellt und da ich die Farbe Blau liebe, hat es sofort meiner Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Noch nie war ich mir beim Anblick eines Covers alleine so sicher gewesen, dass mir das Buch gefallen würde. Trotzdem habe ich es nicht sofort gekauft, sondern erst später auf der Leipziger Buchmesse, und auch das muss Schicksal gewesen sein. Denn ich begann abends auf dem Bahnhof zu lesen, verpasste meinen Zug (aber nicht wegen dem Buch ;)) und hatte dank eine irre umständlichen neuen Verbindung massig Zeit zum Lesen.
Zunächst muss man sagen, dass “Lilienblut” ein Jugend-Thriller ist. Die Hauptcharaktere sind Teenager. Ich bin mir aber sicher, dass auch erwachsene Thriller-Fans sicher ihren Spaß an diesem Buch haben werden, zumal die Handlung alles andere als jugendlich sachte oder seicht ist. Zudem spielt “Lilienblut” in Deutschland, was ebenfalls einen Pluspunkt einbrachte. Ich habe nämlich immer noch oft das Gefühl als dächten viele Autoren, wirklich gute Krimis oder Thriller dürften auf keinen Fall in Deutschland spielen.
Ganz genau gesagt spielt “Lilienblut” im Bundesland Rheinland-Pfalz, vornehmlich in den Orten Neuwied und Leutesdorf, die es wirklich gibt. Auch so etwas gefällt mir immer sehr, wenn so reale Orte für solche Storys gewählt werden. Von der Gegend dort wusste ich nichts, war nie da. Die Leute dort, die Gegend mit dem Rhein und den Weinbergen, ich kann nicht behaupten, dass mch das sonderlich interessiert hätte, wäre ich mal dort hin gekommen.
Doch Elisabeth Herrmann beschreibt die Gegend dort so detailreich und liebevoll, dass sie mich damit richtig verzaubert hat. Plötzlich erschien diese Ecke Deutschlands doch interessant, spannend und oft auch sehr düster.
Ebenso interessant hat Elisabeth Herrmann auch ihre Charaktere erdacht. Alle sind sehr gut ausgearbeitet und man wird schnell mit ihnen warm. Im Mittelpunkt steht natürlich Sabrina, die sich daran macht, den Mörder ihrer Freundin zu finden. Dabei hat sie immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen und bleibt so das, was sie ist: ein sechzehnjähriges Mädchen, dem sich die Polizei in den Weg stellt, das von der Mutter beschützt wird und die ihr auch mal Hausarrest verordnet, wenn Sabrina ihrer Meinung nach zu weit gegangen ist. Sabrina ist also keine der Super-Detektivinnen, die sich so gerne und oft  durch die Jugend-Thriller ermitteln.
Bei ihren Nachforschungen kommt Sabrina einem gut gehüteten Geheimnis um den toten Fluss auf die Spur, über das die ganze Stadt schweigt, das aber der Schlüssel zu Amelies Tod sein könnte. Dabei weiß sie manches Mal nicht mehr, wem sie überhaupt trauen kann und da es einem als Leser genauso geht, ist für durchgängige Spannung gesorgt.
Eine Lovestory darf in einem Jugendbuch natürlich nicht fehlen, aber sie steht hier nicht im Vordergrund, vor Kitsch triefende Szenen sucht man vergebens. Aber auch wenn sie auf diese Weise nur ganz, ganz selten im Vordergrund steht, so hatte ich doch das Gefühl, dass Liebe ein recht zentrales Thema ist, da sie einer der wesentlichen Antriebe für Sabrina ist, den Mord an Amelie aufzuklären.

Ich habe “Lilienblut” in einem Rutsch durchgelesen, konnte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Es liest sich eigentlich recht leicht, aber ich habe mir bewusst Zeit beim Lesen gelassen und jede Seite genossen, so sehr hat mich die Geschichte gepackt. Obwohl ich natürlich wisssen wollte, wer der Mörder ist und was es mit Kilian auf sich hat, hätte das buch meinetwegen gar nicht enden brauchen.

Wie gesagt war es das Cover, das mich sofort angesprochen hat mit dem düsteren blauen Hintergrund, der von der Struktur her wohl die Außenwand eines Schiffes darstellt, der großen weißen Blüte und der blutroten Schrift, die darauf tropft. Der Schriftzug ist leicht erhaben geprägt, so dass ein leichter 3D-Effekt erzeugt wird, was bei dem Tropfen besonders gut wirkt. Ein blutrotes Lesebändchen wäre noch schön gewesen. Außerdem ist im Cover des Hörbuchs “Lilienblut” eine Karte der Gegend abgedruckt, in der die Geschichte spielt. Das hätte mir beim Buch auch gefallen.

Fazit:   Bisher ist “Lilienblut” mein Buch 2010! Sauspannend, interessant, verzaubernd, romantisch, einfach rundum gelungen. Daher verleihe ich hier erstmals leserattz’s besondere Auszeichnung:

Die Ehren-Ratte für “Lilienblut

Titel:  Lilienblut
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten:  444
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16061-9
Preis:  € 17,95

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